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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 126.

Fernsprecher &1 imb 952

Mittwoch, 8. Juni 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang

Ioüdmer der polnischen Umtriebe.

Gehl es vorwärts?

Eine langsame Besserung.

Es ist eine der vielen weisen Einrichtungen der Vorsehung, daß man von der Pergangenyeit immer nur die Lichtseiten in der Erinnerung be­hält uuv die unangenehmen, oft schmerzlichen Erscheinungen schneller vergitzt, als man.es sel­ber glauben wollte. Besonders unsere Zeit eilt immer noch im Tempo eines rollenden Riesen­rades dahin; in der Flui der politischen Ereig­nisse jagr ein Ta« den anderen, so datz man schneller zu leben wähnt, als es in den ruhigen, behaglichen Zeiten vor dem Kriege der Fall ge­wesen ist. Seit dem unglücklichen Ende des Krieges und den Wirren des Umsturzes geht durch das deutsche Voll der Weckruf: Wieder­aufbau! Hat dieser Ruf im Volke nun auch Widerhall gesunden? Den meisten geht der Wie­deraufbau viel zu langsam, aber sie vergessen, datz wie von höchster Höhe in die tiefste Tiefe stürzten. Andere sind betroffen über die Metho­den. die man wählte, um aus Trümmern etwatz Neues aufzurichten. Sie vergessen, daß ein übermächtiger Sieger seinen Fuß auf unseren Nacken setzte.' Aber alle, denen es an Hoffnung und Vertrauen in die deutsche Zukunst fehlt, sollten dabei doch bedenken, daß gerade die Feinde, die Deutschland sicherlich nichts Gutes wünschen und ihm kaum die Hand zum Wieder- ausstieg bieten werden, daß gerade sie, durch die Vergangenheit belehrt, davon durchdrungen sind, daß Deutschland schneller, als die Welt vielleicht erwartet, aus seiner Tiefe sich erheben wird.

ES ist unzweifelhaft, daß in den Taaen v.ae* dem Kriege viel gesündigt, Vie! experimentiert uns viel vernichtet worden ist, was-des Erhal­tens wen gewesen wäre, und datz wir heute alles andere als ideale Zustände in Deutschland aufzuweisen hätten. Dennoch soll und darf man nicht verkennen, datz sich bei uns doch man­cherlei gebessert hat. Man muß zunächst von vornherein auf den Vergleich mit senen Zei. len vor dem Kriege verzichten, denn dazwischen liegt eine weltgeschichtliche Tragödie, die keinem Volk zuvor in solcher Härte widerfahren ist. Aber erinnern soll man sich an die karge Nach­kriegszeit mit ihren ewigen Unruhen. Das Strciksieber hat nachgelassen, und die Ar­beitslust ist wieder gestiegen. Die öffent­liche Ordnung bewegt sich wieder in straffe­ren Bahnen, und selbst die trübe Flutwelle der sittlichen Verwahrlosung ist im Abflauen be­griffen. Die Industrie, die fast völlig auf den Kriegsbedarf eingestellt war, hat den Um- Wandlungsprozeß überraschend schnell ringe- schlagen. Und wenn noch mancherlei erheblich« Schwierigkeiten zu überwinden sind, so ist das durch Verhältnisse bedingt Über die zu gebie­ten ims eben die Macht fehlt.

