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12. Jahrgang

Freitag, 20. Januar 1922.

Fernsprecher 951 und 952

Nurn Mer 17

Fernsprecher 951 und 952

Beratungen über die Gteuererhöhung

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Stimmen aus der Lreffe.

Ltr »afieler Sleoestin Nachrichten etikettier, wachentttch techSmal und zwar a b en61. Der Avonnemenrkpreis beträgt monatlto 10.- Marl btt freier Zuftellun, toi Hau«. Ku«, wärt« aurch bie «oft besagen 10 Mark monaUtch etnschlteSUch Zustellung. Beft-llunge« werden irrer,rU non der Gelchafts stelle oder den Voten entgegengenommen. Druckerei. Li erlag und RedaMon LchlachthoMrabe 28/30. Für unverlangt etngeftmbte Beitrage kann die RedakNon eine Sietantroortimg oder EewLhr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de« vezugsgelde« oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungSmätztger Lieferung -u«geschlosi-n-

Berlin, 19. Januar.

Bei der RktchSgründungsseier der Deut­schen Volkspartei im ReicksNub führte Abgeordneter Dr. Strrsemann unter an­derem aus: Rur mit dem Gefühl tiefer Trauer sc he ich die Kaiserkrone nicht mehr über Teutsch- iand. Wenn wir an den Wiederaufbau glauben, so müssen wir das eine sagen: ihn bringt die Masse nicht, ihn bringt nur der Führer, der die.

Berlin, 19. Januar.

Die Mehrheitssozialisten befaßten sich in ihrer gestrigen Fraktionsfitzung mit einem Vor­schlag, der auf eine Einigung in den Steu­ersragen zwischen Zentrum und Mehrheits- sszialistcu hinzielt. Es handelt sich um einen Sompromißvorschlag, der sich zunächst aus den Paragraphen 32 des Vermözcnssteuergcsetzes stützt. In diesem Paragraphen ist vom Reichs­notopfer die Rede, wonach der zehnprozen- tige Teil des abgabepflichtigen Vermögens, das 1 027 600 Mark und darüber beträgt, auf vierzig Prozent des Betrages erhöht wird. Dieser Pro­zentsatz soll nach dem Kompromißvorschlag noch erhöht werden. Es erscheint fraglich, ob sich die Mchrheitssozialisten mit dieser Vermögens;eu"r zufrieden geben oder ob sie noch einen weiteren Eingriff in das Vermögen verlangen. Der Kom- promitzvorschlag sieht zweitens eine Anleihe vor, u. zwar eine FonLsunleihe. Jedoch braucht man zur Fixierung der Summe zunächst die Veranlagung zur Vermögenssteuer, d e noch nicht feMegt, sodaß hier lediglich ein Gesetz beschloss:« werden kann, das erst in Kraft treten kann, wenn die Veranlagung zur Vermögenssteuer fertigge­stellt ist. Der dritte Punkt sieht höhere Zuschläge zur Vermögenssteuer vor.

Das ganze Deutschland.

Berlin, 19 Jammr. (Privattelegramm.) Gestern abend hielt die Vereinigung alter Burschenschafter ihren Reichsgründungs sommers ab. Nach einer Eröffnungsansprache des Vorsitzenden, Amtsgerichtspräsident Dr. Lie­ber, hielt der Reichstagsabgeordnete Oöerregie- rungs- und Baurat Lawerreuz die Festrede: Das Vaterland des Bursa>nschafters umfasst äusser dem jetzigen Reichsgebiet alle Teile der Germania Jrredenta, die vom fremden Joch zu erlösen seinen Lebensinl)alt bilden müsse. Red­ner schloß, dass jeder Burschenschafter Deutsch lands, ob jung oder alt, niencals erlahmen werde, bis dieses neue Reich mrferstanden fei.

gnlerttentpretfe: »> etnbetmtfdje aufträge: Die einsaitige «njetgenjetle «. 2.-. Ute etntoatttge «ellamejeite M. 6.- b) Auswärtige Aufträge: t.e etnfpatttge Enjelgenjetle M. 1- ste etnfpatttge Reklame,«Ne M. b. alle» einichtieblich T-uerungrzuichlag unB an$eigenfteuer. ftixr Anzeigen mit deftmdcrS schwierigem Sag hundert Srajent Aufschlag. Für Pt- Richtigkeit aller durch 'ternipredjer aufgegebenen ftlnjelgen, sowie für Aufnahme- Paten und Platze kann eine Gewähr nicht übernommen werden, $ ruderet: Schlacht- bofftraSe »t/30. ®efdjäftSfieBe: Kölnische Straße 5. TeiiPhor, Stummer »51 und 953.

