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Vrummer 109.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, IS. Mai 1921

Fernsprecher 951 und 952.

11. Iahrgana.

Der englisch-ftanzöfische Gegensatz.

Sine Wendung?

Der Streit um Oderschlesien.

In den diesjährigen Pfingsttagen wurde Deutschland einmal wider Erwarten mit einer günstigen Nachricht erfreut. Das war über­raschend, weil sonst zn den Festtagen die Fran­zosen immer eine Bosheit Von sich gaben. Dies­mal kam sozusagen eine Pfingstfnedenstanbe von England geflogen, und es bleibt dabei nur zu wünschen, daß sie sich nicht über kurz oder lang in einen Spottvogel verwandelt. Es wäre ja nicht das erstemal, daß der britische Minister­präsident eine deutschfreundliche Rede Hielt nnd einige Tage später unter französischem Einfluß alles zurücknahm und das Gegenteil behauptete. Aber seine Aeußerungen über die Vorgänge in Oberschlesien, die er am Tage vor Pfingsten im brittschen Unterhaus getan hat, waren doch von so ausgeprägter Bestimmtheit, daß man an ihrer Aufrichtigkeit eigentlich nicht zwei­feln kann. Daß Llopd George mit Vorbe­dachtgesprochen hat, geht auch aus der Zu­stimmung des gesamten Kabinetts hervor, wie unsere gestrigen Telegramme erkennen lie­ßen; und außerdem bezeichnete der Arbeitersüh- rcr Henderson die Rede Lloyd Georges als die Meinung der großen Mehrheit des brittschen Volkes. Als ein Zeichen der Echtheit der britischen Gefühlsregung darf man es auch an sehen, daß die Franzosen und die Polen ihre Entrüstung in erstaunlich schroffer Weise äußern und ihren großen Verbündeten, ohne den sie bisher nichts unternehmen konnten jetzt mit Schimpf und Hohn überschütten. Hat man alfio auf jener Seite die Empfindung, daß die brittsche Stellungnahme eine ernste Gegner­schaft gegen Polen und Frankreich, demzufolge eine Parteinahme für Deutschland bedeutet, dann werden auch wir die leise Hoffnung heaen dür­fen, daß wirklich eine W e n d u n g zu Deutsch­lands G u n st e n in der oberschlestschen Frage yattfinden wird.

Es ist vielleicht nicht nur ein Zufall, wenn vor einigen Tagen auch die Stimme eines eng­lischen Fachmannes zugunsten Deutsch­lands laut wurde. In der maßgebenden engli­schen Fachzeitschrift der KohlenindustrieThe Eolliery Guardian" schildett der ehemalige Ober- bergtverWinspoktor E. P. R a t h b o n e ?eine Eindrücke von einem Besuch des oberschlesischen Industriegebiets. Er schreibt da unter anderem: Wenn man bedentt, daß Oberschlesien seit meh­reren hundert Jahren nicht mehr zu Polen ge­hört, und wenn man die Erfolge der deutschen Industrie in diesem Gebiet kennen gelernt hat,, ist es schwer zu verstehen, wie ein so Unglück-' licher Fehler, wie die Abstimmungs- klausel, im Versailler Vertrag gemacht wer­den konnte. Er geht dann näher auf das ober- s-chlestsche Gebiet ein und sagt, die in Oberschle- sien lebendenPolen" seien ein Mischvolk, das ebenso wenig als polnisch wie etwa die Trans- baal-Buren als Holländer bezeichnet werden könnten. Nur durch ungeheure Geldsum­men und schmutzige Lockmittel sei ein Teil der ungehildeten Landbevölkerung Lazu ge­bracht worden, flir Polen zu stimmen. Darin decken sich seine Beobachtungen völlig mit den Berichten der deutschen Absttrnmungskommission. Der englische Fachmann ist aber auch sachlich ge­nug, um klar zu erkennen und zu sagen, wenn man den Polen gestatte, einen Teil des Jndu- sttiegebiets sich etnzuverleiben, daß dann die ganze industrielle Welt darunter leiden werde. Oberschlesien werde unter polnischer Wirtschaft gänzlich zerrüttet werden, nnd nicht einmal ftanzösisches Kapital könne es retten, während es daneben Deutschland unmög­lich sein würde, seine Kriegsschuld zu bezahlen. Rur deutscher Gewerbefleiß, deutsche Tatkraft und Intelligenz könne Ober­schlesien wieder zur Blüte bringen und erhalten. Die Polen aber würden den Bergbau nur bankerott machen, da sie ein unverantwort­liches und unfähiges Volk seien.

