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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 45

Mittwoch, 22. Februar 1922.

Fernsprecher 951 rmd 953

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Russische Versuche.

Fühlungnahme nach allen Seiten.

Die Nachricht, daß Rußland und Frankreich einen Vertrag abzuschließen im Begriffe feien, iviril von Frankreich amtlich bestritten. Nach zu- v erlasstgen Mitteilungen aus Paris kann er« dings bis jetzt von einem offiziellen Mbfchlutz eines Uebereinkommens nicht die Rede fein. In­dessen steht fest, daß die gegenwärtige außen­politische Leitung Sowjetrußlands, vertreten vor allem durch. Radek, der unter dem Namen Carl Römer lange Zeit in Deutschland und auch in Berlin sich aufgehalten hat, eine außerordentliche Aktivität an den Tag legt. Radek betätigt sich als ein ganz gerissener politischer GeschLfts- reisender. Er spielt die eine Partei ge­gen die andere aus und dünkt sich dabei be- sonders geschickt und klug zu sein. Sein Charak­ter und die Bedeutung seinerMission" werden aber sowohl in Deutschland wie in F r ank- reich bei den maßgebenden Stellen vollkommen durchschaut. Ästan weiß hüben und drüben, daß die Moskauer eine Kulissenschiebe- r e i betreiben, mittels der sie Won beiden Sei­ten Vorteile einheimsen zu können glauben. Man hat von russischer Seite Deutschland direkt ge­droht mit der Möglichkeit einer Verständigung Sowjetrußlands mit Frankreich, und als das nicht verfing, hat man den Druck verstärkt durch den Hinweis darauf, daß es Sowjetrußland noch immer freistehe, dem Versailler Friedensvertrag beizutreten und damit Ansprüche gegen Deutsch­land geltend zu mache»!. Als man sich auch durch diese erpresserische Drohung nicht mürbe machen ließ, hat man die Karten noch weiter aufgedeckt: Man ließ durchblicken, daß Rußland sich im Falle der Anerkennung des Versailler Vertrages von Deutschland bestimmte Kriegsentschädigun­gen zahlen lasse, diese aber sofort an Frankreich zedieren würde, um auf diese Weise Frankreich zu den vor dem Kriege an das zaristische Ruß­land geliehenen Ätilliarden zu verhelfen.

Unser Berliner Mtarbeiter verfügt über authentisches Menmaterial, das auch der fran­zösischen Regierung bekannt ist, zumal gerade die französische Politik bei diesen Dingen eine außer- ordentlich» Rolle spielt. Daraus ergibt sich, daß Frankreich trotz aller offiziellen Ableugnun­gen einen außerordentliche Wert auf eine direkte Fühlungncchme mit Moskau legt, ja, daß es darauf abzielt,unmittelbar amtliche Zusiche­rungen von Moskau zu erhalten, sowie einen direkten Meinungsaustausch aufzuneh­men". Ein solcher Meinungsaustausch hat nun ausgiebig zwischen französischen Agenten und russischen Vertretern, teilweise sogar durch den polnischen diplomatischen Vertreter in Moskau, stattgefunden. Wenn die französische Regierung so kategorisch die eingangs erwähnte Mtteilung über den Vorvertrag ableugmet, in welchem Frankreich de jure die Sowjetregierung ^anerken­nen soll, so sind wir doch in der Lage, auf ein Dokument Bezug zu nehmen, aus dem sich er­gibt, daß tatsächlich Verhandlungen über diese Frage stattgesunden haben.

Im Auftrage Tschitscherins hatte ein Beamter des Volkskommissariates für auswärtige Ange­legenheiten auf dem erwähnten Umwege über den polnischen diplomatischen Vertreter in Mos- ftm ertiärt, daß,falls Frankreich die Sow° jetregierungde jure" anerkennt und die volle durch die Autorität der französischen Regierung gesicherte Garantie für die Unantast- barkett der westlichen und östlichen Grenzen Sowjetrußlands übernimmt, sich daraus die Plattform ergeben würde, welche die Sowjet- regierung veranlassen könnte, nicht nur den französischen Wünschen im vollen Umfange ent» aegenzukommen, sondern auch den Versailler Vertrag und die sämtlichen Verträge und Abkommen, an denen Frankreich interessiert ist, anzuerkennen. Diese Erklärung des Moskauer Diplomaten wurde von Bevollmächtigten der Angora-Regierung in Paris fast vollinhaltlich bestätigt".

