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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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DM

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Nummer 106.

Fernsprecher 951 und 951

Sonnabend, 14. Mal 1921

Fernsprecher 951 und 951

11. Jahrgang.

Kundgebung für Oberschlefien.

Die teure Eisenbahn.

Personeufahrpreise «ad Frachttarife.

DaS Eisenbahnfähren wird für Mele ein klei­ner Luxus werden, wie es in früherer Zeit eine Badereise war. Wenn man sich vergegenwärtigt, bnfi man heute im Vergleich zur Friedenszeit sehn- bis fünfzehnsachr y einige zahlen mutz, so ist die Unzufriedenheit der reisenden Publikums Vohl zu verstehen. Der Einwendung des Herrn Lisenbahnministers, daß ja Alles im gleichen Verhältnis teurer geworden sei, tonn man mit gutem Gewissen entgegnen, daß aber nicht das Einkommen eines Teiles der Bevölkerung im gleichen DevMtnis gestiegen ist. Solange die v-ahrprets-Erhöhumg auf die erste und -weite Wagenklasse aufgeschlaaen wird, so daß Jene, denen Wsfiges Kapital leicht durch die Finger geht, davon betroffen werden, ist nichts dagegen einzuwenden. Sehr bedenklich ist aber der Ver­such, auch di« dritte und vierte Wagenklaffe, die gegenwärtig schon start belastet sind» weiter zu verteuern. Am 1. I n n i wird einnenerTa- r i f in Kraft treten, der durchschnittlich eine vier- tigprozentigx Erhöhung der Fahrpreise bringt. Das geht über das vernünftige Maß hinaus. Es muß doch 'berücksichtigt werden, daß dir Seifenden der dritten und vierten Wagen- klasse zumeist keine Veramigungsreifenden stnd, sondern Berufs- und Arbeitsmenschen, Ange­stellte, FeftbesolLete, die, wie es in der Umgegend von Kassel derFall ist, MM Geschäft, zur Ar­beitsstätte, zmn Warft sichren müssen.

Allein hier ist das Fahren mit der Bahn für viele Lausende eine Notwendigkeit, von der ihre Evwerbstätigkcit albkmngt. In den frühen Mor­genstunden und am Spätnachmittag strömen vom und zmn Bahnhof gewaltige Menschenmengen, denen der neue Zuschlag große Bitternis berei­ten wird. Wie sich zum BeispiÄ die Monats­karten dritter Klasse verteuern, geht aus fol­genden Zahlen hervor: Die Monatskarte für die Strecke Kassel-Kirchhain kostete bisher 127 Mark, ab 1. Juni 351 Mark; Kassel-Bebra bisher 84 Mark, ab Juni 231 Mark Kassel-Karlshafen bisher 76,60 Mark, db Juni 192 Mark; Kassel- Vollmarsen bisher 71,80 Mark, ab Juni 172 Mark; Kafsel-Witzenhausen bisher 70 Mark, ab Sttni 164 Mark; Kassel-Wildlingen bisher 79 Mark, ab Juni 20.3 Mark: Kassel-Wilhelmshöhe bisher 12 Mark, ah Juni 28 Mark; Kassel-Groß­almerode bisher 75,60 Mark, ab Juni 188 Mark. Das sind Erhöhungen um rund Hundert- vierunddreitziz Prozent. Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß die alten Preise im Vergleich zu den einfachen Fahrten sehr er­mäßigt waren, so muß doch berücksichtigt werden, daß für die Inhaber von Monatskarten dir täg­lichen Fahrten eine Lebensnotwendigkeit ftnh. Die Erhöhung vermehrt ihre ständigen Ausgaben in schmerzlicher Weise. Die Folge wird eine aber- marlige Abwanderung von der dritten in die vierte Wagenklasse sein, wie jeder erhöhte Tarif eine Abüvattdemng von den höheren in die niederen Klassen verursacht hat. Die vierte Klaffe wird noch mehr unter der Ueberfüllung leiden, da jetzt schon streckenweise Dritteklasse- waaen in vierte Klasse umgewandelt werden ntüffen. Gäbe es ein« fünfte Klasse, würde auch diese massenhaft benutzt werden. Die geschilder­ten Verhältnisse find nur ein Beispiel für die Zustände im ganzen Reiche, hauptsächlich in der Nähe größerer Städte und in industriellen Ge­genden.

