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Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der u , sfsmss&^äS Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

W Julöa- und Haunetal §ulöaer Kreisblatt

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rich Ehrenklau, Fulda, Königstras Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, ^^,,- bâH Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. Äerantw. für den Inhalt: Bernd H e i m Fulda.

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Nr. 289 12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 11. Dezember 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

England und Frankreich einig.

Die Friedensvorschläge Rom und Addis Abeba übermittelt?

London, H. Dezember. Reuter bestätigt Dienstagabend, daß über die Friedensbedingungen endgültig eine Eini­gung zwischen der britischen und der französischen Regie­rung erzielt worden ist.

Wie in Paris bekannt wird, soll der Wortlaut der von Laval und Hoare am letzten Sonntag ausgearbeiteten Vorschläge im Lause der Nacht zum Mittwoch nach Rom und Addis Abeba übermittelt und beiden Regierungen zur Begutachtung unterbreitet werden. Ministerpräsident La­val wird voraussichtlich heute, Mittwoch abend, nach Genf abreisen.

Drei AWtgmndMs

Trotz der Erklärung Baldwins, daß zur Zeit keine Ein- zeilheiten über die im Gange befindlichen Friedenserörte- rungen bekannt gegeben werden könnten, bestand die ar­beiterparteiliche Opposition auf einer Aussprache über den italienisch-abessinischen Streit. Der arbeiterparteiliche Ab­geordnete Lee Smith meinte, es sei klar, daß, wenn die auf Indiskretionen beruhenden Presseberichte auch nur zur tzâlite richtig seien, das bereits im Widerspruch zu den Genfier Satzungen stehen würde. Das Dilemma der bri­tischen Regierung bestehe offenbar darin, daß die Re­gierung den Völkerbund zu unterstützen wünsche und gleichzeitig Mussolini und das italienische Regime nicht gefährden möchte. Es sei unmöglich, einzusehen, wie der Negus diese Bedingungen annehmen könnte, es sei denn unter der Drohung von Bomben und Gas.

Minister Eden erklärte: Die drei Kauptgrundsätze, auf die die Vorschläge sich stützen, sind: 1. ein Gebietsaus- Msch, der beiden Seiten bestimmte Vorteile bietet; 2. Lölkerbundsunterstützung für Abessinien zum Zwecke so­zialer, wirtscha'tlicher und verwaltungsmäßiger Entwick­lung; 3. besondere Erleichterungen für. italienische Siedler

UWmmiz in ëngM über 6« MdensM

Vorstoß der Opposition im Unterhaus. Gerüchte vom Rücktritt des Bötkerbundsministers Eden.

Wenn auch der in Paris in der Unterredung zwischen dem englischen Außenminister Hoare und dem fran­zösischen Ministerpräsidenten Laval ausgearbeitete Friedensplan zur Beendigung des italienisch-abessinischen Krieges von dem englischen Kabinett in einer außer­ordentlichen Sitzung gebilligt worden ist, so macht sich in der englischen Öffentlichkeit doch eine starke Unzu­friedenheit mit diesem Plan bemerkbar

Einige Londoner Zeitungen wollen auch wissen, daß es in der Kabinettssitzung zu sehr tiefgehenden Meinungs Verschiedenheiten gekommen sei.Maßgebende" Minister hätten erklärt, so heißt es, daß die Friedensbedingungen

einseitig zugunsten des Angreifers

ausgefallen und für Großbritannien nicht tragbar seien. Die Kabinettssitzung habe, wie dieMorning Post" an- deütet, vor beträchtlichen Schwierigkeiten gestanden. Die Meinungsfreiheit der Minister sei stark behindert worden, schon allein durch die Tatsache, daß der britische Außen­minister dem Plan bereits zugestimmt habe und anderer- kitS, daß ohne Befragen der britischen Regierung bv Friedensbedingungen Afi ziel! schon der italienischen Re stkrung übermittelt worden waren.

In parlamentarischen Kreisen habe sich, wieWem EdronicleF und auchTimes" hervorhebcu.

ein Sturm der Entrüstung, "'hoben, der sich nicht allein aus die Opposition erstrecke.

Mehrheit des Unterhauses sei der Ansicht, daß Eng- iand seine bisherige Völkerbundspolitikverraten" habe und daß der Angreifer, der vor aller Welt als ichuldig gesprochen galt, nunmehr gewissermaßen 11 f K osten des Angegriffenen belohnt werden solle.Times" bemerkt, daß auch in amtlichen weifenkein Enthusiasmus" für den Plan herrsche und weist darauf hin, daß der Völkerbundsminister Eden im Unterhaus erklärt habe, der Frieden müsse sowohl für annehmbar sein, wie auch von Rom und Addis uveba angenommen werden. Die Presse gibt der all- Mneinen Ansicht Ausdruck, daß Mussolini jetzt bereit sein werbe, in Verhandlungen einzutreten, daß aber

Abessinien, wie eine Erklärung der Londoner abessi- vlschcn Gesandtschaft beweise, sich entschieden weigern ""de, sei» Einverständnis zu so bedeutsamen Ge- bietsabtretungen zu geben.

