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11. Jahrgang

Freitag, 10. Juni 1921

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 128

Fernsprecher 951 und 952

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Kasseler Abendzeitung <

Meter Neueste Nachnchteu

Hessische Abendzeitung

Frankreich und die deutsche Zndustrie.

wb seine letzte Rettnngs» fonnener und ersprießlicher

um sein Tasein ringt 1

Möglichkeit fleht in Wf« . _ ____________

Arbeit bet' Volksvertretung' Wird hier nicht un­verzüglich nach dem Rechten gesehen, vereinigen

sich die Parteien jetzt nicht endlich zu Maßnah­men der Selbstzucht, dann ist in den kritischsten Schicksalsstunden unseres Vaterlandes die Ak­tionsfähigkeit des Parlaments der äußersten Gefahr ausgesetzt. Versagt dabei der Reichs­tag, dann muß die deutsche Nation an ihrer Ver­nunft verzweifeln.

Die Augen des ganzen Auslandes sind mit gespanntester Aufmerksamkeit gerichtet auf die Reichstagsberatungen. Können wir es jetzt vor­der Geschichte verantworten, wenn wir durch eigene.Schuld uns dem schweren Vorwurf aus­setzen, daß der große Moment nur ein klei­nes Geschlecht fand? Parteipolitische Ge­gensätze auSschalten, daran denkt niemand, dem nicht utopische Anwandlungen die Sinne ver­wirrten. Aber diese Gegensätze lassen sich doch mit Ernst und Sachlichkeit austragen, so wie es der Würde und Bedeutung des Deutschen Reichstags als der höchsten Körperschaft des Reichs entsprecht. Gerade jetzt sollten die Bera­tungen und Verhandlungen des Reichstages vor­bildlich wirken für alle Tagungen und Versamm­lungen im Reich. Die Abwicklung der Reichs- tagsgefchäfte sollte allenthalben als Muster dafür gelten, was nach Form und Recht alsparla­mentarisch anzusprcchen ist. Dazit tragen ober wahrlich Lärmszenen und mit beleidigenden Beschimpfungen gespukte Zwischenrufe, denen ge­genüber Ordnungsrufe des Präsidenten wir­kungslos abprallen, nicht bei. Der Ton der Straße und mancher BoMversammlungen aus aufgeregtesten Wahlzeiten sollte verbannt bleiben von der Schwelle des Parlaments.

Form und Inhalt würdiger Parlamentsver­handlungen dürfen von niemandem verletzt wer­den. weder in den Reden, noch im sonstigen Ge­baren: das ist Ehrenpflicht für jeden gewissen- hasten Volksvertreter, vor allem für den Neu­ling, der sich als ungelernter Parlamentsarbei­ter erst allmählich durch gründliche Schulung einarbeiten kann. Ist es wirklich auf die Duner noch zu ertragen, wenn heute im Lande aus un­gehörige Bemerkungen die satirische Rüge er­folgt: .Drücken Sie sich nicht so parlamentarisch

parlamentarisches.

Der gute To«.

Von Reichsminister a- D- Dr. Hans Bell, Vizepräsident des Deutschen Reichstages. Wer nach langjähriger Parlamentstäti gleit nn Reich und in Preußen durch seine Beruss- pslichten in die Lage versetzt wurde, seit Reichs- umbtldung die Vorgänge im Deutschen Reichs­tag bald wm Regieruugstische aus als Regie- runasmitglied, bald als Abgeordneter abwech­selnd vom Präsidentenstuhle und aus der Arena zu beobachten, dem wird bei einem Vergleich mit der parlamentarischen Vergangenheit und bei einem historisch-kritischen Rückblick und Ausblick des Lebens ungemischte Freude nicht zu­teil. Wollte man freilich die Machtsphäre für ausschlaggebend erachten, dann würde bei einem Vergleich mit früheren parlamentarischen Rechten und Zuständigkeiten der heutige Deutsche Reichstag glänzend dastehen. Seitdem nämlich das Deutsche Reich in die Form der Republik gegossen und das parlamentarische System in der neuen deutschen Reichsverfassuntz fesigelegt wurde, liegt das Vollgewicht politischer Zustän­digkeit und der Schwerpunft des öffentlichen Le­bens im Deutschen Reichstag. Ob aber mit Er­weiterung seiner Machtbefugnisse auch sein An­sehen und seine Würde entsprechend gewach- sen sind, ist eine andere Frage, die selbst der nach­sichtigste Beurteiler und schonenoste Kritiker schwerlich mit einem unumwundenen Ja beant­worten wird.

