Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 164
Donnerstag, 19. Juni ISIS
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9. Jahrgang
Fernsprecher 951 itttb 952.
Die Schikksalsstunde des deutschen Volkes
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Weimar, 18. Juni.
Heute nacht wurde hier ei« schwerer Putschversuch, dsffea Gelingen van nicht abznsshende» Folgen hätte sei« können, versucht. Ans dem Landgericht brachen 69 militärische Gefangene, hauptsächlich politisch« Gefangene ans unb überrumpelten die Wache am Gefängnis, zogen dann zu der Kaserne «nd brachte« sich dort in den Besitz vo« Waffen und Maschkne«gewehren. Sie zogen da»« zum Schloß mit der Absicht, die dort wohnende» Mitglieder der Regierung zu verhafte«. Inzwischen rückten die Feldjäger an «nd eS kam z« einem schwere» Feuergefecht. Dabei wurde das Schloß «nd die «mliege«den Häuser von etnschlagende« Geschoffe« beschädigt. CS gelang 24 der Ausbrecher wieder t« Haft zu bringen. Die Ruhe ist heute früh wieder hergestellt, jedoch bestudet sich Weimar unter verstärkte« Mili- tärschutz. Ein Gelingen dieses Putsche- wäre das Signal zu eine« ganz Deutschland erfaffende» kommunistische« Putsch gewesen mit de« Ziel, die Regierung z« stürzen und den Friedensvertrag sofort z« unterzeichnen.
Del Richtnnterzeichnung.
Rotterdam, 18. =fomL Mgene DnM. Meldung.) Der Oberste WrischaftSrat hat mit Marschall Foch über die Maßregeln berat» sckssagt, die bei Erneuerung der vlok» kade ausgenommen werden solle«. Sie solle« nicht nur wm Norden her, sondern fie solle« auch im Zusammenhang mit den Tschecho-Slo» waten im Süden und mH den Polen im Oste» durchgeführt werde«, sodaß Deutschland von allen Seite» eingeschlossew wird. Die Hauptpunkte «nd Ziele des vorbereiteten Borgehens der Entente find: L Be- setzung der Produktionsgebiete. 2. Bollkom» mene Trennung zwischen Nord- und Süd» deutschland und 3. vollkommene Einlrei - s » » g von allen Seiten. Die Berliner Entente- kommisstonen treffen Vorbereitungen am Sonn, tag Berkin und Deutschland zu verlassen, falls dann der FriedenSvertrag nicht unterzeichnet ist.
Was Scheidemann sagt.
Weimar, 18. Juni. (Privattelegramm.) In der qssrngen Sitzung des FriedenSau». 1 «hufse S wies Ministerpräsident Scheidemann ernlettend aus die Beschimpfungen Sin, die unserer adrciscuden Friedensdelcgatton zu- ter! geworden find. Zur Antwortnote erklärte er, daß sie ein abschließendes Urteil noch nicht erlaube, es müsse erst der voMändige Tert der feindlichen Antwortnote äbgewartet werden, um eine Grundlage für eine gemeinsame Bera- tuug zwischen Reichsregievung und Volksvertre» tung zu schassen. Die ReichSreaierung und bnS' putsche DE seien vor die Wlg-nschwerste Ent. fcheidung gestellt, und deshalb sei es Pflicht, cherch, wie sich der Einzelne zu der Friedens» mag, mit vollständiger sachlicher Ovjektwltat an diese Entscheidung heranznkre- ten. Niemand dürfe im Zweifel fern, daß «n- 1er VE den schwersten Zeiten entgegengeht.
