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Kasseler Abendzeitung

> Hessische Abendzeitung

9. Jahrgang,

Sonntag, 27. Zntt 1919.

Nummer 197

Fernsprecher 951 und 951

Fernsprecher 951 und 951

gnferrtxmepntfe «ebengefpattete Sette für etnhrtmUch« «efchAte M »Ig, für eeg. »ärtige Stajetgen ss W, M-kürmez-tle für «t» heimische Geschäfte 7» Pf, für »uSieärttg. Geschäfte 1 W. etelkche Bettegeä werden mit 5 Mark pro Tausend berechnet, alle» mir 50% re»emm<,».Z«sch!a«. Bei ttebennttttung non «njetgen ans telepch »ege retro für durch ®ir- fester teroorgernfeae Irrtümer keinerlei Haftung Übernommen. Aür die Aufnahme eenXnjetgen an »eftimmten Lagen aber Plätzen rotrb keMe Gewähr geteiftet. Geschästlftelle: Kölnische Str. 5.

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Enthüllungen in der Nationalversammlung.

rmtschlmds PoMik.

I. Inneres.

Das Programm der deutsche« ReichSregie- (ung, tote es jetzt vorn Ministerpräsidenten Bauer vor der Natronakvers-ammlung entfaltet worden Ist, beruht auf den bisher befolgten Grundsätzen des vorigen Kabinetts, bringt also keine tvesentkichen Aendernngrn. Der o. aralte- ristijche Gesichtspunkt ist auch für die Staats- ttimner der jetzigen schwarz-roten Koalition der Schutz der wirtschaftlich Schwachen auf Kosten der Starken. Wie sehr die MachtverhLiltnifle in der deutschen Politik sich verschoben haben, so daß die frühere regierende Klaffe den Füh­rern der Opposition das Feld hat räumen müs­sen. soll auch rm Wirtschaftsleben eine durch­greifende Umwälzung vorgenommen werden, deren Ergebnis in der allernächsten Zeit durch Gesetze festgelegt werden wird. Die Regierung hat - dem zufolge ein erklärliches Interesse an einer schnellen Durchiberatmig und Genehmi­gung der neuen Verfassung, die als Grundmauer für das wieder aufznrichtende Reich dienen muff. Das Gerüst für den Aus­bau bitoet die neue Wirtschaftsform. Die Finanzen, di« industrielle Arbeit und Land­wirtschaft find das hauptsächliche Material, das für die Neugestaltung des Baues ausersehen ist, wogegen die ehemaligen ideellen Werte zum Teil beseitigt sind oder nur mehr als schmük- kendes Beiwerk eine nebensächliche Bedeutung haben. Der Ministerpräsident legte in seinen Ausführungen blonderen Wert darauf, den de, mokrattschen Zug der Zeit zu betonen, der auch in allem, was die Republik hervorbringe, aus- aeprügt sein müsse: und er zitierte als leuchten­den Spruch hie einleitenden Wort? tat Verfas­sung: "Das deutsche Volk einig iw seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und. zu festigen, dem inner« und dem äußern Frieden M dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern bat sich diese Verfas­sung' gegeben/ Mn Hinblick auf die damit er- Wrte Selbsöoerwaltung des Volkes hebt er auch das Streben der Regierung hervor, dem Volke durch die Schule und Erziehung die Waffen der Bildung und Kenntnisse zu geben, sodaff es in der Lage sei. sich selbst zu regieren, damit das Fehlet: von Fähigkeiten künftig nicht so nachteilig empfunden werde wie jetzt.

