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Kasseler Abendzeitung

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Hesstsche Abendzeitung

11. Zahrgans,

Sonntag, 15. Mai 1921

Nummer 107

Fernsprecher 951 und 952.

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Kein Einmarsch ins Ruhrgebiet.

Deutschlands Aufbau

Eine Pfingstbetrachtuug.

Von

Artur Brausewettei-.

Wir hatten einmal ein stolzes, freies Land. 65 blühte und war stark und mächtig vorn Rheine bis zur Weichsel. Kein Fremder hatte darin zu sagen oder zu herrschen. Sein Handel war berühmt und beneidet in der weiten Welt. Seine Industrie leistete Erstaunliches. Seine Kunst breitete sich bahnbrechend und vorbildlich über die kultivierte Erde. Seine Sitten waren ernst und geachtet. Es war einmal. Wir hat­ten einmal ein stolzes freies Volk. Es bewohnte dies herrliche deutsche Land. Es liebte seine Heimat, trug hoch das Haupt, beugte es vor nie­mand, arbeitete mit ganzer Hingebung an dem ihm aufgetragenen Werk, war angesehen und ge­fürchtet und beneidet unter den anderen Volkern. Es war einmal. Wie ist es alles so anders ge­kommen? Wir sind geschlagen und besiegt. Aber nein, das ist nicht der Grund. Ein geschlagenes Deutschland erhebt sich wieder, ein besiegtes wird ein siegendes wieder werden. Mögen sie immer schwerere Lasten, immer unerträglichere Bürden auf uns legen Deutschland wird unter ihnen nicht zugrunde gehen.

Et-oas anderes ist es, das unseren Ausstieg, unseren Ausbau noch hindert. Als man die Leute in Ephesus fragt:Habt Ihr dm Heiligen Geist empfangen?", da antworten sie darauf: »Wir hoben nie gehört, ob ein heiliger Geist sei." Auch wir spüren im deutschen Vaterkande noch zu wenig von dem Wehen des heiligm Geistes. Wir lassen ihn zu wenig auf uns wirken, wir sertrauen feiner Führung nicht, lassen uns nicht von ihm parken und erneuern. Tas ist es. Im Sturmesbrausen kam der Geist zum Pfingstfest gezogen. Auch heute kommt er wieder im Stur« mesbrauseu. Vorbei die Zeiten, in denen er so manches Mal zu uns gekommen im sanften Säu­seln der jung-belaubten Birken, im weichen Lied der ersten gefiederten Sänger hart ist die Zeit, heiß der Kampf nut im Sturmesbrausen kann der Geist uns nahen, beugend das Widerstehende, brechend, was seinen Weg aushaften will. Und es ist gut, daß er so und nicht anders zu uns kommt. Denn cs gibt zu viel Menschen in deut­schen Landen, die von der Wucht der Zeit im innersten Nerv noch nicht gepackt sind, die mei­nen, ihre einzige Aufgabe sei: recht froh und unbekümmert in den alten Bahnen weiterzu­leben, weiterzuessen, weiterzutrinken, weiter sich zu vergnügen, als gäbe es kein Vaterland, das ihrer harrt, keine heilige Not, die sie ruft

Warum kommt der Geist im Sturmesbrausen gezogen? Weil er es in unfere Herzen schreiben will: Noch gilt es Kamps und Kraft. Noch weht der Wind und braust der Sturm durch die Lande. Noch darfst du nicht ruhen und ge­mächlich tun. Denn das große Gerickft, das über uns hereingebrochen, hat noch kein Ende. Die eigentlichen Stunden der Prüfung sind erst jetzt gekommen, und jetzt wird es sich zeigen, ob wir in ihnen bestehen oder nicht. Aber mehr will das SturmeAveheu des Heiligen Geistes: auf- tvürts unsere Herzen ziehen, bis sie ihre kleinen AlliaMorgen, aber auch'ihr großes Einzelleid und Einzelschicksal mutig und freudig vergessen lernen und sich zu der einzigen, heute würdigen und möglichen Erkenntnis hindurchringen: Wir alle, wer wir auch sind und wo wir wirken, müssen uns über alle Emzclsorgcn, alle Ver­schiedenheit und allen Hader der Parteien ver­einen zu der großen heiligen Arbeit an unserem blutenden Vaterlande. Das ist un­sere Pflicht und unser Glück. Recht besehen, ist der Heilige Geist ein B a um ei st er. Er will aus Erden eine große geeinte Gemeinde habe«. Als Baumeister aber will er sich heute an unse­rem Daterlande betätigen. Denn Eins wird immer klarer, je weiter die Zeiten vorschreiten: Soll unser Vaterland neu auferbaut wer­den, so kann es nur aus der Kraft eines neuen Geistes geschehen.