Pressestimme«
_ Berlin, 18. Juni. fPrivattelegrannn.) Die Berliner Morgenblätter verurteilen einstimmig den Ton der Ententemrtwort. Sie sind snb aber durchaus nicht einig darüber, ob unterzeichnet werden soll oder nicht. Tur Eh cs- redaktenr des »Vorwärts" schreibt: In Wei- nrar hat sich unter dem Druck der Verhältnisse eine Strömung entzvickett, die die Unterzeich- wtng für den taktisch einzig sicheren Ausweg valt. Diese Sttomirng habe aber jetzt nach Wiedergabe der Ententeantwort. dem Ton der Antwort entsprechend, nicht an Stärke zugenvm- men, sondern abgenommen. Wahrscheinlich ist ,run aber aitch, daß sich dir Nationakvenamm- mrng für die Unterzeichnung des Friedensver- traaes entschließen wird. Für die Unter» Zeichnung tritt Georg Bernhardt in der »Dasseschen Zeitung" ein. Man könne im Ernst nicht armehmen. daß eine ihrer Verantwortlichkeit bewußte Regierung die furchtbaren rrolgen aus Deutschland herrufbeschwöreu wird, die die Ablehnung des FriedenSvertrageS haben mußte. Das »Berliner Tageblatt" dagegen schließt sein« Betrachtung mit den Worten: Zeder, der die Zukunft übersieht, kann auf die allgemeine Frage, ob dieser Vertrag, wie er heute iX unterzeichnet werden soll, nur mit emem Wort antworten: Rem? Der .Lokal- a«zeiger" hofft, daß Herr ScheLernmm, dir
IasEnteate-vltimatum.
Weitere Einzelheiten.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 18. Juni.
Das Schriftstück der Alliierten gliedert sich, wie schon mitgeteilt war, in zwei Teile, denen eure umfangreiche Mantelnote beigefügt ist Die Mantelnote und der erste Teil sind im Druck übergeben worden, während der letzte Teil, der dte Veränderungen enthält, ein Exemplar des «rredensentwurfes vom 7. Mai ist, in dem die Veränderungen mit roter Timte eingetragen
.^ie M a n t e l n o t e ist wohl das ungeheuer- lrchste Machwerk, das nach wochenPangen Verhandlungen einem Volke angeboten worden ist. Der erste Teil der Rote beschüstigt sich mit dem £ «I beugen Gegenvorschläge, der feft-
pellt. daß Deutschland aus Grund des Waffen- sitAstandsvertrages einen Frieden der Gerech- Mert verlangen könne. Hier ist einfach Be- schnnpsung anf Bofihimpfung gegen Deutschland gehaust und das Schlmpjworr als Beweis un- teritellt. Es ist merkwürdig genug, von Clemen- ceau, der sem ganges Leben offen der Revanche gewtdniet hat, zu hören, daß Deutschlands Ziel Ed auf Gewalt gegangen Grund des Kriegsausbruchs wird hrngöstellt, daß toti den Balkan hätten kontrollieren wollen und die Gelegenheit benützt hüt» ™1, allgemeinen Krieg zu entfesseln, um der WE pr«Mhe Geietz anfzuerlegen. Alle langst widerlegtem Vorwürfe über unsere Krieg- nlhrung werden aufs neue aneinandergereM.
Der zweite Teil, der Mantelnote geht dann auf dre tatsächlichen Bedingungen, deren Gerechtigkeit dre Schimpfworte des erste« Teils bewiesen hoben sollen, ein. Es wird verlangt,, daß wrr alle am Kriege und seiner Führung schuldigen Demscknr ausliefern sollen, und es ward gefordert, daß Wiedergutmachung bis zur Grenze der deutschen Leiftungsfäb'Skeit geleistet wird. Wenn die Welt unter den Folgen des Krieges leiden muß, so soll es Deutschland an allereruer Stelle tun. Dom den deutschen Kobmiien wird behauptet, daß sie immer un- Attcklich unter der deutschen Herrschaft gewesen irren und daß man Deutschland nicht das Recht, me Einwohner dieser Kolonien zu erziehen, anvertrauen könne. Schließlich sei die inter- nationale Regelung der deutschen Ströme not» wenDig, um den freien Export der au dem Oberlauf d-' deutschen Ströme sitzenden anderen DEer zu gewährleisten Es ist unnötig, dre Einzelheiten dieser Mautelnote aufzu-ählem, er rst unnötig, sich mit ihrem Geist auseinander« znsstzen. Sie ist das schamloseste Machwerk, das man je gewagt hat, einer Ra on, die ihre Be» reittvlll.gkeit zum Frieden mit den mtmensch- kchsten Opfern anerkamrt hat, zuzumuten.