Die zukünftigenAufgabender deut­schen Regierung werden, unparteiisch betrachtet, tron Jedermann als ausserordentlich schwierig erkannt, und man ist sich klar darüber, daß eine rederhlfche Entwicklung nur erfolgen kann, wenn alle Volkskreise tatkräftig Mitarbeiten. Bisher hat sich aber leider eine weit verstreitete Ener- gielostakeit und eine andauernde Arbeitsunlust gelten» gemacht, für die e? zwar in den teuren und unzureichenden Lebensverhältniffen eine Erklärung gast, die aber nun auch ein Ende nehm'« müssen. Nach außen beginnt sich die Fernsicht, nachdem die Grene.en allmählich ge­öffnet werden, zu klären. Es werden somit Schritt für Schritt die in die Zukunft führen­den Wege gewiesen, und es besieht auch Aussicht, daß die eigenen Schranken, die noch durch die Reste der unfruchtbaren Kriegswirtschaft ge­zogen sind, bald von der Regierung beseitigt werden. Mit der VerbilliMng der Lebensmit- tel ist der Anfang gemacht; demnächst sollen die in den Kriegsvorräten noch vorhandenen fer­tigen Kleiderstoffe der Bevölkerung zuae führt werden, und für die Textilindustrie werden die großen Posten von Wolle zur Verarbeitung frei, gegeben. Damit erhalten wieder zahlreiche Ar­beiter Beschäftigung nnd die in den Handel kommenden Stoffe werden endlich wieder ver­mehrt und verbilligt. Für die Ein- und Aus­fuhr muß natürlich, so wichtig dieser Zweig auch ist, doch noch eine gewisse Kontrolle aus- geüstt werden, nm das Hereinkommen von gurt'§ und sonstigen WerMssigen Dingen zn verhüten, estenso dem Ausführen wichtiger San» des-rodukte, die wir selbst nötig haben, einen y.'.tgti vorzu schieben. Sehr wichtig ist die be- voeswhende Aufhebung der Devisenordnung, wckotrch Handel und Verkehr wieder mehr Freiheit erlangen.

Tie in das Wirtschaftsleben tief einschnei­dende Neuerung ht Göstmt der Sozial: s r«- rung wird von der Regierung als eine der ersten Ausgaben betrachtet. Es ist dafür fesi- gelegf, daß die Umwandlung nicht allgemein jein soll, sondern sich, soweit als möglich, auf Betriebe, die dem öffentlichen Verkehr und dem Allgem sintsobl dienen, beschränken wird. Ges-r- entwürfe dcnu werden bereits ausaearbeitet f"*r elektrische Stromerz en gimg. Eisenbahnen und Berochau. Mit dem Derfüouuosrecht über di eie Gestrete soll das Volk in die Lage gesetzt wer­den. deut WirffchastSlesten die Form und den Mchatt M seben. die es ffir richtig imd mög- Üch hält. Der Mintsterpräsidcu. fn-te aber für gewisse Leute gnfflLrend hinzu, daß Liefe Untre. ftalttnra einen Hungrigen nicht satt, einen Ar wat nstw wotzWaHend rmd-eiven Atchefter nicht

wissen. (Stürmischer Beifall, der sich auf Tribünen fortsetzi.) Nach persönlichen merknngen wird die Weiterberatung Sonnabend vormittag vertagt.

den Be­aus

reicher machen könne, sondern nur den Vedürf- nrffen des Volkes Rechmmg tragen werde. Eine radikale Sozialisierung, wie sie der Wissellsche Plan einer Zwangswirtschaft vorschlug, lehnt die Regierung entschieden ab. Die Zwangsjacke der Kriegsgesellschaften dürfe nicht durch eine neue für den Frieden zugeschnittene vertauscht werden.

