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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Die tafieler N»Listen Nachrichten erscheine» wSchenMch ftdjSmal und ««var « b«N 6 «. Der LlbomremenlSoreis beträgt monatlich 6.00 Mark bei krrter fiuftelhm; tnS Han«. Lu«, wärt« durch dl« Post bezogen &30 Mark monatlich etnschlietzltch Zustellung. «eftellungen werden irberzztt von der SrschSstSstelle oder den Loren entgegengenommen. Trnekerei, B erlag und Sledaltion-. Echlachthofstraste 28/30. Für unverlangt ein gesandte Beitrag« kann die Redaktion eine Lerantwortiwg oder «ewützr in keinem Falle übernehmen, »nlkzahlnng he« LezugSgelde« oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lielerung auSgeschlosten.

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Hessische Abendzeitung

11. Iahraana.

Sonnabend, 28. Mai 1921

Nummer 117.

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und W2

Sie kammermehrheik vertraut Wand.

Die hohen Gummen.

Wie wir zahle« sollen.

lieber das Programm der Zahlungen an die Sanierten, tote sie das Kabinett Wirth plant, sind Mitteilungen durch die Presse gegaukelt, die in ihren positiven Angaben zum Teil nicht zu­treffen, da endgiluge Beschlüsse nach feiner Rich­tung lsin vorliegen. Vielmehr sind die Arbeiten sirr das Programm in den beteiligten Ministe­rien, von denen das Finanzministerium noch im­mer des Oberhauptes entbehrt, noch in vollem Gange, aber doch soweit gefördert, daß in dieser Woche die Besprechungen mit den Sachoerstänvi- gen beginnen tonnten. In bezug auf vas, was wir leisten sollen, ist uns ja, die von vielen be­zweifelte Dulchpchruna der Möglichkeit voraus­gesetzt, der Weg vorge,chrieben. Die Ausbring­ung der ersten Goldmilliarde kann als gesichert gelten, und di« Begleichung der Abschlagszahlung von hundcckfünfzig Millionen Mark in Gold ist ebenso wie die Ausstellung der Reparationsfonds bereits eingeleitet Im übri­gen haben wir bekanntlich bis zmn Rückkauf der an die ReparationAommisston abzufüchrcnoeu drei Serien Schuldverschreibungen im Setroge von zwölf, achtunddrsißig und von zweiund­achtzig Milliarden Goldmatk feste Annull - tüten (FahreSzahülilgenf in Höhe von zwei MMatden Goldmark und variable in Höhe von sechsundzwanzig Prozent der deutschen Ausfuhr zu leisten. Wahrend die ersten beiden Serien von zwölf und achtunddreißig Milliarden Gold- mack sofort mit fünf Prozent zu verzinsen und mit einem Prozent nt amortisieren sind, soll mit der Verzinsung und Amortisation der dritten Serie erst begonnen werden, wenn die LeistunZs- sähigkeit Deutschlands hierzu festgestellt ist.

Das Wort ^toci Goldmi lliardcn jährlich« spricht sich leicht aus, aber es wirft schon unheimlicher, wenn man sich klar macht, daß es-sich hierbei um mehr als zwanzig Papiermilliarden handelt, wenigstens zunächst, während die weitere Entwicklung auch vom Stand der Valuta avhängen wird. Mit deren ernstlicher Besserung, eben angesichts der ungeheuren, auf uns ruhenden Lasten, schwer­lich in absehbarer Zett zu rechnen ist. Während die Mei Milliarden Gokdmack jährlich feststehen, hängt die Höhe der Abgabe aus die Ausfuhr selbstverständlich von der Entwicklung der letz­teren ab. Aber selbst wenn die Ausfuhr auf dem jetzigen Bestände verharren sostte, hätten wir jährlich weit über drei Goldmilliarden auf­zubringen, also weit über dreißig Papiermilliar­den. Rechnen wir hierzu die Kosten Les Etats, so werden wir selbst bei sparsamster Mrtschast ruf Beträge von weit über fünfzig Milliarden Vapiermark kommen.

Bei sparsamster Mrtschast! Damit muß in der Tat Ernst gemacht werden, wenn wir auch nur halbwegs daran denken wollen, den uns «usgeMungenen Vervflichtungen nachzukommen. Und so wird dar Finanzprogwmnr der Regie­rung auch ein Ersparnisprogramm sein müssen, und zwar eines, das nicht wie bisher in den Ansätzen stecken bleibt Zugleich und vor allem auch ein Steuerprogramm; Der deutsche Staatsbürger wird sich daran gewöh­nen müssen, das Steuerlasten als seine erste Bürgerpflicht anzusehen. Ein weiteres An­ziehen der direkten Steuerschraube kann freilich nicht mehr in Frage kommen, ohne daß nun eine Ueberdr^hung der Schraube riskiert. Von den indirekten Steuern wird in erster Reihe und neben manchem anderen die Erhöhung der Branntwein-, Tabak, und Zucker­steuer in betracht gezogen, schon im Hinblick darauf, daß die Entente erst unlängst darauf auf. merksam gemacht hat, daß diese Steuerobjette dort wesentlich höher heranzezogen seien als bei uns.

