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Zul-aer Anzeiger

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Textteil (90 mm breit) 12 Pf Bei Wiederholung wird Nachlatz nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." X. 35. 910. Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 3 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

^ 272 12- Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 21. November 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Litauische Unterstützung für polnische Revolutionäre. Enthüllungen in dem Warschauer Terroristenprozeh.

Am 15. Juni voriger, Jahres wurde der polnische Innenminister P i e r a c k i von einem Mitglied der Aminischen Terrororganisation erschossen. Der Täter, Ncgor M a c i e j k o , und bet geistige Urheber des Mchats, der Leiter der radikalen ukrainischen Organi- saiiliil, K o n o w a l c c, sind ins Ausland geflohen. Vor Wicht stehen zwölf Personen, die der Beihilfe Zu Mord und Aufruhr augeklagt sind. Durch Dokumente, die in der Anklageschrift angeführt sind, wurde jetzt bekannt, daß die litauische Regierung während der lktztcn Jahre die revolutionären ukrainischen Organi- satiailcn materiell und moralisch unter- py hat, und zwar durch st ü n d i g e G e l d z u w e n - 511II ß e 11 wie durch Ausstellung falscher Pässe mit pW» Namen. Diese Enthüllungen haben in Warschau niigchenres Aussehen hervorgerufen.

Im einzelnen wird in der Anklageschrift folgendes scßMclli: Die revolutionären Ukrainer-Organisationen hatten in K o w n o einen eigenen Ver­bindungsmann in der Person eines gewissen Osip teilt!. der nicht nur die Verlagsgeschastè der revolu­tionären, gegen Polen gerichteten ZeitschriftSurma" lLanfare") besorgte, sondern auch di?- laufenden geld­lichen Unterstützungen der litauischen Regierung einzu- kaisieren hatte. Die litauische Regierung zahlte für das Nertkijahr jeweils eine Summe von 1500 bis 2000 un- I abgeleiteten Golddollars.

Jin Anhee 19.30 hat nach Abrechnung der Unkosten der Mitschrift Rewjuk 6 476,63 Dollars an den Leiter der Organisation, Konowalec, überwiesen.

1-â hat das litauische Aust s n m i n i ft e r t u m dir Ukrainer-Organisationen mit falschen Pässen versorgt, J"d zwar auf alle Fälle Konowalec, Rewjuk und zwei -'eitere polnische Staatsbürger, die sich im Auslande ver- Mtt halten. Die Pässe lauten auf litauische Namen.

, Das litauische A u ß e n m i n i st e r i u m hat für diese Pässe auch Visa nach einer Reihe europäischer Staaten, ferner nach Kanada und den Vereinigten Staaten beschafft.

Einer dieser Leute wurde im Paß ausdrücklich als Beamter des litauischen Außenministeriums bezeichnet.

Pässe wurden vor allem zu Propagandareisen nach Attika benötigt. In der Unterstützung dieser Reisen W die litauischen Behörden so weit gegangen, daß, als das amerikanische Einwanderungsamt in Winnipeg dem Mieren Oberst Suszko die Einreise aus Kanada ver­weigerte, der litauische Konsul in New York in einem -elegramm an das amerikanische Einwanderungsamt Msdrücklich die angebliche Beamteneigenschaft des Paß- tnlistbcrS bestätigte.'

Aus der Anklageschrift ergibt sich weiter, daß Kono- walec und Rewjuk in ün ni i t t el b a r en Be - Nehuugen zu dem litauischen Außen- wi nist er Zaunius standen, der seit 1928 Minister war und der Regierung Tubelis angehörte. Am 6. Ok- °ber 1932 hat Konowalec mit Zaunius, der zur Völker- "undstagung in Genf war, eine persönliche Besprechung Wabt. In einem Brief an Konowalec habe Minister Äunius auf ein wesentliches Risiko hingewiesen, indem " Pgte, wenn Polen der amerikanischen Regierung Be­rste liefern könne, daß in Kowno ein System herrsche, öaâ Leuten Pässe gibt, die

Frankreichs Schaden durch die Sanktionen

IV« Milliarden jährlich.