Der Teil d-S Dokuments, der die so genannten $e.r6«fcflrMnae« entzLlt, fff
•wfi» Welt will Ruhe und gegenseitige Verständigung der Völker. Die Staatsmänner, die aus imperialistischen Machtgelüften neue Saat der Zwietracht und des Haffes säen, luden eine schwere Schuld aus sich. Die Entwicklung wird über sie hiuweggchen. Für diesmal ist Clemenceau noch Sieger, Wilson, der Held der Phrase, wnrdc ein stiller und erledigter Mann, den man kaum noch im eigenen Lande ernkt nimmt. Für Deutschland aber heißt die Parole der nächsten Zeit: Dulden und warten Rühmen wir die Versailler Bedingungen an, t» ist es ein furchtbares NnMck für Mjsz Volk, Leipreir wir ab. so bedeutet das wahrscheinlich die ,-serstörnng -er Einheit Deutschlands. Tie Antwort ist schwer, aber sie nmß klar und deutlich gegeben werden. Für das übrige wird die Zukunft sorgen. s D
gesamte Regierung, sowie dir Delegierte« von der Nationalversammlung die Ablehnung die« ses Vertrages verlangen werden, denn die Annahme würde uns nicht einer weniger schlimmen Zukunft entgegenführen, als die Nichtunterzeichnung. Die .Deutsche Tageszei- t u n g", die vom dem Dokument der schamlosen Lüge spricht, hält die Unterzeichnung des F-rie- densvertragrs durch die Regierung den Interessen des deutschen Volkes und seiner Zukunft zuwiderlansend. Die Unterzeichnung würde nichts besser und nichts schlimmer machen, aber den letzten Rest der deutschen Ehre vernichte«. Die .Kreuzzeitung" rechnet trotz der -so- ztaliftischen Bewegung m den Ententeländenr tn absehbarer Zeit nicht mit revolutionären Umwälzungen bei unsere« Gegnern, darum dürfe der letzte Entschluß nicht auf illusorische« lind nnbewiesenen Gerüchten aus dem Entente-' lager cmfgebaut werden. Die .Deutsche Zeitung" beschränkt sich auf den lakonischen Satz: „Mögen sie nur kommen...!"
Französische Stimmen.
Genf, 18. Juni. (Privattelegramm.) Der, ozrallstische Abgeordnete Eachi« Ait tn der .Humanits" voraus, daß die Deüt- chen unterzeichnen werden und daß auch sofort
Unterzeichnung des @rTe» deaS in Frankreich em Regierung».
bei Durchsicht dahin zu charakterisieren, daß diese Verbesserungen vollständig wertlos sind. Das einzige greifbare Zugeständnis ist die Volksabstimmung in Oberjchlesien, deren Wen bei den vorgesehenen Entente-Garantien auch noch zweiselhaft ist. Eine neue Karte tx8 be- tresftnden Gebietes ist beigelegt. Das Saarge- biet bleibt tote bisher fünfzehn Jahre unter nrternatioualer Verwaltung; nur wird der Sitz dieser Verlvattuug nicht, wie cö vorgesehen war, in Paris, sondern im Gebiet selbst liegen. Für EUaß-Lothringen sind keine Beränderuligen
Danztg oleivt weiter vom Deutschen Reich abgetrennt. Es findet sich bei der Erör- ierlmg der Ostftagen der sinnlose Satz, daß ja auch zchon vorher der Verkehr zwischen Qsi- vreußeu und Deutschland in der Hauptsache auf dem Wasserwege stattgefunden habe. Bei der Abstimmung in Schleswig-Holstein fällt die sogenannte dritte Zone fort, wahrscheinlich auf den Wunsch der dänischen Regierung. Die Be- stnnmungen für die deutsche Wehrmacht sind er- wettett. Eine neummonatliche Uebergangszeit ist hier vorgesehen. In dem besetzten reinlichen Gebiet wird eine Ziviloerwaliitng neben dre Militärverwaltung gestellt. Unsere juristi- schnr Sachverständigen sehen diese Aendernng mehr als eine Verschärfung des bisher voeae- s' denen Zustandes an, da bisher noch das Be- strhen der deutschen ZfvKverwalttrng unter dem allnerten Militär nicht ongezweifelt war. J,t den Frassen der Medergutmachmng werden wir di« endMlttge Summe etwas früher erfahren, rot übrigen bleivr es dabei, daß Deutschland einen Blankoscheck unterschreiben soll. Was den Erntritt Deutschlands in den Völkerbund betrtfft, so findet sich eine Erwähnung des Einttitts im ersten Teil der Anttvort und in der Mantelnote. Es wird ausgrfiihrt daß Deutschlaod in naher Zukunft in den Völkerbund ausgeuommen werden könnte und daß der Zeitpunkt seiner Ausnahme von dem Verhalten Deutschlands abhängig wäre. Da aber ^rankrerch int Obersten Rat des Dölkerbimdes ntzt, von denr die Aufnahme abhängt, und da Frankreich schon deutlich erklärt hat. daß es emer Ausnahme Deutschlands niemals ,zustimmen würbe, so ist ztt ernteffen, was von diesem Versprechen zu halten ist. ES ist unerfindlich, warum die Alliierten zur Abfassung dieser Note lechzchn Tage Zett gebraucht haben. Es ist fast alles beim Entwurf vom 7. Mai geblieben.
