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Meier Neueste Nach

Hessische Abendzeitung

Kaffeler Abendzeitung

11. Jahrgang,

Freitag, 21. Januar 1921

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 17

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Der Streit um die Wiedergutmachung

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stickten durch die entstehende Hitze und die ver

de. die sich in der Rechts Opposition gegen .dir

neue Präsidentenwahl durchsetzen zu können. Der Senat tst aber für ein derartig gefährliches Un­ternehmen nicht zu haben.

Deutschland, politisch wie wirtschaftlich auszu- schatten und den östlichen Marft cm sich zu reißen In Aftrßland selbst aber, wo man die Solidität

ZK Frage der ReichZsarben.

Schwarz-weiß-rot oder Schw«»-rot-gvsd.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 20. Januar.

Die Parteigruppen des französischen Par la- ments haben während der letzten Tage zu den für heute bevorstehenden Interpellations-Ver­handlungen Stellung genommen. Die radikalen Sozialisten haben beschlosie«, angesichts der ernsten auswärtigen und finanziellen Lage deS Landes jede Regierung zu unterstütze«, dir für republikanische und weltliche Gesetzgebung im Inneren eintritt. Die Hauptgruppe des n a t i o- nalen Blocks die sich re ublikanisch- demokratische Entente nennt, hatte stürmische Sitzungen, in denen sich viel persönlich« Unzu friedenheit, aber auch eine allgemeine Angst vor offener Opposition bekundete.

Poinearer gegen Millerand.

Paris, 20. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Der ehemalige Präsident Frankreichs, Poin- caree, politisiert gegen den jetzigen Präsidenten Millerand. In einzelnen nationalistischen Zei- tuuge«, aber auch in sozialistischen Blättern wird mit einem förmlichen Feldzu« Poincarees gegenMillerand gerechnet. Poincaree gab in einem Leitartikel desMarin" offen seinem «erger über seine Zurücksetzung bei der Kabinettbildung Ausdruck. Man traut Poin- totce bereits die Kraft zu, durch seinen Einfluß im Senat und in den Redaktionen einiger großen Zeitungen, den Rücktritt Millerands und eine

Eine deutsche Antwort.

Berlin, 20. Januar. (Privat . Telegramm.) Staatssekretär Bergmann überbrachte nach Pa­rts die Antw ort der deutsch«» Regierung auf den französischen Vorschlag, fünf Jahre hin­durch Sa^leistungen im Wert« von drei Milli­arden Go nark jährlich z-u machen, die auf das Wiedergitt- achuugskonto gutzuschreiben seien. Deutschland fei bereit, auf der französischen Ba­sis zu verhandeln, will sich aber nicht auf den Betrag von drei Milliarden Goldmark ver­pflichten. Die deutsche Regierung gibt zu erken­nen, daß sie ein anderes Verfahren vorziehen würde, nämlich die gesamte Schuld festzusetzen

Bisherige deutsche Leistungen.

Amsterdam, 20. Januar. (Eigener Drchtbe- richt.j Aus Paris wird gemeldet, daß der Wie­dergutmachungs-Ausschuß mit der Untersuchung des deuffchen Memorandums über die bisher getätigte« Leistungen beschäftigt sei. Diese Prüfung habe ein derartiges Ergebnis gehabt, daß schon eine provisorische Schätzung eine von den deutschen Angaben erheblich ab- weichende Ziffer ergeben habe.

Bllftegungra in Frankreich.

Wieder vor einer Regierungskrise.

$te Äaffeter Sieuentn N-chrtchun erfdjetaen wöchentlich lechömal und abtnb«. Ter aboitnemaiMpreiS beträgt monatlich 6.00 Mari bei tretet

wiTtt durch die Post bezogen 5M Mark monatlich einschließlich Zustellung. Bestellmig« werden letergjU von der »eschöstsfielle oder den Koten entgegengenommm. Sruderet, Berta« und Redalttan . Schtachthofttrate 28/30, Für unverlangt etagetanbte «ettrtge tarm die «edaktion eine Berantwortung ober SewaSr ta keinem gaUe t»bernebmCT.

Vezugsgeldeö oberAnsprüchewegen etwaigernicht »rbnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

Es ist immer mehr in den bürgerlichen Par« -eien der Gedanke erwogen worden, durch Wie-

Polnische Ireiftiskeile«.

