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Hessische Abendzeitung

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Nummer 108.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 18. Mai 1921

Fernsprecher 951 und 952.

11. Jahrgang.

Der Streit um Oberschlesien.

Warenverteuemng

Die Aussuhr.AbgaSe.

Der Alliierten-Verband hat uns eine Abgabe von sechsund zwanzig vom Hundert der gesamten Ausfuhr auferlegt. Es ist uns dabei die Frei­heit gelassen worden, wie wir diese Abga^ auf die einzelnen Waren verteilen wollen. Das Er­gebnis soll aber in allen Fällen fein, daß wir sochsundzwanzig vom Hunden des Wertes der Gesamtausfuhr an den Verband ab- führen. Berechnungen auf der Grundlage, wie hock die Ausfuhr vor dem Kriege war, und wie hoch sie gegenwärtig ist, sind an sich zwecklos. Selbst wenn wir annehmen, daß die Aussuhr im Jahre 1921 die Summe von sechs Milliarden Goldmark erreichen wird, ist damit für die Wie» derherstcllung und für die Zukunft nichts ge­wonnen. Zunächst ist zu sagen, daß die Aus­fuhr kein Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ist. Sie kann es sein, sie muß es aber nicht sein. In Betracht kommt vielmehr der ganze wirtschaftliche Auf­bau. Wenn Deutschland Wer alle Rohstoffe verfügte, wenn es überhaupt keine Einfuhr not­wendig hätte, dann wäre vielleicht die Ausfuhr an sich ein Geschäft. Aber auch nur vielleicht. Es kommt ganz darauf an, unter welchen Bedingungen wir auf den Auslands­märkten verkaufen können. Nun sind wir von der Einfuhr von Rohstoffen und Nah­rungsmitteln nicht unabhcngig. Roh­stoffe, die wir unbedingt für unsere Wirtschaft brauchen, sind Baumwolle, Eisenerze, Wolfram, Jute, Hanf, Flachs, Rohseide, Kunstdünger usw. Auch unsere Nahrungsmitteldecke ist zu kurz. Wir müssen Getreide, Fett, Fleisch und Hülsen­früchte einführen. Die Rechnung steht also io, dass wir mit dem Wert der Au sfuhr die un­bedingt notwendige Einfuhr bezahlen müssen. Nehmen wir an, daß wir die gesamte Luxuscinfuhr abzudrosseln vermögen, so bleibt dann immer noch ein Einfuhrwert übrig, der höher ist, als unsere Ausfuhr sein kann.

Wir müssen berücksichtigen, daß wir zur Be­zahlung der Einfuhr andere Mittel als die Aus­fuhr nicht mehr zur Verfügung haben. Im Ausland angelegte Kapitalien, die Zinsen tra­gen, sind nicht mehr da. Ebensowenig können wir das überseeische Frachtgeschäft unserer Handelsflotte für uns fruchtbar machen. Wir haben keine Handelsflotte mehr. Auf der an­deren Seite ist unser Bedarf an ausländischen Rohstoffen beträchtlich gestiegen. Nicht deshalb, weil unsere Erzcugungskraft sich verdoppelt hat, sondern weil wir seit Jahren von den Aus­landsmärkten abgeschnitten waren. Allein selbst im günstigsten Fall können wir nicht von soviel Rohstoffen im Jahre einführen, wie vor dem Kriege, weil uns die Zahlungsmittel fehlen. Der Wert der Ausfuhr reicht zur Deckung nicht aus. Wenn wir von dem Wert dieser Ausfuhr noch sechsundManzig vom Hundert abgeben sollen, so müssen wir die Mit­tel anderweit zu beschaffen suchen. Wir sind garnrcht in der Lage, den Wert der Ausfuhr um den Zuschlag jtit erhöhen, und zwar deshalb nicht, weil die Preise auf den AuÄandsmärkten nicht von uns festgesetzt werden. Wir haben mit dem schärfsten Wettbewerb zu rechnen, um so mehr, als die Industrialisierung selbst jener Staaten wächst, die bisher nur Rohstoffe liefer­ten. ES ist wahrscheinlich, daß wir unsere Er- zekkgniffe im Auslande mit Erfolg nur dann ab­zusetzen vermögen, wenn wir die Preise wer­fen. Inzwischen ist von London bestätigt wor­den, daß der Zollsatz von sechsundzwanzig Pro­zent bestehen bleibt. Die Minister Chamber­lain im Unterhause mitteilte, hält es die Regie­rung für untunlich, das Gesetz betreffend die Zollabgabe aus die deutsche Ausfuhr auftuhe- ben oder so lange ruhen zu lassen, biS sie wei­tere Erfahrung gemacht hätte über die Wirkung der Bedingungen, denen Deutschland zugcstnnmt habe. Der Zollsatz werde auf sechsundzwanzig Prozent festgesetzt und dieser in England erhobene Satz werde an die Stelle der allge­meinen Abgabe auf alle deutschen Exportgüter treten, nicht aber eine Vermehrung der Abgabe bedeuten. Tas gilt also nur für England, aber nicht für die anderen alliierten Länder.

