Zulöaer MZeiger
Erscheint leben Werktag. Wochenberlage: „Der „ rS.SSÄ’Ä % Tageblatt für Rhön und Vogelsberg öä' '1MWU Zulöa- und Haunetal ♦ Fuldaer Kreisblatt bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- z v
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Nr. 294 — 12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 17. Dezember 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Deutschlands berechtigter Kampf gegen den Bolschewismus.
Ribbentrop antwortet Lord Allen of Hurtwood auf eine englische Eingabe an den Führer und Reichskanzler.
Durch Vermittlung des bekannten englischen Politikers Lord Allen os Hurtwood wurde vor kurzen» an den Führer und Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der die Freilassung des wegen staatsfeindlicher Betätigung in ein Konzentrationslager eingclieser- tcn kommunistischen Rechtsanwalts Harrs Litten erbeten wurde. Die Eingabe enthielt außerdem gewisse Betrachtungen über die Behandlung Littens und über das deutsche Rechtssystem im allgemeinen. Da die Eingabe zeigte, daß über das deutsche Rechtssystern und vor allem über seine Grundsätze in England immer noch Mißverständnisse herrschen, hat Botschafter von Ribbentrop einen Brief an Lord Allen of Hurtwood gerichtet, in dem es u. a. heißt:
Zunächst muß ich Ihnen sagen, daß ich nach sorgfältiger Prüfung des von Ihnen dargelegten Falles zu meinem Bedauern nicht in der Lage bin, dem Führer und Reichskanzler die von Ihnen vorgeschlagene Lösung zu empfehlen. Die Gründe sind folgende:
Der Rechtsanwalt Hans Sitten war einer der geistigen Führer des Kommunismus in Deutschland. Er ist wegen staatsfeindlicher Betätigung inhaftiert, und seine geistige Einstellung läßt eine Enthaftung unter diesen gegebener» Umständen nicht zu.
Revolutionen werden nicht in den Gerichtshöfen und nach den Regeln normalen Rechtsbrauches ausgesuchten und entschieden, und im übrigen ist, entgegen Ihrer Eingabe, die Behandlung des Rechtsanwalts Sitten völlig einwandfrei, und er genügt, J^jc ich. höre, sogar noch gc- wisse Sondervergünstigungen.
Ich möchte Sie aber, verehrter Lord Allen, nun meinerseits fragen: Kann ein Regierungs- und damit ein Rechtssystern, das unverbesserliche Feinde der menschlichen Gesellschaft, die ein Volk dem Kommunismus ausliefern wollten, Hinte/ Schloß unb Riegel setzt, wirklich ein so schlechtes Rechtssystem fein, wenn es dadurch gleichzeitig ein ganzes Volk von 65 Millionen wieder glücklich macht? Im Gegenteil, ich möchte demgegenüber die Behauptung aufstellen: Wenn Ihre englischen Rechtssreunde, die diese Petition unterschrieben haben, sich die Mühe machen wür- ben, die Ursachen des Niederganges meines Landes UH9, seit dem Versailler Vertrag, 311 studieren, dann würden sie finden, daß eine stehengebliebene, den ungeheuren Problemen dieser Zeit nicht mehr gewachsene Rechtspflege unb vor allem aber der Geist, in dem oft Recht gesprochen wurde und dessen Träger wider das natürliche Empfiu- ben des deutschen Volkes den Freiheitskämpfer Adolf Hitler nach denselben» Paragraphen aburteilen sonnten wie den Kommunisten Hans Litten, mit dazu beigetragen haben, ein großes Volk an den Rand des Abgrundes, nämlich des Kommunisinus, zu führen. Daß wir beute nicht mehrgewillt sind, diesen Geist in Deutschland jemals wiederauferstehen zu lassen und daß wir unverbesserlichen Trägern und geistigen Führern solchen Vernichtungswillens als Schädlingen der menschlichen Gesellschasl ihr Tätigkeitsfeld möglichst beschränken, das würde jeder Ihrer Freunde von der Rechtsfakultät verstehen, wenn er die Entwicklung der vierzehn Jahre bis zum 30. Januar 1933 in Deutschland miterlebt hätte. Ja. mehr als das:
Ich bin fest überzeugt, daß Großbritannien und die gesamte Kulturwelt Adolf Hitler eines Tages dankbar dafür sein muß, das; er mit eiserner Konsequenz und, wenn es fein muß, auch Härte die Träger dieses schleichenden unb zersetzenden kommunistischen Giftes m Deutschland isoliert hat.
