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Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang

Sonnabend, 23. Juli 1921

Fernsprecher 951 und 952

Nrrmnrer 165

Fernsprecher 951 und 952

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Meta Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Amerika als Vermittler für Sberschtesien?

Der Türkmkrteg.

Die Griechen in Kleinasien.

Die Siegesmeldungen der griechischen Trup- aen dauern unverändert fort, und wenn man ihnen Glauben schenken darf, so sind die Grie­chen bereits bis in das Herz Anatoliens vorge­drungen und bedrohen schon das Hauptguarner Kemal Paschas m Angora. Da die Türken sich so merkwürdig still verhalten, so liegt die Ver­mutung nahe, daß es den Griechen tatsächlich ge­lungen ist, beträchtliche Erfolge zu erringen, doch mutz man sich dabei immer vor Augen halten, daß ein Kampf in Kleinasien nicht mit den Maß­stäben gemessen werden darf, wie wir es vor noch nicht langer Zeit in Europa gewöhnt waren. An Hand der Karte läßt sich erkennen, daß sich die Griechen bereits am Rande der anatoli- schen Salzwüste befinden, wo ein weiteres Vordringen mit ungeheuren Schwierigkeiten ver- bimden ist. Daher kann man mit Sicherheit an­nehmen, daß ein Stillstand der griechischen Offensive in Kleinasien über kurz oder lang un­weigerlich eintreten muß. Es ergibt sich hier eine Parallele zu den Ereignissen in Rußland während der polnischen Offensive gegen Moskau, da her Weiße Adler bis ins Herz des ehemali­gen Zarenreiches vorgetragen worden war, und bald darauf ein katastrophaler Zusammenbruch der Polen folgte, der den Sowfetstern bis vor die Tore Warschaus führte. Auch in Kleinasien scheinen sich ähnliche Ereignisse vorzubereiten. Besonders kompliziert erscheint die Lage für die Griechen noch dadurch, daß nach einer Helsing- forser Quelle in Sowjetrußland eine allgemeine Mobilmachung «».geordnet worden ist. lieber den Zweck dieser Mobilisierung kursieren die verschiedensten Gerüchte, so daß mit Sicher­heit nicht festzustellen ist, worum es sich eigent­lich handelt. So soll die Mobilisierung ein Vor­gehen gegen den in Bildung begriffenen Bairi­schen Bund bedeuten. Rach einer anderen Dar­stellung handelt es sich jedoch um eine Unter­stützungsaktion mMtärischer Art zugunsten der in Bedrängnis geratenen Regierung in An- rora

Trotz vieler Differenzen zwischen Mustafa Kemal Pascha und Moskau ist es nicht abzustre»- ten, daß eine Verbindung zwischen den beiden Zentralen besteht Wenn nun größere SowjLl- verbände über die türkische Grenze nach Klein« Men einvücksn, so wird ein Halten der Griechen unmöglich, und ein Rückzug findet statt, der wi= aesgleichen in der Kriegsgeschichte nicht leicht sindet. Der Erfolg der Kouistantintruppen ist nur vorübergehend. Schließlich kommt noch die Haltung der Ententemächte hinzu, die in ihrer Stellungnahme zu den kriegerischen Ereig­nissen in Anatolien nichts weniger als einer Mei­nung sind. England, das die Griechen im Nor­den und die Araber im Süden unterstützt, Frank­reich, das den Türken in Kleinasien und den Na­tionalisten in Syrien teils freundschaftlich, teils spinnefeind gegenüber steht, diese beiden Groß­mächte können hier wenig ändern. Im Orient fielen sich eben hie Ereignisse unabhängig von den Vereinbarungen ab, die an den Grünen Tischen von London und Paris getroffen wer­den. Wenn man auch nicht den Propheten svic- Ten will, so kamt man doch ruhig behaupten, daß es den türkischen Nationalisten auf kirrz oder lang gelingen wird, ihr Ziel, das ist die Befreiung Kleinasiens von frem­den Eroberern, zu erreichen. Die Aufgabe er­scheint heute noch gewaltig und mit ungeheuren Schwierigkeiten verknüpft, aber schon die näch­sten Tage können hier Klärung schaffen und den Beweis erbringen, daß man nicht alle Völker durch Schamdverträge binden kann, daß es noch Menschen gibt, die die Kraft finden, sich cmfzu- lehnen gegen jedes fremde Joch, mit Händen und Füßen sich gegen Vergewaltigung zu sträuben, >nn schließlich ihre Freiheit zu erringen.

