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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Sonnabend, 7. Januar 1922,

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Nnmnrer 6

- T

Sie Beratung über SeuWanbs Schilksal.

Deutschlands Lage.

Ltrrev dem Druck der Sieger.

Bo«

Dr. Hermann Fach nicke, M. d. R.

Fn der neuen Auflage desDeutschen ®e> dankens", die manche seiner früheren Auffassun­gen korrigiert, spricht Paul Rohrbach davon, daß das deutsche soziale Gewissen das Weltgewissen fetten solle, und daß in diesem Sinne dann der Fortschritt des deutschen Gedankens in der Welt nicht nur als die Sache des Deutschtums, sondern auch als die der Menschheit offenbar werde. Trotz äußeren Stur­zes könnten wir unseren hanLelAwittschaftlichen und kulturpolitischen Einfluß in ganz Mittel­und Osteuropa wieder aufrichten. Wir brauch­ten uns kein geringeres Ziel zu stecken als vor dem Weltkriege. Rohrbach glaubt bereits einen Wiederauffti eg in dieser Richtung zu erblicken, ein neues Deutschland erstehen und erstarken zu sehen. Ach, wenn es doch so wäre! Wenn das Deutschland der Wirklichkeit dem der Phan­tasie doch gliche! Einstweilen sehen wir weite Kreise des deutschen Volkes noch fern von die­sem Ideal, sein von Staatsgefühl und Staats- gcsinnung. Mißmut, Arbeistunlust, Steuerscheu. Gehalts- und Lohnbewegungen Streikfieber, Parteienzank davon ist Deutschland voll und übervoll. Wir sind das Volk nicht mehr, das wir waren. Furchtbare Folgen hat der Ver­lust des Krieges Wer uns gebracht. Uno was liegt vor uns?

Zu den-^nneren Wirren treten, die Rot der Zeit vermetMud, die äußeren Schwierig­keiten. Waren die Blicke bisher gespannt nach, London gerichtet, so lenken sie sich jetzt nach Can­nes, weil dort über das deutsche Schicksal ent­schieden wird. Es nützt nichts, das VoW über den Ernst der Lage Hinwestäuschen zu wollen. Mit Optimismus ist die OeffenKchkeit lange genug gefüttert worden, und stets hat er sich als falsch erwiesen. Bald wurde ein Mora­torium vorgespiegelt, bald eine internationale Anleihe, bau> Reiseerfolge von Privatpersonen. Nichts davon hat sich als wahr erwiesen. Man soll deshalb aufhören, die Dinge schönzufärben soll sie vielmehr zeigen, wie sie sind. Irgend­welche Milde ist von den Gegnern nicht zu hoffen. Sechst wenn Bricmd wollte, er könnte nicht. Seine Kammermehrheit verbietet ihm jede Nachgiebigkeit gegen das verhaßte Deutsch- land Er konnte sie nur mit der Versicherung beruhigen, daß keinerlei Garantien preisgegeben würden, die der Vertrag von Versailles enthalte, ja, daß neue Garantien gefordert werden würden. Alles, was wir über Erleichterungen hören, beruht lediglich auf Vermutung. Die tat­sächlich bestehenden Pläne werden einstweilen verschleiert und treten in ihrer nackten Gestalt erst am Schluß der Konferenz hervor. Nur so­viel weiß man jetzt bereits, daß wir die nächst­fälligen Summen zahlen müssen, und daß, wenn man für die darauffolgende Zeit die Zügel et­was locker lassen wollte, dies nur unter den härtesten Bedingungen geschehen würde.

