Soldner MZeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 303 — 12. Jahrgang
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Fulda, Montag, 30. Dezember 1935
Die bolschewistische Weltgefahr!
Zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen Uruguays mit Sowjetrußland.
Die Regierung von Uruguay hat die diplomatischen Beziehungen mit Sowjetrnßland kurzerhand abgebrochen und dem sowjetrussischen Gesandten in Montevideo die Pässe zustellen lassen. Sie hat kurz entschlossen und konsequent gehandelt. Ihre Tat ist eine deutliche Warnung an alle Staaten der Welt, denn die Borgänge, die zu diesen Regierungsmaßnahmen in Uruguay geführt haben, wird mancher andere Staat in seinen Grenzen, wenn er sich die Mühe einer Untersuchung macht, feststellen müssen. Die Regierung von Uruguay hat den Beweis erbracht, daß die sowjetrussische Gesandtschaft in Montevideo den kommunistischen Umtrieben in Südamerika Vorschub geleistet hat. Sie wurde aus diese Wühlereien durch den Kommunistenaufstand in Brasilien ausmerksam und hat bereitwillig dem Ersuchen der Regierung von Brasilien stattgegeben, die um Mitarbeit aller Regierungen des amerikanischen Kontinents bat, um die Zusammenhänge der kommunistischen Umtriebe in Amerika aufzudecken. Die Untersuchung in Montevideo hat die Vermutungen der brasilianischen Regierung vollauf bestätigt. Uruguay hat dokumentarische Beweise in der Hand, daß die Sowjetgesandtschaft in Montevideo entsprechend den Beschlüssen des Kominternkongrcsses in Moskau daran beteiligt war, die Ideen des revolutionären Bolschewismus in Südamerika zu verwirklichen. Diese untrüglichen Beweise gaben der Regierung den Anlaß, den Gesandten Moskaus aus Montevideo sofort zu entfernen, denn welche Regierung wird es dulden wollen, daß der Gesandte einer fremden Macht unter Mißbrauch der Exterritorialität die Gesandtschaft zur Zentrale der bolschewistischen Wühlarbeit ansbaut?
Die Regierung von Uruguay hat als erste Ms der Erkenntnis der Meiabr die praktische Folgerung gezogen, ^hre Maßnahme sollte d e n Staaten zu denken geben, die immer noch der Welt weismachen wollen, daß das bolschewistische Rußland von friedlichen Ideen erfüllt ist. Hier in Montevideo sind die U m st u r z p l ä n e, deren Väter in Moskau sitzen, a u f g e d e ck t worden. Uruguay hat zugepackt, ehe es die blutigen Revolten erlebte, die vor kurzem Brasilien durchtobten. Die Regierung hat dem Volke das Blutvergießen erspart. Und das Volk wird es der Regierung danken. Moskau aber wird deshalb seine Pläne nicht ausgeben. Ist seine Wühlarbeit in Uruguay fehlgeschlagen, so wird sie in anderen Staaten um so energischer durchgeführt werden. Die Welt sollte ein wachsames Auge haben auf Moskaus Söldlinge!
MoZtm Dertansi Cemile
Moskau, 30. Dezember.
Zu dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion durch die Regierung von Uruguay wird von maßgebender Moskauer Seite erklärt, daß die von Uruguay torgebrachten Anklagen unbegründet seien. Die Sowjetregierung erörtere die Frage, mit Hilfe des Bölke r b un d e s von Uruguay die Vorlage von Beweisen für bleie Beschuldigungen zu verlangen.
Minkin bestreitet.
London, 30. Dezember.
Aus Rontevideo wird gemeldet: Der sowjetrussische Gesandte Ninkin, der, wie gemeldet, von der Regierung Uruguays wegen revolutionärer Umtriebe seine Pässe erhielt, hat gegen seine Ausweisung Einspruch erhoben. 2t einer Note an den Außenminister bestreitet er die Besauldigungen und wartet zurzeit noch auf die Anweisuigen der Sowjetregierung.
M-sksu will den Böikerbund anrufen!
Zu dm Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowetunion durch die Regierung von Uruguay wird vor maßgebender Moskauer Seite erklärt, daß die von lruguay vorgebrachten Anklagen „unbegründet" seien. Dr Sowjetregierung erörtere die Frage, mit Hilfe des Völkerbundes von Uruguay die Vorlage von Beweisen für diese „Beschuldigungen" zu ver- langen^
Uruguay gibt sowjetrussische Protest-Note zurück.
Montevideo, 30. Dez. (Funkmeldung.) Der bisherige Sowjet-Gesandte Minkin überreichte am Sonntag im uruguayischen Außenministerium eine Note, in der behauptet wurde, die Beschuldigungen der uruguayischen Regierung gegen die Sowjet-Gesandtschaft seien vollkommen unbewiesen, weshalb er sie unter Protest zurückweise.
