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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 261.

Fernsprecher 951 und 951

Freitag, 10. Oktober 1919.

Fernsprecher 951 und 951

9. Jahrgang.

Die Landesversammlung über die Verkehrsnot.

Sie Sßorientienmg.

Deutschland und Rußland.

(Don unserem außenpolitischen Mitarbeiter.)

In den Meldungen der letzten Wochen über die Lage in Rußland herrscht ein tolles Kun­terbunt. Bald sollten die Bolschewisten mit ihrer Herrschaft am Ende sein, bald sollten sie zu einem großen Angriff auf die Ententetrup- ven und auf die deutschen Randgebiete bereis sein. Keines von beiden trifft zu. Die Dina« in Rußland sind allerdngs auch zur Stunde noch nicht klar zu über sehen. Wir sind immer noch durch eine geistige Sperre getrennt, deshalb ist gegenüber allen Nachrichten, die aus dem Osten kommen und die zum Teil die merkwür­digsten Wandlungen durchmachen, ehe sie über­haupt nach Deutschland kommen, die arößte Vorsicht geboten. Nach sorgfältiger Prüfung des Wertes der m der letzten Zeit aus Rußland zu uns gekommenen Nachrichten wird man sagen müssen, daß auch in absehbarer Zeit ein Regierungswechsel in Rußland nicht wahr, scheinlich ist. Die Bolschewisten hätten zwar schon längst abgewirtschaftet, wenn sie auf ihren starren doktrinären Auffassungen z nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis bestanden hätten. DaS war aber keineswegs der Fall. Sie haben vielmehr ein ganz merk­würdiges Anpassungsvermögen an die Notwendigkeiten der wirtschaftlichen und politi­schen Lage bekundet. Sie sind, nachdem ihre Theorien mit Gewalt und auch unter Vergie- ßnng von viel Blut nicht durchführbar waren, gerade im Interesse der Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft dazu übergegangen, die von ihnen anfänglich verschmähten Kräfte wieder in größ­tem Maßstabe heranzuziehen. Die Bolschewisten bieten heute Betriebsleitern und In- genteuren Gehälter, wie sie früher die höch­sten rafftstben Beamten bis hinaus yrm Mini­ster nicht hatten, und das will bei russischen Vet- hältnissrn schon etwas besagen. Sie haben das nicht allein um der Geldentwertung willen ge­tan, die infolge ihrer wahnsinnigen Wirt­schaftspolitik eingetreten ist, sondern aus dem sehr realen Gefühl heraus, daß ohne die Heran­ziehung dieser Hilfe alles zusammenbrechen muß. Durch diese? Verfahren ist es nun den Bolschewisten in der Tat gelungen, ihr Regime .zu halten und ihm einen Boden zu bereiten, der wirklich eine Plattform für Männer abzu­geben geeignet ist. die mit den Theorien des Bolschewismus keineswegs in Verbindung ge­bracht werden wollen. Bettachtet man heute die Rätewirtfchast von Rußland, so wird man ohne weitere- erkennen, um Wieviel Pflöcke die bol­schewistischen Endziele zurückgesteckt worden sind

Bei allem, was wir über die russische» Bol­schewisten sagen und denken, wird es gut sein, wenn wir uns auch einmal daran erinnern, daß im letzten Grunde es doch die Deutschen waren, die die Bolschewisten in den Sattel ge­hoben haben. Ms es sich darum handelte, mit Rußland Frieden zu schließen, haben unsere da­maligen Regierungsmäuner den bolschewisti­schen Umsturz in Rußland lebhaft unterstützt. Die deutsche Regierung hat damals Lenin in einem plombierten Sonderwagen aus der Schweiz mitten durch deutsches Gebiet nach Rußland geführt. Derselbe Lenin hat nie einen Zweifel darüber gelassen, daß er dem deutschen Regierungssystem ebenso Tod und Untergang geschworen hat wie dem zaristischen. Heute lie­gen die Dinge nicht viel anders, da" Lenin kei­neswegs gesonnen ist, mtt der Richtung der in Deutschland herrschenden MehrheitSsozia- kisten sich abzufinden. Auch Lenin hat aller­dings in seiner praktischen Tätigkeit den alten banalen, aber immer wahren Satz erfahren, daß überall mit Wasser gekocht wird, und Lenin wäre sicherlich auch einer der ersten, der sich in Sicherheft bringt, wenn es drüben schief geht. Er hat sich dieserhalb auch schon alle Ausgänge offen gehalten.

