Zul-aer /lnzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. 'Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42, Fernsprecher 2989. —
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal.Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 12 — 13. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 15. Januar 1936
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Abessiniens Auffassung über die Kriegslage:
Keine Siegesausfichten der Italiener.
Addis Abeba meldet: Schwierige Lage der Italiener im Norden, aussichtslose Offensive im Süden. — Die Naturgewalten stärker als die italienische Armee.
Ein zusammensassender Überblick über die militärische Lage aus dem ostasrikanischen Kriegsschauplatz führt nach abessinischer Auffassung zu dem Ergebnis, daß die m i l i - tärische Lage der Italiener sowohl im Norden als auch im Süden von Tag zu Tag schwieriger wird.
An der Nordfront haben die in der letzten Zeit aufgetretenen großen Regenfälle aus italienischer Seite nahezu jede Rückzugsmöglichkeit unmöglich gemacht. Ebensowenig können größere Truppenverschiebungen stattfinden. Die Italiener haben sich in ihre stark ausgebauten betonierten Verteidigungsstellen und in befestigte Blockhäuser zurückgezogen, die stark mit Maschinengewehren besetzt sind. Um unnötige Verluste zu vermeiden, greift die abessinische Armee die italienischen Stellungen nicht mehr in großen Truppenverbänden an.
Man ist in abessinischen Militärkreisen der Auffassung, daß sich diese italienischen Verteidigungsnester über kurz oder lang werden ergeben müssen, da
der Nachschub, ebenso wie der Rückzug im Norden fast ausgeschlossen ist.
Die von der S ü d f r o n t einlaufenden Meldungen lassen daraus schließen, daß die Italiener nach der Räumung der Ogadenprovinz ihren geplanten Vormarsch auf die Provinz Bali weiter fieberhaft vorbereiten. Ein Angriff müßte anfangs über eine Strecke von fast 25<1 Kilometer durch fieberverseuchte Gebiete und W ü st e n g e g e n d e n vorgetragen werden. Dann würde er auf hohe Gebirgszüge stoßen, in denen gegen 160 ooo Mann abessinischer Truppen in gut ver- Jdiau’ften Stellungen bereitstehrn, um dem italienischen Angriff härtesten Widerstand entgegenzusetzen.
Von ausländischen Militärsachleuten wird stark bezweifelt, ob es der italienischen Armee gelingen kann, bis zum Beginn der großen Regenzeit an der Südfront 250 Kilometer schwierigsten Geländes kämpfend zu Überwinden.
Dazu komme, daß Ras D e st a bereits jetzt mit seiner Armee im Gebiet von Dolo zeitweilig zu Gegenangriffen übergebt.
Während der beiden letzten regenlosen Tage kam es zu einer erhöhten Aufklärungstätigkeit der italienischen Flieger, die sich an der Nordfront bis Dessie und an der Südsroni bis Sassabaneh erstreckt Sonst herrscht im allgemeinen an der Nordfront, von Gefechten im Gebiet um Makalle und in der Umgebung von Aksum abgesehen, Ruhe.
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In einer Aussprache zwischen dem italienischen Unterstaatssekretär Suvich und dem schwedischen Gesandten in Rom hat Suvich Pressemeldungen zufolge das Bedauern der italienischen Regierung über das Luftbombardement bei Dolo, wobei das schwedische Rote Kreuz getroffen wurde, zum Ausdruck gebracht. Das Bombardement habe, so heißt es, auf einem Versehen beruht. Der Vertreter des Internationalen Noten Kreuzes in Abessinien, der im Laufe seiner Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen ist, daß der Bombenangriff absichtlich erfolgte, hält es für notwendig, von Rom eine Versicherung zu verlangen, daß das Rote Kreuz geachtet wird.
Flottenkonferenz ohne Japan.
Aber unter Teilnahme Sowjetruhlands?
Reuter meldet: Die Flottenkonferenz bewegt sich ihrem Ende als Fünfmächtekonferenz zu, jedoch nur, um nächste Woche als Viermächtekonferenz wieder aufzuerstehen.
Wie Reuter weiter erfährt, wird auf der Mittwochsitzung die japanische Abordnung ihre endgültige Erklärung über die gemeinsame obere Begrenzung abgeben. Hierauf wird sich die Konferenz bis zum Freitag vertagen. An biejem Tage werden die anderen Abordnungen die Gründe be- kanntgeben, warum der japanische Vorschlag für sie unannehmbar sei. Nachdem die Japaner die Ablehnung ihrer Vorschläge durch die anderen Abordnungen angehört haben — èin eformelle Abstimmung wird nicht erfolgen — werden sie am Freitag stillschweigend die Konferenz verlassen und „als Abordnung keinen weiteren Anteil an der Konferenz mehr nehmen".