Französische Wii tschaftsverbände fordern Abkürzung der Sühnemahnahmen.

Die Zeitung der französischen Royalisten, die â c (ton Fr an caif e", fordert die französischen Jn- wüelkn auf, ihre Wredcrgutmachungsansprüche anzu- ^lden, wen» sie in Verfolg der Sühne,naßnahmen gegen âlien finanziell geschädigt werden. Der wechselseitige ârtschastsverkehr zwischen Frankreich und Italien werde U nach der Beilegung des augenblicklichen Streitfalles M wieder in vollem Umfang aufgenommcn werden Man müsse also mit mindestens zehn [ßjreu rechnen, ehe der normale Zustand , ' c d e r h e r g c st e t l t fei. Werm man den durchschnit.- Bruttoverlust aus jährlich 1 % M i IH arde n O'''^^. so ergebe sich ein Gesamtverlust von 12 M;ll»ar- 1 ^ranken.

Der französische Wirtschafts- und Zollausschuß, der großen Teil der französischen Wirtschaftsverbande bat angesichts der Rückwirkungen, die die ^uhnemaßnahmen auf die französische Wirtschaft haben, schreiben an die franzos i , che Regre- gerichtet, in dem er sie auffordertz nichts unver- M lasten, um die Dauer der Suyuemaß- ai'? c n abzukürzen und den Ausfall, der sich dar- fDmJUr drr französische Wirtschaft ergibt, durch neue -ib= ' nrn mit anderen Ländern wiedergutzumachen.

für revolutionäre Zwecke gegen Polen nach Amerika fahren, so seien in den Augen der Ameri­kaner litauische Pässe überhaupt wertlos und die eigenen litauischen Staatsbürger bekämen keine Einreise mehr. Konowalec habe aber, heißt es weiter, den Minister Zaunius beruhigt und ihm versichert, daß alle nur denk­baren Vorsichtsmaßnahmen angewandt würden.

Im Durchschnitt haben die litauischen Geldunter­stützungen nach den Berechnungen von Konowalec 50 Prozent der Gesamteinnahmen der ukrainischen Aufständischen- Organisa­tionen betragen. Für die Verwendung innerhalb Polens hat Konowalec im Jahre 1933 die Summe von 81 500 Zloty bestimmt.

Sitarn eilt Mdro-Mg Ses Frieden;

Der Völkische Beobachter zu den Enthüllungen im Warschauer Verschwörerprozeß.

Berlin, 21. November.

Zu ^»n v/ s'eh-u-rreae-den Enthüllungen im War­schau:. , , ü - or- organisation durch Li taue.: fc) reibt derVölkische Be­obachter":

Die Enthüllungen, die der Warschauer Prozeß gegen die Mörder des Innenministers Pieracki schon an seinen beiden ersten Tagen gebracht hat, sind in der Tat außen- ordentlich aufschlußreich. Die Bemühungen der litauischen Diplomatie seit langem, für ihren Bruch des Memeista- t n t s eine gewisse Unterstützung von polnischer Seite zu erhalten, gewinnen int Rahmen schon dieser ersten Darstel­lungen über die Arbeiten der ukrainischen Terrororgani- sation ein außerordentlich interessantes Gesicht. Auf der einen Seite der Versuch, mit Polen im Interesse gewisser anderer Ziele zu einem Ausgleich zu kommen, um im Schutze der polnischen Rückendeckung um so ungestrafter sein friedenstörendes Treiben im Memelgebiet fortsetzen zu können, und auf der anderen Seite gleichzeitig das Aushalten einer Terrororganisation, deren Ausgabe die Schwächung des polnischen Staates darstellt.

