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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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»n-- 1«. »I M , Mittwoch. 21. Mai ISIS. S. Jahrgang.

Sie deutsche Aulwort an die Entente sertiggefiellt.

Zar Zaargebiet.

Zirm deutsche« Gegenvorschlag. (DrahSerickst unseres Sonder-BerichtcrstaiterS.)

Versailles. IS. Mai.

Bald nach Bekannttverden der Bedingungen dieses Vertrages der übrigens der ftanzosi- schcu P reffe immer noch nicht im Wortlaut vor- liegt schrieb Gustave Thery im .Oeuvre" von der Verlogenheit der Klauseln Wer das Saargrdiet: .Es gibt entweder ein Recht Frankreichs auf dieses Land, bang fort man es nehmen, oder ober es besteht das deutsche Recht auf den Besch deS Saarbeckens, dann ist es stnulos, besondere RogjerungSbeWmmnngen für dieses Gebiet zu treffen." Die sranAöstfche Presse ist bann Wer die Peinlichkeit der Klauseln Wer das Saargebiet hmwegaegtitten. oder' ss« hat sich, wie der »Petit Paristen", verlogene Stim- »MngMerichte aus Saarbrücken melde» taffen, in denen erzählt wird, dass die Kaffees dort eine Stunde später schließen als in Paris und daß der Gedanke der Bevölkerung nur der wäre: .Das Geschäft und das Geld über alles." Aber selbst in diesem zu so durchsichtigem Koeck ge- färbten Stimmungsbild wird festgestellt, »daß die Arbeiter der Saar Frankreich durchaus nicht Reben". Ein weiterer Schluß aus dieser Tat­sache wird jedoch vermieden und die Kohlen- irage zum Schkußpunkt der Betrachtung ge­macht, als ob die Menschen, die dort leben und «beiten, nur Anhängsel der Gruden wären!

Ernsthaft beschäftigt sich gestern Mayeras in der .VeritS" mit dem Problem und kommt zu einem vernichtenden Urteil Wer die Klauseln »es Vertrages. Nachdem er sestgestellt hat, daß der Borwand für di« Besetzung die Lieferung von Kohle für die zerfWrten Bergwerke im Ror. den Frankreichs ist, geht er die einzelnen De- stinnnungen des .höllischen" Vertrages durch. Wenn die Kohle, nur die Kohle verlangt wird, müßte doch logischerweise nach dem Wiederauf- bau der nordfranzSsischen Kohkendistrikte jedes Reckst alts das Saargebiet für Frankreich fort­fallen. Ist davon in diefem Vertrag die Rede? Kein Wort! Selbst wenn das zerstörte Berg- werkSgebiet in Frankreich wiederhergestellt ist, sollen die Saargruben Eigentum, ewiges Eigentum von Frankreich blerben, wenn Deutsch­laich sie nicht mit Gold wiederkaufen kann. Eine andere Frage: Die Deutschen deS Saargebietes werden während sünitzehn Fahren von einer stüns-Männcr-Kommiffion .regiert", die politi­schen und administrativen Rechte Deutschlands gehen während dieser Zeit aus die Kommission über. Die Einwohner werden ohne Unterschied für die Lokalvertretungen wählen können, d, h. sie werden nicht mehr Abgeordnete in den Reichstag (Natnmalverfammikung) schicken, so alS ob sie schon nicht mehr Deutsch« wären! Frankreich hat seine Hand in das Räderwerk gesteckt! Nach Ablauf der fünfzehn Jahre wer­den sich die Einwohner für die drei MogEichkei- ten entscheiden können: AusrechterHÄtung der Ueberganasregierung, Anschluß an Frankreich oder Wiedervereinigung mit Deutschland. Die Abstimmung wird bezirksweise Vorgenommen. Wenn nun aber selbst bei dem Wunsch der Be- vöNerung, zu Deutschland zurückzukehren. Deutschland nach sechs Monaten den Preis der Gruben nickt in Gold zahlen kann (zu einer Zeit, da die französischen Gruben längst her­gestellt sind!), bleibt Frankreich in endgültigem ^Was geschieht nun aber, fragt Maveras, wenn der eine Ort für Frankreich, der andere für Deutschland abstimmt? Außerdem müßte man blind sein, um nicht zu sehen, welche Maß­regln vorbereitet sind, um nach fünfzehn Fah­ren diesen oder jenen Ort für Frankreich strm. men zu lassen, oder den Schein zu erwecken, als ob er für Frankreich stimmte: welche Berech­nung, wenn Deutschland die Bergwerke nun nicht ht Gold zurückkausen kann? Fn Wahr- beit ist nicht zu sehen, wie bei diesem Vertrag Frankreich jemals ferne Rüstungen wird eiü- schränken können. Es wäre sogar unklug, dies zu tun, denn der Saarvertrag ist die höllischste und dümmste Erfindung, von der man träumen kann. Bon ihm wird das Leben Europas mehr vergiftet werden, als von der Gemeinheit BiS- rnarcks. Dabei ist die Heuchelei diesmal größer, die Verfasser dieses Entwurfs sind .Bismarcks ohne sejnen Magen". Den AusUhrungen Ma- deraS', die möglichst wörtlich gegeben sind, ist Wenig hinzuzusngen. Raubgier in Verbindung mit Heuchelei, politische Kurzsichtigkeit und Ein­sichtslosigkeit ht d'e ökonomiststen Verhältnisse, Verachtung des Menschenrechtes und Bruck ge­schlossener Verträge (Waffenstillstand nach Wil sons Punkten) kennzeichnen diesen .Vertrag" über das Saargebiet. Rolf Brandt.

