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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 96

Sonntag, 1. Mar 1921

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Feindlicher Vormarsch Anfang Mai

den mit der Be,

nügen

Möchten der weitaus gröf lastet, wird leider gänzlich ansgeschaltet, weil die AM

werden, und, um das immer größer werdend»

Berlin. 30. April.

Die Bosstsche Leitung berichtet in BestLtigun« ihrer früheren Meldung, daß Dr. Simon- vor der Absendung der Rote an Amerika am vorigen Sonntag fein Rücktrittsgesuch dem Reichs­kanzler Fehrenbach überreichte. Dieser habe im Einverständnis mit Dr. SimonS das Gesuch bis­her zurückgehalten, bis eine entscheidend« Ant­wort aus Washington eingetroffen sei. Reichs­kanzler Fehrenbach habe fich mitDr. Simons solidarisch erklärt. In den nächste« Tagen werde die Kabinettsumbildung tatsächlich erfolgen. Die Berliner BSrseuzeitung erfährt dazu von parla­mentarischer Sette, daß die Gerüchte von einer neue« Regierungskrise gegenstandslos seien.

lastet, wird leider gänzlich aus der Berechnung ansgeschaltet, weil die Alliierten durch die 8 ü - fi e eine falsche Grundlage Mr den .FriedenSver- trcfl* »urechtgemacht haben, auf der ihr ganzes Gewalt- und Schwindelsystem beruht. Tie da­maligen deutschen Unterzeichner haben gezwun- genermatzen die moralische Schuld auf sich ge­nommen und nun übernimmt Deutschland auch die materiellen Schulden Mr Jahrzehnte hinaus; aber das alles ist noch nicht genug!

den, die die Erwartung nach weitergehen­den Angeboten Deutschlands ausspricht. Die bisherigen Auskünfte des Auswärtigen Amtes in Berlin hätten keine Klärung der Lage gebracht.

DU Bo fielet Neueste» Nachrichten erftbetnen rc6tbentltd> sechsmal une «var oteebfc Der Mbemtementtorets beträgt monatlich «.00 «Mort bet tretet Zustellung wr frauü. Lu«, wärt« durch bte Dost bezogen 630 Mart monatlich etntchUebllch Zustellung Bestellungen werden lederznt von der SelchLstbstelli oder te» Boten entgegengenommen. Druckerei, Vertag anb tRebattten, Schtochthotstrabe 28/80, Für unverlangt ein gesandte Betträge tarnt bte Kecettton eine Verantwortung ober Bewahr tn (einem Falle übernehmen lliuckzahiung bei Seiug«gelbe« oder Ansprüche wegen etwaiger nlcht ordnungsmäßiger Lieterung ausgeschlossen

Einleitung des Vormarfchs.

Einberufung französischer Reserve».

(Eigener Drohtberichi.)

Parts, 30. April.

Die französische Regierung setzt ihre mili­tärischen Vorbereitungen rücksichtslos fort. Der letzte Ministerrat hat den Kriegsmini- ster zur Einberufung des erst vor einigen Wochen zur Reserve entlaßenen Jahrgangs 1919 ermächtigt, obwohl augenblicklich in fast allen Garnisonen Fraickreichs eine unge­mein heftige Epidemie bösartiger Grippe wü­tet. Rack» den erst gestern vom Kriegsministerium mitgeteilten Ziffern sind die Garnisonen in Tours, Orleans, Bordeaux, Rennes, Montpelier und Versailles ebenso heimgesucht wie die Gar­nisonen von Dijon, Ranch, Straßburg und Col­mar In einzelnen Garnisonen hat sich die Epi­demie durch das Hinzutreten von D i p h t h eH e und Scharlach besonders verschärft. Aus Straßburg werden sechSundzwanzig, aus Col­mar ackft Todesfälle gemeldet. Es handelt sich also um eine sehr schwere, allgemeine Epidemie.

Miletten-Beratungen.

Italien« BerfShnu-gSpotttik.

(Eigener Drahtberkcht.)

Mailand, 30. April.

Graf Sforza hatte vor seiner Abreise nach London einem Ministerrat brigewichnt. Das Er- grbi'.iS war, daß I t a l i e « bei den bevorstehen­den Besprechungen i» London die bisher bekun­dete Versöhnu»k Spolitik fortsetzen wird. Giolitti mtd Sforza sind fich darüber einig, alles zu tun um einer rasche« und dauerhaften Bcr- öhnung den Weg zu ebne«. Sie erwarten dabei von Deutschland Folgendes: Erstens muß Deutschland bereit sein, seine Vorschläge zu verbessern und seine Verpflichtung auzu- erkennen, sofort zu bezahlen, was es am L Mai zu bezahlen hatte. Zweitens müffen die B e r - einigte« Staaten wirksaut in die Set- Handlungen eingreifen und auch sie müffen von allen mllitärischen Sanktionen, deren Er­gebnis zweifelhaft ist, abraten.

