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Kasseler Abendzeitung

$* «affdtr Rtucfiai Rachrichtor «Meinen»MentUd; lechLmal «ab iw>ot cbeabS. ®« botmtttenWreU betragt toonetL 1.56 Mark bei freier AlsteLrmz tnB Hau». Bestellung« werde» jederzeit een bet Cefchäftsstelle ober den Bote« entgcgengenommen. 2ruderet. Bering «ab Rebottton, «chlachtrofpretze 18/30. Mr tmtrctiaxpt etttgefaebti Beiträge tarnt die «ebatttox eine Verantwortung ober »«währ tx keinem gatte übernehmen. Rückzahlung deS Bemgggetbei oder Ansprüche wegen etxxckgern!cht oebx«ngSmLtztger Lieferung auSgeschlogen.

Hessische Abendzeitung

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Nummer 277. Fernsprecher 851 und 952. Mittwoch, 29. Oktober 1919. Fernsprecher 951 und 952. 9. ZahrgaitK.

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Leichte Mldemng -er Sstseebloüa-e.

Gegen Wohnungsnot.

Mittel -» ihrer Beseitigung.

Der Mangel an mittleren und Keinen Woh- tomgen macht sich wie in allen Städten, fo auch im Kassel, unaufhörVch fühlbar. Die Gründe dafür, mit denen sich die StadtverWaltWtgen seit langem eingehend beschäftigt habe«, bedür­fen doch einer näheren Aufklärung, nach deren Ergebnis man zu einer Besserung und Abhilfe schreiten muß. Wie ist es gekommen. daß die WohnunWtot so groß geworden ift, obgleich die deutsche Bttöllerung im Kriege nicht zu-, son­dern aLgenommen hat? Ist doch namentlich der Nachwuchs in den süugsten Jahrgängen ganz erheblich geringer als in früheren Zeiten. In Verbindung mit der sehr gesteigerten Sterb- Kchkeit gibt es sogar Anlaß Mr Befürchtung, daß das deutsche Volk sich allmählich noch wei­terhin ganz außerordentlich vermindern wird. Gestiegen ist indessen, trotz aller Toten des Welt­krieges, die Anzahl derjenigen Personen, die Anspruch ans eigene Wohnungen zu machen be­rechtigt sind. Immer neue Jahrgänge werden ehererf. Die ZahlderEhen hat sich beträcht­lich vermehrt, namentlich im Kriege. Da­durch entsteht «in hochgesteigerter Bedarf nach eigenen Wohnungen Ferner sind im Kriege die Wohnunqsanfprüche der daheimqe- ülrebenen Bevölkernng sehr gestiegen. Di« Ar­beiter, die im allgemeinen gut verdienten, dehn­ten ihr Wohnbereich aus, was anfangs bei den oielen leerstehenden Wohnungen leicht war. Keller- und Dachwohnungen wmrden allgemein msgegeben. Auch das Bürgertum, soweit es gut verdient«, erhöhte seine Wohnungsanfprüche '-«deutend. So wurde der vorhandene Wohn- rattm siswn recht knapp, als das Kriegsende plöWch eine enorm« Wohnnngsnachfrage brachte.

Dazu kommt, daß die deutschen Städte mit Flüchtlingen überlastet sind; ungezählte Deutsche, die früher im Ausland lobten, mußten nach Deutschland zurückkehren, und ihre Zahl erhöht sich ständig. Auch nach Kassel sind zahl­reiche Einzelpersonen und Familien zurückge­kehrt und mit den Heimkehrerzügen kommen wcch mehr solche armen Vertriebenen, besonders auch aus den besetzten Gebieten. Aber es han­delt sich nicht nur nm deutsche Flüchtlinge; auch Ausländer, die aus ökonomischen, polit-i- schen oder nationalen Gründen in ihrem Wohn­laube nicht mehr bleiben konnten, haben sich in Scharen über Deutschland ergossen, und Ab- wehrnraßnahmen haben bisher nur den Er­folg gehabt, daß eine Art Ernwanberungs- schmuiggel eingesetzt hat. Aus alledem ergibt sich eine Kode Vermehrung des Wohnbedürf- ikisseS (itt Kleinstädten herrscht ebenfalls vielfach Wohn-ungsmangel infolge des Zuzugs von Großstädtern, die bessere ErnShrungsbedingun- geu suchen). Dem gestiegenen Woh-nbedürfnis über entspricht in keiner Weise die Entwick­lung des Bauwesens. Im Gegenteil ist der Wohnungsbau seit Jahren so gut wie ein- zestellt. Dies war zuerst eine Folge deS Man- wlS an Arbeitskräften; heute dagegen ist es der Mangel ast Baustoffen, der auf lange hinaus einen StkMand oder eine erhebliche Ein­schränkung des Wohnungsbaues alten Stiles zur Folge hat. Der Kohlenmaugel ist die Ursache der minimalen Herstellung von Ziegel- feinen; auch ist die Einfuhr von Bmrstoüen so leicht nicht möglich; einerseits wögen der enor­men Preise, andererseits, weil der Wiederauf­bau von Frankreich und sonstiger zerstörten Ge­biete auf lange hinaus an die Weltproduktion >ie orößten Forderungen stellen wird.

