Einzelbild herunterladen
 

Di« Raffelet Neuelien Nachrichten erscheinen wöchentlich fechsmal und »war a b e n B <. Der Abonnen,ent4prelö beträgt xtenaötd) 10.- Mort bei freier SufieOun» in« Hau». Lu«, wart« durch die Poft bezogen 10 - Mart monatlich einschlieöttch Zuflellung. »efteOungen werden leBerjrtt dos Hi SeldjofUfteae oder den Boten entgegengenommen. Drulter-t, «erlaa und Redattton Lchlachthosftrobe 28/30. Für unverlangt emgefanbte Bettrage kann die Redaftton eine Verantwortung »der Gewähr in keinem Aalte Sdernehme». Rückzahlung de« Bezugsgelde« oder «nfprüche wegen etwaiger nicht »rdnungsmü Higer Lieferung aurgef chloffeu-

3nfertten«ptetfe: a) Linheinnfche Aufträge I Die eintvalNg« »nzeigenzeile ». 2.. die etntoatttge Retlamezeile M. b) Lutwärttge Aufträge Die etnloatttge Lnzeigenzeile ®. r die einspaltige Retlamezeile M. . alle« etnschltehlich Deuerungkzufchlag und Lnzetgenfteuer. Aür «neigen mit besonder« schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag. Für die Rtchttgteit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeige«, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werde«. Druckerei: Schlacht- hosfirate 38/30. »eichätilktelle: Kölnische Strabe 6, Delephon Stummer «M und 953.

Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 294,

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 22. Dezember 1921

Fernsprecher 951 und 952 11. Jahrgang

Europas Probleme in London.

Rekchseisenbahn.

tim Sen gemeinwirtschaftlichen Betrieb.

Der Reichskohlenrat hat sich bei seinen jüngsten Besprechungen unter anderem auch leb­haft mit den Uebelständen auf dem Gebiete des Transportes beschäftigt, und die In­dustrie nahm sogleich die Gelegenheit wahr, um in ziemlich scharfer Weise gegen das Reich-sver- rehrsministerium zu polemisieren. Der Reichs­verkehrsminister bat daraus in einem kurzen Antwortschreiben die Gründe dargelegt, weshalb die gegenwärtigen Mißstände herrschen, und daraus hingewiesen, daß es unmöglich sein würde, geordnete Verhältnisse wieder herzusiel- len, solange die Kohlenproduktion sich nicht ertragreicher gestaltet und solange nicht umfangreichere Reserven, die wenigstens annähernd so groß sein misssen, wie in der Vor­kriegszeit, vorhanden sind. Die Schuld wird ja von einer Partei auf die andere geschoben, ohne daß jedoch verborgen bleiben konnte, daß Fehler auf beiden Seiten vorliegen, die allerdings zum größten Teile in der gegenwärtigen üblen Fi­nanz- und Wirtschaftslage int allgemeinen, sowie in den drückenden Reparationsbestimmungen begründet sind. Aus dem Gebiete der Kohlen- Produktion werden sicherlich schon in allernäch­ster Zeit einschneidende Veränderungen vorge­nommen werden müssen, die wahrscheinlich be­reits während der kommenden Reparations-Be­sprechungen in London nicht mehr übergangen werden können.

Augenblicklich ist man jedoch energisch daran gegangen, das Reichs-Eisenbahnpro- bt em einer Losung näher zu bringen, und vor allem danach zu trachten, daß die üble finanzielle Lage der Reichsbahnen gebessert wtrv. Die be­kannten Forderungen der Industrie, die ur­sprünglich auf eine Entstaatlichung der Eisenbahnen Hinausliefen und später wieder au den Plan eines gemischt-wirtschaftli­chen Betriebes zurückkamen, haben viel Staub aufgewirbelt und zu recht unliebsamen innerpo­litischen Schwieritzteiten geführt. Eine radikale Entstaatlichung wurde, das hat man heute zur Genüge gesehen, augenblicklich aus so große Hin­dernisse stoßen, daß es besser Wäre, sie vorläufig nicht wieder aus den Plan zu bringen. lieber den gemischt-wirtschaftlichen Betrieb ließe sich sicherlich reoen, über auch hier sind Hindernisse zu überwinden, die keineswegs einfacher Natur sind, und deren Beseitiigung vielleicht eine allzu- starke Krastanspannung nötig machte, die besser zu anderen Zwecken verwandt werden könnte.

