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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

RnmMer 59

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 10, März 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Pariser Entscheidungen über Deutschland.

beschlossen, dem Magistrat sobald als rnög'ich neue Forderungen vorzulegen, da das Schiedsgericht die Forderungen der Arbeiter nicht restlos erfüllt habe.

Keine Sonderforderung Stattens.

Paris, 9. März. (Eigene Drahtmeldung.) Der italienische Finanzminister hat Pressevertre­tern erklärt, daß die ihm zugeschricbene Absicht, der Anteil Italiens an den deutschen Zahlungen und damit die deutschen Zahlun­gen überhaupt zu erhöhen, nicht bestehe.

Parteischablone klammern, sondern das Volks­ganze im Auge haben und auch darin mit dem Volksempfinden Libereinstimmen, daß es im Nachgeben eine Grenze gibt. So bedauerlich die Worte RathenauS sind, wenn er sagt, er habe nie erwartet, daß eine so große Konferenz Wie die bevorstehende von Genua das Repa- rationKPrvblem und den Versailler Vertrag er­örtern solle, weil die allgemeinen Ursachen der Welterlranrung besprochen werden müßten, so erfrenlich ist Stegerwalds Ansicht, daß man den Alliierten auch einmal entgegentreten müsse. Was heißt denn die von Llovd Georg« geprägte Phrase »allgemeine Ursachen der Welterkran- hing'' ? Die Ursachen sind doch gerade die Ge- waltpolttik der Alliierten und das Versailler Diktat! Di? Welterkranknng wäre schon über­wunden, wenn in Paris und London nicht der Wahnsinn, sondern Bernunst regierte! K. F. Dr.

Wirbelsturm im Westen.

Schwere Schäden an Mensche« und Material (Vrwat-Telegrarnm.l

Krefeld, 9. März.

Erweiterung des Programms.

Paris, 9. Mörz. (Eigene Drahtmeldung.l Aus der Pariser Finanzkonserenz verlautet, daß man bezüglich der Kosten der alliierten Besatzung in Deutschland keine Schwierigkei­ten sehe, desgleichen nicht in der Frage des Wiesbadener Abkommens. Ferner soll auch die Frage der internationalen Anleihen und die der interalliierten Schulden auf der Konferenz geprüft werden, auch wenn sie nicht auf dem offiziellen Programm stehen.

Variier Finanz-Konferenz Am Deutschlands Leistungen. (Eigener Drahtbericht.1

Cannes unterbrochenen Verhandlungen über das Reparationsproblem zusammen. Die Kon- chrenz befaßt sich mit der Verteilung der deutschen Reparationsleistungen, der Kostrnausstellung für die militärische Be­ll tz u n g und mit dem Abkommen von W i e » baden. Wegen der Verteilung der von Deutschland bereits bezahlten Goldmklliardr sol­len keine Schwierigkeiten mehr bestehe« In der Hauptsache soll sich die Beratung um die dent- chen Sachleistungen für das Jahr 1922 drehen. Allerdings erscheint es sonderbar, daß man sich bereits für 1922 einen Bcrtcilungsmo- dus fcftkfien will, obwohl überhaupt noch gar nicht seststeht, was Deutschland zahlen kann und wird. DerTemps" sagt dazu, daß man aus psychologischen Gründen den Gaul am Schwänze anzäumen wolle. Solange die verschiedenen Re­gierungen nicht wüßten, was sie zu erhalten hätten, zögerten fle, ihren Delegierten in der Re. parationskvmmisfion Instruktionen zn erteilen.

Kampf um Fiume.

Serbischer Protest gegen Italien.

(Eigener Drohtberichtt

Belgrad, S. März.

