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Zul-aer /lnzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau, Fulda, Königftratze 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- vach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. Jerantw. für den Inhalt: Bernd Heim Fulda.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Iulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 284 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 5. Dezember 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

3:0 für England, Halbzeit 1:0

Die Futzballschlacht in London.

Das große deutsch-englische Ländertreffen. Herzliche Ausnahme der deutschen Gäste. 80000 Zuschauer. Die Engländer jederzeit überlegen. Die Deutschen gaben ihr Bestes.

England hat seine politischen Sorgen. Es herrscht in diesen Tagen gewissermaßen politische Hochspannung. Das kann aber den Engländer in seiner Sportbegeiste­rung nicht beeinflussen. Da tritt sogar die Politik hinter den Sport zurück. So stand denn am Mittwoch die bri tische Hauptstadt ganz im Zeichen des deutsch-englischen Fußballkampfes. An den Sieg ihrer Mannschaft hat England nicht gezweifelt, aber wie sich die deutsche Mann schaft schlage-, würde, das war das Gespräch des Tages. 4:1 für England standen die Wetten vor dem Spiel.

, ,Je näher die Stunde des Kampfes rückte, um so größer wurde die Spannung. Auch die rote Hetze gegen die deutschen Gäste konnte die Sportbegeisterung der Lon­doner nicht beeinträchtigen.

Die Aufnahme der Deutschen, die mit derColum­bus" kamen, bei ihrer Landung in Southampton war überaus herzlich.

Das erste, was sie sahen, war ein neun Meter langes Fahnentuch mit der Inschrift:Die Fußball- freunde Southamptons heißen die deut­schen F u ß b a l l f r e u n d e willkommen." Eine englische Musikkapelle spielte die deutsche und die englische Nationalhymne. Eine Gruppe englischer Sportfreunde und Vertreter des Southamptoner Fußballsports begaben sich an Bord, um, wie ihr Wortführer sagte,den Deut­schen brüderliche Grüße" zu überbringen.

Dicke Schwaden des berüchtigten Londoner Nebels lagen in den Straßen, als die ersten Sonderzüge den Strom der Festlandbesucher in die Hauptstadt brachten. Auf der Victoria-Station liefen ab fünf Uhr morgens die Sonderzüge ein, insgesamt sechzehn.

In großen Omnibussen unternahmen die deutschen

Schlachtenbummler eine Fahrt durch die Innenstadt und begaben sich dann frühzeitig aus den Tottenham- Hotspurs-Platz hinaus, dessen Tore schon um 11 Uhr vor­mittags geöffnet wurden. Die Ankunft der Deutschen wickelte sich vollkommen reibungslos ab. Die Organisa­tion war ausgezeichnet. Vor den Bahnsteigen hatte sich eine gro^? Menschenmenge eingefunden, die der Ankunft der Deutschen interessiert zuschaute.

Der Fußballplatz liegt weit draußen im Nordosteu Londons, im Stadtteil Tottenham. Er gehört den Spurs", denHeißspornen", dem traditionsreichen eng­lischen Fußballklub, der jetzt in der zweiten Klasse spielt. Der Platz ist geradezu ideal. Erst im letzten Jahr hat der Platz durch Neubauten ein Fassungsvermögen von 7 8 000 Menschen erhalten.

Die beiden Tribünen, die die Breitseiten ein­nehmen, haben 1 0 000 Sitzplätze.

Vierzehn Tage vor dem Spiel waren die Tribünen- plâtze bereits ausverkauft!

In der Trainingshalle, die unter der einstöckigen Tribüne

£le Mannschaftsführer Szepan (schwarze Hose) und -japgoßb begrüßen sich vor dem Spiel: in der Mitte der iSch i e d s r r H t L r Olfsvn.

liegt, sanden während des Krieges Schießübungen statt. Die Längstribüne ist ein zweistöckiger Bau aus Stahl upb Zement, für den der Klub über eine halbe Million Reichs­mark aufgewandt hat. 60 000 sind durch Riesendächer vor Regen geschützt.

Das Fußballfeld war in bester Verfassung. Der Boden war allerdings sehr weich. Vor den Toren waren Schutz­dächer angebracht, um den Böden vor noch größerer Feuchtigkeit zu schützen. Die deutschen Besucher wurden von Polizisten, die mit besonderen Wagen bereits außer­halb des Platzes erschienen waren, zu dem auf den An­lagen des Platzes befindlichen Restaurant geleitet, wo sich

deutschsprechendes Bedienungspersonal

befand. Der Abtransport zum Fußballplatz erfolgte gruppenweise. Die meisten der deutschen Besucher hatten Reiseschecks über 16 Schillinge.

Gegen Mittag herrschte auf den Anfahrtstraßen nach Tottenham großes Gedränge. Zu beiden Seiten der Straße standen viele Polizisten. Sie sorgten für eine reibungslose Abwickelung des Verkehrs.

Da und dort versuchten Kommunisten meist jüdischen Aussehens, Hetzflugblätter an den Mann zu bringen; aber die englischen Fußballbegeisterten hatten dafür kein Interesse.

Einzelne Flugzettelverteiler, die sich zu aufdringlich be­nahmen. wurden von der Volirei abaekakt.

Ein mörderisches Tempo.

