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fuldaer Anzeiger

K^^eferungsbehmderungSÄ $ Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

AK WSs Zulöa- und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Hauptschrsitleiter Friedrich Ehren- 7

^^^ ^ e?n?H?i m^ Fulda. Schriftleitung UN- Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprecher Nr. 2989

Anzeigenpreis 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspatte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Kon­kurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. D.A." IX. 35. 910. Zur Zeit ist Preis­liste Nummer 4 gültig. Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

St 275 12. Jahrgang

Fulda, Montag, 25. November 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Der Bischof von Meißen zu

100000 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Zuchthausstrafen für Dr. Theodor Legge und Dr. Soppa.

Im Devisenprozetz gegen den Bischof von Meißen ucrfüHbete der Vorsitzende der IV. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts das Urteil. Der 53jährige Bischof von Meißen, Dr. Peter Legge, erhielt wegen fahr- lässigcn Devisenvcrgchcns eine Geldstrafe in Höhe von 100(100 Mark. Davon gelten 40 000 Mark als durch die Untersuchungshaft verbüßt. Im Nichtbeitrcibungsfallc tritt an Stelle der Geldstrafe eine Gefängnisstrafe von drei Monaten.

Der Bruder des Bischofs, der 46jährige General­sekretär beim Akademischen Bonifaziusverein für das Katholische Deutschland in Paderborn, Dr. Theodor Legge, wurde wegen fortgesetzten gemeinschaftlichen Msenvergeheus zu insgesamt 5 Jahren Zucht- tz a u s, 5 Jahren Ehrverlirst und 70 000 Mark G el d str a f e bzw. weiteren 35 Tagen Zuchthaus verurteilt.

Der 47jährige Generalvikar Domherr Prof. Dr. Wilhelm Soppa erhielt wegen fortgesetzten gemein­schaftlichen Devisenvergehens drei Jahre Zucht­haus, fünf Jahre Ehrverlust und 70 000 Mark Geldstrafe bzw. weitere 35 Tage Zucht- hauè. Bei Dr. Theodor Legge und dem Angeklagten Soppa wurden 8 Monate der Untersuchungs­haft auf die Strafe an gerechnet. Außer- dM ordnete das Gericht die Einziehung von 95 000 hol- Mlscheu Gulden-Obligationen des Bistums Meißen an, das für diesen Betrag für die Geldstrafe aeaen den

Die Urteilsbegründung

Sofort nach dem Urteil ergriff der Vorsitzende das Kort zur ausführlichen Urteilsbegründung. Die Ausführungen des Vorsitzenden brachten den klaren Be-

daß der Bischof über die wichtigsten devisen- >echnischen Vorgänge unterrichtet worden ist, womit seine Behauptung, er wisse nichts von geschäftlichen Din­gen, sich

als unwahr erwiesen

dat. Der Vorsitzende schilderte zunächst die Versuche, die 111 Holland aufgenommene Anleihe des Bistums Meißen su tilgen, und stellte fest, daß ein Vorschlag der Devisen- Me in Dresden, diese Tilgung auf l e g a ! e Weise durch- iuführen, dem Bistum zu kostspielig gewesen wäre, w Borsitzende wies darauf hin, daß der Gedanke der -llgung dennoch nicht ruhte, sondern im Dezember 1933 In den Ordinariatssitzungen behandelt wurde, an d e - regelmäßig der angeklagte Bischof u n d d e r G e n e r a l v i k a r t e i l n a h m e n. Am P Dezember 1933 wurde vom Bischof angeordnet, daß »>te verfügbaren Gelder zum Zwecke des Ankaufs gesam- und auf einem besonderen Bankkonto in Bautzen gelegt würden. Es haben sodann von Ende Januar 1034 bis etwa zum 5. April 1934 zur Tilgung über-

U n g e n in Höhe von 180 000 Mark nach Münster Hosius-Bank bzw. die Akademische Bonifazius- Wtnignng in Paderborn stattgefunden. Wie die Be- ^lSaufnahme ergeben hat, sind diese Gelder in Höhe 911 140 000 Mark von Münster aus nach H o l - and h i n ü b e r g e s ch a f f t worden, und für dieses gekauft'"^" dcmn in Holland die Obligationen auf- r ^s den Angeklagten Dr. Theodor Legge an- so ist er derieniae aewesen. der über die Abiickten Dr. Hosius, das Geld in Barbeträgen von --Mister nach Holland hinüberzuschaffen, zuerst eingehend '" errichtet worden ist. Nach der Überzeugung des Ge- muß Dr. Theodor Legge spätestens etwa Mitte 1934 in den wahren Sachverhalt, daß sie mit ^e se tz in Konflikt kommen, eingeweiht ge- >. )em. Daß er Bescheid gewußt hat, spricht auch aus âd Weise, wie die einzelnen Betrüge im Wege J ~striiitng überwiesen wurden. Auch der > mugeklagte G en er a lv i ka r Dr. Soppa mußte daß Geld ins Ausland verschoben wurde, derjenige gewesen, der über die ganzen finanziellen $ ""»«tonen im Bistum Meißen im Bilde war. hat nach der vollen Überzeugung des Gerichts Vorgänge einwandfrei übersehen.