Wie auch immer s«h das Schicksal Mustafa Kemals gestalten wird, der Eindruck bleibt unverwischbar, daß es sich hier um einen ganzen Mann gehandelt hat, der alles für die Be­freiung seines Vaterlandes daransetzte. Die Türkei, im Kriege unser schwächster Bundes­genosse, hat den Versuch machen können, sich gegen den ihr aufgezwungenen Frieden von Sövres zu wehren, und dieser Versuch ist bisher immer twch erfolgreich gewesen. Bis zum Ende *ann sich noch viel ereignen, und wenn der grie­chische Ministerpräsident Gunaris vor der Kam­mer erklärte, daß nttr ein voller Sieg der Grie­chen den Frieden im Orient schaffen könnte, so wird wahrscheinlich noch allerlei Zeit vergehen. Unterdessen fitzt Mustafa Kemal in Angora und küßt die Dinge in Rübe an sich herankommen. Das von ihm beherrschte Gebiet umfaßt sechs Vilajets und hat eine Einwohnerzahl von etwa zehn Millionen Menschen. Schon daraus siebt man, daß es sich nm mehr als um ein bloßes Abenteuer handelt, und mit bloßen Abenteurern pflegt man auch nicht so zu v e r h a n d e l n, wie hie Entente es bi-sher mit dem Befreier der Tür­kei getan hat.

Italien hat so etwas wie einen förmlichen

Vertrag mit Mustafa Kemal abgeschlossen gegen wirtschaftliche Konzessionen hat die ita­lienische Regierung die Unterstützung der türki­schen Ansprüche in Thrazien und Smyrna ver­sprochen. In Paris verhandelt Bekir -Samir Bey mit Bmand; Lloyd George ist verschnupft, daß er nicht weiß, was Briand mit dem Ver­treter des Rtnstafa Kemal Pascha verhandelt. Der Oberkommandierende der Ententestreitkräste in Konstantinopel, ein Engländer, hat aber eben­falls mit Kemal Pascha Fühlung gesucht. Der Türkenbefreier aber verhandelt mit allen und verhandelt mit allen gegeneinander und versteht es, auf diese Weise seine Position sehr gut zu stärken. Er nimmt Hilfe, wo er sie be­kommt und ist nicht besonders wählerisch Ihn u.nterstützen die Offiziere der früheren Wrangel- Armee, ebenso wie die Bolschewisten ihn unter­stützen. Außerdem hat er Beziehungen mit Af­ghanistan anaeknüpft und hat auch zur Konsoli­dierung der Zustände in dem von ihm besetzten Gebiet getan, was er tun konnte. Es sieht also bisher ganz so aus, daß eine Einigung im Wege her Verhandlung immer noch mehr Möglichkeiten für sich hat. als die Fortsetzung der griechischen Offensive, selbst wenn sie weiterhin von Erfol­gen begleitet fein sollte. N. P. K.

Amerika als Vermittler? Vertreter der Presse beim Reichskanzler.

Eigener Drahiberickt.)

Berlin, 22. Juli.

Der deutsche Ministerrat hat zwei Sitzungen abgehatten. Nachdem in der ersten Satzung über dir Antwortnote an Frankreich beraten worden war, begann um vier Uhr eine RachnnttagSstt- rung. Diese wurde um fünf Uhr unterbrochen, um dem Reichskanzler Gelegenheit zu geben, die in die Wilhelmstraste geladenen Vertreter der amerikanischen Presse z« empfan- gen. Reichskanzler Dr. Wirth soll in dieser Konferenz vor den amerikanischen Vertretern in Gegenwart der. Minister Dr. Rosen itnb Ra thenau eine Rede gehalten haben, deren Wort­laut geheim gehalten werde. Der Berliner Be­richterstatter desPetit Parisien" glauot zu wissen, daß der Reichskanzler in dieser Rede den deutschen Standpunkt in der Frage des deutsch-amerikanischen Friedens, in der Frage der Zwangsmaßnahmen, sowie in der oberschle­sischen Frage auseinandergesetzt haben. Er soll unzweideutig auf eine Vermittlerrolle angespielt haben, die die amerikanische Regie- rtntn in der oberschlesischen Frage als weniger interessierte Macht übernehmen könnte.

