9. Jahrgang.
Sonntag, 23. März 1919.
Fernsprecher 951 attö 252.
Fernsprecher 951 und 951
Nummer 94
Wsmsung Ungarns als Sowjel-Republik?
'WertttmSerrtfc-, »te flebengdpoittte Belle ffa emh-luigche (Sefdjdfte W Big. fut au«. iDä-tttae «»zeigen S5 SSt Reklame,eile für einheimische Geschäfte 76 Bf, f6t auiroärttge ®e(d)äfte 1 Ml Einfache Beilagen werden mit :> Mark pro Tausend berechnet, alle« mit «•/„ Teuerung«-guschlag. Bei Ueberinittlimg -en « '«eigen auf telcptz. Wege wird kür durch HSr. fedler dervernerufene Jrriümer keinerleiHasNmgübernemmen Für die Auknadme vonAn,eigen an bestimmten Tagen ober »lägen wtrd j. B>,keine Gewädr geleistet. «eschästSstellei iiälw Ltr k>
Her BolsKewismus
Kommunisten-DeweMug in Ungarn. tDra-tbercht.1
Italien fLr russischen BolsÄtewlSmuS.
Zürich, 22. März. (Drahtbericht.) Die „Rene Züricher -Reitunn“ meldet von der italienischen Grenze: Die in Mailand versammelte Parteileitung der offiziellen Sozialisten billigte eine Erklärung, die den revolutionären Charakter der sozialistischen Politik beweist. Der Wortlaut entspricht einer Huldtaung an den russischen Bolschewismus, an die Revo lution in Deutschland und Oesterreich-Ungarn und einem Mißtrauensvotum an die Adresse der Pariser Konferenz, von der behauptet wird, daß sie die besiegten Böl- ker, welche doch mir das Opfer der Fehler ihrer imperialistischen Regierungen waren, politisch und wirtschaftlich unterdrücken wollen.
scheu Formationen fick beim Eintreffen der Sowjet-Truppen mit diesen verbrüdern werden.
Sur RegserrrngS-Blldunq.
Berlin, 22. März. (Dnchtverlcht) Die Verhandlungen über die B ikdnng der preußischen Regierung find äußerst schwierig und zeitraubend. Es ist jetzt aber sicher anZimehmen, daß dir Regierung aus Sozialisten, Demokraten und bau itentr um sich zusaumrensetzen wird. Tie.
Keine Landung itt Danzigs
Rotterdam, 22 März. (Drahtbericht.) Londoner Blätter melden aus Paris, daß die Anordnung. wonach die polnischen Truppen in Danzig landen sollten, zurückaezogen wurde.
PreutzenTagung.
Preußen und das Reich.
(Drahtbericht.)
Zahlung der ArlegseNtschSdigung
Ein« Frist von 30 oder 50 Fahren. (Drahtbericht.)
. Amsterdam, 22. März.
Reuter hört ,u der Frage der Kriegsentschädigung die Deutschland zu zahlen hat, folgendes: Man ist der Ansicht, daß, Deutschland bis auf den letzten Pfennig bezahlen soll und auch bezahlen wird. Aber es ft76t da verschiedene Schwierigkeiten, über di« nrn sich noch nicht einig ist. fo zum Beispiel, we die von Deutschland gezahlte Summe verteilt werden soll. Es besteht aud) die Ges ihr. daß Deutscklland. wie einzelne seiner Führer bereits durchblicken ließen, eine widerstrebende Haltung einnehmen wird, was neue Schwierigkeiten der. Ursachen würde. Fn welcher .Reit Deutsch and Ire Entßchädiaung bezahlen soll, baS sei eine Frage untergeordneter Bedeutung. Einz lne Fachleute wollten Deutschland dreihig Fahre andere sogar fünfzig Jahre Frist bewilligen. Von größerer Beden- tuna sei dagegen die Frag- hinsichtlich der Zinsen des Kapitals. Was die ^rage anb lange, ob Deutschland m der Lage fei. zu zahlen, so feien die britischen Vertreter Hoffnungivoller gestimmt als die franwsifchen. Aber a."ginein sei man der Ansicht, daß die Bczahluna nur durch ein wiederanfftrebendeS und arbeitendes Deutschland erfolgen könnte.
DI« Bewegung iw Amerika.