Großes Gewicht wird weiter auf das Gesetz übet die Betriebsräte und Wirt, schaftsräte gelegt, wodurch den Arbeitern das Recht der Mitbestnumung und in manchen Söffen mkch ztrm Mitbesitz gegeben wird. Der ntwurf zum Betriebsräte-Gesetz wird schon in diesen Tagen der Nationalversammlung zur Be­ratung vorgelegt, derjenige zum Wirtschaftsräte. Gesetz soll int Herbst herauskonnnen. Diese bei­den Gesetzentwürfe verdienen eine ausgesucht vorsichtige Behandlung, denn sie tonnen, wenn sie ungeschickt bearbeitet werden, mehr Schaden als Nutzen anrichteu. Mit berechneter Absicht wies der Ministerpräsident auf die Mißwirt­schaft in Rußland und in Ungarn hin, wo der Karren in den Sumpf gefahren war und dann die alten Direttoren der Betriebe ebenso wie die alten Offiziere der Armee zur Hilfe zurück- flentfett wurden.

Ittt Gangen macht die Programmrede viele Versprechungen und setzt große Hoffnungen aus die Pläne. Ob aber die Durchführung den Er- wartun§en entspricht, ist eine andere Frage, zumal sie auch von den Feinden abhängig fft. Vieles, das sich auf dem Papier glatt ausarbei­ten läßt, stößt bei der Verwirklichung auf stache­lige Hindernisse, und gerade in diesem Falle werden heftige Widerstände auftauchen Man möchte der Regierung zunächst mehr Energi» wütffSen, unt weiteren Störungen des deut, scheu Wirtschaftslebens vorzubeugen. Sodann wäre es ratsam, sich der Sicherstellung der Kohlenb esch affung und der Herbeifüb. runa von Rohmaterial anzunehmen, damit die Fabriken, Bahnen und Schiffe in der Lage sind, einen dauernden Betrieb aufrecht zu er­halten. Erst wenn die Hauptstützen des öffent­lichen Lebens wieder auf fester Grundlage stehen, kann eine erfolgreiche Arbeit in Gang kommen. T)t.

Darstellung des Grafen Wedel.

Zum besseren Verständnis des Anlasses die­ser ErzbergerWen Erklärung geben wir nach­stehend'einen Auszug aus den Veröffentlichun­gen des Grafen Wedel, der bisher Botschafter m W i e n war und Erzberger wegen geheimer Wstmachunaen mit Ezeruin anschnkdigt. In einem ausführlichen Artikel in denHamburger Nachrichten" geht er zunächst auf den Fmmediat- bersckft Czernins vom 12. Avril 1917 ein, der für das deutsche Hauptquartier bestimmt war und die Lage Oesterreich-Ungarns in den schwärzesten Farben schikderte. Erzberger hat die Sache so hingestellt, als wenn Bethmanu- Hollweg rhn ins Vertrauen gezogen und nach Wien geschickt habe, um Czerniü wieder auf­zurichten. Graf Wedel stellt nun fest, daß dieses nicht wahr sei. Betbmann-Hollweg habe weder Ercherger nach Wien geschickt, noch ibn eiuoe- weibt. Hem Erzberger müsse vielmehr ans eigenerFuitiatiVe keine Reffe un. ternommen haben. Es sei allerdings-Äich, daß Erzberger sich in Wien den Aullrlch eines Abgesandten gegeben hätte. Dort müsse er von irgend einer Seite, die Gras Wedel nicht kennt, die aber ttach den gatten Darlegungen böchst- wahrfcheiukich die Kaiserin Ztta war. den streng geheimen Fmm-diatbericht Ezeruins zugesteckt erhalten haben. Bon seinem streng vertraulichen Fnbalt machte Erzberger in einer Weise Ge­brauch, daß die Darlegungen Czernins schließlich bis nach Paris durchsickerten und von den dortigen Zeitungen mit Genugtuung besprochen wurden. Nun hat ein französischer Dststomat in Wien fetnerzeit verraten. eS habe 1917 einen Augenblick gegeben, wo Lloyd George in keiner Siegeszuversicht wan­kend geworden und Verbäudigungsgedanken nicht ganc unzugänglich gewesen sei. Er und Ribot hätten nn Begriff gestanden, nach Rom zu reffen, um mft dem italienischen Kollegen oie Frage eines VerständigmiaSfriedens zu be­raten.. Ms nun der übertriebene Czennnsche Bericht über den drrh-uden Zusammenbruch Oesterreichs bat feinÄffchen Regier,tng-shäu>- iern bekannt wurde, ließ der Fc-nd *»e V-r sttindiMnasaedankeu fallen.