KommunMcher Putschversuch
Ei« mißglückter Sturz der Reichsregierung.
(Eigene Drahtmeldung.)
Eine Entschuldigung.
Versailles, 18. Juni. (Eigene Draht- merduvg.) Bei bet deutschen Delegation ist eine Rote von (Elementen« eingelaufen, worin das Bebauern über bic Pöbelausschreitungen bei bet Abreise bet deutschen Ftre- dcnHabordnnng ausgesprochen wirb. Der Präfekt des Setne-Departements ist beauftragt worbe«, mündliche Entschuldigungen beim Gesandten Daniel vorzubringen. Der Präfekt Ehaleil unb der P o lizei kornmissar Qu«, baiöe, die nicht genügend Vorkehrungen getroffen hatten, wurden von ihre« Poste» abgeruftm.
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Vor der Entscheidung.
Weimar, 18. Juni (Privattelegramm.) De» Sonderzug mit der deutschen Friedensabovb- nmtg, der am Dienstag um Mtternacht m Weimar eintreffc« sollte, wird erst gegen Morgen in Weimar eintreffen. Ist bett Kreisen der Reichsregieruirg gibt man sich der sicheren Hoffnung hm, daß es geliitgen wird, bis M der am Montag abend ablaufenden Frist zu einet Entscheidung gekommen ztt sein. Die Entente» Antwort ist als eine Sprengung des Waffen, stillstandes aufzufassen, da er automatisch vor» fällt, sobald die auf Montag verlängerte Frist abgelaufen fit. Die gestrige« Beratungen de» Kabinetts haben noch keine Stellungnahme der Retchsregierung zu den Bedingungen der Entente gebracht. Der Beschluß de» Kabinetts Wi ausdrücklich ausgeschoben worden, bis die Rä- tionalversammlung gesprochen haben wird.
Was nun?
Dte Verantwortung der Stunde.
Je mehr man sich in den Text der sogc- ftannfen Ma ttelnote der Entente vertteft, desw mehr kommt man zur Erkenntnis, wie weit dieser Frieden von Clementeaus, nicht von Wilsons Gnaden von einem wahren Gcrechttgkeits- frieben entfernt ift. Schon die Begründung der Austechterhaltrmg all der wahnwitzigen Forderungen zeigt den nackten Haß- und Ser» nichtungswillen der Gegner Teussch- lands. Irgendwelche Mühe, ausgestellte Be- hauptu-vgen zu beweisen, gibt man sich gar nicht, man wiederholt sie einfach und Tentsck,land hat sich damit abzufinden. .Wenn es Euch nicht Paßt, dann hat in sieben Tagen Marschall Foch das Wort." Das Gelöbnis Scheidemanns bei Eröffnung der Rationalversammlung ttn Mai, für den Fall, daß der Feind an feinen Bedin- öunsen nichts Erhebliches nachläßt, stehe es fest, daß die Regierung nicht unter schreiben würde, mußte nun eigentlich eingelöst werden. Niemand wird behaupten wollen, daß irgend ein erhebliches ZuaeWndnis in dem abgeänderten Entwurf enthalten fei.