Der jugoslawische Außenminister erklärte in einer Unterredung über die Fiumer Frage: Die Regierung hat noch vor Eintritt der Ereig­nisse Bericht über das vorbereitete Attentat in Fiume erhalten. In einer Rote nach London, Paris und Rom wurde von der Belgrader Re­gierung die Aufmerksamkeit auf den Ernst der Lage und die Folgen eines Umsturzes gelenkt. Die durch die Ereignisse geschaffene Situatton in Fiume läuft dem Vertrag von Rapallo zu­wider. Die Belgrader Regierung be- schloß, in R o m einen formellen Protest ein­zulegen, da dieser Angriff von italienischem Gebiet aus vorbereitet und erfolgt ist. Die ita­lienische Regierung hat erklärt, alles tun zu wollen, um einen dem Vertrag von Rapallo entsprechenden Zustand zu schaffen. Wir neh­men die Erklärung der römischen Regierung zur Kenntnis und erwarten eine befriedigen- de Lösung dee Angelegercheit.

Städtische Löhne in Berlin

Schwierigkeite« der Geldbeschaffung.

(Prival-Tel-gramm.)

Merkmale am Wege.

Vie Keunzeichaung der Richtung.

Reden von Staatsmännern werden meistens als Grenzsteine »uk den politischen Gefilden, als Wegweiser für die fortschreitende Entwicklung bewertet. Vor uns stehen wieder einige Reden, die man als Programmpunfte auffassen muß, da sie uns die Richtung unseres Weges erkennen lassen. Die bedeutsamste, weil folgenschwerste Rede war die des Außenministers Dr. R a t h e - nau über das Wiedergutmachungs- Problem lieber die Mittel, wie wir die ge­forderten wahnsinnigen Summen zahlen sollen, hat er allerdings nichts gesagt, sondern sich mir in politischen Betrachtungen über die Verpflichtung zur Wiedergutmachung ge­äußert. Er hat damit wieder seinen bekannten Standpunkt vertreten, der leider von neuem zeigt, daß et auch noch als deutscher Außen­minister mehr im Gedankengang der Alliierten lebt als in dem deutschen. Er sprach von drei bestehenden deutschen Auffassungen, deren erste mehr Festigkeit verlange und die Ablehnung d«r Reparationen empfehle, während die zweite eine Wiedevgutmachungspflicht in gewissen Grenzen anerkenne, aber die Unmöglich­keit betone, wogegen die dritte die volle Ver­pflichtung zur Reparation als gegeben er­achte, da die Unterschriften geleistet seien. Diese letztgenannte Auffassung vertrete die N e i ch s- regicrung, weil sie unter allen Umständen den Gegnern zeigen wolle, daß Deutschland be­reit sei, bis an die Grenze seiner Leistuugs--

DieGteuer-GGwierigkeittn.

Beratungen über da« Kompromiß.

(Eiaener Drohtbericht.)

Berlin. 9. März.

Die Erwartungen, daß das Steuerkompromiß endgültig abgeschlossen werden könne, haben stch nicht erfüllt. Die Arbeiten des Elfer-Ausschus­ses, der die Verbrauchssteuern berät, sind allerdings gestern beendet worden. Auch der Ausschuß, der die d i r e k t e n Steuern behandelt, hat ein Pensum aufgearbeitet. Die Besprechung der Parteiführer mit dem Kanzler, die ursprüng­lich auf gestern nachmittag angesetzt war. wird heute stattfinden. Die gemeinsame Gftmna der GteuerauSschüsse in Anwesenheit deS Kanters und der anderen RegiernngSvertreter ist für Sonnabend geplant. Bis dahin werden die Be­richte über dir Verhandlungen fertiggestellt wer­den. Das Plenum des Reichstags, der heute wieder zusammentritt, wird zunächst einmal die Branntwein-Monopol-Frage vornehmen. Das Steuerkompromiß wird als solches wahrscheinlich nicht von der Regierung dem Haufe »orgelegt werden, sondern von einer der Parteien und wird sich besonders am Montag auf das Mantel­gesetz nnd die Zwangsanleihe erstrecke«.

Srstrebung einer Einigung.

Berlin, 9. März. (Privattelearamm.) In einem Teil der parlamentarischen Streife wird erstrebt, daß die KompromißVnrteien stch aus eine gemeinsame Erklärung einigen, die von je einem Vertreter der vier Parteien in der Plenarsitzung des Reichstages abgegeben wird. Dadurch würde eine unfruchtbare lange Erörterung über die Gründe, die die Parteien zu ihrer Haltung bestimmt haben, vermieden wer­den. Die voraussichtliche Ernennung von Dr. Hermes zum Reichssinanzminister dürste erst er­folgen nachdem das Stenerkompromitz endgültig unter Dach und Fach gebraO worden ist.