Im übrigen darf ich noch auf eins Hinweisen: Die in der Geschichte des deutschen Volkes größte geistige Revolution, die zu der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus am 30. Januar 1933 führte, ist u n t e r d e m Zeichen völliger Legalität vor sich gegangen und mit Methoden durchgeführt worden, die wohl in der Geschichte nicht ihresgleichen haben und die im krassen Gegensatz zu den grausamen und barbarischen Methoden stehen, mit denen die Revolutionen anderer Völker unserer Kulturwelt durchgeführt wurden.
Ich glaube nicht falsch vorauszusehe,», wenn id) sage, daß eine spätere objektive Geschichtsschreibung eines Tages den rmttvnalsoZairstitthrn Machtkampf geradezu als das Musterbeispiel für eine Revolution ansehen wird, wie re nur eine Ration von höchstem
Kultnrniseau überhaupt durchführen kann.
Abgesehen, aber von den eben geschilderten gruudsätz- Od)c i Erwägungen, kann ich mich um so weniger entschließen, zu dem Wunsche Ihrer ehrenwerten Rcchts- Neunde eine positive Haltung cinzunehmen, als Wir in einem ähnlichen Falle eine sehr schlechte Erfahruna ae- macht haben. Dies liegt so:
Der Fall Oimiirow.
, Vor längerer Zeit wurde ich von einem Ihrer Landsleute, einem hervorragenden Engländer, darauf aufmer.- iam g'ewâ. ein wist gMeè LrnLAmiS auf osm Vsae
der deutsch-englischen Verständigung die Haft der der Welt aus dem Reichstagsbrandprozeß bekannten Bulgaren Dimitrow und Genossen sei und welch ausgezeichneten Eindruck auf die englische öffentliche Meinung deren Freilassung machen würde. Ich wußte, daß es sich hier um unverbesserliche Feinde der menschlichen Gesellschaftsordnung handelte und daß es das Beste wäre, sie würden nie mehr auf die Menschheit losgelassen. Trotzdem oder vielmehr in meinem ständigen Bestreben, die deutsch-englische Verständigung zu fördern, wurde ich mit zum Fürsprecher ihrer Freilassung.
Die Bulgaren wurden nach Rußland geschickt, und heute ist Herr Dimitrow Generalsekretär und damit der wahre Führer der Komintern!
Er ist einer der eingefleischtesten K o m m u - nisten und verschworensten Terroristen, der zum VII. Komintern-Kongreß in Moskau im vorigen Sommer ungefähr folgendes ^Kampfziel bekanntgab:
1. Das unverrückbare Kampfziel der Komintern ist die Weltrevolution und die Aufrichtung der internationalen Diltatur des Proletariats.
2. Das größte Hemmnis aus diesem Wege zur Weltrevolution, d. (). zur Aufrichtung des roten Imperialismus ist Adoli Hitler. Aus bieiem Grunde muß der National
Der Negus lehnt ab.
Eine Erklärung des Kaisers von Abessinien an den Neuter-Vertreter
London, 1 . Dezembc..
