Einzelbild herunterladen
 

Mer Neueste Nüchmhteu

Kasseler Abendzeitung

Lt, tefieUr Sltuefiw Slachrtchr« erfd;einen wöchentlich fetMmal unb »war abend«, »er ebannementeprtl« beträgt menclL 135 «Bert bei freier SttfteBintg in* San« Bestellungen werden leberjett von der «efdiäftlRetle eher den Boten entgegengenommen, truderet, Verlag und Redattiou: Schlacht-ofstraste 28/80. Rur unuertangi emgefanbte Beiträge tann die Redaktion eine Verantwortung oder Bewähr in keinem Falle übernehmen Rücktadlung de« Be-ug«geide« oder «nipestche wegen einziger nicht ordnunggmästiger 8te erung auigefcbioffen

M.l -

Hessische Abendzeitung

gnferttengpretre: Di- »eb«gespaltete Seite für einheimische Geschäfte W Pf», für «g. reärttae Enjeigen V> Pf. Settrnnefeile für einheimische Geschäfte 75 Pf, für auswärtige BeschSfte 1 DH «insache Beilagen werden mit 5 Mark pro Tausend berechnet, alle« mit SO*, Teuerungs-Sulchlag, «et Uedermittlung oon Anzeigen ans teleph. Wege nrtrb für durch Hör­fehler bewergerufene Jrrtüme/ketnerleiHaftung übernommen. Für die Aufnahme oonAnzeig« an befttinntten Tag« ober PUchen wird , Zt. keine Sewähr geleistet, »eschäftsstelle: »ötn-Str. 5

Rümmer 168.

Fernsprecher 951 trab 95*.

Dienstag, 24. Znni 1919.

Fernsprecher 951 rmd 952.

9. Jahrgang.

Sie lluteyeichmmg des Zriedensverkrages.

Die deutsche Kriegsflotte versenkt.

(Eigene Drahttnelbuna.)

Amsterdam. 23. Sunu

DemTelegraast wird aus London gemel­det unter« 2L Juni: Heute mittag haben die Deutschen <m Bord der internierten deut­schen Kriegsschiff« in Scapa Flow

Stelle eigene Nachrichten noch nicht vor. ES wird nur verstchert. daß die In der Scapa-Bucht herrschenden Seeverhältnisse eine Hebung der Schiffe unmöglich machen, da di« Schiffe durch die starke Meeresströmung in kürzsfter Zeit völ­lig zerstört sein «erden. Auch die aus Strand ae- setzten Fahrzeug« würden bei der selstaen Be- sllmsfenhrit der Lüste kaum zu retten sein. Dl«

Ier Friede».

Da- Fa der Nationalversammlung.

(Telegraphische Meldung.)

Weimar, den 23. Juni 1919.

In der gestrigen Sitzung der National versammluug wurde der Antrag Schulz- Gröber:Die Nationaiversamm luita ist mit der Unter-eichnnng des Fried ensvertrasse» «inverfta«' aen" in namentlicher Abstimmung mit 237 gegen 138 Stimme« bei fünf Stimmenthal- «trugen angenommen. Reicksrnnster- iräsident Bauer erklärte, Ne Regierung wurde di« Bollmacht zur Unterzeichnung in olgeNder Form geben:Die Regierung der deutsch«, Republik ist bereit, vrn Friedens, »ert-aa zu unterzeichnen, ohne jedoch damit anzuerkeunen, daß das deutsche Bott der Ur­heber des Krieges sei, und ohne eine Ber- vflichtunq nach Artikel 227 bis 230 ftu über- »ebmen. Dieser Arttkel betreffend di« Ab- vrteilung des früheren Kaisers und di« Aus­lieferung anderer deutscher Persönlichkeiten vurde als Siertrauensvotum Mr die Regie. Wfl mit 236 gegen 89 Stimmen bei 68 Stimm­enthaltungen angenommen.

Fast genau nuferer ZahreufchLtzung in der Ionnabendnummer entbrechend isst die Ent. scheidrma in Weimar gefallen. Mit rund 100 Stimmen Mehrheit wurde die Unterzeichnung des GelwaltfrieLenS von Versailles gnrgehei- 6«t. Die Entscheidung in dieser schwersten Stunde nnseves Bottes ist gewiß manchem deutschen Mann nicht leicht geworden. Nie» darf einem BottSgenoflen daraus einen Sorwu-rf machen, wie er sich diese Gewissens» fraae beantwortet hat. Der Friede von Beo- sailles ist kein wirklicher Friede, weis er ein Diktat--, ein GewEsviede ist!

