Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung -M-A Hessische Abendzeitung
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Rnmmor 213.
10. Iahrgans.
Mittwoch, 15. September 1920
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Fernsprecher 951 und 958.
Das deutsche Ernährungs-Problem.
Kartossek-BersorgMg.
Bewährt sich der freie Handels
Wäre unsere Zeit nicht so beklagenswert, man wäre versucht, eine bissige Satire zu schreiben. Wie Hal ma.i bisher nach Au fhebung der ZwanaSwirtfdxvft gerufen und unzählige Gründe äuge führt, daß nur die Freigabe der täglichen Lebensmittel eine bessere Ernährung gewährleisten könne. Die Zwangswirtschaft, io hieß es, erschwere die Verteilung und verteuere die Ware. Nur der freie Handel mit seiner fein- gegliederten Organisation und seinem fachkundigen Gefühl für Konjunktur fei in der Lage, Jedem das Seine zu annehmbarem Preise zu geben. Jetzt wollen wir die Probe aufs Erempel machen, mtd schon versagt sie. Oder nicht? — Woran liegt es b>nn, daß wir jetzt, nachdem die Kartoffelnfrei gegeben sind, kein: kaufen können? Vor einigen Wochen besaß die Stadt Kassel zwar Kartoffeln, die sie mit besonderer Wärme anpries. Man sollte sich davon einen Vorrat hinlegen. Das war zwar leicht gesagt, aber diese Kartoffeln waren ic schlecht, daß niemand sir haben wollte. Schließlich sind sie doch zur Neige gegangen. Mer neue Vorräte sind nicht vorhanden Jedenfalls stttd sie nirfrt mi erfassen. Die geplagten Hausfrauen müssen Tag für Tag von einem Händler znm andern wandern, kommen meistens mit leerem Korbe nachhcnsse, oder, wenn sie Erfolg hatten, bringen sie vielleicht drei Pfmtd mit, eine Menge, die für eine Familie zrrm Leben zu wenig und. zum Verhungern zu viel ist. Dieser iämmertübe Zustand hat zchon wieder dazu geführt daß Mele zum Brot Zuflucht nehmen, sofern sie Brotmarken im Schleichhandel erwerben können. Wie fäll man denn in einer Großstadt leben, wenn das wichtigste NahnmgZmittel, die Kartoffel, gänzlich sohlt und das Brot nur in knappen Rationen zugeteilt wird?
Woran liegt es ferner, daß der Kartoffelpreis so ungleichmäßig ist, daß der Unterschied bis zu hundert Prozent ausm-acht? Es kann doch nicht gesagt werden, daß an dem einen Platz mehr Kartoffeln ans dem Markte seien als an dem andern. Sie sind eben nirgends zu haben. D-a muß man doch fragen: Was ist aus den Bemühungen der Organisatie-nen des freien Handels und der bäuerlichen Genossenschaften geworden? Die vorgestrige VersänimLing des Bundes de: Landwirte und der KrAsbcuiern- schaft von Kassel-Land, die hier unter Bett iligung von Vertretern der Provinzial- und städtischen Behörden stattfand, brtaßte sich eingehend mit diesen Fragen Der Beschluß, daß ^»Reserven zurückgestollt werden sollen, gibt jtovn einen gewissen Trost Ebenso, daß der Preis auf zwanzig Mark für den Zentner ab Erzeuger festgesetzt wurde mit dem Bestreben, die Kartoffeln nicht zu teuer werden zu lassen Kürzlich hatten allerdings,Landwirte aus eint» S Kreisen bekannt gegeben, daß sie noch bil- r zu liefern bereit seien. Wenn schon in der erwähnten Versammlung der Preis von 31,75 Math, den das Reich für ferne Reservckäufc festgesetzt hat, als zu hoch verurteilt wird, so offenbart sich darin wieder die Mißwirtschast der Reichsstellen in ihrem vollen Glanze. Diese Stelle» treten in Deutschland als Preistreiber auf und verteuern dem Volke die tägliche Nahrung. Es ist daher eine höchst erfreuliche Nachricht. daß die Ortsvereine des Deutschen Bauern- bundos von Elgershausen und Altenritte erlOären, alle überschüssigen Kartoffeln an die Stadt Kassel zum Grundpreis von zwanzig Mark den Zentner und drei Mack Fuhrlohn ab= geben zu wollen. Auch sie sprechen die Uebcr- zeugung aus, daß die Kartoffel-Lieferverträge zu dem höheren Preise von dreißig Mack für den Zentner einer gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung hemmend im Wege stehen. Man sollte mm Oattben, daß das, was. dem einen Teil recht ist, dem andern Teil billig sei und daß man allgemein dem guten Beispiel folgen werde. Was sagt aber das Ernährungs Ministerium $u seinen voreiligen Abschlüssen?
