Kasseler Abendzeitung
11. Jahrgang
Sonnabend, 23. Juli 1921
Fernsprecher 951 und 952
Nrrmnrer 165
Fernsprecher 951 und 952
Dte Safi der Weuefte* Nachrichten erscheinen w-ch-nUtch sechsmal und jrrx>r a b e» d r. Der BbonnementLpretr betragt monatlich 5.50 Mark bet freier Zustellung in« Hau«, «u«. wärt« durch die Poft bezöge» 5.80 Mart monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen werden iederz-ir von der EeschLfUftelle »der den Boten entgegengenomm«. Druckerei, «erlag und RedaMon . Schlachthofstrabe M/A>. Für unverlangt dngefanbU «etträge tmm bte Redaktion eine Verantwortung oder @ernähr in keinem Falle übernehmen. Ruchzahlung de« BezugSgelde« oder Ansprüche wegen etwaigerntchtordnungSmäbiger Ltekerung auLgeschloffen.
Inserttonipreise-. a) »tuhetmische Aufträge! Dte einspaltige »nzetgen.Zetle W. 1.10. die einspaltige Reklamezeile $L 8,-. b) «utwärttge Aufträge; Die einspaltige Anzeigenzeile M. 1.50, die einspaltige Reklamezelle M. MO, alle« einschließlich ^^^rungSzuschlag und An,eigenfteuer. Für Anzeigen mtt besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegebenen Antigen, sowie für Aufnah>ne. baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. — DruckerR: Schlacht- h«,strotze 18/30. Geschäftsstelle: «ölnische Straße 5. Telephon Rümmer »51 >md »52.
Meta Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Amerika als Vermittler für Sberschtesien?
Der Türkmkrteg.
Die Griechen in Kleinasien.
Die Siegesmeldungen der griechischen Trup- aen dauern unverändert fort, und wenn man ihnen Glauben schenken darf, so sind die Griechen bereits bis in das Herz Anatoliens vorgedrungen und bedrohen schon das Hauptguarner Kemal Paschas m Angora. Da die Türken sich so merkwürdig still verhalten, so liegt die Vermutung nahe, daß es den Griechen tatsächlich gelungen ist, beträchtliche Erfolge zu erringen, doch mutz man sich dabei immer vor Augen halten, daß ein Kampf in Kleinasien nicht mit den Maßstäben gemessen werden darf, wie wir es vor noch nicht langer Zeit in Europa gewöhnt waren. An Hand der Karte läßt sich erkennen, daß sich die Griechen bereits am Rande der anatoli- schen Salzwüste befinden, wo ein weiteres Vordringen mit ungeheuren Schwierigkeiten ver- bimden ist. Daher kann man mit Sicherheit annehmen, daß ein Stillstand der griechischen Offensive in Kleinasien über kurz oder lang unweigerlich eintreten muß. Es ergibt sich hier eine Parallele zu den Ereignissen in Rußland während der polnischen Offensive gegen Moskau, da her Weiße Adler bis ins Herz des ehemaligen Zarenreiches vorgetragen worden war, und bald darauf ein katastrophaler Zusammenbruch der Polen folgte, der den Sowfetstern bis vor die Tore Warschaus führte. Auch in Kleinasien scheinen sich ähnliche Ereignisse vorzubereiten. Besonders kompliziert erscheint die Lage für die Griechen noch dadurch, daß nach einer Helsing- forser Quelle in Sowjetrußland eine allgemeine Mobilmachung «».geordnet worden ist. lieber den Zweck dieser Mobilisierung kursieren die verschiedensten Gerüchte, so daß mit Sicherheit nicht festzustellen ist, worum es sich eigentlich handelt. So soll die Mobilisierung ein Vorgehen gegen den in Bildung begriffenen Bairischen Bund bedeuten. Rach einer anderen Darstellung handelt es sich jedoch um eine Unterstützungsaktion mMtärischer Art zugunsten der in Bedrängnis geratenen Regierung in An- rora