Den deutschen Erzeugern zuzumuten, die Ab­gabe z« tragen, geht nicht an. weil die dabei unvermcidlich entstehenden Verlust? bald das ge­samte ProdrcktionÄ«pital aufgezehrt haben wür­den. Das will auch der Verband nicht. Allein der Ausweg, den er uns vorschlägt ist noch we- mger gangbar. Das Reich soll den Erzen, gern, die Woreinausführen, den Schaden vergüte«. Wieder setzi das die Erhöhung der Reichseinnahuten durch Steuern und Gebüh­ren voraus. Diese Steuern und Gebühren müs­sen aber von der gesamten Wirtschaft getragen werden, also auch von den Erzeugern der Aus- kuhrMüter. Mit anderen Worten: der innere Ver­brach wird unverhältnismäßig überlastet. Neh­men terir einmal an, daß die besonders ausfuhr-

fähigen Waren nach den verschiedenen Eierten Ländern rund fünfzig vom Hundert als Abgabe tragen müssen, weil wir selbst ja nicht alle Aus- ftthrwaren gleichmäßig mit sechsundzwanzig vom Hundert belasten können Diese besonders ausfichrfähige Ware wird aber auch stark im In­land gebraucht, weil es sich vielleicht trat Erzeug­nisse der chemischen und elektrotechnischen .Indu­strie handelt. Selbsttätig folgt daraus, daß die Preise im Inland entweder um fünfzig vom Hundert glatt erhöbt werden müssen, oder aber, daß ein anderweitiger Abbau der Gestehungs­kosten zu erfolgen hat. Das bedeutet, daß unser allgemeiner Verbrauch sich senken mutz, da8 wir nur noch das Notwendigste für uns an­zuschaffen vermögen. Die Wirtschaft schrumpft ein, nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Dabei ist noch gar nicht einmal berück­sichtigt, daß internationale Wirtschaftskrisen die Preisverhältnisse umgeftalten und beeinflussen. Schrumpft unser Jnlandsverbrauch ein, so ent­fällt damit die Möglichkeit oder wenigstens die Wahrscheinlichkeft, die zwei Milliarden Gold- mark zu leisten, die uns unabhängig von der Ausftrhrabgabe auferlegt find. Wir müssen ver­suchen, durch Entsagung und Entbehrung, durch Verstärkung der Arbeitsleistung die verlangten Stimmen aufzubringen. . W. W.

England gegen Voten.

Llotzd George sprach über Oberschlefien.

(Eigene, Drahtbericht.)

Berlin, 17. Mai.

Im britischen Unterhaus hielt Lloyd George eine Rede über die Vorgänge in Oberschlefien und venrrt eilte die polnischen Umtriebe. Er sagte, entweder sollten die Alliierten darauf bestehen, daß der Vertrag geachtet wird, oder sie soMen den Deutschen gestatten, selbst dafür zu sorgen. Richt nur Deutsckstand entwaff­nen, sondern auch sagen, seinen Truppen solle es nicht erlaubt sein, an der Wiederherstellung der Ordnung teilzunehmen in einem Gebiet, welches bis zur Fällung der Entscheidung seine eigene Provinz sei, sei nicht fair. Deutschland zu sagen, hier ist eure Provinz, hier ist etwas, worüber durch den Versailler Vertrag entschie­den werden soll, entweder für oder gegen euch; den Polen aber soll cs erlaubt sein, in