GLemr-Gchöhsmgen.

Beratungen der Sozialdemokratie.

(Privat-Trlearamm.l

Masse lenkt. Wenn wir heute den Blick auf die Gegenwart lenken, so zeigt uns doch ein Ver­gleich zwischen Weihnachten 1919 und den letz­ten Weihnachtstagen, dass wir uns in der Rich­tung auf eine Befestigung unserer Verhält­nisse vorwärts bewegen und hoffen, dass das c t h i s ch G u t e in der Masse sich durchsetzt. Las­sen Sie uns hoffen auf eine grosse und glückliche Zukunft. In diesem Sinne fordere ich Sie auf, mit mir in den Ruf einzustimmcn: Hoch lebe unser deutsches Reich »nd nnser Vaterland! Am Schluffe seiner Siebe überreichte Dr. Stresemann dem Reichsklub als Festgabe ein vom Maler Marschall gestiftetes Porträt Bismarcks.

Berlin, 19. Januar. (Privat - Telegramm.) DieTägliche Rundschau" erklärt: Wie man hört, haben sich die MehrheitSsozioKsten nach der gestrigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses durchaus auf den Boden der Reparationspolitik der Regierung gestellt. Dr. Rathenaus Rede soll auf sie beträchtlichen Eindruck gemacht ha­ben, oiber alle ihre Zustimmung zu den außen­politischen Maßnahmen der Segientng hilft nichts, wenn sie nicht in den Steuerfragen Ver­nunft annehmen. DieKreuzzettung" stellt feist: Die Koalitionsparteien sind noch weit ent­fernt von einer Verständigung über die Steuer- gefetze. Die »Vossische Zeitung" erklärt: Tie Bemühungen der Sozialdemokraten, die Unab­hängigen für eine feste Bindung zu gewinnen, scheinen noch nicht zum Ziel geführt zu haben. Die Schwierigkeiten, die die Steuer fragen be- reiten, sind noch sehr beträchtlich. Die .Deut­sche Allgemeine Zeittlng" schreibt: Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, gewimft es den Anschein, daß die Einigung heranreift.

Reichsgrünbums-Feiem.

Eine 2stede Dr. Strese mannS.

<Pttvat-T ekfliamm.)

Gutachten über die Verteuerung.

Amtiich wird mitgeteilt: Der aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitneihmer zusammen­gesetzten Kommission, die die Höhe des Zuschus­ses nach dem Abbaugesetz seststellt, obliegt die Abgabe von allmonatlichen Gutachten über die Verteuerung dber Verbilligung der Lebenshal­tung. Die Kommission hat nun das nachstehende Gutachten abgegeben, welches vom Bundesmini.

FranzMOer Wrörrsianö. Kamps gegen die Wirtschaftsiouferenz.

<3tui.net Drohwericht.)

Paris. 19. Januar.

Die Pariser Presse setzt ihren Kampf gegen Genua fort.Journal des Debets" schreibt ge­stern, dass das Kabinett Poincar« von den Alli­ierten vor eine vollzogene Tatsache ge­stellt wurde. Die übereilte (?) Einladung an Deutschland werde aber die Ziele Frankreichs: Reparation oder Zwangsmassnahmen, Erfüllung des Versailler Vertrages oder militärische Saul- tionen, nidjt beseitigen können. In einer halb­amtlichen Auslaffung schreibt gestern derMa- tin": Man erklärt in amtlichen Kreisen, dass Frankreich in der bevorstehende» Sitzung des Obersten Rates die Besprechimge» in Genua nur als Meinungsaustausch anneh­men kann, dass bindende Beschlüsse der Konfe­renz also allgemein ausgeschaltet Weißen. Ferner wünscht Frankreich vor der Besprechung mit Deutschen und Russen die Bekanntgabe der genanen Borbcdingungen für den in Aussicht genommenen Weinungsaustansch.

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Ensttsch-französiftHe Besprechungen.

Paris, 19. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Der französische Ministerpräsident Poinears wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach am Mon­tag oder Dienstag nach London begeben und sich dort mit Lloyd George über folgende Punkte unterhalten: 1. über den französisch-eng­lischen Vertrag, 2. Prüfung der Notwendigkeit einer etwaigen Einberufung des Obersten Rates, 3. Besprechung der ruffischen Frage.

Angriff cuf ven Besitz.