Für Aenderu«g der Bedingungen?

Haag. 90. Mai. (Drahkbericht.) Ein Londoner Blatt meldet aus Paris: Die deutsche Rote über das Saargebiet ist pr mäßigt. Es wird uroeaeben, Mb gewiss« Te;Q

des herrischen Reiches ihrer Bevölkerung noch nicht rein deutsch sind und daß Frankreich ein Recht hat auf Wiederherstellung unb Entschädt- grnrg für die zerstörten französischen Kvhlcn- berxwerke. Dre Deutschen protestieren aber gegen die Loslösung rein beut, scher Gebiete. Ter Korrespondent des Blat­tes hat den Eindruck, daß im Alliierienrat eine Aenderung der Bedingungen bezüg­lich deS Saarbeckens a n sse n o m m e n worden sei. Bei bet Regelung erhalle Frankreich mehr Kohlen, als es verloren habe. Die Kohlen des Saarbeckens stehen Frankreich ohne Zahlung zur Beifügung. Eine andere Bestimmung *« lagt, daß Deutschland an Frankreich soviel Kohlen liefern soll, wie die Gruben in Nord- fraukreich in den nächsten zehn Fahren weniger produzieren als vor dem Kriege. Für diese Kohlen soll Frankreich jedoch bezahlen.

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Siir Aufruf desBorwürts".

Berlin, 26. Mai. (Drahkbericht.) Der Vor­stand der sozialdemokratischen Partei Deutsch­lands, des Begirksverbandes Grohberlin, er­läßt in der heutigen Nummer des .Vorwärts" einen Aufruf, in dem die Parteigenossen aufge­fordert werden, zu einer D emonftratiöus- versammlung am Mittwoch auf dem Wil- Helmsplatz zu erscheinen, um für einen gerech­ten Frieden und gegen die Propaganda der unabhängigen Sozialdemokraten, den G e - toaltfricben unter allen Umstanden zu un­terzeichnen, Stellung zu nehmen. MS Red­ner treten auf Scheidemann, Schröder, Frau Sucharez und Müller.

Sie netten Men.

Überreichung voraussichtlich Sonntag. (Drochtbertchtz .......

Versailles, 20. Mai.

Wie da» berliner Tageblatt" hört, ist die deutsche Antwort ans den Friedensvor­schlag der Entente ferti ggestellt und dürste noch heute durch den Kurier nach Versailles ge- bracht werben. Die Neber gäbe an die En­tente wird voraussichtlich Donners­tag erfolgen. Di« Veröffentlichung der deut­schen Antwort wird jedoch vor Donnerstag nicht möglich sein. Was den Inhalt der deutschen Gegenvorschläge anbelangt, so kann nur gesagt werden, daß sie sich im Gegensatz z« den Frie- bebtitgungnt der Entente eng a» die vierzehn Friedcuspunkte Wilsons anscklietzen.

