Zulöaer Anzeiger
MDMM-I Tageblatt für Rhön und Vogelsberg *“l'lSb?3 ^ulöa- und Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 276 — 12. Jahrgang Fulda, Dienstag, 26. November 1935
Anzeigenpreis 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenjpalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „D.A." IX. 35. 910. — Zur Zeit ist Preisliste Nummer 4 gültig. — Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
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Griechenland umjnbelt seinen König.
Ueber eine Million Griechen in Athen. — Triumphzug vom Hafen Phaleron zur Stadt.
Mit herzlicher Freude ist König Georg II. von Griechenland bei seinem Einzug vom griechischen Volk empfangen worden. Von Korfu bis Athen haben Hundcrttauscudc ihrem König zugejubelt und damit bekundet, daß das griechische Volk die Rückkehr ihres Monarchen schon lange ersehnt hatte.
Sonntag abend war der Kreuzer „Helli", mit dem gönig an Bord, vor dem festlich illuminierten Patras eingetroffen. Die Kais und Molen waren dicht besetzt von einer begeisterten Menschenmenge, die dem König während seiner Vorbeifahrt zujubelte.
Sämtliche Dörfer am Ufer des Peloponnes hatten Freudellfeuer entzündet.
Sie „Helli" fuhr so dicht wie möglich an der Küste entlang, wodurch es dem König ermöglicht wurde, immer wieder die Ergebenhertskundgebungen der Bevölkerung zu licabachtM. Am Montag gegen 2 Uhr früh fuhr der Kreuzer „Helli" mit den Begleitschiffen die Straßevon Korinth durch, deren beide User sowie die Eisenbahn- brücke von Landleuten aus dem Peloponnes und dem griechischen Festland voll besetzt waren.
Schon vor dem Beginn des Morgengrauens herrschte am Montag i n den Straßen Athens die stärkste Bewegung. Die ganze Stadt zeigte sich in buntem Flaggen- schmuck. Überall sah man Flaggen, Wappen und Bilder des Königs. Musikkapellen spielten flotte Märsche, dar- unter das besonders begeistert aufgenommene Königslied, Min der Zeit der Republik verboten war. Ü b e r e i n e W lion Griechen erwarteten in den Straßen Athens hinaus zu dem sechs Kilometer entfernten Alt-Phale- ungeduldig' den nach zwölf Jahren Verbannung Mückkehrende» König Georg.
Die Anlünst im Keftn M-Kdaleron.
Am Montagvormittag gegen 10 Uhr traf König Georg in Begleitung des Thronfolgers Prinz Paul im Hafen von Alt-Phaleron ein und begab sich sofort an Land. Der König wurde dort vom Ministerpräsidenten General Kondylis, der während seiner Abwesenheit die Regentschaft geführt hatte, begrüßt und mit den Mitgliedern der Regierung bekannt gemacht.
Änlicher Emzug in die KauWM.
Auf seinem Wege nach Athen nahm der etwa 50 Kraftwagen umfassende königliche Zug seinen Weg durch die sechs Kilometer lange schnurgerade Syngros-Allee, die "ui Fahnen und Girlanden reich geschmückt war. Hinter mein dichten Spalier von Truppen aller Wasfengaltun- Mr säumte eine riesige Menschenmenge die Straße. ■Alliier wieder erschollen jubelnde Hochrufe auf deu König und den Thronfolger, die ununterbrochen grüßten. Am -o? des Hadrian hielt der Zug. Hier hatten der Bürger-
von Athen, K o dzias, sowie die Bürgermeister anderen griechischen Städte, die Präsidenten der ^adtverwaltuiigeu und anderer Körperschaften Aufstel- '"ug genommen. Die Königsflagge wurde gehißt, die Musik spielte den Königsmarsch. Kanonenschüsse das Zeichen zu einem allgemeinen Glockenläuten, ^u: ent bin her Bürgermeister von Athen dem König den milkounnrngruß der Landeshauptstadt. Auf die Be- ^!Ü'Wsansprgche antwortete K ö n i g Georg dant- ^milt und bezeichnete die Begrüßung als Sinnbild ,c s nationale » Einigung und V e r - "ude ru n g.
