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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 110.
Freitag, 20. Mai 1921
Fernsprecher 951 und 952.
11. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
England und Amerika gegen polen.
Die Wirtschaftslage.
Ungewisse Aussichten.
Der ungeheure Druck auf dem Weltmärkte, der nun schon Monate hindurch anhält, hat auch in den letzten Wochen dem internationalen Wirtschaftsleben das Gepräge gegeben. Der gesunkenen Kauflraft der Welt steht eine Ueberproduk- tir>n an Rohstoffen und Fabrikaten gegenüber, und solange dieses Mißverhältnis vorhanden ist, wird auch der Druck nicht weichen, der aus den mit dem Weltmarkt eng Verknülpsten Dolkswirt- schaften lastet. Die sinkende Preisbewegung aus den Großhandelsmärkten, die seit Ende vorigen Jahres zu beobachten ist und die auch im vergangenen Monat — wenngleich in abgeschwüch- tem Grade — auchielt, hat dennoch die Absatz- fchwi eil gleiten selbst für Rohstoffe und Halbfabrikate nicht zu.beseitigen vermocht. Die hierdurch herbeigeführte Einschränkung der Rohstoff- und Halbfabrikate-Fabri- kation wirkte naturgemäß zurück auf den Absatz von Fabrikaten, insbesondere Produktionsm.it- teln, und zwang so auch die Fertigfabrikation zu einem wesentlich langsameren Tempo. Die Folge ist überall Arbeitslosigkeit, die in England in den letzten Wochen so bedenkliche Formen an- nahui> aber auch in Nordamerika sich andauernd verstärkt, da die während des Krieges dort milch-, tig gesteigerte Leistungssähigkeit der Industrie in besonders starkem Mißverhältnis zur Auf- sachänefähi gleit des Weltmarktes steht.
Die Rückwirkungen der Weltmarktlage auf die deutsche Wirtschaft machten sich in der letzten Zeit immer stärker fühlbar. Seit die deutschen Herstellungspreise für die wichtigsten Ausfuhrwaren die Weltmarktpreise erretch- t e n, zum Teil sogar überschritten Haben, vermag auch der dauernd ungünstige, aber verhältnismäßig stabile Stand der deutschen Mark keine die Ausfuhr anreizende und erleichternde Wirkung mehr auszuüben. Dazu kamen lm April die nach dem ergebnislosen Verlauf der Londoner Verhandlungen in Angriff genommenen „Sanktionen" der Entente, vor allem jene Abgabe von fünfzig Prozent auf alle deutschen Exporigüter, die die Ausfuhr nach den beteiligten Ländern vollständla unmöglich macken wird, so lange die deutsche Regierung eine Entschädigung der Exporteure ablehnt. Bisher ist allerdings nur das englisch« Gesetz in straft getreten (1. April), das die Abgabe auf sechsundzwanzig Prozent ermäßigt hat und nur auf diejenigen Waren keine Anwendung findet, die vor dem 15. April auf Grund eines bis zum 8. März dieses Jahres ab- oeschloffenen Kaufvertrages nach England eingeführt worden sind. Durch eine Verfügung des englischen Handelsamtes ist jedoch diese abgabe- freie Einfuhr für die vor dem 8. März abgeschlossenen Käufe bis zum 15. Mai zugelassen worden, sofern mindestens zwanzig Prozent des Kaufpreises vor dem 8. März bezahlt worden sind oder das Eigentumsrecht vor diesem Tage aus Richtdeutsche übergegangen ist. Die ganze Schwere der englischen Maßnahme konnte sich somit im April noch nicht geltend machen; aber die Geringfügigkeit der englischen Einnahme ans dieser Abgabe, die jüngst durch die Blätter ging, zeigt doch, wie sehr nach Ablaus des genannten Termins die deutsche Ausfuhr unterbunden werden wird. Dazu kommen dann ein entsprechendes französisches Gesetz, das am 14. April von der Kammer angenommen wurde und demnächst in Kraft treten soll, und das neben Transitgütern ebenfalls nur solche Waren von der Abgabe freiläßt, die vor dem 8. März bei deutschen Firmen bestellt sind und auf die eine Anzahlung bis zum gleichen Zeitpunkt geleistet worden ist, ein belgisches Gesetz, das am 7. April verkündigt, »her noch nicht in Kraft getreten ist, em flid- slavisches Gesetz, mit Wirkung vom 16. April an, ein griechisches, ein portugiesisches und ein rumänisches Gesetz. Wie sich Italien und die Tschecho- Slovakei verhalten werden, steht noch immer nicht fest. Gerüchtweise verlautet zwar. England wolle eine weitere Ermäßigung Vorschlägen, aber man weiß nicht, ob es dazu kommt.