Weit größere Teile der BevöWerung werden aber von der Frachtverteuerung betroffen, ja man kann wohl sagen, daß das gesamte Voll die nachteilige Wirkung wird suhlen müssen. Am empfindlichsten werden die Hausfrauen darunter leiden, weil auch bje Lebensmittel nicht verschont bleiben. Konnte man in den letzten Wochen mit Befriedigung feststellen, daß die Preise für die tägliche Nahrung tongsam zurück- geganaen waren allerdings mit Ausnahme von Brot und Kartoffeln, so steht nun die Wahrscheinlichkeit bevor, daß ein weiteres Sinken nicht mehr zu erwarten ist, well jedes etoaige Billigerwerden durch die erhöhte Fracht wieder ausgefüllt wird. Was das für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die von ferne- ien Gegenden oder gar vom Ausland bezogen werden müssen, bedeutet, wird der Kaufmann schon mit gelindem Grausen berechnen. Es kostet beispielsweise ein Eilgüterwagen für eine Strecke wie von Holland bis Berlin ungefähr 8800 Mark Fracht. Eine holländische Gurke wurde dem­nach, wie in Berlin berechnet worden ist, mit einer Fracht von 1,50 Mark belegt, und ein Kohl- köpf sogar mit zwei Mark. Aus Italien ver­teuert sich der Transport um daS SWS eite, denn von dort kostet ein Eilgüterwagen sechzehntau­send Mark. Das macht sich natürlich im Klein­handel, der dann noch die Ware über abge­zweigte Strecken bezieht, als schwere Belastung zeltend.

Diese Verteuerung sowohl des Personeuver- kehrs als auch der Fracht auf Lebensmittel darf man ohne Ueberrreibung als eine Harte -r- zeichnen, die «chedtnat werden

müßte. Nicht nur die aus der Ferne bezogetten Waren, sondern auch die Landeserzeugniffe, die aus nahen Gegenden zu uns kommen, erfahren eine übermäßige Belastung. Daraus entsteht eine neue Gefahr für die Vollsernächrung. Der Be­weggrund für die Verteuerung des Vahnver- kchrS ist ja für Jedermann klar. Die ReichSeisen- bahn Verwaltung und der Finanzminister erwar­ten davon höhere Einnahmen, itm den Fehlbetrag zu verringern. Vvr einigen Tagen meldete uns ein Berliner Telegramm, daß der Fehlbetrag bei der Eisenbahn im Monat April nahezu zwei Milliarden Mark betrug. Glaubt Jemand, daß diese ungeheure Summe durch neue TariserhSbune- gedeckt wird? WM kaum. Nm solche Fehlbeträge auszu^leichen, müßte eine andere Neuregelung erfolaen. Es sei nur daran erinnert, daß die StaatSeisenbaPnen chemaW ein Unternehmen Waren, das sehr be­deutende UebeMMe hervorbrachte. K. K. Dr.

Hm «berschlefiens Schicksal.

Proteste im ganzen Reich.

«Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 13. Mal

Ttc Entrüstung über 8aS yolnische KrieoS- treiben in Obelschlesien hat daS ganze deutsche Volk ergriffen. Man erkennt die ketnftlick- Absicht, nachdem festgestellt worden ist, daß die Polen von den Franzosen unt-rfHUit wer­den. Gegen diese tntfmtfercn Machenschaften must energischer Protest im ganzen Reiche erhoben werden. Die NegiernngSvarteien ha. 6en gestern beschlossen, lm ganzen Reiche Kund­gebungen ,n veranstalten. Nachdem die Mehrheit des Reichstage- das Entente Mttrna- ttim angenommen hat, hat daS deutsche Volk ein Recht, von der Gegenseite die Erfüllung deS Friedensverttages im Sinne der Gerechtigkeit zu fordern, da die interalliierte Kommission ver­pflichtet ist, Oberschlefien gegen die polnischen Gewalttaten und Plünderungen zu schützen.

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Dorgehen gegen die polen ?