Was uns aber am nächsten liegt, das ist der stetig sich vollziehende Abbau der leidigen Zwangswirtschaft, die einst als Ideal gepriesen und heute von keinem Menschen zu­rückgesehnt wird. Man wollte den Lebeusmittel- handel und die Kleidervcrsorgung durchaus kommunalisieren und erkannte das Fiasko nicht, das die ersten Versuche dieser Art hinterlassen hatten So ließ man endlich, der besseren Ein- stchr folgend, die Zügel locker, und mit über­raschender Schnelligkeit stellten sich die lange Jahre hindurch schmerzlich vermißten »Gegen­stände des täglichen Bedarfs* wieder ein. Ent­sinnt man sich noch jener problematischen Eier­karten, aus die es niemals Eier gab, der Fleisch­ersatzversorgung und der Einheitswurst? Des oftmals kaum genießbaren Kriegsbrotes und der übrigen schönen Erscheinungen, wie Anstehen, Schleichhandel, Schisbertmn mit den notwendig­sten Lebensmitteln? Der Kriogsstoffe und der fragwürdigen Schuhbesoblung usw.? Der freie Handel hat den bösen Geist des Schleichens und gewohnheitsmäßigen Betrügens mit seiner schlimmsten Folge, der sittlichen Verwilderung, vertrieben imb hat die Verkaufsstellen wieder mit allen Waren angefüllt, die man Z» einem leidlich erträglichen Dasein nötig hat. Es wäre besser um daS Reich bestellt, wenn die offi­zielle Volkswirtschaft die gleiche Initiative, dm gleichen Scharfsinn und Weitblick entwickelt hat, te. wie die vielgefckmächte Privatwirtschaft, de­ren langsames Aufblühen außerdem dem Staate wieder ein ganzes Heer kräftiger Steuerzahler zugeführr hat.

Die Mängel der Zwangswirtschaft hat am deutlichsten die Freigabe der Milch- und B u t- rerbewirtschaftung bewiesen. Man staunt, woher mit einem Mal die Butter kommt. Und der gewöhnliche Sterbliche ist nach langer Entbehrung wieder in die Lage versetzt, ohne Angst vor den Armen der Polizei ein Gläschen Milch zu trinken Di« Preise allerdings sind mie es zu erwarten war in dieser ersten Zeit des Ueberganges noch reichlich hoch bemessen, aber immerhin doch niedriger, als jene Schleich- bandelsforderungen, die leider ohne ein Wort des Widerspruchs bezahlt worden sind. Aber sie

werden fallen, wenn die Konsumenten sich dar­an gewöhnen, nicht jeden Preis zu bewilligen, sondern zu warten, bis das Angebot seine Preisbemessung nach der Nachfrage regelt. Ist auch noch vieles zu verbessern und zu erneuern, und bleibt bis auf weiteres noch mancher Wunsch unerfüllt, fo darf man doch die Frage: Geht es vorwärts?" mit einem hoffnungsvol­len: .Ja!" beantworten. 8.

Von der Oftgrenze.

Kein Ende der polnische« Umtriebe.

(Privat-Telegramm.)

Danzig, 7. Juni.

Nach hier vorliegenden Meldungen aus Graudenz und Thorn fanden dort am Sonntag polnischeAusschreitungen ge­gen Deutsche statt. Auf dem früheren Kaiser« Wilhelrnsplatz in Graudenz wurden Männer, die deutsch sprachen, von Polen angegriffen und miss­handelt. Die Tumulte dauerten bis z»m Abend. Die deutschen Gaststätten und Hotels mussten schliessen. I« Thorn begannen die Zusammen- stosse vor der Synagoge. Aus BreSlau wird gemeldet, dass in Oberschlesien die Polen ihre Angriffe fortsetzen und zwar wieder mit Unterstützung eines Panzerzuges. Amalienhof, Neudorf und Pruska« wurden mit zwanzig Schutz Rrtiverir belegt. Dann griffen die In­surgenten mit starken Kräften die Deutschen an. Um Amalienhof wurde im Handgemenge ge­kämpft bis es von den Feinden geräumt war.

Aus Oderschleflen.

Um die Entwaffnung und Entschädigung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 7. Juni.

DerMotin" meldet den Eingang eines neuen englischen Antrages, die Ent­scheidung über Oberschiesten sosort nach der durchgcsührten Entwafsnungsaktion der Insurgenten zu fällen. Das Blatt meldet writzee die Unterstützung des Antrages durch die Italiener, sodatz nunmehr voraussichtlich bjs Ende Juni sowohl die Entwaffnung wie die Entscheidung über Oberschlesien durchgeführt fein wirb. In einer Unterredung mit dem deutschen Konsul Höfer erklärte der Komman- beut der englischen Streitkräfte in Oberschlesien, General Henniker, datz sowohl der deutsche Selbstschutz als auch die polnißchen Insurgenten ihren Boirnorsch und ihre Angriffe einstellen mützten. Sollten die Polen weiterhin angreisen, würden englische Truppen eingesetzt werden.

