Meier Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
12. Iahrgarrg.
Donnerstag, 2. Marz 1922
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Nninmer 52
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Beratung über die Zwangsanleihe.
Ein Versäumnis.
Die Duldung feindlicher Propaganda.
In den letzten Tagen haben Abgeordnete verschiedener Parteien wieder in ihren Reden betont, daß der alliierten Propaganda, die die Schuld am Kriege immer noch Deutschland zuschiebt. endlich von deutscher Seite energischer entgegengetreten werden müsse. Die Regierurtg, die sich in Schweigen hüllt, scheint nicht zu merken, daß sie sich durch das Schweigen selbst ins Unrecht setzt. So schreibt auch der Abgeordnete Müller-Meiningen: Die Schuldstage darf nicht länger aus innerpolitischen Gründen ausgeschoden werden. Es muß endlich gehandelt werden! Das Material häuft sich zu Bergen, fast kein Tag vergeht, an dem nicht vor allem aus russischen Quellen neue Beweise ftir Rußlands und Frankreichs Schuld erstehen. Die ganze brutale, chauvinistische Verlogenheit des jetzigen französischen Ministerpräsidenten tritt plastisch zutage. Die privaten Arbeiten, die durch Ausschüsse, Parteien und Privatpersonen aus dem Gebiete der Klarstellung der Schuldfrage geschehen, sind hochverdienstlich. Zwanzigbändige ÄAerke nützen freilich gar nichts! Auch die Aufklärung durch einen guten zusammenfassenden Band, so notwendig sie ist, entscheidet nichts. Der Ausländer — auch der deutsch-freundliche — sagt uns immer wieder: „Was hilft euch und uns dieser Eifer. Solange eure Regierung das Schuldbekenntnis aufrecht erhält, das heißt offiziell nicht zurückgenommen hat, bleibt ihr die allein Schuldigend Und damit bleibt der unselige Versailler „Vertrag". Laßt dann alle Hoffnung auf Revision rchwind-cni Je länaer die Reichsregierung mit diesem großen Pronnn- ziamemo an die ganze Welt wartet, desto schwerer wird die Wiedergutmachung dieses unverzeihlichen Fehlers der Vergangenheit, desto unmöglicher wird die Revisioil des Versailler Friedens in einem für uns wirklich erträglichen Sinne.
Die unverbesserlichen Optimisten von Spa, London, Paris, Cannes und Oberschlesien sehen setzt nach Genua: „Haben wir nicht in diesem Steuerwerk Großes, Menschenmögliches geleistet?" Ich frage dagegen: Hat eine Partei bei der Zurcchtstutzung dieses Stück» und Flickwerkes, das das Schicksal der Erzbergerschen „Finanzreform" finden wird, mit dem nötigen Nachdruck auf die einzig wirklich sachgemäße Lösung des Steuerproblems, die A u fh e b u n a des Versailler Vertrags, hingewiesen? Ich freue mich, daß eine Berliner ‘ Korrespondenz endlich die Frage anpackt, indem sie ausspricht: „Weil unsere Regierenden sich über die Schulden bezw. die zur Deckung der Schulden nötigen Steuern den Kopf zerbrechen müssen, finden sie keine Zeit, sich mit der Frage der Schuld zu befassen", und weiter: „Es ergibt sich der groteske Kreislauf, daß die Schuldcnsrage immer hoffnungsloser wird, je weniger in der Sctmldsrage geschieht, und daß auf der anderen Seite die Schuldsrage von der Entente immer mehr propagiert wird, je schlimmer es um die Schuldenfrage steht." Das wirtschaftliche Elend wird schließlich die Reichsregiernng zwingen, den Kernpunkt der ganzen Revisions-Politik und damit der ganzen deutschen Politik überhaupt anzugreifen. Wenn es nur nickst dann zu spät wird! Wenn nicht schließlich die Massen, durch den Hunger und die Not getrieben, in einer Weise die Lösung der Frage in die Hand nehmen, vor der es auch die Her- len in Berlin grauen sollte!