MttWgMt des Bischofs erwiesen.

vp/üir Schuldfrage des Bischofs Dr. Peter Dew «-^"gehend, stellte der Vorsitzende folgendes fest: WjlfWf hat die schlechte finanzielle Lage seiner HersiS Diözese ernstlichen Kummer bereitet. Nach dem r Eindruck, den das Gericht von dem angeklag- r gewonnen hat, glaubt es ihm, daß er b i s zum Bischof von Meißen seine dann . ""f die Seelsorge gerichtet hat. Er hat sich finn rr wenn auch notgedrungen, auch mit den her s> stellen Dingen beschäftigt. Ihm sind nach Douir Tagung des Gerichts die Verlautbarungen der mr Estelle in Dresden hinsichtlich des Weges ^"gung der Anslandsanleibe bekannt gewesen.

Bischof von Meißen und Dr. Soppa die Mithaftung über­nehmen soll.

Die 25jährige Angeklagte Auguste Klein aus Paderborn, die vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden worden war, wurde wegen Begünstigung zn fünf Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt gelten.

Dss Schlußwort der Angeklagten.

Vor der Urteilsverkündung erklärte der Bischof von Meißen, Peter Legge, in seinem Schlußwort unter an­derem: Niemand, der während seiner 25jährigen Tätigkeit als Priester mit ihm in persönliche Berührung gekommen sei, könne das Empfinden haben, daß er jemals die Un­wahrheit gesagt habe. Der Bischof schloß seine Aus­führungen, indem er mit großem Pathos seine Unschuld beteuerte.

Der Bruder des Bischofs, Dr. Theodor Legge, erklärte unter anderem, er habe mit dem Bischof nicht über die Devisengeschäfte gesprochen, und von dem Guldenkonto in Amsterdam hätten in Deutschland nur zwei Menschen gewußt, nämlich er selbst und Dr. Ho­sius. Wenn einer gefehlt habe, so sei er es ganz allein gewesen. Der angeklagte Generalvikar Dr. Soppa nahm in seinem letzten Wort nur kurz Bezug auf seine Ausführungen während der Verhandlungen und bat um Freisprechung.

Der Bischof ist auch in den Ordinariatssitzungen über den Schuldenplan unterrichtet worden. Es konnte ihm nicht widerlegt werden, daß er den wirtschaftlichen Dingen fremd gegenüberstand und daß an ihn ein Plan heran­getragen worden ist, wonach das zur Schuldentilgung bestimmte Geld im Inland verbleiben sollte

Energische Znrölkweisimg

Wenn der Bischof in seinem Schlußwort in

einer

besonders feierlichen Form erklärt hat, daß er sich u n - schuldig fühle und daß er unschuldig sei, so f o l g t i h m

Abessinische Angriffe

an der Süd- und Nordfront

Addis Abeba meldet die Erbeutung von 24 Tanks.

Nach den letzten Berichten von den Fronten, die in Addis Abeba eingetroffen sind, sind die Abessi­nier im Norden und Süden dazu übergegarrgen, die italienischen Linien durch Angriffe mit größeren Ab­teilungen zu beunruhigen. Sie wollen dadurch die r ü tf wattigen italienischen Verbindungen a b - schneiden, so daß der Vormarsch der italienischen Truppen, der an einigen Stellen noch anhält, endgültig zum Stillstand kommt.

Planmäßig werden die italienischen Munitions-, Lebensmittel- und Waffentransporte für die vorderen Linien abgefangen. Bisher gelang es den Abessiniern, 2 4 italienische Tanks zu erobern. Im Kampfe gegen die italienische Tankwaffe benutzten die Abessinier, wo das Gelände es erlaubt, Elefantenfallen. An Stellen, wo diese nicht angelegt werden können, melden sich immer Freiwillige, die unter Einsatz ihres Lebens mit List und Dynamit den Tanks auf den Leib rücken.

Im Somaligebiet wurden auch Tanks gefunden, die von der Besatzung verlassen waren. Da die gepanzerten Wände von der Sonne stark erhitzt waren, dürsten die Mannschaften es int Innern nicht mehr ausgehalten haben.

Von der N o r d f r o n 1 hört man, daß dort e i ne italienische Abteilung unter Führung eines Hauptmanns von dem Dedjasmatsch Darres völlig ver­nichtet und der Hauptmann getötet worden sei. Die Italiener sollen dabei einige hundert Verwundete und Tote an Verlusten aufzuweisen gehabt haben. Der Überfall auf die italienische Abteilung soll sich nördlich von Makalle bei der Ortschaft Kollele ereignet haben.