Die bisherigen Entwürfe find in Spaa in­zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen, Gras Brockdorff-Rantzau, und den aus Berlin *tt diesem Zwecke dorthin entsandten Ministern Dernburg und Wissel sowie dem Unterstaats­sekretär Dr. Töpfer beraten worden. Die drei Herren trafen gestern wieder in Berlin ein.

Unabhängig von bett Arbeiten an bei Ge- samtentgegnung der deutschen Regierung aus die feittbfitScn Vorschläge, werden der gegnerifchen FriedenSdelegatio« m den nächsten Tagen noch »eitere Noten über Einzelfragen des Friedensvertrages zugehen. In der Haupt­entgegnung werden diese Einzelfragen noch­mals eine gemeinsame Behandluna erfahren. Wie «etS mitgete-It wird, stehen deutfche Roten über die Ostfragen, über Elsatz- Lothringen, über den Umfang der deut- fchen Schadenersatzpflicht und über die Behandlung des deutschen Privateigentums im seindlichen Auslande bevor, ebenso eine Ant­wort aus die Erklärung ClemenreauS über die internationale Regelung des Arbeiterrechtes. Die deutsche Note über eine andere Regelung der SaargebietSsrage, die, wie wir mel­deten, am 17. Mai in Versailles übergeben worden ist. soll erst veröffentlicht werden, wenn die Gegner ebenfalls für die Bekanntgabe der deutschen Vorschläge sich ausgesprochen haben.

Plan einer Weltanleihe.

Versailles, 20. Mai. (Drohlbericht.) Ein Manchester Blatt veröffentlicht einen Aufruf zur Gründung eines UntcrorganS der Gesell­schaft der Nationen, das den Zweck, erfüllen soll, alle Hilfsquellen der alliierten und assoziierten Staaten zu aemcinfamem Nutzen Mfammenzu- faffen. Es soll auf diese Weise ein Ausgleich »er internationalen Schulden ge- fchaffen und den weniger zahlungsfähigen Schuldnern ein Kredit eröffnet werden. Die Fi- nanOommission der Gesellschaft soll aus alle Märkte der Welt eine Anleihe bringen, di« von den dem Böllerbund angehörende, Regierun­gen garantiert wird. Die Gesamtsumme, die etwa 125 Milliarden Francs betragen soll, wird mit vier Prv-tnt verzinst und mit einem Pro­zent amortisiert. Die FahreSlast von 6 Milliar­den 250 SiiKionvn Francs soll nicht im Ver- HUtnis der Shukdnr einzelner Staaten ge­tragen, sondern nach deren Zahlungstahigkeit verteilt werk»*. L»»laud und Amerlla u»«.

ten also erheblich höhere Verpflichtungen über­nehmen, als die anderen Staaten, deren M- nauzen weniger günsttg stehen.

Lieber den Inhalt der Gegennote«.

Versailles, 20. Mai. (Drahtbericht). Der Berliner Korrespondent eines Pariser Blattes will von einem Mitglied des Friedensausschus­ses der Nationalversammlung den Inhalt bet deutschen Gegenvorschläge wie folgt erhalten haben: Angebot von Saar- und Ruhr, kohlen, Annahme der Besetzung deS linksrheinischen UferS, jedoch ohne administrative Trennung vom Reich. Freigabe polnischer Gebiete bis zur heutigen De- msrkatioaslinie. Für die weiteren Distrikte wird Volksabstimmung gesordert. Danzig soll deutsch bleiben, nur der Danziger Hasen wird als Freihafen eingerichtet werden. Sodann wird Deutschland eine feste Begren­zung der EntschädigvngSsumme fordern, da fönst ei« Budgei-Uebrrblick für die nächsten Fahre unmöglich gemacht Wird.

Sie Bebergebe der Vorschläge.

Verlängerung der UeberreichungSfrist. (Drahtbericht.)

Berlin, 20. Mai.