Trotz alledem muß natürlich das Wobn- bedürfnis befriedigt werden. Schon haben sich bi« Behörden gezwungen gesehen, die Neuver­teilung des vorhandenen Wohnraumes vorzu- rehmen. Solche Maßnahme kann natürlich nur »orübergehenden Charakter tragen. ES muß eben neu gebaut werden. FÄr den wichtig­sten Baustoff, de« Ziegel, müssen, darüber wa­ren sich kürzlich tu btt Nationalversammlung »ei der Debatte Wer die WohmnuOnot die Ver­treter aller Richtungen einig, mehr Sohlen zur Verfügung gestellt werden. Dann aber muß mau zu Ersatzstoffen greifen. Da kommt zu­nächst Holz in Betracht. Allerdings darf man auch nicht di« Staatsforsten völlig anSräuberu imd den Holzbcdarf künftiger Generationen übermäßig zugunsten der fetzigen Generation schmälern. Dann sind Hohchauten auch sehr teuer. Der Staat «nd die Militärverwaltung allerdings können die Errichtung von Holzbau­ten dadurch unterstützen, daß sie die in Deutsch­land. noch vorhandenen Minendiven, die zu Tausenden und Millionen vorhanden sein sol­len. her geben. Holzbauten mit Jf okiechlattev werden weiterhin viel gerühmt. Ferner aber wird mau, wie man in Kassel schon einen An­fang gemacht hat, in entschiedenem Maß« zum Lehmbau greifen müssen. Gewiß hoben Lehm­bauten nicht die Dauer und Güte wie Ziegel- oauten; indessen, für den Augenblick könne« sie die Wohnungsnot ganz erheblich lindern. Dir bisherigen Erfahrungen. «rt Lchmbamen sind

in Anbetracht eckler Umstände als durchaus gut zu bezeichnen. Ganz besonders werden Lehm­drahtbauten gerühmt, die geeignet sind, den Hauptmangel der Lehmwaud zu beseitigen: daß nämlich an der Lehmwand der Putz schlecht haftet. Die Kosten stellen sich jetzt etwa so hoch, wie die beim Ziegelbau vor dem Krieg«. In Anbetracht aller dieser Möglichkeiten ist zu er­hoffen, daß der Reichstzuschuß von 500 Millio­nen Mark, der, falls notwendig, erhöht werden müßte, gute Beihilfe zur Linderung der Woh­nungsnot leisten wird. F. W.

Segen die MeebloSsde.

Untersuchung der wirtschaftlichen Schäden.

(PrivattAegramm.)

Berlin. 28. Oktober.

Die deutsche Regierung hat gegen bi« von den Alliierten verhängte Oftseeblockave in einer neuen Rote Einspruch erhob«« «nd nnter Hinweis auf die Schädigung Deutschlands um Beseitigung der Sperre gebeten. Daraufhin sind Mitglieder der En- tentekommissionen auf Verlangen ihrer Regierrmgen in die Ostseehafenstädte gereist, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten an Ort und Stelle festzustellen.

Einige Erleichterungen bewilligt.

Danzig. 28- Ottober. lPrivat-Telegramm.) Di« britische Mission in Danzig hat auf Er­suchen des Danziger Magistrats erlaubt, daß einem in Holta« liegenden Kohlendamp­fer mit zwei Leichtern freie Fahrt nach Dan­zig gewährt werden soll. Das Eintreffen die­ser Kohlenfahrzeuge bedeutet für Danzig di« Beilegung der Gefahr der Stillegung der städ­tischen Licht- und Kraftwerke. Auch der Post- verkehr nach der Halbinsel Hela konnte wieder ausgenommen werden: ferner rüsten sich meh­rere im Danziger Hafen liegende Schisse Dampfer und Leichter zur Ausfahrt, um unter Küstenschutz den nächsten Hafen zu erreichen.