In diesen Tatsachen schon zeigt sich das einzig wahre Gesicht der litauischen Politik: Litauen stellt heute eine Bedrohung des Friedens im Osten dar, von der ganz Europa betroffen ist. Ein Staat, der zu Mi^eln greift, wie sie seit Jahren im Memelgebiet angewendet worden sind, und wie sie noch in ungeheuerlichen Formen in diesem Prozeß ausgedeckt worden sind, stellt sich außer­halb der Gesetze, die für das Zusammenleben von Staaten sonst gültig sind. Man kann mit Recht darauf gespannt sein, welche weiteren Ergebnisse der Warschauer Prozeg noch zeitigen wird.

Vor allen Dingen wäre es noch wissenswert, ob der augenblickliche Ministerpräsident in Kowno ebenfalls in die Mordsache verwickelt ist, nachdem die Beteiligung eines ehemaligen litauischen Außenministers bereits festgestellt werden mußte. Das steht jedenfalls schon heute fest- Neue, noch so ungeheuerliche Enthüllungeu über die Methoden der litauischen Politik werden für niemanden me^r eine Ueberraschuug bedeuten. Von Litauen ist alles zp e r w a r t e n !

Frankreichs und Englands Antwort auf die italienische Protestnote vom 11 November wird am Sonnabend veröffentlicht.

Verlauf von Besprechungen des französischen Ministerpräsidenten mit dem italienischen Botschafter Ce- ri bat Laval den Wortlaut de r A n t w o r t d er französischen Regierung auf die italienische Protestnote vom 11. November überreicht. Der Wortlaut wird wie nun endgültig feststeht, am Sonnabend der Öffentlichkeit übergeben werden. Zu gleicher Zeit wird mich der Wortlaut der englische n A n t wo r t n o t e veröffentlicht, die im Laufe des Freitag in Rom uber- reickt werden wird.

Die französische Antwortnote umfaßt, tote man aut unterrichteten Kreisen erfährt, etwas über zwei Kckreibmaschinenseiten. Der Wortlaut soll in zuvorkom­menden Ausführungen gehalten sein und keine neue volitische Stellungna hme bringen. Das Schrift­stück erkläre daß von dem Augenblick an, wo der Pölker- hmibSrat und die Vollversammlung des Völkerbundes Italien als Angreifer erklärt haben, der Artikel 16 der Völkerbundssatzungen in Kraft getreten sei.

In Anerkennung feiner Unterschrift habe Frankreich nicht anders handeln können, als sich den wirtschaft­lichen und finanziellen Maßnahmen anzuschließen.

Abschließend erkläre die französische Regierung in ihrer Antwortnote, daß sie indessen nicht die Hoffnung auf eine freundschaftliche Regelung aufgebe, die den Feindseligkeiten in Abessinien zu gleicher Zeit wie den Beschränkungen ein Ende bereite, denen sich Italien in­folge der internationalen Sühnemaßnahmen ausge­setzt sehe.

Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, wird die britische Antwortnote am Freitag entweder in Lon­don oder in Rom überreicht werden. Die Antwort wird der französischen Note in Form und Inhalt ähnlich sein. Der Abfassung der britischen unb der französischen Note ist ein Gedankenaustausch zwischen den beiden Negierun­gen vorausgegangen.

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Die Tür für Verhandlungen offen?

Mussolini hat in einer Nachtsitzung des Großen Faschistischen Rates einen großen Bericht über die mili­tärische und politische Lage gegeben. Da eine amtliche Verlautbarung nicht herausgegeben wurde, nimmt man in Rom an, daß Italien den Weg zu weiterem diploma­tischem Gedankenaustausch offenlassen will.

Während der Sitzung des Großen Faschistenrates hatte sich trotz des strömenden Regens eine große Volks- m enge auf der Piazza Venezia versammelt, um Musso­lini zu huldigen. Stundenlang wurden revolutionäre Lieder gesungen und Hochrufe auf den Duce ausgebracht. Nach Beendigung der Sitzung wurde die Parteistandarte am Palazzo Venezia wieder eingezogen und nach dem Sitz der Partei gebracht.