Das Spiel begann eine Viertelstunde vor der angesetz­ten Zeit. Die Deutschen hatten Anstoß. Hoh­mann trieb den Ball vor. Er kam aber nicht weit. Barker rannte durch, köpfte den Ball zum deutschen Tor, Jakob sprang heraus, aber der Rechtsaußen köpfte den Ball vor ihm ans Außen. Eine Steilvorlage von Szepan kam zu Hohmann, der leitete den Ball an Fath weiter; doch ehe der kleine Wormser schießen konnte, sprang Male da­zwischen. Durch weite Flügelvorlagen kamen die Eng- länder immer gefährlich durch. Camsell schoß hoch übers Tor, und dann nahm Carter einen Ball direkt auf und feuerte einen Bombenschuß über die Latte.

Immer wieder waren die Engländer im Angriff. Zwei-, dreimal hintereinander rettete Jakob durch Fausten die kritische Lage vor dem deutschen Tor und wurde dafür durch tosenden Beifall belohnt. In der neunten Minute fiel d i e e r st e E ck e f ü r D e u t s ch l a n d , die ab- gewehrt wurde.

Die erste halbe Stunde gehörte ausschließlich den Engländern. Unsere Spieler waren nervös. Nur Szepan, Hohmann und hinten Haringer und Gräm­lich behielten die Ruhe. Eisern verteidigten sie sich gegen die Massenangriffe der Engländer.

Das deutsche Stürmerspicl konzentrierte sich ganz und gar auf Hoh m anu, der geradezu Weltmeisterschafts- form zeigte. Vergebens.

Die Engländer waren jederzeit Herr der Lage.

Sie waren zu schnell und so überlegen, daß sie unsere Mannschaft vollkommen einschnürten. In der 25. Minute folgt die dritte englische Ecke, zwei Minuten später die vierte englische Ecke, von Jakob mit sicheren Paraden ab- gewehrt. Auch ein 30-Meter-Freistoß des linken Läufers Bray konnte von Jakoch dpr in ganz großer Form war,

Die deutschen Stürmer bei dem letzten Trai­ning der Mannschaft in Tottenham vor dem Länderkampf. In der Stürmerreihe von links nach rechts: Lehner, Szepan, Hohmann, Rasselnberg, Fath.

(Schirner.)

Im amtlichen Programm vom Fußball-Länderspiel hieß es u. a. in deutscher Sprache:Möge das Resultat des Spieles das Gefühl der beiden Nationen hegen und ihre Freundschaft mit einem Treuebunde knüpfen."

Aus den Tribünen wehten der U n i o n Jack und die Hakenkreuzflagge, beide infolge des Trauerfalles im englischen Königshause auf Halbstock. Vor der ein­stöckigen Tribüne war auf dem Spielfeld eine uniformierte Kapelle aufmarschiert, die die Zuschauer durch flotte Weisen unterhielt. Mit erhobener Rechten und entblößten Hauptes hörten die Deutschen stehend das Horst- Wes s e l - L i e d an.

Als die deutsche Mannschaft zusammen mit der eng­lischen Mannschaft das Spielfeld betrat, erhob sich orkanartiger Beifall.

Die Deutschen spielten in schwarzen Hosen, weißen Hemden mit roten Aufschlägen, die Engländer in blauen Hemden und weißen Hosen. Beide Mannschaften er­schienen in der angekündigten Aufstellung. Sie traten in der Mitte zusammen, stellten sich gegenüber auf. Die Kapelle intonierte das Deutschlandlied. Alle stan­den auf, und die 10 000 Deutschen sangen begeistert mit. Dann wurde die englische Nationalhymne ge­spielt, die alle Zuschauer ebenfalls stehend anhörten, die deutschen Spieler und die deutschen Schlachtenbummler mit erhobenem rechten Arm.

sicher gemeistert werden. Immer wieder war es Jarov, der in höchster Not das Leder abwehrte. Den deutschen Spielern blieb nichts anderes übrig, als zu verteidigen. Sie fanden keinen Moment Zeit zu irgendwelchen An­griffen.

Die Deutschen kämpften mit dem Mut der Ver­zweiflung.

Sie wehrten sich in jeder Lage, aber der tiefe morastige Boden machte ihnen die Arbeit sehr schwer wie nur eben möglich.

Zwei Minuten vor der Pause ging England mit 1 0 in Führung.

Camsell nahm ein Zuspiel von Barker auf. Obwohl drei Mann um ihr waren, konnten sie den englischen Mittel­stürmer nicht vom Ball drängen, und aus vier Meter Ent- fernuno krackte der Flachschuß ins Netz. Eine Minute vor der Pause leitete Nasselnberg einen fabel­haften Angriff ein. Lehner erhielt den Ball, wollte schießen, würde aber behindert. Szepan leitete das Zu­spiel an Fath weiter. In der Aufregung schoß Fath nicht direkt aufs Tor. Sein Schuß fliegt über die Breitseite. Lehner versuchte, ihn mit dem Kopf zu erreichen, aber der Ball ging über ihn hinweg ins Aus.

Die zweite Sâlfte

eröffneten die Deutschen mit einem schnellen Vorstoß ohne Erfolg. In der dritten Minute spielten sich Fath und Nasselnberg gut durch. Hohmann nahm den Ball aus der Luft, aber der englische Tormann drehte den Schuß ab. Gleich darauf umspielte Camsell zwei Mann. Fünf Meter vor Jakob ließ er einen Bombenschuß los, der um «Zentimeter neben dem Tor einschlug.