In dem bis jetzr erkennbaren Ausmaß wird die Abgabe katastrophale Folgen für die deutsche Ausfuhr und damit für gas deutsche Wirtschaftsleben überhaupt haben. Der Rückgang unseres Exportes, der bereits im letzten Monat Fortschritte gemacht hat. muß die Beschäftigung der deutschen Industrie immer unzu- länglickier machen. Sie war im April ohnehin mangelhaft genug, da die drohenden Export- schwierigkeiten Industrie und Handel zur größten ZurücHaltung Mangen, der Absatz im Innern unter der Steuererhebung litt und die Erneuerung und Ausdehnung der Industrie nach wie vor durch die Unzulänglichkeit der K a p i - ralbildung stark behindert wird. Die Folge war steigende Arbeitslosigkeit, die ledoch in den Erwerbslosenzi ffern der Statistik keinen genügenden Ausdruck findet, weil ihr wahrer Umfang durch die Beschäftigung zahlreicher Arbeiter in verkürzter Arbeitszeit verschleiert wird.
3« den Rückwirkungen der Weltmarktlage aus
die deutsche Wirtschaft kommen die Schwierigkeiten im Innern. Zwar sind die Nachwirkungen des mitteldeutschen Kommunisten-Aufftandes er- fteulicherweise nicht so erheblich gewesen, wie anfangs zu befürchten war; aber die Preiserhöhung für Kohle und andere wichtige Rohstoffe und Halbfabrikate haben selbstverständlich das Produzieren auch nicht erleichtert. Lähmend mußten ferner die in Deutschland selbst durchgeführten „Sanktionen" der Entente wirken, besonders die am Rhein errichtete B i n- nenzollgrenze. die eng miteinander verknüpfte Wirtschaftsgebiete in der verhängnisvollsten Weise zerreißt, die Verbindung einander ergänzender Industriezweige ungeheuer erschwert und bereits zu den bedeEchsten Störungen des Güterverkehrs im Rheinland geführt hat. In dieser äußerst schwierigen Situation hat nun die Reichsregierung der Entente ihr neues Angebot gemacht. Es wurde abgelehnt. Es ist nicht ab- zusehen, wohin der Weg führt Steigende Absatz- schwietigkeiten und wachsende Arbeitslosigkeit sind kaum zu vermeiden, wenn sich nicht im Osten ein gewisser Ausgleich schaffen läßt, auf den der Handelsvertrag mit Rußland einige Hoffnung gibt. Prof. Dr. Jahn.
Die oberschlesische Frage.
England bleibt vorläufig fest.
lEigener Drahtbericht.)
Paris, 19. Mai.
AuS London treffen Nachrichten ein, ans denen hervorgeht, daß man in England mit aller Schärfe am bisherigen Standpunkt in der oberschlefischen Frage gegenüber Polen fest hält. Nachdem gestern halbamtlich erklärt worden ist, daß in der Frage der etwaigen Bersendtmg von Reichswehrtruppen sei- tens der deutschen Regierung die Erklärung Lloyd Georges im Nnterhause missverstanden worden waren, wird nun darauf aufmerksam gemacht, daß in der grundsätzlichen Haltung der englischen Regierung in der Kernfrage kein Zweifel sein könne. — Der französische Minister Präsident erklärte, eS fei verständlich, dass England einen anderen Standpuntt einnehme als Frankreich. Es wird jetzt als sicher mitgeteilt, daß Briand am Sonnabend nach England fährt, um mit Lloyd George eine Besprecknmg abzuhalten. Die französische Presse ist halbamtlich gebeten worden, Lloyd George wegen seiner Rede nicht mehr anzugreifen.
