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Meter Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

10. Jahrgang.

Nrrrnrner 222

Sonnabend, 25. September 1920

Rtrnfbretfiet 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Arbeitslosigkeit im Zn- und Auslande

die will-

bem besiegten

Kontrolle durch die Entente

Felge« des Preisrückgangs

ate Safi eiet Keueftee Nachrichlen erscheinen wöchenlltch sechsmal mtb paar abends. Ter XbonnementSpteU beträgt tnonatl. 5.00 Mark bet freier Zustellunz ins Ha»r. Bestellung« werde» tederzeu von der Eeschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Siedaktton -. kchlachthofstraste 28/30, Für unverlangt etngesandte Beiträge kann die Redattto» eine Verantwortung oder Lewähr In keinem Falle übernehmen. Rückjahlung deS BerugSgeldeS oder ilnsprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlosten.

gübnfttiefrife im AMand.

Stockung in bett Fabriken in Belgien.

Ausfuhr trotz Mangels.

BreSlau, 24. September. (Pr-ivatEssramm.) Nach einer Mitteilung b.'r mitteleuropäischen KohlenkmmMston Haden die deutsche und die ungarische Regierung aus Veranlassung der alliierten Reparaffonskommisston (st die Der- einbammg getroffen, nach der Deutschland an Ungarn vorläufig dreißig Eisenbahnzwge oberschkesische Kohle liefert. Die geliefer­ten Mengen werden von Ungarn dar bezahlt. ES sind bereits vier,zehn Eisenibahnizüye abze- gangen. Das Mbkommen hat in beteiligten Kreisen Erstaunen hervorgerufen, dmn es be­steht doch die Tatsache, daß, wenn auch in Un­garn Kohlenmangel herrscht, doch der Kochlen- manigel in Deutschland nicht geringer sein dürste.

JnterttonSpretse i) Stuhetmtsche «ustrige: Die etatvaUtge «tyetgen-.geUe M. IM.. die eiefpalttge Reklame,etle M. xsa b) SuSwärNge Auftrage: Dt, einspaltige Anzeigen,eile M. 1.20, dt« einspaltige Reklame,elle M. 2.75, alle» etuschlteßltch DeuerungSzuschlag und Anzeigensteuer. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegeben« Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann «ine ivewähr nicht übernommen werden. Druckerei- «chlachttzofstr. 28/30. «eschäftSstelle - »öintsche Str. 6. Telephon Kt. 981 n, 852.

Auftlärung in der Stadt

Mer die Gefahren der Tuberkulose Won gntt -Fortschritte gemacht hat. Anders liegen die Dinge aus dem Lande. Im Hofgeismar wird Dr. Meder demnächst einen AufMrungSvorttag halten. Aus der Mitte der Versammlung wurde die Zunahme der Tuherkulose aus dem Sande damit erklärt, daß die dort wohnenden Arbei­ter, die keine Selbstverforg-r sind, in der Ernäh. ntng cft schlechter gestellt sind alS die städtischen Arbeiter. Zum Schluß gab eS noch eine toter« effante Auseinandersetzung über die Heilbhhand. lung mit Röwtoensirablen, die. wenn sie nicht hon einem Spezialisten hurch'dhrt wirb, große Gefahren in sich birgt. Stadtarzt Dr. K e d i n « wies dabei auf die Beschaffung eines großen Röntgenapparates durch bh Krankenkaffeu hin und forderte die Kassenmfthi^r n-- Ergänzung d« Diagnose bei Kindern mit Kiffe der Durch­leuchtung. Eine Auswahl der Mr Heilung be­stimmten Kinder fei ohne RSntqenduMbstrahknng nicht mSqlich. Unter Berufw-F auf den Mast in Kassel ahgehaktenen Kongreß für Wentn*e GtzsimdsteitSpflege «achtete T*. v. DM> eine t'<ur<b Gesetz fefbgelegte Lrttkiche Meld^iki-bi b^r TuberßuloseMe für unumgänglich. Ohne diese Bestimmung Wirtz das in Vorbereitung befind-

Rotterdam, 24. September. (Eigener Draht­bericht.) Die Times melden aus Parts: Die Ueberwachungskommisfion in Berlin wurde an- gewtesen, Unterlagen Mr die deutschen Ar­beitslosen . Unterstützungen dem Alliiertenrat zu unterbreiten. Die Tatsache, daß die Deutschen jährlich fünf bis sechs Milliarden Mark Mr Arbeitslosenunterstützung übria haben-, während die Alliierten bei gleich hoher Arbeitslosigkeit, sich diese Summe nicht leisten können, sei trott Bedeutung für die finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands.