- Mrurm in Maß-Lothringen.

Gegen bie französische Rekrutierung.

(Privat-Telearammi

Straßburg, 28. Oktober.

Gegen die Einberufung der beiden Jahresklassrn 1898 und 1899 dauert die immer weiter um sich greifende Volksbewegung ftn El. fast an, die sogar tiefe Wurzeln bei der ländli. chen Bevölkerung gefaßt hat. In Men größe­ren Städten haben Protestversammlungen stattgeftmden, wenn solche nicht durch die Mi­litärbehörde verboten wurden. Die Zensur hat dem Mülhäuser sozialistischen Organ der Re­publikaner die Veröffentlichung der von den Jungsozialifien beantragten Entschlie­ßung verboten. In Kalmar und Dettwei- ler wurden die Verhandlungen von voncherein von bett Militärbehörden untersagt.

Die Zensur besteht weiter.

Straßburg. 28. Oktober. (Privattelegramm.) Die französische Regierung hat den sozialtsti- scheu Antrag auf Derhandluugssreihe it und ADschafstmg 'der Zensur in Elsaß-Lothringen erneut abgelehnt mtt der Begründung. daß die beiden Provinzen bis zum Austausch der Ratifikationsurkunden Äs militärisch be­setzter Gebiet gelten. Es wurde verspro­chen, daß die Regierung von dem gesetzlichen Handhaben, die ihr durch die Verordnung des komwandisrenden Generals Mr Verfügung ste­hen, fletoertei Gebrauch machen und den Wahl- fÄdMg nicht beeftkftussen werde. ( ?)

Abwanderung der Deutschen.

Straßburg, 28. Oktober. (Eigener Dv-chrdr. richt.) Havasagentur meldet, daß mit der Ra- tifikation deS Friedensvertrages über zwanzig, tausend Elsässern und Lothringern die nachge­suchten Ausreisepäffe nach Deutschland bewil­ligt würden. Di« AuSreisenden sind Elsässer und Lothringer deutscher Rationalität, Mr de­ren Ausweisung bisher ei« Grund nicht ge­geben war, die ober von der französischen Be­hörde ständig schikaniert wurden.

Alliierte« Studentenkongreß.

Basel, 28. Ottober. (Eigener Drahtbwkcht.) Der Figaro meldet: Der Rationallongreß der französische« Student«« findet vom 20. bis 26. November in Straßburg statt. Er wird mit dem Jahrestage des Einzuges bar Franzosen im Elsaß zusammenfallen, Poin- Lcsrectrifft am 24. November zur E.nwechung

der Universität in "Straßburg ein. Er präsi­diert der Galasitzung des Kongresses. Zu Kes­cher Zeit wird in Straßburg ein interalliierter SÄÄ>entenkongreß tagen.

Regierung und Parrament.

Die auswärtigen Beziehungen.

(Privat-Telegramuto

Berlin. 98. Oktober.

Amtlich wird fügendes mitgeteilt: Rach Artikel 78 Abs. 1 der ReichSverfassuna ist die Frage der Beziehungen zu den auswärti­gen Staaten ausschließlich Sache des Ret. ches. Den einzelnen Ländern stehen keine Recht» mehr zu. bei auswärtigen Staaten Ge­sandtschaften zu halten. Mit Rücklicht hierauf sind die bahrischen Gesandtschaften in Petersburg und Rom mit Wirkung vom 1. November 1919 ab aufgehoben. Die Aufhebung der Gesandtschaft in Paris dürfte demnächst er­folgen. Die bahrischen Gesandtschaften in Wien und Bern werden vom 1. November 1919 ab zunächst in Liguidation treten und nach deren Durchführung ebenfalls zu bestehen aufhören. Die bahrischen Handelsabteilungen in Bern und Wien führen ihre Geschäfte bis auf weiteres in der bisherigen Weise weiter.

Die Sozialisten in der Regierung.

Berlin, 28. Ottober. (Privat-Telegramm.) Tis Einsetzung von Mehrheitssoziali­st e n in leitende Stellen des Reiches und Preu­ßens ist auch in den Monaten September und Ottober vermehrt worden. In Preußen waren bis 15. Oktober 145 Mehrheits sozialsten in ministerielle und landrätliche Amts, stellen durch Ernemmng gebracht. .