Territorium Frankreichs. Frankreich dagegen garantiert die Anerkennung der Sowjetregie- run$, die Unverletzlichkeit der Grenzen und un­terstützt den Abschluß einer internationalen An­leihe durch die Sowjetregierung". Diese kurze Skizze zeigt aber, welche diplomatischen Schachzuge Moskau in die Wege leitet, um feine Interessen gerade im Hinblick auf Genua zu wahren, um dort das Jtttrigen-Spieh das letzt angesponnen ist, vollenden zu können.

Die Konferenz-Wäne.

Vorbereitungen für Genua.

(Eigener Drahtbericht.)

Rom, 21. Februar.

Die heutigen Blätter melden übereinstimmend, daß in bestunterrichteten Kreisen versichert wird, die deutfche Regierung habe die Aufforderung erhalten, Vertreter zu den Präliminarbesprechun. gen für die Konferenz von Genua nach Paris zu entsenden. Man sei auch zu der Ansicht ge­kommen, daß D e u t s ch l a n d bei der Vorkonfe­renz in gleicher Weise vertreten sein nt ü f f e wie die anderen Mächte und betont, die Präliminarbesprechuugen der übrigen Regierun­gen würden bei einem Ausschluß Deutschlands den Erfolg der Konferenz schädigen, wenn nicht gar in Frage stellen. Man erwartet hier, daß die deutsche Regierung in der allernächsten Zeit eine diesbezügliche Benachrichtigung erhalten werde. Aus Paris wird gemeldet: Poincarv empfing gestern verschiedene französische Sach- verständige für Genua und ließ sich ein­gehend mit den Fortschritten der Vorarbeiten für diese Konferenz vertraut machen.

*

Verschiebung auf Ende April.

Gens, 21. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Havas berichtet: In der letzten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses der Kammer hielt Po- inearö eine Ansprache, in der er auf eine An­frage des Abgeordneten Jourdain erklärte, auch die b e l g i s ch e Regierung habe sich der f r n n- zösischeu Auffassung angeschloffen, daß die Konferenz von Genuanichtvor Ende April stattfinden dürfe. Unter Men Umstän­den sei es unmöglich, die Beratungen der Kon­ferenz schon am 8. März beginnen zu kaffen. Auch England werde sich diesem französi­schen Standpunkt anschlietzen.

»

Mitieilung der Vertagung.

Berlin, 21. Februar. (Privat-Telegramm.) DieTägliche Rundschau teilt mit, daß bei der deutschen Regierung gestern die amtliche Rach, richt von der Vertagung der Konferenz in Genua eingegangen ist. Bis zu welchem Zeitpunkt sie vertagt werden soll, ist noch nicht angegeben.

Unter Bewachung.

Die Mission französischer Parlamentarier.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 21. Februar.

Die beiden französischen Abgeordneten Paul de Caffagnae mid Le Provot de Launay haben Berlin wieder verlassen und sind nach Paris zurückgekehrt. Es verlautet, daß die beiden Ab­geordneten in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Armeekommission der französischen Kammer eine Untersuchung in Berlin angestellt ha­ben, die in Zusammenhang mit der beabsichtig, ten Abänderung des französischenWehr- g e s e tz e s steht. Angeblich haben sie sich außer-