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Trostlose Lage der Industrie.

BreSlau, 7. Juni. (Privat-Telegramm.) Die Kreuzzcituüg meldet: Die Lage der ober« schlesischen Industrie ist trostlos. Die überfüllten Halden machen eine Förderung in größerem Umfange unmöglich. Es ist wegen des Rohstoffmangels in den nächsten Tagen mit Stillegung vieler Hüttenwerke zu rechnen. Die Plünderungen in den Städten dauern oil In Rosenberg wurden die Geschäfte aus- geraubt. In Beitthen sind fast alle Geschäfte geschlossen. In Pletz ist die bisherige französische Besatzung eingcrückt und man befürchtet eine neue Besetzung der Stadt durch die Aufrührer. In Königshütte wird Kontrolle und Durchsu­chung beim Betreten und Verlassen der Stadt jetzt bedeutend schärfer gehandhabt.

*

Lloyd Georges Umfall.

Varis, 7. Juni. (Eigene Trahtmekhung.) Rach einem Bericht desJournal" ist die e n g - lischt Diplomatie erbittert über den Sieg der französischen Aufsaflung, daß Lloyd George bezüglich der nächsten Sitzung des obersten Rates nachgegeben hat.

Arbeit für die Entente.

Ablieferung und Kontrolle.

(Eigen- Drahimeldung.)

Paris, 7. Juni.

Die Reparationskommission hat den Alliierten neue Vorschläge unterbreitet, die die weiteren Ablieferungen seitens Deutschlands betreffen. Die Reparcttionskvmrmfsion schlägt unter anderem auch die dauernde Ablieferung von je fünf im Jahre airf deutschen Werften zu bauenden Handelsschiffen in Verrechnung vor und wünscht die Aufnahme von entsprechenden Ver­handlungen mit der deutschen Regierung. Die Garanttekosmmfsion zur Kontrolle der deutschen Leistungen wird ihren Sih in Parts erhalten, um außerhalb der Atmosphäre deutscher Ein­flüsse zu sein. Ihre Mitglieder werden sich immer, wenn es nötig wird, nach Berlin be­

geben. In der Hauptstadt des deutschen Reiches wird ein mit Vollmachten versehenes Jnfor- mationsbureau unterhalten. Die erste Reis« nach Berlin wird in kurzer Zeit stattsinLen.

Bayerns Entwaffnung.

Die Ablieferung erfolgt bereits.

(Privat-Telegramm.)

München, 7. Juni.

Die Entwaffnung ist in ganz Bayern bereits im vollen Zuge. Allein in München sind gestern etwa sechshundert Maschinengewehre zur Ab­lieferung gelangt. Zwanzig grosse, von der Reichölrenhandgesellschaft errichtete Sammel- lagcr sind über das ganze Land verteilt und ein großer Transportapparat ist in Bewegung gesetzt worden, um die Waffen aus allen Orten so rasch wie möglich dem nächsten Sammettager zuzuleiten, die unter schärfste polizeiliche Bewa­chung gestellt sind. Die Auflösung der Einwohnerwehren wird erfolgen, sobald die Entwaffnung bei den einzelnen Organisa­tionen beendet ist. Der bayrische Entwass- nungkkommissar wendet sich in einem Aufruf an die bayrische Einwohnerwehr, die Waffen unter Einhaltung der gegebenen Fristen voll­ständig ablicfern zu wollen.

Die Sozialdemokraten.

München, 7. Juni. (Privat - Telegramm.) Eine von allen Orten befchickte Bezirkskonserenz der bäurischen Sozialdemokratie nahm eine Ent­schließung an, in der die Regierung von Kahr für die Androhung von Gewalttnaßnahmen sei­tens der Entente verantwortlich ge­macht wird, da sie der Entente durch ihr Ver- halten in der Entwaffnungsfrage den Vorwand geliefert habe. Es wurde vorbehaltloses Zu­sammenarbeiten der bayrischen mit der Reichsregierung gefordert.

