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KaUer Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 238

Sonntag, 16. Oktober 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

llm das oberschlesische Wirtschaftsgebiet

kanischer Dollar 105 Mark kostete, vorgestern aber

England und Frankreich

Die Auffassungen über Sberschlefien.

kehrö-, BerpflegungS- und Vrrsorgungswefen. Das oberschlesische Industriegebiet dürste somit die rein deutsche Organisation beibehaltcu. Sollte diese Annahme richtig sein, so wäre diese Zu­teilung aber auch ganz unzulänglich, dem» die politische Macht ist in der Lage, die wirt­schaftliche Organisation jederzeit zu stören-

Sitfertiottfprelfe-. e> «tah-tmtsche Hufträge: Die etafpalrtge Ätyefgen.Betle S» L60 me etatpattige »ettame»ette 9UÄ b) ÄuSroarttge auftrage: Die dn'ualttgt ar^g.n»ftTf St IM, btt etafpalrtge Reklame,eile M. 4., alle» etnf»:ie8Ud> leuenmg8,ufd>lag und aiueigenneuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Sa, Hunderi Prozent Lnfschlaa Für die Richtigkell aller durch Fernsprecher abgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme­daten und SNa8e kann eine Sewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Sldiacht- tofflrafce M/llll. SeschüstsNelle: «kölnische Stratz, 4. Telephon Nummer Kl und 952

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ster Art sein, daß wir All« schmerzlich davon betroffen werden. Eine dem Niedergang ent­sprechende Teuerung ist vorauszusehen. Die Ern. stchr von RoWoffen und Lebensmitteln wirb be­denklich eingeschränkt werden müssen, wodurch wir wieder zu einer Vereinfachung unserer ohne­hin schon bescheidenen Lebenshaltung gezwungen werden. Was kann geschehen, um die Gefahr zu verringern? Die führenden Männer der Wtrtschaftsgruppen und der Parteien in Ge­meinschaft mit der Regierung beschäftigen sich ge­rade mit dieser Frage. Selbst die Regierung ist im Zweifel, ob sie weiter im Amte bleiben soll oder nicht. Das Kabinett Wirch ist das Kabinett der Reparationserfüllung genannt wor­den. Seine ganze Stärke beruhte darauf, daß die Entente ihm Vertrauen entgegenbrachte und den guten Mille r zur Erfüllung anerkannte. Jetzt ist aber eine ganz neue Lage entstanden. Mit der Sosreitzun« oder Leitung Oberschlesiens sind die bisherigen Voraussetzungen zer­stört worden. Kommt das Kabinett in feinen jetzigen Beratungen zu der Erkenntnis, daß ohne Oberfchlesieu die Wiedergutmachung in dem vor- geschriebmreu Maße nicht geleistet werden kann.

Oberschleflens Teilung.

Einzelheiten der Genfer Entscheidung.

' (Eigener Drahtbericht.) ,

London. 15. Oktober. , Reuter meldet von unterrichteter Seite fol­gende hauptsächliche» Sinzelhette« des Beschlus­ses von Genf. ES soll dafür gesorgt werden, daß in dem Gebiete, das Polen sofort zuge- sprochen wird, die deutsche Mark weiter alst

Sie werden die Zwangsmaßnahmen unterlassen, wenn sie merken, daß sie keinen Erstflg damit ha­ben und gar ihre Aussichten verschlechtern. Nur wenn sie fühlen, daß wir uns einschüchtern Las- sen. werden sie einen Zwang versuchen. Dieser Zwang könnte aber nicht schlimmer werden als die freüv-illige Bereitschaft zur Sklaverei. Man lasse sich also diesmal nicht ernschüchteru. Deshalb möge man in Berlin den obevMHi- schon Ruf vernehmen: Reichskanzler werde hart! K.F.Dr.

Llm Deutschlands Haltung

i Frankreich hofft auf deutsche Nachgiebigkeit.

! (Eigene Drcihimeldung.)

l Genf, 15. Oktober.