Wenn nun die ruffischen Bolschewisten durch den Zwang der Dinge immer mehr in die Bah­nen einer praktischen Politik, einer Po- litft, die nicht auf die Diftatur einer einzelnen Klaffe, sondern auf die Mitwirkung aller, auch der bürgerlichen PolkSteile sich stützt, dann würde das auch für die Beziehungen zwi­schen Rußland und Deutschland von einer gün­stigen Rückwirkung sein. Die ganzen Verhält­nisse wirtschaftlicher und politischer Natur in den beiden Ländern und in ihren Beziehungen zueinander drangen ja förmlich noch einer sol­chen verständigen, nüchternen, ausgleichenden Gemeinschaftsarbeit. Daß die russischen Bol­schewisten an sich nicht abgeneigt sind, ihrer Po­litischen Linie eine solche Schwenkung zu geben, zeigt sa das Verhalten gegenüber den Rand­staaten und insbesondere ihre offen erklärte Be­reitwilligkeit. mit diesen Staaten Frieden zu schließen. Allerdings darf man bei diesem Be­mühen nicht vergessen, daß es sich für die Bol­schewisten darum handelt, dem immer stärker werdenden englischen Einfluß in diesen Lan­den entgegenzuwirken.

In dieser Frage, wie in all diesen Dingen

Minister

Politische MordansrWge

Abgeordneter Haase leicht verletzt.

gerer Zeit in ihrer Stellung schwer erschüttert zu sein scheint. Im Zusammenhang damit stehen offenbar auch die ununterbrochenen Versuche der Moskauer Regierung, Frieden zu schließen, Versuche, die allerdings bisher nicht durch die Schuld Moskaus ergebnislos blieben.

Wilson als Vorsitzender.

Genf, 9. Oktober. (Eigene Dvahtmelduug.) Der ,Herald' berichtet aus Newhork, daß dem Präsidenten Wilson das Ersuchen der alliier' ton und assoziierten Staaten zuginq, den V ost. sitz im Völkerbund zu übernehmen. Aus Washiugton wird berichtet: Der Zustand WÄsous hat sich gebessert, doch ist noch die größte Schonung notwendig. Eine Diagnose über seine Erkrankung wurde nicht veröffent­licht. Einige Blätter reo en davon, daß cS sich um einen leichten Schlaganfall handelt.

Spanischer Krieg in Marokko.

FÄdMg gegen tsse Eingeborene».

Französische Wlitärstattonen wurden von Ein- oeborcnen überfallen, wobei es wiederholt zu lutigen Gefechten gekommen ist.

(Privat-Telegramm.)

Berlin. 9. Oktober.

liegt ober auch der Kernpunkt eines polittscheu Wirkens umschrieben, wie es von deutscher Seite gegenüber Rußland Gestalt annehmen sollte. Es ist nicht zu verkennen: unsere deutsche auswärttge Politik muß Rußland gegenüber aus der passiven Rolle heraustteten und zu einer entschlossenen, folgerichtigen Aktivität übergehen. Wenn wir schon zu einer anderen Zett und unter anderen Verhältnissen die Bol­schewisten nötig zu haben glaubten, um in außenpolitischer Beziehung mit Rußland zum Frieden zu kommen, fo haben wir heute ein nicht viel weniger großes Interesse, uns in un­seren innerwirtschaftlichen und damit auch in unseren politischen Beziehungen nach innen und außen durch ein Arrangement mit den Russen ansemanderzusetzen. Die letzten Vorgänge in Rußland, insbesondere die geschilderte Abkehr der Bolschewisten von ihren wirtschaftlichen und politischen Ertreuten könnte die Brücke für ein derartiges beiderseftes Näherkommrn bieten wenn Nicht die deutschen Bolschewisten vorhanden wären.

Mitwirkung Frankreichs.