Können wir das Vertrauen zu dem Minister des Aeußern haben, daß er diese „große Frage" deutschen Existenzkampfes, die vielleicht auch für die Republik die Lebensstage werden wird, anzufassen wagt, — selbst auf die Gefahr hin. daß Frankreich uns noch brutaler behandelt? Ist das überhaupt möglich? Behandelt man dort nicht an sich das Diktat von Versailles als wertlosen Fetzen Papier! Was hat Rathenan bisher erreicht, um die völlige Rechtlosigkeit des Rheinlands auch nur einigermaßen zu bannen? Und geschieht nicht dasselbe jetzt in Oberschlesien gegenüber Polen? Wer freilich schon als „Erfolg" darüber jubelt, daß man überhaupt mit uns verhandelt — mit dem hört jede Unterhaltung über Recht und nationale Würde auf. Und an die Frage der Schuld reiht sich logisch jene der andern „Schuld der Kriegsverbrecher"! Die Frage, die heute von M'.md zu Mund läuft, die nicht schweigen will: „Ist es richtig, daß ein großes Werk mit den Kriegsverbrechen unserer Gegner bereits völlig fertiggestellt war — aber aus Gründen der höheren Politik vernichtet wurde?" ist sicherlich zu verneinen.
Ich nehme als sicher an, daß die Reichsregierung nur aus Gründen der äußeren Politik nni dem gewichtigen Material, das sie, wie wir wissen, besitzt, noch zurückhält. Wann wird sie aber diese „Gegenliste" der Welt überreichen? Sollte Poincars auf seiner Sadisten-Idee von der Auslieferung deutscher Krieasaenos»
sen bestehen, die (wie ich trotz meines Pesn- mismus hosfe) den einmütigen Widerstand aller Parteien findet, denen an der Erhaltung der deutschen Einigkeit wirklich etwas gelegen ist, dann wäre die zwölfte Stunde da, in der endlich auch hier der Welt die Wahrheit enthüllt werden müßte. Längst hätte es geschehen müssen — das Motiv war dasselbe, waffenlos den Haß des in Waffen starrenden Feindes nicht noch mehr zu erregen. Vergebliches Bemühen! Der einzelne mag sich selbst um alles, um Existenz, um Leben und Ehre bringen — für ein ganzes großes Volk hat niemand — aber gar niemand das Recht dazu, so zu handeln! Das wird auch der jetzige Minister des Aeußern bc- denkenl Die Nachwelt, unsere Kinder und Kindeskinder, werden einstmals strenge Richter unseres heutigen Tuns sein? Nur entschlossener Wille, Ueberwiildung der Parteischcuklappen und mutige Vertretung unseres guten, von der Entente schnöde und fast täglich vergewaltigten Rechts können uns retten! Die Reichsregierung muß endlich aus dem verhängnisvollen Zustand heraus, in dem sie und das ganze deutsche Reich — und was noch Weit mehr ist, das deutsche Volk — zu verderben drohen.
Am öle ZwLMgMMeHe.
Besprechung der Minister und Parteiführer.
(Privat-Telegramm.i
Berlin, 1. März.
Der „Berliner Lokalanzeiger" schreibt: Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird am Freitag eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler und dem Neichssinnnz- m i n i st e r, sowie mit den Führern der K o a - litionsparteicn stattfinden. Auf Wunsch des Kanzlers wurde auch die Deutsche Volkspar- iei gebeten, zu dieser Verhandlung Vertreter zu entsenden, Es wird sich dabei in der Hauvtsach- um die Frage der Zwangsanleihe handeln. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, ist innerhalb der mehrheitssozialdemokratischen Partei Neigung vorhanden, die Forderung auszustellen, daß die Veranlagung zur Zwangsanleihe nach der Vermögenssteuer - Veranlagung vom Jahr« 1922 vorgenommen wird. In maßgebenden wirtschaftlichen und finanziellen Kreisen ist man sich aber darüber klar, daß eine derartige Maßnahme undurchfiihrbar ist.
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Beratung im Reirhstag.
Berlin, 1. März. (Pttvattelegramm.) Nach der neuen Arbeitseinteilung des Re i ch s t a g e s beginnt in der zweiten Marzwoche die erste Lesung der Steuervorlagen und dann die Berattmg der Vorlage auf Ausgabe einer Zwangsanleihe.