Wenn solche Worte aus der Sette unserer Gegner gesprochen und geschrieben werden, dann ist damit zweifellos eine tiefgreifende Absicht verknüpft. Der Zwiespalt unter den En- tentemächten ist unverkennbar. In England ist man endlich der französisch-polnischen Eigen­mächtigkeit und Selbstüberhebung überdrüssig ge­worden, nachdem der britische Vertreter in LÄer- schlesien vollkommen ausgeschaltet worden ist und auch die brittschen Wünsche nicht beachtet wer­den. In England mehren sich die Bestrebungen in Handel und Industrie, langsam toteber fried­liche Beziehungen herzustellen, weil unter den jetzigen unsicheren Zuständen das Wirtschafts­leben aller europäischen Länder leidet. Es wird aber nicht eher Ruhe und Sicherheit in Europa einkehren, als Frankreich von seiner Abenteurer- und Rauberpolittk abläßt. Folglich ist die an Polen gerichtete Strafpredigt in erster Linie für Frankreich bestimmt. Llopd Georae hat in sei­ner Rede gesagt:F a i r p l a p ist es, wofür England eintritt." Ans seinem Munde hört sich dieser Ausdruck allerdings reckt komisch an. E-

flingt wie Hohn, wenn dieser Mann von Gerech­tigkeit und Anstand spricht. Aber warum sollte er nicht auch einmal nach dessen Tugenden han­deln, wenn es ihm nützlich erscheint. Und in die­sem Falle bringt es England tatsächlich Nutzen und nicht nur England, sondern in der weite­ren Wirkung der ganzen Welt, wenn Ober­schlesien nach Recht tmb Gerechtigkeit bei Deutsch­land verbleibt, wohin es geographisch, wirtschaft­lich und geschichtlich gehört. K. F. Dr.

Der Entente Zwiespalt.

Beratungen um Oberschlesien.

(Eigene Drahrmeldungh

London, 18. Mai.

Der Oberste R a t ist zu der Konferenz ein- berusen worden, dl- am Sonntag stattfindet und als einziger Punkt die oberschlesische Frage auf der Tagesordnung hat.Times" meldet: Die englische Regierung hat an die Ber­einigten Staaten das Ersuchen gerichtet, z» der neuen Sitzung des Obersten Rates am Sonntag bereits'einen Vertreter zu delegie. reu. Die französische Regierung hat in der oberschlesischen Frage beschlossen, daß Frank- rcich fest bleiben müsse. Die Zukunft Polens sei von wichtigem Belang für Frankreich. Polen müsse stark genug sein, um eine Bereinigung Deutschlands mit Rußland zu verhindern. Der Temps" schreibt: Wir haben den Eindruck ge­habt, Lloyd George betrachte sich als eine Art Schiedsrichter, der beabsichtigt, periodisch in den französisch-deutsck,en Angelegenheiten Recht zu sprechen im jeweiligen Interesse Englands.

Die Teilungsfrase«

Genf, 18. Mm. (Eigene Drahtmelduna.) Wie derMattn" meldet, liegt dem am Sonntag zu- faamnentr elenden Obersten Rat der Antrag Eng­lands vor, die Entscheidung über Oberschlesien zu beschleunigen und zwar auf der Grundl-rge der Zuteilung von nur zwei Streifen des Abstimmungsgebietes an Polen. Der franzö­sische Gegenantrag liegt zurzeit noch dem fran­zösischen Kabinett vor. Die englische Regie­rung hat eine ernste Mahnung an die deutsche Regierung gerichtet, worin barattf hingewiesen wird, daß Deutschland kräftige Maßnahmen er­greifen müsse, um nngesetzttche Taten von Deut­schen in Oberschlesien zu vereiteln. (Die Mah­nung ist überflüssig, aber vielleicht gut gemeint.)

Wendung m Oberschlesien.

Polnischer Rückzug vor den Alliierten.

(Eigene Drahtmelduna.)

Paris, 18. Mai.

