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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 26
Freitas, 3. Januar 1919.
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S. Zahrgang.
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Posen, 2. Januar. (Drahtbericht.s _ Jfn der Versammlung bes Soldalenrars erklärte der Qberprüssdent und der Regierungspräsident den Ministern, daß fte zurücktreten würden.
VerhasteL« A.» ««d S.»RLte.
Köln, 2. Januar. (Drahiberstht.) Aus Anlaß eines U e b e r f a k l e s auf den Bürgermeister im benachbarten Schlebusch sind von von der englischen Besatzungsbehörde außer dem Täter auch 28 Mitglieder des 9U uno S.-R a 1 es. sowie einige Personen, weich» mit dem A.- und S.-Rat in näheren Beziehungen fürnden, v, - saftet und nach Köln crh- ttansportte" taomett Verhaftungen
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erfolgt, ohne daß von den detttschen Behörden irgend welcher Einfluß ausgeübt wurde.
KeLneMrsik iii Berlin.
Gewalttätige Ausschreitungen.
(Drah »bericht?,
Sie W«mu«a Rigas.
Bedrohte Lage der deutschen Truppen.
(Drahtbericht. >
Riga, 2. Jammr.
Zer Streik in Sberschlesien.
Vertagung des Generalstreiks.
(DrohDericht.)
Kattowitz, 2. Januar.
Die Beratungen, die hier unter dem Vorsitz der Regieruugsvertreter Dr. Landsberg und Hirsch zwischen den Gewerkschaftsfüh- rern und den Vertretern der streikenden Arbeiter stattgefunden haben, haben wenigstens zu dem Ergebnis geführt, daß die Drohung mit dem Generalstreik bis zum 15. Januar verschoben worden ist. Die Regierung soll bis zu dieseuk Datum die Forderungen der Streikenden noch einmal nachprüfcn.
Posen. 2. Januar. (Drahtbericht.) Dre Truppenübungsplätze Wartelager und O st r o w o fuü> in den Händen der Polen.
Berlin, 2. Jamrar.
Der in der Rensahrsnacht ansgebroLene Kellner st reik in Berlin hat einen größeren Umfang angenommen, als anfangs yj erwarten wär und hat anr Folge gehabt, daß im Laufe be§ gestrigen Neujahrstages auch die meisten größeren Berliner Hotels und viele g-vhe Restaurationen ihre Betriebe sMoffen. Tie Demonstrationen in der SUvester- uacsst aliS Anlaß der Arbeitseinstellung har an vielen Stellen zu gewalttätigen Ausschreitungen geführt, so im HotÄ Adlon, wo die Restaurationsrärnne von etwa 500 Demonstranten besetzt wurden. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich auch achtzig Entente- ofsizierr. Es kam zu einem Handle menre. bei welchem der Inhaber ziemlich schwer verletzt wurde. Bei dem Tumult ist mich im Hotel eine Anzahl silberner Gegenstände entwendet worden.
Sie Lage in Posen.
Erklärung der Regierungs-Vertreter.
(Drah Gericht.)
Berlin, 2. Januar.
Der nach Posen entsandte Vertreter der Regierung Eugen Ernst und der Bevovmäch- tigte des Kriegsmimsteriurns Paul Göhre sind in der Nacht vom Mittwoch nach Berlin zurückgekehrt. Ueber die allgemeine Lage in Posen selbst erklärte Minister Ernst einem Vertreter der T.-U., daß man sich in Deutschland darüber unbedingt klar sei» müsse, daß sich die gegenwärtigen Verhältnisse in der Provinz Posen in den letzten agen zugunsten der Polen von Grund aus verschoben hätten. B»r vierzehn Lagen vielleicht, so erklärte er, wäre es unter Umständen noch möglich gewesen, die Situation für die Berliner Regierung mit Waffengewalt zu retten und ihre Vormachtstellung aufrecht zu erhalten. Heute sei es zu einem solchen Vorgehen zu spät. Die Verhandlungen mit den Polen seien in der Hauptsache deshalb so unendlich erschwert, we'-l das Mißtrauen zwischen Deutschen und Polen iedeö Maß übersteige. Jedenfalls könne heute kein Zweifel mehr daran bestehen, daß Posen und der östliche Teil der Provinz Posen sich völlig in den Händen der Polen befindet. In der Stadt Pofen hätte der polnische Stadtkommandant alle Macht uneingesäfränkt in der Hand. Unter diesen Umständen mutz man so bemerkte Ernst, in Deutschland vor allen Dingen von bem Gedanken antzgehen. eine Verständigung mit den Polen auf friedlichem Wegx zu erreichen. Die Polen hätten ihm gegenüber ausgesprochen, datz sie zwar die feste Absicht haben, die Provinz Posen von Deutschland abzutrennen und mit Russisch- und Oeftrrreichisch-Polen zu vereinigen, um den großpolnischen Staat wieder ins Leben zu rufen. Die deutsche Regierung solle aber keinesfalls vor vollendete Tatsache gestellt werden. Die polnisck»e Regierung würde vielmehr bei ihrem Vorgehen die E u t s ch e i d u n n der Friedenskonferenz abwarten. Die Berichte. die über die in Posen vorgekommencn Unruhen verbreitet wurden, seien »um großen Teile arg übertrisben worden. Endlich bemerkte Minister Ernst, daß gegenüber dem festen und ausgeprägten Nationalgefühl der polnischen Bevölkerung den Deutschen in Pofen nur der Rat erteilt werden könne, ihre Interessen so aut. wie es möglich ist. wahrzmreh- meu und stck zusammenzuschlietzen.
