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I Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg
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Nr. 293 — 12. Jahrgang
Fulda, Montag, 16. Dezember 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
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Die Aufgabe der deutschen Aerzteschaft
Ministerialdirektor Gutt und der Reichsärzteführer über die neue Reichsärzteordnung.
Unter den neuen Gesetzen, die die Reichsregie - rung in ihrer letzten Sitzung vor der Weihnachtspause beschlossen hat, kommt dem Gesetz überdieReichs- ii rz t e o r d n u n g eine große Bedeutung zu. Über diese Reichsärzteordnung sprachen vor Vertretern der deutschen Presse Ministerialdirektor Dr. G ü t t und Reichsärzte- fiihrer Dr. W a g n e r.
Ministerialdirektor Dr. G ü tt stellte in seiner Ansprache die folgenden zwei Gesichtspunkte als richtunggebend heraus:
1. Der ärztliche Berus soll nicht ein Gewerbe sein, und die neugeschaffene Sianves- organisation darf nicht als Interessenvertretung der Ärzte angesehen werden, da diese neue Organisation zur Mitwirkung an der Erhaltung und Förderung der Volksgesundheit bereit und befähigt ist
2. Der deutsche Arzt will in Zukunft nicht nur darin seine Aufgabe sehen, dem einzelnen kranken Menschen zu helfen, sondern er will a n derlei b- l i ch e n und seelischen Gesundung seines Volkes Mitwirken.
Hieraus führte Reichsärzteführer Dr Wagner u. a. aus, daß der Erlaß der Reichsärzteordnung einen Markstein in der Geschichte des deutschen Gesundheitswesens und der Ärzteschaft bedeute. Die deutsche Reichsärzteordnung verkörpere in vollkommener Weise das Ideengut unserer nationalsozialistischen Weltanschauung.
Die Gesamtheit eines für die Durchführung jedweder gesundheitspolitèschcr Maßnahmen unentbehrlichen » Berufes werde in den Dienst unseres Volkes und des nationalsozialistischen Staates gestellt.
Der einzelne Arzt wiederum werde einet Pflichten- o r du ii u g unterworfen, die die Lauterkeit und Uneigennützigkeil seines Wollens und Handelns verbürge und den Arzt, der bis dahin zu den Gewerbetreibenden rechnete, zu einem Funktionär des öffentlichen Gesundheitsdienstes mache.
Der nationalsozialistische Staat habe der deutschen Ärzteschaft neue Ziele und dem einzelnen Angehörigen des Standes einen neuen Lebensinhalt gegeben. Er übertrage durch die Reichsärzteordnung dem Arzte öffentliche Aufgaben und verpflichte die Ärzteschaft in ihrer Gesamtheit, zum Wohle von Volk und Reich
für die Erhaltung und Hebung der Gesundheit, des Erbgutes und der Rasse des deutschen Volkes zu wirken.
Dr. Goebbels über die Aufgaben des deutschen Films.
Zahreskundgebung der Neichsfachschaft Film.
Im Reichstagssitzungssaal der Krolloper in B e r l i n sand die große Jahreskuudgebuug der Reichsfach- s ch a f t F i l m statt, aus der Rcichsmimster Dr. Goebbels eine bedeutungsvolle, richtungweisende Rede an die aus beut ganzen Reich versammelten etwa 1500 deutschen Filmschaffenden hielt. Unter den Ehrengästen, die von Fachschaftsleiter Hans Weidemann begrüßt wurden, bemerkte man u. a. den Presscches der Rcichsreglerung, Staatssekretär Funk, den Polizeipräsidenten von Berlin, Gras Helldors, und den Präsidenten der Reichs- silmkammcr, Professor Dr. Lehn ich.
