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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

1L Jahrgang.

Dienstag, 4. Januar 1921

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 2

Fernsprecher 951 und 952.

FTnMFmMi*

Deutschlands Bedrängung von außen

Dis feindlichen Forderrrngeu.

Seifet« Neurstm SSsindjten erlchetn«, wockentllid 1e»?mat und »war abends. Der abonnement8ptet» beträgt innaaU. £.00 Start bet freier Zustellunz in« Haus. Bestellungen werden jeder».it ces der «elchaftsftelle ober den Boten entgegcngenommcn. Druckerei, «erlag »nd Redalltont Sch.'achth«fstraKe 28/30, Aür unverlangt eingefandte Beiträge lann die Redaktion ei», Verantworn-ng oder Gewahr l« keinem stalle übernehinen. Ruck^thlung deS BezugkgeldeS oder Ansprüche wegen elwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausxefchlosten.

neue Bemängelung der Heeres- und Polizeior- ganisation Deutschlands durch die Entente, sowie auf das Verlangen, welches unter dem Borwand der Entwaffnung sogar die Beseitigung einiger unsrer fortgeschrittentesten industriellen Werkzeu­ge, nämlich der Diesel-Motoren und dr Luftfahr­zeuge. fordert. Unsere Bemiihungen, hier Mw Nutzen unserer bestgualifizicrten Arbeiter und Männer des allgemeinen Fortschritts und der Technik, eine Zurücknahme der gegnerischen For­derungen zu erlange», Hatzen bisher ttod) zu kei­nem greifbaren Ergebnis geführt.

3nfertton$preUe. e) Einheimische Auftrage: Die einspaltige Anzeigen.stelle M. IDO. die einspaltige Reklame»eile M. 2.50. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige «nzeigenzeile M. L», die einspaltige Reklamezeile M. 2.75, alle» einschließlich TeuerungSjuschlag und Anzeigensteuen stür die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenea Anzeigen, iowie für Aufnahm-daten uns Platze kann etne Dewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlachthcssir. 28,30. Geschäftsstelle: Kölnische Str. b. Telephon Nr. 951 u. 952.

» Mhmann Mtoiat«

Ein Opfer ber tückischen Grippe.

(Prwat-Telearatmn.1

Berlin, 3. Januar.'

In der vergangenen Nacht starb aus seinem Sitze in Hohen-Finow der frühere deutsche Reichskanzler von Bethmann-Hollweg. Er litt feit vergangenem Mittwoch an der Grippe mit doppelseitiger Lungenentzündung.

m

Mit Bechmmm-Hollweg ist ein Mann aus bei Welt geschieden, der achtzehn Jahre fang der oberste Beamte des deutschen Reiches gewe­sen ist. Am 29. November 1856 in Hohenfinow geboren, studierte er in Straßburg, Leipzig und Berlin die Rechte, wurde 1885 Assessor bei der Regierung in Potsdam, 1886 Landrat des Krei­ses Oberbarnim, 1896 Obechräsiteialrat in Pots­dam. 1899 Oberprasideut der Provinz Branden­burg. 1905 preußischer Staatsminister und Mini­ster des Innern, 1907 Staatssekretär im Reichs- cmtt des Innern und Vizepräsident deS Staats- nrinisteriuins. Im Jahre 1909 wurde er vom Kaiser als ReichAanzler und preußischer Mini- stervräsident berufen. In diesem letzten Amt war es seine Aufgabe, das Schicksal Deutsch» lands mitzubestinlirwen, das in Friedens zetten das Reich aus die Hihc führte und schließlich so tragisch geendet hat. Der Niedergang begann noch unter feinem Amt und so muß ihm die Verantwortung mit zugeschrieben werden. Zwei­fellos hat er das Beste gewollt, denn er war ein durchaus ehrlicher und gerader Charakter. Aber er besaß nicht genügend Willenskraft, den von ihm gezeichneten Weg der Politik zu Ende zu gehen. Der Friedensgedanke beherrschte ihn so sehr, daß er den eisernen Anforderungen des Krieges nicht gewachsen war. Ws Politiker hat er versagt. Als Mensch war er von allen Par­teien wegen seines fauleren Sinnes geachtet.

Mm Leuts-ltutiu Sntvaftnirng Zft England nicht einverstanden?

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 3- Januar.