Der Bauer als Retter.

Kundgebung der Landwirtschaftskammer.

Landrat a.D. von«, «dell eröffnete gestern nachmittag als Vorsitzender der Landwirtschasts» rammet für den Reelernngsdeiirk Kassel deren 29. Vollversammlung im Kasseler Stündehans« mit einer in metzr als eine« Hinsicht Verne:« tenStoerten Ansprache, in der er n. tu sagte«

Die deutsche Landwirtschaft ist gewillt, mit allen ihren Kräften daran zu arbeiten, daß unser deutsches Volk wieder besseren Zeiten entgegen­geht. Die Zetten sind hoffentlich für immer vor­bei, in denen wie in der Eavrivi-Periode die deutsche Landwirtschaft bewußt geopfert dem Export zuliebe und jene Bewegung einsetzte, die eine der Ursachen des Weltkriegs geworden ist, jene stürmische Entwicklung Deutschlands vom Agrar- zum Industriestaat. Auch die Gegner von damals sind sich darüber im Klaren, daß wir in einer blühenden Landwirtschaft das wich­tigste Gut unseres Vaterlandes Haven, das und nicht nur buchstäblich vor dem Verhungern schützt, sondern die gerüttelte Volkswirtschaft wieder emporhebi imd unser deutsches Land einer auch nur einigermaßen gesichetten Zukunft wieder entgegenführt. Von einer blühenden Landwirtschaft sind wir allerdings heute noch wett entfernt. Die furchtbaren Fahre mit ihrem Mangel an Dünger und an Futter haben unsere Aecker ausgefogen und unseren Viehbestand bis an den Rand des Abgrundes gebracht. Wenn wir auch in diesem Jahre eine bessere Köruer- ernte gehabt haben, so vernichtete die Futter- n o t wieder viele Hoffnungen, sodaß wir noch weit entfernt sind von dem Stand, den unsere Landwirtschaft vor dem Krieg hatte. Und den­noch haben die Führer die Landwirtschaft auf« gerufen, daß wir nicht nur den Stand der iLorkriegszeit wieder erreichen mMen, sondern darMer hinaus unsere Erzeugung so entwickeln^ daß das deutsche Volk vom deutschen Acker ernährt werden kann. Das ist eine ungeheuerlich große Aufgabe, wenn man bedenkt, daß vor dem Kriege an Lebens- und Futtermit­teln für 3% Goldmilliarden eingeführt worden sind, am heutigen Goldwert gemessen für

über 200 Papiermilliardrn.

Wenn wir auch gegenwärtig als armes Volk nicht daran denken können, uns so reichlich zu er­nähren wie damals, so geht die Einfuhr doch hoch in die Milliarden und die Preise werden so steigen, daß wir nicht imstande sind, das nötige Geld dafür auszuvnngen. So wird das Hilfs« werk der deutschen Landwirtschaft zur große» Schicksalsfrage des deutschen Volkes. Aber ... es steht und fällt mit der Stellung, die die öffentliche Meinung unseres Volkes da­zu einnimmt. (Zurufe: Sehr richtig!) Mit einer Verschärfung der noch bestehenden Zwangs-Ge­setze könnten wir heute nicht einen Zentner mehr Frucht hevvorzaubern, geschweige denn das ganze Hilfswerk durchMhren. Die öffentliche Meinung darf in dem Landwirt nicht den Mann sehen, von dem sie annimmt, daß er schuld ist an der Teuerung. Sie muß die Sache auf den Grund: gehen und erkennen, daß die allgemeine Teuerung, die Verelendung des Wertes unserer Valuta die Schuld trägt und daß, wo alle Waren teurer werden, auch die Erzeugnisse der Land­wirtschaft teurer werden müssen. Gegenüber der furchtbaren Steigerung der Preise aller Bedarfs­artikel, in erster Linie des Kunstdüngers und des Kraftfutters bis herab zum Hufeisen und zum Pindfaden für die Mähmaschinen, ist eine Bindung der Preise für die landwirtschaftliche Erzeugung unberechtigt. In Hunderten von Versammlungen haben die deutschen Landwirte erklärt, daß es nicht mehr möglich ist, auf bett bisherigen Wegen weiter zu arbeiten.