Wer die Geschichte kennt, der weiß, daß nut die Völker vorwärts gekommen sind und sich im großen Wettstreit bewährt haben, denen Gott auch einmal die strafende Hand auferlegte, und die sich dieser Hand beugten. Denn das Leid bleibt immer der eigentliche Lehrmeister des Le­bens. Und wer es trifft, den Einzelnen oder eine Gesamtheit, der sollte sich nicht fragen: Warum? Sondern: Wozu? Die erste Frage ist müßig, fruchtbar nur die zweite. Denn das L e i d führt zur Erkenntnis. Es macht nicht nur still und stark, sonder» auch Äug. Sehr wahr hat einmal Konsucirts gesagt: Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste, .zweitens durch Rachahmen, das ist der leichteste, und driftens durch Erfahrung, das ist der bitterste. Nun wohl, diesen bittersten Weg haben wir zu gehen. Ihn uns zu einem nutzbringenden zu gestalten, das ist baS Werl des heiligen Geistes. Empiäualich- keit in den Herzen zu wecken, fein erstes Tun. Empfängllchkeft für die Heftigkeit der Aufgabe, die uns obliegt, Ernpfänsftchk-ft Hk «M eesfce

Verantwortung, die uns mit ihr auferlegt ist, Empfänglichkeit vor allem für deutsches Wesen und Bewußtsein.

Hat Fichte einmal gesagt: Deutsch fein, heißt Charakter haben, fo ist Charakter nichts anderes als di» Srtmme der geistigen und physischen Eigenschaften, die einem Wesen zu eigen sind. Charakter haben heißt dementsprechend, nie et­was anderes wollen und tun, als was diesen Eigenschaften gemäß ist, dem vielmehr zu jeder Zeit Artsdruck geben, dessen man sich fähig fühlt. Und wieder ist es das Werk des Heftigen Geistes, diese unsere Bestimmung in uns wach zu rufen. Alles neu zu machen, ist seine P fing st­au fgabe. Nemnachen im letzten Sinne des Wortes aber heißt: den Kern des Wesens wecken. Denn nur auf dem Grunde des Vorhandenen kann daS Neue entstehen, soll es bleibend und fruchtbar werden. Das deussche Wesen ist nur rertoüttet, und die Ausgabe des Heiligen Gei­stes als des großen Baumeisters Deutschlands besteht darin, es wieder an das Tageslicht zu bringen. SLas der neugebärende Pfingstgeist an uns bewirken will, ist deshalb ein schöpferisches Gestalten des deutichen Wesens.

Nach dem Ultimatum.

(Eilte Beurteilung von neutraler Seite.

(Eigener Trahtbericht.s

Kopenhagen, 14 Mai.

Heber die Annahme der Bedingungen durch Deutschland schreibtPolitiken":Glücklicher» weise kam es so, wie man allen Grund hafte an­zunehmen, dass es kommen würde. Im letzten Moment wurde eine neue deutsche Regierung gebildet, die das Ultimatum der Alliierten an­nahm. Es ist schwer, die Frage zu beantworten, ob die jetzt angenommenen Vorschläge härter sind, als die Beschlüsse der Pariser Konferenz. Am großen Ganzen kann man wohl sagen, daß es nunmehr von Deutschlands Kraft abhängt, ob es sich hinaufarbeiten kann. Falls Deutschland nicht seinen Export vergrößert, wird das Resultat bedeutend geringer sein wie in den Pariser Vorschlägen vorgesehen, aber wenn Deutschland wieder eine Ausfuhr wie im Jahre 1913 erreicht, werden die Zahlen ungefähr die in der Pariser Konferenz vorgesehenen sein. Im Augenblick rechnet man mit einem deutschen Ex­port im Werte von vier Milliarden."