Helfferich und Westarp als Kandidaten.

Berlin, 28. Ottober. (Privat-Telegramm.) Rechtsstehenden Blättern wird aus Stettin be­richtet. daß für die kommenden Reichstagswah- lcn von der deutschnationalen Volkspartek in Pommern der frühere Vizekanzler Dr. Helfferich und der früher« Führer der Kon­servativen Graf Westarp aufgestellt werden.

Fm Untersuchnngs-Ansschuß.

Vernehmung von Bethmann Hvllweg.

(Privat-Telegramm.)

Berlin. 28. Oktober.

Der dritte und vierte Unterausschuß des Un­tersuchungsausschusses der Natiomaldersamm- Iimg haben ihre Tätigkeit so abgegrenzt, daß der vierte Unterausschuß die Vorgänge in Bel­gien, der drifte die in den übrigen Län­dern bearbeitet. Der Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung wird am Freitag sein« Vernehmungen fortsetzen. Als Zeuge ist der ehemalig« Reichskanzler von B e 1 h m a n n- Hollweg geladen. Den später zu vernehmen­den Zeugen wird rechtzeitig von ihrer Vor­ladung Kenntnis gegeben und sie werden ein- geladeu, zur Information den vorauSgehen- den Zeugenvernehmungen beizuwvhnen.

Ludsudorst beantragt Vernehmung.

Berlin. 28. Oktober. (PrSvatteLgramm.) Zur Widerlegung der Behauptung des Botschafters Graf Bernstorff hat General Ludendorsf beim Untersuchungsvnsschuß der Nationalver- sammlung seine Vernehmung beantragt.

Dauernde ft We in Rußland.

Die Bolschewicki verteidigen Petersbma.

(Eigener Drabtbericht.)

Ikopekchaqett. 28. Ottober.

lieber Reval wird gemeldet, daß die Bol- schewsttt in Petersburg immer heftigeren Widerstand leisten. Zarskoje Selo hat mehr- mals den Besitzer gewechselt. Die weißen Truppen werden, wie berichtet wird, in ihren Bewegungen sehr behindert, da chnen nur eine einMe EVenbcchnlinie zur Verfügung fleht. Di« Lage der Bolschewicki scheint sich von Tag zu Tag zu festigen und eS sieht nicht aus. als ob «s der Norvwefftarmee gelingen werd«, dir Stadt Petersburg zu überrumpeln. Jude­nitsch, der Gegner tot Süden, ist ur schwach Während bfe Bolschewicki immer mehr Truppen nach Petersbar« werfen. Sie haben ihre Front gegen Kottschak geschwächt in der Vorausset­zung. daß es wichtiger ist. Petersburg zu ver­teidigen. Äs in dem entfernten TtwolÄk und Umgebung etoige Quadratmeter Mt halten. Auch t»n der Denikin-Ftvnt sollen d« Bolschewisten Truppen abgezogen haben, waS ihnen durch den Bauernaufstand tot Rücken Denikins möglich gemacht wurde. Aus Hel- singfors wird gemeldet: An der Petersburger Front habe« die Kämpfe den Lharatter eines St gllun 6f angeuornmeL.

Sie Wirtschaftslage.

Wie unsere Regierung sie sieht.

Zur Rede des WrrtfchastsMinisters Schmidt in der gestrigen RatLonalversammlung schreibt unser parlamentarischer Mitarbeiter: Die Rede wird im Lande sicherlich größerem Interesse be­gegnen, als sie, nach der Präsenz der Abgeord­neten betrachtet, in der NgtionalversamMkung selbst fand. Um es vorweg zu nehmen: Der Minister hält daMr, daß unsere Wirtschafts­lage gegenüber dem Zustande vor einem Jahre, wie überhaupt to den letzten Kriegsjahren, fick wesentlich gebessert hat. Durch seine Darstel­lungen unserer Wirtschaftsb-erhältNisse tat Ein­zelnen, über den Stand der LebenSmitteLver- sorgung und LebenSmitterbeschaffung ging ein durchweg optimistischer Zug. Brot-, Kartoffel- und Fetwersorgung hält er für gesichert, die ausländischen Lebensmittelankäufe gewähren bis in das nächste Frühjahr hinein die Beschaf­fung unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Für di« Kartosfelbefchaffung fällt allerdings erschwe­rend ins Gewicht, daß die Verkehrsn-ot noch immer nicht gehoben ist. Es ift doch außer- ordentUch betrübend, hören zu müsset, daß nm 50 Prozent, also nur die Hälfte der Wagen ge­stellt werden kann, die zum Abtransport der Kartoffeln nötig wären. In Kürze wird das Brot infolge geringerer Ausmahlung eine bes­sere Qualität erhalten. Di« Speisefett­ration glaubt der Minister ebenfalls anftechl erhälten zu könneu, allerdings ist die Marga- rit'.eerzeugtmg auch wieder eine Frage der Koh- lenablieferuna. Sehr tat Argen liegt die Fleischbelieserung. Der Minister will jedoch von Zlwangsma ßregetn gegen die Laud- wirtschaft absehen in der richtigen Erkenntnis, daß er damit für den Versovgtmgsgweck auch nichts erreichen würde. Um unser« Fleischpckv- duktion wieder in Ordnung zu bringen, ist es einerseits erforderlich, unsere Vieh bestände tat Jnilande zu schonen, andererseits muß di« Einftrhr von ausländischem Fleisch werter auf­recht erhalten bleiben.