Berhöhunng des Vertrages ste wcgzunchmen, und euch soll es nicht er­laubt sein, euch selbst in der Provinz zu vertei­digen, welche zweihundert Jahre lang die eurige gewesen ist, wäre schimpflich und der Ehre eines Landes unwürdig. Es sei voMouuueu sicher, daß die Alliierten eine solche Haltung nicht cinnehmen würden. In aller Feierlichkeit, mit dem ernstesten Wunsche, den Frieden in Europa wiederhergestellt zu sehen, und in dem Bewußt­sein, daß dies nur aus dem Grundsatz strenger Gerechttgkett geschehen könne, apyel- liere er an alle beteiligten, nur das zu tun, was recht und billig sei. jede Voreingenommen- heil auszugeben und ßcred/t zu sein. Die eng- lisch, Regierung hat an Frankreich eine Note über die Vorgänge in Oberschlefien gerichtet, anf- grund deren am Donnerstag eine Konferenz zwischen Lloyd George und Briand ftattfindet.

Frankreich ist entrüstet.

Paris, 17. Mai. (Eigener Trahtbericht.! Dir Franzosen fühlen fich durch Loyd Georges Rede angegriffen und beschimpfen Loyd George, roeil er in der oberschlesischen Frage eine deutschfreundliche Hal tung eingenommen habe. Der PariserMotin" sagt, wenn nun Deutschianv das Reichsheer ge­gen Polen senden werde, würden die franzöfl- schen Truppen das Ruhrgebiet besetzen- Petit Journal" meint. Frankreich könne fich von Lloyd George die Hände nicht bin­den lassen.Oeuvre" sagt, die Aeußernngeu Lloyd Georges feien eine Herausforderung Frankreichs.Homme libre" bezeichnet Lloyd George als einen Karten Mann, aber er sei ein Tölpö.Petit Parisien" schreibt: Wenn Delüschkand in Oberschlesien mit Waffengewalt einsteife, könne Frankreich auf keinen Fall dem passiv zusehen.Jntransigeani" fügt hinzu, ein bewaffneter Eingriff Deutschlands in Ober- schlesien werde als Kriegsfall angesehen werden.

Die Wirkung der Rede.

London, 17. Mai. (Eigene Drahtmelduna; Es wird versichert, daß das ganze englische Kabinett die Erklärung Alons Georges über die oberschlesische Frage gebilligt hat. Das ist besonders wichtig für das Verhältnis zwischen Lloyd George und Robert Ceeil. Dieser ist bekannkkjch der Vorkämpfer des Gedankens, m i t Deutschland zusammenzugehen, um im Osten Europas zur Gesundung zu kommen.

Die Rede Lloyd Georges im Unterhaufe wird überall besprochen Die Blätter bringen lange Artikel aus der französischen Presse, um zu gei­gen, in welchem Matze die ftanzSsische Meinung infolge der Aeutzerungen Lloyd Georges erschüt tert ist. Der französische Pressebericht, datz der Botschafter Lord d'Abernon der deutschen Re­gierung gesagt habe, fle dürfe das Reichsheer gegen die Polen marschieren lassen, wird in den Londoner Blättern bestritten. Der Arbei­terführer Henderson erklärte, die Rede Lloyd Georges im Unterhaus gebe die Meinung der Mehrheit des englischen Volkes wieder.

Die oberMlesisHen Kämpfe.

Rückzug der italienischen Truppe«.

lPrivat-Telcgramm.f

Berlin, 17. Mai.

Rach in Berlin eingelaufenen Nachrichten ha­ben Vie italienischen Truppen Rybnik und Pleh geräumt und fich in Richtung Ratibrr zurückgezogen. Die Städte Rybnik und Pletz, in denen eine schwache französische Besatzung zu­rückgeblieben ist, waren bis gestern abend von den Aufrührern noch nicht besetzt. Wie verlautet, ist eia Abkommen von der interalliierten Kom­mission und den Ausrührern dahin abgesckstossen worden, datz die beiden Städte nicht besetzt wer­den sollen. Ob die Polen diesen Vertrag halten, erscheint nach den bisherigen Erfahrungen sehr zweifelhaft. Im Kreise Strehlitz haben Kämpfe stattgesunden, bei denen auf deutscher Seite eine Anzahl Tote zu beklagen find, die im Feuer der polnischen Artillerie gefallen sind. In die bedrohten Gebiete sind deutsche Apoleute zur Unterstützung abgesandt worden.

* * *

Französisch-polnische Gewalt.