Au Bezug auf die Entwaffnung macht sich in bet französischen Regierungspreffc seit zwei Ta­gen eine etwas sachlichere Haltung bemerkbar als vorige Woche. Abgesehen von der nationa; liftischen Provinzpresse erinnert man stch in Pa­ris wahrscheinlich an die unsichere parlamenta­rische L-V. Die Agence HayaS begnügt sich mit kurzen Meldungen über die gearnwöriig zwischen Paris und London schwebenden Ver­handlungen, die von der deutlichen Absicht beeinflußt sind, jeden Verdacht zu zerstreuen, als ob man in Paris besondere Interessen ver­folge. Die genannte Telegraphenagentur gibt zu, daß die englische Regierung durch die Feftstellunen bcS General Rollet vom 23. De­zember vollständig überrascht worden ist; sic verschweigt auch nicht, wie unangenehm man es in London empfunden hat. daß dieser Bericht erst spät au die Botschasterkonserenz gelangt ist-

Mafien der deutschen Rat. Dr. Simons Nagt die Alliierten an.

(Privat-Teleckranrm.1

Berlin. 3. Januar.

In einem Gespräch mit dem Vertreter der Wiener ..-Reuen Freien Presse" äußerte sich ReichSminister des Aeußeren Dr. Simons über die Notlage Deutschlands und sagte: Wie sollen wir unsere Finanzen ordnen, wenn nach wie vor die Gegner das Eigentum teer Deutschen in ihrem Herrschaftsbereich weg- nehmen und die Beraubte« auf die Entschädi­gung durch das Reich verweisen, wenn nach wie vor erhebliche Teile ihres HeereSetats in Form der Besatzung auf unseren Etat abgewälzt werden. Wie sollen wir wirtschaftlich xia Lei­stungsfähigkeit gelangen, wenn ein großer Teil des Eigentums zwangsweise «nd ohne jede Ge­genleistung in daS ehemals feindliche Ausland abgeht. Wie lönnen wir die Wiedergutmachung ausführen, wenn eine maßlose Mbertreibung der Entwassnungsbestimmunaen teeJ Friedens­vertrages unsere Gruben und Werkstätten schutz­los machen gegen verbrecherische Anschläge fol. cher Deutschen, denen die Not der Zeft den Kopf verdreht hat. so daß sie noch Schaden a,trichtert.

Metteifiilfie Stifte.

Ein französischer Plan zur Währungsreform ({eigene Drahtmeldung.)

Wien, 3. Januar.

Die österreichische Bundesregierung teilte der Ententemisfion in Wien mit,-'daß ohne die er­betene finanzielle Hilfe teer Entente die Aus­zahlung der am 1. Februar fülligen Gehäl­ter und Pensionen nicht möglich fein wird. Der Wiener Korrespondent desTemps" machte den hiesigen Blättern Mitteilung von einemReftungsplan^ für Oesterreich, den der französische Ministerpräsident entworfen habe und in dessen Mittelpunkt die Sanierung der Währung stehe. Nach der Liguivierung der öster­reichisch-ungarischen Bank soll die Organisation einer internationalen Notenbank er­folgen, die neues stabiles Geld ausgibt, das genügend Kaufkraft besitzt, um einen Preis­abbau in Oesterreich zu ermöglichen.

MMsmN-BettW.

Schwindel beim Berliner Waffenamt.

Rawdenr wi» tu uufete« tiuägcbe vom 1. sa- uu«r von einem 9tielenf(Stoin»eI tuet« Wirtet- lang genta<4i hatte«, -ragen wir tzeul» 6te «r. gebnifie der Uuterfu<»ung nach, wie fie di« Berliner Morgenpost- nunmehr berichtet.

-Der große Schwindel, der von ungetreuen Abteiliunig-Sleitern des Wolssen- und Munittans- beschaffungsamtes verübt unte von dem Mtmo- licker ZollMmnissariat ausgedeckt worden O. hat blsher zufechs Verhaftungen gesührtz Dre WoÄorganisierte Vekibrechevbande ist nur durch einen Zufall entlarvt worcken. Ter Gienzsekretar sttüfaer vom EWmericher Zollkommissariat faßte in der Rächt vont 13. zum 14. Oktober auf einer Patrouille einen Schmuggler, der nut Wert­papieren nach Holland huwbergehen woWe. In einem Kreuzverhör gestand der Mann, daß er als Anaestellter des Multimillionärs unlb FcckrMw- ton Meng ans Essen seit langer ZÄt Gerd ins Ausland geschmuggelt habe. Das Landesfinanzamt wurde dadurch auf den Fabri­kanten Meng aufmerBfam, der als einfacher Tisch- (er vor Beginn des Krieges ohne einen Pfennig m einem östlichen Vorort Berlins gelebt hatte, jetzt aber außer einem

