Mckr Neueste NachMm
11. Jahrgang
Dienstag, 19. Still 1921
Nummer 161
Fernsprecher 951 »nd 952
Fernsprecher 951 und 952
gnferttontprette-.. e) tttahetintfdie Auftrage: Die etnfpalttg« Anzetg«n-geile M. L20, bi« «tnfpattige R«Ilam-,«Ue $L 3.-. b) «uärodttige Aufträge: Di« dnfpafttg« «njetgensette M. 1.50, bi« «tnfpatttg« R«Nam«,eilt M. 8.60, alles einschlietzlich Teuerungszuschlag Mlb Anreigensimer. Für Anzeigni mir befottberä schwierigem Satz huuberr Prozent Aufschlag Für bte Skichligfeit aller durch Fernsprecher aufgegtbentn Anzeigen, sowie für Ausnahme, baten nnb Platze kann eine Gewähr nicht übernommen werben. — Druckerei: Schlacht- Hofstraß« 28/30. SeschLftSsttll«! «Llntsche Straß, 5. Telephon Nummer 951 und 952.
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? Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung <
Ser Reichskanzler droht mit Mkttritt.
DrückenSeZahlungen.
Eteuergefahr der ReParationsSonS.
Me mitgeteilt wurde, hat die Kriegslasten- kommisston dem Reparationsausschutz gemäß dem Artikel 2 a des Wiedergutmachungsplanes Schuldverschreibungen in Höhe von zwölf Milliarden Goldmark übergeben, für die auf Verlangen des Inhaber- oder des Repara- tionsausschusses im Umtausch mit Zinsscheinen ausgestattete Teilschuldverschreibungen vom gleichen Gesamtnennwert abzüglich etwa schon getilgter Beträge ansgegeben werden sollen. Es handelt sich hierbei um die Serie a der im Artikel 2 vorgesehenen Schuldverschreibungen, die bis zum 1. Juli ds. Js. auszustellen waren. Bis zum 1. November 1921 hat die Serie b in Höhe von 38 Milliarden Goldmark zu folgen, wahrend für die Serie c in Höhe von 82 Milliarden die Ausgabetermine noch von der Kommission bestimmt werden sollen.
Jnbezug aus diese Reparationsbons ist nun im Zahlungsplan die Bestimmung getroffen worden, daß sie »von allen deutschen Steuern und Lasten jeder Art jetzt oder in Zukunft frei sein sollen/ ES handelt sich hierbei um eine rücksichtslos in die Finanzhoheit des deutschen Reiches eingreifende und für unser Steuersystem zweifellos verhängnisvolle Matz- nahmc. Nach dem Wortlaut der Bestimmung kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese auszugebenden Bons webet der Kapitalertragsteuer, noch der Einkommensteuer, der angekündigten .Veredelung" des Reichsnotopsers, der Zuwachssteuer, der ErbschastS- und Schen- kungssteuer unterliegen sollen. Wie sehr dadurch die Steuerpläne der Regierung beeinflußt werden, wird klar, wenn man bedentt, daß von dem Steuersoll, das der Reichskanzler auf etwa achtzig Milliarden Papiermark veranschlagt hat, ungefähr die Hälfte auf die direkten Steuern kommen soll. In welcher Höhe Die Reparationsbons zur Ausgabe gelangen, bezw vom Markt auf genommen werden, läßt ftch natürlich noch gar nicht übersehen; auf Me Fälle mutz aber damit gerechnet werden, datz auf diese Weise dem Steuerfiskus grotze Einnahmen entgehen, auf die bei der Veranschlagung gerechnet worden ist. Für die etwa vom Ausland aufgenommenen Bons käme freilich nur der Fortfall der Kapitalertragsteuer in Betracht, während die im Inland untergebrachtcn Bons sich den sämtlichen erwähnten Steuern entziehen würden. Nun könnte man ja annehmen, datz Hierdurch manches bisher zurückgehaltene Kapital, vor Mem die gehamsterten Noten, zur Zeichnung der Bons benutzt werden dürften, was sehr erfreulich wäre. Bei dem Hauptteil der im Inland aufgenommenen Bons wird es sich aber natürlich um Kapital handeln, das bisher der Besteuerung unterlag, sodaß sich also hieraus ein noch gar nicht abzuschützender, zweifellos aber sehr erheblicher Ausfall für die ’RekWafi'e ergeben würde.