SSeiter ergibt sich aus vorliegenden Dokumen­ten, daß nach Mitteilungen, die der französische Nachrichtendienst in Moskau nach istwis gelan- ficn ließ, in den höchsten Moskauer Regierungs­sphären sich eine Strömung bemerkbar mache, die um jeden Preis eine volle Verständigung mit Brankreich wünsche, Man kennt auch schon das rogramm. das man sich hierfür zurecht gemacht hat. Es hat folgenden Inhalt:Moskau er­kennt alle Verträge, die für Frankreick von In­teresse sind, darunter auch den Versailler Ver­trag, mit allen sich daraus ergebenden Folge- rungen an. Moskau gibt seine Zustimmung zu Besprechungen der Generalstäbler beider Länder bezüglich einer Reduzierung der Roten Armee. Moskau erkennt die vorherrschende Stellung französischer Interessen in denjenigen Gebieten des ehemaligen russischen Kaiserreiches an, wo solche für Frankreich von besonderem Werte sind. Die Säte jetregierung und die Crgotte der dritten Internationale ver­zichten auf eine Propagandatäti^eit auf dem

ordentlich befriedigt geäußert über den entgegen­kommenden Empfang (!), den sie während ihres Berliner Aufenthaltes in Kreisen der Regierung, des Parlaments und der Hochfinanz fanden.

SS das Abrüstung?

Wieder eine neue Schuelifeuerkanone.

(Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel, 21. Februar.

Eine französische Erfindung, der Ma« in Militarkreisen dieselbe Wichtigkeit bei­mißt wie seinerzeit der Herstellung des berühm­ten 7,5 Ztm.-Geschützes, soll demnächst in Bel­gien erprobt werden. Die Erfindung besteht in einer Vorrichtung, die die Mündungs-Ge­schwindigkeit der Geschosse aus Geschützen und Gewehren oller Art verdoppelt. Dem Erfinder, Leutnant Delamare Maze, gelang es,

bei in Frankreich angestellten Versuchen mit einem 7,5 Ztm.-Geschütz unter Anwendung sei­ner Erfindung eine Mündungsgeschwindigkeit von 850 Meter, gegenüber der gewöhnlichen von 530 Meter, zu erreichen. Leutnant Delamare Maze glaubt, bei den kommenden Versuchen mit einem gleichen Geschütz eine Mündungsgeschwin- digkeit von 1000 Meter erreichen zu können. Er behauptet auch, eine Vorrichtung erfunden zu ha­ben, die jeden Rücklauf beim Abfeuern eines Geschützes verhindert. Die belgische Regierung hat das Patent angekaust. Den Versuchen, die in einem der Forts von Lüttich stattfinden sollen, Wird auch die frmtzöfische Autorität im Artillerie- wesen, Oberst Rimailho, beiwohnen.

DeuMlands Zahlungen.

Besprochirnge« mit England.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam, 21. Februar.

Wie derManchester Guardian" meldet, hat der deutsche Botschafter Lloyd George besucht. Hierauf fanden Besprechungen mit dem Finanz­minister Sir Horne statt. Letztere dauerten sehr lange. Es verlautet, daß der deutsche Boffchafter Verhandlungen eingeleitet habe über eine anderweitige Zahlung der Reparationsverpflich­tungen, da die fünfte Rate in der Höhe deS BeschluffeS von Cannes durch Teuffchland nicht mehr geleistet zu werden vermöchte. Nach einer weiteren Meldung des Blattes sind die deut­sch e n G o l d - D e p o t S bei der Bank von Eng­land bis zum 15. Februar mit insgesamt zwei­hundert Millionen Schilling beliehen worden. Times" meldet aus Paris, daß sich in der Reparationslommisston keine Mehrheit für den englischen Antrag aus Herabsetzung der deutschen Barzahlungen finden werde. Es sei schon jetzt damit zu rechnen, daß der Beschluß von Can­nes mit nur geringfügigen Aenderungen von der Reparationskornmission übernommen werde.

Hm die Sachleistungen.