Barvermögeu von fünfzig Millionen

klärt, wegen der Sicherung der Abstimmung zu verhandeln, und dabei das öberschlesische Pro­blem zu erörtern, was doch unvermeidbar ist, fo ist das nicht schon ein Zurückweichen Kr Re­gierung. Sie kann und darf nicht zurückwei­chen, denn sie ist nur ein Ausschuß des Parla­mentes nach dem parfamentarischen System. Die Volksvertretung verlangt gemäß der allge­meinen Dolksabistnmnung die volle Aufrechter­haltung unseres RechtSffandvunktLs. Darin wa­ren bisher alle Parteien einig. Es geht für uns diesmal alle itm Leben und Tod, denn Oberschlesien ist die deutsche Schicksalsfrage. Verlieren wir es, so verlieren wir den Krieg zum zweisen Male. Wir werden es Ober nicht vetteren, wenn Regierung, Volksvertretung und Volk in diesen schweren Stunden ihre Pflicht tun. Dos Recht streitet für uns. Die Entschlie­ßung des Mliiertenrats darf nicht als endgültig betrachtet werden. Einzig und allein durch un­sere eigene ^Schwachheit könnten Oberschlesien und das Vaterland gefährdet werden. Fest blei, ben ist die Losung des Tages! D. S.

llM Sberschlesieu.

Getrennte Abstimmung?

Die Polen machen krampfhafte Anstrengun­gen, um ein für sie günstiges Ergebnis der naihenden Abstimmung in Overschlesten herbei- zuMnen. Wögen alle Deutschen sich Mar darüber fein, was uns Oberschlesien bedeutet, wie Satastvophal fein Verlust für Deutschland totäre. Mit einer Friedensförderung von drei­undvierzig Millionen Tonnen Kohle toar Overschüesten ein beträchtlicher Faktor in unte­rer Kohlenförderung, die im ganzen hundertciu- undneunAig Millionen Tonnen jährlich betrug. Diese Förderung ist für uns um so wichtiger, da uns die Saarkohlen ohnedies auf lange hinaus verloren sind tmte ein Teil der Ruhrlohlcn nach deut Siha-MkLUmren an unsere früheren Feinde geliefert werden muß. Das oberschlesische Koh- lenreivier ist ftrbei vermutlich noch ausdaufähig, sein SleinkottiAworrat wird mit hundertsechs- undsechkig Miüiarden Tonnen auf vierzig Pro­zent unseres gesautten Besitzes geschätzt. Auch die Eis en Produktion, die 1913 eine Mil­lion Tonnen betrug, spielt in unserem win- ckaftlichen Haushalt eine bedeutsame Rolle. Ta- noben ist die Zinkprodukti on von hun- dcrtsiebzigtausend Tonnen an sich gering, ab-u bei dem nicht sehr zahlreichen Zinkvorkommen TsutMantes trotzdem außerordentlich wichirg. Es rann gar keinem Zweifel unterliegen, dag der Besitz OberschLesiens für Derttschland eine Lebensfrage darstellt. Man braucht nur zu bedenken, daß in Oberschlesien vi-cundsievzig jMAktienßesellschafchn allein ein Wienkapiial von " 'n Milliarde Mack repräsentieren, d. ,. oder tfriebenemM also das Zehu.

bis Zwenzigfache in unseren jetzigen Werten ausgedrückt. Bemerkenswert ist übrigens dabei, da i, sich dieser geffomte Besitz bis auf die Klei­nigkeit von noch nicht einer Biertelmillion in deutschen Händen befindet, wie ja auch die Industrie dort ihre Blüte deutschem Fleiß und deutscher Tüchtigkeit verdankt.

Zn der Botschafterkonferenz.

Paris, 3. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) GegenWcr dem englischen Stantepunft macht die Telographenagentitr Hävas geltend, daß teie französische Regierung es lediglich für ihre Pflicht gehalten habe, der Regierung des deut­schen Reiches die Feststellung des General Rol­let über die .ungenügende Durchführung der Entwafsnuneck mitzuteilen, um zu verhindern, daß die Mei Termine, der des 1. Januar für die Durchführung der Entwaffnuna und ber des 10. Januar für die Auslösung der interalliier­ten MRtörrontroMommissisn verfallen. (Am 15. Januar ist ein Jahr feit der Ratifizierung des Friedensvenrages abgelaufen). Die fran- '.ösisehe Regierung überläßt alles weitere der Botfchafterkonferenz und auch Marschall Fach habe lediglich ein Gutachten über een Schritt der MilitärkömmMon erstattet, aber keinesfalls bestimmte Maßregeln vorgoschlagen.