Jetzt ist ein neuer Plan ausaeta-ucht, der Ent­wurf eines EisenbahnfinnnzgesetzeZ, der dem Reichsverkehrsministerium in Form eines aus­führlichen Entwurfes vorgclegt wurde. Er gipfelte in der Abänderung des Artikels 92 der ReichKVerfassung und bezweckt eine völlige Los­lösung der Bahnen von der allgemeinen Reichsfinanzverwaltung, indem die deutsche Reichsbahn einen eigenen Haushalt sowie eigene Rechte erhAt und damit ein selbstän­diges wirtschaftliches Unternehmen wird. Die Reichskasse gibt keine Zuschüsse für die Reichs­bahnen, noch nimmt sie mehr Ueberschüffe eutge- «en, und die Ausgaben des ordentlichen Haus­halts werden durch dessen Einnahmen gedeckt werden. Die Verwaltung soll sich in Zu­kunft so gestalten, daß die Reichsbahnen unter Mitwirkung eines Verwaltungsrates aus Mit­gliedern des Reichstages, des Reichsrates, des Reichswirtschastrates und den Vertretern des Personals sowie von Sachverständigen auf dem Gebiete der Volkswirtschaft und des Eisenbahn­wesens durch den Reichsverkehrsminister geführt we.den. Dieser ist dem Reichstage gegenüber in Zukunft nur noch dafür verantwortlich, daß die Vorschriften der Reichsverfassung über das Eisenbahnwesen beachtet werden, und daß dafür Sorge getragen wird, daß die Bahnen selbst sich stets in einem Zustande befinden, der den Ver­kehrsansorderungen entspricht und eine sichere Betriebssühruna verbürgt.

Die Rechte und Pflichten der B e a m t e n der Reichsbahn sind auch künftighin an die beamten­rechtlichen Vorschriften der Reichsgesetze gebun­den, doch bestimmt der ekwAhnte Verwaltungs­eat, der unter anderem den Haushalt festsetzt, und die Aufnahme von Anleihen genehmigt, jede Abänderung der Tarife. Wir Höchen es hier natürlich vorläufig nur mit einem Provisorium zu tun, über das erst die kommenden Beratungen die endgültige Entscheidung fällen werden, die aber auch noch nicht als absolut feststehend de- tratbtet werden kann, da auch hier erst die Prariz wird zeigen müssen, welche Fehler die Theorie gemacht hat. Die Grundtendenz des geplanten Reichseisenbahn-Finanzgesetzes ist jeden­falls durchaus -:i begrüßen. Das Eisenbahn- Problem. das wie schon erwähnt, seit letzter Zen mit im Vordergründe des Interesses steht, ließ von allem Anfang an erkennen, daß die gegen­wärtige Verwaltung und FinanzgebaHrung bei den Reichseisenbahnen unhaltbar war. Ein Staat, der so verschuldet, der so unterdrückt, ja versklavt ist, imd der so dringend der Anspan­

nung aller vorhandenen Kräfte bedarf, wie Deutschland, ein solcher Staat kann sich den Luxus eines unrentablen Eisenbahnbetriebes, besonders wenn dieser sich noch dazu rm Besitze des Reiches befindet, nicht leisten. Mit dem neuen Plane ist natürlich auch die schwierige Aufgabe zu lösen, den Eisenbabnetat auf eine feste Grundlage zu stellen. Einnahmen und Ausgaben auszugleichen und sogar noch einen Ueberschuß zu erzielen, wird in absehbarer Zeit nicht leicht sein. ES erfordert die Arbeit der besten Köpfe. Hg.

Londoner Besprechungen.

Alles ist noch »«geklärt.

(Eigene Drahrmeldung.)

Paris, 21 Dezember.

Neber die Londoner Besprechungen hört man heute morgen merkwürdig wenig. Die Unter­redungen dauerten nur kurze Zeit. Briand und Lloyd George haben besonders über die Rrpara- tionsftage verhandelt. Heber das Ergebnis die­ser Besprechungen verlautet aber noch nichts. Briand hat gestern abend einem Vertreter der Daily Mail" erkört, beide Ministerprästdenten hätten miteinander vereinbart, über ihre Bespre­chungen noch keine Aussagen zu machen, bis endgültige Ergebnisse erzielt worden seien. Der Umstand, daß Weihnachten vor der Tür steht, läßt die Bermutung aufkommen, daß es zu greifbaren Ergebnissen vorläufig überhaupt nicht kommen werde. Briand hatte ursprünglich beabsichttgt, heute, Mittwoch, wieder nach Frank­reich zurückzukehren. Jetzt hat er endgültig seine Abreise auf Donnerstag oder gar auf Freitag verschoben. Auch Lloyd George will feine Weih­nachtsferien in feiner Heimat in Wales zubrin­gen und gedenk am Freitag London zu verlassen.