Die ganze Welt soll es hören, daß wir uns mit diesem Frieden nie und nimmer abstnden werden! Unter vorgehaltenen Revolvern und Schlachtmessern hat man von uns die An­nahme emer wahnsinnigen Ausgeburt von Haß und Rache erzwungen. Nur der Gewalt weichen wir!

Wir haben volles Verständnis dafür, daß man endlich, wenn dar Herz bei dem Ent- ichkusse auch brach, um den Preis furchtbarer Opfer willen dem seit 5 Jahren unsäglich ge- gustlien Volke Ruh« und Frieden wieder zu- rückgsben wollte. Daß man nicht die Perant. wsrtuna dafür übernähmen zu können glaubte. Hundsrttaussnde, ja Millionen, deutscher Dokks genossen, di« dank der Heldeumütigkeit und der Opferberertschaft unserer Söhne und Brüder toi Felde 5 Fahre lang von dem un­mittelbaren Kriegsschrecken verschont gebL-eben sind, den Grausamkeiten eines unter brutalem Kriegsrecht einmarschierenden Feindes preis« zugeben. Denn Über ttveierlei darf man sich nicht täuschen: Der Feind, der jetzt ins Land käme, käme nicht unter dem Zeichen des Waf- seusttllstandes, der immerhin ein hawer Friede isst. Er käme vielmehr unter dem Zeichen eine­in seiner Härte unumschränkten KriegS- t echts ! Und zum Kveiten: Dieser Feind, der ungeduldig an Deutschlands Tor pocht, würde deinem S-egersnut und seiner Dr-iumphgebSrde mahrlich keine Ziegel anlegen! Gerade dieses, » der Feind unter dem Recht des Krieges unmarschiert, daß die oberflächlichen Hoff» rungen auf bessere Ernährung eitel Wahn sind, weil im Zeichen des Krieges dem unterwovfe- >en Lande und Votte nicht nur Lebensmittel ÄeÄaffen, sondern vielmehr alles Verwert­bare tm Wege von Requisition und Kontri­bution hinweggenommen wird, gerade dieses Fürchterliche wurde viel zu wenig beachtet!

Da sich kein deutsches Heer mehr zum Kampfe stellt, hätten die Feinde unbehindert ihren Spaziergang nach Belieben fortsetzen sännen. Ihr Krieg mußte sich mit den ans den Bergen und Feldern weidenden Ochsen- Rtn- oer- und Schafherden abspielen. Die bWben» den deutschen Muren, die gerade jetzt des deutschen Polles Nahrung tragen, würden der Verwüstung preisgegeben, unsere Wälder wür- den ausgedolzt, unsere Fabriken zerstört Wor­ten fein. Und mm kommt die entscheidendste Frage: Ware nach dem feindlichen Einmarsch -in besserer Fried« zu erwarten gewesen?

Rach Prüfung aller nur denkbaren Mög­lichkeiten muß diese Frage fester verneint werden. Wir haben es von feindlicher Serie

plötzlich Me deutsche Flagg« gehißt worauf sie die Schiff« versenkten. Alsdann schwam­men sie ans Land. Alle Kriegsschiff« und Schlachtkreuzer stich gesunken mit Ausnahme der Baden", welche noch treibt. Wie gemttdet wird, sind auch fünf leichte Kreuzer gesunken, wäh­rend drei andere von Schleppbooten auf Strand gesetzt wurden, was auch mit 18 Torpedojägern noch geschehen konnte, vier andere treiben noch, die Übrigen sind in der Tiefe vrschwunden. Rach einer Reutermelduna sind der deutsche Vizeadmiral und die meisten deutschen Beman­nungen der Schiffe an Bord englischer Schiffe unter Bewachung gestellt. Einige Boote der Schiffe weigerten sich. *u halten, worauf Befehl zum Feuern gegeben wurde. Eine kleine Anzahl Deutscher wurde getötet und verwundet. Ein Telegramm aus Edenbnrgh berichtet, daß be- retts eine Regelung getroffen war. um die deut» sch« Flotte am Montag zu konfiszieren, wenn der Fried« geschlossen würde, di« deutschen ve. mannungen der grfunkenen Schiffe sind jedoch durch iHv« Handlung den Tatsachen vorauSge- gange^

Berlin. 23. Juni.

Ueber die Versenkung der Kriegsflotte in der Seapa Bucht liegen an hiesiger amtlicher

scheidenden Punkt diesen Frage: Dos deutsche Voll hatte nach der fünfjährigen Leidenszeft nicht mehr die mater-elle, aber auch nicht mehr die moralische und seelische Wederstandskvaft, um die letzte schwere Prüfung $u bestehen.