Dann setzte der Festzug seinen Weg in die Stadt fort. ?M festlich geschmückte Straßen ging es zur Kathe- " l e, wo ein feierliches Hochamt abgobalten wurde.
Ü!n Anschluß an das Hochamt fuhr der König zu dem ~u m a l d e s Unbekannte n griechischen Soldaten, um dort in Begleitung des Thronfolgers Unen Kranz niederm -ege».
Aus der Geschichte des Serischerdauses.
Dmrch die V o l k s a b st i m m u n g vom 3. November S -R das griechische Volk mit überwältigender Mehr- die Wiedereinführung der Monarchie und btc Berufung König Georgs II. auf den griechischen ^'^.ausgesprochen. König Georg 11. entstammt M dänischen Königshause. Sein Großvater war der
Mn König Christians IX. von Dänemark und »M m» Jahre 1863 als König Georg I. den hellenischen "'ngsthron. Unter seiner 50jährigen Regierung wurden M; die jonischen Inseln, Thessalien und ein Teil von wiis erworben, die Angliederung Kretas vorbereitet ‘ der erfolgreiche Balkankrieg gegen die Türkei geführt, a x seiner Ermordung im Jahre 1913 folgte ihm seht?0 Konstantin, der besonders durch sein ent- ichen Eintreten für die Aufrechterhaltung der griechr- M Neutralität im Weltkriege rühmlich bekannt ge- 'st. während sein Gegenspieler, Ministerpräsident mit aller Macht Griechenland in das Lager Kz,,: Eateute hinüberzuführe» suchte. Die Gemahlin war Konstantins, die Prinzessin Sophie von Preußen, Schwester Kaiser Wilhelms II. Dem steigenden a der Westmächte und der Anwendung unverhWter
Gewalt mußte schließlich König Konstantin welchen. Gr bestimmte seinen zweiten Sohn Alerander zum Nachfolger.
Gegen den Willen der Entente wurde König Konstantin aber im Jahre 1920 nach dem Tode Aleranders, der durch den Biß eines Affen ums Leben kam, vom griechischen Volk zurückgerufen. Der furchtbare Mißerfolg des Krieges gegen die neue Türkei unter Kemal Pascha, der Verlust von Kleinasien und Ostthrazien mit Adrianopel führte 1922 zur Abdankung des Königs zugunsten seines Sohnes Georg, der im Jahre 1890 in Tatoi unweit Athen geboren worden war und als Georg ll. die Königswürde übernahm. Die schweren politischen Rückschläge des unglücklichen griechisch-türkischen Krieges kosteten aber zwei Jahre später (1924) auch ihn den Thron. Die Republik wurde ausgerufen.
Ein Ausruf an das griechische Volk.
König Georg II. hat einen Aufruf an das griechische Volk erlassen, in dem er darauf hinweist, daß er, dem Wunsche Griechenlands folgend, zurückkomme, nachdem er seinem geliebten Vaterlands fern
Deutsche Leibesübungen in einer Front
Die Deutsche Turnerschaft wird vom Reichsbund für Leibesübungen ausgenommen.
Der 23. NoveuUrer 1935 ist für die Geschichte der ocutschen Leibesübungen ein Tag von historischer Bedeutung geworden. An diesem Tage sprach der Reichssport- führer v o n T s ch a m m e r u n d O ft e n , der Führer der Deutschen Turnerschaft, vor dem Führerftab. den Gauführern und den Fachwarten der DT. auf einer Arbeitstagung, aus der beschlossen wurde, die größte deutsche Sportorganisation, die Deutsche Turnerschaft, in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen überzuführen und damit den letzten und entscheidenden Schritt zur Vereinheitlichung der deutschen Leibesübungen zu tun. Ein Deutscher T u r n - t a g wird e i n b e r u f e n werden, der den restlosen Übergang der DT. in die größeren Aufgaben und Möglichkeiten des RfL. entscheiden wird.