Bedrohung der oSerschleflschrr» Presse.

(Eigene Drahttneldung.)

Kattowitz, 20. Januar.

Das polnische Abstimmuugs-Kommiffariat unter Leitung von Korfauty scheint einen neuen Vorstoß gegen die deutsche Abstimmungs­propaganda unternehmen zu wollen. Zu den bisherigen Drohungen zieht Korfauty eine neue. Er erklärt in der letzten Nummer derOberschle- fischen Grenzzeitung", daß die Verleger, Mitar­beiter und Verbreiter deS deutschen Witzblattes Pierrot" sich einer Täuschung hingeben, wenn sie glauben, daß sie straflos ausgehen würden. Er droht, nach der Abstimmung die deut­schen Propagandtsten rücksichtslos zur B e r a n 1- wortungzuziehen und erttärt: Mr haben Geduld und können warten; einstweilen lasse ich genaue Listen all dieser Deuffchen anlegen und die Zeugenaussagen sammelm

Eine deutsche Protestnote.

Berlin, 20. Januar (Privattelegvamm.) Wie bestätigend mitgeteflt wird, hat Vie deutsche ReichSregieruna der Entente eine Note Uberret- chcn lassen, in der sie gegen Vie einzelnen Te- siirnmungen VsS AbstimmungS-Regle- ments für Ovrvschlesien protestiert. Ein» Antwort der Entente liegt bislang nicht Vor.

Fm engen Raum erstickt.

Gedränge bei einem Schuldortrag.

(Privat-Telcgramm.)

Breslau, 20. Januar.

Gestern mittag sollte in den Räumen der Klettchkau-Schule ein Märchenvortrag mit Lichtbildern stattflnde«. Der Beginn war auf 4 Uhr nachmittags festgesetzt, aber schon um 2 Uhr sammellen sich etwa fünfzehnhundert Kin­der an, um die besten Plätze zu erholtem Der Vortrag sollte in einem Keller stattfinden, der für hundertfünfzig Personen Platz bietet und der mit dem Erdgeschoß nur durch eine schmale Holztreppc verbunden ist. Es entstand ein furcht­bares Gedränge und die Kinder wurden zu­sammengepreßt und aneinandergequetscht. Biele wurden ohnmächtig und einzelne er-

Amerikas Konkurrenz, eine Ford-Niederlassung in Deutschlands 3» einem kürzlich veröffentlichten «nfsatz über die Möglichkeit eines amerikanischen Maschinenbau Unternehmen» in Deutsch land schreibt nn« ein Leser Folgendes.

Henry Ford, der bekannte FriedenScipostel während deS Krieges, ist ein Stockamerikaner und ein Farmersohn. Er ist ein reicher Mann, aber nicht der reichste. Er hat lange nicht den Reich­tum und den politischen Einfiluß der Häuser Rockefeller, Pierpont Morgan, Vattderbfld ufw. Welchen Einfluß ver Standard Oil-Eomp. beim ZufMmnenbruch der Wilhelminischen Macht ge­habt hat, wird wohl für immer ein Geheimnis eines Hauses ver Breiten Straße zu Rewvorl bleiben. Henry Ford verdantt seinen Erfolg fol­genden Tatsachen: Der Erfindung der Gas- oder Verbrennungs-Kraftmaschine. Dem Oelreichtum der Vereinigten Staatem Der wirtschaftlich und verkehrstechnisch günsttgen Lage von Detroit, dem Automobil-Zentrum der Vereinigten Staaten von Amerika. Den hohen Kosten der menschlichen Arbeitskraft in Amerika. Seine überragend« Stel- lumg in der Kraftwagen-Industrie verdankt ei den Maßnahmen, für welche die Persönlichkett des Henry Ford der Bahnbrecher gewesen tst Diese Maßnahmen haben ihre höchste wirtschaft­liche und politische Vollendung in der vor­erwähnten Standard Oil Company erfahren Durch Organisation des Mb-rikationsbetrtebeS, Ersetzung der menschlichen Kraft durch autmns- tifche Maschinen, ferner durch eine unerreicht da­stehende Massenherstellung wird es Henry Ford erutöglicht, zu einem so niedrigen Preise einen tteinen Kraftwagen mit Verdienst zu verkaufsa. Nebenbei macht Henry Ford wirksame Reklame

auf fozialwirffchastliche« Gebiet.