Roch stacker aber soll die Kohle besteuert werden. Eine sehr wesentliche Erhöhung der Kohlensteuer wird schon deshalb in Erwägung gezogen, weil wir bei unseren Reparattonslei- stungen durch die im VerhälMis ,um Weltmartt- preis sehr billige Preisgestaltung der deutschen Kohle schwer geschädigt werden. Denn die auf Grund des Spa-Abkommens von uns zu liefern, den Kohlen müssen zu dem Inlandspreis abge­geben werden. Um diese schwere Schädigung zu vermeiden, soll der Weg einer weiteren Steuer- belaftung der Kohl« beschritten werden, so schmertisich das auch für die Industrie und noch mehr für die privaten Verbraucher ist. Hiermit ist selbstverständlich nur ein Teil des Finanz- Programms angedeutet, das noch manch« unan- genehme Ueberraschungen bringen wird. Wäh­rend bie Iahreszahlungen von Mei Goldmilliarden feMehen, richtet sich der Betrag der Aussuhrabgab« natürlich nach der Höbe der Ausfuhr. Im Jahre 1920 betrug diese rund 5% Milliarde Goldmack, was eine Aus- suhrabgabe von 1365 Millionen Goldmark be­deuten würde Stiege die Ausfuhr auf sechs Milliarden, würde die Abgabe ans 1560 Millio­nen Goldmack und bei sieben MMarden auf 1830 Millionen Goldmack steigen. Daß diese

Abgabe von der Industrie und dem Handel auf­zubringen ist, darüber herrscht Einigkeit. In welcher Weise es geschchen soll, darüber wird noch beraten Ta mit bet Steigerung der Aus­fuhr auch die Abgabe steigt, haben wir selbstver­ständlich ein dringendes Interesse daran, nach Möglichkeit Eigenwirtschaft zu treiben, die Landwirtschaft noch intensiver w gestalten und jede Lberslüssige Einfuhr su vermeiden. Diese Bestrebungen sinden freilich darin eine Grenze, daß die Möglichkeit unserer Reparationsleistunoen zum nicht gerin­nen Teil von den Gewrnnüberschüssen nm'crcr A'tssubr abhäugen wird. Daß durch die auf affe Fälle notwendige Einschränkung der Einfuhr nicht nur die Neutralen, sondern auch die Allner- ten gefefäbiat werde«, könnte unter Umständen seht wohltätig ausklärend Wicken; ch.

Frankreichs Haltung.

Die Rammet über die Rebe BriaudS. (eigener Drahtbericht.)

Paris, 27. Mai.

Die Kammer hat gestern in den späten Abend­stunden die Debatte Aber die auswärtige Politik, wobei Briand von der Rechten scharf angegriffen wurde, beendet. Es wurden verschiedene Anträge ekngebrmU, von denen Derjenige der Sozialisten mit 475 gegen SO Stimmen abgelehnt »«rbc. Der Antrag de? Kommunisten Eachin wurde ebenfalls abgelebnt. Daraus wurde über den vom Miuisterpräfidenten angenommenen Antrag deS Tfttoeorbnehrt Aragon abgestlmml. Darin wird gesagt, die Kammer vertraue dar­auf, daß bie Regierung durch die streng kon­trollierte Entwaffnung Deutschlands und durch die von Deutschland anerkannte restlose Bezahlungder Schrckdd«S Recht Frankreichs durchsetzen wird und daß sie entsprechend ihren Erklärungen die unmittelbare Anwendung der Sanktionen" verlangen wird, falls Deutsch­land gegen die von dem Berbündelen unterzeich­neten Verpflichtungen deS Londoner Abkommens verstößt. Di« Kammer vertraut weiter darauf, daß die Regierung in der oberschlesi scheu Frage die strikteste und lohalste Ausführung der Bestimmungen deS Versailler FriedenSvet- trageS im Interesse Frankreichs sicher« wird. Der Antrag wurde mtt Mehrhett angenommen.

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Unzufriedene Rationalisten.