Die Kriegsbrschulbigten.
Die Franzose» verlange» Ausliefevnng.
(eigener Drahtbericht.)
Paris, 1. März.
Der,, Temps" meldet: Die ftanzSstschr Regierung hat der deutschen Regierung eine R a - m e nl i st e von Personen zu gestellt, die zur Ab- nrteilung durch einen alliierten Gerichtshof wegen Verbrechens im Kriege, sowett es von den Alliierten beantragt worden ist, erscheinen sollen. Die Liste ersucht die deutsche Regierung, rechtzeitig zu verhindern, daß die Beschuldigten sich ihrer Aburteilung und Strafe durch die Flucht entziehen. — Aus London wird berichtet, daß dort die Aufrollung der Kriegsbeschuldigten- Frage unangenehm berührt. Es ist beabsichtigt, die Kriegsbefchuldigtcn vor internationale Gerichtshöfe zu laden, die in F r a n k r e i ch, E n g - land und I t a l ic n ihren Sitz haben sollen. Diese Gerichtshöfe sollen jedoch lediglich die An gäbe haben, die Fälle aufzuklären und zu untrr- ftrchcn, ob sie Straftaten darstellen. Das endgültige Urteil soll dann auf Grund der Anträge dieser internationalen Gerichtshöfe von den h e i m i- s ch e n Gerichten der Beschuldigten gefällt werdert.
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Keine Wiederverhaftung.
Berlin, 1. März. (Eigene Drahtmeldung.) Drr englische Generalstantsanwalt soll nach Zeitungsmeldungen ans eine Anfrage im Unterhause erklärt haben, bei der deutschen Regierung seien Einsprüche wegen der in Leipzig bei den Krirgsbeschuldigten-Prozesscn ergangenen frei« sprechenden Urteile erhoben worden. Die beut« ftfie Regierung habe auf Grund dieses Einspruches eine Wiederverhaftung und eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen sie zugesagt. Wie die „Zeit" hört, ist von einem
olchen Ententeschritt und einer solchen Zusage der deutschen Regierung im Berliner Auswärtigen Amte nichts bekannt. Man glaubt dort, daß die Zeitungsmeldungen auf entstellten Berichten über die Untcrhausfitzung beruhen.
Frankreichs MMärgesetz.
Die Dienstzeit im Hinblick auf Deutschland.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 1. März.
Die Kammer setzte in ihrer gestrigen Sitzung die Aussprache über baS neue Militärge- c it fort. Der Hauptberichterstatter ber Militär- kommission Tabry, verlas einen Bericht über bie bisherigen Besprcchungsergebn-.sse. Er erklärte unter anderem: Um eine verminbcrte Dienstzeit sofort zn ermöglichen, müßten eine Anzahl poli- tisck-cr und technischer Bedingungen erfüllt werden und zwar in erster Linie die Organisation einer ständigen Kontrolle Deutschlands. Ferner, die Gcwährnng eines neuen Gar an - ijevertrages unter Hinzuziehung des Böl- kerüundes bei etwaigen Reklamtionen, ferner die Acndcrung des Mobilmachungsplanes, die der kürzesten Dienstzeit angepaßt wäre. Die Aussprache wurde gestern noch nicht beendet. Dtan hat jedoch den Eindruck gewonnen, als ob eine Herabsetzung der Dienstzeit auf 14 oder 16 Monate Aussicht auf Erfolg habe.
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Erklärung des General« Gerard.
Paris, 1. März. (Eigene Drahtmeldung.) Das Ecwerkschastsülatt „Le Peuble" veröffentlicht eine Erklärung des politisch li'cksstehenden Generals Gerard, des früheren Oberbefehlshabers der Pfalz. Diefer äußerte unter anderem, dag die Militärvorlage einen großen Mißgriff daistelle. Eine Dienstzeit von 16 Monaten, wie sie von verschiedenen Seiten bereits angeregt wurde, erscheine ihm völlig ausreichend.
Ein Llrbungsplatz in der Vfalz.