Die gelbe Presse von Amerika nannte Henry Ford" deswegen einen Anarchisten. Die achrftün»

dige Arbeitszeit und Fünf-Dollar-Mindestlohn, welche Vie Ford-Fabrik vor dem Kriege einfiihrte, waren ein Dorn im Ange ver anderen R-tpi- talisten. Ich habe öfters mit Männern ge­sprochen, die in der Ford-Fabrik gearbeitet hat­ten; diese erWrtm, es sei eine geschickte Reklame Von Henry Ford, die seiner Persönlichkeit Me Ehre mache. Die Arbeit in dieser Fabrik sei we­gen des Maschinentempos zu anstrengend und für lange Zeit nicht vurchzuhalten. Der Ford- Kraftwagen besteht hauptsächlich aus Stahlguß und gestanztem Stahlblech Seine Leichtigkeit und leichte Handhabung haben ihm $u großer Beliebtheit und vielfacher Verwendung Verhol­fen. Der vielseitige-i Verwendung seines Wa­gens seitens der Bevölkerung kam Henry Ford gleich entgegen, indem er seine Wagen auf Wunsch ohne Aufbau, zum Selbstaufbau, lieferte. Zum Tracktor-Bau (landwirtschaftliche Motoren) ging Henry Ford über, als er bemerkte, daß werk- zengkündige Farmer ihren Ford-Wagen zur Ford-Zugmaschine umarbeiteten. Einer Nied.-r- lassung Henry Fords in Deutschland kann die deutsche Kraftwagen-Industrie ruhig ent« gegensehen, wenn sie tatkräftige und kundige Fichrer an ihrer Spitze hat. Für Deutschland ist wenig zu fürchten, aber für

Ost-Europa und Russisch-Asien

könnte Henry Ford wegen seinen Verbindungen mit der amerikanischen Regierung ein äußerst ge­fährlicher Gegner sein. Das Ford-Unternehmen wird wahrscheinlich aus folgende Tatsachen ge- eTätet werden: Herstellung des »Trackwrs* vom

i bis zum Maschinenguß in einem Zuge, ohn« doppelte Schmelzung. Fabrikbetrieb mit automa-

' tischen Maschinen nach Taylor-System; Vertrieb mit Einschluß der Ersatztefle nach dem Trust- System, im Gegensatz zum deutschem Kartell- System. Die teueren Grundstückspreise werden aufgewogen dttrch billigere Löhne. Tie Lage von Berfln ist gut gewählt. Der Ford-Tracktor ist starker Verbraucher von Benzin und Oel. GS könnte also die Standard Qfl Company hinter ihm stehen. Diese hat das gesamte Oel-Dorkom- men unter ihrer Hand, mit Ausnahme der eng­lischen Oel-Eompany. Die Einfügung des deut­schen Arbeiters in das verschärfte Taylor-Systtm wird ohne Reibung nicht abgehen. Me deutsche

Kraft '' gen-Jnvustrie müßte sich nach einer Per- sönlicl fc it umsehen, die in auftlärender Reklame Meist r ist. Sparsamkeit in diesem Puntte wär- verfehlt. Wenn ich alles Für und Wider ab- wäge, so komme ich zu dem Schluß: Die Ford- Niederlassung in Deutschland würde sich zu einer großen Versandtzentrale nach dem Schwerpunkt . Ost-Europa entwickeln.

Ans der Arbriterbrwegms.

Das Problem der Arbeitslosigkeit.

(Prtvat-Tclegramm.j

Berlin, 20. Januar.

Gestern fand eine umfassende Konferenz der Vorstände der Freien Gewerkschaften und der Betriebsräte über die Frage der Einleittmg einer großen Aktion zm Behebung der Arbeitslosigkeit und der allgemeinen Rottage der Arbeiter statt. Im Vordergründe der Besprechungen stand das Problem der Ab­schaffung der kurzen Schichten. Der Bundes- ausschutz des Allgemeinen deuffchen Gewerk- schastSbundes hat anstelle deS verstorbenen Karl Legten den stüheren Vorsitzenden des deuffchen HolzardeiterverbandeS, Theodor Leip art, zum vorläufigen Vorsitzenden des Bundes gewählt,

*

Keine völlige Wiedereinstellung.