Holzhäuser für Frankreich.

Die Franzosen verschleppe« den Aufbau.

(Pribat-Telegramm.i

Berlin, 7. Juni.

Aus gut unterrichteter Quelle erfährt der Lo­kalanzeiger, daß die bisher veröffentlichten Mel­dungen über den Stand der Verhandlungen br- treffenb Lieferung von fünfundzwanzigtausrnd Holzhäusern in der angegebenen Form nicht zutreffen. Heber die technischen Einzelheiten ist zwar eine Einigung erzielt worvkn. Auch dürf­ten sich die deutschen und die französischen Sach­verständigen über den Preis einigen. Dagegen kann keine Rede davon sein, datz Frankreich so­fort 1500 oder gar 3000 Häuser bestellt. Es kom­men für den Anfang höchstens etwa vier­zig Häuser in Frage. Im günstigsten Falle wird Limcheur, der gegen grotze Widerstände zu kämpfen hat. fünfhundert Häuser in Auftrag ge­ben und weitere Bestellungen je nach dem Stand der Aufträge der Interessenten machen. Mittwoch wird eine Schlußverhandlung über die Preise stattfinden. Dann wird sich eine französische Kommission nach Deutschland begeben, um die Holzfabriken und verschiedene Holzarten zu be­sichtigen. Es wird damit gerechnet, daß in den ersten sechs biö acht Monaten im ganzen viel­leicht fünfzehnhundert Häuser bestellt werden.

Ein mffrfcher Kongreß.

Wiederaufbau und Monarchismus

(Eigener Drahtbericht.)

Bad Reichenhall, 7. Juni.

Der russische Kongreß in Bad Reichenhall zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands hat mit einer Erklärung seinen Abschluß gefunden. Der Kongreß kam zu dem Ergebnis, datz der W i e« deranfbau Rutzlands ohne die Rückkehr zu den geistigen Wurzeln der Vergangen­heit und ohne die Wiederherstellung der Mo­na r ch i e umnöMch ist. Ohne die Wiederherstel­lung der rnssischrn Monarchie könne es in Ost­europa feine wirtschaftliche Wiedergeburt geben, ober ohne die Lösung dieser weltwirtschoftlichen Aufgabe sei auch die völlige Genesung der Welt undrnkbor. Deshalb werde die russische Monar. chic als Bedingung dos Glcickfgewichl der inter­nationalen Kräfte und dnS allgemeine FriedenS- werk erst vollkommen acstaltcu.

Der Kasseler Etat.

Vermögen, Schulden und Voranschlag.

Die gestrig« Sitzung der Stabtverorbnetcn-Vei fammlung stand einzig und allein im Zeichen des HanahaltS der Siadt Kassel. Hebet den Verlauf d:eser widrigsten Sitzung obwohl es sich nur um Formsache hanbel« beriete unser ROl.-MUarveiter bas Bemerkenswerteste

Nach wochenlangen Verhandlungen und Er- örterungen und Erwägungen im stillen .Käm- mcrricii" kam gestern nachmittag das, was all­jährlich einmal kommt: Die öffentliche Bera­tung des Haushaltsplans der Stadt Kassel. Einen wunderschönen Tag hatte man sich ausgesucht. Tie Sonne lachte in den Saal, Die Stadtvcrordnetinnen hatten vorwiegend Helle Blusen an, die einzige Stadträttn brachte den Duft weißer und glutroter Rosen mit, selbst auf den Tribünen gab es viele weiße Sommerklei­der. ... Ta ging oftmals der Blick voller Ssbn- sucht hinaus inS Freie, über die Dächer Der Königsstraße hinweg zu dem stahlblauen Him­mel, dieweil am Ohr Millionenziffern vorüber­wirbelten Es wurde ja förmlich mit Millio­nen jongliert. Nach vier Stunden, ausgefullt mit viel Reden, vor allem über das Wohnungs­amt, an dem manches ausgesetzt Wurde, das aber auch viel Lob fand, besonders sein Letter, Stadtrat Sautter und damit auch der Boden- reformcr, kam das Endergebnis so, wie es in dem beivußten Kämmerlein abgemacht worden war und in holdem Frieden, in süßest Ein­tracht wurde Ja und Amen zu dem Rahmen ge­sagt, in dem sich dieses Verwaltungsjahr der Stadt Kassel bewegen soll. Voraussetzung ist wohl, daß nichts dazwischenkommt ...!