Berlin, 1. März. (Privattelegramm.) Auf Verlangen der Franzosen stellt ihnen die deutsche Regierung ein großes Gelände in der Pfalz als Truppen-Uebungsplatz zur Verfügung. Das Gelände ist dreitausend Hektar groß und liegt bei Eppenbrunn, Ludwigswinkel und Fischbach. Im Zusammenhang damit werden Massivbauten und eine Schmalspurbahn gefordert. Die Kosten, die natürlich Deutschland bezahlen muß, belaufen sich auf rund zweihundert Millionerr Mark.
Unabhängige und Kabinett.
Stellung zur Negierungs-Erweiterung.
(Brivat-Telegramm.)
Dresden, 1. März.
Die Unabhängigen Sozialisten nahmen gestern zu der Abstimmung im Reichstag über das Vertrauensvotum für Dr. Wirth Stellung. Gegen fünf Stimmen wurde die Haltung der Mehrheit der Fraktion anerkannt. Der sächsische Kultus minister Dr. Flcißner erklärte, auf die Dauer sei die gegenwärtige Art der Erfüllung desVrr- failler Vertrages und der weiteren Abkommen unmöglich. Die U. S. P. lehne es ab, in eine Koalition einzutreten, werde aber außerhalbder Regierung diese in allen Fällen unterstützen, wenn sie Ersnüungspolitik treibt. Arbeitsminist.r Ristau erklärte: Wahrscheinlich im Mai wird in Berlin bei den Verhandlungen über die Steuervorlage die Regie- rung Dr. Wirth gestürzt werden Unter Umständen könnte dann auch die Unabhängige Partei eine der Regierungsparteien sein.
Die Briten in Aegypten.
Erklärung über die Gewaltmatznahme«.
(Eigener Drahtbericht.)
Amsterdam, 1. März.
AuS London wird gemeldet: Im Unterhause erklärte Lloyd George über die Lage in Aegypten, daß der dort verhängte Bclagerungszu- stanb nicht eingeführt worben sei, um bie britische Politik in Aegypten zn stärken. Man muffe es ber ägyptischen Regierung überlassen, bie notwendigen gesetzlichen Verfügungen vorzunehmen. Die britische Regierung habe nicht vor, der ägyptischen Regierung irgendwelche Tchimerrgfttten zu bereiten. Lloyd George kam dann auf die Sudanfrage zu sprechen und sagte: Tie britische Regierung könne es nicht znlaffen, daß irgend eine Aenderung in dem Statut des Sudan eintrete, wodurch das britische Kapital qeschädigr würde. Auf der anderen Seite wolle Vie britische Regierung die bessere Wasserversorgung und die Unverletzlichkeit der Grenzen garantieren.
Zeichen der Zett.
Die frevelhafte» Auswüchse in Berlin.
Da« Berliner Eechs-Tage-Rettne« »er Stab» fahrer, das in iporiticyen Kreisen mit 3»- teteffc versorgt wurde, muß auch einmal von einem anderen Gesichtspunkte bettaa*. tet werden, da sich »et dieser Drranstaltung übte Nebenerscheinungen gezeigt Haden In der vorigen Woche hat in Berlin das« sogenannte Sechs-Tage-Rennen siattgefunden. Eme Veranstaltung, die wie sich auch jetzt wieder gezeigt hat, mit der Wahrnehmung spottli- cher Interessen nicht allzu viel zu tun hat. Der Verlauf dieses Rennens und das Verhalten des um die Plätze sich schlagenden Publikums sechs Tage und sechs Nächte hindurch hat lediglich ex» kennen lassen, daß es der großen Masse, die sich hier zusammenfand, um nichts anderes als um ein Aufpeitfchen ihre r N r r v e n -u tun war. Die Summcn, die während dieser sechs Tage und sechs RäSte in den Berliner Sportpalast getragen und dort verzehrt tour» den, beliefen sich auf viele Millionen. Als schlimme Auswüchse muß man aber die Prämienspenden bezeichnen, die gewöhn- sich in späten Nachtstunden zur Anseuerung der radelnden Paare ausgeworsen wurden. Es gab da Einzelspenden bis zu ztoanzigtcmsend Mark, daneben