Der Kaiser von Abessinien empfing am Montag in seinem Hauptquartier in Dessie den Vertreter der englischen Nachrichtenagentur Reuter und gab ihm folgende wichtige Erklärung ab:
„Wir wünschen in aller Feierlichkeit und Festigkeit, die sich aus der Lage ergibt, zu erklären, daß unsere Bereitwilligkeit, eine friedliche Lösung des Streites zu erleichtern, unverändert ist. Aber selbst eine grundsätzliche Annahme der französisch-britischen Vorschläge durch uns - gegenüber unserem
rat a m Völker-
würde nicht nur eine Art von
eigenen Volle, sondern auch ein Verra. „... , _ —. bung und an allen Strafen sein, die der Ansicht waren, daß sie von jetzt an zum System der kollektiven Sicherheit Vertrauen haben können. Diese Vorschläge sind in den Augen der Abessinier eine Verneinung und ein Abgehr»» von den Grundsätzen, auf betten der Völkerbund aufgebaut ist. Ihre Annahme würde die Abtrennung abessinischen Gebiets und ein Auslöschen der Unabhängig
leit Abessiniens zugunsten eines Staates bedeuten, der Abessinien angegriffen hat. Die Vorschläge bedeuten für Abessinien ein Verbot, an der wirtschaftlichen Entwicklung eines Drittels seines Landes frei und erfolgreich teilzunehmen. Sie vertrauert die Entwicklung seinem Feinde an, der praktisch zum zweiten Male versuche, Abessinien zu erobern. Eine Regelung auf der Grundlage des Vorschlages würde eine Belohnung für die angreifende Macht und für die Verletzung internationaler Verpflichtungen bedeuten. Die lebenswichtigen Belange Abessiniens werden in Frage gestellt. Diese Tatsache geht für uns jeder anderen Ueberèegung vor."
*
Italien stellt MMmmn
Rom, 17. Dezember.
Nach der einmütigen Stellungnahme der italienischen Presse zu den französisch-englischen Vorschlägen ist, wie von amtlicher italienischer Seite am Montagabend erklärt wird, vor der Tagung des Großen Faschistischen Rates, der bekanntlich am Mittwoch nachmittag zusammentritt, von Italien aus „durchaus nichts Neues" zu erwarten. Die italienische Regierung dürfte nach den Be-
ratungen des Großen Rates, die vielleicht mehrere Sitzungen in Anspruch nehmen werden, den Regierungen Frankreichs und Englands boHäufig nur einige Fragen vor-
gen in Äihprucy nehmen weroen, Den vcegierungen Frankreichs und Englands vorläufig nur einige Fragen vorlegen, über die Rom vor Erteilung einer grundsätzlichen Antwort Klarheit haben will. Auch müsse Italien, bevor
es die französisch-englischen Ausführungen auch nur als Grundlage für die Aussprache annehme, völlige Sicherheit hinsichtlich des Wertes und der Einhaltung neuer Abmachungen haben, die etwa mit Abessinien getroffen werden könnten.
WM- Hitlerjugend will vom 19. bis 22. Dezember Werh- nochtssreude bereiten helfen. Dos Holzreiterchen ist das ertöt tufri MfsüÈèfb.
sozialismus mit allen Mitteln bekämpft werden. Fällt Hitler- Deutschland, ist der Weg für die kommunistische Weltherrschaft frei. In kurzer Zeit wird ganz Europa folgen, und die Zersetzung des britischen Imperiums und der noch übrig- gebliebenen Nationalstaaten wird dann nicht aufzubaltcn sein.
Dieses saubere Programm ist das Ergebnis der Freilassung Dimitrows, d. h. also das Ergebnis liberaler britischer Weltauffassung und deutscher Gutmütigkeit unb Großzügigkeit. Ich glaube, solche Fehler sollten beide Nationen in Zukunft vermeiden.
Mein lieber Lord Allen: Ihre Gegnerschaft gegen Versailles ist Deutschland und der Welt bekannt, und Ihr Einsetzen für eine deutsch-englische Freundschaft war für mich immer eine große Befriedigung in meinem, ich glaube nicht ganz unbekannten Kamps für diese Freundschaft.