Gerechtigkeit erfordert die Anerkennung, daß es auch in den letzten Jahren, in Weimar wie in Berlin, manchen sogenanntengroßen Tag" gegeben hat, der den Deutschen Reichstag auf per Höhe zeigte. Würdige Beratungen, getragen vom Verantwortungsgefühl der Volksvertretung einer in Rot und Tod verbundenen Schicksals- gemeiinschast, und vaterländische Entschließungen wirkten in solchen Stunden furchtbaren Ernstes nicht nur herzerhebend und willenstärkend auf unser armes, der Verzweiflung nahegebrachtes Volk sondern machten auch einen unverkennbaren Eindruck auf das gesamte Ausland. Leider stan­den aber die Parlamemstagungen nicht immer unter solchen guten Zeichen. Besonders in den letzten Monaten spielten sich dort Dinge ab. die geradezu beschämend waren. S k a u-- dalszenen, denen gegenüber die Geschäfts­ordnung sich als ohnmächtig erwies, rückten die Besorgnis in greifbare Nähe, daß das Parla­ment fein eigener Totengräber werde, wenn nicht schleunigst wirksame Abhilfe erfolge. Selbst dem tatkräftigsten Präsidenten sind durch die geltende Geschäftsordnung gegenüber solcher Sabotierung die Hände gebunden. Und das zu einer Zeig wo das zu Boden geschmetterte deutsche Volk

aus!" Alle Parteien, denen tS ernstlich darum zu tun ist, dem deutschen Reicksparlament blei ihm gebührende Stellung zu sichern, sollten dar­aus die unabweisbaren Folgen herleiten und mit starker Entschlossenheit für würdige, dem Ernst der Zeit entsprechende Reichstagsverhand- lungen zusmnmenwirken. Wie foll der Wie­deraufbau uniftres darniederliegenden Va­terlandes, die wirtschaftliche und finanzielle Ge­sundung, die sittliche und nationale Wieder­geburt unseres Landes und Volkes in die Wege geleitet werden, Wenn die Volks-Vertretung als Wegbereiter versagt. Vier Fehler sind es vornehmlich, an denen unsere heutige Parla­mentsgebarung krankt und bereit Ausmerzung daher an erster Stelle geboten erseheint: zu aus­gedehnte Tagungen, zu lange Reden, zu wenig Selbstzucht, zu wenig Regie. Der Reichstag darf nicht, von kurzen Ferien abgesehen, das ganze Jahr hindurch tagen. Sonst züchtet man ledig­lich Berufsparlamentarier und verscheucht Män­ner des praktischen Lebens, auf deren bewährten Rat und erfahrene Mitwirkung Wir gerade jetzt am wentgsteu verzichten können. Und dann die Qual endloser Reden, bereit Güte keines­wegs immer der Dauer entspricht! Eine Re­form tut not Das deutsche Volk verlangt vom Reichstag T a t e Id!

Französisches Kapital.

Beteiligung an deutschen Fabriken.

lGigener Trahtbericht.s

Metz, 9. Juni.

Auf einer hier letzter Tage stattgehabten Kon­ferenz von stanzösischen Bankdirektoren und Jn- duftrielleit wurde über eine weitere Beteiligung französischen Kapitals an der Indu­strie des besetzten Rheinlands beraten. Wie der Direktor einer Pariser Handelsbank mittetl- te. fei der Wunsch nach einer erhöhten Beteili­gung von den stanzösischen in Betracht kommen­den Ministerien in letzter Zeit wiederholt betont worden. Die Regierung habe zwar keine Mit- trl zur Verfügung stellen wollen, fei aber bereit, die Pläne anderweitig zu unterstützen. Der Di­rektor verlas bann eine Liste derjenigen Arti­kel, die für Frankreich in Betracht kommen und hauptsächlich im Rheinland fabriziert werden. Das stanzösische Kapital wird dann auf eine Reihe Fabriken aufmerksam gemacht, wo die Be­teiligung erwünscht ist. Darunter befinden sich fast nur chemische Fabriken. Rach Schluß der Versammlung begaben sich die mei- stcn Teilnehmer nach Frankfurt und Köln.