Oppeln, 13. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern nachmittag begaben stch Vertreter der bentscheu politischen Parteien und der Gewerk- schäften zu dem französischen General Lerond und forderten nach einmal in der schärfsten Wei- se Erklärungen über den Funkspruch der War­schauer Regierung. Lerond erilärte erneut, dass weber er wxff feine Unterführer mit der interalliierten Kommission in Verhand­lungen eingetreten seien, daß vielmehr |e«t mit den schärfsten Mitteln gegendiepolni. chen AufrÜ'hrer vorgegangen werden wür- >e. Italiener und Engländer würden zur Ver- lärkung nach Oberschleflen kommen. Die Ver­treter der politischen Parteien wiesen darauf hin, daß die Geduld der Deutschen nunmehr er. schöpft sei und daß sie sich auch durch di- Erllä- nmg des Generals Lerond nicht vom Selbst, chntz würden abbringen lassen. Die Mitteilung witrde der Bevölkerung bekamst gegeben. Sie hatte zur Folge, daß der Streik, der als Protest verkündet war, abends abgebrochen wurde.

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Franzosen auf polnischer Seite.

Oppeln. 13. Mai. tPrivattelegramm) Wie der Telegraphen-Union von zuverlässtger Seite crflärt wird, haben in den Quartieren franzö ischer Offiziere in Oppeln und Umgegend HauS. uckungen stattgefunden. Anhand der vorgefttn- denen Waffenquittugen wurde fcstge- tellt, daß den Polen f iten§ der Franzosen Waffenlieferungen gemacht worden ind. Die Haussuchungen find von Ualienifchen Offizieren vorgenommen worden. Bei den Kämpfen in der Gegend von Kosel wurden elf uniformierte Franzosen dis auf feiten der Polen gekämpft hatten, vom deutschen Selbstschutz gefangen genommen.

.Weitere Kämpfe.

Oppeln, 13. Mai. sPrivatteLgramm.) Die len sind in Vie Borstädte von R a t i b o r cin- yedrnngen. Ratibor steht vor der Einnahme durch die Polen. Nach Meldungen der War­schauer Presse haben die Aufständischen Kreuz burg eingenommen und bei der Einnahme der Stadt dreißig Tote verloren. Ferner wurde Klodnitz von ihnen genommen. Bei der Ein­nahme von Kandrzin find auf polnischer Seite PanzerKge in Attion getreten.

Segen die polnische Gefahr.

Berlin, 13. Mai. (Privattelegramm.) (Segen die polnischen Truppcnansammlnngen an der Grenze O st p r e u tz e n S ist gestern eine Note Deutschlands nach Warschau abaeaangen. Ans

Lyck in Ostpreußen wird gemeldet, daß in Sen polnischen Grenzdistrikten am Mittwoch die pol­nische Mobilisierung verkündet worden ist. Das Wiener Extrablatt meldet aus Prag: In­folge des polnifchen Einmarsches in Oberschle- fien hat die tschecho-flowakische Regierung gestern für zwei Jahresklassen Befehl zur sofortigen mi­litärischen Dienstleistung ansgegebr»^

Haltung ber Negierung.

Ein« Erklärung zum Altimatu«.

^Privat-Telrgramm.)

Berlin, 13. Mai. .

Im Reichsrat erklärte Reichskanzler Dr. Wirth gestern abend über die Annahme des Ultimattnns: Es ist die größte Ruirmbe, die je einem Volke gestellt war. Wir wollest aufrichtig diesesJa" verwirflichen. Ohne jeden Vorbe­halt wollen wir die Bedinaungen des Ultima- rums mit allen unseren Kräften befolgen. Wir erwarten aber auch, daß die Gegenseite unse­ren guten Willen anerkennen wird und wir erwarten insbesondere, daß in der oberschle- ssfchen Frage ein aufrichtiges Spiel auf der Ge­genseite gespielt wird. UnserJa" darf von kei­ner Seite sabotiert werden. Ich bin überzeugt, daß, wenn es auch nur von irgend einkr Seite gestört wird, das deutsche Volk vor den schwer­sten inneren Auseinandersetzungen stehen wird.

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Die finanziellen Lasten.

Derlin, 13. Mai. (Privattelegramm.) Eine neue Konferenz der deutschen Finanzminist-r findet in der ersten Juniwoche in Dresden statt, um zu den neuen Sten er Vorlagen und zu weiteren steuergesetzgeberischen Maßnahmen an­läßlich der bevorstehenden Zahlungen an die Entente Stellung zu nehmen.

