Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler AbendzeLtung Hessische Abendzeitung
Dir raffel« «aeetien «achricht.» erscheu»«- roöchenwch iechSma! un» zwar abends. Der XharatesnentäpreH betragt mmrrtl is Start bei freier KtKeSimz in« Haaff eetteUsmgen »erb* ieberwtt een der SefchLfrÄffell« ober den Seien entgegengenemmen. 1 ruderet, •erlag mb Sebettton-, SchiechthoMroje 38/30. stör tnmerfcngt eingefinbte Beiträge tonn sie SeSottton eine Sermteertmtg eb« Sewätzr in tetnem stalle übentebmen. Küd»a£img bei Segnglgetbel »der Ansprüche weg« cttnotR« ui St oeonmglmäB tg« Ste'eruxg aulgeschloffen
Rrrmmer 138. Reinfptt<6er 951 und 951 Gomraberrd, 17. Mai ISIS. Fernsprecher 951 und toi S. Jahrgang.
stnlertionlpretse: Die itedengespaliete Zeil« sirr eiitheiurilch« chelchäste 30 Sfg, für am. toärttae Smetgen 35 Pf. Retlmnezeile für einheiwilche Deschäft« 76 Pk, für meiwärttge Geschäft« 1 WI Einfache Beilag« werd« mtt 5 Start pre laufe» berechnet, alles mit 20ff, TeurrrmgS-Zufchlag. Bei ttebermlttlinig neu An,eigen attf tetepb Wege wird für durch Hör. fehler hervorgerufene Zrrl ümer {einerlei Haftung übernommen- Für die Ans aabraa »onLn^tg« an bestimmt« Lagen oder PlLtzr» wird i. Sttetne SeroStzr geleistet. Geschäftsstelle; Kälm-Str. 5
Ablehnende Haltung der Entente?
Lehrreiche Beispiele.
Aus ben Spaarr Verhandlrmgcn.
Dir „Deutsche Nation', eine stmgbemokra- tische Zeitschrift, von der man weiß, daß unter chren Mitarbeitern zahlreiche junge deutsche Diplomaten sind, wird in ihrer in diesen Tasten erscheinenden Mrumrmner einen interessanten Leitartikel veröffentlichen, der gar kein Lcit- arnlLl ist. Er gibt, ganz ohne Kommentar, ganz ohne angehängte Moral, drei nackte Szenen ans dem Derbcmbkungssaal der Nassen bill. fiandAoMmiffion in Spaa wieder. Der tiefere Sinn dieser politischen Dramaturgie kann indessen niemandem verborgen bleiben und wir versuchen deshalb, mit raschem SW die drei Sgenen in kurzem Rahmen nach; izdchnen.
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Das erste Bild zeigt den Dorsitzertee« der. Entenrekommrssron General Nudant. Er lieft eine Rote Fachs vor, die kalt und rücksichtslos betont, irgend ein von deutscher Seite erhobener Einwand „könnte keine Antzoort beanspruchen*. Die Dolmetscher übersetzten ins Deutsche und Englische Der deutsch-' Vorsitzende: „Die Form, in der diese Weisung des Marschalls Fach uns m-itgeteilt ist, nötigt mich zu einer Mmdsatzlichen Erklärung: Wenn der Dlarschall Fach unseren Verhandlungen die Form zu geben wünscht, daß er Befehle übermitteln läßt und uns das Recht der Erörterung bestreitet, so wird es in Zukunft genügen. Mr statt des deutschen Vorsitzenden und der deutschen Kommission ein Adjutant an den Vollsitzungen teilnimmt. dem diese Befehle aus« eehäudistt werden können.* General N u d a n t list während der Worte des deutschen Vorsitzenden bereits unruhig geworden und Hot an den feine? drrrScM«lden Schnurrbarts gezerrt. Er antwortet mit natürlicher, einfacher Stemme und im Tone militärischer Geradheit): .Was dir Absichten der alliierten und assoziierten Regierrrngen und was ihre Gründe sind, kann ich nicht sagen. Ich kenne sie nicht und kann nur wettergeben, was mir jit diesem Zwecke zugegangen ist. Ader ich bin überzeugt daß der Marschall Fach mit der Form seines Telegramms nicht verletzen wollte. Der Mar- schall ist Soldat und spricht wie ein Soldat, nicht wie ein Diplomat. Ich würde bedauern, wenn Sie, Herr General, nicht weiter an unseren Sitzuna-n teilnehmen würden. Ich werde aber jedenfalls Ihre Aeußerung sofort au die zuständige Stell« weitergeben, und ich bin über- zeugt, daß Vorfälle wie dieser in Zukunft der- mieden werden. Jb bkn hierzu natürlich nicht beauftragt, und ich sag« nur meine persönliche Meinuna. »her ich Sin sicher, daß das Rotwendige geschieht, nm eine «rüstige Farssetzung der Verhandlungen zu ermöglichen.* Und: Die Verhandlung geht weiter ...