Spartak»» droht mH Grtvatt.
Berlin. ?. Januar. (Drahtbericht.s Dek .Vorwärts' wendet sich in scharfer Abweh gegen einen gestern gefaßten Beschluß des Spar, takusbnndes. sich nicht an den Wahlen zu bc- teNigen, sie vielmehr von der Straße her mit Gewalt zu verhindern und die Nationalversammlung zu sprengen. Die Wahlen, erklärt das Matt, würden selbstverständlia stattfmden und die Nationalversammlung wür de abgehalten werden. Sollte die Nationalversammlung infolge ungenügender Sicherheit nicht in Berlin tagen können, was eine unauslöschliche Schmach für Berlin sei, so werde sie an einem anderen sicheren Orte Deutschlands stattfirrden. Die Ausführung der Spartakus- drohung, in diesem Falle eine besondere Rc>' gienmg in Berlin zu gründen, bleibt für den Vorwärts ein Rätsel, da sowohl die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung als auch der A.- it. S.-Räte gegen Spartakus stehe. Das Treiben des Spartakusbundes bezeichnet das Blatt als verbrecherisch und kindisch zugleich Ihm müsse mit Festigkeit, ober ohne Nervosität entgegengetreten werden. Es sei selbstverständ-- lich, datz niemand ein offenes Amt bekleiden oder Waffen tragen dürfe, der nicht entschlossen sei. das Selbstbestimmnngsrecht des Volke? mit aller Kraft zu schützen.
Konflikte in Sternen.
Bremer S.-Rat und einrückende Truppen.
(Drachtbericht.)
Bremen. £ Januar.
Zwischen dem nach Bremen zurückgekehrten Infanterieregiment 75 und dem Bremer Soldatenrat war vereinbart worden, daß der letztere durch Mitglieder des Regiments ergänzt werden, der Wackstdienst durch das Regiment versehen und die an die Arbeiterschaft verteilten Waffen wieder eingezogcn werden sollten. Daraufhin hielt das Regiment seinen Einzug itt die Stadt, wo ihm als Quartier ei» Schulgebäude angewiesen war Nunmehr stellte sich zur allgemeinen Ueberraschung heraus, daß das Schulgebäude von Matrosen und Arbeitern mit Gew^ren und Maschinengewehren besetzt war. Die Truppen bezogen dennoch das Gebäude, das aber nach einiger Zeit von einer g r 5 tz e - reu Zahl von bewaffneten Arbeitern umstellt wurde. Die an Zahl weit überlegenen Belagerer stellten an die etwa 600 Man« ftorfe Truppe in der Schule das Ersuchen um Auslieferung der Waffen. Nach mehrstündigen Verhandlungen, während derer sich die Lage mehrfach höchst kritisch gestaltete. verstanden sich die heimgÄehrten Truppen zur Auslieferung der Waffen, sodaß die militärische Macht in Bremen nach wie vor in den Händen des Arbeiter- und Soldatenrates liegt. Im Anschluß an diese Vorgänge bewegte sich ein Demonstrationszua bewaffneter Mattosen und Arbeiter unter dem Borantta- cen einer roten Fahne mit Musik zum Marktplatz. wo b*r Vorsitze»*« des Soldatenrates ESS den Triumph des Proletariats feierte.