Die Umlage muß falle«!

Es ist nicht nur der Gedanke, daß die deutsche Landwirtschaft mit der Umlage eine Sondcr- fleuer von 10 Milliarden Mark aufzubringen hat, sondern vor aßen Dingen ist es hier der Gedanke, daß die Umlage ungerecht ist und un­gleich wirkt. Keine noch so wohlwollende Maß­nahme der Regierung, keine »Veredelung* kann, daran etwas ändern, denn die Umlage muß, was in der Natur der Dinge begründet ist, zu einen Zeit festgelegt werden wo die Ernte noch nicht seststeht, wo sie nur geschätzt werden kann. Di- Folge ist selbstverständlich. daß größte Verschieb denheiten in der Veranlagung der einzelnen Provinzen, der' einzelnen Kreise, der einzelnen Gemeinden zu einander unterstehen. Soll d«r deutsche Bauer für das Hilfswerk gewonnen, werden, so muß diese als ungerecht empfundene Ungleichheit aus der Welt geschafft werden: an­ders ist die notwendige Steigerung der Erzeug­ung nicht zu erreichen. Gelingt das aber, wie wir Haffen, wird bis $um letzten Bauer die Er­zeugung gesteigert, so sind die Einnahmen, die wir für unsere Erzeugnisse bekommen, restlos wieder in die Wirtschaft hineinzustecken. Es heißt, daß die Hunderttausende von deutschen Bauern, die es bis heute noch nicht können, zur intensiven Wirtschaft erzogen werden. Die Kasseler LaudwirtsiLaft tritt infolge ihrer «e-

Neber das ganze Rheinland uitt> West­falen ging gestern nachmittag ein furchtbarer Wirbelsturm. Durch den Sturm stürzte auf der Landstraße von Elberfeld nach Bochum eine schwere Ulme auf den Hinteren Teil eines dort halten StraßenbahnivagrnS. Dabei wurde ein Mann von etwa dreißig Jahren und ein Mädchen getötet, eine Fran erlitt lebensge­fährliche Verletzungen. In der Zündschnur- sabrlk von Krefeld wurde der obere Teil des Schornstein« in einer Länge von drei­zehn Metern «mgebrochen. Unter den Trüm­mern wurden mehrere Perfonen begra­ben. Aus dem Stahlwerk Krefeld-Rheinhasen mürben zwei Arbeiter, die im Freien beschäftigt uwrett, von einer Windhose erfaßt und ge­gen eilte Mauer geschleudert. Sie trugen schwere Verletzungen davon. An ihrem Auskommen wirs gezweifelt.

»erlitt, 9. März.

Der Magistrat beschäftigte sich gestern in ei­ner fast neunstündigen Sitzung mit der Frage, ob der am Dienstag im Reichsarbeitsministerinm gefällte Schiedsspruch (ein Kompromiß) für die Stadt Berlin anznnehmen sei oder nicht. Der Mehraufwand für die nach diesem Schieds­spruch zu zahlenden Löhne erfordert fast fünf, hundert Millionen Mark, und so mußte der Ma- gistrat sich vor allen Dingen mit der Dek- kungsfrage für diese Löhne beschäftigen, die seit Ende des verflossenen Jahres «m durch- schuittlich hundert Prozent «nd darüber gestiegen stnd. Man kam zu dem Schluß, den Schieds­spruch anznnehmen. Die Straßenbahn dürfte al­ler Wahrscheinlichekit nach ihren Fahrpreis auf drei Mark erhöhen Das Lshnkartekl der st S d - tiscke» Arbeiter hat sich gestern ebenfalls

fähiakett zu gehen. , ;