Ich weiß daher, daß nur edle Gefühle Sie und Ihre Freunde zu Ihrer Eingabe vom 3l. Oktober an den Führer und Reichskanzler veranlaßt haben. Wir Deutschen verstehen dieses britische Gefühl „for the underdog" (für den Unterlegenen) sehr gut und achten es, wie dies bei Angehörigen gleicher Rasse ja gar nicht anders sein kann. Gerade dieses Zusammengehörigkeitsgefühl von Menschen gleicher Rasse und gleichen Blutes aber sollte eine Garantie für die gemeinsame Erkenntnis sein, daß die Staatsraison Regierungen oft zwingt, harte Wege zu gehen, ohne daß hierdurch ein Volk seine in seinem innersten Wesen begründeten ethischen und weltanschaulichen Fundamente auch nur im geringsten preisgibt, ja, daß im Gegenteil diese harten Wege oft erst die Voraussetzung für die Erhaltung dieser ethischen und moralischen Grundlagen eines Volkes schaffen. An dieser Erkenntnis hat es dem heutigen England bisher noch etwas gefehlt. Ich glaube aber, daß auch diese Gedanken sich von Tag zu Tag mehr durchsetzen werden, und die Geschichte des Britischen Imperiums sollte hier der beste Lehrmeister sein!
Eine Schlacht im Ogaben im Gange.
Die Italiener griffen an. — Erbitterte Kämpfe.
Die Italiener haben an der Ogadensront mit einer neuen Offensive begonnen. Sie wurde, wie aus A d d i s A b e b a gemeldet wird, von den Bombenfliegecn m't einem heftigen Bombardement der abessinischen Vor- poftenftcüungen eingeleitet. 40 Meilen südlich von Sasa- beneh erfolgte unter dem Schutz von Tanks und Panzerwagen der erste italienische Infanterie- angriff nach langer Zeit.
Er erreichte nur geringen Gelände- gewinn, da die abessinischen Truppen, die aus eine eigene Offensive vorbereitet waren, dank guter Bewaffnung zähen Widerstand leisten können. Es wird auf beiden Seiten erbittert gekämpft. Mehrere hundert italienische Somalis sollen zu den Abessiniern übergelaufen sein.
Die Seiräerlaubnis für Dienstpflichtige.
In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Dienstpflichtige unmittelbar nach Erreichung der Volljährigkeit sich an die militärischen Dienststellen oder Wehrersatzdienststellcn wenden und um die E r l a u b n i s zur alsbaldigeu Eheschließung nachsuchen. Der Reichs- und preußische Minister des Innern »nacht in einem Runderlaß darauf aufmerksam, daß nur die Angehörige« der Wehrmacht der Erlaubnis ihrer Vorgesetzten bedürfen. Dienstpflichtige, die nicht Angehörige der Wehrrnacht sind, benötigen dagegen keine Erlaubnis einer Dienststelle der Wehrrnacht, auch wenn sie ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht Genüge geleistet haben. Die Standesbeamten dürfen daher von den Dienstpflichtigen die Vorlage einer solchen Genehmigung zur Eheschließung nicht verlangen.
In» übrigen weist der Reichs- und preußische Minister des Innern noch darauf hin, daß die Verheiratung eines Dienstpflichtigen allein kein Zurückstellnngsgrund ist. Wenn keine anderen ^urückstellnngsgründe vorliegen, wird ein verheirateter Dienstpflichtiger ebenso zum aktiver» Wehrdienst wie der unverheiratete berufen.
Ausweisungsbefehl gegen die vier Heimattreuen aus Malmedy
Die vier Heimattreuen Malmedyer Josef Dehottay, Peter Dehottay, Heinrich Dehottay und Paul Foxius, denen durch Urteil des Lütticher Appellhofes im Oktober dieses Jahres die belgische Staatsangehörigkeit auf Grund des Ausbürgerungsgesetzes vom 30. Juli 1934 abgesprochen worden ist, haben jetzt, am 16. Dezember, wie aus Brüssel gemeldet wird, den Ausweisungsbefehl erhalten. Die vier Heimattreuen Männer müssen das belgische Staatsgebiet innerhalb v o n 4 8 S t u n- d e n verlassen. Es ist ihnen verboten worden, das Land wieder zu betreten.