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Die zweite Szene zeigt dis Verlesung der Mrtentehrdingunqen für die Lieferung von Lebensmitteln an Deutschland durch den englischen Admiral Hope, ebenfalls in Span. Der <5nty länder kirübst an die Verlesung des langen Do- firmentes die folgenden Bemerkungen: „Ich mache zunächst darauf aufmerksam, daß unsere Verhandlungen b i 8 morgen nachmittag beendet sein müssen, da wir Spaa ttm 7 Uhr 35 Minuten verlassen. Das ich verlese, sind die Entscheidungen des Obersten WirtschafftsrateS der alliierten und assoziierten Regierungen. Sie find von ibm in einer Sitzung gefaßt, und c8 liegt im Wesen dieses Rates, daß seine Beschlüsse nicht geändert werden können ...* Der deutsche Vorsitzende: „Da eine Aenderung dieser Bedingungen nicht durchführbar ist. wir also zwischen Annahme und Ablebnuna wählen müssen, f» bitte ich, daß die deutschen Vertreter sich zur Beranma znrückziehen dürfen.* Admiral Hope nickt «istinrmend «nd sagt leise: „Des.* Lärmere Beratung, woraus die Deutschen die Forderungen und Bedingungen ablehnen. Die Vertr-ter der Entente verlassen bestürzt den Saal. Acht Tage darauf finden neue Verhandlungen in Brüssel statt, bei denen Vorschlag und Gegenvorschlag sich gegenüberflehen, und zwar nicht begueme, ab« doch eh« mögliche.Bedingungen «zielt werden.
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And die dritte Szene: Der D«eicherövechfel «welchen Paris und Berlin anläßlich b«. Berufung der deutschen Vertret« n^.ch Versailles, der zeigte, daß ein wenig deutsches Rückgrat «bente"? zur Aufbebuna deutsch« Demntigun»- gen fübrte. In d« Tat: drei lehrreiche und drei trostreiche Szene«. Dreimal hat ein Stück Mannhaftigkeit am rechten Platze nnS geholfen. Die Nutzanwendung haben mrserc Vertreter in Versailles zu ziehen.
