Zul-aer Anzeiger
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Nr. 298 — 12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 21. Dezember 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Trotz des Parlamentssieges
Englische Regierungskrise
bis zum nächsten Jahr vertagt?
Die politische Unsicherheit in Frankreich. — Was wird der Genfer Friedensausschutz erreichen?
In Genf hat &«?j mit der Einsetzung des Dreine H u c r n h s s ch n s s e s , also des Völkerbunds- rets ohne Italien, gewisseematzen einen Friedens- a « 8 s ch u ft eingesetzt, der im alleinigen Auftrage des iWfcriHHib^rßts die F-t-.^en'-mögsichkei^n im Abessinienkrieg weiter prüfen soP In London hat das englische Parlament d e r R egic r rr n g B a l d w i n nach einer dramatstcken An-Zspracho über den Pariser FriedenAplan des darüber gestolperten Hlsrenmiüisters Hoare das Bert r a u e n ausgesprochen und damit seftqestellt, daß der Pariser Plan völlig erledigt ist und England sich auf seine frühere Völkerbundspolitik wieder zurückzieht. Das bedeutet, daft England zwar dem Völkerbundsrat in allen seinen Masmabmen. die im Zusammen Hang mit dem Abessinicnkrieg getroffen werden, voll und ganz unterstützen wird, andererseits aber dem Völkerbundsrat die alleinige Verantwortung überläßt
Der in nächtliche'' Stunde nach Ablehnung des Miß- ^trauensantrages der Arbeiterpartei mit 390 : 165 Stimmen angenommene konservative Abänderungsantrag lautete: „Dieses Haus ist der Ansicht, daß alle Bedin^un- aen für eine Regelung des italienisch-abessinischen Konfliktes hergestellt sein müssen, daß sie der Völkerbund a n = ne h m e n kann, und versichert gleichzeitig die britische Regierung seiner vollen Unterstützung in der Verfolgung der Außenvolitik. die im Regierungsmanifest dargelegt und vom englischen Volk bei den kürzlichen Neuwahlen a"""nommcu v-"me."
Die MMHM eines ttalienWen Angriffes.
Die Aussprache im Unterhaus hatte im Namen der Regierung Schatzkanzler Neville Chamberlain abgeschlossen, der die Behauptung der Opposition, daß die Regierung Hoare zum Sündenbock kür ihre Fehler gemacht habe, als unfair bezeichnete. Chamberlain ging besonders auf die Frage ein, ob England andere Mächte außer Frankreich gefragt habe, welches ihre Stellungnahme im Falle eines italienischen Angriffes gegen England sein werde.
abend' die Meinung vor, daß nunmehr eine Zellt des ,, Abwartens" beginnt, die mindestens drei Wochen dauern dürfte. Inzwischen werde sich die Kammer am 27. Dezember über die Politik der Regierung Laval ausgesprochen haben und inzwischen werde am 3. Januar der amerikanische Kongreß zusammentreten, dessen Haltung in der Frage der Oelsanktionen von beträchtlichem Einfluß auf die Weiterentwicklung sein könne, nachdem die englische Regierung zu verstehen gegeben habe, daß' Vorbedingung der erweiterten Sanktionen die vorherige Zustimmung aller beteiligten Länder und die Unterstützung der übrigen Länder sei. Man verhehlt sich auch in bestunterrichteten Pariser Kreisen nicht, daß man zur Stunde für eine Regelung des italienisch-abessinischen Streites keine L ö s u n g s m ö g l i ch k ei t e n sieht.
Die weitere Entwicklung der innerpolitischen Lage wird in der Umgebuna des Ministerpräsidenten hoffn unas- voll beurteilt.
Rom lehnt die Verantwortung ab
Rom, 21. Dezember.
Die römische Presse beschäftigt sich fast ausschließlich mit oer Frage der Verantwortung an dem Scheitern der englisch-französischen Vermittlungsaktion. Uebereinstimmend bringen die Blätter zum Ausdruck, daß die Schuld keinesfalls auf Italien oder gar auf die letzte Rede Mussolinis in Pontinia geschoben werden könne.
„Lavoro Fascista" schreibt, niemand in Italien werde den französisch-englischen Vorschlägen nachweinen, wohl aber wetdL Italien seine kriegerische Aktion in Abessinien fortsetzen. Praktisch sei die abessinische Frage bereits im Begriff, nach und nach aus der Reihe der großen europäischen Probleme zu verschwinden. Diese Entwicklung sei nur gerecht, da es sich in der Tat bei dem italienisch- abessinischen Streit um eine koloniale Frage handele, über die Italien allein zu entscheiden habe.