Kattowitz, 17. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Den Schutz der Städte Pletz, Rybnik und Niko­lai ist nunmehr den französischen Truppen an- vertraut worden, während sich die italienischen Truppen zurückgezogen haben. Was das zu be­deuten hat, konnte die Stadt Nikolai gleich nach dem Auszug der italienischen Triippen erfahren Die Aufrührer besetzten die Stadt, ohne von den französischen Truppen daran ge­hindert zu werden. Die Polen verhinderten auch das Abrücken der Beamten der deutschen Abstimmungspolizei, die in Stärke von dreiund­sechzig Mann interniert wurden. Dasselbe Schicksal ereilte die deutschen Flüchttinge. Am 15. Mai tobte ein schwerer Kamps um die Stadt Gogolin. Ter Ort lag mehrere Stunden unter Artillerieftuer. Die deutschen Apoleute haben jedoch die Stadt gehalten. Verstärkung ist von Oppeln abgegangcn.

Deutsche Flüchtlinge verschleppt.

Oppeln, 17. Mai. (Privattelegramm.) Ge­mäß einem schriftlichen Vertrag zwischen ftanzö- stschen und euglischen Offizieren einerseits und polnischen Offizieren andererseits ist am 14. d. Mts. ein Zug mit deutschen Flüchtlingen von Kattowitz abgegangen. Obwohl die Polen sich verpflichtet hatten, den von drei Ententeoffi- ziereu begleiteten Zug passterrn zu lassen, wur­de er angehalten und trotz des Protestes der Ententeoffiziere konnten nur neunzig Frauen und Kinder die Reise fortsetzeu, während sechs- hundertdreitzig M ä n n.e r nach Loölau ver­schleppt wurden. Wegen der Freigabe der Verschleppten find bereits Verhandlungen mit Kerfanty eingeleitet worden. An eine Wieder­ausnahme des Eisenbahnverkehrs ist vorläufig wahrscheinlich nicht zu deuten.

Aus dem nahen Osten.

Französische Besorgnis um die Türkei.

(Eigener Drohtberichtzf

Paris, 17. Mai.

Man ist hier sehr besorgt über die lebten j Nachrichten aus dem nahen Osten. Die Demission des Bekir Samte Bey, der in London den Frie­densvertrag mit den türkischen Nationalisten zu­stande gebracht hat, läßt hier befürchten, daß da­mit eine der Früchte der Londoner Konferenz verloren geht. Frankreich ist bereits im Begriff, Eilizjen zu räumen und Syrien als anerkanntes Protektorat in das französische Kolo­nialreich einzureihen. Ttese Gewinne sind nunmehr in Frage gestellt. Man schiebt die Schuld aus dje Griechen, weil diese mit ihrer leichtfinnigen Offensive den Widerstands, seist der türkischen Rationalisten ge­weckt haben. Man wird nun um Syrien erneut kämptzm müssen. Tas bedeutet naturgemäß eine erneute schwere Belastung des darniedrrttegenden Staatshaushalts und eine schwere moralische Be­lastung für die öffentliche Meinung.

LlrlaubSfegeln.

Wenn man sich für die Ferien rüstet.

®a bi» Seit des Urlaub» bevorstcht, toerben M ar »gen Betrieben bereit» die Termine eingeteilt. Für Ben Urlauber gibt e* aber auch Mancher, lei fN» eine etwaige Steife zu bedenken. Es ist nicht mehr die ungetrübte Freude früherer Zeiten, die Erfüllung einer wochenlang genährten Hoffnung, die Verwirklichung der Sehnsucht nach der Ferne, wenn du deinen Ur­laub antrittst. Einmal hat dir schon von vorn­herein die Eisenbahn in ihrer Sorge, die total erschöpften Kassen wieder aufzuMlen, einen Riegel vorgeschoben. Du kannst nicht ohne wei­teres deine Ferienfreude in dem malerischen Oberbayern suchen und auch nicht ans Wochen an den Strand der Nordsee oder Ostsee ziehen. Die tönenden Prospekte, die du dir aus allen Himmelsrichtungen auf deine Kosten schicken läßt, belehren dich mit diktatorischer Hartnäckigkeit, daß das Leben nickt nur in der lieben Heimat, sondern auch in anderen Fleckchen unseres schö­nen Vaterlandes riesenhaft verteuert worden ist. Du denfft vielleicht: Na ja, Hotels und alt­berühmte Häuser mit allem Luxus, einer Schar von Personal und guter Verpflegung! Wie kön­nen solche Häuser billig sein! Aber, das fei hier mit lautem Ruhm betont, es gibt immer noch, wenn auch selten, bessere Menschen, die dem Gast nicht nur die Rechnung, sondern auch ihr Herz entgegenbringen Ader solche Sommerfrischen sind wie ein Vexierbild, das man ohne nähere Beziehungen nicht lösen kann. In der Regel sagen die Erkundigungen und Prospekte nur das­selbe. was vor Zeiten schon der brave Jago sagte:

Tue Geld in deinen Beutel!