Paris, 27.' Mai. (Eigene DrcchtmeDuug.s Für die nächste Woche erwartet man, daß Briand neuen Angriff m im Senat wird standhalten müssen, efjeron wird Punkt für Punkt das Londoner Abkommen besprechen und Poincare wird ebenfalls persönlich eiugreifen.

Die obei-schlesischen Kämpfe.

Verteidigung durch Selbstschutz.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. Mai.

Die Kämpfe tu Oberfchlesien Mischen dem deutschen Selbstschutz und den Bolen dauern an. Die Verluste auf beiden Setten sollen be- lrächtlich fein. Innerhalb des besetzten Gebietes üben die Pole« eine strenge Verkehrsromrolle aus und respektiereu nicht einmal französische Pässe. Wie aus Breslau mitgeteilt wird, ist cs im unbesetzten Lberschlesien und in Mittelschle sie« der Reichsregierung mit Hilfe der Schutz­polizei bereits völlig gelungen, dem Verbot der Frrrkotpsbilduug Geltung zu verschaffen. Die Grenze des Abstimmungsgebietes wird durch mehrere Hunbertsckaste» bewnckt und der unfou- trollierte Verkehr hat ausaehört. In Katto- Witz mehren sich die Plünderungen durch die Polen. Die meisten Läden find geftMoffut, weil sie keine Waren mehr haben Trotzdem will die Bevölkerung nicht kapitulieren.

Bayerns Einwohnerwehr.

Dine Rede des Nrüuders Escherich. (Pvivat-Telegramm.f

Hanmwer, 27. Mai.

In der Stadthalle sprach gestern vor zahl­reiche» Besuchern der Forstrat Escherisch. Er legte ausführlich bie Ursachen und anderen Gründe bat, bie zur Gründung feiner Organisation der bäuerischen Einwohnerwehr geführt haben. Was eine derartige Organifatüm zu lei- iten vermag, zeigt ein Blick auf bie in Bayern erzielte» Erfolge. Seine Organisation verfolge bie besten Ziele. Alle Putsche gegen das Reick unb seine Verfassung würbe t auf bas schärfste bekämpft. Tie Liebe zum beutfdjen Vater­land sei in Bayern ebenso verankert wie im übri­gen Deutschland, und bie zeitweilige Ablehnung Berlins fei nicht gleichbedeutend mtt der Deutsch- lands. Die Wiederbelebung drS nationalen

Empfindens, StSckung der Autorität des Staates und feiner Organisation feien wei­tere Ziele feinet Organifatio« und heute nöttger denn je. Er habe bie feste Urbrrzeugung, mit seinem Unternehmen auf dem rechten Wege zu sein und bis rechte Mittel gefunden zu habe», um das weitere Sinken Deutschlands zu hindern und aus die Weckung beS Gemeinschaftsgefühls, auf die Wiedergesundnug Deutfchlands hinzu- arbetten. Er schloß feine Webe mit dem Ruf: Ich glaube fest und treu an Deutschlands Zu­kunft!^ Stürmischer Beifall folgte feine« Worten.

Die Leipziger Vrozeffe Verhandlung der »weiten Anklage.

(Privat-Telegramm.)

Leipzig, 27. Mai.

Unmittelbar an bie Bekanntgabe des Urteils in dem ersten Kriegsfchuldigeu-Prozetz fchloß sich bet zweite Kriegsschuldigen-Prozeß. Er richtet fich gegen den Hauptmann d. L. a. D. Erich Müller ans Karlsruhe wegen Gefangenen- Mißhandlungen. Nach Aufruf der zwanzig eng- lifchen Zeugen, die zunächst vernommen werde» sollen, stellt der Verteidiger den Antrag, noch eine» Zeuge» zu laden. Senatspräsident Schmidt erwidert, dazu hätte doch bet Ange­klagte Zett genug gehabt. Der Angeklagte sagt, er habe den Namen erst kurz vor Begin» der Wer- bandluuJe» erfahren. Trr Augeflagte war von Anfang Ap^il bis Anfang Mai 1918 Komman­dant des englischen Gefangenenlagers Flavi be Martell. Der Präsident hält dem Angeklag­ten vor, daß <tyj? heu Men zu ersehe» ist, daß sich im Lager Vorgänge ereignet haben, die als furchtbar bezeickmet werden müssen. Rach dem Er- öfstumgSbeschluß wird dem Angellagtetl zur Last gelegt, daß er vou April bis Mai 1918 durch meh­rere selbständige Handlungen vorsätzlich englische Gefangene gestoßen, gefchlagcn oder in anderer Weife mißhandelt habe. Weiter wird der Ange- klagte befchuldigt, einem DiPhterttiSkranken den Mund aufgerissen zu haben. Ter Angeklagte gibt fodaun ein Bild von be« mangelhaften Verhält­nissen und den unzureichenden fanttäre« Einrich­tungen im Lager. Er schildert dann das Ar- bettsverhältnis bet Gefangenen. Viele hätten stck krank gemeldet. Er bestreitet, geschlagen und geschimpft zu haben, aber er habe für Disziplin unter den Gefangenen sorgen müssen.