Achnlich steht eS beim Grundbesitz: auf ein .Hettar polnischen Bodens kommen drei deutsche Hektar. Es ist auch viel zu wenig be- tennt, daß sich in Oberschlesien kerndeu11che Bauerndörfer befinden, in denen Polnisch kaum verseuchen wird. Die Wichtigkeit Ober- schlesienS für das Reich wird deshalb auch von unseren Gegnern gar nicht ernstlich bestritten. Wohin aber die .polnische Wirtschaft" fü6rt, das zeigt das Beispiel der Provinz Posen. In der Provinz Posen hat ein Jahr polnischer Herr­schaft genügt, um das Land zu veröden. Die Provinz Posen ist immer Ueberschußgebiet gewesen, das nicht nur die benachbarten Jndn- ftriegegenteen, sondern auch Berlin mit Nah­rungsmitteln versorgt hat. Heute herrscht in der Provinz bereits ein fühlbarer Mangel an Lebensmitteln. Hinzu kommt, daß die deutsche Bevölkerung in Scharen das Lantz verläßt; ein Teil gewiß aus nationalen Gründen, weil er sich nickt vom Reick trenne« will. Es gab aber auch viele andere, die bereit waren, zu bleiben, aus Liebe zur Scholle und als Träger unfe Schützer deutscher Kultur. Ein großer Teil von ihnen hat bereits, angewidert von den polnr- schen 23irtsckastszufftänden und der polnischen Bedrückung., den Kamps aufgegeben und die Hei­mat verlassen. Oberschlesien muß vor dem nn- fMgen Schicksal Posens bewahrt bleiben.

In Emnetn.scha.ft mit den Polen gibt sich dte Entente noch alle erdenkliche Mühe, di- Ab- stimmuna für Deutschland ungünstia zu machen So hat sich jetzt der Miiertenrat für g e- rennte Abstimmung entschieden, wonach die nicht in Oberschlesien anMsigen Stimnwe- reckttgt-en zwei $?c<&en später als die An- fassigen abstimmen sollen. Dieser Antra« ent« tsratnt den Franzosen. Man versteht nut fa Beweagründe teer Engländer nicht, daß sie dazu ihre Auftiummmg geben und dem Friedensver- trag offen zuwider handelu. Artikel 88 des Friedensvertrages setzt für die Abstimmung ein Dreifack-es fest; sie soll im AbstimnumgLgeblet feßyft erfolgen, ferner sollen die VcrDlieDeaen und Reicksoberschlssier zusammen an 6ie Urne treten und endlich soll die Abstimmung ge- meindeweise erfolgen. Ist es Gefälligkeit dem Nachbarn jenseits des Kanals gegenüber? Die Fransofen haben offenbar das Bestreben, den Polen auf jede mögliche Weise zu helfen Eng­land steht dem aber doch viel kSbler gggemitzer. Off-nbar bat es in der oberschlesiscken »rage wohl verschiedene Auffassungen Mischen den jetzt gen Freunden gegeben. Die mangelnde Sicherheit während der Abstrnr unq in Ober- schtesien ist von den Verbündeten nur als Grund voraeschoben. Sie müssen nack dem Friedens- vertagc und nm ihres Prestiges willen Jur Kühe und Ordnung unbedingt sorgen. Die Rechtslage ist ganz klar.

Die teentfett» Rote bat denn auch unfern ReStsstandvmckt dargetegt. Sie betont aus­drücklich den Anfpruch Deutschlands auf Jnne- balftmg cäüai Besinnmungen des Artikels 88.

nauama au» Berlin, 3. Januar. (PriwlttkLasramm.)

2S«it 'üe in itzrAU Metten Teil sich bereits er-jAutzenvunistcr Dr. .Simons verweist auf dieidieser Sachlage nicht anders handLln ton«.

Mark Besitzer großer Fabriken und anderer Uw ternohmungen geworden war. Besonders vertz.tch- tiq war die Beobachtung einer PrümmMom- Mission, daß die Abrechnungen für die angeblich gelieferte Munitton immer größere Summen und ftumer höhere Preise aufwiefen. Rack Auflösung des Waffenamtes wurde das .Ges-Haft mit der F eldzeugm eisterei-Abw i Selungssielle m der Blü- cherstra-ß« in B-Vkin fondgssetzt. In aller stille kontroLierte man die Bäcker und entdeckte unter Konto .Meng-Esten" FSlfchungen, dte den Betrag von zwanzig Millionen Mark wentieflen. So kam man auf die Sur des fünfun'dvtech'.g Jahre alten Referenten Adolf Hering, der alS Abteilungschef der Feldzeugmtetsterei-Abwick- lungsstelle seit 1918 Destechungsgelder in von mehreren Mlliouen Mark von Meng erhalten hat. Hering stellte Besielluingsformulare aus. fälschte, wie bisher fesigestellt wurde, di« Unterschriften des Chefs teer Feldzeugmeisteret und steckte für gar nicht gelieferte MmutwnS- kisten entsprechende Prozente em. Rach seinen eigenen Angaben hatte Hering dadurch eine terrrchschnittliche Einnahme von

fünfzigtaufend Mark wöchenSich.