geschlossen wäre, daß di« Heineren Staaten in größeren aufgingen, oder die einzelstaatlichen Souveränitäten hören dadurch auf, daß das Reichsgebiet ein einheitliches Staatsgebiet wird und der Bundesstaat sich somit in einen Ein- beitsstaat verwandelt; hierbei würde der Grundsatz Anwendung finden müssen, daß das Rcichsrccht dem Landesrecht vorgeht. Daß bei einer grundlegenden Neuordnung des Reichs die im Bundesstaat vertretenen 96 Staatswesen iu ihrer Ssrwerüuität nicht KÜEch bestehen, erscheint politisch selbsivcrftcmrgich, nachdem die Träger dicker Souveränität ihre Rechte aufgegeben haben. Tie geschichttiche Grundlage für diese Staatskörver tfi damit fortgefallen: politisch und wirtschaftlich ließe sich ihre Selbständigkeit, ncrmentlch soweit es sich um die kleinen und kleinsten Staaten handelt, kaum mehr rechtfertigen.
Nimmt man bei der zuerst ins Auge gefaßten Möglichkeit cm, daß die kleineren Staaten sich cm größere Staaten anschlössen oder sich zu einem Mittesstaate verbänden, so würde Deutschland noch immer aus einer erheblichen Anzahl Einzelstaaten bestehen und somit nach wie vor Has We,en eines Bundesstaats behalten, der hn Bundesrat fene Rsgierimgsgewalt ausübt. Soweit nicht ein ganz unerwarteter Umschlag der öffentlichen Meinung oder unvorhergesehene Ereignisse die politische Lage von Grund aus verändern sollten, würde die Verfassung feuer Eiuzelstaaten aller Wahrfchemlich. keit nach die eines Freistaates sein. Sollte das Deutsche Reich der Zukunft aus einer Anzahl solcher souveräner Freistaaten bestehen, so würde die allgemeine polittsche Haltung derselben, sowie ihre Stellungnahme in allen Einzelfragen ganz von der Mehrheit ihrer gesetzgebenden Versammlungen abhängen. Damit würde sich die Möglichkeit scharfer Gegensätze gegenüber der Politik der Reichsgewalt wesentlich verstärken. Die Stellung der ReichsgÄvalt würde hierdurch nach innen und außen geschwächt und cm einer klaren und ziegbttvußten Politik behindert werden.
Die andere Lösung der künftigen staatlichen Neugestaltung Deutschlands wäre die Bildung eines deutschen E i n b e i t s si a a t e s. trotz assen Verdiensten, welche sich die monarchischen Eiuzelregierungen in der Vergangenheit um die kulturelle Durchdringung Deutschlands erworben haben, lag doch für uns in der staatlichen Zersplitterung ein starker politrfcher Nachteil. Wenngleich die Hemmungen des Bundesstaates ans innerpvlitischem und namentlich wirtschaftlichem Gebiete durch die fortschreitende Reichsgesetzgebung vielfach ausgeglichen wurden, so blieb doch die planmäßige Zstsam- menfaffung der deutschen Volkskrast mannigfach gelähmt. Vor allem hatte die Reichsfinanzver- waltnng unter der Vielgestaltigkeit des derrt- ßchen Staatswesens, insbesondere unter der verschiedenartigen Steuergesetzgebung der Eiu- zc4staatrn und ihren hieraus begründeten Re- settmtrechten sachlich zu leiden. Eine ziokbe- wußte, kllrre Reichsfi na n »Politik war kaum möglich, wie die vielfach versuchten Reich-finanzreformen überzeugend bewiesen haben. Das schwer heimgesuchte Deutsche Reich kann sich nur wieder au fr täten durch rastlose Arbeii, vsrtschoftliche Beschränkung und eiserne Sparsamkeit. MensScnkräste und Geldnuttel müssen so verwendet werden, daß der notwendig« Zweck auf kürzestem und einfachstem Wege erreicht wir». Ein halbes oder ganges Dutzend wuveräner Einzekk.aaten nft ihrem besonderen Regier» ngs- und Beamtenapparat und ihren gesetzgebenden Parlamenten wäre ein Ueber- flust, den wir uns kaum mehr gestatten könnten. Daß sich durch den Einheitsstaat auch unsere Verttetung nach aiks m verstärkte, dürfte klar fein, wenn man bedenkt, daß wir in verschiedenen eurapäi"/ en Hauptstädten noch jetzt neben, emanäcB ar- «ndte des Reichs uns Ge-
Iss neue Ieulfchlavd. DorfGtLse zu Deutschlands Erneuerung.
