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Moaer Anzeiger

g&Si^ ? Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg-

&l$KÖstiH«£ Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

^^ Sauptschriftleiter Friedrich Ehren- Z V

^Ä^ ^B ?r n^H?i n? Fulda. Schristlektung UN- Hesthästsstelle: Königftraße 42 Zern/precher Nr. 2989

Ur. 271 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 19. November 1935

Anzeigenpreis. 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." X. 35. 910. Zur Zeit ist Preis« liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Stallens Sanktionsabivehr.

Große Protestumzüge. Die ersten wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen. Bereits Boykott ägyptischer Waren.

Aus Anlaß des Sanktionsbeginns waren am Montag in »anz Italien die Fahnen gehißt worden M einmütiges Bekenntnis Italiens zu entschlossener Weil wehr gegen die Sanktionsstaaten. In Rom sam- mttten sich Studenten zu großen Umzügen durch die Ltadt, um gegen alles Fremdartige eine Art Razzia zu icraniiattem Das englische Konsulat und tüqlischc Geschäfte waren durch feldmarschmäßig aus- acrüstete Soldaten geschützt. Ebenso sorgte ein großes Kara binieriausgebot für den Schutz der englischen und französischen Botschaft.

In allen Städten und Dörfern wurden an den Ge­meindehäusern zur Erinnerung an den 18. November IW Gedenktafeln angebracht, die, wie es in einer auf der diesjährigen Herbsttagung des Großen Faschistischen Mes angenommenen Entschließung heißt, das Datum des 18. November 1935 für alle Zeiten als ein Damm der Schmach und der Ungerechtigkeit in der Weltgeschichte festhalten sollen. In Rom und in den anderen Städten herrschte seit den frühen Morgenstunden ungewöhnliche Belebung. Umzüge mit Tausenden von Teilnehmern, hauptsächlich der studierenden Jugend, hatten sich schon in den frühen Morgenstunden gebildet, um den feierlichen Protesten des Großen Faschistischen Rates und der für Wissenschaft und Kunst führenden Königlichen Akademie vor der Weltöffentlichkeit noch besonderen Nachdruck zu verleihen.

Geschäfte in Rom, die noch nicht ihre englischen zimenÄNsschriften entfernt hatten, wurden ge­zwungen, diese zu beseitigen.

Häuser, die früher im ausländischen Besitz waren oder auslmdische Waren verkauft hatten, hatten ebenfalls rcWchen Flaggenschmuck angelegt.

^wirtschaftlichen G e g e n m a ß n a h m e.n. Italiens haben ebenfalls in vollem Umfange ein- Mtzt. Die Zollämter an den Grenzen und in den Häfen dliben strengste Anweisung erhalten, nur noch solche Laren passieren zu lassen, die bereits am Sonntag nach Wien abgesandt worden waren.

Die Sparmaßnahmen werden in allen staatlichen und privaten Betrieben unter peinlichster Genauigkeit durchgeführt.

Ae großen Firmen haben bereits aus Ersparnisgründen durchgehende Arbeitszeit eingeführt. Mitte der Woche ldttden auch die Banken folgen. In ganz Italien duld eine systematische Sammlung von Alteisen uud anderen Metallabfällen durchgeführt, besonders die -Miljugend beteiligt sich an der Ältmetallsammlung.

Starker abessinischer Widerstand.

Nach Ankunft Marschall Badoglios neue italienische Offensive.

neue Oberbefehlshaber w "alienischen Truppen.

(Wagenborg-Bildarchiv.)

Die Italien e r stoßen jetzt in Abessi­nien sowohl im Nor­den als auch im Sü­den auf den hef­tigsten Wider- st a n d. Im Süden bei S a s a b a n e h in der Ogadenwüste ha­ben die Italiener mit den besonderen Schwie­rigkeiten zu kämpfen, daß Wolkenbrüche das Land in einen See von Schlamm verwandelt haben, in dem einige Dutzend von italieni­schen Tanks steckenge­blieben sind. Außerdem wird das Gebiet, dem

Italiener sich jetzt ge­nähert haben, wegen des Gerölls und der vielen kleinen Hügel , für die italienischen schwer zu befahren sein. Die Abessinier haben Tankfallen angelegt. Auf diese Werse sind "alienische Tanks erbeutet worden. Graziani bemüht sich, Verstärkungen heran- da er noch unbedingt im Winter, ehe die neue ^eit einsetzt, bis nach Harrar Vordringen will. . Rück^ Norden wird der abessinische Kleinkrieg lm A d" italienischen Divisionen fortgesetzt. Nachdem sich:.ei^ Oberkommandierende Marschall Badoglio den i ^"pel nach Ostafrika eingeschifst hat, tvo er um ZchO' .November herum erwartet wird, ist nach diesem mit einer größeren italienischen «-"s've im Norden von Abessinien zu rechnen eineS italienische Zeitung veröffentlichte an die in Eritrea beschäftigten italienischen 5 "Bauarbeiter, deren Verträge jetzt ab«au,en und

Aus Rom wird gemeldet, daß das Land fürs erste gegen den Wirtschaftskrieg erfolgreich gewappnet ist.