Nach einleitendem Orchestervortrag betonte Reichs- fachschaftsleiter Weide m a n n in einer kurzen Eröffnungsansprache, daß erst dieser Tage die Fachschaftsleitung mit hervorragenden Filmschaffenden und -industriellen zahlreiche Fragen des deutschen Filmwesens durchgesprochen habe. Die nun folgende Rede des Reichsministers Dr. Goebbels, in der er die Grundsätze nationalsoftalistischen Wollens und die Zielsetzung für den deutschen Film aufzeigte, wurde immer wieder von lebhaftem Beifall unterbrochen.
Der Minister stellte zu Beginn seiner Ausführungen fest, daß sich eine merkliche Besserung in der deutschen Filmproduktion angebahnt hat. Wenn sich unter den 180 Filmen der Jahresproduktion bereits eine ganze Reihe von Filmen befänden, in denen mit hervorragenden künstlerischen Mitteln gearbeitet worden sei, so beweise das, daß von den 1933 ausgestellten Zielen vieles verstanden und einiges auch schon erreicht worden sei.
Der deutsche Film habe alles in allem sich redliche Mühe gegeben, die ihm zur Verfügung stehenden Schaffcnsmöglichkeiten auszunutzen.
Es seien einzelne ganz große künstlerische Würfe gelungen, Wurfe, die ganz aus deutscher Mentalität geschaffen ^Zrden und auch nur aus ihr heraus verstanden werden können, überhaupt sei schon vieles im deutschen Film zum Vorbild für die ganze Welt geworden. Es gebe "der doch noch eine Unmenge von Problemen, die no^
für das Vorhandensein eines sittlich und wissenschaftlich hochstehenden Ärztestandes Sorge zu tragen, die ärztliche Ausbildutxg zu fördern, für Schulung und Fortbildung der Ärzte zn sorgen und ein gedeihliches Verhältnis der Ärzte untereinander zu gewährleisten.
Der freiberufliche Charakter des Arztes werde grundsätzlich aufrechterhalten, und zwar auch dort, Ivo eine Mehrheit von Ärzten in den Dienst sozialer und fürsorgerischer Einrichtungen des Staates tritt. Die freie Wahl des Arztes bleibe den Kranken im Interesse eines vertrauensvollen Verhältnisses erhalten und werde — eine bedeutsame Neuerung — grundsätzlich auch in der öffentlichen Fürsorge eingeführt.
Der großen, umfassenden neuen Vertretungskörper- schast, der R e i ch s ä r z t c k a m m e r , die die bisherigen Landesärztekammern ablöse und damit die Verwirklichung des Reichsgedankens fördere, unter-, ständen mit Ausnahme der Sanitätsoffiziere der Wehrmacht alle Arzte.
An der Spitze der Rcichsärztekammer stehe in autoritärer Stellung der Reichsärzteführer, das einzige Organ der neuen Körperschaft. Er werde vom Führer und ^Reichskanzler selbst berufen. Damit werde deutlich ' die enge Verbindung der Reichsärztekammer, ihrer Führung und des ganzen Standes mit Staat und Partei zum Ausdruck gebracht und gleichzeitig hervorgehoben, welche hervorragende Bedeutung der Nationalsozialismus der Volksgesundheitspflege und der Tätigkeit der zu ihrer Erfüllung berufenen Ärzteschaft beimesse.
Eine besondere Gerichtsbarkeit
mit ärztlichen Berufsgerichten und einem Arztegerichtshos als höchster Instanz sorge für ein würdiges, der Berufssitte entsprechendes Verhalten jedes einzelnen Arztes. Gerade vom Arzte werde im Interesse seiner Vertrauenswürdigkeit gegenüber den Volksgenossen ein makelloses berufliches und außerberufliches Verhalten gefordert, Verstöße gegen die sich daraus ergebenden Berusspslichten würden durch die Berufsgerichtsbarkeit geahndet.