Aus dem Hannover-Land siegen «ns ebenfalls Meldungen vor, toonae'-- auch dort der Preis von zwanzig Mack ab Hos oon der Mehrzahl der Gemeindevorsteher als angemessen bezeichnet wird. In Versamiulunaen werden Ent- fchließuugen gefaßt, in denen die Gemeindevorsteher, die Bertveter der landwirtschaftlichen Vereine, Verbände und Genossenschaften, sowie der Kartoffelhüudler den Wllen bekunden, die Herbfchartofseln für die Verbraucher zu einem annehmbaren Preis zu beschaffen Die Kartoffelernte wird dock als reichlich bezeichnet. Sie verpflichten sich ferner, darüber zu wachen, daß keine Wucl>erpreise Mordeck und bezahlt werden. Damit gehen sie dem Usbel an die Wurzel. Es ist wirklich einmal nötig, an tnc Vernunft der Verbraucher m appellieren, besonders an diejenigen, die jeoen Preis zu zahlen bereit sind. Mögen sie bedenken, daß sie durch dieses gedankenliose Ueberbirten die große Zahl der Minderbemittelten benachteiligen. Dieses unbedachte LromflüAbietLll gibr erst dm Anlaß §r
Preisstrigerrmgen und knappen Zufuhren für die Allgemeinheit. Man darf wchl onnehmen, daß der jetzige Mangel nur vorübergehend ist, denn die Kartoffeln können ja nicht in der Erde stecken bleiben und müssen schließlich ihrer Bestimmung zugeflihck werden. Die Häudler-Or- ganifationen sowohl als auch die ländlichen Genossenschaften werden sich hoffentlich weiter bemühen, die Versorgung auf dem Wege des freien Handels besser zu regeln. Der gegenwärtige WDose Zustand kann nicht bleiben. Man stelle sich nur einmal die Komödie der Irrungen vor, wenn etwa die Zwangswirtschaft wieder eiuge- sührt werden müßte! K. F. Dr.
Sie SrMrmM-Sorgen. Landwirte und Verbraucher im Rheinland. tPrivat-Tclecuamm.l
Köln, 14. September.
Am Oberrhein fanden in den letzten Tagen zahlreiche Versammlungen statt, in denen die Veckreter der Landwirte und der Verbraucher gemeinsame Beratungen über die Lieferung und die Preise von Kartoffeln und Obst hatten. Die Verhandlungen waren drittglich, weil sich die Eisenbahner entschieden weigern. Kartoffeln zu befördern, bei denen der Höchstpreis über zwanzig Mack hinausgeht. Die P s l a u m e «- preise mußten bereits von fünfzig auf fünfundzwanzig Diack herabgesetzt werden, wenn nicht die gewaltigen am Oberrhein lagernden Vorräte verfaulen sollten. Auch bei der Kartof- felpreissestsctzung zeigten sich die oberrheinischen Landwirte zu Konzessionen bereit. Die Eisen bahner verlangen bis spätestens Mittwoch die endgültige Entscheidung der Bauernschaft.
Auslandsgetrside oder Mehl.
Berlin, 14. September. (Privattelegramur.' Im Reichsernahrungsministerium fanden gestern Verhandlungen über die Einfuhr von amerikanischem Getreide oder Mehl statt. Das Ergebnis war, daß das Reichsernöhrungsmint- sterium nach wie vor auf dem Standpunkte steht, tir.e Freigabe der Einfuhr von Mehl dürfe nicht stattsinden. weil dadurch die Zentralisie- Titng der Erfassung und Verteilung des Brot- mehls gestört werde. DaS Ministenum hat sich ober zu Verhandlungen mit Vertretern der Reichszentrale bereit erklärt, fobaLd von feiten der amerikanischen Bäcker-Genossenschaft neue Unterlagen vorgelogt werden können.