Der uruguayische Außenminister Espalter sandte diese Note mit einem Schreiben an MUlkin zurück. Darin hecht es: In Kenntnis des Wortlautes Ihrsr Note teile ich mit, batz ich es nicht für angebracht halte, in eine Erörterung der Gründe für den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion ernzutreten, da Sie nicht mehr anerkannter diplomatischer Vertreter bei unserer Regierung stnd. Wegen der unangebrachten Wendungen, die Sw gebraucht haben, setze ich Sie Lawon in Kenntnis, daß uch
Ihre Note nicht behalten kann und daher zurückgebe. Außerdem habe ich mit Erstaunen gesehen, daß Ihre Note ^eutC nachmittag veröffentlicht werden soll.
Die Rückgabe der Note durch den Außenminister wird von der gesamten Presse lebhaft besprochen.
Beifällige Aufnahme des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion in der Presse
Uruguays.
Montevideo, 30. Dez. (Funkmeldung.) Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion wird von den der Regierung nahestehenden Blättern mit Beifall begrüßt. Die Zeitungen weisen besonders darauf hin, daß der Schritt der Regierung von Uruguay besonders geeignet sei, die Beziehungen zu den Nachbarstaaten zu fördern.
Das Regierungsblatt „El Pueblo" bezeichnet die Maßnahme der Regierung gegen die Sowjetunion als einen Beweis für die brüderliche Zusammenarbeit der Nationen auf dem amerikanischen Kontinent und spricht von einer durchaus berechtigten Abwehr gegen die Uebergriffe von Ausländern. Das Blatt „La Manana" schreibt, daß keine Nation die Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten durch eine andere Nation dulden könne, namentlich wenn damit eine Zerstörung der politischen und sozialen Ordnung des Landes beabsichtigt werde.
Die „Deutsche La Plata-Zeitung" über die Bedeutung des antibolschewistischen Schrittes der Regierung von
Uruguay.
Buenos Aires, 30. Dez. (Funkmeldung.) Die „Deutsche La Plata-Zertung^ , bu^ führende deutsche Blatt Argentiniens, beschästigl sich mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Uruguay und der Sowjetunion. Das Blatt weist darauf hin, daß die über die Bedeutung eines örtlichen Ereignisses weit hinaus gehenden Feststellungen des Dekrets der Regierung Uruguays die Tatsache eines Zusammenhangs zwischen der Komintern und der Sowjetregierung neuerdings in das rechte Licht rücken. Zwischen der Komintern, der Zentralstelle für die Propaganda der kommunistischen Weltrevolution und der Sowjetregierung bestehe nur eine „formelle", nicht aber eine „praktische" Trennung. Beide seien im Grunde ein und dasselbe. Auch im Völkerbund solle man das Dekret der Regierung von Uruguay öffentlich anschlagen und den Mitgliedern zu ernstestem Studium ans Herz legen.
Die Wühlarbeit der Komintern in Latein-Amerika.
Lonvon, 30. Dez. (Funkmeldung.) Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Uruguay und Sowjetrußland ist, wie die „Times" aus Riga berichtet, sowohl der Rüteregierung wie der kommunistischen Internationale unangenehm. Beide hätten Uruguay seit langem als Sprungbrett für ihre unterirdische Arbeit benutzt. Die kommunistische Internationale habe sich in Montevideo sicher gefühlt. Bei den Vorbereitungen für den letzten Weltkongreß in Moskau habe sie sich sogar offen mit den Fortschritten gebrüstet, die die von Montevideo aus gelenkten kommunistischen Kräfte in Latein-Amerika erzielt hätten., Nach dem amtlichen Bericht der Komintern hatten die drei Tagungen der kommunistischen Parteien in Süd- und Mittel-Amerika unter anderem den Erfolg, Beziehungen zu den breiten Masten der Indianer, besonders in Paraguay, herzustellen und die „nationale indianische Selb-
Laval erklärt sich für Verständigung mit Deutschland.
Sieg der Regierung in der Kammer bei der außenpolitischen Aussprache.
Jn der französischen K a m m e r fand am Wochenende die entscheidende Aussprache über die Außenpolitik Lavals statt. Nachdem der französische Ministerpräsident und Außenminister Laval zweimal gesprochen hatte, sprach ihm das Parlament mit 304 gegen 261, also mit 43 Stimmen Mehrheit, das Vertrauen aus. Bei einem radikalsozialistischen Antrag gegen die Rcgierungspolitik hatte Laval schon vorher einmal die Vertrauensfrage gestellt und hier 20 Stimmen Mehrheit erhalten.