* * *

Oberbürgermeister Scheiöemann machte den Anfang. Er sprach über alle Positi­onen des Etats und gab bamit den vorgeschrie- 6211011 Bericht über den Stand der Gemeindean- gelegenhcitcn. Das Manuskript der Rede um­faßt 21 Seilen in Schreibmaschinenschrift. Wen» das Reich, fo sagte er, nicht bald in anderer Weise dem Recht der Gemeinden entspricht, dann werden diese in den allgemeinen Elendftrudel mit hincingerissen, Vie letzten Reste unserer staatlichen Lebenskraft verfallen der Zerstörung und ... was soll dann aus der Zuftinst des Reiches werden? Rund 31400000 Mark Steuereinkommen hätten wir vom Reich bekom­men müssen ... erhalten haben wir nur 12300000 Mark! Bet der Schuldenlast des Reiches ist es nahezu unerheblich, ob es ein paar Milliarden Schulden mehr oder weniger hat! Aber, so trö­stete das Stabtoberhaupt, wir wollen und wer­den den Mut nicht sinken lassen und der eine Say verdient sestgchalten zu werden: Soweit das unter den heutigen Verhältnissen gesagt werden kann, sind unsere städtischen Fi­nanzen in Ordnung s Noch einiges aus der Oberbürgermeister-Rede. Im Laus« von rund fünf Jahren hat die Stadt Kassel für rund 300 Millionen Mark Lebensmittel eingekauft, die sie den Einwohnern in der vor- geschriebcnen Weise zuzufirihren hatte. Da Vie Stadt bei diesen Hnternshmungen nicht wirt­schaften konnte, wie ein privater Kaufmann, der die Konjunktur ausnutzt, sondern auf höhere Veranlassung zu handeln hatte, brachte die Zwangsbcwirtschastung erhebliche Verluste mit sich. An Hülsen flüchten, die alle Stähle im Frühjahr 1919 auf dringende Hinweise eiiikausen mußten, um die Ernährung der Be­völkerung für alle Fälle nach Möglichkeit sicher zu stellen, büßte die Stadt infolge eiugettete- N0N Preissturzes und infolge der Möglichkeit, andere Lebensmittel wieder beschaffen zu kön­nen. rund 7pr Millionen Mark ein. (Hier und da vernahm man ein Seufzen.) Unsere Stadt ge­hört zu den Gemeinden, die dabei noch relativ gut abgeschnitten haben Frankfurt hat an einem einzigen Reisaeschäft rund 20 Millionen Mark verloren. Mit dem Abbau der Zwangswirt­schaft konnte die Verringerung der unständigen Hilfskräfte Hand in Hand gehen. Es wurden beschäftigt am 1. April 1920 insgesamt 843 und am 1. April 1921 insgesamt 502 unftänbtae Hilfskräfte. Es sind alfo entlassen 281 gleich 33 Prozent Der Stadtei »kauf wird in Kurie feine Geschäfte abgewickelt haben und dann in der Hauptsache nur noch fiir die Verteilung von Zucker bestehen bleiben. Zur Sicherstellung der Milchversorgunq der Kinder und Kranken nach der am 1. Juni eingetretenen Aenderung in der Milchbewirttchastunq werden Lieferungs- Verträge zwifchen der städtifchen Milchzentral« und den Landwirten abgeschlossen. Heber das Kohlen« mt ist zu saaen. daß von den amt­lichen Zenttalstellen in Berlin kein Zweifel bar« über gelassen worden ist. baß an eine Auf­hebung der Rationierung der Koh­len nicht gedacht werden kann. Dem

Wohnungsamt

sind zur Zeit bis wichtigsten und zugleich peliv lichsten Aufsaben der Kemeindeverwaltuna vor-