lich, daß sich Frankre Macht dagegen getoe

tun ft durch feinen Machitspruch zu vereiteln. Bis heute besteht der ganze Völkerbund aber nur aus einer Allianz der Sieger, :mb feie Hoffnungen, die Europa unb die ganze Welt aus das Wirken des NöVerbundes setzten, sind bereits bedenklich In den

hält man d en

den Völkerbund auifgcnoinunen wird. 5 Wiffonschen Idee des Völkerbundes ist wenig mehr übria geblieben. Er sollte erster Linie dem Zwecke dienen, kriegerische Kon-

Fnmkrrichr «er AMent.

Die gestrige Wahl Mill-rand».

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 24. September.

Der französische Kongreß trat gestern nach­mittag zur Wahl des Präsidenten der Republik zusammen. Die Abstimmung hatte folgendes Ergebnis: Insgesamt wurden 892 Stimmen ab­gegeben. Davon entfielen auf Millerand 695, auf Doumergue (radikaler Sozialist) 106, Delorv (Sozialist) 69, Jommrt (Linksrepublikaner) 3, Leon Bourgeois (Radikal) 3. Pams (Radikal) 3, Peret (Linksradikal) 2, General de Mandhy 1. Der Präsident des KonWeffes erklärte hierauf Millerand als vout Kongreß zum Präsiden­ten der Republik gewählt. Nach der Verkün­digung deö Wahlergebnisses begab sich Bour- geois zu dem im Nebensaal befindlichen Mille- rantz. um ihm das Abstimmungsergebnis mitzu- leilen und ihn zugleich zu beglückwünschen. Mil­lerand betrat hierauf, von stürmischem Beifall empfangen, den Kongretzsaal. Sichtlich bewegt, verneigte er sich dankend. Millerand wird heute nach Paris zurückkehren. Die Nachricht von der Wahl Millcrands wurde in Paris von Sonder­ausgaben der Blätter bekannt gegeben. Das Wahlergebnis wurde allseitig betsälliq aufge­nommen und man hörte Rufe wie: Es lebe Mil­lerand! Die Blatter nehmen übereinstimmend an, datz die aus der Präsidentennxchl sich erge­bende Kabinettskrise rasch gelöst sein werde.

$05 Mkerbund-Mtsel.!

Um Deutschlands Aufnahme.

Frankreich hat feit tzem Waffenstillstand und seit Abschluß des Versailler Friedensvertrages nichts unterlassen, um Deutschland zum Paria der Welt zu stempeln. Wo nur immer es mög­lich war, hat die französische Politik dem beut«

* * erspart. Der Ver­

stellungen hol die FlachSiudustrie in Gent in einen Zustand versetzt, der katastrophal wirü. Von den zwölftausend Arbeitern der Fabriken sind biS jetzt schon siebentausend arbeitslos und der übrige Teil arbeitet nur einige Stun­den am Tage in den Fabriken.

Sie Kohlenvnssksunz.

Warnung vor feindlicher Beunruhigung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Zürich, 24. September.

Reichstagsabgeordneter Hus aus Essen hielt gestern in Zürich auf Einladung der deutschen Handelskammer in der Schweiz vor einer sehr großen, teils schweizerischen, teils deutschen Hörerschaft einen eindrucksvollen Vortrag über die K o h l en v e r s o r g u n g mit besonde­rer Berücksichtigung der Schwei,z. Er hob her­vor: Im Interesse bet europäischen Kohlenför­derung müsse auf alle Fälle vermieden wer- den, militärische Beunruhigung in das Ruhrgebiet oder nach Oberfchlefien hinein- MirnNen. Deuffchland werde sich ehrlich be­mühen, feine Verpflichtungen zu erfüllen. Aber Deuffchland sei nicht Herr seiner Kohlen. Unter dem Druck von Versailles und Spa könne der deuffche Bergarbeiter unmöglich arbeiten. Es müsse Gewißheit darüber geschaffen werden, daß nicht menschlich Unmögliches von den deutschen Arbeitern verlangt wird. Huö vertrat den Stand­punkt, datz der Abbau der Preise bei der Kohle zuerst beginnen müsse.

Die englische Textilindustrie.