Bor einer Kabinettskrise?

Gerüchte über eine« Wechsel.

(Privat-Telegramm.)

gtifertiontoretfe>) (tinbetmifebe Auftrage: Die einspaltige «njetgen-Zette M. LIO, bte einspaltige ReNamezeile TI. 3.. b) Auswärtige Aus trüge: Die einspaltige Anwlgenzetle ®l USO, bte etnlpalttge Reklame,eile M. 3.60, Uue8 etnschNetzltch TeverungSzuschlag unb Anzetgenstener Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag ftür bte Richtigkeit aller durch Jemsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Ausnahme, baten unb Plätze kann eine Gewähr nicht fibememmen werden. Druckerei: Schlacht, hoistratz« 28/30 SefchäftSNelle: Kölnische etraSe Telephon Nummer 951 und 953.

Besetzung ohne Engländers

P a r i 8, 30. April. (Eigene Drahtmeldung) DemMatin" zufolge sind die Mitglieder deö Obersten Kriegsrates aut Donnerstag nach Lon­don abaereist. Wie derTemps" mitteilt, hat in den bisherigen Verhandlungen zwischen den Alli­ierten das britische Kabinett den Be- Muß gefaßt, sich an der Besetzung des Ruhrgebietes nicht zu beteilige«.

' Beratung der Vorteini.

Berlin, Sv. ApriL (Privattelegramm.) Die Fraktionen des Reichstages hatte« heute Sitzun­gen ab, «m zu der Frage der Kabinettskrise und den hierüber in der heutigen Morgenpreffe er­schienenen Mitteilsngen, wonach ein Kabinett unter Dr. Stresemanns Lettung gcbfldct werden (olle. Stellung zu u'chme«.

Erwartung weiterer Angebote.

London, 30. April. (Eigene Drahtmel­dung.) Reuter meldet über die Sitzung des e n g- lischen Kabinetts am Donnerstag abend, es fei eine neue nichtamtliche Anfrage der eng- lischen Regierung nach Berlin befchloffe« wor-

AtitttSrtransvorte vom 3 bis 10 Mai.

Paris, 30. April. (Eigene Drahtmeldung.) Briand erflärte einem Pressevertreter, Frank­reich fei entschlossen, die Besetzung des Ruhrgebietes durchzuführen. Deutschland habe mit dem Anruf Amerikas hinterlistig auf Frankreichs Rücken springen wollen. Jedoch sei das Manöver fehlgeschlagen. Der Ertrag der deutsche« Kohlensteuer des Ruhrgebiets fließe künftig den Reparationen zu. Weiter wird gemeldet: Das französische Kriegsmini- stcrium hat für den 6. Mai die elsässischen Bahnlinien zur Reservierung für Mili- tärtransporte angefordert. Durch An­schläge auf den Bahnhöfen wird angckündigt, daß zwischen dem 3. und 10. Mai die Annahme von gewöhnliche« Frachtgütern eingestellt ist.

liarden Goldmark stellen einen Wechsel auf eine heute noch undurchsichtige Zukunft des beut» scheu BolkeS dar. Der früher aufgestellte Grund­satz. daß die jetzige Generation die KriegSschä- den bezahlen soll, ist aufgegeben worden aus der Erwägung heraus, daß eS angesichts der wirt­schaftlichen Schwäche unmöglich ist, wie es ja überhaupt unmöglich ist, daß ein einziges Volk die Lasten unb Schäden wieder gutmad-en kann. Die Tatsache, daß wir nicht die Schuldi- gen am Kriege sind, sondern auf den anderen ........* 'ßte Teil der Schuld

der Begründung, sie seien nicht ge- d! Was sie an den Vorschlägen auszu- sctzen haben, ist wieder sehr charakteristisch für die Geisteswett derjenigen, die so tun, als wären sie Sieger. Man wird dabei ein psychologisches Merkmal nicht außer Acht lassen dürfen. Wären

sie die unbestrittenen Sieger, dann wäre es denk­bar, daß sie dem Unterlegenen müdere Bedin­gungen großmütig gewährt hätten. Da sie es aber nicht sind, Melmer der Erfolg nur durch plumpe Zufälle an ihnen hängen geblieben ist, so fürchten sie noch in ihrer vollen Rüstung den kampfunfähig gewordenen waffenlosen Gegner. Die Furcht der eigenen Schwäche diftien ihnen die Maßnahmen. Erst nach völliger Vernich­tungsarbeit glauben sie Ruhe zu finden. Oder zweifelt jetzt noch jemand am Vernichtungs- Willen der Alliierten r

