Kasseler Neueste Nachrichten
Kassier Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 172.
Sonnabend, 28. Juni 1919.
RernfrttAer 951 und 951
9. Iahßganq.
Fernsprecher «1 und 951
Irie-ellsullkerschrifk am Sonnabend nachmittag
rwch mtübersebbar. ES scheint, älS
Tumulte in Luudsberg
den ist do« db sreuide
Der Reichsminisier RoSke fort ferner eine Verordnung erlassen, wonach eS den im Eisen, bahnbettieb bef<6äftifiten Personen verboten ist. dir Arbeit niederzuleaen oder ne verlassen, wenn er nicht den Beweis der Arbeitsunfähig, feit erbringen könne. Der Befehl gilt nur fftt den Befehlsbereich in den Marken.
ditferttonepretfe $te nebengetpeltete Zelle für einbetmtfdbe »«bdfte 80 *fg„ für ast. »Örtiae Sn^etge« SS Pf. ReLamszell« für eteletmif*e »«schäfte 76 Pf, für auimärttge ®«f<5cfte 1 DU «ixssch« »«Lagen roerben mit 5 Mark pte Taasend berechnet alle« nrtt 50”/. T«l-rung«.ALchlag. Sri NebermtNIlwz r <m Anzeige» auf teleph. SBeg« wirb für durch Hör' feitet fienwrgerufet« Irruimer keinerlei Häftling übernommen. Für bi* üteifnabme vonAn-.rigen an bestimmten tagen aber Plagen rotrb j. Zt. kein« SewShr gekeifiet. »eschSft?!t«lle: »Sin.Str. 5
Die Nationalversammlung.
Berlin, 27. Auni. (Eigene Drahtmeldung.) Der Deutschen Allgemeinen Zeitung wird von inständiger Seite die Nachricht, die ReichSre- (tienntfl beschäftige sich ernsthaft mit dem Ge- danken, die Arbeiten der Nationalversammlung für beendet zu erklären, als unzutreffend erklärt. Die Nationalversammlung wird am Dienstag, den 1. Seit, wieder in Weimar tagen und sich sofort mit dem Berfas» ungSgesetzentwurf bcs-häftigen. Außer, dem soll noch vor Beginn der Sommerpause, die Ende Suli beginnen wird, die erste Beratung der Steuervorlagen statt- sinden. Ob während der Sommerpause der
Auch Frankfurt a. 9.
Frankfurt a. O.. 27. IUni. (Eigene Draht» nrÄdung.) Nachdem bererts m den gestrigen Morgenstmtden auf dem Obst- und Gemüse» markt Plünderungen vorgekonrmen waren, zog die Menge am Abend nn Anschluß an eine Dersamuflung der unabhängigen Sozial- demokraten vor das Gefäugnis und befreite Amtliche Gefangene. Ist der Stadt plünderte und zerstörte die Menge Warenhäuser und gäben, sowie Restaurationen und SteffeeiL
S.ie Ättffetet St es« fit» Nachrichten erscheinen wöchenllich fech«mal und zwar abenb«. Ter Äbrnmeeientlpre« betrügt »eeafl. USO Mark bet freier Zustellung in« Hau» Bestellungen »erben jederzeit non der »efchüftsstelle ober den Boten entgegengenommen Druckerei, »ertag tmb Redaktion-. Lchlachthokstrabe 28/80. Für unnettonat eingefanbte Beitröge tarnt die Sebaftton eilte Bermitwortimg ober Se-vübr in keinem Falle übernehmen. Rückzahiungbi« Bezug«gelbe« ober Ansprüche »egen etwaiger nicht orbnungsmüstiger Sie’erung aurgefchlost-n
RacheplLue.
BerfailleS. 27. Surei. (Privattekefiramm.) Mehrere Debütierte haben in der Kammer eine Restitution eingebracht, in der sofort ersucht wird die möglichst rasch« Aerstörnnfl K5 auf den Höhen oes NiederwalLeii errichteten Denkmals zu fordern. Gz soll dies eine Züchtigung Deutschlands für die Ver. senkung der Flotte und die Verbrennung der französischen Fahnen sein.
Vorbereiteter Putsch.
Berti«, 27. ftzurri. (Privattelegranmr.) Nach . Ansicht der Berliner leitenden Stellen handelt es sich bei den Hamburger Vorfälle» nicht um eine Eknzelaktion. sondern um den wahrscheinlich vorzeitig ausgebrochenen Beginn eines für ganz Deutschland geplanten Unternehmens. Die Operationen unter der Lei-
üuterzeichuung am Sonnabend!