Die französische Presse bemüht sich, festzupel- > len, daß man davon überzeugt sei, Herr Wirth werde «achgeben. Er werde in der Macht bleiben und lediglich einen feierlichen Protest im Namen Deutschlands in die Welt schicken. Alle Blätter bemühen sich darzulegen, daß nunmehr zwischen den Alliierten vollkommene Harmonie . herrsche. Der Temps meldet, Herr Wirth habe den deutschen Parteiführern erklärt, daß vor­läufig von einer Demission des Kabinetts keine Rede sei. Man erblickt darin eine Rückkehr zur Beruunst (?) und eine Umkehr zur Politik der Leistungen, die der Kanzler bisher durchführte.

143 Mark für einen Dollar bezahlt werden muß- ten. (Gestern stand der Dollar auf 137 Wart.) , An der vorigen Woche schwankte der Kurs zwi- ; scheu 121 und 132.. Nachdem aber feststeht, daß Oberschlesien von Deutschland losgeriffen wird, 1 ist kein Hatten mehr. Das neutrale Ausland, tötete Amerika, betrachtet uns als verloren. 1

Müssen wir uns angesichts solcher Trostlosig­keit nicht auch als verloren betrachten? Das deutsche Volk tut eS sicherlich nicht, denn in ihm steckt ja so viel Lebensmut und Kraft, daß es auch diesen neuen schweren Schlag überwindet. Aber die bevorstehende Verwirrung wird so em» i

Das deutsche Gewerbe.

Di« Kredite für das Reich.

(Privat-Telearamm.)

Berlin, 15. Oktober.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 15. Oktober.

den Kredtts soll das Betriebsvermögen der Ge­werbe, die Grundstücke der Land- und Forstwirt- schäft und die zur Vermietung dienenden Ge­bäude der MUglieder der Bereinigung bilden. Der Kapitalbetrag der Anleihe ist für Rechnung des Reiches an die von ihm bezeichneten Stellen der alliierten Mächte einzuzahlen. Damit erwirkt die Bereinigung einen Erwerbsanspruch an das Reich für Krpital, Zinsen und Kosten. Jedes Mitglied erhält fßr seine Rechnung eine vom Vorstand der Gruppe unterzeichnete, zur Ber- rechnung mit den Steueransprüchen des Reiches stehende Quittung. Jedes Mitglied hastet für die Verpflichtung derselben bei Aufnahme der An­leihe mtt Zinsen und Kosten für feinen Anteil. Der Reichsregierung steht das Neckst der Auf­sicht über die Kreditvereiniguug zu.

Das Industrie-Dreieck als Ganzes r

Paris, 15. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Der Mitarbeiter des »Echo de Paris", Pertinax. meint, es sei sehr wahrscheinlich, daß nunmehr mit der englischen Zustimmung zu der Genfer Ent­scheidung alle Schwierigkeiten beseitigt seien, denn das Hauptargument Balfours, das beson­ders dazu beigetragen habe, die Zustimuwng Llohd Georges zu gewinnen, ziele darauf ab, die wirtschaftliche Einigkeit Obcr- schlesieuS zu belassen. Die Hauptsorge Lloyd Georges, die stets daraus ausging, das Indn- striedreieck als Ganzes $« behandeln, hab- biermit eine glückliche Lösun« gefunden (?) we­nigstens im englischen Sinne. Dieses System, auf der Landkarte eine politische Grenze einzu- ttagen, aber tatsächlich alle wirtschasttichen und verlehrspolittschen Berhältnisse bestehen zu las­sen, sei geeignet, die deutsche Vorherr­schaft in einem ungeteilten Industriegebiet

Zahlungsmittel bestehen bleiben soll. Die Eisen­bahnverwaltung und die öffentlichen Dieuftellcn sollen geschützt werden. Ebenso soll dafür ge­sorgt werden, daß die Arbeiter nicht die Sattelte verlieren, die ihnen durch die deutsche Gesetz­gebung und durch ihre Gewerkschaften zugefichcrt waren. Das Privateigentum soll geschützt wer­den und ausreichende Maßnahmen zum Schutze der Minderhetteu zu beiden Seiten der Grenze Getroffen worden.