Die deutsche Regierung hat alles getan was sie tun konnte. Bis zur Erniedrigung hat sie Angebote gemacht, einen großen Teil des deut­schen Volksvermögens, die deutsche Arbeitskraft hat sie zur Verfügung gestellt; das Schicksal nicht nur der lebenden, sondern auch kommender Ge­nerationen war sie bereit, in die Hände eines Schiedsrichters z» legen. Die zweihundert Mil-

Roch nicht genug?

Nichtannahme der deutschen Dorschtäge.

Einer gestrigen Meldung zufolge soll Amerika die Uebermittlung der deutschen Note abgelehnt hc ben, dagegen besagt eine amtliche Nachricht, daß die Antwort noch nicht eingetroffen ist. Aber soviel steht bereits fest, daß Frankreich und England nicht zufrieden find. Zwar wird anerkannt, daß Bereitwilligkeit in manchen Punkten vorhanden sei, aber die Zahlungsweise, die sich auf etwa achtzig Jahre erstrecken könne, sowie andere Teile der Note seien gänzlich un­annehmbar. Es übersteigt das Faffungsver- mo-gen eines gesunden Menschenverstandes, wenn jetzt die weitgehenden deutschen Zuge­ständnisse, die vielleicht schon über unsere Kraft fielen von den Ententemächten verworfen wer-

Die deutschen DottchMge.

Dermeiduug eines AbbruchL (Vrivat-Tclegramm.)

Berlin, 30. April.

Das Reichskabinett beschäftigte sich, wie wir erfahren, in feiner gestrigen Sitzung mit der Re- parationSsrage. Man erörterte, waS geschehen muffe, tun einen Abbruch der Verhandlungen mit Amertta zu verhindern. Endgültige Be­schlüsse wurden noch nicht gestrßt. In unterrich­teten Kreisen vertritt man den Standpunkt, daß selbst nach dem Eintreffen einer ablehnenden amerikanischen Antwort die aufgenommene Ver­bindung mit der amerikanische« Regierung nach Möglichkeit ausrecht erhalten werden «rüffe. Für neue Verhandlungen find in der letzten Rote Deutschlands an Amerika alle Voraus- setzunge« gegeben, den« fle enthält, wie be­kannt, keine starren, unabänderlichen Vorschläge, sondern in ihren Schlußsätzen vor allem die frei- willige Bereitschaftserklärung zur Entgegen­nahme von Abänderungsvorschlägen.

Wenig günstige Aussichten.

Berlin, 30. Arpil (Privattelegramm. > Ent­gegen einer Meldung, daß die amerikanische Ant­wort am Freitag in Berlin eingetrofken sei, wurde gestern abend aus Washington ge­drahtet, daß noch keine Antwort abge- fandt worden fei. Die Berliner amtlichen Stel­len haben noch nichts erhalten. Die Vesprechnn- gcu des amerikanifckien Kabinetts über den In- Hall der Antwortnote sollten erst Freitag Abend beendet werden. Die ans Amerika in Ber­lin eingeganqenen Rückfragen haben zu neuen Beratungen im Kabinett geführt. Wie wir zuverlässig erfahren, ist an eine wesentliche Sie v berung der deutschen Vorschläge und deren Grundzüge nicht ,n denken. Auf Grund der vorliegenden Nachrichten aus Paris, London und Newyork werden in den Berliner Regie­rungsstellen und im Parlament die Aussich­ten für eine Einigung zwischen den Alliierten und Deuttckckand als wenig günstig erklärt.

Welt, den die Entcnteregierungen so geschickt zu verbreiten verstehe«. Der Außenminister Simons hat im Reichstag sehr richtig erklärt, daß das Ausland irregeführt ist, daß die offenr- liche Meinung im Auslande der Kriegs schüdeu- frage gegenüber vollkommen falsch eingestellt ist. Die Ansicht, daß die deutsche Regierung sich den Verpflichtungen zu entziehen suche und allerlei Hintertüren offen halte, wütet tn weiten grei­fen der Welt geradezu furchtbar. Wenn die .Sanktionen" kommen, dann haben wir keinen moralischen Halt an der öffentlichen Meinung der Welt, sagte er. Betrüblicherweise ist es so. Obwohl die deutschen Vorschläge unsere Sei- stungssäHigkeit schon übersteigen und das Volk demütigen, ist es doch dergehässigenPro- paganda der Alliierten gelungen, die ganze Welt weiter gegen Deutschland zu ver­hetzen. Das ist hauptsächlich Englands Werk, das seine Polypenarme Mer alle Länder streckt und ohne Unterlaß Ne gemeine Kriegshetze und Verleumdung fortfttzt. ES bedarf der stärksten Volkskraft und der Ausrechterhalttmg der deut­schen Würde, um einem solchen Kampf mit un- gleichenMttteln gegenüber standzuhalten. K. F. Dr

Kein weiterer Aufschub.