In den Kreisen der Regierung hofft man, tote der »Frankfurter Zeitung" aus Berlin gemeldet wird, in der Hauptsache den gestellten Ter­min zur Einreichung unserer Gegen-Vor­schläge «Inhalten zu können. Neben der Gesaurtauiwort auf dir goauerischen Forderun­gen werden noch weiter über einzelne Fragen der fognannnten Bedingungen den Gegnern bssondere Noten überreicht. Eine andere 9JM düng steht dMzcgen eine Fristverlängerung vor­aus. So drahtet der Berichterstatter der »Deutschen Aklgemcmen Zerümrg": Eine Ver- längernng der NeberreichtmgSftoist, wenn nicht um Wochen, so doch um Tage erscheint wahrscheinlich. Sie muß verlängert werden, weA es nach Clemenceaus Worten der beut« ichen DÄogation freffklst, ihre Einwendungen in einem einzigen Dokument am W. Mai abzu- F.icfem. Somit würde die von der Entente dann vorzunehnunde Prüfung eine Fristver­längerung voraussetzen. Graf Rantzau ist mchl der Mann, der von feinem wohlerwogenen Pro. jekt abweichen wird. Gewiß brmrcht man sich nach wie vor keiner trügerischen Hoffnung auf irgend ein Entgegenkommen von Seiten der Entente-Mächte hinzuigeben.

Zusammenkunft der AnterhSndler.

Haag, 20. Mai. (Drahtbericht). Ein Lon­doner Blatt berichtet aus Paris: Es fei mög­lich. daß eine Zusammenkunft zwischen den Alliierten und den Deut schen und zwar in etwa vierzehn Tagen stattfinden werde, falls die Deutschen unterzeichnen winden. Die erste Gruppe des Vertrages mit Deutschland werde spätestens am 15. Juni erledigt fern. Ein Londoner Blatt meldet aus Versailles: Graf Brockdorff-Rantzau hat fein Er­suchen um «ine persönliche Zusam­menkunft mit den Vertretern der ÄMerten erneuert. Ein« Antwort soll erst mit der Er- widerung der deutschen Gegenvorschläge in kommender Woche gegeben werden. Die Hal­tung der Alliierten in dieser Frage ist ungeklärt.

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DMfiiMss der Gesamtnote.

Berfin, 20. Mai. (DrahWertckt). Der oestern nachmittag zusammengetretene Frie- densauSschuß der Rationalversammlung hat bestem Vernehmen zufolge den ihm vorgelegten Entwurf der deutschen Gesamtantwort auf die Fttedenßbedingungcn bet Entente einstimmig g « 6 i I (i, g L

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Die letzte Rote drr Alliierten.

Rotterdam, 20. Mai. (Drahtbericht). Aon- dem er Blatter melden aus Paris: In ded Un- terkonrmiissionrn wird Tag r.ud Nacht gearbeitet um di- Schlrtantwort der Allittrren an Deutsch­land fertig zu stellen. Man rechnet damit, daß die l etz te N ote der Alliierten an den Grasen Brocfiwrff in kommender Woche, voraus­sichtlich am Freitag, f bergeben werden wird.

Einspruch gegen den Frieden.

Rotterdam. 20. Mai. (Dnchthericht). Lon­doner Blätter melden auS Newßork: Siebzehn Senatoren des amerikanischen Senats erhoben telegraphisch Protest bei dem Präsidenten W-lfon gegen die bisher bekannt gewordenen Friedenskedingungen. Das eng­lische Parlanu u wird am 18. Funt den Frie- ^wisvertrag zu verubstbiede» haben.

Reue Meter Proteste.

Kundgebung deS Arbeiter- und Soldatenrats,

Kassel, 20. Mai.