Berlin, 19. Januar. (Privat - Telegramm.) Der Vorwärts berichtet: Die sozialdenwkratifche Reichstagsfrällion nahm gestern den Bericht des Genossen Hermann Müller über die Steuerver- hanaiunaen entgegen. Müller stellte unter allge­meiner Zustimmung fest, dass angesichts der Schwere der von den Waffen zu ttagenden La­ßen die in den Regierungsvorlagen vorgesehenen Besitz steuern als völlig unzureichend erscheinen. In Bezug auf die Frage, ob es bei den gegenwärtigen Mehrheitsverhältniffen im Reichstag möglich sein wird, zu einem die So­zialdemokraten voll befriedigenden Ausgleich zu gelangen, äußerte sich Genosse Müller skeprisch. Er wies aus die große Gefahr hin, daß das Kabinett über die Steuerreform stürzen könne, was eine verhängnisvolle Verschlechte­rung unserer inneren, aber auch äusseren Lage bedeute. Die Beratungen gehen heute weiter.

durch keine Ententeverordnung aufgehalten wer­den. Einige Hoffnung bringt der Reichskanz­ler Dr. Wirth auf, der auf dem Zentrnmspar- icitag sprach. Er will den Gedanken verbreitet wissen, daß alle DöKer ein Gemeinschafts Inter­esse haben und daß nur durch gemeinsame wirt­schaftliche Arbeit eine Besserung zu erreichen sei. Er verspricht sich diese Besserung von der lom- menden Konferenz in Genua. Möge er nicht enttäuscht werden, istoch hat Poinears nicht ge­sprochen, der leider seine Rechnung ohne Herrn Wirth machen wird. K. F. Dr.

Cannes und Genua.

RathsnausDerlcht im AnöwärttgsnAvöschnß (Telegraphischer Bericht.)

Berlin, 19. Januar.

Den gestrigen Beratungen im Auswärtigen Ausschuß wohnte das gesamte Reichskabinett mit dem Reichskanzler Dr. Wirth an drr. Spitze bei. Auch Dr. Rathenau «ar zugegen. Gleich nach Erösinnng der Sitzung ergriff Dr. R a t h e- nau das Wort und berichtete in mehr ms ein- stnndigen Ausführungen über seine Besprechun­gen in London, Paris und Eannes. Die Ausfühürungen wnrden für vertraulich erklärt. Nach ihm ergriff der Abgeordnete Heisser ich das Wort. Wahrend der Beratungen des Aus­wärtigen AuSsckmffeS erschien im Reichstage auch der französische sozialistische Abgeordnete Re­tt a u d c l, der sich mit einigen sozialistischen Ab­

geordneten längere Zett unterhielt. An der Sit­zung des Auswärtigen Ausschuffes nabm auch der Lbgeordnet: Stinnes teil. Im Verlaufe de- Debatte ergriff auch der Reichskanzler da. Port zu längeren Ausführungen über die außenpolitische Lage. Abends empfing der Reichskanzler die Hauptschristleiter der Presse in der ReiaManAei, um auch ihnen nähere Austlärung zu geben über die zurzeit schweben­den innen- und außenpolitischen Fragen.

Der Zwischenakt.

Rach Cannes vor Genua.

Gegenwärtig ist eine Pause in den Gescheh­nissen auf der politischen Wettbühne. Der Vor­hang hat sich nach dem dramatischen Akt von Cannes gesenkt und die Illusion gestört. Dieser Akt wurde schlecht gespielt und hat infolgedessen einen peinlichen Eindruck hinterlassen. Wenn ein Hauptdarsteller vorzeitig, kopflos, die Bühne verlaßt, so daß seine Kollegen mit verblüfften Gesichtern dastehen, können natürlich auch die Zuschauer nicht befriedigt sein. So herrscht in der Tat überall Unzufriedenheit, da weder Eng­land, noch Frankreich, noch Deutschland eine ab- gcschlcfsene Aburachung nachhause gebracht ha­ben. Man erinnere sich einmal daran, was alles auf der Tagesordnung stand: Der Wiederaus- ban Europas, die Reparationen und der Rahe Osten. Wenn man dann betrachtet, daß.nichts davon erledigt ist. dann ist das doch ein für die Alliierten sehr beschämendes Ergebnis. Aber sie grämen sich nicht darum, sondern lassen sich die Riviera-Reise gut bekommen. Es bleibt ihnen euch nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn sic sind ja durch Briands Rücktritt und Poinearäs Eintritt in das politische Theater vor neue Tat­sachen gestellt worden. Es ist denttich wahrzu­nehmen, daß der Wechsel nirgends ange­nehm empfunden wird, sei es nun in England, Italien, Deutschland oder Amerika, überall hat man das Gefühl einer unliebsamen Störung. Ja, selbst in Frankreich scheint man nicht recht zu wissen, was dieser Nationalisten- streich bezwecken soll. Will Poinears eine noch schärfer gegen Deutschland gerichtete Militär- polttik betreiben, dann stößt er auf englischen Widerstand, weil England jetzt wirtschaftliche Interessen verfolgt. Will er aber nach den bis­herigen Rickttinien weiterarbeiten, dann war sein Erscheinen überflüssig. Vorläufig ist also die Lage noch unKar.