Bersaillcs. 27. Funi. (Eigene Draht» Meldung.) Der oberste Rat der Alliierten hat besMoffen. die llnterzeichuung des Friedens Vertrages auf Sonnabend nachmittags 3 Ubr fest,»setzen Die Vermachten der deutschen Detegatton werden am Sonnabend vormittag geprüft werden.
. femente bei den Ausschreitungen die Führung übernommen haben.
Da« kommt davon.
Amsterdam. 27. Juni. (Privattckle. gramm.) Infolge der Nachrichten über die stattgeftlndenen LebenSmittttplünderunge« in verschiedenen deutschen Hafenstädten ist der MarkkurS an der Amsterdamer Börse aber, mals gesunken. ES werden nur noch 18,50 Gulden für 100 Mark gezahlt.
Rosse schafft Srdnuna.
Erlasse gegen Aufstände und wilde Streiks.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 27. Juni.
Die Aufstände in Hamburg und an anderen Orten veranlasste« RoSke zu folgendem Befehl:
1. Aufstände sind mit alle« Mitteln niederzuschlagen. Rücksichtsloser Waffen, gebrauch ist dabei verboten.
2. Bei Streiks in gemeinnützigen Betrieben, deren Fortführung kür die Allgemeinheit eilte Lebensnotwewsigleit ist. ist der Betrieb mit allen Machtmitteln aufrecht zu erhalten Die Freiheit der Arbeit ist überall $n schützen.
3. Bei Streik« auf Eisenbahnen ist die Durchführung notwendiger Transporte mit Waffengewalt zu erzwinge«.
Sie Zot hon Stoha Flow.
Neberrerchung einer Entente-Rote.
(Eigene Drahtmeidung.)
Bersailles. 27. Juni.
Dem Minister von Hantel ist heute nacht eine Rote überreicht worden, di« sich aus die Versenkung der deutschen Flotte in Scapa Flow und auf die Verbrennung der französischen Fahnen in Berlin bezieht. Es wird darin mitaeteilt: Der kommandierende Admiral habe sich dahin verantwortet, er habe geglaubt, daß der Waffenstillstand am Sonnabend mittag zu Ende gegangen sei und er habe deshalb den Augenblick, in dem nach seiner Ansicht der Waffenstillstand nicht mehr zu gelten habe, das neu« Besitzrecht an der Flotte aber noch nicht festgesetzt worden war, dazu benutzt, den Befehl zur Versenkung zu geben. Die Entente bestreitet di« Geltung dieser Verantwortung. Die alliietten und asso» zierten Mächte erklären sich daher für berechtigt. die Urheber der Versenkung vor ihre militärischen Gerichte Zn laden, nm über sie entsprechende Strafen verhängen zu lassen. Die Versenkuna werde alS ein Bruch und a'8 eine Verletzung der Friedensbedingungen bettachtct.
Steuer-Ausschuss tagen wird, steht zurzeit noch nicht fest. Anfangs September wird dir Rattonawersammlunq nach Berlin verlest.
der Krieg nicht vermochte, uns völlig «r ver» mchten, bas ist der Novemb er-R evolutton gelungen. Das deutsche Volk hat sich selber zer- fleisiht, sich Wunden zugefügt, die noch lang« nicht heilen werden. In unserer Not hofften wir auf den Befreier .Frieden". Rach acht Monaten langen, dangen Wartens erst haben sich di« ®egn«r bereit gefunden, ihn uns zu gewähren. Aber welch ein Friede ist uns beschert I Der Name .Frieden' klingt vermessen für das, was die Entente uns mtfgezwungen. Es ist ein Krieg, schlimmer noch, als der. den wir auf den Schlachtfeldern in Frankreich und Bestesen auSgefochten, Werl er uns ans Leben greift, das deutsche Volk auf undenkbare Zeit in Stetten und Fesseln schlägt. Vor uns liegt die Zukunft dunkel und trübe, unser Weg wird dornenvoll sein, ein.jeder Xag bringt neues Leid, Entbehrung und Rot. Trotz alledem aber wird das deutsche Volk daran nicht zu Grunde gehen, die sittliche Straft, die unser bester Besitz ist, wird uns den Mut verleihen, allen Stürmen zu trotzen, den Kampf um unser Leben, unsere Existenz auszuf.-chten, bis wir den Sieg errangen tobe!:.
