Meter Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
Stummer 228
Mittwoch, 5. Oktober 1921
11. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 952
Eine friedliche Rede im Völkerbund
einen höheren Anffchläg zu vertragen. Dagegen sollte ment He dritte und vierte Klasse, in denenI
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mit der Arbeiterschaft die Angehörigen des ehe
1
Die Verhandlungen zur Neubildung des vreu-
ganzen Volles verwerten
konnten.
Besprechung mit den preußischen Parlamentariern, deren Resultat der Beschluß war, daß sämtliche Fraktionen ihre Forderungen au die Regierungsgestaltung formulieren sollen. Erst nach Eingang dieser schriftlichen Formuliernn- gen werde Herr Stegerwald die Abgeordneten zu einer neuen Besprechung bitten, in der es uar aussichtlich zur Kabinetts-Umbildung kommt.
stehende kommunistische Regierung angeboten hat? Ist die ReichSregiermrg der Anschauung, daß das Verhalte« des Generals de Metz sich im Einklang mit den Rechten des Versailler Friedensvertrags befindet? Hat die Regierung Schritte getan, um die Kontrahenten des 23er
Hähern Zwecken." Je mehr unser Voll cinge- schnürt wird, desto mehr muß cs in seiner geistigen Entwicklung zurückgehen. Es »st wcchl lein Unrecht, wenn man verlangt, daß die Preise für die erste und zweite Klaffe entsprecheiib er
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gleichzeitig stattsindenden Berhanblttngen im Reiche. Gestern nachmittag hatte Ministerpräsident Stegerwald eine etwa zweistündige
Zm Bfeußen-Kabrnett.
R eigung der Parteien zur Ambilvung.
lDrivat-Telearaumt.1
Berlin. 4. Oktober.
Auch Sie sranzSfische Regierung?
Zürich, 4. Oktober. (Eigene DrahttneTdung) Die schweizerische Depeschcnagcntur verbreitet eine Meldung zur Rede NoblemairrS über die Abrüstungsfrage. ES wird der außerorbentl ch starke Eindruck sestgestellt, den die Rede unter den Mitgliedern des Völkerbundes hervorgerufen habe. Von französischer Seite wurde versichert, dast der Tert der Nedr NoblemaireS im Einverständnis mit der französischen Rc-
LLm Oberschlksien.
Vorschlag zur Prüfung an Ort «nd Stelle.
lEigene Drahtmeldung.)
höht werden tonnten, wogegen die dritte und tierte Klasse Len T" rmißten. Man sehe
Aus Sem besetzten Gebiet. Franzose« «nd Kommunisten. (Privattelegramm)
Derlin, 4. Oktober.
tim die Erweiterung nach links.
Berlin, 4. Oktober. (Privattelegramm) In der Konferenz beim Reichskanzler wurde auch die Aufforderung der Mehrheitssozialdemokraten an die N n a b h ä n g i g e n zum Eintritt in die Regierung und die vorläufige Antwort und Rückfrage erörtert. Ein: grundsätzliche Ablehnung der Mitarbeit der Unabhängigen wurde weder von den Demokraten, noch vom Zentrum ausgesprochen, aber die Deutsche Volks- partet wird keine Regierungsbildung im Reich mitmnchen, die sich auf der von den Unabhängigen angegebenen Grundlage arrsbaut. Im übriae» verlautete gestern abend aus Kreisen der Unabhängigen, daß sie nur in ein ReickSmini- sterium eintreten würde,», in dem dir Bürgerlichen auf die wenigen Fachministerien beschränkt bleiben, während die Polizei- und die diploma- trschen Posten ausschließlich von den Vertreten» der Arbeiterpartei besetzt werden dürsten. — Von anderer Seite wird mit geteilt, daß sich die Deutsche Velkövartei ihre Stellungnahme zur Regicruiigsbildung bis Donnerstag vorbehielt.
maligen Mittelstandes reifen, nach Möglichkeit schonen, denn diese Streife sind es auch, die dem Staate die wenigsten Schwierigkeiten madjen und ihm doch so viel nützen. Das ist neben der Verkehr-politischen anch die kulturelle Seite der Fahrpreiserhöhungen, über die man sich bei uns offenbar noch niemals Gedanken gemacht hat. -co-
Das Regßemngsproblem.