Eine gemischte Kommission wird eingesetzt, die in gleicher Zahl aus Deut­schen und Polen besteht, unter einem unpartei? ischen Borfitzenden, den der Völkerbund auf Wunsch zu ernennen bereit ist. Der Grundzug der Entscheidung sei der Gedanke, daß eine p o - litische Grenze nicht unbedingt eine wkrt- schaftliche Schranke zu sein brauche. Das Dokument schließt mit der Bemerkung, es sei unmöglich gewesen, große Gebiete gegen den Willen ihre Völker demjenigen Staat zu geben, gegen den die Abstimmung eine Mehrheit er­geben habe. Dagegen habe der Rat des Söttet» bundes das Industriegebiet als Ganzes nicht in­nerhalb der politischen Grenze in einzelnen Staa­ten belassen können

Das Burgenland.

Eine neue Kr^gsursache?

©erSortiere d-Italia" t>rlnet »du ©r. Mataja Wie», einem hervorragenden Oefterreteier, über die neue, durch die burgenläubtfcSe Angelegen­heit sefaxiffene Lage eine Betrachtung, die grobes und berechtigte» Aufsehen erregte, da sie da» deutsche Intereffe im höchsten Matze gefangen zu nehmen geeignet ist. Wir ent. nehmen diesen Ausführungen Folgendes > Wqst unhodbachtst zeichnen sich aus dem polt- tischen Horizont bereits die Konturen eines neuen Krieges, der im östlichen Mitteleu­ropa fernen AusgangsMntt nimmt und eine unberechenbare Ausdehnung zu gewinnen droht Tie burgenländische Angelegenheit ist längst über den Rahmen eines Konfliktes zwi - schon Oesterreich und Ungarn hinausgowarhsen. vno das kleine, erschöpfte und entwaffnete Oesterreich ist nur mehr die Figur, an der das erwachende Ungarn seine Kräfte prüft, um zum entscheidenden Stoß nach ganz anderer Wichtn rg anszuholen. ^Burgenland" ist der österreichische Name für jenen westlichen Teil Ungarns, den laut des Friedens von Trianon Ungarn der En­tente Wergeben und den diese im Frieden von St Germain Oesterreich zu übertragen sich ver­pflichtet hat Das Gebiet zählt rund 300000 fast durchweg deutsche Einwohner: einzelne magtza- tische und kroatische Dörfer sind eingesprengt. Es muß nun gleich hervor geh oben werden, daß die Schuld an dem Konflikt zwischen den beiden Staaten ausschließlich Unaarn trifft,, das durch sein Verhalten jede Vereinbarung zwischen Oesterreich und Ungarn unmöglich gemacht hat. Fn Gemäßheit des Friedensvertrages hat dir Entente die Usberuechme des Landes von Uw garn und

die Uebergabe an Oesterreich

auf den 29. August festgesetzt; am 28. und 29. August sollte sich die Räumung des Londes und der Einmarsch der österreichischen Gendarmen vollziehen. Alles schien sich in Ordnung abspie­len zu wollen, aber plötzlich krachten da und dort Schüsse, Freischärler tauchten auf, in ©türm» leimen, mit Armeegswehren, Handgranaten, Maschinengewehren bewaffnet und feuerten auf die Gendarmerie. Wohlgemerkt: Diese Frei- scharen sind keine Burgenländler, das find ans. nabmslos Ungarn aus rein magyarischen Ge­genden, fremde Eindringlinge, tue mtt dem Burgenland und seiner Bevölkerung nicht das Geringste zu tun haben. Die Beharchtung, daß hinter dem Rücken österreichischer Gendar- merien Kommunistenbanden in die besetzte Zone eingedrungen seien, ist eine plumpe Lüge. Ja. soweit die Uedersälle den Charakter von Einzel- u erbrechen trugen, konnte die Gendarmerie standhatten, als es jedoch klar wurde, daß man es mit militäirisch organistetten und ausgerüstet ten Banden in der Stärke von vielen Tausenden zrt tun hatte, konnten die Paar hundert Gendar. men, die Oesterreich ausbicteu konnte, nicht stand Hali en und mußten sich zurücktziehen. Oester« reich ist ja vollständig enttoaffnet, während Um garn seine Armee und seine Waffen vollständig besitzt. So blieben

die ungarischen Bande»

di« Herren des Burgenlandes, haben «8 selbständigen Staat ausgerusen mti> verkündeten die »Ausarbeitung eines Verfaffnugsentwurtes durch den Oberkommandanten." Der Zweck die­ser Konstruktton Legt auf der Hand äste unga­rische Regierung soll aus der Partei ganz aus« scheiden, damit sie nicht die Verantwcätnng für den Bruch des Friedensvertrages von Trimeon zu tragen hat. Gerade dieses Ausammaifpiel,