Stotierfei Maß.

Begünstigung der polnischen Aufrührer.

(Eigener Trahtbericht.)

Paris, 9. Juni.

Ein Offizier im stanzösischen Generalstab in Beuthen erklärte, man habe die Polen sich in Beuthen etablieren lassen, um ihnen den Weg von Rosenberg über die Grenze freizugeben. Ein französischer Korrespondent berichtet: Die In­surgenten erhalten alles, was sie brauchen, aus Polen und zwar mit Erlaubnis der französischen Behörden. Die Deutschen hätten die polnischen Banden schon längst zum Lande hinausgejagt, wenn sie genügend Munition hatten. Ueberall wird die Tatsache bemerkt, daß die Franzo­sen sich zwischen Polen und Engländer stellen. Der Korrespondent hat am 3. Juni in Dübendorf gesehen, wie eine stanzösische Kom pagnie sich zwischen Engländer und Polen postierte. Er erklärt weiter, daß Züge mit pol­nischen Bewaffneten am Montag den Bahnhof Beuthen passierten und daß General Le Rand alles unterfcksteibt, was Korfanty vorschlägt.

Gegen den deutschen Selbstschutz.

L o n d o n, 9. Juni. (Eigene Drcchtmekdung.) Im gestrigen Ministerrat unter Vorsitz Lloyd Georges wurde bereits über die von dem deut­schen Botschafter Sthamer überreichte Rote bera­te« und beschlossen, die Wiederherstellung der Ordnung in Oderschlesien durch Schaffung einer von den alliierten Truppen zu besetzende« neu­tralen Zone zu beschleunigen. Der deutsche Selbstschutz werde von den Alliierten ab- gelehnt. Deutschland habe die Verantwortung, dafür zu übernehmen, daß der Selbstschutz nitÄ auS seiner augenblicklichen Zurückhaltung ber*

ausgehe, im anderen Falle die Auslösung des Selbstschutzes notwendig würde.

Für Oberschlesien.

Kundgebung in der Frankfurter Universität.

(Privat-Telegramm.i

Frankfurt a. M., 9. Juni.

In einer in der Aula veranstalteten Kund­gebung der Universität Frankfurt für Oderschle­sien wurde einstimmig folgende Entschlie­ßung angenommen: Die versammelten Pro­fessoren und Studierenden der Universität Frankfurt protestieren einmütig gegen die Ver­gewaltigung Oberschlefiens durch Polen und er­warten von der Reichsregierung, daß sie sich nackfdrücklich dafür einsetzt, daß das durch das Ergebnis der Volksabstimmung, sowie durch die geschichtlichen Leistungen und die wirtschaftliche Unzertrennlichkeit geschaffene Recht Deutsch­lands aus Oberschlesien in der Welt anerkannt und jedem fremden Eingriff entzogen wird.

*

Hilferuf der Frauenvereine.

Kattowitz, 9. Juni (Privattelegramm.) Die Arbeitsgemeinschaft der Frauenvereine der Stadt Kattowitz wendet sich in tiefster Not und Sorge um die Säuglinge, Kinder und Kran­ken der Stadt an die deutschen Sckstvestern im Reiche mit der inständigen Bitte, Sorge zu tragen für baldmöglichste Hilfe aus dem schweren Elend. Der Aufruf schließt: Wkr appellieren an das Gewissen der Welt, uns nicht länger völker­rechtswidrigem Terror preiszicheben.

Ungenügender Schutz.

Die Mißst»nde in Oberschlesien.

(Privat-Telcgramm.)

Oberglogau, 9. Juni.