Berlin, 21. Februar. (PrWattelegramm.) Die Reichsregierung hielt gestern nachmittageme Kabinettssitzung ab, die über den gesam­ten Fragenkomplex der Aufbringung der deut­schen Sachleistungen Bericht entgegennahm. Wieviel Verhandlungen mit dem Alliiertenver­treter Deerman notwendig find, steht noch nicht test. Deerman bleibt voinussichtlich noch eine Woche in Berlin. Es seien Vorschläge ge­macht worden, wonack die alliierten Staatsange- höriaen das Recht haben sollen, Warenkäufe und Bestellungen, sofern fie im einzelnen Fall den Betrag von hunderttausend Franken übersteigen, in Deutschland zu tätigen. Die Bezahlung soll, ähnlich wie im Wiesbiwener Abkommen, derart erfolgen, daß die Käufer nur den Preis der in Waren verkörperten Rohstoffe in Devisen ent­richten. Für die deutsche Arbeit sollen die deut­schen Lieferanten vom Reich die Bezahlung in Papiermark erhalten. Dem Reiche sollen diese Beträge, in Goldwert umgerechnet, auf das Re­parationskonto gutgeschrieben werden.

Die Franzosen am Rhein.

Propaganda inKaravstuuden".

(Eigener Drahtbericht.)

Biebrich, 21. Februar.

Welche Blüten die französischeKulturpropa- ganda" treibt, zeigt folgender Vorfall: Seit Mitte Januar werden in den Räumlichkeiten der Mädchen - Hohenzovernfchnle in Biebrich am Rhein zweimil wöck»entlich nachmittags dreißig Mädchen mit Kakao bewirtet. Eine französifche Lehrerin, die sichstudienhalber" in Biebrich aufhält, leitet die Speisungen und er­teilt auch während dieser Zeit Unterricht. Es werden hierbei Kinderbücher verteilt und Spiele abgehalten, wobei französische Bleisoldaten eine besondere Rolle spielen. Die Lehrerin erklärte den Kleinen unter anderem, daß siebald fran­zösische und alsdann besonders brave fimzö fische Mädchen" werden würden. Der französische Kreisdelegierte beabsichtigt, die Einrichtung auch auf Knaben auszudehnen. Daß sich die französische Kulturpropaganda auch der Ju­gend annimmt, wundert nach den früheren Vorgängen niemanden mehr; merkwürdig jedoch und aufs höchste zu bebmtern ist, daß sich deutsche städtische Behörden (!) dazu hergeben, die Räumlickketten für eine derartigePropaganda" den Franzosen zur Verfügung zu stellen-

Kindemerven.

. Ei« beachtenswertes zeitgemäßes Kapitel» Man foü Nicht gar zu itirgftNch te der Kinder «rzirtznng feto, aber fie auch nicht mit allzu freiem Wille« an,wachsen lassen. Stete sollen bie Err-nüst-tz- der Vernunft die Richtschnur brldew. Man schreibt uns dariiber Folgendes* Die erregte Zeit in der wir leben, kann na- turttch cilich nicht o^ne Einfluß auf die Kinder bleiben. Nervöse Kinder gab es von jeher, aber Ke Zahl soll im Lause der letzten Jahre wesent­lich geittegen sein und es ist eine wichtige Auf­gabe der Erziehung, die Entstehung der Nervosität nach Möglichkeit zu verhindern, denn wie bei vielen Leiden ist hier Vorbeugen viel leichter als Heilen. Es gibt viele Fälle, in denen schon der Erzieher fehr gutes auszurichten vermag, uno so soll hier Einiges vom padagogi- fchen -Standpunkt aus zu dieser wichtigen Frage gesagt werden. Die Hauptgefahr für die Kin­der besteht beut, tote schon erwähnt, in der all- gememen erregten Atmosphäre. Die Eltern sind vielfach überarbeitet oder haben schwere Sorgen und sind dadurch im Verkehr mit ihren Kindern häufig ungeduldiger und heftiger, als es wohl früher der Fall war. Dis Kinder fürchten sich der erste Schritt zur Nervosität. Wenn dann zum Unglück noch die Schulangft dazukommt, so ist die Schädigung für die Gesamtentwickluna des Kin­des sehr erheblich. Wenn wir verhüten wollen, daß ein nervenschwaches, lebensuntfichtiges Ge­schlecht heranwächst, müssen vor allem wir Er- zteher unS so weit