Man könnte Clemenceau und seinen Leuten wohl kaum einen größeren Gefallen tun, als Unterschrift glatt zu verweigern. In dem- sewen Moment wäre die französische Politik end.ich am Ziel ihrer Wünsche. Sofort würden alle Voraussetzungen des Waficnstillflandes automatisch außer Kraft treten und die Entente brauchte sich auch nicht mehr an ihre Vorschläge gebunden zu Werf. Man wäre dann endlich soweit, Deutschland in aller Ruhe zerstückeln uno zu emem ohnmächtigen Staatsgebilde herabdrucken zu können ' Das Spiel der GeuerÄe Mangm und Gerard im Rheinland und der Pfalz Wurde sich bann in Hannover. Bayern, Baden und Württemberg in verstärktem Maße Wiederholen, em gewaltiger Keil zwischen Norden und Süden gettieben. Diesmal vielleicht mtt m^r Erfolg, und von Preußen würde man nicht viel mehr übrig lassen, als bestenfalls die Provmz Brmtdenburg. Was die Koalition Maria Theresias und des Grafen Kaunitz gegen das Preußen Friedrichs des Großen ver- gebens erstrebten, 170 Jähre später hätte es H-rr Georges Clemenceau, den man bis vor kurzem m Frankreich den Tiger nannte, erreicht.
Natürlich- gibt es bei uns noch viele Leute, Mc auf irgendein Wunder hoffen. Wo soll das h-ttommen? Unsere Armee ist entwaffnet, ihre bost-st Geschütze, Maschinengewehre, Minenwer- fcasind abgeltefen, unsere Flotte liegt im e>tg° lrsch-n KnegShaftn Scapa Flow Was man uns übrig lteß, retcht knapp zur Unterdrückung d« tmteren Unruhen aus. Wohl wäre gegen d« Angriffe bei polnischen Armee Haller, die wtr in liebenswürdigster Weise selbsr in ihr AusmaAhgelaitde transporterten, ein ansäng- Itdier Widerstand nicht ganz aussichtslos. Aber "Ur so lauge, bis die Entente nicA ihren Ver- bund-ten 3U ytlfe eilt. Oder glaubt jetzt noch jetnartb an Weltrevolution oder Gene- streik zu unferen Gunsten. Die französi- ichen Arbeiter wissen ganz genau, daß die Mil- liarben, tue Deutschland bezahlen soll, von ihnen weniger ausgebracht werden müssen. Sie sind »Kl m nüchterne Rechner, um sich in das eigene fleisch zu schnerden aus bloßer internationaler Solidarität. Wre die wahre Meinung eines Tells der unteren VEsschchten in Frankreich K'drfben dre Pobelerzesse bei Abfahrt der deut- Men Delegation in Versailles zur Genüge er- wresen Memt vielleicht irgend ein Illusionist ernsÄich, daß dl- große Masse des ftanzösischen oder britischen Heeres den gefahrlosen militärischen Spazrergang nach Berlin jetzt in der schöner ^ahreZzett scheuen werde? Unterzeichnen » 51,1111 sind wir, wie schon gestern
ausgeführt, in vierzehn Tagen ohne Kohlen UNS Elsim, ohne Gas und Elekttizität. Der Verkehr . muß gänzlich eingestellt und die inzwischen gereifte Ernte kann nicht geborgen und nicht gemahlen werden.
„ Dios alles werden sich unsere Minister ustd Lollsverttetsr in Weimar klar und nüchtern vor Augen fuhren müsse», ehe sie ihr Ja oder Rem ausfprechen. Glaubt jemand, unserem VE noch euren Ausweg oder einen Fingerzeig der Rettung geben zu können, so mag er es setzt tim. Aber wir fürchten, daß dre einzige Hilfe in der Zukunft liegt. Die 9eit in» das langsame Wiedererwachen des Völk-'r- gervsssens wird für unS arbeiten wenn der Dknt- und Vernichtungsrausch aLnählich wieder gesunden. Erwägungen Platz macht, wenn man allerorten in der Arbeit das Heilmittel für die tiefen Wunden erkennt, die der Krieg den Ländern Eurovas g-ftblagen hat. Es kann noch Jahre darrern. bis diese Wastdlung eintritt, und das deutsche VE wird blutenden Herzens noch viel Bitteres bis dahin erleben müssen, aber kommen wird der Tag. an dem das unnatür. ftche Gebkkde, bas sich der .Frieden von Ver- WSM‘ nennt, wie ein Kartenhaus zusammen-