Generalmajor Höfer, der Führer des deut­schen Selbstschutzes in Oberschlesien, empfing einige Pressevertreter. Der General bedauerte diezögerndenMatznahmender Eniente- truppcn, die viel zu langsam vorgingen. Seiner Ansicht nach müßten alle verfügbaren Kräfte tn das Industriegebiet geworfen werden, um die deutschen Städte zu befreien und das Industrie­gebiet vor den polnischen Verwüstungen z« schützen. Mit den Engländern und Italienern besteht eilte gewisse Fühlung insofern, als mi­litärische Befehle wechselseitig bekannt gegeben werden. Wie ungenügend wirksam die Maß­nahmen der Alliierten sind, geht aus folgendem Zwischenfall hervor: Die Stadt Ratibor wurde durch polnische Artillerie beschossen. Ein energi­scher Hilferuf bei den Engländern wurde damit beantwortet, daß der englische Oberbefehlshaber dort nicht zuständig sei. General Höfer nimmt nach den Erklärungen der Interalliierten an, daß die Alliierten z« schwach sind und gegebe­nenfalls auf die Unterstützung des Selbst­schutzes zurückgreifen müssen. Er gab sein Wort, daß keine Gefahr der Reaktion besteht und er­wähnte die vorzügliche Disziplin seiner Truppen.

Frankreichs Vläne.

ein SpirituSmonopol im Rheinland.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 9. Juni.

Es verlautet auS zuständiger Quelle: Der Reichsregierung sind die Pläne Frankreichs auf die Errichtung eines Spiritusmono- p o l s in den Rheinianden bekannt. Im Auswär­tigen Amt wie im Reichsfinanzministerium und Reichswirtfchaftsministerium bilden die A b - wehrmatznahmen den Gegenstand ein­gehender Beratungen. Es erscheint aber höchste Zeit, daß die Regierung ihr Schweigen bricht und zu den Dingen, die sich im Rheinland »örteret« len, Stellung nimmt, ehe es zu spät ist.

Verzögerung des Ausbaus.

Paris, 9. Ftmi. (Eigener Drcchtbericht.) Der Temps meldet, daß das LSiederausbaumint- fteriuet erneut die Frage der Beschäftigung deutscherArbeitet im Wiederaufbaugebiet vertagt habe. Maßgebend hierfür seien die Einsprüche der betreffenden sranzösischen Arbei­terverbände. Auch in der Frage der Lieferung von deutschen Holzhäuse»n Hobe doS W>c- deraufbanministerium besäst offen, zunächst nur 500 biS 1900 in Deutschland zu bestelle«.

Ferienkinder.

Die Wohltat für die Bedürftigen.

In d«n Grotzftäbt.n, auch tn Raffet, toe»b«t toUbcx bte Transporte organisiert, di« di« de- diixstigen Kinder im Sommer auf* Land bringen sollen, um sich in frischer Luft |U trSsligen. In Berlin sind feit turzer Seit Transporte tut Sange. Wir erhalten darüber folgenden Bericht

Berlin, 8. Juni.

Auf dem Bahnsteig drängen sich tue Reisen­den mit ihren Koffern und Handtaschen zum Zuge, der sie aus dem Gewühl der großen Stadt in die Herrlichkeit des blühenden Landes führen fall. Die Abteile der großen D-Zug- WaggonS sind in der Haupsache schon besetzt, und der nervöse Reisende durchwandert dir lange Wagenkette von Anfang bis zu Ende, um noch einen ihm günstig erscheinenden Platz aus- findig zu machen. Schon stauen sich, wie in der Kriegszeit, in den Gängen, wo der Aufenthalt den Reisenden bahnamtlich verboten ist, die sckstvitzenden Menschen mit ihrem Gepäck, und die Schaffner haben Mühe, Ordnung in das Lhaos zu bringen und tue Reisenden durch fachgemäße Belehrung davon $u überzeugen, daß für jede« noch ein Plätzchen da ist, ohne daß er sich ftn Ge­dränge imd int Gefecht erregter Worte erst fein Recht ettÄmpfen mutz. Aber immerhin, bequem ist das Reifen nicht, denn trotz aller TariferHöh- ungen und sonstigen Steigerung der Preise für die einst fo WoOfeilen Genüsse der Ferienzeit ist der Andrang W den Zügen schon jetzt, noch lange vor dem Beginn der offiziellen Reisezeit, so groß, daß unser spärlicher Fahrplan zur Be­wältigung des Verkehrs nicht ausreicht. In einem Waggon geht es besonders lebhaft zu, fo ungefähr. Wie in der Schule, ehe der Lehrer die Stätte feiner Wirksamkeit betreten hat. Es sind .Ferienlinder-, die diesen Wagen für sich in Anspruch genommen hüben, der sie dem lang­ersehnten und so dringend notwendigen