Frankreichs Volitik bleibt aus die Niederhaltung Deutschlands gerichtet. Seine Fi­nanzen sind überdies derart verwüstet, daß es die deutsche Hilfe recht gut gebrauchen kann. England hat Interessen in "Syrien, Mesopo­tamien, Aegypten, Persien zu wahren und ist für jede Unterstützung, die es dabei findet, zu Zugeständnissen auf Kosten Deutschlands bereit. Der Komplex der Probleme erweitert sich durch die in der Konferenz von Washington aufgeroll­ten Fragen, die das Schicksal der ganzen Welt berühren. Wird Frankreich in die Rüstungs­beschränkungen willigen, wird es schließlich doch noch auf die vermehrte U-Bootstonnage verzich­ten. wird es sich mit England zu einem BÄnd- nis zusammenschließen ? Wie wirkt sich die in­zwischen erfolgte Annäherung zwischen Eng­land und Amerika, das sogenannte angel- sächsissiche Bündnis, gegenüber Japan aus? Diese weltpolitischen Perspektiven verknüpfen sich mit der deutschen Frage und überragen, vom Standpunkt der Gegner aus gesehen, die letz- tere derart, daß diese nur noch zum Geegustand von Kompensationen werden wird. Wir pro- teftieren dagegen, wir rufen das Weltgewissen auf, wir betonen die Idee des Rechtes und der Gerechtigkeit. Aber aller Widerspruch ver­hallt ungehört bei denen, welche die Machi über uns haben. Sie führen eine Politik nach ihren, nicht nach unseren Interessen. SSir sind und bleiben einstweilen die Verfolgten und Be­drückten, die Mühseligen und Beladenen.

Unfern Haushalt können wir auch durch die neuen Steuern und Tarife, die bis an die Grenze unserer Tragkraft gehen, nicht in Ord­nung bringen. Die Reparationen können wir nicht zahlen, auch wenn sie in ihrem Ge­samtbetrag nm einige Milliarden herabgesetzt werden sollten. Dennoch mutet man uns die ungeheuren Lasten zu und drobt mtt Zwangs­maßnahmen für den Fall, daß wir erNären. sie nicht tragen zu können. Wenn aber von den

Gegnern keine Gnade zu erhoffen ist, so müssen wir umso mehr darauf bedacht fein, von in­nen heraus zu gesunden und zu erstar­ken. Es gilt, den Tiefstand, auf den uns die militärische Niederlage herabgedrückt bat, endlich zu überwinden, indem wir die Kräfte zusam- menfaffen, über welche wir trotz allem noch ver­fügen. Vor allem ist eine Regierung zu bilden, die eine feste Mehrheit hinter sich hat. Das jet­zige Kabinett der Persönlichkeiten reicht nicht aus; es mutz sich zu einem Kabinett aller Par­teien der Mitte ausweiten. Nur so gewinnt es Ansehen und Autorität dem Ausland gegenüber, nur so vermag es die Steueraktion zu einem be­friedigenden Ende zu führen. Werden die betei­ligten Parteien diese Staats-Notwendigkeit be­greifen? Wird es Bürger ustd Bürgerinnen ge­nug geben, die erkennen, daß eine Regierung auch Den Mut zur Unpopularität besitzen muß? Wird der Slaatsgedanke das Volk wieder er­fassen und erfüllen? Das ist die Frage, von deren Lösung die innere und damit aber auch die äußere Politik Deutschlands aohängt.

Die Krmfsrmz in Gemms. Vorbesprechungen der Sachverständigen.

(Eigener Drshtberichth

Paris, 6. Januar.

Finanzminister Doumer, sowie die sranzöfi» scheu Sachverständigen und die belgischen und japanischen Delegierten sind gestern morgen in Cannes eingetroffen. Zunächst fand eine Sit­zung der Sachverständigen ftatt, die folgendermaßen zusammengesetzt war: Für Frankreich Doumer und Loucheur, für England Evans und Hörne, für Belgien Theunis und Jaspar. Die Unterhaltung beschäftigte sich vor allen Dingen mit der Frage des Londoner F i - nanzabkommens vom 13. August 1931 und mit den belgischen Vorrechten. Nachdem diese Urtterredung beendet war, sand sogleich eine zweite Sitzung statt, an der dieselben Per- fönlWeiten teilnahmen. Diese Sitzung befaßte sich mit der Tagesordnung der Konferenz. Ter auf Grund bei; Londoner Vorschläge ausge­arbeitete Plan hat nachmittags den Premiermi­nistern vorgelegen. Die erste Gefamtfitzung ist auf ben morgigen Sonnabend festgesetzt.

* * * tim Belgiens Vorrechte.