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Sine interalliierte Konferenz.
Rom, 19. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Außemninister Gras Sforza hat gestern den englifchen Botschafter empfangen, der den Aussenminister im Namen der englischen Regierung froste, ob Italien bereit fei, an einer interalliierten Konferenz zur Regelung der oberschlesischen Frage teilzunehmen. Graf Sforza erklärte sich zur Teilnahme bereit und fügte hinzu, dass in der gegenwärtigen Lage eine schnelle Lösung dieser Frage wünschenswert sei. — Das Londoner Auswärtige Amt kündigt an. dass eine Tagung des Obersten Rates Ende nächster Woche oder etwas später in Ostende oder in Bonlogne stattfinden werde, um die oberschlesische Frage zu regeln.
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Amerikas Haltung gegen Voten.
Paris, 19. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Ans Washington wird gemeldet, daß die polnische Regierung die amerikanische gebeten habe, den polnischen Standpuntt in der oberschlesisck>en Frage im Obersten Ententerat zu unterstützen. Der amerikanische Aussenminister Hughes habe in seiner Antwortnote wiederholt, daß die Politik Amerikas darin bestehe, in Fragen, welche europäischen Charakter tragen, sich nicht einzumischen. Die Vertreter Amerikas in den europäischen Räten hätten lediglich eine beobachtende Aufgabe.
Die Korfanty-Linie schwankt.
Paris, 19. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Wie „Echo de Paris" meldet, sind für die bevorstehende Entscheidung des alliierten Rates über Ober- schlesien drei verschiedene Anträge bet Verbandsmächte eingegangen und zwar von England, Italien und Frankreich. Der englische Mw der italienische Vorschlag feien sachlich sich
so nahe, daß mit einer Durchsetzung der Korfanty-Linie als schlesisch-polnische Grenze im Obersten Rat nicht mehr zu rechnen sei.
Polens Gewaltpolitik.
Etillegung von Hütten- und Bergwerken. (Privat^elegrcnnm.)
Beuthen, 19. Mai.
In der „Grenzzeitung" veröffentlicht Kor- f a n t y ein Protesttelegramm an Lloyd Geor - ge, worin erneut gedroht wird, alle Hütten- und Bergwerke zu vernichten. Keine Macht der Welt könne die Bevölkerung davor zurückhalten. Aus K a t t o w i tz wird gemeldet: Einige Gruben und Hütten sind gestern aufs neue stillgelegt worden. Dieser neue Aufstand kann nicht als ein Ausdruck der Auflehnung des polnifchen oberfchlesischen Volkes gegen den in dem Telegramm Korfantys an die interalliierte Kommifston eingeleiteten Rückzug bezeichnet werden. In Wirttichkett ist auch bei den polnischen Arbeitern Arbeitswille vorhanden. Die Siellegung der Werke itz durchdie Aufrührer erzwungen worden dadurch, daß die zur Arbeit kommenden Arbeiter mit Waffen- gewall von der Arbeftsstätte ferngehalten sind.
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Gute Haltung der Deuffchen.
Berlin, 19. Mai. (Privattelegramm.) In einer amtlichen Verlautbarung warnt die deutsche Regierung unter voller Würdigung der Empfindungen des deutschen Volkes vor allen Betätigungen, die darauf hinzielen, durch Bil- dung von Freiwilligenformattonen den bedrängten oberfchlesischen Brüdern zu helfen. Es wird auf die Strafbarkeit hingewiesen, solche Aufträge zu erlassen oder sie in der Presse aufzunehmen. — Die italienischen Berichterstatter in Oppeln heben in ihren Berichten die anständige Haltung der beutfdren Bevölke^ rung hervor und erwähnen die Dankbarkeit der Deutschen gegenüber den italienischen Soldaten.