Und überdies: Glaubt denn irgeW jemand, dass Tausende von Freischärlern, mtt ungarischen ^eeresgerät bewaffnet, aus dem Innern Un­garns in das Burgenland hätten einmarschieren können, wenn die ungarische Regierung es wirtkch verhindern wollte? Und nun Wirst sich die Frage auf? Soll der Vertrag von St. Ger­main gehalten werden oder nicht? Kriegen wir das Burgenland nicht, wird der Vertrag m dem einzigen Punkt, der Oesterreich einen Vorteil bietet, nicht eingebalten, dann wird sich nie- m a n d in der Welt an irgend einen Punft der Fricdcnsverträge moralisch gebunden fühlen Entweder

Verträge getten, oder sie gelten nichts und uns Oesterreichern ist das letztere Kober als das Erstere. Es möge sich aber niemand eia. bilden, daß die Angelegenheit mit der Be- ietzung des Burgenlandes durch ungarische Banden erledigt ist. Gan; Ungarn hat nur einen Wunsch, nur ein Ziel, die .Nttreaität" Un­garns, d. h. die Wiederherstellung ssiner alten Grenzen, die Rücterdberwig der Gebiete, die es im Frieden von Trianon an die Tschechoslo­wakei, an Rumänien, an Jugoslawien abtreten mußten. Sind ein paar Tausend Frei» chörler imstande, den Friedensvertrag umzu- tetzen und im Burgenlaw, irgend einen Er- irZa ru erringen, bann sind die Ungarn nid=£

<2in Schritt der Regierung

Berlin, 15. Oktober. (Privattelegramml.) Wie wir erfahren, wird, sobald der amlliche Wortlaut der Genfer Entscheidung vorliegt, so­wohl der Botschafter in London wie auch der Botschafter in Paris mit einem neuen Schritt der deutschen Regierung beauftragt wer­den. In welcher Richtung sich der neue deutsche Schritt bewegen wird, deuten bereits die Ver­handlungen des Reichskanzlers ht der vorgestri­gen Sitzung des «eltesten-Ausschusses an.

Der Reichswirtschastsrat hat einen Gesetzent­wurf über die Errichtung einer Kreditver­einigung der deittschen Gewerbe auSgearbei- tet. In demselben heißt es unter anderem: Auf­gabe der Lreditvereinigung ist cs, dem deutschen Reiche zur Erfüllung der ZahlungSver- biudlichkeiten die Mittel in fremder Währung zur Beifügung zu stellen. Tic Be­schaffung geschieht im Wege der A n l e i h e. Die Grundlage des von der Bereinigung zu suchen-

. . ftriegcbictes mit wirtschaftlichen Mitteln erzielen seit der Revolution, im Januar 1020, ein ameri- z« können, namentlich auch in bezug auf das Ver­

bann müßte logischerweife der Rücktritt erfolgen. Was dann geschehen soll, kann man in Anbetracht der WankeLnütigstett mancher Parteien allerdings nicht wissen, doch sollte es nur einen Ent­schluß geben, «Mb zwar die Nichtanerken­nung der Genf-Pariser Entscheidung. Stellt sich das Kabinett Wrth auf diesen ablehnenden Standpunkt, dann ist die Grundlage zu seinem weiteren Bleiben gegeben. Nach den neuesten Mekdungen ist das Kabinett geneigt, vorläufig im Amte $n bleiben.