Zu dieser fiir die ohnehin kaum zu erreichende Bilanzierung des Etats möglicherweise verhängnisvolle Wirkung würden sich aber noch' andere" schwerwiegende Folgen des Reparations- bon-Systems gesellen. Zunächst würde es fiir das Reich und die Staaten in Zukunft sehr schwer sein, Anleihen zu minder günstigen Bedingungen, also olme Zusicherung der Steuerfreiheit, aufzulegen. Weiter mutz damit gerechnet werden, daß diese Roparations- bons den Effektenmartt in schlimmster Weise beeinflussen, da leicht ein Maflenangebot vor allem von öffentlichen Schuldverschreibungen, aber auch von sonstigen festverzinslichen Werten ein- treten könnte, um die bevorzugten Bons zu erwerben. Tas müßte aber wiederum eine Senkung des allgemeinen Kursniveaus zur Folge haben, wobei noch ununtersncht bleiben soll, in* wieweit der Zug vt den R-par^-
tionsbons den sonstigen 'Sffektenmark beeinflussen könnte. Es sei nur auf die Gefahr hingewiesen, datz zwecks Erwerbs von Reparationsbons deutscher Aktienbesitz abgesto- tzen würde, der infolge der Ueberschwemmung mit jenen Bons auf dem inländischen Markt keine Ausnahme fände und so die schon jetzt festzustellende Uebersremduna des detttschen Aktienwesens in bedrohlicher Weise verstärken Prüßte.
Es muß an die Reichsregieruna die Frage gerichtet werden, ob diese zu befürchtenden Folaen der Steuerfreiheit der Reparationsbons bei ihrem Finanzvrogramm in Rechnung gestellt, oder ob vielleicht Schritte unternommen bezw. oeplant sind, um diese verhängnisvolle Bestimmung des Londoner Dittats rückqängtg zu machen, durch die, worauf unsere alliierten Gläubiger hinzuweisen wären, das deutsche Fi- nanriystem in seinem Gefüge bedroht und somit die Reparation, der doch bte Reparations- bons dienen sollen, geradezu sabotiert würde Da Dr. Wirth diesen bedeutsamen Punkt der Finanzfrage überhaupt nicht berührt har, wird es Sache de- Reichstages sein, AuWärunai
hierüber zu verlangen. Tenn es handelt sich dabei, um einen für die Erörterung der gesamten FinanzMtion hochbedeutsamen PurÄt, der unter Umständen die Bemessung des Verhältnisses der direkten zu den indlrekten Steuern entscheidend beeinflussen könnte. »k.
Die Regierung in Rot.
Innen- »nd aussenpolitische Schwierigkeiten. lPrivat-Telegr anrm.)
Berlin, 16. Juli.
Nach der „Chicago-Tribüne" hat Reichskanzler Dr. W i r t h vor einigen Tagen dem engli. scheu Botschafter in Berlin erklärt, datz, wenn die Lösung der oberschlesischen Frage nicht günstig für Deutschland ausfSllt und wenn die „Sanktionen" im Rheinlande beibehakten würden, er die Lage als »» schwierig ansehe, um an der Spitze der deutschen Regierung zu bleiben. Den Unterga ng Deutschlands wolle er nicht mitmachen. — In der Sozia» lisierungssrage ist eS nach zuverlässigen parlamentarischen Informationen zu einem Vorstoß der MehrhettSsozialisten im Reichskabinett gekommen. Die mehrheitssozialistischen Reichsminister verlangen bindende Zusicherungen hinsichtlich einer endlichen Erledigung der seit der Revolutton verlangten Sozialisierungsmaßnahmen des Reiches.
Am Oberschlefien.
Die Verzögerung der Entscheidung.
(Eigene Drohnneldung.)
Paris, 18. Juli.