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Soweit der skizzierte Entwurf des Artikels. ■>n der Tat: Es sind drei lehrreiche Szenen, eie für unsere Versailler Diplomaten und die stcst«n"a Lehren enthalte«. die erkannt und zuck) lcstlrt M ttrtdou verdienen. Auf eine
kurze Formel gebracht, bedeuten sie, durch en«- üttch-mannhafieS Verhalten zu Verhand- t u n g e n auf dem Wege eines ertragversprechenden Kompromisses zu gelangen. Dies« Ansicht tottrbe hi« an gleicher Stelle in den letzten Tagen immer Wied« Ausdruck verliehen. Man vergegenwärtige sich einmal die Lage, in die Deutschland geraten ist! Unser Volk und alles, was seine Macht nach innen und außen hin repräsentierte, liegt kraftlos und zerbrochen am Boden. Wir haben ein Zeitalter größt« Anstrengung und Entbehrung vor uns. Wir werben ohne Rast und Pause unter Ein- tz-tz aller Energien und eines iedeu Einzelnen von uns ringen müssen, nm die Schäden, die Deutschland am Voile erlitt — es sind an Gefallenen und infolge d« Hungerblockade Gestorbenen fast drei Millionen! — und die gewaltige« Einbußen an wirtschaftlichen Werten auch nur einiMrmatzen auszuwetzen. Das könne« wir ab« nicht einmal aus uns selbst; wir bedürfen der Hilfe feer neben uns lebenden Nationen. Sagen wir nttn zu diesen „FricdenS- bedingungen* Ja. dann heißt das, wir ziehen den Strick, den man uns um den Hals legte, selbst zu: unterschreiben unser Todesurteil! Das wird kein Mann der Regierung, kein Par- tnmentarier, kein Deutscher tun. — Aber wir können auch nicht glatt ablehnend Rein sagen! Wenn auch die Entente mit ihren Drohungen, den Waffenkrieg wieder zu beginnen, bei den eigenen Soldaten wenig Glück haben könnte, so träte doch ohne Zweifel die „Hungerblockade* sofort Wied« iu Kraft, nur nm vieles scharf«. Wir haben keine Macht hinter uns, die ein uneingeschrStcktes „Sieht* zur Voraussetzung haben müßte. D« Weg liegt da- h« offenkundig zwischen „Ja* «nd „Nein*, ist also b« der KomproMiß-VerhatMungen! Und b« wird sich 'ij*t mannhafter schlossendest «jiden lassen. P. B. S.
8um Notenwechsel.
Die Ablehnung wahrscheinlich. lDrahtbericht.t
• Rotterdam, 16. Mai.
tragen, die die deutsche Delegation hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit äußert und baß diese Entscheidungen Eowähr sind für die Verwirr» lichung von Reformen, auf die die Arbeiterklasse mehr beim je ein Recht har nach der harten Prüfung, die b« Welt während d« letzten fünf Jahre auserlegt wurde.
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Unbegrenzter Waffenstillstand.
Haag. 16. Mai. fDrahtbericht.) T« Paris« Korrespondent eines Rotterdam« Mattes, Professor Hobel, meldet seinem Matte aus Paris, daß ihm eine hohe Paris« Persönkich- keit erklärt habe, die Frtedensbebmgungen seien weniger ein Frieden, aß ein Waffenstillstand auf unbegrenzte Zeit. Offenbar rechne Wilson damit, daß her Völkerbund in nicht zu lang« Zett alles in Ordnung bringen werde und daß dann das richtige Verhältnis wieder eintrete. sodaß die strengen Bedingungen sich selbst verwischen-würden. Wahrscheinlich würde « die Bedingungen wenig« leicht unterschrieben haben, wenn « der Meinung gewesen Ware, daß die strengen DedinMngen bis zum letzten Posten aufrecht erhalten Würben. Die Franzosen dagegen glauben nicht anders, als daß nach Nnfundzwmrzig oder fünfzig Jahren nicht nur das Sa ar gebiet, sondern auch daS ganze linke Rheinufer ihnen gehören werde. Die Engländer ihrerseits glauben bereits an di« Möglichkeit, durch ihre koloniale Dor» mundschaft ein dauerndes Protektorat in absehbarer Zeit zu «halten.
Vorbereitung des BesstznngsheereS.
Berlin, 16. Mai. sDrahtbericht.s Nach Mel- dllff-vn bent besetzten Gebiet haben die ,. scü Mil-tLrhesohlShob« bereits ;etzt Mietsverträge für das Besatzungs- Heer auf die Dau« von sechs bis acht Jahren abgeschlossen. In den Belgien sugesprochenen Bezirken sind bereits belgische Kontrollkommissionen eiihtetr offen. — Weit« wird gemeldet, daß am«ikanische und britische Truppen während zweier Jahre an der militärischen Besetzung deS linken Rheinufers teilnrhmen werden.