In der Kammersitzung hatten zunächst einige Oppositionsredner gesprochen, die sehr scharfe Angriffe auf die Regierung richteten. Wegen der daraus entstandenen Unruhe und Erregung mußte die Sitzung vorübergehend unterbrochen werden. Nach der Wiederaufnahme der Sitzung ergriff Ministerpräsident Laval das Wort. Er betonte zunächst, daß er den Völkerbundssatzungen stets treu geblieben sei und nie gegen eine Verpflichtung, die Frankreich übernommen habe, verstoßen habe. Schon seit dem 10. September habe er mit Eden und Hoare über die
ständigkeitsbewegung" einzuleiten. Der Bericht der Komintern hat ferner betont, daß die Konferenz in Montevideo im Oktober 1934 besondere Pläne für den Umsturz in Brasilien und Kuba auszuarbeiten hatte.
Auch die Aufstände in Chile und Argentinien finanziert.
Über die entlarvte Umsturzarbejt der Sowjets in Südamerika werden jetzt noch weitere aufsehenerregende Einzelheiten bekannt. So meldet das uruguayische Regierungsorgan „El Pueblo", daß der ausgewiesene Sowjetgesandte Minkin zur Finanzierung der brasilianischen Revolution vor dem Aufstand Barschecks in Höhe von 300 000 Goldpesos ausgestellt habe, wobei die Herkunft und die Empfänger des Geldes noch unbekannt seien. Die auf Anordnung des Staatspräsidenten Dr. Gabriel Terra durchgcführte scharfe Untersuchung bat weiter einwandfrei ergeben, daß zwischen den Bolschewisten und einigen Uruguay i- s ch e n politischen Parteigruppen, die in Opposition zur Regierung stehen, eine Verbrüderung zwecks Herstellung einer Einheitsfront stattgcfunden hat.
Die Sowjetumtriebe in Uruguay blieben lange Jahre hindurch von der Öffentlichkeit verhältnismäßig unbemerkt, obwohl unterrichtete Kreise mit ziemlicher Gewißheit annahmen, daß Uruguay, seitdem es im Jahre 1929 die Sowjetunion anerkannt hatte, das bolschewistische A k 1 i o n s z e n t r u m für Südamerika fei. Die Treffe aller südainerikanischen Länder wies in den letzten Jahren immer wieder darauf hin, daß alle kommunistischen Bewegungen in Südamerika von U r u = g u g y aus geleitet würden. Als vor Jahren zahlreiche M e u c e r c i e u i in H e e r und i n d e r Flotte E h i l e s stattfanden, erklärten die chilenischen Blätter, daß Die Leitung und die Finanzierung der Bewegung von Montevideo aus erfolgt sei. Auch die argentinischen Aufstände im Jahre 1931 wurden nachweislich in Uruguay vorbereitet.
Anwachsen der bslschewWschen Gefahr
Rom, 30..Dezember.
Unter dem Stichwort „Der Bolschewismus erhebt das Haupt" weist das halbamtliche Blatt „Voce b’Stalia“; anläßlich des Abbruches der diplomatischen Beziehungen Uruguays mit Sowjetrußland auf das Anwachsen der bolschewistischen Weltpropaganda hin, die sich in den letzten ZWochen plötzlich wieder mächtig rege und nicht nur in Südamerika, sondern auch in Asien, in Afrika und nicht weniger in Europa ihr Unwesen treibe. Ihre erste Nahrung finde sie in der täglich deutlicher werdenden Unzulänglichkeit mancher parlamentarischer Regierungen. Das Vorgehen Japans in' Nordchina sei vor allem durch den Willen gerechtfertigt, diese fünf Provinzen vor dem Kommunismus zu retten. Alle europäischen Staaten mit großen asiatischen Interessen würden nach Ansicht des Blattes ohne Ausnahme die Wirkungen dieser für die asiatische Seele besonders verfänglichen Propaganda zu spüren bekommen, und es sei höchst verwunderlich, daß diese Staaten für die Größe der Gefahr keinen Sinn hätten.
Das Blatt erinnert zum Schluß an die von Moskau nach allen Ländern gegebenen Weisungen für eine Wiederaufnahme des antifaschistischen und antinationalsozialistischen Propagandafeldzuges.
-Möglichkeiten der Anwendung des Systems der kollektiven Sicherheit beraten. Von den 54 Mitgliedstaaten des ^olkel vundes habe Frankreich allein Verpflichtungen von vielem Umfange übernommen. Laval bestritt die Richtig- leit ber Behauptung, daß das Verhältnis zwischen Frankreich ^und England gespannt sei.
In seinen weiteren Ausführungen ging Laval n. a. and? ausführlich auf das deutsch-französische Verhältnis
Solange eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland nicht erfolge, gebe cs keine wirksame Friedensgarantie in Europa.
Er sägte hinzu, daß er kein Sonderabkommen Zwilchen Frankreich und Deutschland im Auge habe, son- ^elil cine Verständigung im Rahmen der Organisierung der kollektiven Sicherheit in Europa. Er, Laval, habe Sir Samuel Hoare darauf hingewiesen, welche Aussichten sich jur die sranzösisch-englische Politik ergeben würden, wenn die deutsch-französische Verständigung möglich würde.