Ergebnislose Besprechungen.
lPiivat-Telegiamm.)
Berlin, 4. Oktober.
Die gestrigen interfraktionellen Besprechungen beim Reichskanzler Dr. Wirth haben in der Frage der Umbildung des Kabinetts n o ch k e i n bestimmtes Ergebnis gehabt. Die Hanpt- sckstvierigkeit besteht in den Auffassungen über die Steuerfragen. Erneut brachten die Mehr- heitssozialisten ihre Auffassungen zum Ausdruck, Vie hauptsächlich dahingehen, die Besteuerung des Besitzes und die Erfassung der Sachwerte scharf auszunutzen. Einen breiten Raum nahm das Angebot der Industrie, der Bankwelt und der Landwirtschaft zur Beschaffung von Gold-Devisen für die Reparatton esu. Bon den Sozialdemokraten wurde die Frage aufgeworfen, ob und inwieweit die Beibringung der Devisen durch die Industrie-, Bank- und Landwirtschaftskreise bereits als eine Erfassung der Sachwerte des Befitzstandes, oder als Ersatz für eine solche anzusclzen sei. Der Vertreter der Deutschen Bolkspartei, Dr. Strefemann, nahm eine zurückhaltende und abwartende Haltung ein. In» Verlaufe der Erörterungen wurde daun beschlossen, daß der Reichskanzler Dr. Wirth mi( den Vertretern der Industrie, der Banrwet» und der Landwirtschaft wieder in Verhandlungen über ihr Angebot eintritt.
Hauptstrecken an. Die Reisenden, die mit stolzer Selbstgefälligkeit in der ersten und zweiten Masse sitzen, sind sehr Wohl in der Lage, für ihre Fahrkarte, anch wenn sie jetzt fdpon teuer ist, noch
gieruna festgelegt worden sei. Die Rede stelle v._____
sich somit als eine Kundgebung der sranzöfischeu ßffchen Kabinetts gehen schneller vor sich als die
Regierung und als ein Ausdruck ihres Willens -x.;*.,.;«« dar,mit dem demokratischen Deutschland zu einem friedlichen Einvernehmen zu gelangen. (?)
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Aus oberschlefim.
Engländer und Franzosen gegeneinander.
Neber das Gegen einander arbeiten der Eng' »ander nnd Franzosen in Oderschlefien macht «in Sleutraler in der Prager »Do< hemia-- folgende interessant« Mitteilung«»;
»Der erste Taz, an dem ich Oberschlefim im Automobil bereifte, genügte für mich, um mir meine Ansicht zu bilden, daß fich die Polen mit den Franzofen verbrüderten, daß die Franzosen den weißen Adler am Hälfe trugen, daß in der Nähe von Glmwitz die Inisur- genten aus der französischen Küche verpflegt
, wurden, daß die Belieferung der Jwsurgenten- . armer mit Benzin nnd Munition durch die । Franzosen erfolgte, daß überhaupt die Franzo- . |en den gef amten Autodienst der polnischen Auf- . standSarrnee versehen — dies alles sind Dinge, ; allbekannt in Oberschlesien, aber vollkommen neu . für uns! Mit der Ankunft des Engländers Sir
Harald Stuart änderte sich die Sachlage einiger- . maßen. Die erste Auseinandersetzung Le Ronds , urtb Stuarts geschah bereits an dem Tage nach . der Ankunft des englischen Oberkommissars. . „Warum haben sich die Truppen niemals mit
der Waffe in der Hand den offensichtlichen Ver- f lehmigen der Neutralität entgegengestellt, die , von den polnischen Insurgenten in Ihrer Ge- ; genwart voll führt wurden?" fragte in voller Un- , schuld Sir Harald Stuart den überraschten und ' verblüfften Le Rond. Die Chronik gibt keinen . Aufschluß über die Antwort des französischen
Generals, aber es kann keinen Zweifel geben, ’ daß sich gegenüber einer Frage von so kindlicher . Logik auch das vollkommene Gemisch von Diplomat und Korsar, das die Stärke des srangösi-