Wirklichkeit und Spekulation.

Amsterdam, 14. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Bon holländischer Seite wird geschrieben: Es ist nur Theorie, Berechnungen uuszusteUen, auf Jahre hinaus im voraus. Das entscheidenste u. wichtigste ist, daß der Londoner Plan unzweifel­haft Deutsktfland augenblicklich keine größeren Bürden auserlegt, als es imstande ist zu tragen. Wie es mit der Bezahlung in fünf, Sn oder dreißig Jahren aussehen wird, dar

r nachzudenlen und zu spekulieren, ist zweck­los. Das wird von wirtschaftlichen und poli­tischen Faktoren abhüngen, die heute noch nie­mand kennt, weil sie überhaupt nicht bestehen.

Kein weiterer Vormarsch.

Paris» 14. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Der mit großem Pomp angekündigte und in Szene ge­setzte Ministerrat unter dem Vorsitz Millerands hat gestern Briand Gelegenheit gegeben, seine Ministerkollegen über die auswärtige Lage zu unterrichten. Dabei machte er die Mitteilung, daß Frankreich, angesichts der bedingungs­losen deutschen Annahme des Ultimatums, auf weitere militärische Zwangsmatznah- men und auf den B'ormarsch ins Ruhrge­biet Verzicht geleistet hat. Gleichzeitig teilte er mit, daß der Jahrgang 1899 bis ans weiteres noch unter den Fahnen bleibt.

*

Die Krlegsentschabigungskommissiou.

Paris, 14 Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Tie Wiederherstcllungs» Kommission ist schon wieder an der Arbeit. Sie verhandelt gegen­wärtig in erster Linie über den Sitz der Kom­mission, für den entweder Paris oder Berlin in Frage kommt. Es wird auch gesagt, Paris und Berlin. Was damit gemeint ist, ist nicht recht klar. Wahrscheinlich wird die Kommission ab» wechselnd in Paris und Berlin tätig sein.

Die Truppenbewegungen am Rhein.

München-Gladbach, 14. Mai. IPrivattele- grcmim.) Hier finden gegenwärttg große Trup- ben^swuniscK statt, doch kann man keine

Truppenbeförderung nach dem Rhein feststellrn. Der Güterverkehr ist der militärischen Trans­porte halber im ganzen Kölner Bezirk gesperrt. Die Wartesäle sind zum Teil nachts von frem­den Truppen belegt. Seit gestern nachmittag sind die Truppentransporte geringer geworden.

Oberschlesien« Schicksal Weitere üeverfälle und Plünderungen.

(Privat-Tclegramm.)

Breslau, 14. Mai.

Aus Gleiwitz wird berichtet: Die Lage im be­drohten Gebiet war auch gestern unverändert. Besorgniserregende Nachrichten trafen aus der Umgebung der Stadt ein. So wird aus Schöne­wald gemeldet, daß sich die Einwohnerschaft die­ses Dorfes in einer sehr schweren Bedrängnis befindet. Die polnischen Aufständischen haben die Hauser der Deutschen ausgeplündert und die Bewohner teilweise verschleppft In Hindenburg,Großftrehlitz und Mys- l o w j tz ist die Lage nach wie vor ernst. In Hin­denburg haben die Aufrührer ein deutsches Flüchtlingslager üb erfüll en, das fich in der neutralen Zone befindet, also in einem Stadtteil, deu die Franzosen besetzt halten. Ungefähr drei- srig Flüchtlingsfamilien wurden vertrieben. Bon den öffentlichen Gebäuden sind das Rat­haus und die Post von den Franzosen besetzt. Die übrigen befinden sich in der Hand der Auf­rührer. Gegen elf Uhr abends zog eine Menge Aufrührer vor die Geschäftsstelle der Vereinig­ten Verbände heimaftreuer Oberschlester und plünderten sie vollkommen aus.

* * * g

Um das Industriegebiet.