Zürich, 9. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Die Schweizer Blätter berichten aus Paris, daß bei der spanischen Unternehmung gegen Ma­rokko auch Frankreich eine Aufgäbe zu er- füllen habe, die vor einigen Tagen in Bordeaur zwischen dem spanischen König und dem Gene- ral Liautheh festgelegt wurde. Die französisck- Zone wird nämlich in Verteidigungszustand ge­setzt, damit alle Anhänger Raisulis, des Füh­rers der Eingchorencnstämme. die sich auf sran- zösisches Gebiet flüchten, dott entwaffnet und isoliert werden können AuS Paris wird weiter berichtet: In Französisch-Ma­rokko sind schwere Unruhen ausgebrochw.

Gestern mittag wurde» von einem Warnte österreichischer Staatsangehörigkeit einige Schüsse auf den Abgeordneten Haase (Unabh. Soz.) abgegeben, als er da- ReichstagSgebäude betreten wollte. Haase wurde am Unterarm und am Oberschenkel getroffen. Die Verletzun­gen find leicht, sodaß er in wenigen Tagen wie­der seine Tättgkeft ausübe» kann. Die Unab­hängige» versuchen, die Schießerei den politi­schen Gegnern der äußersten Rechten in die Schuhe z» schieben. Haase habe gerade im Reichstag die baltische Frage auftolle« wollen, wodurch die Deutschnationalen belastet worden wären. Diese weise« natürlich solche Verdäch­tigungen energisch von sich, zumal bei dem Täter Schriftstücke vorgesunden wurde«, die auf Gei­steskrankheit schließen lassen.

Wiederaufnahme des Handels.

Bemühungen deutscher Handelsstädte.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 9. Ocktoder.

Die »Deutsche Allgemeine Zeitung' erfährt von unterrichteter Seite: In hanseatischen Krei­sen hat eine Einigung in der Frage der diplo­matischen Vertretungder Handelsstädte im Sinne der Nachrichten des »Hamburger Fremdenblattes' bisher nicht erzielt wer­den können, weil die Frage, ob die Südstaaten in Preußen zukünftig übtthtuvt noch Gesandte haben werden, noch im Stadium der Verhand­lungen ist. AuS Frankfurt a. M. wird berichtet: In. einem Sonderzug aus Amsterdam trafen gestern etwa vierhundert Holländer zum Messebesuch ein. Unter den Gästen befindet sich als Beauftragter der niederländische,! Re­gierung Baron Krapenhofs. der als Direfiions- mftglied der niederländischen Eisenbahn eine Verbefferrmg der Zugverbindung mit Frank- sunt für die nächste Zett angesttebt.

Die Antworknote der Alliierten.

Genf. 9. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Rach Meldungen aus Paris wird die «nttvort- note der Alliierten a» Deutschland nicht vor Freitag abqehen.Home Libre" schreibt: Die Berhandlungen mit Deutschland über das Baltikum gehen weiter. Zugeständnisse der Alliierten sind nicht zu erwarten.

Sie Nationalversammlung.

Fortsetzung bet Haushaltsberatung. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 9. Oktober.

In der gestrigen Sitzung wurde die politische Aussprache über den Etat der Reichs- kauzlerS vorzeitig beendet. Durch den An­schlag aus den Abgeordneten Haaseistdienn- abhängige Fraktion verhindert worden, ihren Wortführer vorzuschicken. Bei der dritten Le­sung soll das nachgeholt werden. Die Aerzte rechnen mft Bestimmtheit darauf, daß Haase bis dahin wieder gesund sein wttd. Präsident F eh- renbach sprach sein Bedauern Wer den Vor- fall aus. Zur zweiten Beratung deS HauS- hattskapftels .Reichskanzler' erhält das Wort Abg. Stresemanu (D. Vpt.): Die unveröu- deute Annahme des BettieSsrätegesetzes scheint mir ebenso sicher wie dem Reichskanzler. Di« Regierung muß sich auch die ArbeitSstrst der Füh. rer auf wirtschaftlichem Gebiet sichern und zwar gerade der Unternehmer des industriellen Mit­telstandes. Hoffentlich müssen wtt den Eintritt der Demokraten in Vie Regierung nicht mit der unveränderten Annahme des Bettiebsräte- gesetzes bezahlen. Das angekündigte Heinsstät- tengesetz begrüßen wtt. Das Mtiengesetz muß verändert werden, damit nicht noch mehr An-

Mitteleuropa und England.