Es gibt keine einzige Partei in Deutschland von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, bie nicht davon überzeugt ist. daß mit diesem .Frieden* dem deutschen Dolle die tm» geheuevlichste VevgewaltWtng angetan wird, die je ein Doll in der Geschichte erlebt hat. Und auch darüber gibt er nur eine einzige Stimme in Deutschland, daß dieser Friedens- vertvag unerträglich und unerfüllbar ist! Un­seren Fetttoen rufen wir den römischen Rechts- satz in die Erinnerung: JmPostibittum nulla obligatio, für UnmSgfiches gibt eS keine Ver­pflichtung!

Di« Feinde haben hochmütig .das letzt« Wort* für sich beansprucht! Aber nicht sie, sondern die Weltgeschichte wird es sprechen! Die Weltgeschichte wird auch über das er» zwungene Schuldbekenntnis des deutschen Vol­kes in vielleicht kürzerer Zeit hinweggshen als die Feinde es ahnen! Und wir alle hoffen e« zn erleben, ja wir sebnen uns inbrünstig nach dem Tag, an welchem cs sich erweisen wird, daß dieser .Friedensvertrag* wirWich nichts anderes ist als ein Fetzen Papier!

9a» neue Ministerium.

Ein Kabinett Dauer. sPrivaETelearamm.)

Weimar, 23. Juni.

DaS ttette Reichsministerium setzt sich folgender­maßen zusammen: Präsident des ReichSministe- rinmS Bauer, ReichSminister des Auswärti­gen Hermann Müller. Inneres Dr. Da» vid. Vertreter des Reichsministerpräsidenten und ReichSminister der Finanzen Erzber­ge r, Reichswirtschaftsminifter Wissell, SkekchSarbeitsminister Schlick», ReichSschatz- minister Maier-Kaufbenren. Rsichs- postminister GieSberts. Reichsverkehrsmi- trifter und weiter betraut mit der Führung des ReichskolonralamteS Bell, Reichswehrmini­ster R o S k e, ReichSernShrungsminister Schmidt. Reichsjustizminister bleibt offen. Unter den Ministern befindet sich ein Batzer (Maiers und Nvei Württemberger (Schlicke und Errbergcr).

deutschen Schiffe standen unter dem Kommando des Konteradmiral» von Reut er. der sich aus dem FlaggschiffFriedrich der Große" befand. Die Fniernierimg der Mannschaften, die bie nicht verlassen durften, hatte die Stimmung sehr ungünstig beeinflußt und da» monatelange Zusammenleben an Bord die so­genannte PanzerplattenkrankheU erzeugt. Di« Engländer verhielten sich anfangs ziemlich loval. biS ein kommunistischer Putsch an Bord de» Flaggschiffes eine Aenderung herbeiführte. Da trat die engttsch« Admiralität ein. ließ die Funkenanlagen sämtlicher Schifte abrüften, schickte bie aufrührerischen Mannschaften nach Hanse unb stellte die Zurückgebliebenen unter strenge Kontrolle. Die Stimmung gegen Eng- land wurde infolgebeffen unter den Matrose« immer erbitterter. Daraus mustetten die Eng­länder weitere tausend Mann ans und schickten sie na» Deutschland zurück, wo fit vorgestern angBommen sind. Da» alle» hat wohl dazu beiaetragen. in der Besatzung den Entschluß reifen zu lassen, die Kriegsschiffe der Besitzer- areifuna durch die Entente zu entziehen. Zur ft,e*k-rck">y> »s die B-nenlncken zu öff­nen, doch ungewöhnlich gute.«anstrnftion der deutschen Schiffe bewirkte, daß st« sich noch ftnn. denlang über Wasser hielten und die Engländer erst sehr spät mertten, was vorging.

Vaterland treffen könnte. Die ist überzeugt. daß ein besserer Frieden hätte erreicht wer­den können, wenn die Regierung das Unan­nehmbar dem Feinde gegenüber mit innerer Geschlossenheft und folgerichtig vertreten hätte. Dieser Frieden ist nach der einmütigen lieber« zeuqung der Fraktion unerträglich und uner­füllter. Er ist und bleibt nach Ansicht ihrer übergroßen Mehrheit unannehmbar. Deswegen scheiden wir auS der Regierung aus und eS kann bei dieser Sachlage kein Mitglied unserer Fraktton in die neue Regierung eintreten. Die bisherige Koalition hat ihre dringendsten Aus- gaben erfüllt. Die werteren Aufgaben, die sich die bisherige Regierungsmehrheit gestellt batte, werben wir fördern. Zur Mitarbeit im Rah­men unserer Grundsätze sind wir auch in Zu- kunft bereit. Opposition schlechthin liegt uns fern.