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Erklärung der KartoffelhSndler.
Berlin, 14. September. (Privattele- flramm.) Der deutsche Kacko sfelgroßhändlerver- band Berlin-Düffeldors richtete folgende Drahtkundgebung an das Reichsernährungsmini» sterium: „Infolge der Kartosfellieserungsveckräge glauben die Landwirte, ermuntert durch die vom Reiche gewährten Preife, dreißig Mark für den Zentner fordern zu müssen, wahrend die Ber- brancher bedeutend weniger zahlen wollen. Die Kartoffelhändler müffeit daher erst eine abwar lende Haltung einnehmen, wodurch hie Winter Versorgung fdjtver gefährdet wird. Sie verlangen daher sofort eine öffentliche Ettlärung dar über, daß das Reichsernährungsmini' sterium nicht gewillt ist. die Kackoffelliese- rungsocrträge. deren Ungültigkeit außer allem Zweifel steht, durch einen VermaltungSzwarrg zum Schaden der Verbraucher durchzuführeu.
Mr Sisenbahner Tagung.
Verurteilung bet wilden Streik«.
(Privctt-Telearamm.)
Dresden, 14. Sept.
Gestern trat hier der Deutsche Eise«» bahnerverband zu einer außerordentlichen Generalversammlung zusammen, die von 253 Delegierten, zahlreichen Vertrauensmännern und Bezicksle-iern auS allen Gegenden Deutschlands besucht war. Die Generatversommlmig war einberuse« wegen des ZusammenschurffeS deS deutschen Eisenbahnrrverbanves mit dem süddeutschen Beckehrsverband. ReichsveckehrSmini- {ter Gröncr war nicht erschiene«, hatte auch keine« Vertreter entsandt, vielmehr erklärt, daß sämlliche Referenten unabkömmlich seien. Der ReickSpost. Minister war durch einen höheren Bemmen der Oberpoftdirektton Dresden vertrete». Der Vorsitzende des VerbandStageS Scheffel (Berlin) besprach in feinem Geschäftsbericht die verschte- dcm: Lohn» und Stratk^aga« der letz
ten Zett vnd erklärte zn de« wilde« Streiks der Berliner Eisenbahner und {m Frankfurter Eisen- bahnbezick, daß in Frankfurt eine Hetzerzentrale zu suchen sei, in deren Agitationsmethoden deut, lich politische Ziele erkennbar wären.
Kasseler Kommunales.
D ie gestr igeStadtverordneten-Versammlung; unsere Schulr« im bevorstchrnven Winter. (Eigener Beckchtt)
Dis Entente-Transports.
Dresden, 14. September. (Privattelegramm.) Auf der Tagung des Deutschen Eisenbahnerverbandes veckrat der Vorsitziirde den Standpunkt, daß die Regierung bei der Kontrolle der Munitions- und Truppentransporte der Alliierten nicht mit dem nötigen Ernst vor- gegangen sei. Die Arbeiter hätten die Neutrali- lät besser gewahrt als es di« Regierung getan habe, wenn sie auch dabei über das Ziel hinausgeschaffen seien. Die Beziehungen zu den in. temationalen Transportarbeiter verbänden würden sehr gut gepflegt Man fei über die Verhältnisse im Auslände sehr gut unterrichtet. Der deutsche Eisenbahnerverband habe sich der internationalen Transportarbeiter-Föderation an» geschlossen und bereits den Mitgliedsbcirag in Höhe von vierzigtausend Mack abgesandt.
3m Marne« SMetcheu.
Pta« einer freiwillige« Polizeitrupps?
(Privat-Telearamrn.1
Beckin, 14. September.