Ser f ■ ii^et e 2T«Wetog#abgcorbne<e Staatt- «Mister itttb »»«»««sek etSr de« Re chcamt» d»S§«nern »r. Sraf vor» PosodottSky schreibt »en ..DiilseUxrfer Rach-eiK««»": Das Deutsche Reich entstand durch ein Bündnis der deurschcm Fürsten und freien Städte. Nachdem dieser Bündnisvertrag der Fürsten von Bundesrat und Reichstag genehmigt war, hat er damit das Wesen eines Reich Socrfas- smrgs-gesetzes angenommen. Es folgt hieraus, daß durch den Throichenzicht der zweinndzwan- zrg regierenden deutschen Fürsten das Deutsche Reich als solches feine Rechtsgrundlage nicht verloren hat, sondern verfassungsmäßig fortbesteht. Alle Bestrebungen, welche dahin gingen, das staatsrechtliche Verhältnis der einzelnen Bundesstaaten »um Reiche zu lok- Icrn oder zu lösen, wären deshalb ein Bersas- stmgSöruch. Nachdem die deutschen Monarchien auf die Regierung verzichtet haben und damit in den Eiuzelstaaten eine von einer gesetzlch berufenen Volksvrrttettlng anerkannte Regierung fehlt, kann es sich nur darum handeln, durco ein ordnungsmäßig zustaudegekomrnenes Reichs- oder Landesgesetz neu zu regeln, wer die Regürunasgewalt in den bisherigen Eiuzelstaaten aii^üben soll. Zu diesem Ziele sind zwei Wege möglich, entweder die bisherigen Einzekstaaten bleiben mit ihrer geltenden einzelstaatlichen Gesetzgebung als souveräne Staatswesen bestehen, wobei nicht aus-
man die Stadt säumen und nicht einer Ein - nähme mit stürmender Hand aussetzen will. Die englische Flotte hat sich außerstande erklärt, ihrerseits kämpfend und schützend einzugrsifeir. Unter diesen Umständen ist, nachdem der Ab- ttansport aller Truppen sich vollzogen hat, die Räumung Rigas noch int Lause dieser Woche beschlossen worden. Die Atte» der Gesandtschaft und der größere Teil des Personals sind bereits nach Mitau übergesiedelt. Der Gesandte mit seinem engsten Stabe ist noch in Riga geblieben, um erst im letzten Augenblick gemeinsam mit der provisorischen lettischen Reziernug ebenfalls nach Mita u z» gehen. Da noch taufen» ReichSdeutfckie sich in Riga aufhalten und große Werte an Privatbesih und Hercsgut noch nicht abttatisportiert sind, ivird auch nach der Aeber- siedclnng der Gesandtschaft nach Miiau ein Ber- tteter des Gesandten mit etwaigen Hilfsarbei - fern in Riga bleiben, um die reichsdeutschen Interessen auch gegenüber den Bolschewisten mit allem Nachdruck zu Vertreten.
sandte von Eiuzelstaaten vertreten sind, ja, daß sogar die, Bundesstaaten umerermurder sich durch Gesandte in ihren Hauptstädten vertreten lassen, obgleich der Bundesrat für alle zwi- schekchnndässtaatlichen Verhandlungen eine völlig ausreichende Körperschaft war. In einem deutschen Einheitsstaat würden unter möglichstem Anschluß an die vorhandenen Gebietsgrenzen und unter möglichster Beibehaltung der bestehenden Verwaltungsbezirke große Reichs- provinzen mit weitgehender Selbstverwaltung zu bilden sein. Nur bei möglichster Innehaltung der bestehenden Gebietsärenzen und der vorhandenen Grenzen der Verwal- lungsbezirke würde fick» die gewaltige Schwierigkeit einer VermögensauseinaüdLrsetzung zwischen den jetzt bestehenden Eiuzelstaaten und zwischen den im Besitz eigenen Vermögens befindlichen Verwaftmrgsbezirken überwinden lassen. Ebenso wäre damit ermöglicht, die bestehenden Larwesaesetze bis zu einer anderwci- teik reichsgesetzlichen Regelung in Geltung zu belassen. Das alles sind Fragen von tief enr- schneidender Bedeutung. Sie harren wegen ihrer Drirrglichkeit der Lösung, mit der sich die Natwnal-Vcrsannnlung demnächst wird aufs eingehendste befassen müssen.
Am Silvestertag haben die deutsck»» Streitkräfte der Eisernen Tiv'sion ihre Stellungen bei Hinzenberg räumen tm'> sich auf die Jägel»«!- lunc zurück festen müssen, die n.rr wen'« Kilometer von Riga entfernt ist. Der betnf-f'e Gesandte, der sich toeß zuvor im P-mzerzug in die vordersten Stettm-gsn bvzrben halte, um sich über die Lage zu unterrichten und die Truphen -mn Widerstand an$u^et?ern. traf die schwa-lK« Stteitkräfte bereits in einer so bedrohten Lage, daß ein Halfen der Stellungen um Hin- «enberg immöglich war. Mit dem Augenblick, in dem Vie Truppen der Bolschewisten die Jägelstellung erreicht haben, ist die Räumung RiMs unvermeidlich geworden, besonders wenn
F» der Stadthallr.