Die -Zollgrenze im Westen.

Keine Aussicht auf Beseitigung f IPrivat-Telegramm.)

Berlin. 13. Mas.

Die neue Reichsregierung hat in einer Anfrage an die Ententebotschafter in Berlin die Erwartung ausgesprochen, daß die früheren LondonerSaEionen", besonders die Zoll­grenze am Rhein bald aufgehoben werden möchten. Nach einer heute vorliegenden Havas Meldung wird im alliierten Rat der deutsche Borschlag als nicht diskutabel angesehen. DerMotin" meldet aus Paris: Weder von der englischen noch von der italienischen Regie­rung ist der Antrag an den alliierten Not ge­langt, die Londoner Sanktionen und die Rhein- zollgrenze aufzttheben. Im Ministeriunt des Äeußeren erfährt man, daß der Standpunkt Frankreichs auch nach der Annahme des Ultimattrms unverändert fei. Ein Nachlas­sen der Stcherungsmastnahmen gegen Deutsch­land komme nicht in Frage.

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» Hoffnungen sind zu früh.

Berkin, 13. Mai. (Privattelegramm.) Zu der SämtpS"-ffl-erbung, daß der englische Rhein« landsvettreter in London die Aufhebung der Zollgrenze und die Räumung der Städte Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort vsrbereitr, bemerkt die .Deutsche Tageszeitung*: An stch würde diese Meldung dem entsprechen, was nach der Annahme des Ultimatums zu ertoarien ge­wesen wäre. Indessen bietet sie trotz alledem noch nicht die geringste Gewähr für die Richtig­keit. Ob sie auch nach Aufhebung der Zollinie ein bestehendes Reservatrecht englischer Kauf­leute bedeutet, bleibt übrigen- abzuwarten. Für deutsche Hoffnungen irgend welcher Art aber ist es hn jetzigen Zeiüpnnit noch viel zu früh

Die Frage der Besetzung.

Weitere Bereitschaft der Alliierten.

(eigene Dr-chimeldung.)

Paris, 13. Mai.

DerTemps" meldet: Der Oberste KriegSrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen, daß die Ruhr-Aufmarschordnmm nicht zurückge­zogen wird, sondern werter in Kraft bleibt. Die zur Besetzung aufgebotenen Truppen bleiben danach weiter mobil. TieTimes" mel­den ans London: Das britische Kriegsamt hat die Mobikbereitschaft für die einbe- tufenen Mannschaften der Territorialarmee bis 30. Juni verlängert. Die TimeS rechnet mit bet Möglichkeit einer Nichterfüllung der von Deutsch iand eingegangetten Verpflichtungen, weshalb die Mobflbereitschast der alliierten Trappen fori- dauern müsse. DerSeeolo" meldet aus Pa­ris, dort erachte nrn-t auch nach Annahme des Ultimatums durch Deutschland eine Aufhebung der LondonerSanvionen" für nicht annehmbar.

Der Arbeitsnachweis' Monopolisierung der Stellenvermittlung) ®et ffnttonrf eines ArbeXSnaMweiS.Gesetze« Ney« die Monopolisierung vor, nm bi« geiverdS- »nutzig« Slellenvermiitlung allmählich zu de- seitisen. Äber es wird auch z> zeftvnden, datz ein Zwang zu» Benutzung de« dffeuttichen Ar- beitonachwetse« nicht anSgeiih« werden Sann. Man schreibt uns darüber Folgend,«,

Der dem vorläufigen ReichSwittschastsrat zur Begutachtung vorgelegte Entwurf eines Ar- beitsnachweisgesetzes ist auf den Boden gestellt, daß die Arbeitsvermittlung als eine öffentlich- rechtliche Angelegenheit behandelt werden müsse. Mrrch den öffentlichen Arbeitsnachweis soll oic bisherige Zersplitterung der in verschiedenen Formen sich betätigenden Vermittlungsstellen beseitigt werden, indem Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt einheitlich znsammenge- gefaßt werden. Tas SchweMwicht der Arbeits­vermittlung und damit der Organisation des Ar- beitsmarttes soll in den örtlichen Stellen liegen, die in der Regel für den Bezirk jeder unteren Verwaltungsbehörde zu errichten find. Die für größere wirtschaftliche zusammen­hängende Bezirke, (Länder, Provinzen geplan­ten Landesämter für Arbeitsvermittlung bil­den die sachlichen