Leipzig, 20. Januar. (Privattelegramm.) Eine Fuuklionärsttzung des Metallrrbeiterverba.ideS hat beschlossen, aus der Forderung der W i e d e r° einstellung aller streikenden Metallarbeiter nicht mehr zu beharren. Daraufhin haben in den Betrieben, in denen gegenwärtig noch ge- streift wird, VechanDlunMn stattgefunden, mit deut Ergebnis, daß die Wiederaufnahme der A r b e i t in fast allen Betrieben in den nach­ten Tagen zugesagt wurde. Mr Metallarbeiter- vcaband will seinerseits dafür Sorge tragen, paß in den Betrieben Vie Arbeit auch rest­los wieder ausgenommen wird.

gnferttonepretfe) Einheimisch« auf träge: Die etnfpaltige Anzeigen-Zelle M. U», Me etxfpaltlge Reklame,eile TL X5a b) Huiroärtlge aufträgt: Die einspaltige Anzeigenteile M. 1.30. btt etnfpaUtge Reklame,eile M. 2.75, aller einschlieiltch Teuerung«,uschtagunb ametgenfteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hunberr Prozent Aufschlag Für bis Rtchtizleit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werben. Druckerei: Schlachk- hosstrab« 28/30. Geschäftsstelle: kölnische Strafe 5. Telephon Nummer 951 und 863,

den westlichen Nachbarn wieder aufzumhmen. Deutschlands Aufgabe ist es, sich nicht Hob politisch mit Rußland gut zu stellen, Vas auch bei der heutigen Wettkonstellatton seine beste SW lcndeckimg bleibt, sondern sich auch wirtschaftlich mit aller Kraft an dem Kampf um den rufsischm Markt zu beteiligen, ver eine Existenzfrage für daS deutsche Reich ist und bleibt. -o»

War Leutschland zahlen soll.

Die französischen Forderungen.

(Eigener Drahtbericht.)

Pari», 20. Januar.

Aus einem Arttkel deSMattn" gchi hervor, daß Ministerpräsident Briand in der Regie- rungserttäruna auSgeführl hat, er müsse sich an den Vertrag von Versailles halten. Die Sum- me, die als Schuld Deutschlands von der Repa, rationskommissio« ausgerechnet wurde, habe nur symbolischen Wert. Die französische Regierung stelle nttt vernünftige Forderungen (?) aus, wer. be diese Forderungen aber gut sichern. Das Richtigste sei. daß sogleich und für He nächsten Jahre Abzahlungen in Naturallie- fern« gen und Ware« gemacht werden. Deuffchlaud müsse in der Probezeit Kraft und guten Wille« beweisen, dann würden nach ge­nauer Prüfung die Gesamtforderungen aufgestellt

eine mit

geholt, die Platz und Ordnung machen musste. würden damit zweifellos heilige Widerstan- Sicle Kinder wurden in das Hospital gebracht, de. die sich in der Rechts Opposition gegen .dir von denen bereits fünf gestorben find ^ganzen bestehe^un ZuWnvr geltend machen, ,

AM nm Rußland.

Wirtschaftlicher Wettbewerb.

Was sich heute in Rußland eigentlich abflielt, welk kein M"nfch zu sagen, denn die Nachricht en, die aus den verschiedensten Teilen des Landes kommen, vermögen nur ein höchst lückenhaftes Bild der Gesamtlage des rufstichen Rnches uiid der Pläne zu geben, die Lemn und Trotzki im Süllen schmieden. Vor wenigen Ta^n vrmvg vlötzlich vir aufsehenerregende Nachricht in du Wett, daß Lenin gestorben sei. Bald darauf wurde die Mitteilung verbreitet, daß etn Meu- tat auf ihn wrübt worden sei, ohne daß naher. Meldungen darüber Vorlagen, ob Lenin diesem Attentat rum Opfer gefallen set oder nicht. Nun wird neuerdings über Sckyvsden und Norwegeu das Gerücht m die Welt ges-'tzü daß Lenin tot set, -SL ISX