Briands ablehnende Haltung gegen- über dem englischen Vorschläge, den Obersten Rat wegen Oberschlesien aus den 24. Juli zusammenzurufen, kommt selbst gut informierten französischen Streifen überraschend. Was die französische Regierung zu dem unerwarteten Umfall bewogen hat, darüber sind zurzeit nur Vermutungen möFich. Es ist die Vermutung gestattet, datz man in Frankreich, wo bereit- gelegentlich des Besuchs von Lord Curzon die Möglichkeit eineS englisch-französischen Kuhhandels um Oberschlesien und den nahen Osten lebhaft erörtert wurde, zunächst einmal abtvar» ten will, wie sich die Tinge tm Orient entwi» fein. Mit Sicherheit läßt sich aus dem Versuch BriandS, sich abermals um die Entscheidung zu drücken, nur das eine folgern, datz die Informationen, die er über die Haltuna Englands erhallen hat, für die von Frankreich angefirebte propolnische Lösung wenig günstig sein muß.
Schadenersatz-Ansprache.
Berlin, 18. Juli. (Privattelegramm.) Die vorläufige Aufstellung der Schäden des oberschlesischen Aufstandes durch die Reichsregierung ist am Sonnabend an die Alliierten abgegan- ßcn. Der Bericht soll mit Beschleunigung durch Vermittlung der Interalliierten Kommission den Alliierten Kabinetten zugehen. Er schließt mit einer Schadenersatzziffer ab von zweiund- einviertel Milliarden Mark.
*
Englands und Italiens Zurückhaltung.
Berlin. 18. Juli. (Privattelegraurm.) Wie verlautet, hat bisher noch kein Vertreter der anderen alliierten Mackste sich dem Schritte des französischen Botschafters in der oberschlesischen Grenzfrage angesckllossen.
England und Irland.
Langwierige Verhandlungen.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 18. Juli.
Die Verhandlungen zwischen Lloyd George und de Valera gehen Wetter, wenn sie auch über den Sonntag ausgesetzt haben. Man glaubt, datz die Besprechungen schon in den nächsten Tagen, und zwar wahrscheinlich am Mittwoch, zum Abschluß kommen werden, denn es handelt fich nur um Vorverhandlungen. De Valera wird mit den Bedingungen, unter denen die englische Regierung bereit ist, mit den Nationalisten über ihre Ansprüche zu verhandeln, nach Irland zn- rückkehren. Man darf in den Erwartungen über die geaenwLrttge« persönlichen Besprechungen
nicht zu Wett gehen. De Valera hat fich darüber beklagt, datz die Presse ihm gewisse Vorschläge unterstellt hat, die einer Kompromitzlösung glei- ck/cn. Er habe nichts derartiges getan. Alles, was er verlangen konnte, fei, daß man dem irischen Volke das Selbstbestimmnngs- recht zuerkennt. Aus dieser Erklärung ist ersichtlich, in welchem Stadium sich die Verhandlungen bewegen und eS geht auch ferner daraus hervor, datz die eigentlichen Verhandlungen noch recht langwierig werden können.
Die Leipziger Irozeffe.
tkrankreich will selbst abnrteilen.
«Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 18. Juli.
Dem „Echo de Paris" zufolge richtete Briand eine N o t e an Deutschland, die die A n e r k e n. n un g der Leipziger Urteile für Frankreich verweigert und die Uebernahmc der KriegSbeschul- diytenprozesse, soweit sie von Frankreich ver- langt, werden, durch die französische Justiz offen ankündigt. — Der „Temps" meldet: Frankreich hat auch ein zweites Ersuchen an die Ententemächte gerichtet, in Verhandlungen einzutreten über die Aburteilung der weiteren denffchen Kriegsbeschädigten, rote sie auf den Auslieferungslisten verzeichnet seien. Dem „Temps" zufoge sollen die Vorschläge der Alliierten baldigst nach Paris geschickt werden. Die zweite belgische Liste ist bereits fertiggestellt.
Um vie deutsche Gegenliste.
Berlin, 18. Juli. (Privattelegramm.) Von rechtsstehender parlamentarischer Seite sind in den letzten Tagen neue Schritte bei der Reichsregierung unternommen worden,'ob in Anbetracht des Standes der Leipziger Kriegsseschul- digten-Prozesse die deutsche Gegenliste der feindlichen KriegSvcrbrechen veröffentticht und den feindlichen Regierungen zur Strafeiu- leitung übermittelt werden. Die Besprechung mit den zuständigen ReichSstellen haben noch zu keiner Zusage der Reichsvogierung nach dieser Richtung hin geführt.