Die neuen Formen bedeuten, so erklärte der Reichs- ärztesührer zum Schluß, nichts, wenn sie nicht auch mit einem neuen Leben und mit einem neuen Geiste erfüllt werden, mit dem nationalsozialistischen Geiste der Dienstbereitschaft gegenüber Volk und Reich.
nicht gelöst und überhaupt noch nicht angefaßt worden seien. Hierzu erklärte der Minister: Wenn wir daher feststellen, daß die Zeit, die wir erleben, im Film offenbar noch zu kurz gekommen ist, so wollen wir damit durchaus keinen Zwang hinsichtlich der Produktion solcher das Z e i t g e s ch e lse n behandelnden F i l m e auslösen, denn Zwang führt meist zu dilettantischer Ve»- krampfung.
Ein zweiter großer Fehler im Filmschaffen sei die Tatsache, daß es keinen gelungenen Wurf gebe, ohne daß das ganze Heer der mittelmäßigen Begabungen hinterherkomme und den echten Wein dieses großen Wurfes in eine dünne Limonade verwandele.
Im übrigen, so betonte der Minister unter großer Heiterkeit, habe man manchmal den Eindruck, als ob das einzige f^mwürdige Niveau in Europa lediglich im Grinzing zu suchen sei. So sehr bcm Unterhaltungsfilm das Wort zu reden sei, so sehr müsse man sich aber gegen die Verblödung des Unterhaltungssilms wenden. Wenn die Künstler einen guten Geschmack bewiesen, so werde sich das Publikum allmählich an diesem Geschmack der Künstler emporhebeu und umgekehrt. Weiter lasse der ^ilm oft noch den Zusammenhang mit
dem wirklichen Leben vermissen. Es ist nicht wahr, daß Helden immer nur Helden sind, sie sind nebenbei auch ■
Menschen! Es ist deshalb völlig unangebracht, in eineü^- Monaten Gefängnis, Gerbracht zu einem Jahr drei heroischen Film die Helden dieses Films dauernd übeX^, Monaten Zuchthaus, S ch a n d e l m e i e r zu zwei Jahren
Heldentum reden zu lassen.
Goebbels unter stürmischer handeln!
Der Minister kündigte dann unter gespanntester Aufmerksamkeit der Zuhörer für die nächste Zeit eine Reihe von Anregungen und Maßnahmen an, um in Zukunft eine Stabilität im Filmschaffen sicherzustellen. Diese Maßnahmen sehen in der Hauptsache folgendes bot: An die Stelle der jetzt üblich gewordenen stoßweisen Produktion mit ihren schädlichen Auswirkungen muß in Zukunft eine dauernde Beschäftigung treten. Die Gagen sollen damit
nicht mehr über sechs oder sieben, sondern über zwölf Monate verteilt werden und die Ateliers eine stetige Beschäftigung aufweisen. Anzustreben ist, daß die Hälfte der gesamten Produktion zu Beginn des Filmjahres, also zu Anfang Juli, bereits fertig borliegt und daß die andere Hälfte der Filmvroduktion spätestens mit Ende Oktober fertig sein muß. Eine weitere Forderung ist die, daß jedem Hauptdarsteller für jeden Film eine ausreichende Zeit zur Verfügung steht.
Zwischen Film und Bühne must ein verständnisvolles Zusammenwirken gesichert tucrbcn.
Anstellungsverträge dürfen nicht von vornherein den Keim zu Differenzen zwischen Bühne und Film enthalten.
Der Minister schloß mit der Aufforderung an dke Filmschaffenden, stets das ganze Volk in seiner vielfältigen Zusammensetzung vor Augen zu haben. „Dann", so erklärte er, „werden Sie sich auch immer der ungeheuren Reichweite des Films, den wir zu einer edlen Sun ft erheben wollen, bewußt sein und dementsprechend handeln. Der Film soll mit echtem Optimismus das Leben einfangen, das echte Leben, so wie es gewesen ist, wie es heute noch ist und wie es in aller Ewigkeit sein wird!"
Die Grundsätze nativnalsozraljsttscher Agrarpolitik.
Reichsbauernführer Darr è auf dem pommerschen Landesbauerntag.