Wir alle wissen, dass es uns nicht leicht fallen wird, diesen Kambs auSzufechten, wir kennen die Opfer, die uns bsvotstehen und die schier endlos erscheinen. Rur wenn wir mit vereinter Kraft, wenn alle V-oWteile, jung und alt, mithelfen, wird ss uns gelingen, am Leben zu bleiben. Aber in allen Volkskreisen scheint sich noch immer nicht die Erkenntnis der traurigen Lage unseres Landes durch-gerungen $u haben. Noch immer sind unverantwortliche Elemente am Werk, die Rot der Massen auszumltzen und für ihre verderblichen Zwecke zu gebrauchen. Das Messer an der Kehle, seufzen wir unter einet furchtbaren Last, die uns erdrücken wird, wenn wir selber uns nicht mit aller Macht dagegen wehren. Ist es nicht unsere heiligste Pflicht, gemeinsam dem drohenden Unbeil zu begegnen? Aber das ganze Volk ist noch nicht von diesem Pflichtgefühl durchdrungen. Der Kamps im Innern, der nun schon fett den Re- volutionstagen anbauert, und bald hier, bald dort von neuem auflebt, will nicht verstummen. Di« SeMtzersl«ischunq schlagt immer grössere Wunden in unseren Volkskörper, der Abgrund, der gähnend sich vor tms auf getan, wird immer grundloser. Spartakus ruht nicht, bis wir binabgestürzt sind. In den letzten Wochen dursten wir hoffen, daß die drohende Gefahr überwunden sei. Aber nur eine Waffenruhe war uns beschieden. Der Kampfort hat sich verändert. Rach Berlin, München, Düsseldorf muß jetzt Hamburg die rote Plage über sich ergehen lassen. Rack allen Nachrichten, die jetzt vorliegen, zu schliessen, M der Pttisch feit langem vorbereitet. Die gewissenlosen Hetzer haben seit Wochen die Ardeitermafsen systematisch bearbeitet und gefügig gemacht. Es ist begreiflich, wenn das Volk sich über die ungerechte Att gewisser Händler, die die notwendigsten Lebensmittel vorcirthalten, verfälschen oder verteuern, sodass die Bevölkerung das dazu erforderliche Geld nicht mehr aufbringen kann, erregt Aber es gibt andere Mittel, seiner Unzufrtedenbeit Ausdruck zu geben. Warum wühlt man nicht den rechten Weg, warum wendet man sich nicht an die Behörden und die Regierung, daß bisse für Abhilfe sorgen? Seit der Rovembernmsturz alle Band« der Ordnung gelöst, glaubt ein jeder vas Roch« der TelSschilfe für sich in Anspruch nehmen zu dürfen, mußt sich das Richter- und Rächerautt cm, ohne sich an die bestehenden Gesetze zu stören. Das ist die Frucht der verderblichen Ideen, die die Lovstrrecher des russischen Bolschewismus in unser Volk getragen haben. Vergebens haben alle einsichtigen Kreise sich Mühe gegeben, die Massen aufzuklären und die Folgen zu schildern, die Bolschewismus nrtb Spartokismus nach sich ziehen, vergebens haben die abschreckenden Beispiel« in den anderen deutschen GrossMdten gewirkt. Man will sich nicht aufraffen, die Unzufriedenen laufen weiter den Umstürzlern nach. Bis es zu spät ist!
Wohin sind wir bis jetzt gekommen? Lassen wir einmal die Micke durch unser Land schwei- ‘ seit! Wohin wir schauen, sehen wir Shttwen! Unsere Judnstric ist zu Tode gewirtschaftet, die wilden Streiks baden unserer Volkswirtschaft «inen nicht zu ersetzenden Schaden zugefügt, un» : sc re Finanzen sind »errütief, wir alle sind er- ' tchreckeud arm geworden. Unaufhaltsam segeln
Selbstzerfleischung.
Dir Spartakus- tmb Kommun'ftenplage.
Von unserem Berliner Vertreter wird uns geschrieben: Das Schicksal meint es äusser- ordentlich hart'mit dem deutschen Volke. Keine Ration der Erde hat soviel Leid und Weh Lurchzukosten gehabt als dir deutsche m den fünf langen SÄtecken-sjahren. die hinter uns liegen. Wie haben wir befreit aufgeatmet, als endlich der Waffenstillstand unserem Elende ein Ziel zu setzen schien. Wer alle unsere grossen
Hamburg besetzt.