' schm Konrmissars ist, nicht so leicht aus der Affäre gezogen hat. Seither verkehrt Le Kautz, mit Stuart mit einem honichveichen Lächeln der Höfsickfteit, mit einer geschickten Leichtigkeit, mit der Le Rond jenes Spiel zu verstecken trachtete, das er bis dorthin mit offenen Karten spielen konnte. Taffächlich herrscht
ein offenkundiges Mißtrauen
das bei ein oder zwei Gelegenheiten in eiltet! offenen Konflikt auszubrechen drohte. Als es sich darum handelte, die Okkupationszonen der Franzosen und Engländer festzufetzen, und General Gratier die unbequeme Wahrheit in seinen Berichten mit einigen Daten in einer pitoresken, aber ein wenig übertriebenen Weise gewaltsam bezwungen hatte, bekam General von Henneker einen Brief, der faßte: „Ich bin genötigt, mit großem Bedauern meinem Gefühl Ausdruck »u geben, daß ich in meinen Beziehungen mit Ihnen vollkommen ohne Freimut und Grad- sinnigkeit behandelt worden bin." Hieraus legte er die verschiedenen Fälle dar und erklärte, daß die englischen Truppen jedenfalls die Zone von Beuthen besetzen würden, obwohl es Le Rond nicht wünschte, daß fid) im Induftriegebiet Truppen anderer Ltationafftät als französischer auf- hieltcn. Der Brief enbete, daß General Hen- neler in dieser Frage mit Sir Harald Stuart vollkommen einig fei. Zwei Tage später, bei einem von den Engländern in Groß-Strehlitz gegebenen Gartenfest, waren Le Rond und Stuart, sowie Henneker und Gratier zusarnrnm und bildeten, wie es sich von selbst versteht, den Mittelpunkt der glänzenden Gesellschaft; die beiden Franzosen gaben sich den Anschein des engste« fteundschaftlichen Einverständnisses mit dm Engländern. Als die ersten Zusammenstöße Vorüber waren, begriffen die Franzosen, daß man die Taktik wechseln müsse, wenigstens gegenüber den nunmehr nicht mehr gleichgültigen Engländern. Seither bekam jeder dieser tragischen Fälle, die in diesem balkmnsiertm Lande an bet Tagesordnung sinb, ein doppeltes Gesicht:
ein wahres und ein offizielles
und dieses letztere war gewöhnlich durch eine große Anzahl von Zeugen gestützt. In Ober» schilesien ist es ja so leicht, Zeugen für alles zu finden, was man nur will! So war es beim englischen Wachtmeister S-Vester, der bei Mala- pane ermordet wurde, so bei den in der Räche von Kandrzin verwundeten Franzosen; so und nicht anders war es auch bei der Ermordung des Majors Montalsgre. So war es bei jedem Getöteten, bei jedem Zugüberfall, bet jeder räuberischen Unternehmung gegen eine Siedlung, bei der Einreihung notorisch gefährlicher Elemente und ganzer polnischer Banden in die Gemeindewachen, speziell in den Kreisen Ryfrnik und Pleß. Niemals fehlten Zeugen unb Dokumente, die französische Behauptung z* beweisen. Dies erklärt auch die diplomatische Unverschämtheit, die die letzte Note Frankreichs an Deutschland darstellt. Al? ich mit mehreren sranzösi- chen Offizieren in Gleiwitz zusamurm war, lachen diese selbst darüber. Ich bemerkte, daß viel- eicht die Uebertretbnngen ber Rote bet franzö- 'lschen Aktion schaden würden, und daß es für England und Italien uMnöglich fein werde, die Verantwortung zu tragen, die sich bei einem Anschluß an den Schritt Frankreichs ergebe» würde. Aber ein lunger Kapitän faste mir:
Die Reichstagsfraktion der Deutschen Bolkspartei hat an die Reichsregierung aus Anlaß der kommunistischen Unruhen in Speyer am 31. August «nd 8. September folgende An- srage ocrichtet: „Ist es richtig, daß diese Vorfälle fich der wohlwollenden Förderung des französischen KreiSdelegierlen. Generals de Metz, und seiner Offiziere erfreuten? Ist es weiter richtig, daß ein Offizier des Stabes von General de Metz vor den Unruhen einzelnen bürgerlichen Kreisen den Schutz ber Be-
Lattowitz, 4. Oktober.