Der zweite Pommersche Landesbauerntag i n Stettin erreichte seinen Höhepunkt mit einer Kund gebung, in der der Reichsbauernführer Darre zu den pommerschen Baucrnführcrn und zum pommerschen Landvolk sprach. An der Kundgebung nahmen auch General- feldmarschall von Mackensen, Gauleiter Schwede- Koburg und führende Vertreter von Staat, Partei und Wehrmacht teil.
Reichsbauernführer Reichsminister Darrè sprach über eine Reihe grundsätzlicher Fragen nationalsozialistischer Agrarpolitik. Auf keinem Gebiete sei ein Experiment so gefährlich für ein Volk, wie auf dem Gebiet der Ernährungswirtschaft den Dingen ihren freien Lauf zu lassen. In diesem Zusammenhang kam der Reichsbauern- führer auf den von ihm vor wenigen Tagen eingesetzten Ausschuß zur Untersuchung des Sch weine Mordes von Ende 1914 zu sprechen. Diese Untersuchung hat bereits eine Reihe merkwürdiger Tatsachen ergeben. Es stehe fest, daß in dem gleichen Zeitpunkt, als die Linksparteien im Reichstag dem Kaiser zum Burgfrieden die Hand gaben, ihre eigenen Leute bereits an der Arbeit waren, einen Schweinemord einzuleiten.
Heute habe nicht allein Deutschland einen gewissen Fettmangel, wir sähen diesen Fettmangel in der gesamten Welt.
Aber gegenüber den Verhältnissen in der Welt liege in Deutschland ein grundlegender Unterschied vor. „Wir nationalsozialistischen Agrarpolitiker haben", so erklärte der Minister, „im vorigen und in diesem Jahre zu verhindern gewußt, daß auch in Deutschland wieder ein Schweinemord einsetzt. Wir wissen sehr wohl, daß wir auf dem Gebiete des Fettes in Deutschland augenblicklich einen gewissen Mangel haben. Unsere Gegner irren sich aber, wenn sie glauben, daß wir deshalb irgendwie besorgt in die Zukunft sehen. Wir haben die Ernährung auf allen we s e n t l i ch e n Gebieten gesichert."
Der Reichsbauernführer appellierte an alle Bauern, sich stets ihrer Verantwortung bewußt zu bleiben, daß die Nachwelt uns nicht einmal frage, was wir über Einzelheiten der Erzeugungsschlacht gedacht hätten, sondern uns nur danach beurteile, ob wir sie gemeistert hätten. Der Wille zur Einigkeit im Landvolk, der die Voraussetzung jedes Arbeitserfolges bilde, dürfte von niemand zu übertreffen sein.
„Barmherzige Brüder^
als Siitlichkeiisverbrecher
Zuchthausstrafen im Maria-Lindenhos-Prozeß.
Im Prozeß gegen 15 Mitglieder der Genossenschaft der Barmherzigen Brüder von Montabaur, die in der Niederlassung Maria Lindenhof in Dorsten tätig waren und sich an den Pflegebefohlenen dieser Anstalt, so an Epileptikern, Schwachsinnigen und Geisteskranken, u. a. gegen § 175 vergangen hatten, wurde in M ü n st e r das Urteil gefällt. Es wurden verurteilt der Angeklagte Eberhard zu zwei Jahren Zuchthaus, der Angeklagte Zacharias zu einem Jahr neun Monaten Zuchthaus, weiter die Angeklagten Joseph Ochs zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus, Roos zu acht
yumö vuuernu uuei ? , .vivnuicn ^uu/iyuu», u II o e i m e i e r lU zwei paaren Sie sollen, er erklärte DrDM Zuchthaus, Kurz zu neun Monaten Gefängnis, M a i - Zustimmung, heldisch (^<1 zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis, Schäfer ^ eitlem Jahr Gefängnis und Weid zii acht Monaten Gefängnis. Die Angeklagten Eberhard, Zacharias, Joseph Ochs, Gerbracht, Schandelmeier verlieren die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren.
IW Wenn Jugend vom 19. bis 22. Dezember gegen Hunger und Kälte stürmt, darf das Alter nicht müßig zusehen! Helft durch Euer Opfer!
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