Aufsirlsts- und Beschwerdestellen gegenüber den Arbeitsnachweisen, sie haben alle Vorgänge aus dem Arbeitsmarft sorgsam auS- zuwerten und stellen die Verbindting mit dem Reich samt für Arbettsvermittlung dar. Da diese Organisation lediglich volkswirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten fdlgt, toll die ge­werbsmäßige Stellenvermittlung nach einer zehnjährigen Schon frist (bis 1931) völlig beseitigt werden. Die Facharbeits - nachweise, auch die paritättschen und von Be­rufsorganisationen unterhaltenen, gehen inner­halb zweier Jahre als Fachabteilungen auf dem allgemeinen Arbeitsnachweis Mer, behalten je­doch durch die Gliederung in Fachabteilungen ihren streng beruflichen Charakter bei, wodurch die Vielaestaltigkeit der Berufsbedürsnisse nach Möglichkeit berücksichtigt werden soll. Die söge- nannten gemeinnützigen Stellenvermitt- lungen der Vereine und Anstalten, die hänfiz eine unentbehrliche Fürsorgearbeit verrichten, werden der Aussicht der Landesämter unterstellt, schon um ste in Nobereinistimmung mit dem all­gemeinen Arbeitsmarft zu haften. Ferner soll angestrebt werden, daß die offenen Arbeitsplätze in weitestem Umfange den Arbeitsnachweise zur Verfügung gestellt werden. Der Grsetzent- Wurf steht aber vor, daß

kein Benutzungszwnng auSgeübt werden tonn. Es besteht also keine Verpflichtung offene Stellen nur durch den Ar­beitsnachweis zu besetzen, indem das sehr be­rechtigte Bedenken, erhoben wird, daß weite Kreise des Erwerbslebens, besonders quali­fizierte Dernssgruppen, gegen einen solchen Zwang anss äußerste sich sträuben wur­den. Man denke nur an die Ätooemiker, Haus­genossen und andere Vertrauenspersonen, die jetzt nur nach genauer Prüfung ihrer individuel. len Verhältnisse angestellt werden und künftig, hin gleichfalls außerhalb des öffentlichen Ar- beitsnachweises zur Anstellung gelangen toer­ben. Der in dieser Beziehung etwa vorgs- schriobene Venutzungszwang würde so ost um­gangen werben, daß seine Durchführung einfach unmöglich wäre. Die Uederwachung wurde soviel Kraft, Zeit und Geld veanfpruchen, datz die eigentlichen Aufgaben des Arbeitsnachweises darunter leiden müßten. Es soll daher den

Brrufsverbänden freigestellt

sein, zu entscheiden, 0b eine allgemeine Verpflicht :una zum melden der offenen Stellen für chre Angehörigen obligatorisch plrtzgreisen soll ooex nicht. Doch kann durch Polizeioerordnung an- geordnet werben, daß z B. bei Krisen des Ar- beitsmarftes, die offenen Arbeitsgelegenheiten zur Anzeige gebracht werden müssen. Rach dem Grundgedanken des Gesetzes sollen die Beteilig­ten den Arbeitsnachweis feLbstverwaltenb für ihre besonderen Beriifsbedüriniffe organisieren. Demaemätz ist für jeden Arbeitsnachweis ein da, ritätisch zusanrmengefetzter Verwaltungsaiisschutz zu bilden, dessen Boriitzender und Stellvertret.'r von der Gemeinde ernannt werden, denn trotz des Grundsatzes der Selbstverwaltuna soll der Arbeitsnachweis eine öffentliche Einrichtung und in Verbindung mit der allgemeinen Ver- ioaltung bleiben, da er nur im Zusammenhang mit dem Ganzen seine Aufgabe ersiWrn tonn.

Line zerriffene Sitzung.

Beschttlßt'nfähigkeit fm Reichstag sEioener Bericht.)

Berlin. 13. HUA.

Die letzte Sitzung des Reichstages vor bet Vertagung aus Anlaß der Pfingstpause war siberaiis reich <m unvorhergesehenen Wechsel­ff 0 mLchS mußte dreunal hwterein«rder