«
Verurteilungen in Frankreich.
Paris, 18. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Das Kriegsgericht in Lille hat mehrere deutsche Offiziere verurteilt, darunter auch den Oberst von Troschke und Hauptmann Hoen, ersterer wegen angeblichen Diebstahls von Juwelen, letzteren wegen angeblichen Diebstahls antiker Möbel. Beide wurden zu je fünf Jahren Gefängnis verurteilt, vier Unteroffiziere erhielten je zwei Jahre Gefängnis,
Handel mit Amerika.
Vertrag für Banmwollankäufe.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 18. Juli.
Der Vertreter des Pariser „Rewyork Herald" erfährt ans Berlin, daß zwischen Baumwoll- Händlern in Bremen und amerikanischen Ausfuhrgeschäften ein Kreditvertrag für eine Million Dollar Baumwolle abgeschlossen worden sei. Es handelt sich dabei um einen ersten Schritt, ein außerordentliches Baumwollkreditsystem herbeizuführen, durch tmS die Bamnwoll- zentrale in Europa von England nach Amerika verlegt wird. Bis jetzt hatten englische Banken den deutschen Firmen ausgiebige Kredite gemährt. Die meisten Banken seien auch heute wieder dazu bereit, allein der schwankende Kurs der Mark sei so stark, daß die denffchen Käufer von den in Bremen liegenden Vorräten nur geringe Quantitäten kaufen und bar bezahlen. Der amerikanische Schatzminister Burleton stellte dann einen Kreditplan auf mit einer Gewinnverteilung zwischen amerikanischen Händlern und deutschen Fabrikanten. Der deutsche Käufer erhält dreißig Tage bis sechs Monate Zah- lungsstist und soll dort kaufen können, wo der amerikanische Markt am günstigsten ist. Datz jetzt abgeschlossene Geschäft kommt als Typus für künftige Verträge in Betracht. Die Darmstädter Bank, die durch ihre Vermittlung das ^schäft finanzieren wird, bat nur Mark oder Dollar zu zahlen. Tiefe Bestimmung ist auf die großen Dollarankäufe der denffchen Regierung zuriickzu- führen. die eine Stockung am Devisenmärkte tu der letzten Lett zufolge hatten-
Die Metzger-Zunft.
500 Jahre Kasseler Metzger-Gilde.
ein seltenes »anbwer-s.Jnbiliinm beging gestern bi« Kasseler Fleilcherinnnng: Di« Feier be» brr Kasseler MetzgergUbe vor fünf, hunbert Jahren verliehenen Sunfttetbt«. Feierliche Stimmung beherrscht den Saal de« Hackerbräu, durch den der Lorbeer düstet, der seitwärts und auf der kleinen Bühne grünt. Girlomden schlingen sich um die Säulen. Von einem Lorbeerhain umgeben sind die Schätze der Kasseler Fleischer-Innung: Die Urkunde, durch die am 18. IM 1421 Landgraf Ludwig Zu sen den Kasseler Metzgern die Zunftrechte verlieh, eine zweite, mit der Landgraf Moritz 1514 die Bestätigung gab. Mamentlich die Moritzen- sche Urkunde ist so sauber und unverletzt, daß sie wie eine Nachbildung erscheint, aber .. . sachkundige Prüfung hat ergeben, datz es das Original ist. Da ist auch die 1816 .der loeblichen Metz- ger-Gilde" gestiftete Zunftlade. Ein Mer Mei- ster, der vorbeigeht, berichtet davon: Früher brauchte man keine Glocke. Wurde die Lade geöffnet, so hieß das ..Schnudde halten!" Auch eine von den Gesellen gestiftete alte Meistertafel ist da. Dazu kommen noch einige andere Erinnerungen. Obermeister Schnell erklärt später in seinem historischen Rückblick den Umstand, daß nicht mehr alte Zeichen und Gerät vorhanden sind damit: Während der Zeit des „Westsäli- schen Königreichs" hob Jerome die Innungen auf und zog deren Vermögen ein . . .1