Lorwon, 24. September. (Eigene Drahimel- oung.) Daily News behandeln in einem Leit­artikel die Lage der englischen Textilindustrie und verlangen, daß die Frage der Arb eitslo° s en unverzüglich von dem Kabinett untersucht wind, weil sonst im Herbst Unruhen zu erwarten feien. In allen Teilen des Landes produzieren die Fabriken viel weniger als bei normalem Geschässgang. In der Tertilirchustrie ist eine solche Stockung vorhanden, daß die meisten Fa- taifen nur mit fünf bis sechs Stunden am Zaav> auskommen. Das Angebot der Arbeitskräfte ist überall höher als di» Nachfrage. 48 Spinnereien mit 32000 Webstühlen im Distrift Blackburn haben den Betrieb ganz eingesteilt. Die Aussich­ten lassen, wie die erfährt, sine weitere

über offnen könnte wohin die Reise eigentlich geht. Der französische Ministerpräsident hat sich augenscheinlich keine Gedanken darüber gemacht, daß dieses offenkundige Sich-Sträuben gegen eine Aufnahme Deutschlands bei den übrigen Staaten doch unbedingt den Eindruck erwecken muß, daß eine dfr hauptsächlichsten alliierten Mächte den Völkerbund, wie er durch den Ver­sailler Friedensdertrag vorgesehen ist, hintertrei­ben will. Für die Beurteilung des Vertrages selbst tot Auslande ist dieses Verbalten Frank­reichs sicherlich nicht förderlich gewesen.

Nun aber sind die Dinge fotoeit gediehen, daß einige Staaten, die dem Völkerbund bereits bei­getreten sind, vor allem die Schweiz und Schwe­den, per Entente offenkundig gedroht haben, aus dem Völkerbund wieder auSzutreten, falls von Frankreich dem Eintritt Denffchlands ein weiterer Widerstand entgegengesetzt würde. Cs könnte zweifelhaft fein, ob diese Forderung der neutralen Staaten innerhalb der Entente eine besondere Wirkung haben würde, wenn nicht in den Reihen der Entente selbst Strömun­gen vorhanden wären, bie für eine Aufnab. me Deutschlands in den Völkerbund sich einsetzen. Dazu gehört vor allem Italien. Es ist nicht allein ihre mehr oder minder große Sympathie für Deutschland, die diese Staaten

zu ihrem Vorgehen bewegt, fonbern der einfa­che Selksterhaltungstrieb, und die Erkenntnis, datz Frankreich der Hauptschuldige an der der unglücklichen wirffchaftlichen Lage von ganz Eu­ropa ist. Die Haß. und Vernichtungspolitik Millerands findet in der europäischen Welt im. mer weniger Verständnis, je mehr sich mit dem Laufe der Jahre innerhalb der einzelnen Völker der Wunsch nach einer Besserung der immer un­haltbarer gewordenen Zustände durchaesetzt hat.

Wenn die Entente nichf Gefahr laufen will daß der Völkerbund vollkommen wieder in Trümmer geht, so wird sie nicht um die Not­wendigkeit herumkommen, Deutschland zum Völkerbund zuzulassen. Es ist schon erwähnt, daß Frankreich kein Interesse an dem Völker­bund hat, weil eS darin eine Gefährdung seiner Revanchepolittk sieht. Man fürchtet an der Seine nicht ganz mit Unrecht, daß eines Tage- gegen die aggressive Politik Frankreichs gegen Deutschland nicht bloß die übrigen Entente, sondern alle Völkerbimdesstaaten ihr Votum einlegen könnten. Darum wird man in Pari? den bisherigen Widerstand gegen hie Aufnahme Deutschlands so leicht nicht stillen lassen. Aber

tischen Kreisen kaum einem Zweifel hin, daß bann neuer Konfliktstoff innerhalb der Entente selbst geschaffen werden kann. Wenn der Völ­kerbund eine Berechttgung haben soll, dann muß er außerdem sofort zeigen, datz er gegen Unge­rechtigkeiten einzuschreiten beabsichtigt. Abge­sehen von der Gewaltanwendung des Friedens- Vertrags hätte die Organisation letzt wieder Ge­legenheit gehabt, bei derAbstimmung" in den deutschen Kreisen Eupen und Malmedy die bel­gische brutale Willkür ,u beseitigen. Aber nichts ist dagegen geschehen. S.