L

Hauptungen ist bisher nicht gegeben, und der Wunsch ist dabei wohl mehr der Vater des Ge- dankens gewesen. Es ist gar keine F^ge, daß der Tod Lenins, der als der leitend« Kops und der Träger des bolschewistrschen Ged kenS in der Welt gelten kann, von größter sw- litt scher Bedeutung wäre. Aber vorläufig J e»t Lenin noch und man braucht von ihm wührlich nach den Erfahrungen der letzten Jahre ntcht an» lunehmen, daß er Vie Verwirklichung ,einer

Europa .die Segnungen- des Bolschewis- mus zn vermitteln, bereits endgültig aufgegeben bat. ÄlllerdiugS scheint es, als cb auch m Ruß­land unter den volschewistischen Heeren allmad- lich eine gewisse Kriegsrnudigleii sich geltend mache, und der Wunsch, das Schwert und die Lanze mit dem Pflug zu vertausche«, tu der letz­ten Zeit sich mächtig zu regen begonnen habe. AuS diesem Grunde darf man wohl den Nach­richten Glauben schenken, daß die bolschewistische Regierung nunmehr daran denkt, Vie rote Armee iU Me^elvung, daß die Jahrgänge 1885 biS 1889, die bisher noch unter der roten Fahne stan­den, im Augenblick demobilisiert werden, kann auch um deAwillen eine gewisse (Mrubwur- digkeit für sich in Anspruch nehmen, Weil W Polen in ganz auffallender Weise m den ver­gangenen Wochen ihre Ostfront entblößt und große Tette der fteigewordeneu Truppen nach Westen, vor allem an die oberschlesische ®rettge gebracht haben. Man hat offenbar also mich tn Warschau den Eindruck, Vetz int Augenblicke von Rußland nichts oder wenig zu fürchten ist. Ob das im Frühjahr allerdings nicht neue Ueber- raschüngen bringt, bleibt bei der völligen Un- durchsichttgkeit der russischen Politik die große Frage. Auf feiten der Entente, Frankreich ausgeschlossen, hat man allmählich erkannt, daß der Kampf um Rußland mit den Waffen in der Hand nicht entschieden werden kann. Lloyd Ge­orge war der erste, der mit zielsicherem Blick diese Unmöglichkeit erkannte und im Sommer des ver- atten Jahres, als die Unterstützung Polens

Ententetruppen auf der Tagesordnung stand, ziemlich energisch avwttifte, wenn er es auch äußerlich an Drohungen nicht fehlen ließ. Seit dieser Zeit hat Vie englische Diplomatte -inen zähen und erbitterten Kamps um den Frie­den mit Rußland geführt. Denn in London hat man längst den zweifachen Gewinn ersaßt, den für Vas britische Weltreich ein Friede mit der Sowjetregierung zur Folge haben wird. Eng­land will auf diese Weise einmal Vie Bedrohung Persiens und Indiens durch den Bolschewismus unterbinden und gleichzeitig sich selbst Vie Vor­hand in Atußlaud sichern.

Mit dem schar,en Auge des Geschäftsmannes hat der 53rite erkannt, daß eine Verständigung mit der Sowjetregierung ungeahnte wirt­schaftliche Möglichkeiten fiir den eng­lischen Handel bieten wird und daß der ost­europäische Markt der aussichtsreichste Marft der Zuftmtt ist Man ist an der Themse Nug genug, Frankreich sich an den deutschen Enffchädigu.igs- summen, die vorläufig noch eine Taube auf dem Tcche sind, berauschen zu lassen, und selbst unter­dessen mit Rußland, dessen unerschöpflicher Reichtum Tausend« von Milliarden beträgt, engere Fäden anzuknüvsen. Darum hat auch London hte Verhandlungen mit Kamenew und Krassin niemals ernfllich abgebrochen, weil es genau wußte, daß sich eine gewisse Nachgiebigkeit gegenüber Rußland hundertfach bezahlt machen würde. Amerika hat «benfalls nichts unter­lassen, um mit Rußlands Hanv-lskreisen Füh­lung zu nehmen. Mer gegenüber England hat es bis heute sich noch mit dem zweiten Platze be- gnüaen müssen. Englands Kampf um da? Vo- littsche wie imt das wirtschaftliche Rußland ist nichts anderes, als wie ein Teil feines zäh-.n Ringens um die Vorherrschaft in der Welt. Das Bestreben Englands geht dabei daraus hinaus, alle anderen Konkurrenten, vor allen Dingen auch