JuLondon wird amtlich bekanntgegebeu, daß die Handelsbeziehungen mit den ehemaligen feindlichen Ländern im vollen Um­fange wieder ausgenommen werden können >md daß es in Englands Intereffe liegt, wenn der Handel wieder lebhaft wttd. Alle Waren, deren Einfuhr in England stei ist, kön­nen eingeführt werden, ohne daß noch beson­dere ErnfuhrbewilligMigen nötig sind.

Wilson und her Völkerbund.

Die baldige Einberufung wttd erwartet.

(Privat-Telegramm.)

Basel, 9. Oktober.

Der Pariser Vertreter der Basler Nachrich­ten telegraphiett: Die plötzliche Abreise von Oberst Ho-use nach Amerika hängt mit der bal­digen Einberufung des R"tes des Völkerbun­des Msammen. In den Pariser politischen Kreisen rechnet man mit dem Inkrafttreten des Versailler FrttdeMverttages am 12. Okto­ber nach der Ratifikation durch England. Frank' .reich und Italien. Man nimmt an. daß der Zusammentritt des Rates des Völkerbrriwes die Erledigung deS Vertrages hn amerikani­sche« Senat beeinflussen wird.

teile an wichtigen Handelsinstituten in die Hände der Feinde übergehen. Reichswehr» nister Roske konmtt auf die baltische

Die Preußen-Tsgukg.

Der Eisenbahnverkehr in Gefahr. (Telegraphische Meldung.)

Berlin, 9. Oktober.

In der gestrigen Sitzung wurde die Zen» tralgenossenschastskasse in zweiter Beratung erledigt. Berichterstatter Abg Dr. L ei di g (D. Vpt.) teilt mit. daß der Gefchästz- umfang per Genossenschaftskasse ganz gewaltig gestiegen, ist. Er erstreckte sich im vorigen Jahre aus 74 Milliarden Mark und wird sich wohl im laufenden Jahre weiter auf 100 Milliarde« steigern. Abg. Esser (Ztt.) begründet einen Antrag seiner Partei auf eine zettg-mäß« Um' gestaltung der Zentralaenosseuschaftskasse" damit er »ine fruchtbare Miftelsielle zwischen ihr und den einzelnen Genossenschaften bilde. Präsident der Zenttalaenoffen scfti^kgssi Her. ligenstadt: Die Geschäftsführung der Kasss ist modern. Reformen will ich gern einführen, wenn mir positive Vorschläge gemacht werden. In der Kreditgewährung dcnss ich hn Hinblick auf die frenfben Gelder, dir ich verwahre, nicht unvorsichtig sein. Der Haushalt der Kasse wird bewilligt, der Antrag Esser angenommen. Es folgt der EiseWahnhanshalt. Abg. Garn ich (D. Vvr.) beklagt die Aufhebung des Schnellzugsverkehrs nach dem Osten, Abg. Wenke (Dem.) fchKeßt sich dem Vorredner an. Minister O e s e r: Es kann fein daß wir den Personenverkehr fo gut wie vollkommen ein­stellen müssen. Die Lokomotiven und Waggons, die wir an die Entente abgeben mußten, fehlten «ns überall.