Vertröstung auf die Aanuar-Konferenz.

London, 21. Dezember. (Eigene Drahttnel- bung.) Die Reparations- und Stundungsfrage ist den Sachverständigen Überwiesen worden. Der englische Finanzminister, Sir Robert Horne imv einer feiner Mitarbeiter im Schatzamt, Blackburne. fotoie Loucheur und Berthelot und der Mitarbeiter aus dem französischen Finanz- Ministerium. Cheyffon, haben gestern die Re­parationsfrage ausgiebig besprochen und zwar, was das Interessanteste ist, zusammen mit Rathenau, dessen Anwesenheit in Lon­don auf eine Einladung oder Anregung seitens des britischen SchotzministerinmS zurückgeführt wird. Mehr als die Ernennung des Präsidiums iir die Januarkonferenz der Entente und mehr als einen Beschluß darüber, was Deutsch- land denn eigentlich im Januar und Februar zahlen muß, wird man also kaum von Den Verhandlungen in London erwarten dürfen.

Europas Wiederaufbau?

Konferenzpläne für nächstes Jahr.

(Eigen. Drcchrmeldung.)

London, 21. Dezember.

Daily Chronicle" behauptet, Llovd George habe mit Briand über einen Plan gesprochen, um den Frieden und den Wiederaufbau Europas auf breite Basis zu stellen. Dieser Versuch solle in einer europäischen Konfe­renz. bei der alle Mächte, also auch Deutschland und Rußland, vertreten fein sollen, jemacht werden. Anscheinend besteht heute Ans­icht, daß eine derartige Konferenz Anfang näch­ten Jahres zustandekommt. DerTemps" meldet ans London: Briand hat sich gegen den Wiederaufbau Rußlands erklärt, ohne daß vorher Garantien für die mit dem Wieder­aufbau einsetzende bolschewistische Propaganda gegeben fein würden. Ebenso erklärte sich Bri­and für unbeschränkte Finanzkontrolle.

Äanuar- und Febmarraten.

DieSachverständigen" drängen aus Zahlung (Eigene Dradttneldung.)

London, 21. Dezember.

Die Sachverständigen machten überrinstim- mend Lloyd George und Briand folgende Bor- chl"ge: 1. Deutschland könne und müsse die Januar- und Februar-Rate zahlen. 2. Falls ein Zahlungsaufschub entweder ganz oder teilweise bewilligt werden sollte, so müssen die Vollmachten des nach dem Versailler Vertrage bestehenden Garantiekomitees eine Ausdehnung in dem Sinne erfahren, daß sie auch die Kontrolle der deutschen Finan­zen cinschlietzen. Bei der gestrigen Besprechung in der Finanzkonferenz beharrten die französi­

schen Sachverständigen bei ihrer Ansicht, daß Deutschland imstande sei (?), die Januarrate zu zahlen. Ferner drängten ste darauf daß festgestellt werde, ob nicht Deutschland imstande sei, außerdem 150 Millionen Goldmark von den »eiteren Zahlungen für 1922 aufzubriugen.

Finanz-Bedingungen.

Hartnäckigkeit der Franzosen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 21. Dezember.

Briand und Loucheur haben gestern der Ge­währung eines Moratoriums widersprochen. Nur unter der Bedingung ganz sicherer Garantien und einer ganz sicheren Kontrolle der deutschen Finanzverwaltuna könnten sie einer auch nur teilweisen Zahlungspause zustimmen. Bevor nicht auch im Innern Deutschlands ein Mora­torium erlassen sei, könne von einem solchen im Verkehr mit dem Auslande keine Rede sein. Die Opfer des Krieges hätten keine Veranlassung, ihre Ansprüche gegenüber Deutschland aufzugeben, solange die Deutschen selber an ihren deutschen und preußischen Staatspapieren Geld verdien­ten. (!) Die finanzielle Kontrolle über Deutschland könne nach der Ansicht Briands durch eine erweiterte Machtbefugnis des gegen »ärtigen Garantiekomitees erzielt werden. Von französischer Seite wird noch angenommen, daß die Garantien umfassen: Die Kontrolle der oeutschen Zölle md die Forderung, daß die Reichsbank von der deutschen Staats kontrolle befreit wird, mit anderen Worten, das sie dieselbe Unabhängigkeit erhält wie sie die Bank von England oder die Bank von Frank- reich besitzt und nicht auf Geheiß der deutschen Regierung eine unbeschränkte Menge von Pa­piergeld auszugeben brauche.