Im Vordergründe der gesttigen Vollver­sammlung des Kasseler Zentral-Ar- beife?x« und Soldatenrats stand bei Gewaltfrieden. Hausch ildt, M. d. L., hielt ein« Rede, die sich in ihren Grundzügen mit denen der später angenommenen Entschließung deckte, während die Unabhängigen den Stand- punkt einnahmen, der aus dem Bericht über die letzte U. S. P.-Dersammlung bekannt ist. In der erwähnten Entschlietzuug wurde zum Ausdruck gebracht: »Das jetzige Friedensange­bot der Entente ist die schlimmste V erge- w a l t i g u n s, die je einem Volke geboten wurde. In flammender Empörung erheben wir _ dagegen Einspruch, daß Gebiete mit Mil­lionen rein deutscher Bevölkerung ungefragt unter fremde Herrschaft kommen sollen. Wn verlangen auch für das deutsche Volk die An­erkennung des nationalen Selbst- bestimmungSrechtS. Mr protestieren weiter dagegen, daß dem deutschen Bolle wirt- schastliche Lasten auserlegt werden, die es selbst bei äußerster Kraftanstrengung nicht tragen kann, und daß ihm gleichzeitig durch ein raffi­niertes KnedeluugSshstem jede Möglichkeit des wirtschafllichen Aufbaus und der Entwicklung genommen wird. Das deutsche Boll weiß, daß cS gezwungen ist, für die Sünden seiner frühe­ren Machthaber zu büßen und dieses Unrecht Wieder gutzumachen. Deshalb fordern wir str unS die Möglichkeit freier Entwicklung unserer wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte in voller Gleichberechtigung mit den anderen Böllern. Die jetzigen Friedensbedingungen find ein Hohn auf Freiheit, Recht und Gerechtigkeit, sie sind für das deutsche Volk unerträglich und unerfüllbar. Ein Frieden nach dicfen Be. Mngtntgen wäre ein Frieden gegen die deutschen Arbeiter, gegen den So­zialismus. Wir rufen das Proletariat aller Länder auf, mit uns zu kämpfen gegen die imperialistischen Gowaltpolitiker der Enteni« für einen dauernden Rechtsfrieden!"

3«t Bürgerbund.

Die gestrige öffentliche Versammlung bei Bürgerbundes sah den gleich stark besetz- . ten Saal des Vereinshauses, wie die vor acht Tagen. In seiner einleitenden Ansprache wies Stadtverordneter Pseisser unter anbernt baiauf hin, baß noch Hunderttausende von Deut­schen im alten Schlaf befangen sind. Dann sprach der Vorsitzende bes Reichsbürger, tat», in dem auch Kassel vertreten ist, ber Berliner Pfarrer Dr. Wessel, ein geborener Hesse. Heute sagte er sinb wir zu ber Er- kenntniS gekommen, daß wir Narren und po- litrsche Toren waren, den Worten eines Wil- fon zu glauben, dessen Völkerbund nichts an­deres ist, alS eine amerikanische Trustgesellschaft zur Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen. Dieser Friedensvertrag, ein Dokument niederer politischer Schamlosigkeit, zwingt Millionen zum Hunger oder zur Auswanderung, macht sie zum Kulturbünger der Welt und der nicht- deutschen Menschheit. So tief gesunken sinb wir noch nicht, baß wir uns mit Lug unb Trug ein wenig Speck und Schmalz mehr ersckleichen, statt ehrlich $u sagen: Unter dieses Dokument kommt nie ein deutscher Federstrich! (Lehhaftei Beifall.) Di« Regierung, die es doch zu tun wagen sollte, die hole der Teufel! (Lautes Bravo!) In dieser EntscheibungSsiunde müs­sen wir uns geschlossen hinter die jetzige Regie- rintg stellen, bie daran ist, die Seele bes brut­schen Volles zu erlauschen.

DaSRein" des deutschen Volkes muß auch das »Rein" der deutschen Regierung werben. In bet Berliner Wilhelmftratze weiß man genau, baß es am deutschen Bürgertum liegt, das beutschc Volk zu retten. In seinen Werteren Ausführungen stellte ber Redner bie Forderung auf: »Gleiches Recht für alle, auch für daS Bürgertum!", und protestierte gegen eine einseitige Klaffenbevorzugung. Das Bur- gertitm hat bisher auch die Gefahr deS lieber- greifens des Bolschewismus überwunden, unb die Entente treibt ein gefährliches Spiel, wenn sie die jetzige Regierung mit Hflfe der kommu- nffti-schen Bestrebungen in Deutschland erschüt­tern wollte. In diesem Falle wird das rote Feuer vom Osten nicht am Rhein Halt macken. Das wäre dann der Zusammenbruch der Welt, bie Götterdämmerung der Welt.vltur. Dem Redner dankte langanhaltender Beifall. Dann forderte Stadtverordneter Pfeiffer von den Tnwefenden, Jeder möge sein Bestes hcrgebeu um dem Bürgertum wieder in den Sattel zu helfen und zufammensteben, damit die Schmach diefes Friedens von unserem Lande adgewäht werden kann, und Dr.Wessel.der nochmals auf verschiedene Anfragen antwortend zu der Versammlung fortab, erbat bad Gelübde, sich