Beimerer Taymg.

Die Enchüllungen Erzbergers.

(Eigener Drahtbericht.f

Weimar, 26. IM.

Selterr wohl hat über der Nationalversamm- luna «ne solch große Spannung geherrscht, wie am Tage der gestrigen grotzett Aussprache. Erzberger sollte auf Veranlassung der Reichsregierung Attsklärung geben über die Er. eigniffe,'die dem Zusammenbruch der deutschen Armee und der Unterzeichnung des Friedens voran gegangen sind. Man war umso gespannter, weis gerade in diesem Augen­blicke die Erklärungen des Grafen Wedel in her Presse erschienen sind.

Der denffchnationale Abgeordnete von Graefe, ein äußerst gewandter Redner, for­dert in einer etwa zw^stüüdhgen Rode, in der er sich direkt an Erzberger wendet, auf. über einige kehr wichtige und weiteste Volkskreise be- rührende Fragen Ausschluß zu geben. Der Red­ner tot dies in einer Weise, die ihm den heftig» sten Widerwillen des Hauses eiubrinat. Er wirst Erzberger vor, von der österreichischen Roai-erung bestochen zu sein und für die En­tente gegen einen günstigen Frieden propagieu zu haben. Sozialdemokrat!» und Zentt-nn be­mühen sich lebhaft, durch heftige Zwischenrufe die Partei des Ministers zu ergreifen. Auch her Ministerpräsident und die Minister David, NoSke und GiSbertS widersprechen sehr lebhaft- Die übrigen FraMonen tm Hause verhalten sich demgegenüber völlig neutral. Ratz langem Wirrten erbcift Erzberger endlich das Wor- Der ssarin, den die Schlußworte des Vorred­ners bei seinen- Freunden rm Hause hervorgeru ft-n, verstummt. Auf jeden einzelnen Punkt der gegen ihn erhobenen Auschukd-tgunHen versntttz er eiNMgehen und unter lebhaftem Beifall der. Sozialdsweckraten. des ZeuirttmZ und zuweilen auch eines Teiles der Demokraten zu widerte gen. Laute Enlrüftttng macht sich bemerkbar, als Ergberger dann ans die Posstik der frühe­ren Regäerung eingeht. Zum Erstaunen des Hauses erflärt er, daß Deutschland zwei' mal Gelegenheit gehadt hübe einen günstigen Frieden zu erlangen Beid» Male bade sich der Papst zum Benmftfler anoeboien. Beide Male feien auch die Gegner Frankreich und England, bereit gewesen, einen gürMgi-n Frieden mft «ns einzugehen. Beide Male aber habe auch die Regternng diese Gele­genheit durch eigenes Versckmkden vorüber­gehen lassen. Der Papst habe auf kein Vermit - knngSazrg: Hot überhanpr keine Antwort erhal­ten. Wahl fe>ne Stelle bi Erzbergers Dortige iS mit solchem Widerspruch int Hanfs hinge- uommen worden. Die ?ldge ordneten des

entgegen und sagte: Run ist alles verloren, auch Ihr armes Vaterland. Damit war der von England über den päpstlichen Sttchl ein­geleitete Versuch.erledigt. Das ist das Tragffche, daß Entsetzliche. Man kämpft für den Frieden nttb dann kommt es so. Da kann man nicht schweigen.