Mit den kriegswichtigsten Rohstoffen ist Italien aus geraume Zeit eingedeckt.

Eine unmittelbare währungspolitische Gefahr scheint vor­erst auch nicht zu bestehen. Unter diesen Umständen glaubt man, daß die ersten ernsten Rückwirkungen des Wirtschafts­krieges sich im eigenen Lande nicht früher zeigen, als die ersten ernsthaften Störungen im Wirtschaftsleben der Sanktionsstaaten.

OpferaMon der italienischen Frane».

Um dem Ernst der Lage Rechnung zu tragen, begann am Montag in ganz Italien auch eine groß­zügige Opferaktion. Die goldenen Ehereifen werden gegen Trauringe aus Eisen eingetauscht. Diese eisernen Ringe tragen das Datum des 18. November 1935 und die Inschrift:Die Antwort der italienischen Frauen an Genf". Der italienische Boykott gegen ägyptische Waren hat bereits eingesetzt. Nach Ostafrika fahrende italienische Dampfer weigerten sich, in Ägypten, wie üblich, ihre Vorräte an Zigaretten und anderen Waren aufzufrischen.

Auch Abschneidung der OSZufuhr nach Italien.

Die Auslandspreise steht ebenfalls völlig im Zeichen des Sanktionsbeginns. Nach einer Meldung der englischen ZeitungDaily Telegraph"

beschäftigt sich der Völkerbund bereits mit der Anwendung weiterer wirtschaftlicher Sanktionen.

Vor allem soll die Q l z u f u h r nach Italien a b - s geschnitten werden, eine Maßnahme, die Italien am wirksamsten treffen und zu einem militärischen Stillstand, in Abessinien bringen dürfte. Die Vereinigten. Staaten von Nordamerika hätten die Zusiche-( rung gegeben,den Ring um Italien nicht zu durch­brechen". Das Ergebnis der verschiedenen Verhandlungen in der letzten Woche zwischen dem englischen Botschafter in Rom, Sir'EricDrummond, und Mussolini, so schreibtDaily Telegraph", sei ein glattes Nein von britischer Seite.Nicht ein Kriegsschiff kann vorläufig aus dem Mittelmeer zurückgezogen werden."

die wegen Verzögerung ihrer Heimbeförderung unruhig aeworden sind Die zuständigen militärischen Stellen mahnen zur Disziplin im Interesse des italienischen Vor­marsches und drohen s ch a r f e M a ß n a h m e n g e gen Zuwiderhandlungen bei der tzeimkehr nach Italien an.

Neigende franzöMe Heeressusgaben

Paris, 19. November.

In der Kammer ist der Bericht des radikalsozialistischen Abgeordneten Archambaud über die Heeresausgaben 1936 verteilt worden. Er weist die Ausgaben für diesen Zweck mit insgesamt 6952 Millionen Francs aus, und zwar 4398 Millionen im ordentlichen Haushalt, 1806 Mil­lionen außerordentliche Rüstungskredite, 630 Millionen Unterhaltung der Gendarmerie und Mobilen Garde (Kre­dite, die beim Innenministerium geführt werden), 118 Millionen Rüstungsausgaben für Gendarmerie und Mo­bile Garde.

1935 beliefen sich die Heeresausgaben auf 7122 Millio­nen Francs. Die Verminderung für 1936 ist, wie der Be­richterstatter erklärt, aber nur scheinbar, denn durch die Auswirkung der Notverordnungen sind im Haushalt für 1935 etwa 530 Millionen eingespart worden, so daß also die Ausgaben für 1936 im Endergebnis um 360 Millionen Francs höher sein werden als die des Vorjahres.

Im dem Bericht wird im Anschluß an phantastische An­gaben über die deutsche Heeresstärke erklärt, daß die Be­stände der französischen Streitkräfteungefähr nur 654 000 Mann einschließlich der Offiziere und Mannschaften in den Kolonien" betrügen. Im einzelnen setze sich die französische Heeresmacht zusammen aus 368 000 Mann zur Verteidigung des Mutterlandes einschließlich 30 000 Mann Reserve, 73 000 Mann bewegliche, also stets und überall einsatzbereite Streitkräfte, 213 000 Mann überseeische Truppen. insgesamt 654 0Q0 Mann,

Der deutsche Bauer im Kampf gegen den Bolschewismus.

Ein Nachwort zum Goslarer Reichsbauerntag.

Der Stellvertreter des Führers, Heß, hat bei der Abschlußkundgebung des 3. Reichsbauerntages in Goslar auf die Gefahren des Bolschewismus hin­gewiesen und betont, daß die Erzeugungsschlacht im wesentlichen eine Abwehrschlacht gegen den Bolschewis­mus sei. Und es ist wirklich so: Wer der Meinung ist, daß der Bolschewismus mit seiner vollkommenen Aus­rottung in Deutschland nun auch in seiner Bedeutung für die Welt erledigt sei, beweist damit, daß er den Bolsche­wismus in seinen wesentlichen Punkten als weltrevolu­tionäre Idee noch nicht verstanden hat. Es ist das geschichtliche Verdienst des Führers und der nationalsozialistischen Bewegung, den Bolschewismus innerhalb Deutschlands Grenzen rest­los zerschlagen und damit dem weltrevolutionären Generalstab in Moskau einen seiner wichtigsten Trümpfe aus der Hand genommen zu haben. Der Führer hat dem Abendland und seiner Kultur einen Dienst erwiesen, dessen grundsätzliche Bedeutung für die friedliche Fort­entwicklung der Welt vielleicht erst Generationen nach uns voll und ganz verstehen werden.