Der Minister gab ein interessantes Bild flbet die Wirkung der Milltardenzuschüsse des Reichs zum Zweck« der Senkuug der Le» bensmittelpreise. Ms die ersten eineinhalb Milliarden bewMgt wurden, stand der Preis für ausländisches Mehl aus 4 Mark, heute be» trägt er 8 Mark, dieses Mehl wurde zu WO Mark an die Bevölkerung abgegeben. Speck kostete früher 14 Mark, jetzt 20 Mark, er wird aber zu 6,80 Mark das Kilo abgegeben. Beim Speisefett ist! eS Örtlich: von 11 Mark ist es auf 19 Mark gestiegen, während die Zuschüsse die Abgabe zu 9 Mark ermöglichen. So ist es auch mit den ausländischen Einkäufen an Fletsch, Kartoffeln, Brotgetreide usw. Im erster Halbjahr 1919 wurden 760000 Tonnen auslän­discher Lebensmittel zum Preise von über zwei Milliarden Mark eingefiihrt.

; Die Regierung sieht di« WirtfthaftÄage auch unter BerücksiMliMng der schweren SorMM der kommenden Wintermonate für nicht hoffnungs­los an, wenn di« wirtschaftlichen Vtthältniffe sich weiter festigen, und wenn die Beruhigung tat Inneren weiter fortschreitet. Di« Regierung hofft auch, in diesem Wtater Petroleum verteilen zu können, was insbesondere Kr di« landwirtschaftliche BevöAerung, die unter der Beleuchtnngsnot leidet, von Wert ist. Im allgemeinen glaubt der Minister, daß un­sere WirtschastsverhAtniffe nicht schlechter, son­dern gegenüber dem Zustande in der letzten Zeit des Krieges-wesentlich besser geworden sind. Natürlich bleibt noch ungeheuer viel zu tim übrig, und das Wichtigste ist die Stärkung der Arbeitssrendigkeft und damit der Produk- tio-nsfäh-igkeft tat Lande, hiermit wiederum die Stttgttung nnserer Ausfuhr, und hierdurch endlich die Verbesserung unserer Zahlungs, bAanz. Dann würde uns ermöglicht, die iw Ansland« lagernden reichlichen Rahnrngsmit telmengen für uns selbst zu erträglichen Dedin. Mnqen und Preffen nutzbar zu machen. Wir möchten hoffen, daß die Regierung mtt dieser Betrachuugsweise recht behAi, und daß es Hj> gelingt, die ruhige Entwicklung nach Innen und das erftÄgkiche Verhältnis nach Äuß«' an sichern. Dr. K

Die NatirmalversaNmluug.

Besserung der Wirtschaftslage.

(Eigener Drahkbericht.i

Berlin. 28. Oktober.

Die schwersten Sorgen unserer Zett laste« nicht so sehr auf unserer politischen, als viel mehr auf unserer wirtschaftlichen Lage. Imme« noch nicht ist dos revolutionär« Fieber erloschen daS eine ^Zeikkang unser so hoch entwickeltet deutsches Wrrkschaftsl«ben zu Grunde zu rich ten droht«. Im Zusammenhang mit der SchiWSerbgkerte« der LebenSmittrlverforgunz und unter dem Druck der ungeheuerltchen Opse' die der Versailler Friedensvertrag dem deut Wen VE «uferlegt, kam eine VerAveiflungS KlMMturg auf, die unser Doll völlig tat de