Die antipolnische Rede Lloyd Georges hat bereits ihre Wirkung gezeitigt. Es verlautet, daß der Botschasterrat auf ©rfudjen der inter­alliierten Kommission in Oppeln die Enlcnte- regierungen um unverzügliche Entsendung von Truppenverstärkungen nach Oberschle­sien ersucht hat. Man datiert diesen einstimmig gefaßten Beschluß des Botschasterrats schon von der letzten Woche her, um den Anscknin zu er­wecken, als sei dieser Beschluß nicht erst durch die Haltung der englischen Regierung veranlaßt worden. In Wirklichkeit war aber doch der Bot­schafterrat von Lloyd Georg vor die Alterna- tine gestellt worden, entweder Wiederherstellung normaler Berhältniffe mit Ententetruppen, oder Gefahr zu laufen, daß die deutsche Regierung selbst mit Reichswehrtruppen die Ordnung wie­der Herstellen werde. Der Polenführer Kor- fanty hat bekannt gegeben, daß die polnischen Aufrührer sich zurückziehen. Er fügt hinzu, daß die aufgegebene Zone nicht von deutschen, son­dern von Alliierten Truppen besetzt werden möge

Immer noch polnische liebergrifft.

Berlin, 18. Mai. (Privattelegramm.) Rach Meldungen aus Oberschlesien haben die al- liierten Tnrppen Rosenberg geräumt. Gegen Ratibor sind in der Rächt zum Dienstag neue Aufrührertruppen eingesetzt wor- den, die auch mit leichter Artillerie anrücken. Die Polen greifen ferner mit starken Kräften die deutsche Front bei Kreuzburg an. Dieser Angriff bezweckt, den äußersten Flügel des deutschen Selbstschutzes abzuschneidcn unb den Weg zu dem Eisenbahnknotenpuntt in die Hand zu be­kommen. Deutsche Gegenmaßnahmen sind im Gange. Der englische Kreiskontrol­le n r von Tarnowitz ist Psingsten von den Po­len verschleppt worden. Es ist ihm gelun­gen, nach Tarnowitz zurückzukehren. Die deutsche Bevölkerung bedachte ihn mit Blumenspenden. Ter Kreislontrsveru erließ eine Bekanntnm-

chung, in der er der deutschen Bevölkerung für ihre Antellnahme an seinem Schicksal dankt.

Deutschlands Entwaffnung.

Die Alliierten stellen die letzte Frist.

(Telegraphische Meldung.)

Berlin, 18. Mai.

Die interalliierte Kommission hat in einer N o t e die endgültige Entwaffnung verlangt. Be­züglich des Kriegsmaterials wird gefor­dert, daß die von der Kommission festgesetzten Höchstzuweisungen vor dem 20. Mai 1921, mit­tags zwölf Uhr, anerkannt werden. Die Ablie­ferungen des mtf Grund dieser Höchstzuwei­sungen berechneten überschüssigen Materials mutz vollständig bewirft fein für jede Art von Waffen am 10. Juni, für das übrige Kriegsgerät am 30. Juni. Die Ablieferung der Waffen, die von der Bevölkerung herrühren, muß vor dem 10. Juni vollständig beendet fein. Die nicht genehmigte Ausrüftung der Landbefestigungen muß vor dem 31. Mai vollständig abgeliefert fein. Ferner enthält die Rote Bestimmungen über Auflösung und Entwaffnung der Selbstschutzorganisationen. Ihre Auf­lösung muß bis zrnn 30. Juni bewirkt werden. In einem wetteren Abschnitt enthält die Note

Bestimmungen über die Polizei, deren Organisation und Stärke mit den Bestim­mungen der Noten von Boulogne und Paris in Einklang gebracht werden müssen. Insbesondere besteht die Kommission darauf, der jetzigen grü- ncn Polizei den Charafter einer mobilen mili­tärischen Streitftaft zu nehmen, die Probezeit unb die kurzfristige Dienstzeit abzuschaffen, jeden Perfonalanstaufch zwischen Polizei und Heer zu ttnterfagen. zu verbieten, den Polizeischulen wie­der ihren Borkriegscharafter zu geben, alle Poli­zei-Fliegerformationen abzuschaf­fen und schließlich die Gesamtstärke aller Poli- zeikategorien, der Uniformierten und Nichtuni­formierten, auf die Zahl von hundertfünfzigtau­fend Mann herabznfetzen. Die hierzu uotwcn- biaen Umbildungen müssen vor dem 15. Juli durchgeführt und die enffprechenden Anweisun gen der Kommission vor dem 15. Funk mitgeteilt werden. Waffen und Munition jeder Att welche nickst gemeldet sind und sich noch in Hän­den der Polizei befinden, müssen noch vor dem 31. Mai abgeliefert werden. Bor dem 20. Mai, mittags zwölf Uhr. hat hie deutsche Regierung der Kommission mitzuteilen, daß sie die Liste berienigen Fabriken in Deutschland, die Kriegsmaterial Herstellen dürfen, anerkennt.