Ein London« Blatt meldet ans Paris: Tic Unterkonnnrssion d« Allii«tenkonferenz hat zu ben deutschen Gegenvorschlägen Gutachten abgegeben, die auf eine Ablehnung vor deutschen Gegenvorschläge hinanS- tauftn . Leb« die finanziellen Fragen wird noch debattiert. — fein anderes Blatt meldet auS PariS: Es gewinnt ben Anschein, als ob man die deutschen GegenvorsKlSzeniÄt zur, Grundlage einer Veberprü- fitng b« Fr iedensbevittgmrgen nmchen wolle. Ab« auch einen Meinungsaustausch mit Dentschlaird will man nicht ablehnen. Die Abreise Marschall FvchS in bas Hauptguartier kamt »«schiede«ttich gedeutet werde«. — Pichon «klärt« im Kammer-ruSschusi: Obwohl die deutschen DorfchlSge in Fülle ein- ffhtgen, glaube «, daß b« Frieden in diesem Monat noch unterzeichnet werden könne.
Die Arbeiterfragen.
Berlin, 16. Mai. lDrabtb«icht.s Der deutschen Delegation in Versailles ist am 14. Mai di« Antwortnote auf die deutsche Note betreffend die internationale Arbeiterge- setzgebnng üb«geben worden, in d« es unter anderm heißt: Die verbüirdeten Regierungen sind tret Ansicht, daß in Zukunft ein? Lösung der Arbeiterfragen leichter e«eicht wird, wenn das Gemüt ber Menschen von dem Druck der Angst vor dem Kriege, wenn die Industrie von d« Last der Rüstungen befreit sein wird, die d« deutsche RilttariSmnS ihr auferlegte. Die Note verweist dann auf die tat Entwurf der FriedenSbedingungen vorgeschlagenen Mittel zur Erreichung dies« Lösung. D« Zweck b« geschaffenen Organisation sei bie ständige Entwickelung d« internationalen Arbeit«organi- fation. Sobald Deutschland in den Völk«, bunt- ausgenommen sein werde, werbe ihm bas Recht auf Teilnahme an dieser Organisation zustehen. Die Einberufung einer Ar- beiterkonserenz nach VersättleS sei nicht für nötig erachtet worden. Dir DeMüffc b« ss>eWerkschtfiskons«en.z in Bern seien bereits sorgfältig geprüft worden. Auch hatte« sich die Vertreter der Gewerkschaften an b« Ausarbeitung ber auf bie Arbeiter bezüglichen Artikel ber Frieden sbedingtmgen beteiligt. Auch entdeckte das Programm b« ersten Sitzung der internationalen Arbeiterkonferenz, die nttoften Oktob« in Washington tagen solle, bie wichtigsten Fragen, bie auf der GewerkschastWonferenz m Bern verhandelt tintrben. Dn deutsche tßnt- wurs üb« das internationale Arbeite«echt stehe außer in einigen Punkten ben Bestimmungen beS betreffenden Teiles b« FriedcnSbedingangen nach. Die Antwortnote schließt: Die En» tente-Regtermtg-n sind baher der Meinung, baß chre Entich^kdungeu drr Sorg« Rechnung
Italien »nd Griechenland sichern sich.