ES läßt fto natürlich über diese drei Auffas­sungen streiten, und heute ist es schwer ju sagen, welche die richtige sei. Das hätte vor zwei Iah- ren entschieden werden müssen. Damals hat die 1 Regierung, wie wir heute klar sehen, eine falsche , Politik getrieben, als sie die Unterschriften zur Versklavung des deutschen Volkes gab. Heute leiden wir unter den Folgen der Irr- 1 tümer der damaligen Staatsmänner. Es sollte : logischerwcise nun unser Streben sein, die ent« fetzlichen Folgen, die sich wie eine böse Krankheit frrterben. von uns abzuwenden und den Gegnern immer und immer vorzuhalten, daß die" damaligen Unterschriften unter der An­drohung der Vernichtung Deutschlands erpreßt worden sind. Die je fügen Regierungsmänner erkennen diese Sackßage auch ganz genau, tote sie gelegentlich schüchtern zngeben, und sie erklären privatim, daß es eine Gemeinheit der Alliietten fei, das deutsche VoL mit brutaler Gewalt zu knechten. Aber in ihrer amtlichen Eigenschaft wagen sie um Himmels Willen nicht, diese Wahr­heit zu sagen. Kürzlich hat zwar die Regierung dem Alliiertenrat erklärt, daß Deutschland eine Ermäßigung der Zahlungen beanspruchen müsse, weil die Forderungen unsere Kraft übersteigen. Aber trotzdem scheint Herr Rathenau seinen Weg zu suchen mit der Methode der Verbeugungen tot Paris und Landen.

Welches ist der Erfolg? Die alliierten Trup­pen sind zwar nicht im Ruhrgebiet, aber die Geldentwertung und die Teuerung in Deutsch­land sind schon so weit und schreiten noch weiter fort, als ob Feinde mitten im Lande wären. Herr Rathenau steht auf dem Standpunkt, daß wir uns völlig der Psychologie der Gegner an» passen müßten. Wie er sagt, ist es nicht von ausschlaggebender Bedeutung, ob die Erfüllung für uns möglich oder unmöglich ist, son­dern: wie weit die Reparationsleistungen Deutsch­lands für die anderen Völker erträglich seien. Das ist absolut die Denkweise der Alli­ietten: Deutschland hat Frondienst zu leisten, so weit es im Interesse der Alliietten liegt. Nach Rathcncms Logik heißt das: Leisten wir also fo viel für unsere Gegner, bis es ihnen zu viel wird. Sollte er wirklich nicht erkennen, daß Deutschland dabei sich selbst zugrunde ttchtet?

Auch der Reichspräsident Ebert hat in sei­ner Rede auf der Leipziger Messe das Repa- rationsprablem berührt. Vorsichtig wie immer hielt er stch streng an die Tatsachen. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die auf Deutschland lasten und die dem Versailler Vertrag zuzuschreidett sind. Er bemerkte sehr richtig, daß es von denGegnern cchhünge, ob der K r i e g auf dem Gebiete der Wirtschaft zum Unheil ganz Europas fottgesetzt wer­ben soll. Eine Hoffnung auf Genua äußctte er wahrscheinlich nur, um seine Rede mit einem tröstlichen Wort zu schließen. Eine schärfere Tonart schlug der vormalige Ministerpräsident S t e g e r w a l d an, der als Führer der Thrist­richen Geweickschaften in Bochum sprach. Er for- dette eine weitousschauende auswärtige Politik und bemerkie, es fei verfehlt, immer rest­los uns vorbehaltlos unseren Erfül­lungswillen zu betonen, anstatt den Geg­nern mit aller Energie klarzumachen, daß wir am Endeunferer Kraft sind. Stegerwald hat schon öfter sehr vernünftige Worte gesprochen und sich dadurch mit der Reichsregierung in Wi­derspruch gesetzt. Er ist jedenfalls einer der we- uia.cn führenden Männer die sich nicht UN die. mit dem .Schiedsspruch E-- wurde.'

, Paris, 9. Marz.

Gestern traten in Paris die Finanzmi­nister von England, Frankreich, Ita­lien «nd Belgien zur Fortführung der in