Bern, 22. März. (Drahtbericht.) Zahlreiche Meldungen der amDikanischen Presse lassen erkennen. daß in vielen Teilen der Union der Bolschewismus in besorgniserregendem Wachsen begriffen ist. Etwa ffmfzehn- tgusend bolschewistische Sendlinge sollen dort in Tätigkeit sein. Es handelt sich besonders um Rewvork, Fndianig, Michigan, Fllinois und Pennshlvania. Fn Phffadekphia und Tacoma ist es zu Aufstän- den glommen Arbeitslosigkeit rmd Lebensmittelteuerung fördern die Bewegung.
Die Diktatur bet Proletariats.
Lugano 22. März. (Drahtbericht.) DaS Zentralkomitee der sozialistischen Partei Italiens beschloß in seiner gestrige« Sitzung in Mailand die HerbeisührungdeS Gene- ralstreikö in ganz Ftalien zum Pro- test gegen die kapitalistische, völkerseinvfiche und Nene Kriege heranfbeschwörenve Pariser Friedenskonferenz imd zur Durchführung der Diktatur des Proletariats. Das Zentral- komitee hat sich die Bekanntgabe des Datums dcS Beginns des Generalstreiks Vorbehalten.
Angarn im Kriegszustand?
Wien, 22. März. (Drahtbericht.) AnS Budapest ist hier die Nachricht eingetroffen, daß sich Ungar» seit gestern nachmittag mit ber Entente im Kriegszustände befindet. Eil« Nachfrage dicserhalb war unmöglich, da telephonische Gespräche mit Budapest nicht gestattet waren. Daher war auch eine Bestätigung dieser Nachricht noch nicht zu erlangen.
Bolschewismus in Polen.
Paris, 22. März. (Drahtbericht.) Dem Berichterstatter eines Pariser Blattes erklärte der politische Ministerpräsident Paderewski: Tie Lage in Polen ist ernst. Infolge des Mangels an Werkzeugen und Rohstoffen feiern siebenhunderttausend Arbeiter. Die bolsche - wistische Werbetätigkeit hat einen gewaltigen Umfang angenommen. Tie Alliierten sollen mit größter Beschleunigung die notwendigen LebenKmittel zur Verfügung stellen und die Fabriken besser in Gang bringen. Die baldige Ankunft der Armee Haller mit Waffen. Munition und Bekleidungsstücken ist eine unbedingte Notwendigkeit geworden.
Tl« Cafftln 9ltuef!«n ffladbrtditen erfdjeintn roödjentllcb lechSmal unb poar abrnbb. txr abonnen-.«ti4»tel« btträgt monatl 1.20 Marl bei freier RufteHtmt wo «aus Bestellung^, werben itberiei: onn oer «elchS'trfteUe »ber een ®eUn
«ertee un> Rebattten. e<blad>t6efnrate 28/80. ?ux «verlangt e^ge1andte Beltr^e t«n die Retaltten eine Beranlrvbrtmig ober «Sewastr in keinem Faüe ubernebmen Uu«fMvWn«d^ r-iug«se.ve« Obet«m»rüd>e wegen etroataermetterbnangimab ger Lle erur-, anbgeschlosten
dann die Weichsel zu der großen Wasserstraße werden, zu der sie vermöge ihrer Ausdehnung von Natur bestimmt ist. Der Ausbau der Weichsel und die freie Weichselschifsahrt werden dre Nötzkiclikrit ergeben, daß Polen zu großer wtrt- schaWcher Blüte gelangt, womit auch Danzzg zu einem Weithasen werden wird.
Berlin. 22. März.
Von durchaus einwandfreier Seite erfährt dir „Börsenzeitung": Infolge ber Ankündigung der Entente, daß sie ganz Ungarn mit Ausnahme von Budapest und Umgebung besetzen werbe, versammelte sich gestern bas Kabinett und reichte seine D e - Mission ein. Tie Kabinettsbildung über- nahmen die Sozialdemokraten. Ministerpräsident wird vormlssichtUch ber sozialistische Führer Konvi. Es steht fest, daß dir Sozial- deulokraten mit den Kommunisten eine Einigung herbcigeführt haben. DaS neue Robinett wird sich auf bolschewistischer Grundlage aufbauen. Für heute abend wird die Ausrufung der ungarischen Sowsrt-Revublik erwartet Die neue Regierursti wird baldigst mit der Moskauer Regierung ein Bündnis machen. Drei Abgeordnete der Lentn-Regiernng weilen in Budapest und haben die Mitteilung gebracht daß die rote Armee im Anmarsch aus der Linie Brodv-StauiSlau anrekommev fei; desgleichen befinde sie sich hn Anmarsch auf Lemberg. Zugleich teilten die Russen mit daß man in etwa vierzehn Tagen mit der Ankunft ber roten Armee in Budapest rechnen könne. Gleichzeitig haben sich in den von den Tsckwlbo- Tlovaken belebten Gebieten Ungarns an verschiedenen Stellen Meutereien slovakischer Truppen ereignet, die von den Tschechen mit blanker Waffe bekämvff werden mußten. So wird als sicher ana-n---—- — - — •-*- "tanzifi,
Sine scharfe Melmum.