In seiner Rede erklärte der Reichssportführer, daß mit dem Inkrafttreten der neuen Satzungen des RfL. am 1. Januar 1936 der A u f t r a g d e s F ü h r e r s zur Vereinheitlichung der deutschen Leibesübungen vollzogen würde. Diese Zusammenfassung sei ein selbstverständliches Erfordernis nach dem Siege der nationalsozialistischen Revolution gewesen. Der Weg, der beschritten worden sei, sei eine natürliche Entwicklung aus freiwilli - Entschlüssen gewesen. Wenn kurz ooi dem großen Tag von Koburg sich noch partikularistischc Strömungen bemerkbar gemacht hätten, so sei das verzeihlich gewesen, weil Größerwerden niemals ohne Schmerzen abginge. Schon damals habe er erklärt, daß
der RfL. einmal die größere Deutsche Turnerschaft
Lie erste deutsche «ilitärmuimSwlt
Bückeburg, 26. November. I» Bückeburg fand am Montag in Anwesenheit führender Männer aus Partei, Wehrmacht Staat und Kunstleben die feierliche Einweihung der ersten Militz' Musikschule Deutschlands statt, die in dem Gebäude der ehemals fürstlichen Musikschule unter» gebracht ist. Bei der Einweihungsfeier im festlich ge» schmückten ^Rathcussaal betonte der Reichsstatthalter für Schaumburg-Lippe, Gauleiter Dr. Meyer, daß man dre erste Militärmusikschule, die unter der Aufsicht der Reichsmusikkammer stehen werde, nach Bückeburg verlegt habe, um die Tradition von Land und Stadt auch auf dem Gebiete der Musik zu wahre». Wunsch und Wille des Führers sei, in den Ländern die Kultureigenart nicht nur ni erhalten, sondern sie noch zu fördern. Der Präsident der Reichsmusiilammcr, Prof. Dr. Raabe, erklärte, die Aufgabe dieser Schule sei, deutsche Jugend in soldatischem Geist zu großen Musikern und Künstlern heranzubilden.
Der Reichspresseiag 1935.
Am 29. und 30. November findet in Köln der Reichspressetag 1935 statt. Die Tagung, die vom Reichs- verband der Deutschen Presse veranstaltet wird, beginnt am 29. November mit einer geschlossenen Arbeitstagung. Am 30. November, vormittags 10 Uhr, kommen die Vertreter zu einer Tagung im Gürzenich zusammen. Bei dieser Gelegenheit werden der Leiter des RDP. sowie Vertreter der deutschen Presse das Wort ergreifen. Auf die Ver- tretertagung folgt ein Empfang durch die Stadt Köln. Um 17 Uhr findet eine pressepolitische Kundgebung statt, in deren Mittelpunkt die Rede des Reichsministers für Volks- aufflärung und Propaganda Dr. Goebbels, steht.
gewesen sei. „So viele Jahre", so heißt es „habe ich in meinem Herzen den Schmerz der Trennung getragen. Heute wieder zu meinem hohen Amte gerufen, gehören alle meine Kräfte und Erfahrungen dem moralischen und materiellen Fortschritt meines Volkes. Ich versenke die Vergangenheit in das Meer der Vergessenheit und bin zur völligen Gleichheit und Gerechtigkeit gegen alle entschlossen, um Hellas erneut zu Tagen des Glückes und des Ruhmes zu führen, wie es unter meinem Großvater und meinem ruhmreichen Vater gelebt hat. Es lebe Griechenland!"
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Athen in FeltersreM
Das griechische Kabinett zurückgetreten.
Athen, 26. November. Auch am Abend des Tages der Rückkehr des Königs hielt die Festesfreude an. Die Straßen und Plätze sind von Menschen überfüllt. In den Gaststätten finden Feiern statt. Die alten Bauten der Akropolis und die Prunkgebäude des neuen Athen sind beleuchtet. Von dem Athen beherrschenden Berge Lyka- bettos erstrahlen weithin aus unzähligen Glühbirnen zusammengefügt die Anfangsbuchstaben des Namens des Königs, von einer riesigen Krone überdacht. In der Stadt selbst zeigen viele Häuser in blauweißem Licht die griechischen Landesfarben. Obwohl die Polizei mustergültig die Ordnung aufrecht erhält, sind bisher 60 leichte Unfälle zu verzeichnen. Das Militär veranstaltete einen großen Fackelzug.