Widersprechende Nachrichten.

London, 22. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Vermittlerrolle in der oberschlcsischen Frage ist gestern in Londoner Telegrammen von der amerikanischen Presse aufgeworfen worven. Die amerikanische Regierung soll sogar amtlich um diese Vermittlung angegangen wor­den sein. Es liegen nun zweierlei Nachrichten über die Frage dieser Vermittlung vor. Eine sranzöstsche Havasmeldung besagt, ein solches Ersuchen sei dem amerikanischen Außenamt nicht zugegangen. Dagegen berichtet die Pa­riser Ausgabe desNewyork Herold" aus Was- hingum, daß die oberschlesische Frage doch der amerikanischen Regierung unterbreitet worden sei. Das mnerikanische Außenamt habe aber er­klärt, Amerika beabsichtige nicht, gegenwärtig in die Angelegenheit verwickelt zu werden. Die Die Grenzfrage in Obcrschlesien sei eine rein eu­ropäische Angelegenheit, an der Amerika nicht interessiert fei, f»lange der Weltfriede nicht völ­lig hergestellt sei. Sobald ober dieser Friede vollkommen abgeschlossen sein werde, dürs­te Amerika ungesäumt handeln, mögli­cherweise sogar in dem Sinne, daß amerikanische Truvpen noch Oberschlesien geschickt werden, und zwar würde man diese amerikanischen Truppen dem Desatzuugshecr in Koblenz entnehmen.

Die Folgerungen.

Berlin, 22. Juli. (Privattelegramm.) Es fällt auf, daß die N.rchrichten verschweigen, von wel­cher Seite ein Vermittlungsersuchen ergangen ist. Die erste Meldung läßt es als möglich erscheinen, daß die deutsche Regie­rung um bisse Vermittlung ersucht habe, nach der zweien aber wäre es wahrscheinlich, daß entweder die französische oder die eng­lische Regierung das amtliche Ersuchen m Washington gestellt hat, denn es würde sich habet um eine Vermittlung zwischen Frankreich und England handeln, um die gegenwärtigen Mei­nungsverschiedenheiten zu beheben, da die eng­lisch-französischen Verhandlungen auf dem toten Punkt anaelaturi sind und ohne Hilfe von drit­

ter Seite nicht über diesen toten Punkt hinaus- kommen können. Nach der zweiten Meldung scheint eS auch, daß der amerikanischen Regierung die territoriale Frage in Oberschlesien wichtig ge­nug ist, um einzugretfen. Der amerikanische Vor­behalt bezieht sich nur auf bte formelle Frage, daß zuerst der Fnedenszustand zwischen Deutsch­land und Amerika hcraLstellt sein muß.

England und Frankreich.

Der Streit am Oberschlefieu.

' (Eigener Drohtbericht.)

Paris, 22 Juli.

Die französische Antwortnote ist gestern am späten Nachmittag von dem französischen Botschafter in L o n d o n im Auswärtigen Amte überreicht worden. Ter Wortlaut ist noch nicht bekannt, aber der in feinen Grundzügen bekann­te Inhalt wird von London aus bestätigt. Ter Londoner Berichterstatter desNewyork Hcrald" faßt den langen Inhalt wie folgt zusammen: Briand will die Konferenz Ende August abhalten, wogegen LttMb George schon Ende Juli über Oberschlesien beraten will. Die wirkliche Meinungsverschiedenheit liegt naiürlkch viel tiefer und das kommt darin zum Ausdruck, daß Paris und London in der Frage der Tru ppenverstärkung in Oberschlesien weit auseinander gehen. Tic Franzo­sen wollen deshalb die Entente-Garnisoneu in Oberfchlesie« verdoppeln, weil sie fast ganz Oberschlesien den Polen zuweifen wollen; die Engländer aber wollen auf diese Truppcnvcr- stärkungen in Obcrschlesien verzichten, weil sie mindestens den größten Teil Oberschlcsiens Deutschland belassen wollen.

Entscheidung oder Truppenverstarkung?