*

(Sine Regierung nach Englands Wunsch.

London, 21. Dezember. (Eigener Bericht.) Bei der Besprechung der Reparationsstage mit Briand sagte Lloyd George, daß nach Ansicht der englischen Regierung das Kabinett Wirth nicht mehr durch alliierte Forderungen in Be­drängnis gebracht werden dürfe. Es sei die so­lideste und zuverlässigste Regierung, mit der Europa es zu tun gehabt habe. Wenn sie ge - zwungen würde, zurückzutreten, so würde sie einer anderen Platz machen, die weniger zufrie­denstellend fein müsse. Während Briand an der Zahlung der Januar - und Februarrate sesthielt, meinte Lloyd George, daß es Deutsch­land zwar möglich fein würde, diese Waten allen­falls zu zahlen daß es aber dadurch erst in die Gefahr eines völligen Bankerottes hineingerate. DerDaily Chronicle" meint, daß die Aus­sichten für eine alle diese Fragen ürnfaffeuoe europäische Konferenz für Anfang Januar nicht mehr ungünstig seien.

Beamten Besoldung.

Mäßigung der Spitzenorganisatronen.

(Privat-Te!earamm.l

Berlin, 21. Dezember.

Wie berichtet wird, haben die Vertreter der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen, die un­ter Führung des deutschen Beamtenbundes ge­stern abend zusammengekommen waren, um die Neuregelung der Gehaltsverhältniffe der Beam­ten, Angestellten und Arbeiter nochmals zu be- raten, sich dahin geeinigt, ans nationalen Grün­den auf ihre ursprünglichenForderun- gen zu verzichten, da man über die Ge­stattung der neuen Besoldungssätze und über­haupt über die Frage, ob man der Regierung bestimmte Vorschläge machen solle, zu einer Einigung nicht gelangen konnte. ES wurde be­schlossen, heute nachmittag nochmals zusmmnen- zutreten und unmittelbar darauf beim Reichs, finanzminister vorstellig zu werden.

* Vrolest-Kundgedungen.

Berlin, 21. Dezember. (Privat-Telegramm.) Tausende von Post- und Telegraphenbeamten haben gestern abend nach stürmischen Austritten folgenden Beschluß angenommen:Der Regie­rung ist ein U l t i m a t u m von vierundzwanzig Stunden zu stellen, laufend vom 21. Dezember mittags 12 Uhr bis 22. Dezember mittags 12 Uhr. Bei Ablehnung der eingereichten Forde­rungen ist die sofortige Urabstimmung vorzu­nehmen und noch vor Weihnachten ans den Be­trieben herauszugehen." Das würde den Gene­ralstreik der Berliner Postbeamten bedeuten.

Waldeck.

Für oder gegen Anschluß au Preuße».

In der Frage der Waltzecker Sutunft wird an« au« dem Maltzeck'lchen Folgende« geschrieben« Die Anschluß frage bewegt von Tua zu Tag mehr und mehr unser Land. In Presseartikelu der letzten Zeit hat man sich mit der Frage ein­gehend beschäftigt. Es wurden Stimmen für und gegen den Anschluß laut. Das ist verständ­lich. Wer nun recht hat, das läßt sich im vor­aus so leicht nicht ertennen. Jedenfalls ist es aber sehr wichtig, wenn es zu einer offenen Aussprache kommt. Nurch durch sie wird daS Volk interessiert, zum Uefberlegen und Nachden­ken und zum Abwägen und Mßchätzen gezwun­gen. Sollen wir auf eine Parieiparole warten? Ist - überhaupt eine Parteifrage? Nein ! Die AnschLußfrage gehört unferm ganzen Völkchen, allen, ohne Unterschied. Nur das Volk in sei­ner Gesamtheit kann über sie entscheiden und dabei brauchen sich politische Leidenschaften kei­neswegs breit zu machen. Wenn der eine mehr gefühlsmäßig die Sache betrachtet und sich von seiner ausgeprägten Liebe zum Heimattande leiten läßt, so wollen wir es ihm nicht verden­ken, wir aber wollen auch den nicht schelten, der mehr nach seinem Verstände urteilt und mit ihm auf dem Wege zum Anschluß an Preußen ist, worin er eine Notwendigkeit für unser kleines Land sieht Und dieLandfremden?" Wollen wir weiter lächerlich wirken, wenn wir solches Wort in die Wagschale werfen. Jst's nicht so, daß in den vergangenen Jahrzehnten