Als im Mai 1935 sich Frankreich mit der Sowjetunion in einem Militärbündnis zusammenfand, war dies der Beweis dafür, daß dem Sowjetismus im Augenblick jedes Mittel recht ist, um selbst im Zusammenhang mit kapitalistischen Demo­kratien, die er in jedem Falle bekämpft und beseitigt wissen will, zu seinem Ziel zu gelangen. Wertvollste Hilfe soll ihm dabei die Rote Armee leisten, deren Auf­gabe in den letzten Jahren mehr und mehr darauf ab­gestellt worden ist, mit Feuer und Schwert die Welt- revolution vorzubereiten. Erst vor wenigen Wochen, anläßlich des 18. Jahrestages der bolschewistischen Revolution, erging wieder einmal die Aufforderung an die jungen Sowjetbürger, die besten Artilleristen, die besten Tankisten und Scharfschützen der Welt zu werden und aufden Spitzen der Bajonette, wenn die Stunde schlägt, den Sieg des Proletariats in die Welt hinauszutragen. Da hat also die Komintern, da hat also der Generalstab der Welt­revolution in Moskau, der sich fast ausschließlich aus Nichtrussen zusammensetzt, wieder einmal die sonst sorg­sam gehütete Maske vom Gesicht gezogen und zeigt sein wahres Gesicht

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Der 3. Neichsbauerntag hat also die Eröffnung der zweiten Erzeugungsschlacht gebracht. Als die erste Erzeugungsschlacht eröffnet wurde, da ist viel­leicht noch nicht jedem Volksgenossen deutlich geworden, welche Bedeutung dieser Kampf des Bauerntums auch für sein eigenes persönliches Schicksal hat. Aber die großen politischen Ereignisse, die sich inzwischen voll­zogen haben, haben sie auch dem letzten Deutschen mit aller Eindringlichkeit vor Augen geführt. Ohne diese Opfer, die jeder einzelne, besonders aber auch der Ar­beiter, bringen muß, ohne diesen Einsatz des Bauern, und damit des letzten Stückchens deutschen Bodens, wäre jene Freiheit, deren Erringung auf dem diesjährigen Reichsparteitag ihren höchsten Ausdruck fand, nicht er­kämpft worden. Jede Hausfrau, jede Fa­milie , die auf ein Stück Butter verzichten mußte, bringt auch heute noch ihr tägliches Opfer für diese Freiheit der Gesamtheit. Denn Freiheit fällt nicht dem Müßigen in den Schoß, sie muß erzwungen und errungen, sie muß erkämpft und eropfert werden.

Die zweite Erzeugungsschlacht ist eröffnet worden, und Jahr für Jahr wird dieser Willenseinsatz des Nähr­standes und das ist nicht wegzudenken der Ver­braucherschaft erneut erfolgen. Denn es ist ein Kampf auf lange Sicht. Mit aller Klarheit sind die großen Erzeugungslücken, die Lücken in unserer Eiweiß-, Fett- und Faserversorgung, gekennzeichnet worden. Dieser Kamps wird nicht am Tisch des Theoretikers und Zahlen- errechners geführt, sondern jeder Bauernhof, jedes Felo und jedes kleine Bauerngehölz, das früher unbenutzt blieb, jeder Kuhstall und jeder städtische Haushalt sind Stätten dieses Erzeugungskampfes. Mit Recht hat Staatsrat Meinberg darauf hingewiesen, um wieviel größer die Aufgabe geworden ist, weil Soldaten nnd Millionen in den Arbeitsprozeß zurückgeführter Menschen mehr brauchen als Arbeitslose.

Der Bauernhof ist nicht nur ein Stück Boden, auf dem sein Besitzer frei herumwirtschaften kann, wie es ihm beliebt, sondern jeder Bauernhof, jeder Acker, jeder Kornhalm und jedes Stück Vieh ist genau so ein Teilausdruck der Kraft und Freiheit unseres Volkes wie Gewehr und Stahlhelm. Jedes dieser Kraftmittel muß sinngemäß eingesetzt werden für die Freiheit, muß ausgerichtet stehen in der großen Front wie der Soldat in der großen Kompanie.

Dèr Bericht schließt dann damit, daß derdeutschen Masse" nur 338 000 Mann (also die 30 000 Mann Reser- visten abgezogen) entgegengestellt werden könnten, und sagt, wie sonnte man unter diesen Umständen den- stungsstand Frankreichs übertrieben schätzen, der dazu bestimmt sei, seine zahlenmäßige Unterlegenheit in bezug auf seinen Gegner im Osten aAszualeiän-