Deutschland ist mit offenen Angen in den Tod hin-eing-erannt. So kam 1918. Feder Ver­such, diese Zeit zur Vernunft zu bringen, wurde mft militärischen Mitteln niedergeschlagen. Die Antwort war, man möge noch ein Weilchen warten. Und dann kam Ende Sevtem-ber der restlose militärische Zusammenbruch. Affe diese Dmge werden in den nächsten Tagen dem deul- sthen Volke übergeben werden. Dann kann es. nach den Mten selbst prüfen. Der Umsturz in Deutschland soll den Waffenstillstand erzwungen haben, aber Hindenburg depeschierte, wenn un­sere Forderungen nicht durchzusetzen feien, so sei trotzdem der Waffeitstiffstand abzuschkießen. Ich stelle fest, die Friedensresolutiou hätte Er­folg haben müssen und können, wenn ihre Grrmdsätze bei Gelegenheit der Friedensnote des Papsies angchvendet. worden wären. Nicht die Friedensresolution hat die deutsche Wider­standskraft gelähmt, sondern der Zusammen­bruch ist erfolgt durch Mangel an innerer und äußerer politischer Einsicht der Konservativen und der Obersten Heeresleitung, die das deutsche Volk einsMchterten und terrorisierten und dies Spiel jetzt noch sortsetzen Die Geduld der Regiertmg und der Mehrhcftsparte'en hat ein Ende. Wir haben den gfctoattfr.ebeh" anneh­men müssen, wett kein anderer AuAvea blieb. Wir haben die Verantwortung übernehmen muffen für das, was Sie verbrochen haben. Wir werden aber niemals zugeben, daß Sie nun versuchen, aus der Veratttworttiug, die auch Ihre Schuld ist, unsere Schuld zu machen und uns heuchlerisch mit Hohn und Spott zn übergießen. Der Friedensvertrng ist die Dch-lüßrechnung eines Krieges. Wer den Krieg verliert, verliert den Frieden. Wer aber hat den Krieg verloren? Diejenigen, die sich in un- vernünfttgem, trotzigem, verabredetem, ver­brecherischem Eigenwillen der Möglichkeit eines! ehrbaren Friedens entgegensteltten, und wenn! Sie hunderttuat auch durch ihr festes Nein ihre; Hände in Unschuld waschen wollen. Sie wer den die Schuld nicht los, weder vor uns, noch vor der Geschichte, noch vor Ihrem eigenen Ge-

Jn der gestrigen Sitzung der Natioualver- sammlung hielt FinanMinisser Erzberger auf Veranlassung der Regierung die angetan» digie Verteidigungsrede, in der er unter an­derem ausführt: Herr st je behauptet, ich hätte Friedensmöglichkeiten in Deuffchlaud zer­stört. Das ist der schwerste Borwurf. Minde­stens zweimal soMe ein ehrenvoller Friede ztchandekommen. (Hört! Hörtft Die Rechte mit dem Militär zusammen hat dies beide Male verhindert. (Große Bewegung.) Präsident Wil­son wollte seit 1916 mit aller Energie den Frie­den, herbeiführen. Man frage nur den Grafen Berrrstorff. Warum wurde Graf Bernftorff nach feiner Rückkehr aus Wafhiurfton wochenlang nicht zum Boitrag an.den höchsten Stellen zuge­lassen? Das FriedensSverk Wilsons wurde durchkreuzt durch die Erklärung des U-Boots- Krieges. Im demokratischen Deutschland hat Graf Bernstorfs eine Erklärung und Darftz'llung seiner Vermittelnngsaktton gegeben und festge- stellt, daß sie durch die U-Bootskriegserklärung durchkreuzt wurde, nnd dadurch der Krieg für uns verloren war. Der Abgeordnete Graefe hat sich mit einer Darstellung des Grafen Wedel in denHamburger Nachrichten" besÄfftigt. Ich bin dem Grafen Wedel für fein Heroorfteten dankbar. (Zurufe rechts: Ra! Na!) In feinem Artikel bestätigt er zweierlei, die Notwendig­keit eines Friedensschlusses im Fahre 1917 und die Möglichkeit dazu. Tas sind die großen vo- litffchen Tatsachen, die der Artikel des Grafen Wedel enthält (Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Dis zur Smnde ist aber von Ihnen (zu. den Teuffchnationalen) die MLelich- kett eines' Friedensschlusses immer begriffen worden. Ueber die Qualitäten des Grasen Wedel will ich mich nichl ausLassen. (Zuruf bei den Deutfchirati-onalen: Ach, diese Methode ken­nen wir!) Gegenüber dem Grafen WeLel halte ich aufrecht, daß ich im amtlichen Auftrage in Wien gewesen bin. Der Bericht des Grafen Czernin wird >n den nächsten Tagen ver­öffentlicht werden, und dann mag sich jeder ein Urteil darüber bilden, ob man diesen Bericht mit einem so nichtssagenden Satz abttm durfte. Dieser Bericht ist mir seinerzeit frei zu meiner Vcrfügnng gestellt worden mit der einzigen Be­dingung, über seine Herkunft zu schweigen. Ich füMe mich zur Diskretion verpflichtet und werde den Namen des Ueber- bringers nicht nennen. (Andauernde lebhafte Bewegung.)