Lugano, 14. Mai (Eigene Drahttnel- dung.) Wie der Corriere della Sera meldet, sind die Pressenachrichten, wonach die interalliierte Äomutission Polen den Jnduftriebezirk bis zur Korfantylinie zugesprochen haben soll, tenden­ziös. Die SiDinmiffunt hat bisher noch keiner­lei Entscheidung getroffen. Italien schlägt, da Deutschland das Problem der Reparation eng mit der Industrie Oberschlesiens verknüpft hat, den Alliierten vor, falls das Industriegebiet Po­len zugesprochen werde, möge Polen zur Tra­gung einer int Verhältnis der Bewertung des Gebietes stehenden Anteils an den Repa­rationen verpflichtet werden. Bis jetzt hat es jedoch nicht den Ansckrein, als ob Eng­land diesem Vorschlag zustimutcn wollte

Sin itallenifcver Vorschlag.

Rom, 14. Mai. (Eigene DrahtmelLung.) Popolv d'Jtalia droht in einem Leitartikel mit Zwangsmaßnahmen gegen Korfan 1 y und die polnisctre Regierung. Nötigenfalls soll Deutschland ennödjtigt werden, zur vollständigen Unterdrückung des Aufruhrs die alliierten Trup­pen durch Reichswehr zu ersetzen. (?)

Die Einwohnerwehren.

Die Haltung der bayrischen Demokraten. lPrivat-Tclegramm.)

München, 14. Mai.

DerDemokratischx Zeitungsdienst" in Berlin hat gestern eine Arußerung in Sachen der baye­rischen Einwohnerwehrfrage veröffentlicht. Dazu wird nunmehr von der bayerischen Demo­kratischen Landtagsfraktion Stellung ge­nommen und bemerkt, daß diese Veröffentlichung nicht aus der Parteileitung der Demokratisck/eir RejchLpariei oder aus der Reichstagöfraktiou stammt. Es sei dies eine private Leistung des Demokraliscl^n Zeitungsdienstes", wogegen die bayerische Demokratische Landtagsfraktion sofort energisch Einspruch erhoben habe. In der Tat seien der demokratischen Fraltion des baye­rischen Landtages weder von offiziellen Instan­zen der Partei, noch von der RcichStaMraktion jemals irgend welche Schwierigkeiten bereitet worden. Zu der gestern in Nürnberg begonne­nen "Ausschußsitzung der bayerischen Demokra­ten werden aus Berlin Dr. Petersen, Dr. Wie­land und Dr Hieber erwartet.

*

Rich» zu verheimlichen.

München, 14. Mai (Pnvaftelegramm.) Französische Meldungen besagen, daß Bayern in dirette Verhandlungen mit der Entente einirc- ten werde. Es sei wabrfcheinlich, daß Dr. Heim selbst beauftragt sei, der französischen Regie rung die bayerisihen Wünsche bekannt zu geben. Dr. Heim erklärt dazu, daß ihm von einem sol­chen Auftrage nichts bekannt sei. Im übrigen sei die bayerische Staats reqientng schon immer bereit gewesen, der Entente jegliche sachdienliche AnfMüffe über die bayerischen Einwohnerweh­ren zu geben. Weder die bayerischen Einwoh ­nerwehren noch dir bayerische Staatsregierimg habe irgend etwas z« verheimlichen.

Die polnische Gefahr.

Mitschuld der Franzosen.

®a ;«ht im ganzen deutschen Reiche Protest- »nnrgebungen gegen da« dolnische «riegötretden in Oberschiesien veranstaltet werden, gewinnt folgende englisch« Darst«Iin»g an Bedeutung.

London, 13. Mai.

Von der englischen Krmtroll-KomMisston m Deutschland und den bttttschen Diplomaten in Polen und Berlin sind dem englischen Außen­ministerium letzter Tage hinreichende Beweise dafür zugegangen, daß die polnischen Abenteuer in Oberschiesien systematisch von dem polnischen Kriegsministerium und Außen­ministerium, in Uebereinstimmunq und nach An- iveisungeu beziw. Verpflichtungen von Paris zur Ausführung gekommen sind. Die polnische Regierung kann zwar formell behaupten, daß die Pläne Korfantys im Kabinett keine Rolle gespielt haben; aber dennoch sind Korfanty so zahlreiche Vergünstigungen gewährt worden, daß er auf Grund der geheimen Absprachen, die zwischen ihm und den Vermittlern der beiden Minister stattfanden, sich völlig als Diktator be- hauptcn konnte. Dies wurde umso mehr zum Ausdruck gebracht, als man ihm reguläre Trup­pen zusandte, deren Kommandanten sich Kor- fanth unterstellen mußten; wie sie dieL selbst be- stätiaten. Dcüveit die