Jetzt rächt sich die StretHuft

der vergangenen Monate. Die Schürer deS Stteiks werden die Verantwortung nicht von sich weisen können. Sozialisier«» beißt mehr leisten; aber davon sind viele Arbeiter und Beamte noch wett entfernt. Abg. Höfler (Dem.) ersucht «m Auskunft über "die Ursachen der jüngsten Vorgänge im Effenbahnbetrieb, insbesondere Wer 'die Erfurter Bewegung Abg. Paul Hoffmann (u. S.) fragt nach Maß­nahmen zur verstärkre» Fürsorge für die ar­beitsunfähig gewordenen Arbeiter und ihre Hinterbliebenen. Abg. Sprenger (Ztt.) fragt die Regierung, was sie tun werde, nm der drohenden Kartoffelnot vorzubeu. gen. Der Versand an Spätkartoffeln fei noch ungewöhnlich gering. Ein Regierungskommis- sar teilt mir: Gerade der Wmrsch, Kohlen für den vermehrten Kartoffeltrausporr zu erhalte«, ist für die Aufhebung des Schnellzugsverkehrs maßgebend gewesen. Für die Gütertransporte ist die Wagenstellung auf die Hälfte einge - schränkt nur nicht für die Lebensrnittel- und lkartoffelbesörderung. Die Kartoffelttansporte werden also demnächst eine weitere Besserung erfahren. ES folgt die allgemeine Bespre- cstung über diese Anfrage« und Anregungen. Abg Brunner (Soz.):,Ich bitte den Mini- ster den Schnellzugs verkehr nach dem Osten in beschränftem Umfang wiederherzusteven. Dir Hairptschukd an dem Verkommen unseres Eisen, bahnverkehrs trägt der frühere Minister Brei­tenbach der die Eisenbahnen dem Militarismus ausgeliefert hat. Der halben Million Men­schen die ihm unterstellt waren, hat er alle Rechte entzogen und dadurch unsäglichen Groll in ihren Herzen aufgehäuft. Bei der Rege­lung der Lohn Verhältnisse muß man den Arbej' rern das Mttbestimmuugsrecht gebe«. D« nächste Sitzung ist Donnerstag.

«Eigener Drahtbericht.)

Basel, 9. Oktober.

Die Preßinformation meldet aus Madrid: Die spanische Regierimg hat sich entschlossen, in Marokko einen Krieg gegen die Eingeborenen auf größerer Grundlage zu beginnen. 80 000 Mann find bereits marschbereit. Spanien hat ht Frankreich bedeutende Vorräte an Kriegs­material und Flugzeugen gekauft, um den Krieg mtt modernen Mittel« zu führen. Dem General Sylvester wurde der Oberbefehl übertragen.

Die Gefahr im Baltikum.

Bedauerlicher Ungehorsam der Truppen.

(Privat-Telegramm.)

Königsberg. 9. Oftober.

AuS Tilsit wird berichttt: Eine 120 Mann starke Abteilung der Jägerregimenter 9 und 10, di« in der Absicht, zu dem kurländischen Frei- wifliqenkorvS zu stoßen, die Grenze über­schritte«. sollten von Rittmeister Mackedanz mit einer Abteilung Tilsiter Dragoner zurück- geholt werden. Da die Jäger sich der Ent­waffnung widersetzen wollten, einigte man sich dahin, die Leute nach Tilsit zu bringen. Die Iägerabttilung wurde in Schreitlauke« unter» gebracht. Am nächste» Morgen aber 6« (reffen fich die Jäger wieder und entwiche» nach der Grenze. Ein Paar Mann wurden festgenom» men. Dtt Petersburger Telegraphenagentttt meldet am Dienstag den Uebertritt von achttausend Mann Truppen dereisernen Divtfion" zu den Russen. x

MordanschlSge in Rußland.

Koperchggen, 9. Oktober. (Eigene Drahtmel- d-rma.) Wie Wer Stockholm gemeldet wirb, hat in Moskau ein Bombenattentat gegen Mitglie­der der Sowjet-Regierung stattgefun­den. DaS Attentat richtet« sich gegen das Zen- ttal-Exekuttvkomftee der Regierung und wurde im Kreml,woder Sitz des Komitees fich be­findet, begangen. Eine Anzahl Personen wurde getötet, unter ihnen sollen sich Kamenew, Sagorski und Stecklosf befinden. Di« Zahl der Verletzten bettägt vierzig Personen, unter ihnen eine Reihe Mitglieder der Regienm>g. An­läßlich der Begräbnisfeier der Opfer dieses An- K wurde nun ein zweites Vomben- rt begangen, das sich gleichfalls gegen die Mitglieder der Sowjettegierung richtete. Dieses zweite forderte ebenfalls zahlreiche Opfer und zwar sollen insgesamt bei dem zweiten At­tentat zehn Personen getötet inib achtund- zwanzig Personen schwer verletzt worden sein Die Mittigen Vorgänge in Moskau bekunde», daß nunmehr eine ernste Auslehnung gegen die Sowjettegittung beginnt, die bereits fett län-