Trotz vieler Differenzen zwischen Mustafa Kemal Pascha und Moskau ist es nicht abzustre»- ten, daß eine Verbindung zwischen den beiden Zentralen besteht Wenn nun größere SowjLl- verbände über die türkische Grenze nach Klein« Men einvücksn, so wird ein Halten der Griechen unmöglich, und ein Rückzug findet statt, der wi= aesgleichen in der Kriegsgeschichte nicht leicht sindet. Der Erfolg der Kouistantintruppen ist nur vorübergehend. Schließlich kommt noch die Haltung der Ententemächte hinzu, die in ihrer Stellungnahme zu den kriegerischen Ereignissen in Anatolien nichts weniger als einer Meinung sind. England, das die Griechen im Norden und die Araber im Süden unterstützt, Frankreich, das den Türken in Kleinasien und den Nationalisten in Syrien teils freundschaftlich, teils spinnefeind gegenüber steht, diese beiden Großmächte können hier wenig ändern. Im Orient fielen sich eben hie Ereignisse unabhängig von den Vereinbarungen ab, die an den Grünen Tischen von London und Paris getroffen werden. Wenn man auch nicht den Propheten svic- Ten will, so kamt man doch ruhig behaupten, daß es den türkischen Nationalisten auf kirrz oder lang gelingen wird, ihr Ziel, das ist die Befreiung Kleinasiens von fremden Eroberern, zu erreichen. Die Aufgabe erscheint heute noch gewaltig und mit ungeheuren Schwierigkeiten verknüpft, aber schon die nächsten Tage können hier Klärung schaffen und den Beweis erbringen, daß man nicht alle Völker durch Schamdverträge binden kann, daß es noch Menschen gibt, die die Kraft finden, sich cmfzu- lehnen gegen jedes fremde Joch, mit Händen und Füßen sich gegen Vergewaltigung zu sträuben, >nn schließlich ihre Freiheit zu erringen.
Wie auch immer s«h das Schicksal Mustafa Kemals gestalten wird, der Eindruck bleibt unverwischbar, daß es sich hier um einen ganzen Mann gehandelt hat, der alles für die Befreiung seines Vaterlandes daransetzte. Die Türkei, im Kriege unser schwächster Bundesgenosse, hat den Versuch machen können, sich gegen den ihr aufgezwungenen Frieden von Sövres zu wehren, und dieser Versuch ist bisher immer twch erfolgreich gewesen. Bis zum Ende *ann sich noch viel ereignen, und wenn der griechische Ministerpräsident Gunaris vor der Kammer erklärte, daß nttr ein voller Sieg der Griechen den Frieden im Orient schaffen könnte, so wird wahrscheinlich noch allerlei Zeit vergehen. Unterdessen fitzt Mustafa Kemal in Angora und küßt die Dinge in Rübe an sich herankommen. Das von ihm beherrschte Gebiet umfaßt sechs Vilajets und hat eine Einwohnerzahl von etwa zehn Millionen Menschen. Schon daraus siebt man, daß es sich nm mehr als um ein bloßes Abenteuer handelt, und mit bloßen Abenteurern pflegt man auch nicht so zu v e r h a n d e l n, wie hie Entente es bi-sher mit dem Befreier der Türkei getan hat.
Italien hat so etwas wie einen förmlichen
Vertrag mit Mustafa Kemal abgeschlossen gegen wirtschaftliche Konzessionen hat die italienische Regierung die Unterstützung der türkischen Ansprüche in Thrazien und Smyrna versprochen. In Paris verhandelt Bekir -Samir Bey mit Bmand; Lloyd George ist verschnupft, daß er nicht weiß, was Briand mit dem Vertreter des Rtnstafa Kemal Pascha verhandelt. Der Oberkommandierende der Ententestreitkräste in Konstantinopel, ein Engländer, hat aber ebenfalls mit Kemal Pascha Fühlung gesucht. Der Türkenbefreier aber verhandelt mit allen und verhandelt mit allen gegeneinander und versteht es, auf diese Weise seine Position sehr gut zu stärken. Er nimmt Hilfe, wo er sie bekommt und ist nicht besonders wählerisch Ihn u.nterstützen die Offiziere der früheren Wrangel- Armee, ebenso wie die Bolschewisten ihn unterstützen. Außerdem hat er Beziehungen mit Afghanistan anaeknüpft und hat auch zur Konsolidierung der Zustände in dem von ihm besetzten Gebiet getan, was er tun konnte. Es sieht also bisher ganz so aus, daß eine Einigung im Wege her Verhandlung immer noch mehr Möglichkeiten für sich hat. als die Fortsetzung der griechischen Offensive, selbst wenn sie weiterhin von Erfolgen begleitet fein sollte. N. P. K.
Amerika als Vermittler? Vertreter der Presse beim Reichskanzler.
Eigener Drahiberickt.)
Berlin, 22. Juli.