Auch die Polen find ja unzufrieden und Wor­ten die Entscheidung nicht anerkennen. Und deren Stendpuntt ist doch ohne jede Berechttgung. Demgegenüber Legt auf unserer Seite das ganze Recht, das historisch, kulturell und wirt­schaftlich begründet ist. Also müssen wir Ein­spruch erheben. Fände sich ein Mnisterium, das sich freiwillig aus die Fokterbmck legt, dann würde ein Entrüstungsstnrm durchs deutsche Volk br«sen. Wird aber den Alliierten endlich ein entschiedenes Rein entgegengerirfeu und wird sich das Volk einmütig zum Protest erheben, dann werden sich die Alliierten doch sehr überlegen, ob sie abermalis trat©ontttonen* kommen werden

Wirtschaftliche Einheit.

Um das oberfchlestsche Industriegebiet.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 15. Oktober.

Man glaubt hier, daß die Genfer Entschei­dung mehr zugunsten von Deutsckfland sei als man vorher angenommen hatte. Der englische Vertreter Balfour habe nicht ohne Grund die in Genf getroffene Lösung als polttisch nützlich und wirtschaftlich gerecht bezeichnet. Wahrscheinlich verlangt die wirtschaftliche Bestimmung der Gen­fer Entscheidung von Polen ausdrücklich Garan­tien dafür, daß die polnischen Bcttiebe im In­dustriegebiet noch wie vor unter deutscher Kontrolle stehen, und umgekehrt wird aus deutscher Seite die Möglichkeit gegeben fein, einen eürheitlichen Betrieb des ganzen Jndu-

Schwarze Wolken.

Die Gefahr des Zusammenbruchs.

Wer die Entwicklung der B ö r s e in den fetz- ten Tagen beobachtet hat, der mußte mit Schau­dern wahrnehmen, daß die deutsche Valuta mehr und mehr dahinschwindet, so daß man befürch­ten muß, dem gleichen traurigen Schicksal wie Oesterreich entgegen zu gehen. Wenn Deutsch­land in ein Ähnliches Chaos hinaibsinft, dann sind die Flügen nicht abzusehen, denn unsere Be­ziehungen zur Entente würden dann zerreißen und ernste Verwicklungen würden daraus ent­stehen, die nach außen sowohl wie im Innern ensetzltcheS Unheil schüfen. Es wird von man­cher Seite behauptet, die Börse sei nicht immer maßgebend für die Beurteilung politischer Ereig­nisse. Demgegenüber kann man aber darauf Hin­weisen, daß in den letzten Jahren die Börse doch ein sehr zuverlässiger Graidmesser für die Be- oeutung jener Vorgänge war, die mit den Maß­nahmen der Alliierten im Zusammenhang stan­den. Mochten auch manche dieser Maßnahmen in Deutschland nicht sofort fühlbar werden, so spürten qs doch die Kreise, die mtt dem Aus- lande zu tun hatten, nicht am wenigsten die Re­gierung; die Allgemeinheit wurde die Wirkung erst später durch die Teuerung gewahr. Wie in den letzten Tagen wieder die deutsche Mark entwertet worden ist, kann man in seiner Schrecklichkeit nur ermessen, wenn man sich in Erinnerung zurückruft, daß zur schlechtesten Zeit

Wie aus London verlautet, hat die britische Regierung der Genfer Entscheidung zuge­stimmt. Am Montag wird wahrscheinlich der Botschafterrat die Entscheidung ratifizieren und am Dienstag nach Berlin und Warschau amtlich mitteileu. Die JutcraMerte Kommission in Oppeln wird dann sofort mit dem Vollzug des Schiedsspruches beginnen. Die Zustimmung aller beteiligten Ententestaaten» auch der engli­schen Regierung, zur Aufteilung OberschleficnS im Sinne des Genfer Beschlusses ist also »ab lendete Tatsache geworden Trotzdem beorertt man, daß die Pariser Presse diese Tatsache mißmutig aufnimmt. Es wird bekannt, daß Balfour in seinen Ausführungen vor dem eng- lischeu Ministerrat Nachdruck darauf gelegt Hai, der Bölkerbrrudrat habe sich besonders von der Absicht feiten lassen, eine politische Grenze zu ziehen, die in feinem Fall eine wirtschaftliche Schranke dar stelle. In Paris wird aber diese englische Stellungnahme unbefriedigt ausgelegt.