scheu Volke keine Demütigung erspart, sailler Friedensvertrag gab Frankreich kommene Waffe in die Hand, von dem . .. Erbfeind das Letzte zu erpressen und ihn bei jeder Gelegenheit fühlen zu lassen, was es heißt, Besiegter der ganzen Welt, vor allem aber Be- fiegter Frankreichs zu fein. Es war ein Kriegs-, ziel Clsmenceaus und es ist und bleibt ttotz aller Beteuwungen ein Friedensziel Mil- lerandS, Deutschland politisch wie wirtschaft­lich aus der Gemeinschaft der europäischen Mächte auszuschalten und auf die Stute eines Staates dritten oder vierten Ranges herabzudrücken. Aus dieser Geistesrichtung, die von Paris heute ausgeht, ist es auch verstünd- aller it> tn i der chl'ch H tu

Brüssel- 24. September. (Eigene Trqhtnuck- dung.> Die Folge des schnellen PreiSrückganitts darüber gibt man sich auch in französischen poli- in Verbindung mtt dem Ausbleiben neuer Be-

Sie Bolksfeiadi«.

VekLmPfnng der Tuberkulose.

©efteen nachmittag fand unter dem Dorfltz von SanitStSra« Dr. e. Wild ein« Sitzung des ®t» famrvorstandes des Verein« rudertulofeftir- fotge im Regierung«dezirt Massel statt, di« ein umfassende« Bild der B«reinStSttgteit gad- Die gestrige Sitzung stellte wieder einmal eine bedrvhliche Zunahme der Tuberkulose nicht al­lein in der Stadt, sondern auch auf dem immer- hin weniger mit Ernährungssthwierigkeiten kämpfenden Lande fest. Nach Dem vom Ge­schäftsführer, Landessekretär Loebe« erstatte­ten Tätigkeitsbericht ist infolgedessen darauf hingewirkt worden, daß das Fürsorgewesen auch' aus dem Lande mehr ausgearbeitet wird. Der Verein hat auf ein entsprechendes Rundschreib m vor allen Landräten günstige Antworten erhal­ten und in der Tat ist bte Tätigkeit der Kasseler Zentrale bereits vom Lande aus in steigendem Maße in Anspruch genommen worden. Nament­lich die Landkreise Kassel, Hofgeismar, Schmalkalden, Schlüchtern und Rinteln erstich- len um Vermittlung von Heilstätienku- r e n. Im Landkreise Kassel hat sich vor allem die unter Leitung von Chefarzt D. Fichtner in der Lungenheilstätte Ob erkaufungen bestehende Für« sorgestelle bewährt. Ueberhaupt wurden in die­sem Fabre mehr Anträge auf HeilstSttenbehand» lung gestellt alz ftsiher und die gestiegene Juan- flruckmähme der Heilstätten bringt es auch mit sich datz die Einberufungen verhältnismäßig lange auf sich warten lassen. Der Verein stand vorwiegnd in Verbindung mit dem Vhilivpstift Fmmenhausen, Obevkaufunaen und Lippspringe. Kinder sind in schwereren Fällen tot Seidehans bei Hannover, bedrohte Kinder in Kragenhof, einzelne auch in Bad Orb ausgenommen wor­den. Dank des Entgegenkommens der Stadt Kassel wurden aus der

Amerika-Hilfe

--ehn Kisten kondensierte Milch und neuerdings wieder 20 Kisten zugeteilt. Die Mlch wurde z« Tttnkkuren, für zunächst zwanzig und jetzt vier­zig Kinder, in der Poliklinik des Vereins ver­wendet. Außerdem wurden Betten und Bett­wäsche angekaust, um dort zu hoffen, wo Kranke und Gesunde tn einem Bett zu schürfen gezwurr- gen sind. Eine größere Menge Lebensmittel wrrrde zum Selbstkostenpreis, an gänzlich Mit- iellose umsonst abgegeben. Die 63 Personen ge, reichte Krankenkost wurde dankbar entgegenge» nommen. Daß die WalderbvlungSstätte Kra- geuhof zmn ersten Male auch tot Oktober und November für solche Kinder offen bleibt, di« dort fchlafen können, ist bereits bekannt gewor­den. Besondere Fürsorge wurde den Schwer- kranken gewidmet, bei denen Ansteckungsgetzchr für die Familienangehörigen besteht. Ihrer Enffernung und Untevbincmng in Immenhau­sen, teiKvoise im Roten Kreuz, wurde von bett Familien oft der grüße Widerstand entgegen ge­fetzt. Andere Kasseler Krankenhäuser nehmen schwerkranke Tuberkulöse nicht auf. Bemerkens­wert waren Mitteilungen über eine Arbeitsge­meinschaft der Versicherungsanstalten Hessen- Nassau und Rheinland-Westfalen sowie den Krankenkassen der Eisenbahnarbeiter und Knapp- schastsaeuosseuschasten zur Uederwachung der Durchsühning der Kurbestimmungen in Zipp- springe durch die Patienten, namentlich hin­sichtlich der Trennung der Geschlechter, des Ausgangs und der ärztlich voraeschriebenen Liegekuren. Dagegen war viel gesündigt wor­den. Um weitere Streife auf die Bestrebungen des Vereins aufmerksam zu machen und die Ein. nahmen zu verbessern, soll am 26. Oktober in der StadthaNe ein WohltätigketoSkon- z e r t domnstaltet werden. Der Vorsitzende, Sa» nitätSrat Dr. v. Wild brachte später zum Aus­druck, daß die