Mehrere Zeitungen lassen durchblicken, daß die Regierung, eben erst beider Abstimmung über die Thronrede eine Aeyrheit von 242 Stimmen erhalten habe, bei einer Ab- Mmung zur Außenpolitik jetzt in der Minderheit bleiben vurde^ Die Opposition hat bereits in einer Anfrage um ^..Stellungnahme des zur Zeit amtierenden Außen- . meré Eden gebeten. Gerüchte, wonach Eden tnen Rücktritt anaeboten habe, entsprechen

und italienische Gesellschaften in Verbindung mit der wirt­schaftlichen Entwicklung.

Eden sagte dann, eine Veröffentlichung der Vorschläge komme erst dann in Frage, wenn die zuständen Völker- buudsorgane die Vorschläge erwogen und einen Beschluß hierüber gefaßt haben. England habe stets klar zum Ausdruck gebracht, daß die Interessen dieses Landes an diesem Konflikt nur die Interessen als Mitglied des Völkerbundes seien. Der Vorschlag, auf den man sich in Paris geeinigt habe, stelle nicht notwendigerweise den Standpunkt der französischen Regierung oder den Stand­punkt der britischen Regierung dar. Es handele sich viel­mehr um Anregungen, die die Parteien instand setzen sollten, zusammen zu kommen. Daß sei der einzige Zweck dieser Vorschläge. Sache des Völkerbundes, so sagte Eden zur Opposition gewendet, werde es sein, zu sagen, ob die Grundsätze der Gen'er Satzung verletzt worden seien.

Wmmt Rom an ?

Drei Möglichkeiten.

Paris, 11. Dezember. Der römische Berichterstatter des Matin" meldet seinem Blatt, die diplomatischen Sachver­ständigen hätten im Laufe des Dienstag die Lage ein­gehend geprüft und seien zu dem Schluß gekommen, daß es drei Möglichkeiten gäbe:

1. Eine vollkommene Zurückweisung der Vorschläge Laval-Hoare; 2. Eine t>' und bN' :z^.:zRose An­nahme derselben; und 3. Eine Annahme dieser Vorschläge als Grundlage zu neuen Verhandlungen.

Die erste Möglichkeit sei praktisch undurchführbar, die zweite schwierig in Anbetracht der kolonialen Lage und der Art und Weise, in der im Augenblick die inneren Ange­legenheiten in Italien liefen, Und so scheine man allgemein die dritte M^gliHLeit W-Auge gefaßt zu haben.

nicht den Tatsachen, zeugen aber deutlich von der zur Zett herrschenden großen Erregung.

Im übrigen will man wissen, daß noch einige, wenn auch geringfügige

Änderungen an dem Friedensplan beschlossen worden seien, die in langwierigen telephoni­schen Verhandlungen zwischen Paris und London noch bis in die Nacht hinein beraten worden seien. Als Preis für das englische Entgegenkommen habe Frankreich sich nunmehr verpflichtet, England auch militärisch zu unter­stützen und für die Olsperre einzutreten

Frankreich erwartet Mussolinis Zudimmnng.

In französischen politischen Kreisen legt man besonderen Wert ans die Betonung, daß die beiden Westmächte mit dem Friedensplan nicht in eigener Sache, sondern als Beauftragte des Völkerbundes handeln. Man nimmt nicht an, daß Mussolini die Vor­schläge, wie sie sind, annehmen wird, hofft aber, daß die von ihm erwartete Antwort die Tür für Verhandlungen offenläßt und dem Sanktionsausschuß so die Möglich­keit gegeben wird, seine Entscheidung vorläufig zu ver­tagen. Mussolini müsse sich, so betont man in Paris, jetzt darüber klar sein, daß

eine Abweisung der Vorschläge automatisch die Aus­dehnung der Sanktionen auf Petroleum und Kohle und in weiterer Auswirkung eine Blockade nach sich ziehen würde, bei der auch Frankreich sich einer Mitwirkung nicht entziehen könnte. Im übrigen verstärkt sich in Paris die Auffassung, daß auch mit einer Annahme der Vor­schläge als Verhandlungsgrundlage die Schwierigkeiten noch längst nicht behoben seien, denn die zu erwartenden Widerstände im Völkerbund, besonders von feiten der kleinen Mächte, würden ein weiteres Hinaus- schieben der Entscheidung nicht mehr gestatten. Dazu kommt, daß die Großmächte nur im Fall einer glatten Annahme durch Rom in der Lage seien, den Negus zum Nacktgeben zu bewegen.

Es verlautet weiter, daß

Laval au Muffolini eine persönliche vertrauliche Bot­schaft gerichtet

hat, in der er ihm die unbedingte Notwendigkeit ans Herz legt die französisch-englischen Vorschläge nicht zurückzuweisen. Er betont, daß sie das Ä u ß e r st e darstellen, was Italien angeboten werden könnte, und daß der französische Ministerpräsident im Falle einer Ab­weisung seine Vermittlerrolle nicht länger aufrechterhal­len könne.

Abessimevöenchi Lavals

vsr dsm französischen Mimsierrai.