Der deutsche Ministerrat hat zwei Sitzungen abgehatten. Nachdem in der ersten Satzung über dir Antwortnote an Frankreich beraten worden war, begann um vier Uhr eine RachnnttagSstt- rung. Diese wurde um fünf Uhr unterbrochen, um dem Reichskanzler Gelegenheit zu geben, die in die Wilhelmstraste geladenen Vertreter der amerikanischen Presse z« empfan- gen. Reichskanzler Dr. Wirth soll in dieser Konferenz vor den amerikanischen Vertretern in Gegenwart der. Minister Dr. Rosen itnb Ra thenau eine Rede gehalten haben, deren Wortlaut geheim gehalten werde. Der Berliner Berichterstatter des „Petit Parisien" glauot zu wissen, daß der Reichskanzler in dieser Rede den deutschen Standpunkt in der Frage des deutsch-amerikanischen Friedens, in der Frage der Zwangsmaßnahmen, sowie in der oberschlesischen Frage auseinandergesetzt haben. Er soll unzweideutig auf eine Vermittlerrolle angespielt haben, die die amerikanische Regie- rtntn in der oberschlesischen Frage als weniger interessierte Macht übernehmen könnte.
Widersprechende Nachrichten.
London, 22. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Vermittlerrolle in der oberschlcsischen Frage ist gestern in Londoner Telegrammen von der amerikanischen Presse aufgeworfen worven. Die amerikanische Regierung soll sogar amtlich um diese Vermittlung angegangen worden sein. Es liegen nun zweierlei Nachrichten über die Frage dieser Vermittlung vor. Eine sranzöstsche Havasmeldung besagt, ein solches Ersuchen sei dem amerikanischen Außenamt nicht zugegangen. Dagegen berichtet die Pariser Ausgabe des „Newyork Herold" aus Was- hingum, daß die oberschlesische Frage doch der amerikanischen Regierung unterbreitet worden sei. Das mnerikanische Außenamt habe aber erklärt, Amerika beabsichtige nicht, gegenwärtig in die Angelegenheit verwickelt zu werden. Die Die Grenzfrage in Obcrschlesien sei eine rein europäische Angelegenheit, an der Amerika nicht interessiert fei, f»lange der Weltfriede nicht völlig hergestellt sei. Sobald ober dieser Friede vollkommen abgeschlossen sein werde, dürste Amerika ungesäumt handeln, möglicherweise sogar in dem Sinne, daß amerikanische Truvpen noch Oberschlesien geschickt werden, und zwar würde man diese amerikanischen Truppen dem Desatzuugshecr in Koblenz entnehmen.
•
Die Folgerungen.
Berlin, 22. Juli. (Privattelegramm.) Es fällt auf, daß die N.rchrichten verschweigen, von welcher Seite ein Vermittlungsersuchen ergangen ist. Die erste Meldung läßt es als möglich erscheinen, daß die deutsche Regierung um bisse Vermittlung ersucht habe, nach der zweien aber wäre es wahrscheinlich, daß entweder die französische oder die englische Regierung das amtliche Ersuchen m Washington gestellt hat, denn es würde sich habet um eine Vermittlung zwischen Frankreich und England handeln, um die gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten zu beheben, da die englisch-französischen Verhandlungen auf dem toten Punkt anaelaturi sind und ohne Hilfe von drit
ter Seite nicht über diesen toten Punkt hinaus- kommen können. Nach der zweiten Meldung scheint eS auch, daß der amerikanischen Regierung die territoriale Frage in Oberschlesien wichtig genug ist, um einzugretfen. Der amerikanische Vorbehalt bezieht sich nur auf bte formelle Frage, daß zuerst der Fnedenszustand zwischen Deutschland und Amerika hcraLstellt sein muß.
England und Frankreich.
Der Streit am Oberschlefieu.
' (Eigener Drohtbericht.)
Paris, 22 Juli.
Die französische Antwortnote ist gestern am späten Nachmittag von dem französischen Botschafter in L o n d o n im Auswärtigen Amte überreicht worden. Ter Wortlaut ist noch nicht bekannt, aber der in feinen Grundzügen bekannte Inhalt wird von London aus bestätigt. Ter Londoner Berichterstatter des „Newyork Hcrald" faßt den langen Inhalt wie folgt zusammen: Briand will die Konferenz Ende August abhalten, wogegen LttMb George schon Ende Juli über Oberschlesien beraten will. Die wirkliche Meinungsverschiedenheit liegt naiürlkch viel tiefer und das kommt darin zum Ausdruck, daß Paris und London in der Frage der Tru ppenverstärkung in Oberschlesien weit auseinander gehen. Tic Franzosen wollen deshalb die Entente-Garnisoneu in Oberfchlesie« verdoppeln, weil sie fast ganz Oberschlesien den Polen zuweifen wollen; die Engländer aber wollen auf diese Truppcnvcr- stärkungen in Obcrschlesien verzichten, weil sie mindestens den größten Teil Oberschlcsiens Deutschland belassen wollen.