Die deutschen Gewerkschaften Oberschlestcns haben am 1. Oktober durch Vermittlung des Generalsekretärs des Völkerbund- rats in Genf ihre nach Genf berufenen Vertreter Gerhard, Franz und Griese ersuchen lassen, den Völkerbundrat um Entsendung von Vertretern nach Oberschlesie« Uvecks Prüfung der Grenzfrage zu bitten. Bei der unabsehbaren Bedmtnng der bevorstehenden Ent- fdieibung ist die Prüfung aller Verhältnisse an Ort und Stelle unabweisbar notwendig. Eine örtliche Prüfung kann auch durch die rnü'ndliche Vernehmung der Vertrauensmänner der dcul- fcher» Gewerkschaften in Genf nicht ersetzt werden.
Eine Abrüstungs-Rede.
Ein Franzose spricht zugunsten Deutschlands.
«Eigene Drahttneldung.)
Genf, 4. Oktober.
Auf der Bölkerbirndversammlung in Gens hat der Franzose Noblemaire eine Rebe gehal- tett, worin er erklärte, baß er das A b - rüstungs Problem mit Vorsicht, Höflichkeit und Gerechtigkeit anfasscn wolle. Er betonte zunächst, indem er an feine eigenen Kriegserleb- niffc erinnerte, daß man auch dir Gefühle unb die Tapferkeit beim Gegner achten müsse. „Genau so wie der französische Soldat vor dem Tod im Felde als letztes Wort „Es lebe Frankreich!" ausgerufen hat, sind anch Hunderte u»»d Tausende von deutschen Soldaten mit dem Rufe ans den Lippen gestorben: „Es lebe Deutschland!" Warum," so rief Noblemaire aus, „sollen diese helligen Wünsche unserer Helden — und ich sage das Wort „Helden" von ganzem Herze», indem ich mich bemühe, die Ausschreitungen, deren Schrecken wir nicht wieder erleben wollen, zu vergesse« —, warum sollen diese Wünsche fich nicht alle verwirklichen! Warum soll c6 unmöglich fein, daß in Zukunft Frankreich lebt, aber auch Deutschland lebt? Warum soll neben einem freien unb friedlichen Frankreich nicht ein freies Deutschland leben können?"
Fahrpreis-Erhöhung.
Kulturelle Folgen.
Mit einer Pünktlichkeit, die in manchen anderen Dingen sehr nützlich wäre, wirb bas deutsche Publikum alle halben Jähre einmal mir ber wenig erfreulichen Nachricht des Reichsver- lehrsministeriums überrascht, baß infolge des noch immer nicht geringer geworbenen Defizits bei den Reichseiseubahnen eine weitere Erhöhung ber Fahrpreise unb Gütertarife sich als unmilgänglich notwendig erwiesen habe. Man hat sich heute in Deutschland schon allmählich daran gewöhnt, solche Mitteilungen mit stiller Resignation hinzünchmen, unb sich damit abzu- finben, daß unsere Verkehrsmittel für den ge- wöhittichen Sterblichen bald nur noch zum Ansehen, nicht aber zum Benutzen ba sind. Es ist ja nicht zu leugnen, daß unser Eisenbahnhaushalt, ber in Friebenszeiten mit seinen Millinrbenüberschüssen die kräftige Stütze bes Budgets der einzelnen Bundesstaaten war, sich heute in einer trostlosen Verfassung befindet, unb seine Sanierung eine unabweisbare Notwendigkeit geworben ist. Aber bie große Frage ist unb bleibt es, ob das Mittel bei fortlaufenden Erhöhung ber Tarife überhaupt geeignet ist, bem Ucbel crbzuhelfcrr. Als im Mär z des vergangenen Jahres bas Reichsver- kehrsministerium eine hundertprozentige Er- höhung ber Fahrpreise unb Tarife auf den beut- sichen Eisenbahnen vomcchm, wurde seitens ber maßgeblichen amtlichen Stellen hoch unb heilig versichert, dast dadurch ber damals hcrausgerech- nete Fehlbetrag von sechs Milliarben für das Rechnungsjahr 1920 gedeckt werben könne. Tas Publikum glaubte unb zahlte. Im Juni bie- ses Jahres neue Erhöhung mit derselben Be- griineung. Trotz allem ist aber der Fehlbetrag nicht geringer geworden, unb niemand kann es dem Publikum übel nehmen, wenn es nun die angeWudigte neue drei ßigprozentige Erhöhung als einen weiteren untauglichen Versuch ber Regierung betrachtet, aus der uferlosen Dcfizitwirtschaft ber vergangenen Jahre herausxuronmren.