Die Sozialdemokratische Partcikorrespon- dcnz veröffentlicht dem „Borwäcks" zufolge eine fiten« vertrauliche Verfügung des Oberprä-siden- te« von Ostpreußen über die Bildung einer freiwilligen Polizeitruppe für Ostpreußen vom L September 1920. Danach sollen unter der Leitun« und Konttolle des Wehrkreiskommando s freiwillige Polizeitruppen ausgestellt werden, die sich am 6. September im Lager Aris verwendungsbereit halten sollten und die am 15. September in Marsch zu setzen seien. De» Erlaß schließt mit bett Worten: Mitteilungen i« der Presse dürfen keinesfalls erfolgen.
Litauische Forderung.
Königsberg, 14. September. (Pckvai-Tele- gramm.) Im Memelgebiet wird eine Aendevung in der Zusammensetzung des Landes- Direttoriums vorbereitet. Das Direktorium soll in Zukunft nicht mehr aus neun, sondern aus fünf, höchstens sieben Mitgliedern bestehen. Die litauische Regierung fordert nun eine genügende Vertretung des litauischen Elementes im neuen Direktorium. Sollte Vieser Forderung nicht nachgcgebe» werden, so würde die Holz- und Lebensrnitteleinflihr nach Memel unterbunden. Man glaubt, daß Liese Forderung durch die gvoß-Kwnttsche Elim« in Memel bettieben wird.
Sie Engländer in Men. Der Busstand an Indiens Grenze.
(Eigene Drahtmekdung.)
Rotterdam, 14. September.
Aus London wird der „Jpu" berichtck: Die amttiche» Stellen der britisch-indischen Regierung bringen nähere Einzelheiten über bett Aufstand in Afghanistan, der feit mehreren Wochen dort gegen Vie Englänber herrscht. Das indische Amt veröfsentlickst jetzt Einzelheiten der Vorgänge, aus denen zu entnehmen ist, daß dieselben afghanischen Bergstämnte, die schon mi Frühjahr ben Aufstand gegen bie Engländer geführt haben neuerdings wieder unruhig wurden und die indische Grenze übcrschcktten haben. Afghanische Beamte haben die Eingeborene« in ihrem Vorgehen mtterstütztt Zum Tell ist die Feindlichkeit der Afghmten ans fremde Ei« flüffe zurückzuführen, die infolge der england- feitchliche« Propaganda i« den Nachbarländern Indiens ihre Lftckung auSüben. Englische Beamte setzten sich «rtt der osmanische» Regierung und deren Vertretern an der Grenze in Serbin- düng und veckichecke« Asghanistan der vollen Freundschaft Englands, woraus sich die Lage des fette und die Streitigkeit«! ei« Ende «ahmen.
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Kampf gegen Afghanistan.
Rotterdam, 14. September. (Eigene Droht- mcGntng.) Irr dem amtlichen englischen Bericht über Asghanistan wird verschwiege», daß von den britisch-mdischen Truppen und englischen Flie» gergbieibungen ein mehrwöckiger Feldzug gegen die Bergstämme gefühck wowen ist und einige Hundeck Afghanen getötet wurden Besonders beklagen sich die Afghanen Wer die vc« den Engländern ungerichteten Verwüstu-t- gen in den afghanischen Dörfern, wovmr mehrere wrllWvnen zeWäü wurden.
Kassel, 14. September.
Der kreisende Berg der Dagesordnnng für die gestrige Stadtverordnetenversammlung gebar ein Mäuschen. Es kam nichts heraus, was nicht Ichon bekannt getvesen oder bekannt geworden wäre. Als die Zeit des Sitzungsbeginns gekommen war, gab es n«r den SchvfifüHrer, den Stadtverordneten B«ch«mnn, am Präsidium. Evst später Iain seine Vertreterin, Frl. v. Kaest- >ter, hinzu. So saß neben dem Protokollführer nur ein »Pärchen" am Borsteherplatz. Erst nach einiger Zeit übernahm der Stellveckreter des Vorstehers, der Oberlehrer Müller, di.« Verhond- lungszügel des Stadtparlaments. Verschiedene ivichtige Punkte wurden abgesetzt, darunter die Wasserfttaßenfrage und die Wohnungen des. Landessinanzamtes. Und der Grund dafür?