Versammlungen der Sozialdcmokratte. Der Auftakt zum großen Wahlkampf.
Kassel. 2. Januar.
Der Ncuiahrstag gab uns die Stadihallt Wieder. Eine Massenversammlung der Sozial, demiokratte gab ihr die neue Weihe. Mindestens fünftausend Menschen füttten die beiden Säle bis zu den höchstgolcgenen Rängen. Schon eine Stunde vor bei angesetzteü Zeit toü» der große Saol übersüllt. Das gleiche Schicksal hatte bald der blaue Theatersaal. Noch sah man die Spuren von mehr als vierjähriger Kriegsarbeit an den Wänden der Säle. Die Orgel spielte »um Emqang. Als Redner wa. ren die Frankfurter Dr. Quart? und dessen Frau angesagt; aber die Verkehrsschwierigkei- ten ermöglichten kem reckstzcitiges Eintteffen. So sprach im großen Saal Stadtverordneter Thoene. Er stellte in den Mittclpuntt feiner eingeherchen Ausführungen die Behauptung, daß die Sozialdemokratie die einzige Partei gewesen ist, die unablässig für den Frieden wirkte. Auch die bekannte Friedens- entschliestimg des Reichstags ist danach ausschließlich das Werk der Sozialdemokratie. Zur gleichen Zeit sprach im Theatersaal Stadtverordneter Hauschildt. Er dankte u. a. allen Beamten, die durch ihr treues Verwerben im Amte Hand in Hand nrit den Arbeitern dazu bewetraaen haben, daß ein Chaos verhütet wurde, das der Revolunon folgen konnte. Bel uns in Kassel haben alle maßgebenden Persönlichkeiten wie der Konrmandierendc Generals Oberbüraermdfter. Oberpräsidcnt. Regierungspräsident usw. sich bemüht, der neuen Zeit Rechnung »u tragen: das sei anerkannt. Das Bürgertum soll nicht ausgeschaltet werden. Allerdings: in dem luftleeren Raume zwffchev
9tet>»lnti«R ttiifc S$ett»*etoerfammlun3
konnte nur die Arbeiterschaft die Macht ha« ben. Wie im Reiche muß es auch in den Gemeinden anders werden. Sowohl die Stadtverordnetenversammlung wie auch der Magistrat, der Rat der alten Herren, wird künftig ein« andere Zusammenstellung erfahren. Schon in der allernächsten Zeit werden »Wei Sozialdemokraten in den Kasseler Magistrat gewählt werden Dann besprach der Redner das Programm der übrigen l^arteien und fertigte dabei Amtsgerichtsrat Sattmann tnü folgenden Worten ab: .Lattmann ist tot. politisch vollkommen tot. Laß ibn doch reden ...“ Der Achtstundentag wird in Kassel tu den nächsten Tagen dort, wo er noch nicht ern- gesührt war, restlos zur Durchführung kommen. Besonderes GewiM wurde auch hier aus die Werbung für die Stadtwehr gelegt. Hal^childt wandte sich nachdrücklich an die Frauen: .Sagt euren Männern: Ihr seid trairrice Klöße, wenn ihr »ubaufe bleibt und jetzt nicht in die Stadtwehr eintretet!' Wil haben die aemeinfemte Pflicht, das oe meins cum Gut »u schützen! Ein Unabhängiger, der mii dem Vorwurse gegen die Sozialdemokratte bo Rann, daß sie Mitschuld trage an den Opfert! des Krieges, wurde mundwl gemacht. Pfeifen Zischen. Rausrufe tönten. Ter Redner mußt, unter neuem Lärm abtteten. Hauschtldt nütz- billigte das und erklärte, die Sozialdemokratie habe wohl ben Verteidigungskrieg mitgeführt, nicht aber den Eroberungskrieg. Wn meisten für den Frieden habe sein Freund Scheidemann o»wirkt. Wenn jetzt von umi Zwietracht gesät wttd im Kampsc gegen rechts w fei die Sozialdemokratie dem gew-tchsen und weide mit diesen Elementen abrechnen, daß ihnen Hören ur4> Sehen vergeht! Im großen Saal nahm inzwischen Dr. Ttener