in der Selbstzucht üben,

daß die Kinder nicht gar so viel von beit Schwankungen unserer Stimmung getroffen wer­den, daß nicht ihre Nerven abgenützt werden, indem wir uns ihnen gegenüber geben lassen. Ueberbaup: sollte man die Angst schon mit Rücksicht auf die Gesundheit der Kinder nach Möglichkeit bei der Erziehung auszuschal­ten suchen. Menschen, die, obgleich schon so viel über die daraus entstehende SchKvigung ge­sagt wurde, noch immer kleine Kinder durch die Anwendung eines Buhns, eines schwarzen Mannes oder ähnlicher ftNdlicher Schreckgestal­ten zuerziehen" suchen, begehen ein Verbrechen, ebenso sollten allzu phantastische und gruselige Märchen leicht erregbaren Kindern ferngehalten werden. Auf eins fei hier noch besonders auf­merksam gemacht: Bei der Abnahme der Moral in weiten Streifen sind die Gefahren» die den Kindern drohen, leiber auch sehr viel größer ge­worden. Deshalb muß man ihnen gewiß im­mer wieder einprägen daß fie fich mit keinen fremlben Leuten einlassen. vor allem nicht mit ihnen gehen dürfen nttin hüte sich aber fehr da­vor, die Kleinen durch Schreckgeschichten änaMch zu machen, fönst kommt es vor, daß ihre Pham taste so von diesen Dingen beschäftigt wird, daß sie fich die grauenvollsten Erlebnisse ausdenken, die sie bann sogar bis in ihre Träume verfolgen. Hierher gehört auch die

Angst vor der Dunkelheit,

die man auch Bei sonst garnicht nervös scheinen­den Kindern findet, und die wohl nur durch ge­duldiges gutes Zureden beseMgt werden kann. Sehr unvorsichtig ist es, in Gegenwart der Klei­nen von ihrer Nervosität zu redn, was ihnen in ihren eigenen Augen das Recht gibt, ihreEigen­tümlichkeiten" beizubehalten. Viel zu dem Ueberhandnehmen der Nervosität trägt letzt auch die leider ost mangelhafte Ernährung bei. Unter weit ungünstigeren körperlichen Be­dingungen Werben von den Heranwachsende« neben den Forderungen der Schule viele Arbei­ten verlangt, die eine zu große Ermüdung herbei­führen. Die Folge davon ist, daß solche armen Kinder ein gut Teil ihrer Nervenkraft schon so früh hergeben müssen. Gewiß, die Jugend soll von voricherein daran gewöhnt werden, den oft schwer arbeitenden Ettern zu helfen, acker vor einem Zuviel fei dringend gewarnt. Man muß immer bedenken, daß Menschen, die mitten im Wachstum stoben, nickt ungestraft zuviel Kraft verbrauchen dürfen. Ettern, die ihre Kinder in dieser traurigen Zeit nicht ausreichend ernähren können, sollten ihnen als Ausgleich

eine recht lange Schlafenszeit

gönnen. Ztiletzt seien noch die Eltern erwähnt, die eszu gut" mit ihren Kindern meinen, die nickt früh genug ihre Kleinen in's Theater, in den 3irkus und zu sonstigen Vergnüg­ungen mitsckleppen können, die diesen wohl Spaß machen, sie ost über viel mehr erregen, als ihnen gut ift Wer einmal beobachtet hat, wie häufig die Kinder nach solchen Vergnügungen, fei es eine Theatervorstellung, eine Kinder,Gesell­schaft oder dergleichen in höchster Erregung aus dem Schlaf sprechen, wird gewiß cinsehen, daß derartige Belustig unoen seltene Ausnahme blei­ben müssen, damit sie nicht zu ernstlichen Ge- sundcheitssckädigungen werden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kinder ein regel­mäßiges frühzeitiges AnKbettgesteu gerade­zu für eine Schande änsehen. Der eine Freund geht vielleicht eine Stunde später schlafen, die