Obwohl dies das Ende der Fünfmächtekonferenz bedeutet, besteht kein Zweifel darüber, daß die Konferenz fortgesetzt werden wird, um die wertmäßige Begrenzung und andere Fragen zu erörtern. Ein bedeutsamer Hinweis über die künftige Richtung der Konferenz ist jetzt gegeben. Wie Reuter erfährt, hat die Sowjetregie- r u u g einen Merinebeigeordneten für London ernannt. Es ist Fugenieur-Flaggenmann (b. h. Kapitän) Antzigl Chiaunski-, er befindet sich bereits auf dem Wege nach London. Das Eintreffen Cbiaunskis^ der bereits Flotten
ÄâmMe Vr«- und GMomden auf die Sladl SoMa.
Meldungen aus Addis Abeba besagen, daß die südwestlich von Makalle gelegene Stadt S o k o t a und das umliegende Gebiet seit dem italienischen Rückzug täglich durch italienische Bombenflugzeuge heimgesucht würde. Die Stadt Sokota soll bereits gänzlich von B r a n d b o m b e n v e r n i ch t e t worden sein. Außerdem sollen dort drei große Gasbomben abgeworfen worden sein, was für die ahnungslose Bevölkerung, die sich später zu den Einschlagstrichtern begeben habe, furchtbare Folgen gehabt habe. Zehn Personen hätten durch das Gas das Augenlicht verloren, während viele andere schwere Brandwunden am Körper davongetragen hätten. Auch die Kirche der Heiligen Maria in Sokota sei von Bomben getroffen worden, gerade als in ihr zahlreiche Betende weilten. Von ihnen sollen zehn in Stücke zerrissen worden sein, während acht schwer verletzt wurden.
Mjen kann warten.
Gegenüber den immer bestimmter auftretenden Mel- oungen über neue Vermittlungsversuche oder Friedens- pläne im italienisch-abessinischen Streit wird von amtlicher italienischer Seite erklärt, daß italie- nischerseits solche Pläne nicht bestehen und auch nicht bekanntgeworden seien. Desgleichen wird auch zurückgewiesen, daß Italien mit Ungeduld auf neue Ver- mittlungsvorschläge wartet. Irgendeine Änderung der internationalen und der militärischen Lage fei in den letzten Wochen nicht eingetreten. Italien nehme auch nicht an, daß bei den bevorstehenden Genfer Beratungen irgend etwas Tatsächliches zu erwarten sei.
16 britische Kriegsschiffe auf Kreuzfahrt.
Besuch in Spanien und Portugal — Endziel Gibraltar.
Die britische Admiralität gibt jetzt die Frühjahrs- Kreuzfahrt der englischen Heimatflotte bekannt. Danach haben 16 Kriegsschiffe, darunter die stärksten Schlachtschiffe der Welt, „Nelson" und „Rodney", am 14. Januar die Fahrt angetreten. Am 17. Januar treffen die Schiffe in der Arosabucht ein, wo sie fünf Tage bleiben werden. Am 24. Januar laufen die Schiffe Gibraltar au, werden dort bis 22. Februar bleiben und nur dann und wann Fahrten nach Portugal und der afrikanischen Küste unternehmen.
Diese Kreuzerfahrt ist wohl doch etwas mehr als die übliche Frühjahrsbewegung britischer Flotteneinheiten. Sie steht ohne Zweifel im Zusammenhang mit der strategischen Lage in Ägypten und im Mittelmeer.
Hand in Hand mit den britischen Maßnahmen im Mittelmeer gehen die militärischen Vorbereitungen in Ägypten. Es sollen weitere 5000 Mann nach Ägypten unterwegs sein, mit denen die britische Truppenzahl aus etwa 40 000 geschätzt wird. In Alexandria trifft dauernd Kriegsmaterial ein.
sachverständiger auf der Abrüstungskonferenz war, verstärkt die Ansicht, daß nach dem Ausscheiden Japans andere Mächte möglicherweise aufgefordert werden, sich an den Besprechungen zu beteiligen.
EmspruÄ ZüMKS
Wie Preß Association erfährt, hat die japanische Flottenabordnung gegen die Fortführung der Verhandlungen als Viermächtekonferenz den juristischen Einspruch erhoben, daß die Bedingungen eines Fünfmächtevertrages nicht von einer Viermächtekonferenz festgelegt werden könnten. Die britischen und die amerikanischen Juristen erkannten jedoch diesen Einwand nicht als stichhaltig an.
Japans Ausscheiden kein Wettrüsten.