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Klägliche Rolle der Witterten.
Kattowitz, 19. Mai (Eigene Drahtmeldung.) Die würdelose Rolle, in die die interalliierte Kommission und ihre Beamten durch den polnischen Aufruhr gebracht worden sind, wird besonders anschaulich beleuchtet dadurch, daß neuerdings die militärische Leitung der A u f r ü h - rerbanden die Anordnung getroffen hat, daß jeder englische Offizier mit einem polnischen Ausweis versehen sein muß und anzuhallen fei, wenn er diesen Ausweis nicht hat. Die Posten der Auftührer haben sogar Personen, die mll französischen Ausweisen versehen waren, wiederholl gesagt, dass die Franzosen nichts mehr zu sagen hätten.
Die Franzosen am Rhein.
Pläne für Zwangsmaßnahmen. lEigener Drahtbericht.)
Paris, 19. Mai.
Tie französischen Chauvinisten verlangen von der Regierung, dass sie die genannten Vorbereitungen für die Ruhrbesetznng nicht rückgängig macht, sondern alle Truppen am Rhein stationiert werden fotttat, um im Notfälle, falls sich wieder neue Schwierigkeiten ergeben, sofort eingreifen zu können. Die Bläk, ter dieser Richtung beweisen die furchtbare Angst der Chauvinisten über die angeblich vorhandene deutsche Militärmacht. Die Gefahr, die wirttich nicht mehr besteht, wird dem französischen Volke stündlich vor Augen gehalten, sodaß Poin- caree noch stets der Herrscher in der französischen Politik bleibt. Der Zweck der jetzigen Angst- meictei ist nur, die Regierung zu zwingen, dir große Armee am Rhein stehen zu lassen, um dadurch die Französisierung des Rheinlandes unter günstigeren Umständen durchzusühren.
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Tlnnettions-Tlbflchten.
Paris, 19. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Pläne Fronrreichs. das besetzte Gebiet bis zum Rhein bei späterer Gelegenheit französisch zu machen, sind bis ins Kleinste so forgfältig ausgearbeitet, daß eine Störung nicht eintreten darf. In diesem Gedankengang begegnen sich die Absichten der Regierung und Chauvinisten und die nächste Zukunft wird schon zeigen, daß an diesem Gedanken auch nickt tu rütteln ist.
Lebensmittel-Fracht.
Um die Beschränkung der Einfuhr«
®le Frage der teilten Lebensrnittel hat de» ReiGSrat beschäftigt. ES wurde eine De- schräukung der Einfuhr und ein Tarisnach- lag angeregt. Man schreibt uns darüber; Iw Ausschuß des Reichswirtschaftsrates für Landwirtschaft und Ernährung wurde am 28. April ein Antrag des Gärtnereigewerbes gegen die Stimmen der Arbeitgeber der Landwirtschaft abgelehnt, der ein Verbot der Einfuhr von ausländischem Frühgemufe bis zum 30. Juni und überhaupt die Beschränkung der Einfuhr ausländischen Gemüses auf das durchaus Erforderliche verlangte. Allgemein wurde anerkannt, daß aus Rücksicht auf Gestaltung der Valuta der Antrag an sich begrüßenswert wäre, die Mehrheit begründete indessen ihre Ablehnung außer mit Erwägungen außenpolitischer Natur mit der Befürchtung, daß dadurch eine Hintanhaltung des Preisabbaues bewirkt würde. Dem wird entgegen gehalten, daß es sich bei der Einfuhr ausländischen Gemüses nur um Luxusware handelt (es kommen hauptsächlich Treibgurken, Treibsalat und Blumenkohl in Frage), die infolge ihres geringen Nährwertes und hohen Preises kein eigentliches Volksnahrnngsmit- lel darstellt. Abgesehen von dem schon infolge unserer Geldentwertung