Man kann heute an ben Stellen, bie die Methode der ständigen FahrPreiSerhöhungen als das Allheilmittel für bie Gesundung ber Verhältnisse frei unseren Eisenbahnen betrachten, die Auffassung vertreten hören, baß jebe auch noch so große Fahrpreissteigerung vo-m Publikum letzten Enbes boch getragen würbe, unb bie über füllten Züge unserer Staatsbahnen scheinen diesen Leuten recht zu geben. Aber schließlich wird doch niemand in Abrede stellen können, daß die Reisenden, bie jetzt btc Züge Deutschlands bevölkern, zu neunzig Prozent verschieden von denen find, bie vor Jahr unb Tag DeutschLmb bereisten. Abgesehen von ber großen Zahl von Auslan-bem, bie in Ausnutzung unserer ungünstigen Valuta sich in den deutschen Eisenbahnen breit machen, beherrschen vor allem die Kriegsgeüvinnler unb Schieber bas Selb, wenigstens soweit die erste unb zweite Klaffe in Frage kommt. Gering aber, unenblich gering ist die Zahl jener Deutschen geworden, bte in dem Bestreben, sich durch Reisen zu bilden und Land und Leute bes eigenen Volkes kennen zu lernen, auf die Wanderschaft gehen. Denn gerade diesen Streifen stehen bie Mittel nicht zur Verfügung, bie enorm gestiegenen Fahrpreise zu bezahlen. Woher soll ber pinge Student, der junge Künstler, dem bie Nornen neben feiner Begabung in die Wege nicht auch den großen Gelbsack gelegt haben, bas Gelb nehmen, um seine geistigen Bedürfniffe zu bestie- btgen und seinen Gesichtskreis für bas spätere Leben burch Reisen zu erweitern? Ein unberechenbarer kulturerler Schaben entsteht unserem Volke, wenn gerade seine besten Kräfte an der heimatlichen Scholle versumpfen, und nie über die Tore ihrer Vaterstabt hinaus in die Welt kommen. Wie aber soll das »nöglich sein, wenn die Kosten für eine Reffe burch Deutschland Vermögen versMingen? Der Wan- bertri<6 ist in unserem Volke mätfrtig ausgeprägt. Unb eg ist nicht zu vick gesagt, wenn man behmvptet, baß bie rapibe Fortentwicklung, die Deuffchkaitb in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege genommen Hai, darauf zurückzufüh- ren war, baß bie billigen Eisenbahnscchrprcise gerade den Krois-m der Bevölkerung bas Reisen errnSglichten, die in ihrem späteren Leben bie bafbei gesammelten Erfahrungen zum Nutzen
Englands Standpunkt.
Paris. 4. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Nach ber Wölbung eines hiesigen Blattes soll demnächst eine Zusammenkunft zwischen Lloyd George unb Brianb ftattfinben. Aus hiesigen amerikanischen Kreisen wird bazu mitge- teilt, baß bei bieser Zusammenkunft vor allem bie Frage der Washingtoner Abrüstungskonferenz xur Sprache kommen solle, da Lloyd George den LSunsch haben soll, baß Brianb nicht abreise, bevor er über ben Stanbpuwkt bes englischen Premierministers unterrichtet »ft
Ein Englänber in fü'frrenbcr politischer Stellung hat einmal erklärt: In Englanb ist kein Mann bazu berufe», eine Rolle von Bebeutung im Leben unseres Staates zu spielen, ber nicht wenigstens das Kap ber guten Hoffnung gesehen hat. Nur to er bie Welt sah, wollte er ba- mit sagen, kann dem brittschen Reiche wirVich große Dienste leisten. Deutschlands Intelligenz aber fot£ jetzt mehr und mehr mit KrÄhivinkel unb Umgebung sich begnügen. Die Wahrheit bleib» bestehen: „Im engen Kreis verengert sich „____________________________________
der Sinn, es wächst bei Meusth mit seinen t satzungsbehördeu «gen die unmittelbar bevor-
bishettgen Satz beibehalten sailler Berttags von den angeführten Vorgän- e sich nur bie Züge aus den gen im Rheinlanb in Kenntnis zu setzen?