Entscheidung oder Truppenverstarkung?
Paris, 22. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Franzosen befürchten, daß mit den gegenwärtig sozusagen schwachen Ententctruppen in Oberschlesien der französische Plan zur Aufteilung Obcrschlestens durchkreuzt werden könnte, lieber den von der englischen Regierung zu erwartenden Bescheid auf die sranzösifche Ablehnung liegen folgende Nachrichten vor: Erstens hat das Außenministerium dem französischen Botschafter erklärt, die englifche Regierung müsse ihren Standpunkt aufrecht erhalten, das heißt, daß die Grenzstage zuerst entfchieden werden fall, und daß Truppen nach Oberschlesien mir dann geschickt werden, wenn es notwendig werden würde. Die zweite Nachricht besagt, daß der englische Vertreter in Oppeln gestern der englischen Regierung telegraphiert hat, daß jedenfalls unbedingt in dem g e - geuwärtigen Zeitpunkt eine Entscheidung über die oberschlesische Frage erfolgen müsse, gleichgültig, ob sofort neue^Truppc« geschickt werden müßten oder nicht.
e
England verlangt sofortige Regelung.
L o n d o n, 22. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die englische Regierung mackst auf die Depefche der Kommission an die Botschasterkonferenz auf. merksam und betont, daß die Oppelner Telc- grcmme die Auffassung der englischen Regierung nicht geändert haben, im Gegenteil, der Wortlaut dieser Depeschen bestätige gerade den cng- ttfckcn Standpunkt von der dringenden Notwendigkeit einer sofortigen Regelung der ober- schlesischen Frage durch die Ententekonferenz.
Trotz der Entente!
Rede des bayrischen MiuisterprSfideute«. iPrivctt-Telegramm.)
München, 22. Juli.
Auf dem Kommers der Landshuter Burschenschafter hielt der bayerische Ministerpräsident von Kahr eine Rede, in der unter anderem sagtet „9em Parlament, keine Partei, keine Verfassung und kein Gesetz kann Deutschland helfen, wenn ihm Führer fehlen. Die November-Revolution war und bleibt ein Verbrechen. Mit ihr haben wir das Schwerste erlebt. DaS Kaisertum war die Sehnsucht unserer Väter. In seiner jetzigen ungeheuren Not müssen wir unser Vaterland erst recht lieben mit dem ganzen Trotze des deutschen Mannes. Die Gefallenen solle» uns Vorbild und Mahnung sein und unser Bauernland wollen wir hoch halten als selbständigen, in seiner Eigenart seit Jahrhunderten bewährten Staat." Hier wurde der Ministerpräsident von solch stürmisch brausendem Beifall unterbrochen, daß er viele Minuten nicht weitersprcchcn konnte. Zum Schluß rief der Ministerpräsident aus: „Es lebe unser deutsches Vaterland, und unser Bayernland blühe und gedeihe trotz der Euteute."
Äm besetzten Gebiet. FranzSfische Eingriffe in deutsches Recht.