Landaufenthalt auf mehrere Wochen

entgegen führen soll. Blasse Kindergesichter drängen sich an die Waqenfeuster, Vor denen die Mütter her kleinen Reifeschar stehen und ihren Lievlingen die letzten guten Lehren mit auf den Weg geben. Manchem Kinde, das bisher nie das Elternhaus verlassen hatte, rollen die Trä­nen des TrennungsweheS Wer die bleichen Wan- gen. Aber die Schulschkvester munter# die Klei­nen wieder auf und die Heiterkeit und Girton» ttrngsfteude der Netteren, die bereits tat Vor- »ahre das Glück einer solchen Ferien fahrt erleb­ten und mit gewichtigen Worten ihre Erlebnisse wieder mtftr armen, verscheucht gar bald die trübe Abschie-bSftrmnntttg. Mit Kisten und Kar­tons bepackt zogen die Kinder zur Bahn, roch die Spuren vergangener schwerer Tag« auf Ben Wangen. Viele sind ärmlich gekleidet, und die Mütter faßen noch bis zum letzten Tage emsig bei der Arbeit, um Kleidung und Wüsche in Ord­nung zu bringen. Wer andererseits War es ihnen doch eine große Beruhigung, daß den not» leidenden Kindern eine Wohltat, zuteil Wirb, bie sie ihnen aus eigenen Mitteln nie hätten verschaffen können. Gerade beit Großstaotkin- bern von bett Aermsten bis Weit in den Mit- tetftanb hinauf fehlt Lust und Sonne, Bewe­gung im Freien, Blutauffrischung durch bessere Nahrung, mit einem Worte alles das. was ge­rade in der Jugend zu einer gesunden und kräftigen Eniwicklung unbedingt nötig ist. Na­türlich ist es immer nur eine verhältnismäßig kleine Schar, die sich dieser segensreichen Ein­richtung erfreuen kann. Es ist deshalb auch Vor­sorge getroffen Warten, daß

die Bedürftigsten in allererster Linie

berücksichtigt Werten. Sind die unruhigen Tage vor der großen Reife verstrichen, fo gilt es den Abschied von der Mutier «och zu Wer- winden. Die Düren der Waggons stiegen krachend zu Die Ubr zeigt schon die Wbfahris» zeit als noch in fliegender Haft einige Reifende herbeigestürzt kommen. Dann hübt der Bahn« beamte mit der roten Mütze feine Scheibe, ein Signal, das in feiner trockenen Dienstserttgkeit für viel Menschen so etwas wie Schicksal ist. Der 8ug bewegt sich. Noch ein letztes Grützen und

finken, noch ein paar Tränen, und bann ein TücherschWenken, bis ber Zug aus ber Halle ge­rollt unb in der sonnigen Ferne entschwunden ist. Mit einer gewissen Beftemmung gehen die Mütter heimwärts, wie es immer ist, Wenn man vom-Bahnhos geht: denn den besten der Rat­schläge hat man gewöhnlich vergessen. Aber drinnen tat rollenden Wagen ist auch der letzte .Hauch von Trennungsweh verschwunden. Schon Hingt ein fröhlliches Lied, und alle singen mit. Dann Werden die mütterlichen Stullen ausge­packt, Wahrend der Zug durch Wälder und Auen kahinrollt, dem Ferienland entgegen. Wo die »Pflegerlieru" bereits das Stadtkind erWar« ten unb ihm ein leckeres Willkommen bieten. Wer solche Kinderfahrten sieht unb weiß, welch ein Glück unb eine Wohltat sie bedeuten, der tpird mit Freuden dieses wahrhaft soziale Werk imterMYeu und fördern und alle« Lenen