Paris, 22. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Franzosen befürchten, daß mit den gegen­wärtig sozusagen schwachen Ententctruppen in Oberschlesien der französische Plan zur Auftei­lung Obcrschlestens durchkreuzt werden könnte, lieber den von der englischen Regierung zu er­wartenden Bescheid auf die sranzösifche Ableh­nung liegen folgende Nachrichten vor: Erstens hat das Außenministerium dem französischen Botschafter erklärt, die englifche Regie­rung müsse ihren Standpunkt aufrecht erhalten, das heißt, daß die Grenzstage zu­erst entfchieden werden fall, und daß Truppen nach Oberschlesien mir dann geschickt werden, wenn es notwendig werden würde. Die zweite Nachricht besagt, daß der englische Vertreter in Oppeln gestern der englischen Regierung telegra­phiert hat, daß jedenfalls unbedingt in dem g e - geuwärtigen Zeitpunkt eine Entschei­dung über die oberschlesische Frage erfolgen müsse, gleichgültig, ob sofort neue^Truppc« ge­schickt werden müßten oder nicht.

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England verlangt sofortige Regelung.

L o n d o n, 22. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die englische Regierung mackst auf die Depefche der Kommission an die Botschasterkonferenz auf. merksam und betont, daß die Oppelner Telc- grcmme die Auffassung der englischen Regierung nicht geändert haben, im Gegenteil, der Wort­laut dieser Depeschen bestätige gerade den cng- ttfckcn Standpunkt von der dringenden Notwen­digkeit einer sofortigen Regelung der ober- schlesischen Frage durch die Ententekonferenz.

Trotz der Entente!

Rede des bayrischen MiuisterprSfideute«. iPrivctt-Telegramm.)

München, 22. Juli.

Auf dem Kommers der Landshuter Burschen­schafter hielt der bayerische Ministerpräsident von Kahr eine Rede, in der unter anderem sagtet 9em Parlament, keine Partei, keine Verfassung und kein Gesetz kann Deutschland helfen, wenn ihm Führer fehlen. Die November-Revo­lution war und bleibt ein Verbrechen. Mit ihr haben wir das Schwerste erlebt. DaS Kai­sertum war die Sehnsucht unserer Väter. In sei­ner jetzigen ungeheuren Not müssen wir unser Vaterland erst recht lieben mit dem ganzen Trotze des deutschen Mannes. Die Gefal­lenen solle» uns Vorbild und Mahnung sein und unser Bauernland wollen wir hoch halten als selbständigen, in seiner Eigenart seit Jahr­hunderten bewährten Staat." Hier wurde der Ministerpräsident von solch stürmisch brausendem Beifall unterbrochen, daß er viele Minuten nicht weitersprcchcn konnte. Zum Schluß rief der Mi­nisterpräsident aus:Es lebe unser deutsches Vaterland, und unser Bayernland blühe und gedeihe trotz der Euteute."

Äm besetzten Gebiet. FranzSfische Eingriffe in deutsches Recht.

Der nachstehende «nfsah eebrtnatwled.r «Ine» BeweiS.datz dieSranzose« i« beseht^,»-»iet mit deuttchen Äommuniften in Derbindnng stehen, lieber einen geradezu skandalösen Eingriff der französischen Bcsatzungsbehorde in die deutsche Rechtspflege Wird uns aus dem neu be­setzten Gebiet Mitteilung gemacht: Air den Ostern tagen unternahmen gegen fünfhundert Kom­munisten aus Hochdahl und Erkrath (tm Brückenkopf Düsseldorf) einen Putsch gegen Dlettmann (nicht besetztes Gebiet), Wo von ihnen das Rathaus besetzt, die Reichsbank um erhebliche Beträge beraubt, Gefange­ne aus hem Amtsgericht freigelaffen und die Polizei entwaffnet wurde. Ferner sind von der Bande durch Anwendung von Waffengewalt und Drohung Gegenstände vsn erheblichem Werte in Mettmannregistriert" und nahmhafte Schädigungen von Mett­manner Burgern verursacht worden. Das ganze Unternehmen der Kommunisten charakterisiertr sich als ein bewaffneter Aufruhr und Raubzug. Ms der Putsch durch das Eiu- greifen der Schutzpolizei niedergeschlagen war, beantragte her 8anbrat des Kreises Düsseldorf beim französischen Kreisbelogierten hie Geneh­migung zum Erlaß eines Haftbefehls gegen sech­zehn Teilüehmer, barunter bte Rädelsführer, den bei Sliei «delegierte, nachdem er die Beschul- bigten persönlich vernommen hatte, auch erteilte Daraufhin würben