Hamburg, 27. Auni. (Eigen« Drabtmel. dmra.) In den frühen Morgenstunden haben fichd« Regierungstruppen der Stadt Hamburg bemächtigt. Infanterie- und Artillerieformationen sind in Hamburg eilige- zogen- Semei. Lis ach« i'tyt früh L-ldunz-.n vorliegen, ist es zu irgend welchen ftvsammen- stvssen nicht gekommen. Die bewaffneten Ar- beiter sind aufgefvrdert, big heute abend neun Uhr die Waffen abzuliefern, andernfalls wird nach dem Standrecht verfahren. Die militäri- scheu Operationen leitet Generalleutnant Men- gelbier. Um acht Uhr vormittags haben Regie- rungstruppen den Hafen besetzt und den mili- tärischen Schutz der im Hafen liegenden Lebens- Mittelschiffe und Somit« übernommen. Dee Wert der im Hafen liegenden Lebensmittel be- läuft sich end vier Millionen. Bei den Plünderungen im Rathausviertel sollen Schäden in Hiche von rund zehn Millionen Mark ver- nrfacht worden sein. Mehr als 120 Geschäfte find auSgeplündert. Generalleutnant Mengel- fricr hat auf Grund der ihm erteilten Vollmacht die Berhaftung der Borfitzenden der Betriebsräte, fmvett sie an der gemeinsamen U «vernähme der Regserungsgewalt in Hamburg sich betätigt haben, ungeordnet. Das Verlassen des Hamburger Stadtgebietes ist bis auf weiteres nicht möglich. da die Dahnböst und Landstrassen abgesperrt sind.
Der Eisenbahnerstreik.
BerUn, 27. Fimi. (VvivaffttegvaMM-s Di« gestern?m Ministerium für öffentliche Arbeiten vorgenomenen Besprechungen Über Me neuen Forderungen der Eisenbahner, an denen auch das gesamte preussische MinMeitzabinett be fettogt war, öerfMen eraebnirlos. Mint- Her Südekum erklärte, die Forderungen der Eisenbahner als unerfüllbar. We Forve» nataen worden abgeletznt. Sollt- diesen jedoch ttotzdem nachgegeben werden, fo müsse «an mmbcft«t4 900000 LEfsbramte. jsi« infolge der Demobilmachung etzwesttllt werden Mußten, wieder enüaffen. Während der Sitzung wurde nwtfleteSf, dass die Lotter der deutschen Vilsen» frtoeryätitn® verhaftet werden feien, da sie den allgemeinen Streik Dr abends g Ubr prMavriert holtten. ftzrivfisurftrister ReftchmSft begab sich ssä. fori jam Verlag Es eogab sib. dass dort während Sxr Untersuchlmg 50000 Exemplare des Sp-nückwShrmdes «esunde« find, woridn Mu Sturz der Rogierung aufgefordert wird. Di« Betriebsloituna hat jedoch mit den Flugblättern nichts zu ttm, do die Exemplo-re in Kt Räume der Heftung geschmuggelt worpen Warrn. Nach einer offiziellen Erklärung der Zentral- und Be- zirksleittma wurden Verhafteten wieder entlassen. — Wider Erwarten hch der Eissenbahrrer streik im Laust LeS gesingen Tages eine weitert AuSdehmm« erfahren. ES haben sich jetzt auch OTflontftcrte Beamt« hem Streik angesckLossen. Zurzeit befinden sich ftwa 300000Eisen bah- n ea in Streik,
Landsberg (Warthe), 27. ftstni. (Telegraphische Meldung.) Nachdem sich Menschermtas» en auf dem Martt anaesammelt hatten, baupt- ächlich Jugendliche mt Alter von 18—20 Jahren, wurde zur Plünderung deS Proviantamts aufgehetzt. Die Mengt zog zu dem jetrsetts der Warth« geltgencn Proviantamt, enttvaffnete den Posten, schlug die Türen em und begann das Proviantamt zu pWndern. Die aufgevoten« Poffzei und Feuerwehr wäret machKoS. Erne Abteilung des Feld-Artiüerre- Rogiments 54 mußte bald die Waffen strecken. Das-ganze Proviantamt wurde aus-