Zu der Sommerreise aber melden sich noch am. dcre Bedürfnisse, als da sind ein neuer A n z >i g, neue Schuhe, neue H ü te und dergleichen, denn die Mode ist ja auch im radikal entthron­ten Deutschland immer noch die unnmschräntte Herrscherin, vor der fich die Millionen demutvost r.nb unter:änig beugen. Aber angenommen, du könntest c.llcn diesen Vorbedingungen trotzen, hättest in der Lotterie gewonnen oder irgend ein Geschäft gemacht, oder auch ein Jahr lang mei­sterhaft und musterhaft von deinen Einkünften ein Sürnincken gespart, um ohne Herzbeklem­mung deine Reise anzutreten und. ohne jede Mark mit Kalkulationen zwei- und dreimal um­zuwenden, ftiedlich leben: Hast du. Beneidens­werter, auch daran gedacht, daß du mit der bit­terbösen Möglichkeit zu rechnen hast, bei deiner Heimkehr eine ausgeraubte Wohnung zu entdecken? Die Verbrecher verstehen es, jede Situation zu ihrem jammervollen Handwerk gründlich auszubuten. Darum, lieber Freund, ehe du die Koffer packst und mit den Deinen hoch- aestirnrnt ins Weite ziehst, denk an deine Habe, an dein Heim, das dir ja doch noch viel mehr am Herzen lieg:, als selbst die idealste aller Soin- merfrrfchen!Was tim?" spricht Zeus. Es bleibt kein anderer Ausweg übrig, als daß du deine Wohnung tote im Kriegszustand verbarrikadierst.

Wertsachen möglichst in Sicherheit bringst, die Einbruchsversichernng prompt be­zahlst pnd die Versicherungssumme wenigstens in ein angemessenes Verhältnis zu dem wirklichen Werte deiner Habe setzest. Aoer auch das alles ^bt dir auf der Reise noch nicht jenen inneren Frieden, der die notwendige Voraussetzung einer wirklichen Erholung ist. Stell? dich mit vcincn N a ch b a r n auf den besten, auf den freundschast- lichst-.-n Fuß und schließe vor der Reise einen Verklag auf Gegenseitigkeit, dergestalt, daß 'sie deine Wohnung revidieren, wie du andererseits versprechen mutzt, das Gleiche zu tun, wenn jene in die Ferien reisen. Wenn ick nicht auf unge­heure Widersprüche stoßen würde, gäbe es auch noch ein anderes und gewiß probateres Mittel, nämlich, daß fich die Familie teilt, daß bet Mann allein auf Reisen geht und die Frau indes das Hans bewacht, wahrend dann der Mann die Wäckterrolle übernimmt und die Fran nach den Gefilden der Erholung schwebt. Aber, wie gesagt, diese letzte Möglichkeit vermag ich, von der Nützlichkeit vollkommen überzeugt, doch nW zu empfehlen, denn das gäbe Ursachen zum Ehekoiiflikt. Und Ehegatten sollen doch einander lieben und in Frieden leben! Oder wenn man ganz auf die gewohnte Sommerreffe verzichtete? Viele werden diesen Weg von selbst schon wählen und im Lande bleiben und ficharedlich nähren müssen. Und die anderen ha­ben neben dem Vergnügen ihre Sorge. ES ist eben keine Freude ungetrübt. *r.

Wohnungen für Beamte.

Pläne beim Reichsarbeitsministerium.

(Pvivat-Telegramm.)

Berlin, 17. Mai.

Zur Behebung der dringendsten Wohnungs­not der Beamten, Offiziere und verheirateten Unteroffiziere und Mannschaften wird besbsich- tist beim ReichSurbeftSminlsierium etneu F«m>s