Haag. 16. Mai. fDrahtbericht.) Ein Manches« Matt besckÄfiigt sich in einem Artikel mit gewissen geheimnisvollen militärischen Vorgängen. Danach haben die Italien« Adaua besetzt und «tttto eine Strecke von Anatolien vom SchSvarzen bis zum MitteMndische« Meer. Die Morningpost teilt mit, daß Griechenland PefeA gegeben habe, «mhrita zu besetzen, und daß dazu miS dem Ppräus bereits zweiund- zwanzig Transportschisfe auSgcckausen seien. Es wird nicht einmal v«heimlicht, daß sowohl Italien als auch Gricchenlandsichbeeilen, diejenigen Gebiete zu besetzen, die sie für sich Scantzguchen. bevor die Alliierten auf der Konferenz ibre Entscheidung in b« Qrientsraae bekannt geben. Es ist unveifennbar, baß dadurch eine vollendete Tatsache geschaffen toetbeu soll, die die Friedenskonferenz nicht mehr ohne große Schwierigkeiten z« ändern vermöchte. In Kreisen ber Friedenskonferenz vertritt man bie Ansicht, baß für die Fragen, die jetzt von Jta- lien und Krwchenlanb auf eigene Faust gelöst werben, ein Ausschuß eingesetzt werden muß.
Reue Ayruhen in Stettin. Vollkommenes Durcheinander.
lDrahtbrricht.s
Stettin. 16. Mai.
Gestern mittag ist es wieder zu Unruhen gekommen. Gegen zwei Uhr nachmittags versuchte ein Mann, einem Posten daS Gewehr zu entreiße« und bie Postenkette zu durchbrechen, worauf dn Offizi« den Befehl zum Schießen gab. Die Menge, bi« sich wäh. tenb bes Vorfalles angesammelt hatte, flüchtete. Spät« kam tum b« Stadt her eine Feldküche nnb ein Militärautomobil herangesahren. Kaum hatte die Feldküche bi« Zugbrücke passiert, als dies« hoch gezogen wurde und das Militämuto- mobil, das mH Geweehren beloben war. vor d« Brücke halten mußte. Die Menge fiel üb« das Automobil h« und zerschlug bie Gewehre und warf fit in ben Fluß. Ein Teil der Meng« bewaffnete sich. TW Menge nahm eine drohende Haltung ein. Einige entrissen den Posten die Gewehre, sodaß bald eingrosterTeilder Soldaten nnbewasfnet war. AlLdann flüchtete die Menge über bie Hansabrücke in bie Stadt, wo sie in Häusern Schutz suchte. Zur Zeit he«schi ein vollkommenes Durcheinander in ber Stadt. Man hört überall Schüsse fallen, auch von den Dächern.
Turnen md Spott.
Generalsekretär Diem in Kassel: Leibesübungen als BollSsttte.
Kassel, 16. Mai.
Der junae Kassel« Stadtverband süi Leibesübungen trat gestern mit eine: «Bc« Werbeveranstaltung vor die breite Oef- fentlichkrit. Welches Interesse gerade jetzt Turnen, Spiel und Sport enigegengebrcuht wirb bewies die Attwefenheit von Verttetern der Stadt Kassel — Slavtschulrat Bobritz, Turn Jnspekwr Buchenau, Turn - Inspizient« Köthe und verschiedene Stadtverordnete — sowie Oberstleutnant Müller-Hempfinf vom Jungderttschlandbund im gut besetzt«! V« einshanssaal. Der Vorsitzende des Stadtvev banÄes, Kampmann, brachte einleitend zu« Ausdruck, daß die Turn- und Sport- platzfrage minbeftenS ebenso wichtig ist wie bie Ernährungsfrage, weil ihre Lösuni bazu beiträgt, uns« VoÄ wieber zur Höhe zr führen. Es iff nicht einzusehen. Warum unter Ka sscl in btef« Frage mit an letzter Stelle steht. Anb«e, selbst viel kleinere Stäbte, haben große Auftvenbungen gemacht, um geeignete Sportplätze Mizulegen. unb hi« fehlt es noch an Allem. Erft jetzt Wied« ist ein Platz am Bahnhof mit für Gartenbau völlig ungeeignetem Boden statt für Sport- und Spielzwecke bn kkeingartenmäßigen Bebauung übergeben worben. Die Unterstützung ber Behörden ist, wenn sie sich auch nicht ablehnend »«halten, fo doch nicht d«art, wie sie fern sollte. Der Friede darf uns jebenfalls auf turnerischem unb sportlichem Gebiet nicht unvorb«ei1et treffen. Wenn wir einen Gewaltfreidcrr über uns ergehen lassen tollten, dann rmrß ber Körper für die damit kommenden Strapazen gestählt werden. Lebhaften Beifall fand das Schlußwort: „Wir sind nicht verloren, wenn wir uns nicht selbst verloren geben!