Folge« der Friede«sentfchNeß«ng.

Weimar. 23. Funi. (Eigene Drahtmeldwrg.) Fnfola'e des Beschlusses, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, haben auch der Unterstaats­sekretär tot Auswärtigen Amt. Freiherr Lang- toerrb von Simmern, unb andere Beamte des Auswärtigen Amtes ihr AbschftdSgefnch einge­reicht. Die in Weimar anwesenden finan­ziellen und wirtschaftlichen Sach­verständigen der Friedensdelegatton ha­ben infolge der Stellungnahme der neuen Re­gierung zur Fridensstage sämtlich ihr e Ma tu bäte nieder gelegt.

Besetzung Wiens.

Wien, 23. Funi. (Eigene Drahtmeldung.) Wie die »Reu« Zeit* aus hiesigen Entent estei- fen erfährt, iftdie Entente entschlossen. Wien iu besetzen, und zwar durch zwei italienische unb eine französische Division. Diese Maßregel sei notwendig geworben, da die un­garische Räteregierung angeblich einen Vor­stoß gegen bie Bahn Sunbachnv^Oderberg plan«.

Ml. W

Von der Nationalversammlung.

Weimar. 23. Fmti. (Eigen« DrahtmeL- dnug.i Di« Bcrhanblungen der Ra- tiontckversammlung werden voraus- siMktzh bi« Ende dieser Woche dauern. Di« beiden Mehrheitsparieien haben in ihren Ge­trennten Fraktionssttzungen ihre Mitglieder aufgefordert, unter allen Umstünden in Weimar zu bleiben. Jedenfalls will man eine auch nur augenblickliche Ucberstimmung der Regie- ntttir -n der setzigen kritischen Lage durch dl« geschlossen aufgerückten Gegenpattelen unmöft- li» machen. b3ie zuverlässig verlautet, soll auch nach d-r L.lterze'chmmg des Frieden», vertrage» durch die neue ReichSrqierung eine Milderung bezw. Aushebung der nicht durch, führbaren Bestimmungen be« FriedenSvertro- «eS anaestrebt werden.

gehört, daß sie, wenn dieser WaftensttWaud einmal gebrochen ist. die Grundt^gen. dl: $u fernem Äbs<k>lich «efitort habe», nicht tnrNr an» erkennen würden. Wir würben daher einet neuen "niedenSvertrag vorgelegt erhalten, der die Uugebeuerkichfeften des fetzigen noch über­bieten und tmS noch weitere territoriale Opfer kosten würde. LaS muß man klar und »üch- xta artsiv rscöen. ebenso wie den zwefteu «ü-

Eine demokratische Erklärung.

Weimar, 23. Zmtt. (Telegr. Meldung.', Die Fraktton der Deutschen demokrattschen Partei hat einmütig eine Erklärung be­schlossen. in der es tt. a. heißt: Di« Fraktton hält den uns angessnncnen Gewaltfrie- deu für da» größte UnakLck. das unser

Ser Schicksalstag.

Das3»" der Nattoual Versammlung, f tDnchchericht.)

Weimar, 22. Juni.

Der schicksalssitzweve Sonntag des deutsche» Bottes ist da.

S U'hr morgens: Die Absperrung unseres Nationaltheaters beginnt. Sie wird vollzögm von Poliizeikommandos. Truppen sieht matt sehr wenig, doch stehen sie in allernächster MH» m unmittelbarer Bereitschaft.

10 Uhr morgen,S: Im Nationaltheater tagen die Fnckttonen. Die unbeschreibliche Er­regung der letzten Stunden ist matt gedampst; dennoch ist dis Spannun« aus eine gewaltig» Höhe getrieben.

11 Uhr morgens: Die Wandslgärvgi und Säle des Nattonaftheaters gleichen eilte« Bienenkorb. Die Tribünen füllen sich. Dio Spannung wächst.