Die 3eueenberneT)mung.

AlSdann wird als erster Zeuge der Englän­der Higgins-Bvlton vernommen, der Dol­metscher in dem Lager des Angeflagten war. Er sagt ans. er habe gleich bei seiner Ankunft eilte gewisse Unruhe bemerkt. Richt jeder habe eine Lagerstätte gehabt und die sanitären V:r- hSltnifle ließen tnel zu wünschen ü6ng Zu der ersten Woche feien durchschnittlich zwei Mann ge­storben. Die ersten Toten wurden im Sarge, die anderen ohne Sarg begraben. Die Leichen waren mit einem Sack zugedeckt. Der Ange­klagte erwidert, er könne sich nur eines Todes - falls erinnern Er habe auch die Unteroffiziere angewiesen, die Gefangenen anständig zu be­handeln. Es wurden dann die Protokolle der vom engftschen Polizcizericht vernommenen eng­lischen Sengen, die nicht in Leipzig erschienen sind, verlesen. In der am Rachmittaa-fockgesetz- ten Verhandlung wird mit der Verlesung der Protokolle der englischen Zeugenaussagen fock­gefahren. Darin werden bie

Zustände in dem Gefangenenlager als trostlos geschiLeck. Es kommt bann der Fall zur Sprach«, in dem der Angeklagte einen an Diphteritis erkrankten mit der Faust in den Mund gestoßen haben soll. Nach zwei Tage» soll der Mann gestorben fein. Der Angeklagte betont, daß et keinen Gefangenen zur Arbeit ge­zwungen ober mißhandelt habe. Als nächster Zeuge in der geffrigen Verhandlung des Krieasschttldfaerrprogeffes wird Hauptmann Freiherr von Biber vernommen, bei aus sagt, daß die befangenen mtt Wegebau ten und i.t Munitionsdepots beschäftigt waren. Er hab« bas Gefangenenlager revideck und mit Gefange­nen ae'prvchen. Sie beschwerten sich über die Verpflegung. Der mMtärische Sachverständige, General von Franseck ckchtet an den Dr. Las- feten die Frag«, ob er den Major von Doms- darf über die Zuftmtde im Lager unterrichtet habe. Wie der Zarge sagt, habe man darüber gesprochen. OberreichSanwalt: Ist etwas zur Abstellung geschehen? Zeuge: .Ja, es ist dem Lager gegenüber eine Baracke errichtet worden zur Aufnahme der Sranfen. Hieraus wird die Sitzung aus Freitag vormittag 9 Uhr vertagt.

Die anspruchsvollen Briten.

London, 27. Mai. (Eigene Drahimeldung.) Im Unterhause ist gestern bie Mitteilung von ber Verurteilung HeynenS durch das Leipziger Reichsgerickt mit 10 Momtte» Gefängnis als eine Schande bezeichnet worden, da das Urteil als ungenügend anzusehe« fei.

Zugend-Kundgebung

Aus den bedrängten Gebiete».

®te Rnnt>a«bungcu »ee bentfdfc» DevLC- , te*»»6 der bedrängten Gebiete »»ehre» fich. De» Will» de« Zusammenhalten» mit Drirlschlond wird stiirker »nd tu Deutsch, laut* finden ihre Rufe laute» Widerhall.

In der Psingstwoche hat in Berlin die Groß- deutsche Tagung der Fugendgruppen der Deut­schen VoWpackei stattgefunden. Darüber wird uns geschrieben: Aus allen Teilen des wetteren und engeren Vaterlandes, aus g«raubten, besetzten und gesährdeteu Gebieten, aus Tirol, Deutsch-Oesterreich, Kärnten und Steiermark kam die deutsche Jugend auf mückischem Beden, dock, wo das Reich ge­schaffen wurde, zusammen, um allen Zweiflern kurrdzutun, wie groß und rein der Gedanke nach deutscher Einheit, deutscher Kraft und deutscher Ehre in unserer Jugend lebt. Die Absicht der fremden Bedrücker im Osten und Westen des Vaterlandes, Deutsche von Deutschen zu trennen, und das Heranwachsende Geschlecht aus dem Zu­sammenhänge mit dem Deutschtum rmd unserer großen Geschichte herauSznreißen, wird zuschan- ben werben an ber einmütigen Entschlossenheit und Treue ber beutschen Jugend. Und alle Ver­bote der Feinde, die den