Zum Abbruch der Posener Verhandlungen. (Drahtbericht.)
Berlin. 22. März.
General v. Hammerstein überreichte, wie wir kurz meldeten Nndant in der Sitzung der Was- ierrstillstandskommisston dem 20. eine Note, in der er seine am 19 Mürz mündlich abgegebene Erklärung über die Frage der Landung polnischer Truppen in Danzig schriftlich bestätigte und ergänzte. Die deutsche Negierung besteht, wie es in der Note u. a. heißt aus ihrem Recht, die Angelegenheit nicht von der interalliierten Kommission in Warschau, sondern von der in» ternationalen Waffenstillstandskomnnssion in Span behandeln zn lassen. Die deutsche Regierung könne keinesfalls die Landung ht Danzig und den Durchzug der polnischen Truppen durch das national gemischte Land zulassen. Nudant nahm die Rote mit dem Bemerken entgegen, er werde sie so- jort Fach übermitteln. Tie Note habe den Vorzug, klar zu sein, indem sie die deutsche kategorische Ablehnung aller Dor- schläge und Forderungen der alliierten und assortierten Regierungen enthalte. Sie schaffen .somit eine tatsächlich« Lage, die in entsprcchen- dxr Weise behandelt werden würde.
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Für bewaffnete Abwehr.
Berlin, 22 März. (Drahtberichi.) Einer Berliner Meldung zufolge kann eS als sicher angenommen werden, daß ein Versuch Mr Polen, in Danzig zu tauben. nm von dort ans Truppen nach Polen zu überführen, militärische Abwehr finden wird. Fn politischen Kreisen hofft man. daß die feindlichen Regierungen sich vom polnifch-franzöfischen Einfluß freimacken und die Berechtigung des deutschen Standpunktes anerkennen werden.
Sie freie Weichsel.
Gearn die polnischen Ansprüche.
Per polnische Anspruch aus Mestpreutzen und DongtN wird in der Hauptsache bmnrt entart, daß Polen einen freien Weg zum Meere mild einen Seehafen haben müsse Zur Unterstützung dieser Forderungen zieht man dann histonsrie Erinnerungen an die Zeit, da Tanzen milcr prLnisLer Oberhoheit stand, und den Hinweis aus cta« starke polrrffche Bevölkentng m West- oreichen heran. Aber hauvtsächl^! soll der Hinweis aus einen freien Weg zum Meere wirken, und dieser Hinweis wird » terstützt dadurch. Laß man immer wieder betrat, daß Danzig durch Polens Handel dann rffren riesigen Aufschwung nehmen wurde Ter Lern punkt der ganzen polnischen fr-rage ,'ui, Westpreußen und Danzig liegt also in der fr-rage । ter freien W eich i el fck»i sf ahrt. Emen Urian Weg zum Meere durch eigenes Gebier K&en auch manche anderen Staaten nicht. D:e Schw--'? hat einen ungeheuren Außenhandel, wie im Verhältnis zur Einwohnerzah! nur noch -oeni»e andere Länder, obgleich sie nicht an das Meer reicht. D eutsch-O esterreich wird in Zukunft kein»n ebenen Hasen deichen, UND Ungarn ist ebenfalls vom Meere abgesch-oi- sm und auf den DonEweg angewiesen. Bei ffvMsierten Völkern ist es eben nicht üblich, nch den Weg zum Meere durch Annexionen fremder Gebiete zu verschaffen, sondern man sichert ibn durch Verträge. So wird cs auch Rrrfgäbe der Friedenskonferenz sein, die frei,' WeiÄseisÄissahrt s-stzuleaen, sodaß Polen den Schffsalnts-weg durch das beutRbc Westprenßen Unter gleichen BeVnenngen benutzen kann, wie der deutsche Handel selbst. Mr haben sä durchaus ante Ersahruna-.n mit der freien Schiff- fabrt schon beim Rhein gemacht. Die inter- nationale RbeiusWffahrts -- Kommission _ Hai durchaus befriedigend gewirkt und allmäbllch einen völlig freien Verkehr ans dem Rhein und einen einheitlichen Ausbau des Rheines vom Begimi der Schiffbarkeit bis zur Mündung pnoHgesetzt Dieser freie Verkehr ist allen be- irtSigten Ländern zugute gekommen ä
Für Polen läßt sich der freie Weg zum Meere, wie schon gesagt, sehr gut ohne An- aexionen durch Verträge und internationale Aufsicht sicher», wie es beim Jshein oeschefren ist. Die Weichsel ist in Polen völlig verwahrlost und noch heute in gleichem KSani» wie vor fünfhundert Fahren. Sie