JnMischen hat Poinears mit Llohd George und mit Lord Curzon Fühlung genommen, um die unterbrochene Verbindung mit England wie­der herzustellen. Beachtet man in der Pariser nnd Londoner Presse, daß die Berichte über diese formellen Zusammenkünfte äußerft Whl ge­halten waren und sogar offen Zugaben, daß die Gegensätze mit großer Schärfe hervor­getreten seien, dann weiß man, wie die beiden Regierungen, die gerade vor dem Abschluß eines Garantievertrages stauben, jetzt zueinander stehen. Die beiden Ministerpräsidenten haben der Form halber, um die Kluft zu überbrücken, diplomatische Degrüßtrngstelegramme gesandt. In dem französischen heißt es:Frank­reich wird sich beeilen, die Prüfung der verschie­denen Fragen, die gegenwärtig zwischen Eng­land und ihm schweben, in freundschaftlichem Geiste wieder aufzunehmen. Ich hege die Hoff­nung, daß es uns gelingen wird, sie durch ge­genseitiges Vertrauen zum Wohle unserer bei­den Länder zu lösen.- Dann wird noch in einer Phrase an die Waffenbrüderschaft im Kriege er­innert und die Hoffnung auf Sicherstellung der Entschädigung ausgesprochen. Die eng­lische Antwort betont hauptsächlich die Polittk des gemeinsamen Vorgehens.Die britische Re­gierung hat in einem vor ktrzem veröffentlich­ten Dokument die Billigung enger Zusammen­arbeit. die sie mit Frankreich auftecht zu erhal­ten wünscht, in klaren Linien -argelegt, so daß jede Wiederholung ihrer Ansicht an dieser Stelle sich erübrigt " Auch danach wird auf die Kriegs- kameradschaft hingelmesen, die für den Frieden weiter bestehen möge. Rack diesem üblichen Austausck» von Höflichkeiten werden sich die Her­ren bemühen, die sogenannten Frenndschafts- bande sester zit knüpfen, denn sie wollen ja den englisch-französischen Schutzvertrag unter Dach und Fach bringen. bevor die Wirtschaftskonfe­renz in Genua herannaht.

Für Deutschland bedeutet die Zeit bis zum 8. Ästärz, dem Beginn der Konferenz in Genna, wieder eine Zeit der Planlosigkeit und des nutzlosen Abwartens, denn die ReichsreSe» rnng kann nichts tun, da ihr jedes Ziel ver- sperrt ist. Einstweilen darf sie alle zehn Tage einnnddreißia Millionen Goldmark an die Mi- ierten zahlen, das Weitere werden die Gläubiger bestimmen, wenn es ihnen paßt. Dr. Rathenau hat zwar in Cannes eine recht gehaltvolle Rede gehalten, nur ist zu befürchten daß die wegen Briands Abreise nervös gewordenen alliierten Delegierten nicht mit der nötigen Anfmerksam- keit zu.gehört laben. Er hat ihnen noch einmal auseinandergesetzt, wie sehr Deutschland unter der Last der Reparationen leide und daß es un­möglich sei, die geforderten Summen zu zahlen. Deutschland wolle aber zahlen und könne dies tutr tun, wenn Erleichterungen gewährt wür­den. Sollte er nicht feine Befugnisse überschrit­ten haben, als er andeutete, Deutschland werde noch die Steuern verdoppeln? Auf dem Papier läßt sich so etwas fel-r einfach ausrechnen, wohin es aber prakttsch führen muß, wird dann die weitere Marlentwertung zeigen, denn die daraus folgende Vermehrung des Papiergeldes kann

Teures Oesterreich.

Anerffchwirigliche Preise.

®ie anhaltende Steigerung der LebenSmttüt?» preise in Desterreittz ha« dah»n geführt, datz Sie» itt den Delikatessen gerechnet werde», deren Preise nicht mehr zu bezahlen find. Such das Fleisch wird immer teurer. Das Neue Wiener Ionrnal berichtet über die Tenernng tote folgt«

Wien, 18. Januar.