Als Protest gegen die Sanktionen

hat ein Demonstrationszug von Studenten und Faschisten das Zentrum von Mailand durchzogen und versucht, unter heftigen Schmährufen auf England zum englischen Kon­sulat vorzudringen. Hier war jedoch von der Polizei ein umfassender Absperrungsdienst organisiert worden. Der I n d u st r i e v e r b a nd hat beschlossen, sich härteste Disziplin aufzuerlegen und eine unerbittliche Abwehr auf allen Gebieten der industriellen Betätigung zu organi­sieren, damitdie verbrecherischen Pläne der Sanktionen" mißlingen. Die Ärzte und Apotheker haben sich verpflichtet, nur italienische Arzneien zu verschreiben und die Verwendung von Arzneien der Sanktionsländer zu boykottieren. In einigen Fabriken wurden ebenfalls Kundgebungen gegen die Sanktionen dnrchgeführt.

Sicherung der italienischen Olbestände

Am 18. November ist ein Gesetz in Kraft getreten, das das Korporationsministerium ermächtigt, sämtliche Verwaltungen unb Konzessionsinhaber von Mineralöllagern zu verpflichten, einen Ol- vorrat von 70 v. H. des Rauminhalts aller Lagerbehälter von mehr als 500 Kubikmeter ständig zu halten. Die Mineralöllager haben innerhalb von zehn Tagen nähere Angaben dem Korporationsministerinm über das Fassungsvermögen ihrer Ölbehälter, deren Verbrauchs­zweck und die böchstzulässige Einlagerungsmengc zu machen.

Marta führte Probemobilmachung durch.

Auf der englischen Mittelmeerinsel Malta ist am Tage des allgemeinen Sanktionsbeginns eine Pro de­mobilisiern n g der englischen Infanterie und der motorisierten Abteilungen durchgeführt worden. Fuß­truppen unb Motorabteilungen bezogenKriegsstellun- gen" längs der Küste. Die Truppen verschanzten sich in ihren Stellungen hinter Stacheldrahtverhauen und brackp ten Maschinengewehre und kleinkalibrige Schnellfeuer­geschütze inFeuerstellung". Pioniere machten sich gleich­zeitig an die Einrichtung telephonischer Verbindungen entlang der ganzen Küste.

Run doch Sirettorium daldszus?

Litauische Winkelzüge im Memelgcbiet. Rückfragen in Kowno.

Der Präsident des Memelländischen Landtages, B a l d s z n s, hat sich nunmehr auf Drängen seiner Fraktion bereit erklärt, die Bildung des Direkto­rin m s d c s M e m e l g e b i e t e s zu übernehmen. Nach­dem so der Bildung eines Memeldirektoriums, das des einmütigen Vertrauens der Landtagsmehrheit sicher sein kann, nichts mehr im Wege zu stehen schien, wurde vom Gouverneur K u r k a u s k a s das Ansinnen gestellt, einen Litauer in das Direktorium zu nehmen. Dieses Ansinnen wurde von Baldszns abgelehnt. Kurkauskas erklärte hierauf, sich die weitere Entscheidung Vorbehalten und zur Rücksprache nach Kowno reisen zu wollen.

Danzig. Zwischen der Freien Stadt Danzig und der Republik Polen ist eine Vereinbarung über die Durchführung des polnisch-deutschen Wirtschaftsvertrages und seine Anwendung auf die Freie Stadt Danzig ge­troffen worden. Die Vereinbarring bildet für die Bei­trittserklärung derFreiev StadtDanzig zum polnisch-deutscheu Wirtschaftsver­trag eine notwendige Voraussetzung; sie ist nunmehr in der Lage, dem Wirtsckastsvertraae beizutreten.