Im weiteren Verlauf feiner Rede kam Erz­berger auf die Vorgänge vom Fuli 1917 zu sprech-m und sagte: Meine Rede von: 6. Fuli 1917 wird in den nächsten Tagen in einer Bro­schüre:Warum mußten wir nach Versailles gehen? veröffentlicht werden, und ich bin Über- 3engt, mancher wird sagen, wenn er die Rede gelesen hat: Wie war es nur möglich, daß über eine solche vernünftige Rede ein solcher Spek­takel in Deutschland gemacht werden konnte? Am 1. August hielt bet Reichskanzler seine Rede mit dem Grundgedanken, daß alle Friedens­angebote aussichtslos seien. Er weigerte sich, eine klare Erklärung Über die Neuiralilät Bel­giens abzugeben. Am 30. August aber erhielt der Reichskanzler durch den Rimtins ein Schrei­ben, in dem

ein Angebot Englands vorlag, dem die französische Regierung sich anaesibkossen habe, die kaiserliche Regierung möge sich Über die Unabhängigkeit Belgiens er­klären und Garantien ntr die politische, wirt­schaftliche und milttäriscke Unabhängi-ckeit des Landes geben. Eine versöhnende Antwort würde den guten Fortgang der Friedensunter- fcanMuneen ~ erleichtert haben. (Große Bewe­gung.) Wir haben hier den amtlichen Schritt einer neutralen Macht, die durch tote Oraani- satton und .Fdeenwelt wie wenige in der Lage war. $u beurteilen, wenn ein Friedensschritt Aussicht auf Erfolg hatte. Hervorge gangen nicht aus eigener Fuittative, sondern einem ausdrück­lichen Versuch der englffchen Regierung, mit ausdrücklicher Ermächtigung der ftanzösischen. Die ErlairbniS, den Fubalt ber cnalisckun Note ju veröffenttichen, ist vom Papste einaeholt, aber noch nicht eiugetroffen Was aber geschieht in Berlin? Man würde es nicht für möglich halten. V'er Wockm gibt man den Ministern keine Antwort. Fn einem Sbrefbe" vom y September wich- tff-ntteltttt, eine Erklärung ab­zugeben, weil die Vorbedingungen für Abgabe einer solchen Erffärnng »ocki nicht aenstrend ge­klärt seien Also ein amtlicher divromatffcker Bericht für eftr Volk, das in höchster Not liegt, wird vier Wochen lang nicht beantwortet. Dann erklärt man ihn nützt für senügeud. (Große Be- ineaung.) Erde IevtenÄvr war stz» in Mn- «her. Fch kenne den N'Mttus feit langem als i^gchsuttchg" ^tennv cch lom mir mit Tränen

Sine ftSmWe Attsspmche

Erzbergers Dertzeidi^ungsrede.