viele LandeZkinder auswandern mußten, da sie keine Beschäftigung und keinen Lebensunterhalt hatten im eigenen Lande, um sich eine neue Heimat zu suchen und zu grün­den? Waren sie dort dieSanbfrentben , die nur Pflichten hatten, nie aber Rechte? Nein, so war es bei weitem nicht. Sie waren geachtet, )ie wurden geliebt und geehrt und verdantten viel dem neuen Lande, das sie aufnahm. Und die großen Männer unseres Heimatlandes? Auch sic fanden ihr Arbeitsfeld in andern Gauen un­seres weiten Vaterlandes von Philipp Nikolai an über Rauch und Kaulbach bis auf Professor Bier von heute. Nie haben sie entfernt ihrer schönen waldeckischen Heimat als Landftemde gegolten. Sie waren, erfüllt von der Liebe zur engeren Heimat, in Preußen öder sonsttgen Län­dern unseres Vaterlandes in erster Linie echte Deutsche. Und gerade dieser Gedanke des Deutschseins sollte stets im Vordergründe stehen. Wir sollten in erster Linie erkennen, daß wir ein Volk sind und einen Staat haben: Deutschland. So wollen wir und aber auch hüten, diejenigen zu beleidigen deren Wiege nicht in Waldeck stand die ober schon lange Jahre unter uns wohnen und mit uns zusammen für unser Boft arbeite­ten. Wer will es abstreiten, daß sie nicht durch ihr Interesse <m unserm Ländchen und durch Studium der

Geschichte der Heimat mehr von den waldeckschen Verhältnissen wissen können als fo viele unter uns, die sich leider nur um des .Leibes Nahrung und Notdurft küm­merten? Fern aber sei uns auch jeder gehässige Kampf in der Frage unserer staatlichen Zukunft! Hüten wir uns auch davon, bei einem Gegner oder Freunde des Anschlusses gleich das Schlechte zu erkennen! Suchen wir lieber nach, ob nicht etwas Gutes zu finden ist. Nur dann, wenn der Anschluß'! .mips in diesem gezeichneten Rahmen geführt wird, ruhig, sachlich und ohne Leiden- chasten, nur dann wird er zum Wohle unseres Volkes sein. Möchten diese Ratschläge und Wünsche hineinwandern in viele Säufer und Herzen unseres waldeckschen Volkes, ihm zum Segen. Fr. N.

Df. Simons cm Hindenburg. Um die Schuld frage nm Kriege.

Berlin, 21. Dezember. (Pnvattelegramm.) Reichsminister a. D. Dr. Simons richtete iolgenben offenen Brief an den Generalfeld­marschall von Hindenburg: Eure Exzellenz ha­ben in der Presse letzten Sonntag einen Brief veröffentlichen lassen, in dem Sie meine Hal- ttmg zur Schuldfrage auf bet Londoner Konfe­renz aus die gleiche Sttise stellen mit dem Zu­geständnis unserer Schuld am Kriege in Ver­sailles. Das ist eine schwere Ungerechtigkeit. In Versailles haben wir allerdings die Ver- antwortuna, den Krieg verschuldet zu haben, auf uns genommen. In London habe ich hier­gegen Verwahrung eingelegt und mich auf ein gerechteres Urteil her Weltgeschichte be­rufen. Di eine dortigen Ausführungen hatte ich auch jetzt noch in vollem Umfange aufrecht. Welche Wirkungen sie gehabt haben, zeigt die Antwort Lloyd Georges. Er sagte: .Die ändere sehr bezeichnende Stelle der Rede Dr. Simons' war seine Weigerung, im Namen Deutschlands die Verantwortung für den Krieg zu überneh­men, die in Wahrheit die Grundlage des Ver­sailler Venraaes bildet. Er hat nicht nur avge- lihnt, diese «ftrundlage anzuerkennen, sondern