Einzelbild herunterladen
 

M-aer Anzeiger

,....... § Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

. Verlag Fried. 7 r

Friedrich Ehrenklau, Lauter- Fulda- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt

jeden Werktag. Wochenbeilage: THeur 1 y^uagprets: monatlich 1,70 ^"Äserungsbehinderung durchHöhere

keine Ansprüche. Verlag Fr Aren klau. Fulda, :

Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. -mnw nir den Inhalt: B e r n d H e i m Fulda.

Schristleitung und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Fernsprecher Nr. 2989

Anzeigenpreis. 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." X. 35. 910. - Zur Zeit ist Preis, liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 268 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 15. November 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Der Aufruhr in Aegypten

Polizei schießt auf die Volksmenge.

Die blutigen Un- iilhen in Ägypten und die england- scindlichen Kund- ebmigen haben nach den letzten Meldungen mehrere Tote und über 150 Verwundete gefor­dert. Die Stim­mung in der Be­völkerung ist bis ouss höchste ge­sinnt. Die ägyp­tischen Nationa­listen, die so­genannte W a f d - Partei, deren Führer Nahas Pascha ist, ist Trägerin der Er­regung gegen Eng­land. In London

hüt die Entwicklung Nahas Pascha, in Ägypten Bestttr- der Führer der ägyptischen Nationalisten.

jung hcrvorgerufen, da man hieraus

(Weltbild.)

Wierigkeiten in dem italienisch - englischen Konflikt crivartet.

Ae Wafd-Partei hielt im Volkshaus in Kairo eine Massenversammlung ab, die ihren Führer Nahas PW mit Hochrusen empfing. Als Rufe wieNieder Wen Engländern" undEs lebe die Revolution" laut Wen, ging die Polizei mit der Waffe vor und stürmte Mfs Volkshaus. Dabei wurde ein Anhänger der Wafd- Partei getötet und etwa 30 Personen verletzt. Ein Zug von nationalistischen Demonstranten, die sich mit Stöcken und dicken Ästen bewaffnet hatten, wurde auf der Straße von Gizeh nach Kairo von der Polizei mit Waffengewalt ausgelöst. Es wurde scharf geschossen. Ein englischer Polizeioffizier gab in der Notwehr mehrere Schüsse ab, dieöi e r P e r s o n e n tödlich trafen. Unter den ver­ätzten Polizisten befindet sich ein englischer Beamter. Die Demonstranten, die nach mehreren Polizeisalven aus­einanderstoben, ließen auch zahlreiche Verletzte zurück. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Die Regie­rung hat alle wichtigen Plätze in Kairo durch Regierungs- iruppen besetzen lassen.

Gleichzeitig brachen in Tanta und in Alexan­drien Unruhen aus. Man befürchtet, daß der Aufruhr auch auf die Provinz übergreift. Sämtliche Gouverneure und Polizeikommandanten haben strengste Weisungen «halten.

*

In dcu Mittagsstunden des Donnerstag flammten die Demonstrationen erneut auf.

Mehrere tausend Studenten, die sich vorher in der Nähe °« Universität gesammelt hatten, versuchten in die

zu ziehen.' Sie batten die Absicht, alle Studenten und Schüler, die sich dem Streik noch nicht angeschlossen Wen, aus den Schulen herauszuholen. Der Zug der Demonstranten bewegte sich auf die Abbasbrücke zu, dre uder den Nil in die Stadt führt, wobei aus der Menge wie:Hoch Ägypten! Es lebe die Freiheit! Nieder W England! Nieder mit dem Verräter Hoare!", laut wurden. Unterwegs bewaffneten sich die Demonstranten ut Stöcken und großen Steinen.

An der Abbasbrücke traf der Zug auf die Abwer- rung der Polizei, die unter Leitung eines englischen Owoffiziers stand. Ein wildes Handgemenge ent» in dessen Verlauf sich die Polizei gezwungen sah, der Schußwaffe Gebrauch zu machen. ->e Stenge strömte zurück, wobei sie ihre Toten und ^ttwundeten mit sich nahm. Vier Studenten sollen dem Zusammenstoß getötet und sechs schwer ver­windet worden sein Von der Polizei wurden der eng-

Offizier und ein englischer Sergeant schwer verletzt. Ägyptische Universitäten für eineWoche geschlossen an. ^ aus Kairo gemeldet wird, fand am Donnerstag ^ngcsichts der gespannten politischen Lage eine S o u d er» ngdes ägyptischen Kabinetts statt. Dre Legierung beschloß, die N u i v e r s i t ä t e n ab Sonntag biâ ^oche lang zu schließen, Wenn nicht alle Studenten An, Sonnabend morgen das Studium wieder aufnehmen.