Zusammenschluß aller Stämme,

die das Band deutscher Sprache und deutsche« Denkens schon jetzt eint, $u einem großen deut­schen Vaterland« hindern wollen, werden über­wunden werden durch den wohl im Herzen stür­misch drängenden, aber durch doS Gebot ssillcr»

schcn Jugend. Wohl Mölshundeck Verirrter, vor allem jener Gebiete, an die wir jetzt mit beson­ders liebender Sorge denken, gaben diesem ein- , mutigen Willen in Berlin Ausdruck. Die Ar» - bettsgemeinschast der Berliner Jügendgruppen der Deutschen Vokkspackei, die die Tagung ver­anstaltete, hatte die Kundgebung ihrer Wiste mit dem Gedanken in Verbindung gebracht, der deut- schon Jugend zu zeigen, daß in der Reichshaupt­stadt, die ost nur als das SLndenbabel hinge­st cllk wird, noch nicht alles morsch unb faul ist, sondern daß sie immer noch der Mittelpunkt deutscher Arbeit und deutschen Geistes- und Kul­turlebens ist und daß auch hier nicht der schlech­teste Teil der Jugend am Wecke ist, den deut­schen Gedanken zur inneren Tat unerschütterlich fester Gesinnung zu machen. Im Rahmen die- ser Gedanken bewegten sich yte einzelnen Ver­anstaltungen. Der erste Tag, der 17. Mai, galt der Besichtigung des Inneren Ber­lins und einzelner Betriebe. In Gruppe« wurden Jndustriewecke. Zoologischer Gacken, Biologische Reil^anstatt, National - Galerie, Reichstag, Dom, Schloß, Rathaus, Mausoleum, Chatl-ottenburg, sowie einige Zeitungsbetriebe - besichtigt. Abends vereinigten sich alte Teilneh­mer zu der ersten gemeinsamen Kundgebung ht den Hohenzollernfeftsälen. Es war der erste spontane Ausbruch deS jugendliche« Feuers treuer vaterländischer Gesinnung. Der zweite T ag galt dem Besuche Potsdams. Dampferfahrt auf dem Wannsee, gemeinsamer Gang nach dem Lustgarten, Sanssouci, und dann eine Stunde tiefet Ergriffenheit und Trauer: Besuch des Antiken Teuchels, der Ruhestätte ber Kaiserin. Abordnungen der Jugendgntppen von Kassel, Wiesbaden, Worms und Mainz leg­ten am Grabe der entschlafenen Kaiserin nach kurzer ernster Trmrerfeier Kränze nieder, bie Kasseler einen aus Tannengrün selbstqefertigteu

letzten Gruß aus Wilhelmshöhe.

Nachmittags kamen die Gruppen zu einer Kund­gebung auf dem Ruinenberg zusammen, ton Landtaosabgoordneter Buchhorn die erste große Ansprache hielt. Seine von tiefem Ernst, aber auch von feuriger Begeisterung getragen# Rede war eine packende Mahnung an die Ju­gend, sich innerlich zu Mckcn im Emworschauen zu den jetzt so schnell vergessene« Helden. Unb sie war ein Aufruf, den Glauben an die deutsche Zukunft nicht zu verlieren, sondern in diesem Glauben fett und entschlossen den Weg zu gehe«, den Gewissen und kühlet Verstand weisen. Der dritte Tag brachte den Höhepunkt bet Tagung: die Rede StresemannS auf den Müggelbergem Aus Dampfern ging es hinaus nach den Seen im Osten Berlins, wo am Fuße des Bismarck-Denkmals die eindrucksvolle Feiet stattsand. Mtt schwarz-toeiß-roten Fahnen und unter dem Gesang des Leides ,O Deutschland hoch in Ehren" gruppierten sich di« Vertreter aller deutschen (Saite auf den Treppen und Po­desten deS großen Baues. Dt. Sttesemann fand Wocke, die denen, die sie höcken, niemals au4 dem Gedächtnis schwinden werden. Es solle sich die Jugend an dieser Stelle, wo sie Zeugnis ihres Willens für Einmütigkeit und Deutschtum üblegen wolle, des geschichtlichen Wortes erie» nem, daß Reiche erhalten werden durch die Kräfte, die sie schufen. Der nationale'Ge- danke babe seinen Ursprung in der Liebe zur eigenen Familie, von da geht der Weg zu der Liebe zum heimatlichen Gau und alle dies«

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