In politischen Kreisen wird die durch die Unterhaus- debatte entstandene vollständig neue Lage mit der größten Zurückhaltung betrachtet. Auch amtliche Kreise vermeiden jede Stellungnahme.
Italien opfert für den Abwehrkamps gegen die Sanktionen.
Als erste Frau Italiens opferte die Königin von Italien ihren Trauring und den des Königs von Italien am „Altar des Vaterlandes", dem König Viktor Emanuel II. geweihten Nationaldenkmäl in Rom.
«Scherl Bilderdienst.)
Englische Umfrage bei den MittelmeermiWen
« London, 21. Dezember.
Wie verlautet, hat die britische Regierung mit mehreren Völkerbunds st anten Fühlung genommen, um fest- zustellen, bis zu welchem Grade die Staaten bereit seien, ein angegriffenes Land nicht nur mit den Mitteln wirtschaftlicher Sühnemaßnahmen, sondern auch militärisch zu unterstützen.
Reuter glaubt annehmen zu können, daß in erster Linie Mittelmeermächte wie Spanien, Jugoslawien und Griechenland befragt worden sind. In amtlichen Kreisen werde in dieser Angelegenheit große Zurückhaltung beobachtet.
Wie erinnerlich, hat in der Unterhausaussprache am Donnerstag die Möglichkeit weiterer Besprechungen über diesen Gegenstand eine Rolle gespielt.
England habe von den Mächten, die es befragte, und insbesondere von Frankreich, die vollständigste und loyalste Versicherung erhalten, daß sic England zu
Hilfe kommen würden.
Zu beachten sei aber dabei folgendes: Im Unterhaus sei gefragt worden, ob England Versicherungen der sofortigen und unmittelbaren Unterstützungen erhalten habe. Die Antwort laute: England hat Versicherungen von Frankreich erhalten, daß es uns zu Hilfe eilen wird.
Hierauf behandelte der Schatzkanzler die Frage, ob England bereit sei, sofort eine Olsperre gegen Italien zu beschließen.
Wenn der Völkerbund die Anwendung von âlfaiih tionen beschlösse, die wirksam wären, und wenn wir ferner überzeugt wären, daft alle Völkerbundsmit- gliede die in Frage kommen, nicht nur Versicherungen a. geben, sondern tatsächlich bereit sind, ihre Rolle bei der Abwehr eines Angriffs zu spielen, der vielleicht plötzlich und unerwartet sein könnte —, so sind auch wir bereit, unsere Rolle zu spielen und der Anwendung von Llsanktiouen zuzustimmen.
Anschließend erklärte Chamberlain in energischer Form das Gerücht als u n begründet, daß Verhandlungen zwischen Rom, Paris, Berlin und London über eine Völkerbundsreform und die Schaffung eines Vier- mächtedireltorinms im Gange seien. Abschließend erklärte der Schatzkanzler: „Nichts liat sich in der Stellungnahme der Regierung gegenüber dem Völkerbund geändert. Wir haben bei der Anwendung der bisher verfolgten Politik einen Fehler gemacht, aber niemand wird sagen, daß wir nicht Recht hatten und daß wir in der Zukunft nicht Recht haben werden, wenn wir jede Gelegenheit zur Verhandlung über einen für den Völkerbund annehmbaren und von den beiden Streitparteien angenommenen Frieden ergreifen. Andernfalls
stehen wir wie bisher für kollektive Sicherheit durch gemeinsames Handelii.
Der Völkerbund ' muß schrittweise vorgehen, wie ein kleines Kind, das gehen lernt, bis er das Vertrauen der Welt gewonnen hat. Seit Beginn des Streitev hat er riesige Fortschritte in der Gewinnung dieses ^ertrauens gemacht. Man muß einsehen, daß die letzten hinter dem Völkerbund stehenden Sühnemaßnahmen stets Gewalt bedeuten.
Zur Zeit «eine Lösnngimiiglichleit
Paris, 21. Dezember.
Rachdem der Pariser Versöhnungsplan für den italienisch-abessinischen Streitfall endgültig begraben worden ist herrschte, in guiunternchtcten PariiS: Kreisen am Frertag-
Die Befriedung der Kirche.
Erklärung der Pfarrvereine: Geschlossen hinter dem Reichskirchenausschutz.