Cannes, 6. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Nach den Besprechungen zwischen England, Frankreich und Belgien, an denen zeitweise auch Italien beteiligt war, ist für den Nachmittag eine neue Sitzung anveraumt. Man glaubt, daß die belgischen Delegierten in der Frage der Priorität nachgeben werden, daß sie aber als Ersatz dafür Naturallieferungen an- nehmen wollen. Man spricht davon» daß diese Lieferungen in Eisenbaknmaterial sowie in Eisen- und Holzhäusern für den belgischen Kongo bestehen fallen. Die belgischen Minister haben, wie verlautet, auf Verlangen beS belgi­schen Königs in biefem Sinne entschieden.

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Der fronrvMK enslifcve Bllnbuksplan.

Cannes, 6. Januar. (Eigene Drahrmeldung.) Hier verlautet gerüchtweise, daß Briand noch immer ein Defensivbündnis mit England abzuschließen wünscht. England würde zur Vorbedingung eines solchen Bündnisses machen, daß Frankreich zu Lande teilweise, zur Bee vollständig abrüste und insbesondere die U-Bootwlfffe aufgebe. Amerikanische Einflüsse in Cannes sollen am Merle fein, die Engländer zu veranlassen, für die Durchführung dieses Bündnisplanes einzutreten.

Die Haltung der Regierung.

Parteiführer beim Reichskanzler. (DrivatzLelcgramm.)

Berlin, 6. Januar.

Die Besprechungen des Reichskanzlers mit ben Führern der drei Koalitionsvar- teien wurden gestern abend fortgesetzt. Ueber den voraussichttichen Ausgang der Konferenz in Cannes konnte Dr. Wirtb keine Mitteilung machen, dagegen bestätigte er den Führern der Soalitionsparteien, daß ohne ausdrückliche Ein­ladung der Entente kein deutscher Regie­rungsvertreter sich nach Cannes begehen solle Der auswärtige Ausschuß des Oeichs- taoeS wird in der nächsten Woche zufanmrenlre- ten, um den Bericht Dr. Rathenaus über feine Pariser Reise entgegenzunehmen. Auf Wunsch des Kanzlers soll sich hieran eine Aussprache über die allgemeine außenpolitische Sage und die Steuerpolitik des Reiches anschliehen.

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tim die Satzreszohkung.

Berlin 6. Januar. (Privat-Telegramm.l Innerhalb der Reichsregierung glaubt man ge­

wisse Anhaltspunkte zu haben, die einen Schluß auf die Summe zulassen, die im Laufe dieses Jahres an die Entente abxeführt werden müsse. Von englischer Seite soll vorgeschlagen werden, daß Deutschland im Jahre 1922 auf Konto der Reparation im ganzen fünfhundert Millionen bezahlt. In deuffchen Kreisen nimmt man an, daß die Simnne von ftinfhundert Mil- Honen bis zum 25. April 1922 zu begleichen wäre und daß wir dann für das übrige Jahr an Reparationsgeldern nichts mehr abzuführen hätten. Am 15. Januar und 15. Februar sollen aber je 125 Millionen entrichtet werden. Wie die übrigen zweihundertfiinfzig Millionen be­zahlt werden sollen, ist noch unklar.

VorschMg? zur Mäßigung.

Ein Antrag der britischen Arbeiter.

(Eigener Drahtbericht.)

Loiwon, 6. Januar.

Die englische Arbeiterpartei und der Exelu- tivausschuß des Arbeiterverbandes haben Lloyd ®eorge ein Memorandum geschickt, worin sie den Verzicht auf ben englischen Anteil am Repara­tionsguthaben sowie die Ermäßigung der Repa­rationsforderung um den Betrag, den die Pen­sionen ausrnmhen, fordern. Sie fordern die Ab­berufung der rhcinlänbischen Befatzuna und die Einberufung einer internationalen Wirtschafts­konferenz, in der die hauptsächlichsten Regierun­gen Europas vertreten fein fallen. Es soll eine internationale Anleihe aufgelegt werden für die Wiederherstellung der zerstörten Gebiete und die R>.s.!uttg der europäischen Valuten, beson­ders der russischen Währung. Das Memoran­dum fordert, daß so viel wie möglich deuffchc Maschinen und Arbeitskräfte herangezogcn wer­den sollen. Es erflärt sodann, daß die For­derung für die Bezahlung der Pensionen Eng­land einen viel größeren Anteil als Frankreich zufpricht. Wenn diese Forderung gestrichen würde, könnte Frankreich ein größerer prozen­tualer Anteil zugeftanden werden.