Amsterdam, 30. April. (Eigene Drahttnel- dung.) Der Tclegraaf berichtet aus Washingron Eine zweite französische Mitteilung ist im Weißen Hanse eingegnngen, in der die Zustim­mung Frankreichs zur vorläufigen Be r t a g u n g der ntilitärischen Santtionen gegen Deutschland aügelehnt wird, sofern nicht der Alliierten- Rat in London am Sonntag anders beschließt.

Wiederum sirtd «S bte Franzosen, die einen unversöhnlichen Standpunkt einnehmen, die jede Vermittlung von vornberetn zum Schei­tern bringen, weil sie keine Gemeinschaft mit uns wollen. Auf das gut durchgeardeitete W i e- deranfbauprogramm, mit dem Deutsch­land am besten die französische Äriegswnnde hätte heilen können, gehen sie gar nicht ein. Dagegen verlangen sie (Selb, wahnsinnige Sum­men, die wir nie zahlen können, itnb Unterwür­figkeit, so daß wir schließlich das Verfügunas- recht über uns selbst preisgeben sollen. Tie be­gonnene Versklavung soll vollendet werden. Ate anders Ware cs sonst zu erklären, daß alle un­sere in der Note gemachten Vorbehalte verwor­fen werden Es behage ihnen nicht, daß die Be­seitigung der .Santtionen". sowie der Verbleib ODersehkesiens bei Deutschland vorausgesetzt totrb, daß wir ferner bie Mederzolaflnng zur Weltwirtschaft begehren. Selbstverständlichkei­ten erHören siefür unannehmbar. Daran er­kennt man bte Absichten jenseits der Grenze. Sie wollen unS bte Hände binden, damit wir nicht arbeiten können und werden dann am FälligkeitS- tage mtt künstlich aufgeveitschter EntMtunq ru­fen: .Warum erfüllt Ihr Eure Verpflichtttuzen nicht? Sebt, Ihr feib die verstockten Sünder' Dafür verhängen wir eine neue Strafe über Euch?" Auf diese Weise werden Gründe für immer weitere Zwangsmaßnahmen geschaffen, die dazu dienen sollen, das deutsche Volk aus­zupressen bis zur völligen Verarmung und bis zur völligen Erschöpfung seiner Arbeitskraft und seines Naricmalbcwußtseins! Dan» erst wäre das Entente-Ziel, die deutsche Knechtschaft erreicht.

Und nirgendwo in der Welt steht ein Bott auf, das Ich auf unser« Seite stellt. Zwar gibt es in allen Ländern vereinzelte Stimmen, di- bett schändlichen Lug unb Trug und die Brutalität scheu und mutig kennzeichnen. Aber sie ver­schwinden wie ytrter Hauch im Ricsenlärm der

MlMonm-Verlust.

Wie man keine Geschäfte mache« soll.

Heb«* bte geschäftliche Tätigkeit von BrhSrdo. find tn beit Hetzten Jahren vielerlei Beispiel« bekannt geworben, bi« deutlich zeigen, wie men es nicht machen soll. Auch bae nachstehende Beispiel wird allgemeinem Interesse begegnen In einem Rachtragsetctt, der dem Reichstag jetzt vorliegt, wird die beträchtliche Summe von einhundertfünfundsiebzig Millio­nen Mark verlangt zur Deckung einesVer-- lustvs des Reiches aus einem LebenSmittel-Ge- fchiäst der Eisenbahndirektion Elber­feld mit der belgischen Regierung". Die Ange­legenheit hatte vor einigen Tagen den Reichsrat beschäftigt, aus dem dürftigen Bericht über diese Reichsratssitzung war aber nicht viel herauszu­lesen. Dem RachtragSetat ist erfreulicherweise eine Denkschrift beigefügt worden .über den Ab­schluß und die Entwicklung des Elberfelder Le- bensmittelvertrages", die erschöpfend darüber Auskunft gibt, wie die einhundertfiitrfundsieÄzig Millionen Mark hinansgeworfen wurden. Wie die Denkschrift mtttetlt, hat ein Wirtschaftsaus­schuß bei der Eisenbahndirektion Elberfeld durch eine Kölner Firma, die zu den Besatzungbehör­den Beziehungen hatte, große