toit bergab, mit Angst und Schrecken muffen wir an unsere Zukunft denken. Wie soll denn das enden? Wollen wir uns selber vernichten, das Werk frönen, das unsere Feinde mit ihren schändlichen Bedingungen an uns begonnen? Di« <$ntcnte will Deutschland für immer nn- schädlich machen, will unserem Volke einen Platz anweisen, an dem es verkümmern und verelenden muß. Sollen Wir da mithelsen? Wir wären wirklich nichts Besseres wert, als man uns angeboten, wenn wir nicht endlich einmal zur Pflicht zurückkehrten, nicht bald wieder im eigenen Lande Ruhe und Erbnuiifl schaffen. Ruhe und Ordnung sind die erste Grundoediu- «mg für ein Gedeihen und Aufblühen. Deutschland liegt am Boden, zertrümmert und zerschlagen. Aber wir können es von neuem aufrichten, können es in feinem alten Glanze erstehen lassen, ttotz aller harten Bedingungen unserer Gegner, ttotz all dar Opfer, die wir für andere bringen müssen.' Uber ein ?,wftfäckes ist notwendig: Umkehr und Einkehr! Die Zetten der ZügellosigLeit müssen vorbei sein, Deuffchland galt von jeher als Land der Ordnung. Wir und gross geworden, haben Taten vollbracht, di« uns fein Volk der Erde nachmachen konnte. Das war »ms aber nur dadurch möglich, daß wir uns den bestehenden Gesetzen unterwarfen, uns alle als Löhne und Brüder eines Staates fiiMtan, gemeinsam die Hände regten, vereint an dem Bau des Reiches Haffen. Es muss auch jetzt wieder fo werden! Jetzt erst recht! Denn noch niemals war un- fere Sagt so kritisch, so ttostlvs! Dannn zurück zur Pflicht, Umkehr zinn wahren Deuffch- tum! Aber auch die Einkehr tttt not! Verschliessen wir uns nicht der ttaurigen Erkenntnis, dass Vieles hätte besser umd schöner fein können, als es mm geworden. Wir selber fragen bis Schuld! Unser Leichtsinn bat nns dahin tr» bracht, wo wir jetzt stehen, unser Paktieren mit Bolschewismus und Spartakus hat Deutschland an den Abgrund geflchrt! Das eigene Schnld- 'bekenntnis fällt schwer, aber wir müssen es ablecnn. Rur dann wird es uns auch nicht zu schwer fallen, unsere Pflicht voll zu tun!
Sie Unruhen im Reich.
SpnrtakuSherrfchaft in Hamburg.
(Eigene Drahtmeldung.)
Hamburg, 27. Juni."
Ztz» Altona wurde nochumls das Straf- aerichtsgebSude, haupfföchlich unter Fichrung einer Anzatzk der gestern befreiten Schwerverbrecher, gestürmt und nach Men durchsucht. Die Zahl der Todesopfer in den ketzten Tagen wird auf etwa zwanzig, die der Perwundeteu auf ISO bis 200 geschätzt. In vergangener Rächt wurde wieder viel geschossen. ES soll sich Ober dabei nur um di« BekStnpsnnq von Plünderern gehandelt Ifaben. Es ist vor» läufig keine autorttattve und kerne disziplinierte Organisation vorhanden, die für die Sicherheit bet im Hecken befindlichen Lebensmittel sorgt. Sie wirk!ich« G ewalt in Hamburg liegt in den Händen der Kommunisten und unabhän. gigen Sozialdemokraten. Zur Zeit sind zwischen den einzelnen Faktoren Verhandlungen im Gauge. Die Reichswehr truppen des nennten Armeekorps in Schwerin ufto. waren schon gestern «ttarmÄereit und teilweise über Lübeck an das tz-mburger Gebiet gebracht, nm für den Notfall zum Angriff bereit zu sein. In gant» bürg selbst ist die Ruhe und Ordnung int gmi- jen Tag über nirgends gestört worden. Hentdel und Wandel gehen chren gewohmen Gang.
Bor der Unterzrichnnng.
Deuffchlands Bevollmächtigte.
(Telegraphffche Meldung.)
Berlin, 27. Jmri.
Der Reichsminister Hermann Müller und Dr. Bell haben sich auf einstimmiges Ersuchen der ReichSregicrung entschlossen, a l S Bevollmächtigte in Bersailles den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Sie haben geglaubt, unter dem furchtbaren Druck der BolkSnot und dem unbedingten Bedürfnis, endlich zum Frieden zu kommen, sich diesem lebten und schwersten persönlichen Opfer nicht entziehen zu können. — Ge sandter v. Daniel hat dem Vorsitzenden der Friedenskonferenz Clemenceau. eine Rote zu- Sellen lassen, in der er im Auftrage des Reichsministers des Auswärtigen den alliierten und assozrierten Regierungen mitteilt, dass als deutsche Bevollmächtigte zur Ber- tragSunterzeichnnng nunmehr bestimmt sind: 1. Reichsminister beS Auswärtigen Hermann Müller und 2. Reichsminister Dr. Bell.