Mitwirkung der französischen Regierung dabei eine Rolle spielt, beruht dies darauf, daß General Le Roitd über gewisse Dinge und vor allem übet die mit Polen geschlossenen geheimen Abkommen im Unklaren gelassen wurde. Le Roud führte daher verschiedene Aufträge bewußt falsch aus, Weil er annahm, daß damit den be­sonderen Interessen seiner Regierung gedient wäre. Korfanty konnte daraus ersehen, daß er (Korfanty) ruhig schalten und walten konnte, ohne befürchten zu müssen, daß ihm von alliier- ter Seite Schwierigkeiten bereitet würden. Diese zweideutige Haltung Hai die Stellung der polni- idfctt Aufrührer verstärkt, so daß selbst die natio­nalistischen Polenführer in Warschau alles un­ternahmen, um die Stellung Korfantys zu stär­ken, indem sie ihm neue Truppen zuführen ließen und auch die Versorgung der stets größer weidenden Armee durch das Kriegsministerium! in die Wege leiteten. Russische Ahnten, die sich in Polen und Oberschlesien aushatten, waren schon seit Wochen über den Gang der Dinge genau unterrichtet und haften ihren Auftrag- gebern wichtige Mifteilungen gemacht, die auf bestimmte russische Pläne gegen Polen

für den Fall einer Revolution

in Oberschiesien hinzielen ließen. Diese Mittet» hingen wurden den englischen Stellen bekannt, und deren eingeleitete geheime Untersuchung er­gab, daß der polnisch-französische Zu­sammenhang die Verwirrung begünstigt«. Daß ttotzdem bis heute von der englischen Re- chernng in der Angelegenheit nichts unternom­men wurde, um Frankreich $u bewegen, sich tn der oberschlesischcn Frage aus die Beschlüsse des Obersten Rates zu beschränken, liegt in der Poli­tik der Alliierten gegenüber Deutschlands Ent­schädigung begründet, worin noch keine Entschei­dung getroffen war. Jetzt ist mit Sicherheit zu erwarten, daß das englische Kabinett aus Klar­stellung der Beziehungen zu Polen bringen wird und wegen sofortiger Entscheidung oet oberschlesischen Frcige Schritte unternimmt. Heutt aber ist schon anzunehmen, daß sich die Polen mit ihrem bisherigen Vorgehen mehr geschädigt haben, als der Sache gedient. In England ist man wiiklich satt geworden, sich stets neuen Schwierigkeiten und Unruhen auszusetzen durch Frankreichs geheime PokiftI und Beziehungen zu fremden Staaten. Di« Rück­sichtnahme auf die Entente mußte und wird so lange genommen, bis die Streitfrage mit 'Deutschland endgiltig gelöst ist.

Hypotheken-Abkommen.

Die Valutasorgen der Schuldner.

Von dem Kasseler Vertreter einer schweize« rischen Gesellschaft wird uns unter Aufklärung des Gvldhypothekenabkommens ein an ihn gerich- I ictes Schreiben seiner Gesellschaft milgeteilt: .Wir versieben durchaus die Beunruhigung, welche das Goldhvpotheken - Abkommen in ine Kreise der Beteiligten Hypothekenschuldner getta» Sen hat. Aber die Erregung und Unznfriedm- eit haben sich nicht an die Adresse der Beteilig­ten Glänblger Institute, sondern gegen die Reichsregierung und den deutschen Reichstag zu rickften, die sich zu keiner gerechten Regelung »er. stehen wollten und die Mehrbelastung einseitig auf die beteiligten Hypothekenschuldiier glaubten abwAzen zu können, ohne daß diese vorher überbautet gehört worden wären. Die in Be­tracht kommenden Schweizer Gläubiger stützen sich lediglich auf Vas deutsche Gesetz. Wenn dieses Gesetz schlecht und ungerecht ist, so nagen allein dafür die deuft'chen verfassungsmäßigen Instan­ten die Verantwortung. Die in Betracht kom-