Donnerstag fanden weitere Kundgebungen streikender br2^bn statt. Im Hof der medizinischen Fakultät llen die Studenten Hochrufe auf Nahas Pascha aus. rußn«11 .Loudon wurde amtlich mit geteilt, daß die Un» Ä 111 Ägypten zu keinem politischen oder ander- Ä Vorgehen Englands Anlaß gäben. Derr letzten vEchten zufolge seien die Behörden Herr der in « s 3u den Berichten über italienische Propaganda , - gypten wird in London erklärt, es lägen kerne Sc» v°r, daß diese Propaganda irgendeinen Einfluß schon â Sa9e gehabt habe. Die britische Regierung habe d i ei.01 einiger Zeit in Rom einen Protest gegen italienische Propaganda eingeleitet.

Mehrere Tote und viele Verwundete

Kampf um die Oberhoheit in Ägypten. Hundertprozentig sicher ist die englische Machtstellung nie gewesen. Immer sind Aufstände in Ägypten aufgeflackert. Konferenzen und Ausgleichsversuche haben in der 53jährigen Geschichte nicht zu einer beide Teile befriedigenden Lösung geführt. Die Ägypter haben England ein Zugeständnis nach dem anderen abgerungen, aber immer wieder hat England sich Vorbehalte gesichert und Einschränkungen gemacht. 1922 mußte England Ägypten aus dem Protektoratsver­hältnis entlassen, aber es stellte gleichzeitig die Be­dingung, daß die Verbindungswege des englischen Welt­reiches von London aus gesichert werden. Eine eigene Verfassung, die man 1923 in Kairo in großen Strichen entworfen hatte, hat England seinerzeit außer Kraft gesetzt und der sogenannten Wafdpartei, den ägyptischen Nationalisten, die sich in der Verfassung entscheidenden Einfluß gesichert hatten, einen schweren Hieb versetzt, den die Wafds London nicht vergessen. 1930 wurde eine neue Verfassung eingeführt, in der sich England wieder bedeutende Vorrechte sicherte, aber 1934 wurde diese Ver­fassung wieder außer Kraft gesetzt.

Die Wafds haben London Kampf bis zur Ent­scheidung angesagt, und sie halten scheinbar den jetzigen Zeitpunkt für gekommen, um ihren Forderungen energisch Nachdruck zu verleihen. Sie sehen es mit an, wie England in seiner Mittelmeerpolitik Ägypten zu einem starken Stützpunkt ausbaut. Und sie erkennen, daß man Ägypten

England im Zeichen der Wahl.

Die Sorge um die Wahlbeteiligung. Wahlappelle der Negierung in letzter Stunde.

Am Donnerstag stand Großbritannien im Zeichen der Wahl zum Parlament. Die Wahlstimmung war, ab­gesehen von den Industrie- und Bergbaubetrieben, tn denen die K o m m u u i st e n eifrige Propaganda trieben, ziemlich lau. Allerdings haben die Wahlausschrettungen der Linksparteien in den letzten Tagen noch aufrüttelnd ge­wirkt und die Wähler der Konservativen etwas aus lhrcr Wahlmüdigkeit herausgerissen. , .

Bereits morgens um 7 Uhr setzte die Stimmen­abgabe ein. Namentlich die Berufstätigen gingen gleich am frühen Morgen zur Wahlurne. Das Straßenbild zeigte im allgemeinen keine besonderen Veränderungen. Erst in den Nachmittagsstunden setzte ein Schlepp­dienst ein. ~ m

Die Wahlwetten haben dre Quote für die Regie­rungsparteien mit jedem Tag weiter heruntersetzen müssen. Die Wetten gingen darum: Wieviel Stimmen Mehrheit wird die Regierung bekommen? Zunächst tippte man aus 150, in den letzten Stunden gaben Pessimisten den Regierungsparteien sogar nur noch lOU Stimmen Mehrheit, wobei man

die Wahlmüdigkeit

in Rechnung stellte. m ,

Die Größe des Wahlpeges der Regierung daß es ein Sieg wird, daran zweifelt niemand hänat also davon ab, wieviel Wähler auf die Beine gebracht worden sind. Aus der Parteizentrale der Konservativen ver­lautete, daß mindestens eine 60prozentige

Der Führer Met ein Mtorrettungsboot.

Empfang einer Abordnung derDeutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger".