Jede Woche bringt jetzt auf dem Lcbensmit- tcknarrt andere Sensationen. Bald verschwinden Lebensmittel, bald tancken verschwundene wie­der auf, im letzteren Fall ist die Sensation je­doch nicht das Wiedererscheinen, sondern der Preis, der WNteist die Freude des Wieder­sehens trübt. Die vergangene LLvche bescherte uns beispielsweise größere Mengen von Eiern. Sie werden nicht mehr versteckt und heimlich an- geboten. vielmehr sind sie zu Auslagestük- ken geworden, aber ihre von einer Preistafel Kronen 145" begleitete Anwesenheit verleitet nur selten jemanden zum Einkauf und nicht ein­mal dort, wo der Preis Kronen hundertnndsünf- nnddreißig beträgt, finden sich Abnehmer. Man hat die findigen Wiener Kochüinstlerinnen zu lange ohne Eier gelassen, als daß sie jetzt von deren Wiederkehr zum zweitausendfachen Friedenspreis hingerissen und zum Ein» kauf begeistert wären Sie haben inzwischen gelernt, die verschiedensten Mehlspeisen, sogar Nudelteig und Cremes, ans Trockenei herzustel» len, und da bisher außer den Hühnern oder vielmehr ihren Besitzern niemand den Mut hat, ein zweitausendsaches Friedenseinkommen zu verlangen, muß man sich mich weiterhin ohne dieses gesunde Nahrungsmittel behelfen und warten, bis es billiger wird. Eier nm 135 bis 145 Kronen sind »n den Akcheneremtzeln der Wiener Hausfrauen gleich denen, die nicht vor­handen sind.

Uebrigens sind die Eierpreise nicht lange die einzigen geblieben, die bei der Berechnung ihres Gegenwartspreises zum Friedenspreis ein Mehrfaches der augenblicklich geltenden Verhält, inszahlTausend- erforderten. Mit ihnen zu­gleich oder bald nach ihnen sind Orangen aufgetaucht, die gar dreihundert Kronen das Stück kosten. Sie sind ungefähr von der Quali­tät, dir vor dem Kriege mit sechs Heller das Stück berechnet wurden Da wären wir also glücklich gar beim sünstansendfache« Friedenspreise angelangt. Hierfür eine Begrün­dung zn erfahren, wäre interessant. Die Lire sind ungefähr auf das Dreihundertfache gestie­gen. und wenn man selbst die inzwischen ein- getretene Teuerung in Italien und die erhöh­ten Transportkosten »nd Zölle in Betracht zieht, wird man dennoch nie einen SchWssel finden, der d-ese unerhörte Preissteigerung rechtfertigt. Bleibt dieser Irrsinn doch auch ausschließlich auf die Oranger- beschränkt. Zitronen, deren Ge­stehungskosten doch von den gleichen valiutari. scheu und Transportkosterwerhöltnissen abhäw- gen, wie die der Ovselsmen, sind jetzt in Massen um vierzig Kronen das Stück zu haben, ba-3_ ist ungefähr das Tausendfache des Friedenspreises.

Höher hinauf verirren sich auch die Preise der Datteln nicht, die seit einigen Tagen wieder die Schaufenster der Feinkosthandlungen zieren. Sie sind in der Vorstadt mit 1920 Kro­nen, in der inneren Siadt mit zweitaufend Kro­nen das Kilogramm erhältlich, ihr Preis bleibt also sogar hinter dem der Schokoladebonbons zurück und übertrifft nur den der Feigen. Wer Kindern Näschereien Kursen will, zieht daher die billigeren Südfrüchte den teuren Schokoladen vor. Aber wie selten kann man jetzt daran den. ken, den Kindern eine Freude durch ein Geschenk von Süßigkeiten zu bereiten. Das kleinste Päck­chen kostet einige Hunden Kronen, und so wert­los unser Geld mich allgemein erscheint, wenn man damit fein Auskommen finden muß, darf es doch nicht verschleudert werden. Die Datteln rühren darum zumeist neben den Eiern ein un- gestött beschauliches Dasein in den Schaufen­stern, und daran, Kindern einige Orangen mtt- zubrin-gen, ist erst recht nicht zu denken. Ehe man da für drei Stück ungefähr tausend Kronen opfert, kaust man um den Betrag doch lieber sechzig Dekagramm Fleisch. Das Ansteigen der Fleissbpreife wird jedoch, wenn es so weitergeht, auch die Hausfrauen bald so wenig berühren, wie ungefähr die Preissteigerungen von Brillanten urtS Perlen. Was man nicht mehr erschwingen kann, verliert an Interesse, und Fleifch gehört beretts zu den Dingen, die sich der Durchschnittsbaushall in der öster­reichischen Hauptstadt nicht mehr leisten kann.

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