eine ganze Anzahl von Zehn» und Zwanzig-Markstücken in Gors, von Dollarnoten, Schweizer Franken, außerdem aber eine ganze Batterie von Likören, Weinen, Sekt, ferner von Pelzen, Anzügen, Motorrädern, ja selbst ein Aittomobil wurde gespendet, eine Badereise nach Swinemünde und dergleichen mehr. — Diese Vorgänge Wersen ein überaus bezeichnen-' des Licht auf unsere heutigen Verhältnisse. Während Hunderttausende von Menschen und nicht zuletzt die Besten unserer Nation, die Kleinrentner, die Festbesoldeten, die Witwen, die sich in schwerer Sorge durch das Leben durchzuschlagen haben, heute nicht wissen, w» von sie morgen leben sollen, wurden hier
in einet Nacht Summen verschleudert, die den Lebensunterhalt Dutzender Familie» für ein ganzes Jahr gewährleisten würden. Wie dieses oben g-Mldette Prämieusystem aber selbst junge Bürschchen zur Nachahmung anspornte, zeigte eine Nachricht Inder „B. Z. am Mittag", in welcher die Mitteilung enthalten war, daß bei diesem Rennen „drei fange Herren im Alter von 9 bis 11 Jahren (!) mit eiter- licher Bewilligung" eine PrÄuie von dreitausend Mark für einen Wettkampf ausgesetzt haben. Da muß man doch zunächst einmal fragen, was das für Eltern sind, die diese Herren „Lausbuben" zu einer solch nächtlichen Veranstaltung mitneh- men unb ihnen die Verschleuderung von Gel» dem in dieser Höhe gestatten und wo ist die Schule und wo sind die Lehrer, die diesen drei Jungens beibringen, was sich in ihrem Alter geziemt. Eine Kennzeichnung der Berliner Sensationspresse, die solche Dinge auch noch besonders unterstreicht, wollen wir hier unterlassen. Jeder mag sich sein Urteil selbst bilden. Den Fall selbst haben nun die Kommunisten zum An» laß einer im Reichstag eingebrachten Anfrage genommen. Sie verweisen auf den oben genannten Vorgang und führen auS: „In Anbetracht der Lage Deutschlands unb zumal der entsetzlichen Rot von Hunderttausenden Kindern kann das nicht anders denn Äs empörender Skandal bezeichnet werden. Ast die ReichS- regiemng bereit, solchen Auswüchsen, die mit Spott nichts zu tun haben, entgegenzutreten? Wird sie Veranlassung nehmen, gegenüber sol- chem Mißbrauch deS elterlichen Erziehwtgö» rechts die Fürsorgeerztehung einzuleiteu, wie « Eltern gegenüber, die ihr« Kinder zu anderen Lastern, etwa dem Betteln, anhalten, amh geschieht?" — Man muß den Fragestellern In der Verurteilung des Vorganges und in der Forderung nach entsprechenden Gegenmaßnahmen durchaus Recht geben. Aber sehnt wir nicht ge- ra'oe hier
eine Saat aufsprießen, die von den die Autoritätslosigkeit predigenden Kommunisten gesät worden ist? Erinnern wir uns dock an die Demonstrationsum- züge der Berliner Hosenmätze, durch die die Kommunisten schon mehrfach Kinder bis zu sechs und sieben Jahren herab mit rötet. Fahnen ge- gen jede Autorität protestieren ließen. Adolf Hoffmrnn, der jetzt zu diesen Fragestellern gehört, hatte selbst seinerzeit einen bet artigen „Kinderfeldzug" gegen die Religion und den Religionsunterricht organifiett Unter ferner Fühmng zogen Mädchen und Knaben, vielfach noch an der Hand oder am Rock der Mittler, zum Berliner Lustgarten, angetan mit roten Schärpen und roten Fahnen in der Hand und mit Schildern ausgerüstet, auf denen die Worte zu lesen waren: „Mr brauchen keinen Gott, fort mit dem Religionsunterricht, fort mit der Volksverdummung, wir wollen Licht t nb Frei- heft!" Gerade die Kormtunistei. dürfe.t sich Ächl