Der japanische Admiral Nagano erklärte einem englischen Pressevertreter gegenüber, Japan habe den ernsten Wunsch, die internationale Lage nicht zu verschlechtern. Nach japanischer Auffassung bedeute ein Ausscheiden Japans nicht ein Rüstungswettrenn en. Japan beabsichtige nicht, seine Flotte bis zur Größe der Flotten Englands oder Amerikas aufzurüsten, obgleich das derzeitige amerikanische Bauprogramm, das den gegenwärti- en Flottenvertrag voll ausnütze. in Japan Beunruhigung erursache. So lange nicht die anderen ein Flottenwett» ennen hervor H'<"i. werde sich auch Japan zurückhalten.
Bon der Feier in Saarlautern.
Reichsminister Dr. Frick wurde bei seiner Ankunft von einem kleinen Mädel ein Blumenstrauß überreicht. Links neben dem Minister Gauleiter Bürckel.
(Scherl Bilderdienste
Bemerkungen am Rande.
Vor drei Jahren im Lipper Land.
Drei Jahre sind es am 15. Januar her, als der Nationalsozialismus in einem kleinen deutschen Ländchen, in Lippe, in heißem Wahlkampf stand. Es wurde ein Sieg, der der Bewegung den Beweis für ihre Schlagkraft erbrachte und dem damals in Not und Elend lebenden deutschen Volke ein Menetekel wurde. Wie hatte man gehöhnt, daß Hitler so viel Aufhebens machte um die paar Stimmen in Lippe. Man hatte ihm eine sichere Niederlage, eine Blamage vorausgesagt. Und als es dann ein Sieg wurde, ein großer Sieg, da kniffen die liberalistisch-jüdischen Propheten und fühlten, daß sich etwas vorbereite in deutschen Landen. Mit dem Nationalsozialismus hatten auch seine Gegner damals die Empfindung, daß das Schicksal Deutschlands im lippi- schen Land entschieden worden ist. Die ganze Stoßkraft der nationalsozialistischen Idee, die sich damals im Wahlkampf in Lippe konzentrierte, war der sichtbare Beweis für den sich vorbereitenden Sieg,' der schon 14 Tage darauf erkämpft wurde. So war der 1 5. Januar in Lippe die Vorbereitung für den 30. Ja- n u a r 1 9 3 3. Die Nnbeugsamkèit, der eiserne Wille und die Zähigkeit triumphierten im schönen Lipper Land. — Es war kein Kinderspiel, dieser Wahlkampf. 15 Grad unter Null und Schnee und Eis und dann keine Städte, in denen Tausende in große Säle strömten, um sich die Wahlparolen anzuhören. Es war ein Kampf um den einzelnen, ein Kampf gegen die Unbilden der Natur, ein Kampf gegen die falschen Propheten. Aber nichts konnte die Männer, die Träger der Idee waren, ob es Adolf Hitler, Göring, Goebbels oder der greife Litzmann waren, entmutigen. Sie sahen den Sieg, und sie erkämpften ihn mit aller Kraft und allem Überzeugungsmut, der ihnen innewohnte. Für ihren Kampf wurde ihnen am 30. Januar 1933 der schönste Lohn. Für eine Idee haben sie gerungen, und ein ganzes Volk haben sie erkämpft.
Das deutsche Lesebuch.
Die deutsche Jugend ist der Garant der Zukunft. Sie in der nationalsozialistischen Weltanschauung aufzuziehen und ganz zu erfüllen mit der Idee, das ist Aufgabe unserer Zeit. Hier hat die Schule neben Elternhaus und Jugendführung einen großen Dienst am Volke zu leisten. Alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel hat sie auf das große Ziel auszurichten. So entspricht es der neuen Volkserziehung, wenn endlich auch die deutsche Zersplitterung, die sich in den Lehrmitteln zeigte, beseitigt wird. Jetzt endlich ist es so weit, daß der Schuljugend ein deutsches Lesebuch vorgelegt wird, ein Buch, dem der Grundgedanke zugrunde liegt, daß Deutschland ein großes Reich ist und nicht eine Summe von Einzelstaaten und Landschaften, die ihre Eigenart haben und gegen die Nation um jeden Preis sich erhalten. Erst kommt das Reich und dann die Landschaft. Erst kommt das Gemeinsame und dann das Eigentümliche. Schon an die Jugend muß in den ersten Schuljahren Lesestoff über Volkstum und Rasse herangebracht werden, auch sie muß schon im Keime mit der nationalsozialistischen Weltanschauung erfüllt werden. Im Mittelpunkt der Erziehungsarbeit hat die völkische Einheit zu stehen, der die kulturelle E i n h e i.t entspricht. Jetzt gibt es ein deutsches Lesebuch, wo es früher allein in Preu-