n daher nur von kleinen Schiffen und auch »mr diesen nur unter Schwierigkeiten mit verringert.a Ladung befahren werden. Soll aber ein Wasserweg freute seinen Zweck erfüllen, soll er einen besonders billigen Transport ermöglichen, so muß et so ansgebant fein, daß ihn große Kähne befahren können. Der Rhein kst ms gegen Mannheim für Schiffe von etwa juveitausend Tonnen TragfLhiokeit bemtfreit, «»och sehr viel weiter können mindestens Secbs- Hunhert-Tonnen-Kähne fahren, während die Weichsel mir in Westpreußen ausaebant und auf ettra zweihundert Kilometer für Zw--ih".n- dert-Tonnen-Kähne jederzeit benutzbar ist. Fn Voten dagegen können regelmäßig im Hockfom- «er Aweihundert-Tonnen-Kähne kaum mehr »ks fünfzig Tonnen Ladung mit sich führen. Die freie Schiffahrt auf der Weichsel, an der «richt nur Polen interessiert ist. sondern auch ^Deittfdrlanb, weil Tanzios Blüte davon ah. längt, und alle anderen Länder, die mit Polen Handel treiben wollen, bat aber nur einen Wert, wenn die Weichsel entsprechend den beu- tigert Bedürfnissen au »gebaut ist. Es ist daher «okweitdig. daß die Friedenskonferenz auch den Ausbau der Weichsel feftiegt. rmd zwar wird sie mindestens bis Warschau für Tausend- Tonnen-Kähne ausaebant werden müssen. Daß hie freie Weichselschiffahrt durch e’nen Freihafen in Danzig ergänzt werben muß. ist «tne natürliche Fordermie, Es beftefrt in Dan- feau^^ bereits c'tt Freil'ezirk der für den
~t verhältnismäßig geringen Handel zwilchen dem russischen Hiuterlond und Danzig ge- -ffiat« Fetz- wird mal dafür iSoroe tragen «Wen, daß ein genügend großes Freihafen- «efriet bereitgest"llt wird, wofür ein Plan auch von der Stadt Tanzia bereits nmaearbeitet ist. Dir einzige vernünftige Löfuno für ite polrnsckn Frage in Westpreußen ist hiernach «e Festlegung der freien Weichfel- »chiffahrt und des Ausbaues der Weich'el durch die Fr'eden-Aonferevz. Um *:efe Zfe'e zu sichern, wird ebenso wie beim stritt auch bei der W-jchsel «’ne ständige int-r- Wation^le Kommission zu bilden fern, tre sich «r« mindestens k zwei Vertrfern der Webst- «knßer"dürren, wahrßsteinlich Polen, Ukraine und Deirtßl'land, titfammc-tefr*n muß. und zwar ie «etem Te-stniler und Volkswirt, nnd deren Sei« wtg wohl am besten in den Händen eines ««^europäischen nentralen Fachmannes siegen NRrfSe. Eine derartige internationale Aussicht M nwso mehr berechtigt. ff$s gerade die nor - »tschen Länder am polnischen Handel be- Mweres Interesse haben. Auf dicke Weife wird
Kasseler Muesse Mrichtm
Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Berlin, 22 März.
In der gestrigen Sitzung erfolgte eine soD- mette Anfrage von Linz- Barmen (Deutsch- national) betreffend die Unteilbarkeit und Unversehrtheit des preußische« Staates. Abg. Linz-Barmen (Deutschnatio- nal): Das Haus muß Einspruch erheben gegen die Hebelgriffe des Reiches in das Selbstbc- stimmungsrecht ber Einzelskaaten. Ein solcher Uebergriff ist der Beschluß der Naiion-alver- sammlung in Weimar, möglichst viele Teile von Preußen loszureißen und selbständig zu machen oder mit anderen deutschen Staaten zu vereinigen, auch wenn Preußen nicht zustimmt. Die Regierung selbst ist schuld an diesen Bestrebungen durch ihre brutalen Eingriffe in das Rechts« leben, durch ihr Programm der Willkür und der Ungerechtigkeit. Das Unerhörte ist, daß wesentliche Kreise mit dem Verband in Verbindung getreten sind, um eine Volksabstimmung über die Bildung einer rheinisch-westfälischen Republik herbeizuführen. Das wäre nur die Vorstufe einer Loslösung vom Reiche. Tie Loslösungsbestredurigen gehen von Zentrumsseite aus. Fn den offiziellen Kreisen des Rheinlandes denkt niemand an di« Abtrennung von Preußen. Preußen darf aus die Rhernlande niemals verzichten.