2kuch Bayern wird betroffen.

Berlin, 18. Mai. (Privattelegramm.) Das Reichskabinett beschloß in seiner gestrigen Sit­zung, die Ausdehnung der Entwaffnungsaktion auf Bayern. Dem Reichskommissar für die Entwaffnung wurden Vollmachten für die Ent­waffnung in Bayern gegeben. Gestern abend trat das Kabinett zu einer zweiten Sitzung zusam­men, run sich mit der neuen Entwaffnungsnote des Feindbundes zu befassen. Eine allgemeine Antwort wlrd in der von General Rollet über- reichetn Note nicht gefordert. Das Reichskabinett wird aber bis Freitag eine Antwort geben und sich notgedrungen in alles fügen.

Die polnischen Umtriebe.

Raubzüge und neue Angriffe.

(Eigene Drohtmeldung.)

Kattowitz, 18. Mai.

Am Sonntag abend elf Uhr erfchien in der Betriebswerkstätte des Lokomotivschuppens eine Bande von polnischen Aufrührern von etwa zwei­hundert Mann, die vierzehn Lokomotiven besetzte und damit davonftrhr. Hilfe konnte nicht herbei- gerufen werden, da die Ausrührer alle Drahtlei­tungen durchschnitten hatten. Am Montag nachmittag marschierte eine Jnsnrqententruppe von vier Abteilungen zu je hundett Mann durch Lipine, um von hier aus mit der Bahn nach Ko­fel ttansportiert zu werden. In der vergange­nen Rächt follten diese Truppen einen Gegen­stoß auf Kofel ausführen, wo die Deutschen sich in ziemlicher Stärke verschanzt haben sollen.

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Vosten als Erpresser.

Hindenburg, 18. Mai. (Eigene Drahtmel- duug) Die Posten der Jnsurgentenarmee haben von ihrer Ausgabe anscheinend eine sehr merk­würdige Auffassung. An verschiedenen Stellen fordern sie Gebühren von den Passanten. Außer dem Passierfchein, für dessen Ausstellung sie sich zwei bis fünf Mark bezahlen lassen, er­heben sie eine PassiergeSühr von zehn bis dreißig Mark, und zwar für Katholiken zehn, für Evan­gelische zwanzig, für Juden dreißig Mark. Wie die Telegraphen-Union erfährt, gibt Stör« fanti) eine in Sorau gedruckte Zeitung für feine Insurgenten heraus, die er das Frontblatt nennt In der Zeitung wird über die Ereig- utne auf dem Kampfplatz berichtet.

Km unsere Zukunft.

Reich, Länder und Parteien.

Gegenüber tendenziösen Meldungen, als ob der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Stresemann, das Bettrauen feiner Partei nicht mehr genieße, enthält die »Nationalliberale Korrespondenz" eine Vettrauenskundgebung, die von der ganzen Frattion gutgeheißrn Wurde. Diese Feststellung ist insosern bemerkenswert unb wichtig, als Dr. Stresemann in seinem schon erwähnten Artikel:Nach der Entschei­dung" (Tägliche Rundschau Nr. 217 v. 12. Mai) die Mitarbeit der Deuffcheu Volkspattei an der Durchführung der Londoner Ultimatumsforde- rungen zusagte, mit anderen Motten eine Un­terstützung der neuen Regierung guchietz unb bamit in Aussicht stellte. Diesem Gebauten tritt ' auch bas rheinische Hauptorgan der Deuffcheu Volkspattei, dieKölnische Zeitung" bei, die in einem mahnenden Vorwort der Redaktton zu einem frakttonsoffiziösen Auffatz des Abg. Dr. Moldenhauer zum Ausdruck bringt: Es sei die Pflicht jedes Deutschen, nachdem die Enffchei- düng gefallen sei, jede Regierung in der Aus­führung des Reichsiagsbeschlusses zu unter­stützen. Es sei zu hoffen, daß, wenn sich erst die Wogen der Erregung, die diese aufyewirbelt haben, gelegt hätten, auch die Deutsche Volks- Partei sich auf dieser Linie der Politik des Wie­deraufbaues finden werde. Demnach kann e8 vielleicht doch noch gelingen, alle gutgewillten Kräfte zusanttnenzufassen und das deutsche Va­terland, wenn auch langsam, so doch sicher einem Wiederaufleben und damit einer besseren Zu­kunft entgegenzuführen