3412 Uhr: Die Tribünen stod KberMt.

12 Uhr mittags: Ms erste Abgeordnet« betreten die Mitglieder der Rechte« das Haus. £vn breitem Kranz sammeln sich hinter der Prä, sidententtibüne die Abgesandte» der Reichs» Sinter unb Behörden, unter denen sich auch viel« Mitglieder namentlich der Sachverstäridigen-Ad. teilungeu aus der Versailler Frieden-sdelegatton befinden. Langsam nehmen die Minister und Vertreter der EinzMaaten ihr« Plätze ein. Die Mehrheitsfozialisten betreten ^schlossen den Saal. Ihnen folgen die Demokraten. Lin ge­waltiges Gesumme erfüllt da» Haus Der neue Reichskanzler nimmt von seinem bekannten Eckplatz Besitz. Gleichzeitig schrillt di« Klingel durch das Ha:S. Auf der Ministerbank sitzt ftrik» Laue! ErzLtzrger vr-.»< :....,. ih« j Minister de» Auswärtigen, Müller. Ihm zm Seite sitzen die anderen Minister.

12 Uhr 20 Min.: Präsident Fehrenbach schwingt die Glock. Totenstille tritt em. Nach kurzen, geschäftsmSßigen Mitteilungen wird dann dem Ministerpräsidenten Bauer daS Wort erteilt. Er toitftatiert unter lebhai- ter Zustimmung des ganzen Hauses die helle Empörung deS gesamten Bottes über diese Friedensbedingungen. Deren Annahme ober Ablehnung dürfe jedoch nicht zur politischen Sache gemacht werden. Bauer erhebt unter Tawftofer Aufmerksamkeit des Hauses Protest gegen diesen Mt der Gewalt und der Vernich, tung, Protest gegen die VerhShmrug des Selbst» bestnnmungKrechtes und gegen die neue Be. drohumg des Weftftiedens. Deutschland werde sich verpflichten, die übernommenen Bedingun­gen nach bestem Gewissen zu erfüllen, aber jetzt schon müsse rücksichtslos Klarheft darüber herr­schen. daß View der Auflagen das Matz dessen überschreiten, was Deutschland überhaupt leisten tonn. Deutschland lehne e» insbesondere ab, sich als den alleinigen Urheber des ÄtiegeS zu bekennen, und es kann mit seiner nationalen Ehre die Forderung der Auskiesenrng Deutscher nicht vereinbaren. Bon der Weltrevo­lution hält Bauer nicht». Er appelliert an daS sittliche Bewußftem be» ganzen Bottes. Die Mehrheit spendet ihm Beifall. Die Min- derhett verharrt in tiefem Schweigen.

Abg. Löhe (Soz.s: Wie auch die Rational, Versammlung entscheidet, nicht nur uns, sondern auch unseren Kindern und Kindeskindern wird ein bitteres Schicksal beschieden sein. Materiell verarmt, moralisch niedergedrückt, geistig gefess fett, sieht das deutsche Bott vor den Toren des Friedensverttages in die dunkeWe Zukunft vol- fer Sorgen und Leiden. Niemals wird die Schwst» an diesem Kriege ausgelöscht werden. Wenn wir dafür sind, dah der FriedenSverttag unterfertigt wird, so nur um deswillen, weif wir noch Fürchterlicheres ahnen, falls er von uns abgelehnt wirb. Mit schwerstem Herzen, nach unausgesetzten Verhandlungen, nach reif­lichster Prüfung aller Folgen haben wir uns doch zuletzt entschließen müssen, dieses Friedens- htTtruntettt Hinzunehmeu. Der Kapitalismus mid der Imperialismus haben diesen Krieg hervorgerufen. Wir sind der Ueherzeu- gung, daß auch bie Feinde m der Erkenntnis gelangen werden, daß viele Friedensbedinaun- gen nicht zur Tat werden können. Wir verlan» gen, dach die Regierung nnt der früheren Un- w^rbaftigckett tot Verkehr der Völker endgültig iva »rHastigkeit tot Verkehr der Völker bricht.

Äog. Gröber (Ztt.st Die Zentrums« ftaftien fttonut der Erklänmg der Regierung S*. Sie wird die neue Regienmg unterstützen. Für diese Stellung des Zentrums ist entschei­dend der Gestchtspunft, daß wir einen neuen Krieg unter cÄen Umständen vermeiden müssen. Wir sind auch heute noch von der Unerträglich­keit und Unerfüllbarkeit der vielen Bestimmung «en des FriedensvertrageS fest überzeugt, und wenn wir unsere Zustimmung altSpirechen. so kann da» nur bedeuten, daß wir bie Vervflich tnng übernehmen, soweit menfchenmögKch, bie fen Bettraa durchztrführen. Unsere Zusttormui'« nx bm Verwaa aber finfcet eine (Sretse: Du