Wie „man" Höck, war eine große Sache im Gauge. Die demokratische Fraktion hatte eine Anfrage über den Standunserer Finanzen- vorbereitet. Sie glaubte nicht mehr in jeder Versanrmntng große Dummen bewilligen zu können, von denen Nienurnd weiß, womit sie gedeckt werden können, nachdem das Steuerrecht genommen ist. Zwar will der Staat entgegentem- men, aber ... NUn soll der Magistrat einmal reinen Wein einfchenken. Davan hat sicher die ganze Bürgerschaft ein brennendes Interesse. Bon einer den städtischen Körperschaften nahestehenden Softe wurde mir erftärt, ein Kaufmann, der da weiß, daß er bankerott ist und immer neue Gelder einbuttert, würde gegen das Handelsgesetz verstoßen und mit dem Paragra. phen „Betrügerischer Bankerott^ in Konflikt geraten.
Verhandlungen mA den übrigen Fraktionen hatten das Ergebnis, daß die Anfraae zu einer allgemeinen Auflage umgewandelt wurde rmd im letzten Augenblick einigte man sich dahin, bei der Behandlung dieser hochnotpeinlichen AngelegenheA hübsch ifcter sich zu bleiben. So wurde diese Anfrage a'f die Tagesordnung der vertraulichen Sitzung übernommen und — um Zeit dafür zu gewinnen — wurde die öffentliche Versammlung wesenttich abgekürzt. Fmmerbi« hat sie aber neben der Gewißheit, daß di« Schulen besser als bisher den hygienischen Anforderungen entsprechend gereinigt werde» — eben tagt« ja hier der Verein für Schulhygiene! — eine bemerkenswerte Magistratserklärung zu der die Bürgerschaft bewegenden Frage des Dchlll, betrieb^ im Winter ergeben!
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Die Schul-Beheizung.
Aller Augen warteten aus die Magksflatsvor« läge, die fast 93000 Mack für Zwecke der ScPÄ» bcheizung nachbewWgt wünschte. Aus de« Ausführungen des sozialdemokratische« Stadtverordneten Valenttn Traudt ersah tnan, daß es srch um alte Nachhewilligungen handelte. Die Debatte über die Frage, warum nicht von vornherein höhere Summen in den Etat eingestellt worden sind, können wir «ns schenken. Die Bewilligung wurde glatt ausgesprochen, nachdem sie Herr Traudt .schweren Herzens" empfohlen hatte, weil die Kohlen doch verbrannt stich. Sann aber verlas er bie bereits bekannt» gegebenen Entschließungen der Elternbeiräte der Oberrealschule 1, deS Lyzeums mit Oberlyzeum und der Bürgerschule 5. Oberbürgermeister Scheioeman» gab dazu folgende bemeckenswecke Erklärung ab, die, wie er sagte, der Beunruhigung in der Bevölkerung am besten entgegenwirkt:
Der Magistrat ist durchaus entschlossen, bar Schnlbctckeb nicht wieder so zurück zuschraube« wie es im Kckege der Fall gewesen ist, sonder« er will ihn vollkommen ausrechterhalttu (Auf Bravorufe hin betonte der Oberbürgermeister das Wollen.) Ob er daM in der Lage ist, bas ist eine andere Sache. So lange ttrtr n»r eine Kohle haben, sollen wenigstens bie Schule« be- hcizt werden. Sind aber keine Kohlen da — ich hoffe, baß es «ich! so wett komntt! Der Magistrat ift durchaus einig mit der Finanzkomntts- sion, baß «»ter »Ne» Umstänbe« baS Möglichste geschieht, daunt «icht wieder der Zustand Platz greift, der zu einer, ich will «icht sage« Verwahrlosung der Jugend — wo anders ist es wmnöglich noch schlimmer als to Kassel —, doch zu Zuständen gefülpft hat, bie trsmrifl smd.
Der Zeitpunkt, da wir uns über die schwierige Frage der Ausbringung der Mittel zu unterhalten haben, kommt nach den Worte« deS Oberbürgermeisters schneller als wir wünschen. Scheibemann gab dann Wetter die sol- «ertbc wichtige Erklärung ab: Wenn das Reich «ns die Verpflichtungen ausertegt, die Schule« zu betreiben wcd sogar neue M errichte«, dann Säten Reich Und Staat auch die DerpfNch.