Ankäufe ausländischer Lebensmittel gemacht. Die Eisenbahnverwaltung unterstützte oen Ausschuß, um die DieustwilliKett der Be­amten und Arbeiter zu erhöhen und um der Streikneigung enigegenzmvirlen. Ws die Ab­schlüsse abgelaufen waren, erhielt der Ernäh- rungövezernent der Eisenbahnidttektion Elberfeld vom Ernährungsrefereuten im Eisenbahumiui- srerium den dringenden Auftrag, sich wegen Be­schaffung weiterer Lebensmittel zn bemühen. Ende Juni wurde dem Ausschuß durch Vermitt­lung einer Kölner Finna ein außergewöhnlich großes Lebensmittelgeschäft angebo- ten. Wer als Verkäufer aus belgischer Seite auftrat, ist nicht ganz klar, am Ende war es dic belgische Regierung selbst. Das Angebot wurde dem Ernährungsdezernenten der Eisenbahndirek- tion Elberfeld mitgeteilt, der das Angebot wegen seiner Größe an den Ernahrungsreseren- teu im Ministerium nach Berlin weitergab. Dieser wollte erst das Reichsernährnngsmtni- stertum um Rat fragen. Inzwischen drängten die belgischen Verkäufer auf sofortige Entschei­dung binnen weniger Stunden, und die von ihnen gesetzte Frist hätte nicht eingehallen wer­ben können da es war ein Sonntag vom Ernährungsministerium niemand zu erreichen war. Die Belgier setzten den Elberfeldern bte Pistole auf die Brust, die Elberfelder dem Eifen­bahnministerium, man unterhandelte stundenlang telephonisch, und bei diesen telephonischen Unter­handlungen hat sah das Mißverständnis ergeben, das jetzt die Steuerzahler teuer zu stehen kommt: der Eintritt des Reichseruähtungsmtnistermms in den Vertrag wurde von den Belgier« als Vorbedingung für den Abschluß des Vertrages verlangt und nnßverstrndlicherweiffe in Berlin am Telephon erklärt. Der Vertrag wurde atm 30. Juni, mittags 12 Uhr, wie es bie Belgier verlangt hatten, unterzeichnet, und zwar ,.im Namen der Staatseifenbahnverwaltung tn Elberfeld". Als man sich den Vertrag näher be­trachtete und sah,

wie arg man hereingelegt war, wollte die Etsenvahnverwaltung den Vertrag an­fechten, weil er von einem zur Vertretung der Eisenbahnverwaltung nicht befugten Beamten abgeschlossen war. Darauf ließen sich aber die Belgier nun nicht ein, unb es folgten lange Ver­handlungen, die aber nicht verhindern konnten, daß die Belgier inzwischen zu liefern begonnen. Ja, sie beschleunigten den Zulauf bet Waren, da es ihnen, wie sie sagten, nur daraus ankam, der deutschen BevöKerung die dringend benötigten Lebensrnittel so schnell wie möKich zuzuführen. Die Ware war also da, und es kam jetzt darauf an, sie schnell zu verteilen. Man braucht fich nicht zu wundern, daß es in ter Denkschrift heißt, daß »ritt Verderb gewisser Mengen von Lebens­mitteln nichtzuvermeidenwar". Es fehlte angeblich an Lagerräumen, und das Reichs­ernährungsministerium erwähnt mit Stolz, daß cs durchVerfügungen" wenigstens den Verderb weiterer Lebensmittel verhindert hat. Zu seiner Entschuldigung kann gelten, daß den Belgiern die deutschen Er.rährungsnäte sehr am Herzen gelegen haben müssen, beim sie lieferten inner­halb weniger Wnhen in planloser Folge etwa fünfzig Millionen Kilogramm Le­bensmittel, anetft gerade solche, die, wie Mar­melade, Syrup urtb Kunsthonig, leicht verderben. Die Lebeusutittel wurden in Düssel­dorf, Duisburg, Emmerich, Bremen. Bremer­haven Und Hamburg untergebracht. Der Verkauf gestaltete sich äußerst schwierig, weil die deut­schen Verbraucher gerade mit diesen Waren in den letzten Krieg Sjahre-t über füttert waren nnd sie nur noch mit Widerwillen genommen hatten Deshalb mußte «rit den

Preisen immer weiter hsruntergegangen