Ruthrnau in Bans.

Private Zusammeuknnft mit Amerikanern.

(Eigene Drahtmeldung.1

. Berlin, 6. Januar.

Rathenau hat am Dienstag an einem Essen bei dem amerikanifchen Vertreter in der Wieder­herstellungskommission Boyden teilgenommen. Außerdem war der frühere amerikanische Sena­tor Lewis und mehrere andere Mitglieder des amerikanischen Parlaments anwesend. Lewis und Rathenau erörterten die Möglichkeit der Erwerbung deutscher Industrie- Unternehmungen durch amerikanische Ge­sellschaften. Aus Cannes wird gemeldet, daß dort für Rathenau Zimmer bereitgehalten wür­den. (?) Man glaubt jedoch, daß die deutsche Regierung Rathenaus Anwesenheit in Cannes als taktlos empfinden würde, da Deutschland nicht offiziell eingeladen worden ist. Die Ra- dio-Azentur bestätigte heute ihre Meldung von der Rückkehr Rathenaus nach Berlin.

BesolöunMmgen.

Die netten Verhandlungen in Berlin.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 6. Januar.

Halbamtlich wird mitgeteilt: Im ReickS- finanyniniSeriimt traten gestern nachmittag die Vertreter der Reichsregierung und der Spitzen- organtsmionen zu den weiteren Berhand- lungen über die neue Teuerungszulage kür die Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reiches Mammen. An den Beratungen nah­men Vertreter aller AeichSressorts, des preußi­schen Finanzministeriums und MUglieder des dreiundzwanziger Ausschusses des Reichstages teil. Unter dem Vorsitz des Ministerialdirektors von Schrieben vom Reichsfinanzministerimn wurde eine allgemeine eingehende Aussprache gehalten. Es herrschte auf allen Seiten das Bestreben, die Verhandlungen so rasch zu Hären, baf? dem Reichstag bei seinem Zusammentritt am 19. Januar eine Vorlage zugehen kann.

Die einzelnen ArSeitogruppen.

Berlin. 6. Januar. (Privattelegramm) Anfang nächster Woche wird bie Verhandlung fortgesetzt und dabei zunächst mit der Beratung der Arbeiterfrage begonnen werden, nach­dem inzwischen die Reichsregierung mit den Finanzministern der Länder sich ausgesprochen fcaficn wird. Im unmitetlfcaren Anschluß an die Arbeiterfrnge soll die Beamten- und Ange­stellten-Frage behandelt werden.

Llkberste-Handel.

Deutschlands Ein- und Ausfuhr in ISLk.

Die Hamburger Sanbetelammer, die wichtigckb wirt,Gastliche «ö-perfchaf t DculfUilands, hat so. eben ihren Jahresbericht für 1921 herauSgegc len dessen Inhalt für die Beurteilung der gesamten deutschen Wirtschaftslage von Bedeutung ist. Trotz aller Schwierigkeiten hat sich die deutsche Handelswelt im vergangenen Jichre alle Mühe gegeben, den verlorenen Weltmarkt tote- derzuerÄbern Die Tatsache, daß der Verkehr im Hamburger Hafen, als dem bebcutertbften deut­schen Umschlagplatz, schon wieder siebzig Pro­zent bei Vorkriegszeit erreicht hat urtd im Nw- vemLer der Export gegenüber dem Fmpott ein Plus anstvies, ist der Beweis dafür. Allerdings muß man berücksichtigen, daß die höheren Ex­pottziffern in der Hauptsache daraus zurürtzu- fj'chren sind, daß man kurz vor der Steigerung des Eoldzollzuschlags noch so schnell und so viel aW möglich Waren zu verschiffen trachtete. In dem Jahresbericht der Hamburger Handels­kammer wird nun ein interessanter Ueberdlick über die Handelsbeziehungen Deutschlands zu überseeischen Ländern gegeben. Ans dem um­fangreichen Matettal fei das wichtigste mit­geteilt:

Die ehemaligen deutschen Kolonien Wie* Iben auch im Jahre 1921 dem deuffchen Kauf­mann vollständig gespertt, da die Entente noch immer die Einfuhr deutscher Waren verbietet. In den Vereinigten Staaten Amettkas, die sich von der Wirtschastslrisis Ende 1900 noch nicht erholt haben, und die in dem Nvtstands- tarff-Gesetz vom 21. Mai 1921 eine Maßregel zum Schutze der einheimischen Jndusttie geschaf­fen haben, erfahren die deutschen Schiffe eine Ausnahme-Behandlung. Die amerikanische Re­gierung fordett nämlich von den deuffchen Schis­sen außer der üblichen Sechs-Cents-Abgabe pro Tonne noch eine Extra-Taxe von einem Dollar. Trotz dieser Schikane konnte sich bet Handel ziemlich lebhaft entfalten, wohl auch deshalb, weil die Union sich infolge ihrer inneren Witt- schastskrifts das große deutsche Absatzgebiet nicht entgehen lassen wollte. Die Handelskammer spricht die Hoffnung aus, daß man in Washing­ton die Politik mit der wirtschaftlichen Notwen­digkeit in Einklang bringen werde. Das Ge­schäft mit Mexiko war zuftiedenstellend. Im Anfang des Jahres wurden allerdings rnehr Waren nach dort erporttett, als der Markt auf­nehmen konnte, auch hemmten VerkehrSschwie- rigkeiten den deuffchen Absatz. Der Handel mit Argentinien, der bis zum Mai nur unbe­deutende Abschlüsse aufwies, begann sich mit dem Sinken des Markkurses außerordentlich zu heben. Eisen, keramische, Textil- und Papier- Waren zeigten sich -besonders gesucht. Am Schluß des Jahres ging die Nachfrage nach deuffchen Waren infolge der von den Fabrikanten-Vereink gütigen beschlossenen Peso-Fakturierung wieder erheblich zurück.

In Brasilien konnte der deutsche Aus­fuhrhandel seine frühere Bedeutung noch nicht wieder erlangen. Das Land wurde von allen Seiten mit Waren geradezu überschwemmt. Das Ueberangebot und das damit verbundene Fallen der Preise sühtte zu zahlreichen Zahlungsein- stellungen, in einem Umfange, wie man ihn itt Brasilien selten erlebte. Die deuffchen Expor­teure hatten überdies unter dem Bureaukratis- mus der Außenhandelsflellr empfindlich zu lei­den. In Chile gelang es, die während des Krieges entftanbene englische, amerikanische und japanische Konkurrenz allmählich zu verdrängen. Die deuffchen Einkünfte waren zufriedenstellend, obgleich Chile noch immer unter einer Witt- schaftskrisis leidet. Der chinesische Markt zeigte infolge fottschreitender Industrialisierung des Landes eine geringe Aufnahmefähigkeit für deuffche Waren, dagegen konnte sich trotz Hun­gersnot, Ueberschwemmungen und kriegerischen Vorgängen im Inneren Chinas der deuffche Jmpott beleben. Japan hatte durch die Rach- Wirkungen der schweren wirtschaftlichen Erschüt­terung tm April 1920 bis zur Mitte des Jah­res 1921 mir Aufträgen zurückgehalten. Dann aber setzte eine starke Nachfrage nach deuffchen Erzeugnissen ein, und heute ist die deutsch« In- dustrie mit zahlreichen Lausenden Aufträgen für das Jnselreich beschäftigt. Zn Britt sch-Ost­indien war zu Anfang des Jahres ein Be­dürfnis für deutsche Waren bemerkbar, später aber verminderte sich das Geschäft durch finan­zielle Schwierigkeiten und politische Unruhen. Australien hielt während des ganzen Jah­res an dem Einfuhrverbot fiir deuffche Ware« fest, gab jedoch die Ausfuhr australischer Pro­dukte nach Teuffchland frei. Die damit gebotene Gelegenheit zu Repressalien hat sich die deutsche Regierung leider entgehen lassen und sogar selbst große Getreideankäuft in Australien ge­tätigt.

Die deuffche Schiffahrt, deren Gcfun- düng für die gedeihliche EuttoMung des Uebet- seehandels von grundlegender Bedeutung ist, hat ein schweres Jahr härtesten ExfftenzkampfeS