Der nachstehende «nfsah eebrtnatwled.r «Ine» BeweiS.datz dieSranzose« i« beseht^,»-»iet mit deuttchen Äommuniften in Derbindnng stehen, lieber einen geradezu skandalösen Eingriff der französischen Bcsatzungsbehorde in die deutsche Rechtspflege Wird uns aus dem neu besetzten Gebiet Mitteilung gemacht: Air den Ostern tagen unternahmen gegen fünfhundert Kommunisten aus Hochdahl und Erkrath (tm Brückenkopf Düsseldorf) einen Putsch gegen Dlettmann (nicht besetztes Gebiet), Wo von ihnen das Rathaus besetzt, die Reichsbank um erhebliche Beträge beraubt, Gefangene aus hem Amtsgericht freigelaffen und die Polizei entwaffnet wurde. Ferner sind von der Bande durch Anwendung von Waffengewalt und Drohung Gegenstände vsn erheblichem Werte in Mettmann „registriert" und nahmhafte Schädigungen von Mettmanner Burgern verursacht worden. Das ganze Unternehmen der Kommunisten charakterisiertr sich als ein bewaffneter Aufruhr und Raubzug. Ms der Putsch durch das Eiu- greifen der Schutzpolizei niedergeschlagen war, beantragte her 8anbrat des Kreises Düsseldorf beim französischen Kreisbelogierten hie Genehmigung zum Erlaß eines Haftbefehls gegen sechzehn Teilüehmer, barunter bte Rädelsführer, den bei Sliei «delegierte, nachdem er die Beschul- bigten persönlich vernommen hatte, auch erteilte Daraufhin würben
zwölf Kommunisten verhaftet
n. ber Staatsanwaltschaft übergeben, der sie zugegeben hatten, sich bewaffnet an hen Unruhen in der Mettmanner Gegend, namentlich auch au her Beraubung ber Reichsbank beteiligt zu haben. Der Kreishclegierte hatte verlangt, über hen Verlauf des Gerichtsverfahrens unb über bas Urteil unterrichtet zn werben, und betont, baß nur weaen gemeiner unb nicht wegen politischer Vergehen Verfolgung zulässig sei. Weiterhin hatte er zur Bedingung gemacht, daß hie gegen hie Verhafteten verhängten Strafen tm besetzten Gebiet verbüßt werden müßten. Bevor nun das Verfahren gegen die Verhafteten vom deutschen Gericht burchgesühvt werden konnte, hatte ber kommandierende General des Brückenkopfes Düsseldorf, Hennocque, biefer Tage plötzlich hie erteilte Genehmigung zur Strafverfolgung ber Kommunisten toiberrufen unb verlangt, baß die Inhaftierten unverzüglich
ht Freiheit gefetzt würben.
Er begvünbet biesen unverständlichen Schritt mit hem Hinweise harauf, daß die Genehmigung nur zur Verfolgung gemeiner Verbrechen erteilt und ohne Wissen der ftanzösischen militärffchen Behörde auf politische Anklage ausgedehnt worben sei. Dem kommanbierenben General war hie Freilassung ber Kommunisten so dringlich, baß er nickt einmal hie Erteilung des Freilassung^ befehl« durch bett bafür zuständigen Gen« ralstaatsanwalt abwartete, sonbern einen General nack hem Derendorser Gefängnis, wo die Kommunisten untergebracht waren, schickte, um die Enthaftung persönlich zu bewerk- stelligen. Es liegt klar auf der Haub, daß bei dem Mettmanner Kommunifienputsch von einem rein politischen keine Rebe sein kann, sondern baß cS sick um gemeine Verbrechen aller, schtoerster Art handelt, hie unter politischem Deckmantel verübt worden stnb. Man geht Wohl nicht fehl, wenn man annimmt, baß her kommandierende General den Vorstellungen he#, Rechtsanwalts Wolf in Düfselborf, bes Vertei- bigers ber Verhafteten, her hen Kommunisten sehr nahe steht, sein Ohr geliehen hat. Die französische Besatzungsbehörde fällt also auf Betreiben eines kommunistischen Anwalts her deutschen Justiz ht den Arm, Wenn diese sich anschickt, Schwerverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen. Wohl gemerft handelt eS sick habet um Verbrecher, bie auch ben scharfen Bestimmungen ber französischen Besatzungsbehörbe in krassester Weise zuwibergehanbelt haben, ha bie Verhafteten, aus dem besetzten GM et stammende Kommunisten. bei ihrem Putsch zugegebenermaßen mit Militär, unb Maschinengewehren ausgerüstet waren. Wir stehen also hier vor einer geradezu unerhörten
Begünstigung der Kommunisten durch bie französische BesatzungKbehSrde, waF zu unübersehbaren Folgen führen kann unb sichren muß. Denn es rst doch ganz zweifellos, baß bie Kommunisten angefichts biefer entgegenkommenden Haltung ber Besatzungsbehörbeu ihnen gegenüber frischen Mut für ähnlich« Ak- tionen wie ben Mettmanner Osterpuisch schöpfen unb wenn e8 demnächst im besetzten Gebiet jn neuen kommunistischen Gewalttaten kommen sollte, so fiele den Besatzungsbehörbeu nicht ZS- letzt bie Schuld dafür zu. Der Grund für die Seamtitiouna der Kommunisten ist bas Bubtet