Lire KircyenamtUche Pressestelle der Deutschen Evangelischen Kirche teilt mit:
„Der Reichsbund der deutschen Psarrervereine, durch den rund 16 000 evangelische Geistliche vertreten sind, hat an den Reichskirchenausschuß ein Schreiben gerichtet, in dem er es begrüßt, daß der Führer durch das Gesetz vom 24. September d. I dem Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten die Vollmacht zur Sicherung des Bestandes der Deutschen Evangelischen Kirche und zur Herbeiführung einer Ordnung gegeben habe. Der Reichsbund habe auch dem Reichskirchenausschuß durch seinen Bundesführer am 14 November dieses Jahres die Bereitwilligkeit der evangelischen Pfarrerschaft erklärt. nach Kräften mithelfen zu wollen, damit dieses Ziel erreicht werde. Alle deutschen evangelischen Pfarrervereine seien demgemäß zu v e r > r au e n s - voller Mitarbeit aufgefordert worden."
Eine Anordnung über die Srudmäle.
Der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten, K e r r l, gibt gemäß § 2 der 5. Verordnung vom 2. Dezember 1935 zur Durchführung des Gesetzes zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche folgendes bekannt: Bei der Deutschen Evangelischen Kirche der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union und ihren Kirchenprovinzen m i t Ausn a h m e der Kirchenprovinzen Rheinland und Westfalen, der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, der evangelischen Landeskirchen K u r h e s s e n - W a l d e ck sind auf Grund des Gesetzes zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 24. September 1935 Organe d e r K i r ch e u l e i t ii n g gebildet worden. Insoweit ist daher die Ausübung kirchenrcgimentlicher und kirchenbehörd- licher Befugnisse durch die Organe kirchlicher Vereinigungen und Gruppen, insbesondere also für das Gebiet der Deutschen Evangelischen Kirche, durch die „vorläufige Kirchenleitung" für das Gebiet der genannten Landeskirchen (in der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union mit Ausnahme des Geltungsbereichs der Kirchenordnung für die Provinz Westfalen und die Rheinpro- vinzl durch die „Brnderräte" unzulässig.
Mn! vrovinziaNirchenallsschüffe gebildet.
Auf Grund des § 2, Absatz i der Ersten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Sicherung der Deut
schen Evangelischen Kirche, vom 3. Oktober 1935, ernannte der Reichs- und preußische Minister für die kirchlichen Angelegenheiten, K e r r l, die Mitglieder der Provinzial- Urchenausschüsse für die Kirchenprovinzen Pommern, Sachsen, Mark Brandenburg, Ostpreußen und Schlesien.
Dem Provinzialkirchenausschuß für Pommern werden angeboren: Superintendent von Scheven, Greifswald; Superintendent Engel, Jassen bei Bütow; Pfarrer Poetter, Diakonissenhaus Bethanien, Stettin; Pfarrer Reinke, Stolp; Superintendent Zitzke, Belgard.
Die Mitglieder des Provinzial kirchenaus- s ch ii s s e s Sachsen: Domprediger Martin, Magdeburg; Superintendent Meichßner, Wittenberg; Pfarrer Janecke, Magdeburg; Superintendent Müller, Mücheln.
Die Mitglieder des Provinzialkirchenans- s ch u s s e s Mark Brandenburg: Superintendent Zimmermann, Berlin; Ministerialrat Engert, Berlin; Ministerialdirektor i. R. D. Dr. Conze, Berlin; Pfarrer Heidenreich, Berlin; Gcneralforstmeister von Keudell, Hohenlübbichow (Mark); Superintendent Klein, Bad Freienwalde a. d. O.; Superintendent Lic. Riehl, Crossen a. d. O.
Die Mitglieder des Provinzialkirchenaus- s ch u s s e s Ostpreußen: Pfarrer Kutzner, Lötzen; Oberkonsistorialrat Kaminski, Königsbera; Oberkonsisto- rialrai Troeger, Königsberg.
Die Mitglieder des Provinzialkirchenaus- s ch u s s e S Schlesien: Pfarrer Hermann Schmidt, Görlitz: Pfarrer Lohepdc, Breslau; Pfarrer Bessert, Breslau.
Mit tier Bildung der Provinzialausschüsse ist ein weiterer Schritt zur Ordnung innerhalb der Deutschen ^^?."ll'-'!?iâ>en Kirche getan. Die Provinzialkirchenaus- schüsse sind in vollem Einvernehmen mit dem Landes- kirchenausscbiltz gebildet worden. Soweit die Ausschüsse noch nicht ihre vollständige Mitqliederzahl besitzen, sollen ne aus den Grupnen der Deutschen Christen und der Be- kenntnisfroni ergänzt werden. In den übrigen Ausschüssen sind alle Gruppen vertreten, ein erfreu lid>eë Zechen für die fortschreitende Versöhnung und Befriedung innerhalb der Deutschen Evangelischen Krrche.