* Dann sprach
Generalsekretär Carl Diem
vom Reichsausschuß für Leibesübungen ht Berlin, der ehedem zur Leitung der durch den Krieg verhind«ten Berlin« Olhmpischen Spiele von 1915 berufen gewesene SportSmann. eine Auto- rität ersten Ranges. Nach seinen Darlegungen müssen Leibesübungen Mr Volkssitte werden, wie vor Meiiausend Jahren im alten Griechenland, wo d« als unerzogen galt, b« nicht lesen unb nicht schwimmen konnte. Bei den Lehrer« unb ben Studenten hat dir Ausbildung M beginnen, wenn in die kommende Gen«ation die Auffassung von d« Notwendigkeit d« Leibesübungen getragen werden soll. Don der Zukunft ist zu fordern, daß an jedem Schultag mindestens eine Sttmde shstematischen Körper- übunaen gewidmet wird. Erst dann Werten Leibesübungen zur Lebensgewvhnheit. Größt« Ansmerksonckett ist b« Schaffung von UekmngS. fiätten zirzuwenben. Mindestens drei Quadrat- meter nutzbare Spielfläche sind für den Kops txr Bevölkerung nokwendia. und diese Spiel- flächen M «reichen, darf nicht läng« als eine balde Stunde Wegzeit in Anspruch nehmen. Die städtischen Mttel, die dafür aufgeboten werden, gleichen sich in nicht fern« Zeit durch höheres ArbeitserträgniS und Ersparuna an Straßvoklzngskosten ans. Erst wenn die SPiel- platzfrage fo gelüst ist, daß zur Spielplatz-Ge- nutzung förmlich verführt wird, ist bie Grundlage für
ein großzügiges D«et«Sieben gegeben. War sind V4 Millionen Turn« und höchstens zwei Millionen in V«einen geführte Sportsleute in einem 70 MMonen-Volke! Von unser« Jugend gehören nur zweieinhalb Prozent ben Turn- unb Sportvereinen an. Tas Vereinsleben muß dah« bedeutend gesteigert werden. Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht" noch wichtiger als bie körperliche Ausbildung des männlichen ist die Gewinnung des weiblichen Geschlechts. Ein Sportverein ohne Da- menabteilnng ist — nach Carl Diem — nur der Anfang eines Vereins. Aber auch die „Alten Herren* und die „korrespondierenden Mitglieder aus dem weiblichen Geschlecht* dürfen nicht v«- nachlässigt.werden. MS Mm vierzigsten Lebensjahre ist die Jugendfrische unbedingt zu erhalten. Erst mit dem fünfzigsten Lebensjahre darf vom Wettkampf zurückgetreten und M bloßen LekbesWnngen ubergegangen werden. Vom größten Werte ist die Erringung des deutschen Sportabzeichen-, dessen Erwerb gewisse Höchstleistungen voraussetzt. Wer nicht schwimmen kann, kommt dafür überhaupt nicht in Be-: tracht. Mit dem vierzigsten Lebensjahre kann rntter ben gleichen Bedingungen das silberne," mit dem fünfzigsten das goldene Sportabzeichen erworben werden. Der Red««, der im zweiten Teile seines Vortrages an der Hand zahlreich« Lichtbild« durch das ganze nnrfana- reiche Gebiet d« Leibesübungen führte, erntete lebhaften Beifall. Er schloß mit den Worte«: Die LeibeSübunaen müssen des Menschen Begleiter bis ins hohe Alt« sein. Nur so wird