(Eigene Drahttneldung.)

Brüssel, 24. September.

In der Eisen- und der Textilindustrie Bel­giens läßt sich eine vorübergehende Hem­mung der Entwicklung konstatieren. Die Eisen­industrie versügt zwar über bedeutende Aufträge, hat aber mit fortwährenden Arbeiter- schwierigkeiten zu kämpfen, da im August noch einundzwanzig Streiks wegen Lohnsorvc- rungen vorkamen. Reue Streiks in dieser Rich­tung droben, sodaß Lohnerhöhungen nicht zu umgehen sind. In der Textilindustrie besteht die sich überall geltend machende Unsicherheit in der Preisbewegung und ein Zurückhalten der Abnehmer, die nur ganz kleine Aufträge über­schreiben. Die Fabrikanten wagen es nicht, auf Lager zu arbeiten, weil die Ware zu teuer bleibt und ein weiteres Sinken der Preise sicher er­wartet wird. Gegen die englische Konkurrenz ist Belgien zurzeit auch nicht mehr geschützt, da letzt- hin Offerten von enMchen Fabrikanten gemacht wurden, die niedriger waren, als solche von belgischen Fabrikanten angeboten wurden.

Sos Arbeitrlsses-Yrsblem.

Plan einer Arbeits-Dienstpflicht.

(Privab-T elearamm.)

Berlin, 24. Septemb->r.

Wie das Berliner Tageblatt erfährt, beschäf­tigt sich das ReichSwirffchastsministerinm im Zu­sammenhang mit der Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auch mit dem Gedanken der Ein­führung einer allgemeinen Arbeitsdienst­pflicht. Man hält eine solche Arbeitsdienst- pflicht nicht nur aus erzieherischen Gründen für notwendig, sondern man glaubt, daß man auf diesem Wege auch eher den großen Anforderun­gen der Produktion gerecht werden könne. Zu einem Gesetzentwur f ist die Sache «och nicht gediehen. Das Kabinett hat sich jedenfalls noch nicht mtt der Frage beschäftigt.

Protest-Kuudgebungen.

Basel, 2^ September. (Eigener Drahkbericht.) Ter Baseler Anzeiger meldet aus Paris: Tie Sozialisten und die Syndikalfften berufen für Sonntag Massen-Kundgebunaen des Proletariars in Paris ein, um gegen die Wahl MillerandS zum Präsidenten der Repubrü und gegen die PrSstdenffchafi der persönlichen Ge­walt zu proteftiereu. Es ist seit Bestehen der Repu'bfik der erste Fall, daß die Massen zum Protest gegen eine PrästdentschaftAvahi ettf die Straße gerufen werden,

n chauvinistischen Kreisen und für überflüssig. Mtt Recht. Denn welcher Staat könnte es jetzt wagen, Rußland vielleicht ausgenommen, der Entente und ihrem Willen Mderstand entgegen« zusetzen. Man fürchtet offenbar in Paris, daß bei der Aufnahme Deutschlands in den Völker­bund dieses von seinem MitbesttmmungSrecht tu einer Weise Gebrauch machen würde, die den Zielen der chauvinistksch-ttnverialtsttschen Clique an der Seine zuwiderlaufen könnte. So hindert man in Frankreich wie manches andere nun auch die Aufnahme Deuffchlands in den BMerduud mit den bewußten unisaubeven Mitteln. Mille­rand hat sich Wohl zu wenig überlegt, datz dieses Verhalten Fvcmkretchs schließlich doch einmal auch den übrigen Staaten, die dem Völ- strvund bereits beigetreten sind, die Augen dar- über öffnen könnte wohin die Reise ei