Wir müssen und wollen itnS frei machen und das können wir nur durch Erfüllung der über­nommenen Pflichten, so weit es möglich ist. Die­ser Gedanke spricht sich auch in einem Danktele­gramm aus, das der Reichskanzler Dr. Wirth anläßlich seines Amtsantritts an den Obevbür- germeister seiner Vaterstadt Freiburg richtete und worin es u. a. heißt:Wenn Nord und Süd und alle deutschen Stämme zusammenhal­ten, dann muß das schwere Werk der Wieder» aufrichtnng des Vaterlandes gelingen. Wotte unb Proteste können uns nicht frei machen, säu­bern nur Leistung und Arbeit bahnen ben Weg zur deutschen Freiheit. Verständigung und Versöhnung mit allen denen, die guten Willens sind, ist das Ziel meiner Arbeit " Es ist derselbe Appell in anderen Worten, den der Kanzler im R e i ch s r a t an die Vertreter der Länder ttch» tete und der, wie die Erwiderung des preu­ßisch en Vertrtters Ministettaldirektor Robis zeigte, hott auf fruchtbaren Boden siel. Wettere Erklärungen der Badischen Regierung, die in der Dounerstagssitzung Staatspräsident Frank abgab, und des Hessischen Land­tags in der Freitagsst-tzung zeigen, daß die wei­testen Kreise des deutschen Volkes bereit find, die übernommenen Verpflichtungen bis zu ben äußersten Grenzen unserer Leistungsfähigkeit einzulösen".

Wenn auch noch hie unb da alte Patteigegen­sätze zu überbrücken fein werden, sowohl was die Stellung der einzelnen Länder zur Reichsrsgierung anlangt, als auch was die Stellung der einzelnen Parteien unter­einander und zu einander anlangt, so ist doch zu hoffen, daß endlich eine geschlossenenatio­nale Einheit" die schweren Aufgaben der Zu­kunft prattisch losen hilft. Beherzigen wir die obigen Wotte des Reichskanzlers und wie der badische Staatspräsident Frank treffenb sagt: Bannen wir einen inneren Zwist, treten wir zusammen zur Arbeit, bekennen wir unsere mög­lichste Einmüttgkeit zu der vom Reich übernom­menen Ausgabe, wenn sie auch ungeheuer groß und schwer ist, nehmen wir auf uns Einschrän- kungen unb Entbehrungen, bamit Staat und Volk wieder frei werben für unsere Enkel."

Aus der Lehrerschaft.

Der deutsche Lehrerverel« al« Gewerkschaft»

(Pttvat-Telegramm.)

Stuttgart, 18. Mai.

Der Deutsche Lehrervcrein hat aas seiner bl Stuttgart abgehaltenen Tagung beschlossen, den Lehttrverein zur Lehrergewcr'schast anszubaue«. Er arbeitet nach gewerkschaftlichen Grundsätzen unter Anwendung aller gewett- schastlichen Mittel. Diese Bestimmnng, die dos Mittel des Streiks vorfiebt, gelangte gegen eine Minderheit von fünfzig Vertretern zur An­nahme. Der Mitgliederbettrag wird wefenilich erhöht. Ter Verein tritt dem Deutschen Beam- tenbund bei und bürgt dafür, daß dieser als ge- wittschastliche Vertretung mit den Organisationen der Angestellten und Arbeiter zusmnmenarbritch

Die Lehrerinnen.

Halle a. S., 18 Mai. (Privattelegramm.)' Ter Allgemeine Tcnffche Lehrennnenverein Hiebs