Abg. Schloßmann-Dusseldorf (Demokrat): Die Bildung eines deutschen Einheitsstaates bat sich nicht verwirklichen lassen. Tie demokratische Partei lehnt alle AusteilungSpläne Preußens entschieden ab. Insbesondere verwerfen auch wir alle Bestrebungen zur Gründung einer eigenen rheinisck>-westfälischen Republik Auch ein Teil des Zentrums steht diesen Bestrebungen fühl und ablehnend gegen-- über Abg. Runge (Demokrat: Die Rheinländer sind deutsch und wollen es bleiben. (Beifall.) Die Lostrennungsbestrebimgen stehen in direktem Widerspruch zu den Wilsonschen Thesen, die doch auch von der Entente angenommen sind. Die LoslösungSbestrebungen gefreit bis zum 9. November zurück. Schon am 4. Dezember wurden ZentrnntSstimmen laut, di« die rheinisch-wesffälische Republik proklamieren^ wollten. Auch an meine Parteifreunde hat man sich gewandt, die sich aber völlig ablehnend verhielten. Die Arbeiter im Rheinland sind gegen die eigene Republik Von einer Volks- abffwwmung kann keine Red« fern, denn es handelt sich bei den Rheinländern nicht um ein Volk, sondern um einen Teil eines selbständigen Volkes.
Ministerpräsident Hirsch: Dre LoskösungS- bestrebungen im Rheinland gehen auf eine Zeit zurück wo von Bolschewismus nicht die Red« sein konnte. Fch bedauere die einseitige Stellungnahme des Abgeordneten Linz in diesem Augenblick, wo das ganze Volk einmütig fern sollte. Die Gründe für die Bewegung Kegen zimt Teil in kulturellen Sorgen, zum Teil auch in der Vefiirchtung, daß die politischen Beamten künftig in einem dem Rheinland widerstrebenden Sinne sich betätigen könnten. In Westfalen hat sich dann eine Ausschlußbew eoung geltend gemacht Fn bett Abtrenrnrnesbestre- bungen liegt Mangel an Solidaritäisgefühl, der auf das Ausland sehr imgünftig und unter Umständen gefährlich wirkt, spm .Homme libre* kann man davon lesen. Die Franzose» wollten am Rhein nichts anderes, was die Rheinländer selbst wollten. (Hört! Hört!) Ftt dieser schweren Zeit müssen Sie das Gemein-- 'anrkeitSgeMHl doppelt zu stärken suchen. Waf Frankreich erfefrn-t, wird keinem Deutschen nützen. (Sehr rickftig!) Wir sind Anhänger ber Reichseinheit unter der selbstverständlichen Dor<ruSatzung der Ausaestaltung der Selbst« Verwaltung. Dieser Rnfaabe wird Preußen sogar fern« Selbständigkeit opfern Es kann aber auf drefem Gebiet nur voranaeben. wenn die anderen Einzelstaaten folgen. DaS ist bis setzt nicht der Fall. Deshalb bedauern wir lebhaft den gestrigen Beschluß des Weimarer Versaf- 'n-ngsaussckusseS, der darauf hinanslSuff. Preußen _;tt zerschkagen. Die Leistunasfäihiakett Preußens darf dem Reich nicht verloren gehen. Tas wurde aber durch die Zerlegung Preußens in unzählige Einzelstaaten geschehen, und diese Verkümmerung Preußens würde zugleich die Derkümmeruna des Reiches fein. Das Haus vertagt sich auf Sonnabend 12 Uhr Förmlich« Anfragen. Schluß 5 Uhr.
GchlUhtungSversuche der Enkeitke.
Rotterdam, 22. März (Drahtbericht.l Wie Reuter ans Paris erfährt, haben die En- tente-Regiernngen sich an Erzberger gewandt mit dem Ersuchen, nach Abbruch der Berhandlungen eine neutrafe Perfön- l i ch k e 11 vorzufchlagen, die der Kommiffion für Polen beitreten soll um die Streitigkeiten zwischen Polen und Dentschlanb zu schlichten.