zwölf Kommunisten verhaftet

n. ber Staatsanwaltschaft übergeben, der sie zu­gegeben hatten, sich bewaffnet an hen Unruhen in der Mettmanner Gegend, namentlich auch au her Beraubung ber Reichsbank beteiligt zu ha­ben. Der Kreishclegierte hatte verlangt, über hen Verlauf des Gerichtsverfahrens unb über bas Urteil unterrichtet zn werben, und betont, baß nur weaen gemeiner unb nicht wegen poli­tischer Vergehen Verfolgung zulässig sei. Wei­terhin hatte er zur Bedingung gemacht, daß hie gegen hie Verhafteten verhängten Strafen tm besetzten Gebiet verbüßt werden müßten. Bevor nun das Verfahren gegen die Verhafteten vom deutschen Gericht burchgesühvt werden konnte, hatte ber kommandierende General des Brücken­kopfes Düsseldorf, Hennocque, biefer Tage plötzlich hie erteilte Genehmigung zur Strafverfolgung ber Kommunisten toiberru­fen unb verlangt, baß die Inhaftierten unver­züglich

ht Freiheit gefetzt würben.

Er begvünbet biesen unverständlichen Schritt mit hem Hinweise harauf, daß die Genehmigung nur zur Verfolgung gemeiner Verbrechen erteilt und ohne Wissen der ftanzösischen militärffchen Behörde auf politische Anklage ausgedehnt wor­ben sei. Dem kommanbierenben General war hie Freilassung ber Kommunisten so dringlich, baß er nickt einmal hie Erteilung des Freilas­sung^ befehl« durch bett bafür zuständigen Gen« ralstaatsanwalt abwartete, sonbern einen Gene­ral nack hem Derendorser Gefängnis, wo die Kommunisten untergebracht waren, schickte, um die Enthaftung persönlich zu bewerk- stelligen. Es liegt klar auf der Haub, daß bei dem Mettmanner Kommunifienputsch von einem rein politischen keine Rebe sein kann, sondern baß cS sick um gemeine Verbrechen aller, schtoerster Art handelt, hie unter politischem Deckmantel verübt worden stnb. Man geht Wohl nicht fehl, wenn man annimmt, baß her kom­mandierende General den Vorstellungen he#, Rechtsanwalts Wolf in Düfselborf, bes Vertei- bigers ber Verhafteten, her hen Kommunisten sehr nahe steht, sein Ohr geliehen hat. Die fran­zösische Besatzungsbehörde fällt also auf Betrei­ben eines kommunistischen Anwalts her deut­schen Justiz ht den Arm, Wenn diese sich an­schickt, Schwerverbrecher zur Rechenschaft zu zie­hen. Wohl gemerft handelt eS sick habet um Verbrecher, bie auch ben scharfen Bestimmungen ber französischen Besatzungsbehörbe in krassester Weise zuwibergehanbelt haben, ha bie Verhafte­ten, aus dem besetzten GM et stammende Kom­munisten. bei ihrem Putsch zugegebenermaßen mit Militär, unb Maschinengewehren ausgerü­stet waren. Wir stehen also hier vor einer ge­radezu unerhörten

Begünstigung der Kommunisten durch bie französische BesatzungKbehSrde, waF zu unübersehbaren Folgen führen kann unb sich­ren muß. Denn es rst doch ganz zweifellos, baß bie Kommunisten angefichts biefer entge­genkommenden Haltung ber Besatzungsbehörbeu ihnen gegenüber frischen Mut für ähnlich« Ak- tionen wie ben Mettmanner Osterpuisch schöpfen unb wenn e8 demnächst im besetzten Gebiet jn neuen kommunistischen Gewalttaten kommen sollte, so fiele den Besatzungsbehörbeu nicht ZS- letzt bie Schuld dafür zu. Der Grund für die Seamtitiouna der Kommunisten ist bas Bubtet