*

Der abessinische Kommandant von Gorrahei, Fituereri Sheffere, der nach dem Tode des Dedjasmatsch Afework, Gorrahei feige mit seinen 700 Mann geräumt hat, wurde auf Befehl des Negus bestraft. Er wurde öffentlich ausgepeitscht und dann in Ketten in ein unterirdisches Verlies geworfen. Das Strafgericht des Negus an dem Feigling hat unter den Truppen und bei der Bevölkerung tiefen Eindruck hinterlassen.

das Gericht hierin in keine"! W'e i s e. Es 'be­stehen erhebliche Verdachtsmomente, daß er vielleicht mehr gewußt hat, als ihm hat nachgewiesen werden können. Es liegt auch die Erwägung nahe, daß er sich mehr um die Dinge gekümmert hat, als es in der Beweis­aufnahme festgestellt werden konnte. Es erscheint u n - faßbar, daß er als Kirchenfürst einer Diözese nicht gewußt haben soll, um was für finanzielle Dinge es sich handelte.

Der Bischof hat zum mindesten fahrlässig gehandelt. Er kann sich nicht darauf berufen, daß er seine Vcr- antwortung in finanziellen Dingen aus seinen Ge neralvikar übertragen habe.

Auch aus dem Gutachten des Bischofs von Berlin geht die Unrichtigkeit seines Stand­punktes hervor, daß er sich unbedingt auf seinen General­vikar habe verlassen können. Bei der Bedeutung, die die Anleiheangelegenheit besaß, mußte der Bischof auch den Einzelheiten sein Augenmerk zuwenden.

Keine Anwendung der Amnestie.

Der Vorsitzende kam dann auf die Frage einer mög­lichen Anwendung der A m n e st i e zu sprechen, die nach Auffassung der Kammer zu verneinen ist. Den Angeklag­ten Dr. Theodor Legge und Soppa waren die bürger­lichen Ehrenrechte abzuerkennen, weil sie sich in ihrer Stellung und

als Geistliche zum Volksve«-rat hergegeben

haben und entgegen den Lebensinteressen des deutschen Volkes an der verbotswidrigen Herausschaffung von großen Beträgen ins Ausland "mitgewirkt haben. Am Schluß seiner Urteilsbegründung verkündete der Vor­sitzende die Aufhebung des Haftbefehls gegen den Bischo, von Meißen.

Staatsfeindlicher Pfarrer zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt.

Das Sondergericht des Oberlandesgerichts in Ha m m verurteilte den Pfarrer Anton Ebers' aus Kirchveischede zu sieben Monaten Gesang- 11 i s. Die Verurteilung erfolgte wegen fortgesetzten Ver­gehens gegen die Verordnung zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Reichsregierung und die nationale Erhebung sowie gegen das Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf den Staat und die Partei. Ebers hatte sich dritten Personen gegenüber mehrfach in einet unglaublichen Weise geäußert, die geeignet war, das Ansehen der Reichsreaierung und der Partei zu schädigen.

Rom meldet die Unterwerfung der Provinz Ogaden

Von italienischer Seite wird gemeldet, daß nach den in Rom aus Ostafrika eingetroffenen Nachrichten die gesamte Bevölkerung von Ogaden sich Italien unterworfen habe. Gleichzeitig sollen 5000 Be­waffnete zu den italienischen Fahnen übergegangen sein, um Hinfort auf feiten Italiens zu kämpfen. Italien habe damit ebenso wie von Tigre endgültig von Ogaden Besitz ergriffen und werde diese beiden Provinzen sich in etwaigen späteren Verhandlungen unter keinen Umständen wieder abhandeln lassen.

Von abessinischer Seite wird energisch in Abrede ge­stellt, daß die ganze Provinz Ogaden sich den Italienern unterworfen habe. Es handle sich lediglich um die besetz­ten Landesteile. Ebenso sei außerRasGugsakein abessinischer Oberführer abgefallen, viel­mehr sei das ganze Volk erst durch den Krieg richtig zu­sammengeschweißt worden.

Gorahai von den Italienern wieder geräumt?

Nach der Inspektionsreise des Negus an die Südfront haben die a b e s s i n i s ch e n T r u p p e n in Ogaden nach Meldungen aus dem Hauptquartier Ras Nassibus die Gegenoffensive ergriffen. Inoffiziell verlautet, daß die Abessinier Anale, Gabredarre und sogar den wichtigen Karawanenschnittpunkt Gora Hai wiedereinge- n o m m e n hätten. Es heißt sogar,

daß die italienischen Truppen beim ersten Angriff kehrtgemacht und Tanks und Maschinengewehre zurückgclasscn hätten.

Die Verluste seien beiderseits gering. Diese allerdings noch nicht amtlich bestätigten Nachrichten haben ein großes Rätselraten hervorgerufen, da man hinter dem italieni­schen Rückzug eine taktische Methode wittert. Man befürchtet, daß die Italiener ihre Gegner in eine Falle locken und ihnen, nachdem sic weit genug südwärts vor­gedrungen seien, die Verbindungen nach rückwärts ab­schneiden wollen.

Die abessinische Regierung behauptet in einer amt - I i ch e n Verlautbarung, daß 200 Einwohiler der von den