Der F ü h r e r u n d R e i ch s k a n z l e r empfing eine Abordnung derDeutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger", die in diesem Satire auf ihr 70jähriges Bestehen zurückblickt, und nahm deren Bericht über ihre Organisation und Arbeit entgegen. Als Zeichen des Dankes für die ihr zuteil gewordene Förderung überreichte der Vorsitzende der Gesellschaft, Adalbert Korff, Bremen, dem Führer und Reichs­kanzler dem Schirmherrn des deutschen Scerettungs- iverks, das Modell des H a lbg ed eckten Motor- rettungsbootes.

Der Führer dankteder Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" und allen, die mit dieser dem deutschen Seerettnugswerk dienen, für die bisher geleistete opfermutige Arbeit und sagte auch fernerhin sein Interesse und seine Förderung zu. Als Ausdruck der Wertung, die er selbst wie die NSDAP, der tapferen Rettungsarbeit deutscher Seeleute entgegenbringt, stiftete der Führer namens der NSDAP, derGesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" einMotorrettungsboo t modernen größeren Typs.

MMW

Der Kamps der Wafd-Partei

um die Unabhängigkeit Ägyptens

Seit der Besetzung Ägyptens imJahre 1882 durch die englischen Truppen führt England einen erbitterten

WM-M

Blick auf Kairo. Im Hintergrund die Zitadelle. (Aufn. Ufa.)

in London zur Zeit sehr braucht, um die englische Vor­herrschaft im Mittelmeer nicht zu verlieren. Also präsen­tieren sie England ihre Rechnung.

In diese Krisenstimmung hinein fiel das Wort des englischen Außenministers Hoare, daß jetzt nicht die Zeit sei, das Verhältnis zwischen England und Ägypten grundsätzlich zu regeln. Das Bekanntwerden dieses Aus­spruches löste bei den ägyptischen Rationalisten höchste Empörung aus, die schließlich in blutigen Demonstra­tionen und Straßenkämpfen ihren Ausdruck gesunden hat.

Wahlbeteiligung notwendig sei, um der Regierung die sichere Mehrheit zu geben. Die Wahlbeteili­gung ist in England stets ein sehr unsicherer Faktor in der Wahlrechnung. Selbst bei den Krisen­wahlen im Jahre 1931 blieb über ein Drittel der Wähler zu Hause. Diesmal mußte auch das regnerische Wetter in die Berechnung einbezogen werden, wodurch die Wahl­beteiligung besonders auf dem Lande und unter den Frauen beeinflußt wurde.

Die Frauenstimmen bringen vielleicht sogar die Entscheidung,

da sie mit 1750 000 Stimmen die Mehrheit der Wähler­schaft ausmachen und weil man annimmt, daß die Re­gierung mit ihrer ParoleArbeiterpartei bedeutet Sanktionskrieg" gerade unter den Frauen große Wirkung erzielt hat.

Der Regierung ist noch in letzter Stunde ein besonders wirksamer Wahlappell durch die Veröffentlichung der Einfuhr- und Ausfuhrziffern des letzten Monats und des laufenden Jahres gelungen, die eine bemerkenswert aufsteigende Tendenz aufweisen. Außerdem erließ MacDonald noch einen Wahlauf­ruf, der lediglich an Hand von Zahlen nachzuweisen ver­sucht, daß die Regierung im Kampf gegen die Arbeits­losigkeit prozentual mehr als alle ihre Vorgängerinnen zusammen geleistet habe:Setzt die Regierung wieder ein, dann wird sie ihren eigenen Rekord noch schlagen!" so lautete daher seine Wahlparole.

Einweihung einer Führerbüste im Hause des Volksgerichtshofes.

In der Eingangshalle zum Gebäude des Volksgerichtshofes in Berlin ist am Donnerstag- nachmittag im Beisein des Reichsjustiz­ministers eine von dem Münchener Bildhauer Göbel geschaffene Bronzebüste des Führers und Reichskanzlers feierlich eingeweiht worden. Die Büste, die sich gegenüber dem Eingangsportal auf hohem Marmorsockel erhebt, wird dem Besucher schon beim Be­treten des Hauses zum Bewußtsein bringen, daß des Führers Wunsch und Wille oberstes Gesetz gerade auch in diesem Hause ist, das der Abwehr verräterischer Angriffe die Sicherheit und den Aufbau des Staates dient.

auf

Einweihung des Hauses der Flieger.

Am Donnerstag fand die Einweihung des Hauses der Flieger in den Räumen des früheren Preußischen Landtages in Berlin statt. Bei dieser Ge­legenheit übergab Ministerpräsident General Görrng dem Präsidenten des Aeroklubs von Deutschland, Wolf­gang von Gronau, die Räume im Rahmen einer in» fernen Feier ihrer neuen Bestimmung