hohen Preise für Einfuhrgemüse werden die Erstehungskosten für den Verbrau» cher ja noch durch die neuen Eisenbahnta- r i f e ganz wesentlich erhöht. Danach liegt es auf der Hand, daß an eine Hintanhaltung des Preisabbaues durch Einfuhr dieser teuren Luxusware gar nicht zu denken ist. Andererseits bedeutet die Einschränkung dieser Einfuhr außer einer Ersparnis an Devisen die Stärkung der wirtschaftlichen Positton der Gärtneveibetriebe wodurch die Arbeitslosigkeit in diesem Gewerbe vermindert werden könnte, zumal die deutschen Gärtnereien an sich in der Sage sind, auch den einheimischen Luxusbedarf zu decken. Die Lage des einheimischen Erwerbsgemüsebaues ist nach den günstigen Jahren 1918—1919 gleich den schlechten Verhältnissen unmittelbar vor dem Kriege alles andere als günstig. Trotz der gestiegenen Erzeugerkosten haben sich die dem Erzeuger im Großhandel gezahlten Preise dem Friedenspreise stark genähert. Außerdem wird ia auch das einheimische Gemüse mit den hohen Frachtkosten belastet; so ist die Fracht für das Pfund E »für 1er Spinat bis Berlin von 0,06 Pfennig 1918 auf 0,50 Mark jetzt gestiegen, sodaß allerdings trotz des Rückganges der Erzeugerpreise der Verbraucher von einem Preisrückgang kaum etwas spürt. Anstatt die Einfuhr teurer Lurusware unbehindert zu gestatten, sollte früheren Anregungen aus dem Kreise des Reichswirtschaftsrates Folge geleistet werden, wonach ein Tarifnachlaß bei der
Eisenbahnfracht für Lebensmittel, affo auch Frühgemüse, gefordert wurde. Zn erwogen wäre auch der alte Vorschlag, die neuen Tariferhöhungen nur als vorübergehende Zuschläge auf die ftn Dezember neu festgesetzten Tarife zu betrachten und diese Tarifzuschläge dann zwangsläufig ht festen Zeitabschnitten zu überprüfen. Tie anßenpolittschen Gefahren, die durch Einfchräntting der Einfuhr entstehen könnten, erfcheinen nicht so bedeutend, zumal die Auslandseinfuhr, befonders aus Holland, nach den letzten Marktberichten tatsächlich infolge der hoben Frachftgrife auf ein ganz verschwindend geringes Maß zurückgegan- gen ist. Wenn also die Erhöhung der Frachtsätze, die im Augenblick als Einfuhrbefchrän. hing wirft, keine außenpolitischen Schwierigkeiten gebracht hat, so dürste das auch nicht bet Fall sein, wenn nach Ermäßigung der Frachi- sätze für Volksnahrungsnttttel in dem gleichen Maße eine Verringerung der Einfuhr durch gesetzliche Beschränkung einträte. Dies ist ja auch außenpolitisch die einzige Möglichkeit der Sicherung her einheimischen Erwerbsgärtnerei, da anderen Maßnahmen vorerst noch die Arttkel 264—270 des Friedensvertrages entgegenstehen. Endgültig ausschlaggebend muß doch auch bei dieser Frage tote bei allen anderen Emährungs- fraaen das sein, daß auf die Dauer eine Verbilligung der Volksnahrungsmittel bei her Po- litifchen Weltlage nur durch Förderung der eif heimischen Erzeugung möglich ist.
Frankreich und Belgien.
Ein geheimer Bündnisvertrag.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 19. Mal.
Der belgische Außenminister Jasper hat einetjf Pressevertreter zuversichtliche Erklärungen über die Besprechungen gemacht, welche Präsident Millerand und König Albett am letzten Sonntag miteinander in Lille gehabt haben. Diese ge- beinic Besprechung stand im Zusammenhang mit