Am Dienstag fand in Paris ein französischer M i n i st e r r a t unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik statt. Ministerpräsident Laval erstattete Be­richt über seine Verhandlungen mit Hoare.

Der I u st i z m i n i st e r teilte die Erklärungen mit, die er dem Zivilgesetzausschuß der Kammer zur Frage der Kampfbünde abgegeben hat. Der Ministerrat prüfte ferner die Bedingungen, unter denen die Beratung des Haus­halts für 1936 in der Kammer stattfinden soll. Der Haus­halt soll noch bis zum 31. Dezember unter Dach und Fach gebracht werden.

*

Sie französische Kammer hat sich auf Wunsch des Finanzministers Regnier auf Donnerstag vor­mittag vertagt. Ter Finanzminister will inzwischen in Verhandlungen mit dem Finanzausschuß der Kammer die beschleunigte Verabschiedung des Haushaltsplanes sicher- stellcn.

Erklärungen Baldwins im Llnterhaus.

Im englischen Unterhaus stellte Ministerprä- stocnt Baldwin am Dienstag fest, daß die zwischen Laval und Hoare in Paris erörterten Vorschläge für eine Beilegung des italienisch-abessinischen Konflikts bis jetzt weder Italien noch Abessinien vorgelegt worden seien. Baldwin bezeichnete es daher als verfrüht, jetzt bereits eine Erklärung darüber abzugeben.

Ter Oppositionsführer Attlee stellte die Frage, ob die Vorschläge wesentlich dem entsprächen, was in der Presse darüber berichtet worden sei. Hierauf entgegnete Bald­win, daß in Frankreich ganz offenkundig eine Diskre- tionslücke existiert habe, durch die die höchst schwierige und heikle Angelegenheit noch schwieriger und heikler gewor­den sei. Zwischen den ursprünglichen Vorschlägen und den Presseberichten beständen weite Unterschiede.

Auf eine Frage des Abgeordneten Sinclair, der wissen wollte, ob die Besprechungen über die Vorschläge des Fünfer-Ausschusses des Völkerbundes hinausgingen, erklärte Baldwin, daß selbstverständlich Vorbedin­gung für die Annahme der Vorschläge sei, daß alle drei Parteien, der Völkerbund und die beiden Länder, ihnen zustimmen müßten. Auf weitere Fragen gab Baldwin keine Antwort mehr.

*

Der französische Ministerpräsident Laval hatte am Dienstagnachmittag in Paris eine Unterredung mit dem britischen Botschafter Sir George Clerk und dem Unterstaatssekretär im Foreign Office Sir Robert V an­st t t a r t, die ihn über die Auffassung des englischen Ka­binetts hinsichtlich der Regelung des italienisch-abc'sini- schen Streitfalles nach den beiden Kabinettsrüten in Lon­don unterrichteten.

Die flemereo Gmaèen

gegen den Friekengplan. Beratungen des Genfer Lachverftüiidigenausschusseö für die Sühncmaßnahmen

Der Sachverstandigenausschuß für die Durchführuno der Sühnemaßnahmen trat nach zehntägiger Pause nntei dem Vorsitz des schwedischen Vertreters W e st m a n wieder zusammen, um die weiteren Antworten der oer schiedenen Regierungen zu prüfen und den Bericht an den Präsidenten der Sanktionskonferenz fertigzustellen.

Der I 8 e r - Ä u s s chuß, der die Erweiterung der Rohstoffsperre beschließen soll, wird am Donnerstag in Anwesenheit von Eden und Laval zusammentreten Gegen die englisch-französischen Friedensvorschläge regt sich schon jetzt starker Widerspruch in den Krei­sen der kleineren Länder, die darin eine Ver^ letzung des Grundsatzes der gebietsmäßigen Unversehrt­heit und der Nichtgewährung einet Prämie für den An­greifer erblicken.

Kleinkampfe in Abessinien.

Nach abessinischen Meldungen von der Nordfront haben Abteilungen der Armee Ras Sey ums ein italienisches Lager bei Kalhabile angegriffen und ver­nichtet. Die Italiener hätten vier Tote und einige Waf­fen und Munition zurückgelassen. Eine andere abessinische Abteilung habe im Nachtangriff die italienischen Posten bei Mcnagar zum Verlassen ihrer Stellungen gezwungen. Wie weiter von abessinischer Seite gemeldet wird, haben sich 50 Mann der Leibgarde des zu den Italienern über- gelaufenen Ras Gugsa mit Waffen bei der Armee des Ras Kassa gemeldet.

Dèr amtliche italienische Heeresbericht meldet, daß an der Eritreafront die italienischen Abtei­lungen am T a k a z z a f l u ß und in der Gegend südlich von Addi E n k a t o mit einer starken Gruppe abessini­scher Streitkräfte zusammengestoßen sei. Die Abessinier wurden in die Flucht geschlagen; sie haben 15 Tote zurück­gelassen. Aus italienischer Seite fielen zwei eingeborene Unteroffiziere und fünf Askaris.

W Volksgenossen! Eure Jugend ruft zur Pflicht und zum Opfer! Laßt Euch vom 19. bis 22. Dezember nicht von der Hitlerjugend beschämen!