An der Bühne HAt auch das Gildebanner als würdiger Mittelpuntt der von Würde getrage- neu Feier. Ein unsichtbares Orchester spirft Beethovens Hymne: .Die Himmel rühmen deS Ewigen Ehre. . .* Dann entbietet Obermeister Martin Kugler den Ehrengästen aller Art und den Behörden-Vertretern in erster Linie Gruß und Dank und die Gesangs-Mfteilung der Fleisckerinnnng krönt diese Rede in feiner Art und Durchführung mit dem alt-schönen .Gott grüße Dich . . .!' Die Festrede zu halten ist dem übertragen worden, der dazu in der besten Lage ist: Ehrenmttglied Karl Schn ell. Weit zurück greift er in bte Zeiten, au3 denen sich das Handwerk entwickelte, bis es sich zu Zünften zusammenschloß, von denen die der Bäcker und er Metzger zur Blütezeit — im 15. Jahrhundert — die wohlhabendsten waren. Er erinnerte daran, daß schon damals die Behörden die Preise sestsetzten und zur Höflichkeit gegenüber den Kunden mahnten, fordernd, datz Arm und Reich gleichmäßig gut behandelt wurden. Klagen gerade über das LebenSmittelge^ werbe hat es immer gegeben, manchmal berechtigt, meist aber übertrieben. Das mittelalter^ liche Zunftwesen war von dem sozialen Gedanken durchdrungen, die Interessen des Einzelnen im Interesse des großen Ganzen zu beschränken. So verhütete es das Uebergewicht deS Kapitals, und wenn es'ein Meister zu besonderem Wohlstand brachte, dann waren persönliche Tüchtigkeit und Ehrenwertiakeit ausschlaggebend.
Ein bewunderswürdiges Ehrgefühl vereint« sich mit gesundem Handwerkerstolz und erging zum Schutze bet Stadt der Waffenruf, bann bildeten sich um das Zunstbanner die Schlachthaufen der einzelnen Gilden; jeder Gilde war eine besondere Mauer strecke oder ein bestimmtet Turm zugeteilt. Genossenschaftlicher Gemeinsinn und kriegerischer Geist hoben das Selbstbewußl- fetn. Der Dreißigjährige Krieg vollendete den schon im 16. Jahrhundert einsetzenden Verfall des Zunftwesens. Hier in Kassel koynte c8 auch nicht mehr aufblühen, als der Kurfürst nach der Wiederkehr das Jerome'sche Zunftvorbot beseitigt batte und nach dem Aufgehen in Preußen, im Jahre 1867, hörte die Metzgergilde auf zu besteben. Letzter Zunftmeister war Karl Helwig in der Mittelgasse. (Sein Enkel wellt unter den heutigen Meistern.) Aber schon zehn Jahre später, 1877, wurde die jetzige Fleischtrinnung gegründet. Erster Obermeister war Hermann Köhler. Unter dem Schutze des Deutschen Fleischer-Verbandes ging es bergan. Töchter der Jnnmra wurden die Kasseler Schlachtvteb-Verfl- cherung und die Genossenschaft Ar Häute- und Fettverweriung. Die Bankabteilung hat sich zn einem bedeutenden Faktor aus-gewachsen. Die Festrede gedentt bann der alten Meister, die sich während des Krieges wieder ans Schlachte« machten und namentlich der Frauen, dir es verstanden, die Geschäfte wäbrenp des Krieges offen z» ballen. Jetzt flankieren junge Mädchen eine weiße mit Rosen gezierte Hülle, da«: Ju- nungsbanner senkt sich und ans dem Linnen schält fick eine künstlerisch aescknffene Ehrentafel Ar die gefallenen Meffter: Heinr. Dörr, August Henkel, Winrich Hartung. Friedrich Weber, Reinbold Pstrrr und Leopold Loeb. Feierlich stimmen die Sänger dazu an: „Ich batst einen Kameraden . . .!* Inzwischen ist noch Mett ster Anaersbgch an einem Feldruasleiden geston 1 beit. Auch seiner gedenkt der Festredner, ebenfi Iber gefallenen Meistevsöhne. Gesellen um» Lehr-