Er kannte den Kriegsmillionär und früheren Tischler Meng noch aus teer Zeit, wo berde sich das Gklte für warmes Mttagesien erschwindel­ten Denn auch Hering batte eine bewegte Der- aangetchett hinter sich. Es ist unbegreiflich, wir ein Mann mit solchem Semramte überhaupt hat eingestellt und sogar auf einen leitenden Posten bat gesetzt werden können. Hering hat als Leh­rer begonnen, war einige Fahre an Berliner Ge­meinteeschulen tätig, mußte aber zwangsweise seinen Posten verfasien, weil er zahlreichen SchuKindern Geld für nie veranstaltete Land- Partien atvgenommen und ihnen ihre Uhren ge­stohlen bat. VaL darauf mußte er eine sechs- wöchige Gesängnisstrafe wogen Betruges gegen- über einer Berliner Tageszeitung ahqrtzen und wurde, als er wieder in Freiheit war, Hausver­walter in Lichtenberg. Eines Tages verklagte ihn die Besitzerin des Gebäudes, die Friedrichs- teetfer Bank, wegen Unterschlagung teer Mieten, das hinderte Hering aber nicht, eine neue Haus­verwaltung in Berlin anzunehsnen, wo er eben­falls bedeutende Mietkummen unterfchlug.' AW inan gegen ihn Strasanttag stellte, war er Ver­schwunden. tauchte aber wieder auf, als er sich im August 19-14 nach tKrSünteeier Amnestie in Berlin wieder sehen lassen konnte. Bis Anfang 1918 war er Soldat, kehrte dann $urüd und wurde zunächst vom Waffenamt als Hilfsrefe­rent engagiert Dort erfuhr er von teer Karriere, Vie fein Freund, teer Tischler Meng, in Essen gemacht hatte. Er wandte sich schort an Meng und verabredete mit ihm den jetzt aufgeteecTten Plan. Ein anderer Freund, teer inzwischen eben­falls verhaftete, ftinfuntedreißig Jahre alte Kauf­mann Meutsch aus Essen, hat eS durch ge­schickte Btteiligung an den Schiebungen und Be- ftüKereien verstanden, auch ein Vermögen zu er» aauncru. Außerdem hatte er das Glück, vor einem Vierteljahr ein? reiche Amerckomerin $u heiraten.

Drei andere HelferJhelfer,

' die auf Anordnung der Staatsmrwaltschast 1 in : Berlin verhaftet wurden, fatib test Angestrü- : ten des Waffenamtes Oberleutt-ant Buck und - Hauptmann Berchholte, beide Abteftmvgs- , chefs. wloie teer vierzig Jahre alte Leutnant Soller. Diese-s Trio und Hering warea im= zertrennliche Freunde. Sie waren gern (tsfthene (Stifte in den Weinstuben und jeder von : ihnen Icyte trotz des leichtsinnijgen Lebev>Sw>>n- : deis noch ein ansehnliches Vermögen zurück, si^n : besten ging eS aber dem Haupkterteiligten Hering. : Er schaffte sich ein großes Gut in

an, richtete eine nmstlngreiehe «in unb

Ungarn und Oesterreich.

Wien, 3. Januar. «Eigene DrohtmeD-uug.l Zu der Weigerung Ungarns, das Handels- abkommen mit Oesterreich zu ratifizieren, schreibt teas .Reue Wiener Tagblatt': Dieser Schritt der ungarischen Regierung, der sich gegen die wirtschaftlichen Jntcreffen Oesterreichs wendet, erscheint in keiner Weise begründet. Es liegt keine eigenmächtig Handluiftr Oesterreichs vor, die von Ungarn imfreMtdlick ausgenommen werden könnte Die Botschafter-Konferenz hat in Ausfühntng des Friedensvertrages einen Be­schluß gefaßt, teer ckls ein Diktat teer En­tente. ebenso wie die FriedenAverträge, bewer­tet werden muß, so daß Oefterteich in AnbctraQft