Die Regierung Kondylis hat dem König ihr Rücktrittsgesuch überreicht.
lein werde. Jetzt solle das Tatsache werden. Die neuen Satzungen führten aus der Enge der Verbände hinaus in die größere Deutsche Turnerschaft. Der Marsch in die E i n h e i t der deutschen Leibesübungen, der in Nürnberg begonnen worden sei, stehe kurz vor dem Ende.
Nach dieser Rede des Reichssportführers erklärten die versammelten Sportführer, daß es nicht im Sinne der turnerischen Tradition und der nationalsozialistischen Bewegung liege, in Zukunft einen mit Jahnscher Erbmasse erfüllten Reichsbund und die Deutsche Turnerschaft nebeneinander wirken zu lassen. Sie faßten daher eine Entschließung, in der festgestcllt wurde daß die neuen Satzungen des RfL. den
Sieg des Jahnschen turnerischen Gedankens bedeuteten, der seit 75 Jahren in der Deutschen Turnerschaft lebendig gewesen sei. Damit sei der Wunsch des Reichssportführers, den Reichsbund für Leibesübungen zur größeren Deutschen Turnerschaft werden zu lassen, zur Tat geworden. Führerstab, Gauführcr und Fachwarte bäten daher den Reichssportführer, einen Deutschen Turntag einzuberufen, der den oben angeführten Beschluß verwirklichen soll
Zwei Millionen deutsche Turner kommen damit in den RfL., freiwillig, allein aus dem Glauben an die Einheit des Volkes.' Damit sind die Leibesübungen in Deutschland wieder zu einer Bewegung geworden, die ^fähig ist, an einer vom Führer gestellten Erziehungsaufgabe mitzuwirken.
PolizeilommWre im Stavilly-Prozeb
Paris, 26. November. Im Stavisky-Prozeß begann am Montag die Zeugenvernehmung. Zeuge Polizeiinspektor Cousin hatte im Mai 1931 einen Bericht über Staviskys Geschäfte mit dem Leihhaus von Orleans und im Oktober 1933 einen Bericht über Staviskys Machenschaften mit dem Leihhaus in Bayonne ausgearbeitet. Das Leihhaus der Stadt Bayonne, die etwa 30 000 Einwohner zählte, hat für 100 Millionen Francs Leihhaus-Kassenscheine^ in Umlauf gebracht! Die Stavisky stark belastenden Ausführungen Cousins vom Mai 1931 schickte der damalige Leiter der Hauptabteilung der Staatsanwaltschaft in Paris, der bei Dijon auf den Eisenbahnschienen tot aufgefundene Gerichtsrat Prince, zur Feststellung der genauen Personalien Staviskys an den Kriminalkommissar Pachot. Die Zeugen Cousin und Pachot behaupten, diese Zurückstellung wegen weiterer Erhebungen sei damals nicht notwendig gewesen, ja sie könne sogar verdächtig erscheinen, da Stavisky die Pause von vier Wochen in der Untersuchung wegen der Vorfälle im Leihhause in Orleans benutzte, um die Kassenscheine des Leihhauses in Orleans zurückzukaufen und dann seine Betrügereien in Bayonne wieder aufzunehmen. Stavisky wurde am 22. Dezember 1933 in Paris von einem Kriminalkommissar verhört und verließ dessen Dienstraum als freier Mann, obwohl einen Tag später der Skandal in Bayonne aufgedeckt wurde. Kriminalkommissar a. D. Pachot meinte, nach seiner Ansicht habe der unter noch nicht geklärten Umständen ums Leben gekommene Prince sogar „aus derselben Schüssel gegessen". Er, Pachot, habe sich in seiner untergeordneten Stellung damals gescheut, seine Gewissensbedenken dem Staatsanwalt anzuvertrauen.