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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 76.

12. Jahrgang

Donnerstag, 38. März 1922.

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 unb 952

Frankreich mißachtet Deutschlands Erklärung.

DerNotenwahnslnn.

Die unheilbare Entente.

Drei Jahre erst sind seit Kriegsschluß ver­flossen. AVer schon kann die Entente Jubi­läen feiern. Zioar nicht an Episoden zartesten Freundschafts- und Lie'bcsvrrhältnisses, wohl ober an ... Noten. Sehr produktiv ist beson­ders nach dieser Richtung hin der General Rol­let, der die militärische Ueberwachung des Deutschlands von heute, das völlig unmilitärisch und waffenlos ist, durchzuführen hat. Seine hundertste Rote hat er dieser Tage über­reicht, und, mn rascher zrmi Ziel zu kommen, noch gleich drei weitere Noten an dieses Produkt hcrangehangt. Deine besondere Liebe hat er der Schutzpolizei zugewandt, die er als eine versteckte Osfizierstruppe und als Kern für eine Mobil­machung ansieht. In der neuen Rote verlangt er, daß alles, was nur iiger.&toie an militärische Organisationen erinnert, in der Schutzpolizei abgeschafft wird und daß sämtliche deutsche Län­der spätestens bis zum 25. Maialle Aussüh- rungsvestinMiungjen erlassen, die zu dieser Stel­lung und Umgestaltung ihrer Polizei unentbehr­lich sind". Frankreich kann also beruhigt sein! General Rollet ist auf der Wacht! Wir harren der tausendsten Rote dieses fleißigen Herrn, der durch nichts bester die Unentbehrlichkeit seiner Person und seiner Kommission nachweisen kann. Aber auch andereJubiläen" kann die Entente feiern! Nämlich in Konferenzen! Genua wird das erste Dutzend vollmachen! Wenn man die Kosten für alle diese bis jetzt abgehalte- nen Konferenzen in allen möglichen Städten zu- sammenrechnet, wenn man sich denErfolg" ver- aegenwärtig-t. dann sieht man sich einem rich­tigen Bankerottgeschast gegenüber. Das Ergeb­nis jeder einzelnen Konferenz hat darin bestan­den, daß die nächste Konferenz von ihm abrücken mußte. Genua soll nun eine General-Liquidation alles dessen, was vorausgegangen ist, herbeifiih- rtn. Ob das gelingt?

In diesen Tagen wurde in London eine Denkschrift Lloyd Georges veröffentlicht, von der die englische Presse sagt, daß sie eineMale Einstellung für Genua" bedeutet. In dieser Denkschrift hat Lloyd George unter dem 25. Mürz 1919 der Friedenskonferenz zu Ver­sailles einige Gedanken und «vwägmiigen unter- breitet, die bei der Feststellung der Friedens- Bedingungen seiner Auffassung nach berücksichtigt werden sollten. Es wird darin zum Ausdruck gebrackst, daß der Friedensvertrag nicht, wie der von Frankfurt, einen neuen Krieg in sich tragen dürfe, sondern er müsse einen dauernden Frie­den sichern, und die verschiedenen Nationalitäten müßten, soweit wie möglich, ihrem Mutterlande zugeführt werden. Die Zahlung der Revaratio- k,en müsse womöglich mit dem Verschwinden der Kriegsgeneration beendet sein. Die deutsche Regierung müsse beim Unterzeichnen des Friödensvertrages das Bewußtsein haben, daß sie die übernommenen Verpflichtungen erfül­len könne. Sobald Deutschland die Friedens- bcdingungen angenommen habe, müßten ihm Vie Weltmärkte auf der Grundlage der Weich­berechtigung geöffnet werden, und sein wirt­schaftliches Wiederaufleben müßte mit allen mög­lichen Mitteln erleichtert werden. Das Doku­ment enthält weitere Bemerkungen über die bol­schewistische Gefahr und einen Hinweis auf die Notwendigkeit einer amerikanisch-englischen Ga­rantie für Frankreich,bis der Völkerbund be­wiesen hat, daß ct imstande ist, den Frieden und die Freiheit der Welt aufrecht zu erhalten".

Sofort veröffentlicht nun als Gegenschlag die französische Regierung die damalige Antwort Clemenceaus. Natürlich ist dieser ganz an­derer Auffassung. Der Notenwechsel zeigt nur, daß der tiefe, prinzipielle Gegensatz für die Be­handlung des deuMen Problems zwischen Eng­land und Frankreich schon in Versailles bestan­den hat unb daß schon in Versailles Lloyd Ge­orge Frankreich gegenüber Schwäche und Nach- giebiAeit an den Tag legte. Hier liegt die Wur­zel der jammervollen Situation, in der wir uns gegenwärtig befinden. Viele mögen in der offi­ziellen Veröffentlichung des Memorandums von Lloyd George einen gewissen Vorstoß Eng­lands gegen Frankreich erblicken. Man kann wohl annehmen, daß England das Bedürf­nis fühlt, für die Auffassung langsam, aber sicher der Weltmeinung gegenüber zu wirken. Es muß auch gesagt werden, daß die ständige Nachgie­bigkeit Englands gegen die französischen Ansprüche begründet ist in der sehr schweren inneren und äußeren Lage, in der sich Eng­land gegenwärtig befindet. Man geht bei uns viel zu viel von der Meinung aus, als wäre kür England kein Ding unmöglich. Tatsächlich ober ist es En^and nicht möglich, im jetzigen Augenblick die rein militaristisch orientierte französische Gewaltpolitik zu brechen. Es wird viel von uns selber abhängen, ob der Reini­gungsprozeß. der sich doch einmal vollziehen muß, beschleunigt oder verzögert wild. Wir müsseni > der Beurteilung dieser Tinge uns größte Zn--

rückhaltung auferlegen und ehr Urteil erst nach Kenntnis der tieferen Zusammenhänge fällen. Jedenfalls müssen wir alles unterlassen, was den französischen Tendenzen Vorschub leisten könnte, die dahin gehen, Deutschland in einen offenen Gegensatz mit allen Miierten zu brin­gen. Und an der Schürung des deutsch-engli­schen Gegensatzes hat eine bestimmte französische Richtung ein ganz besonderes Interesse. J. B.

FmnzMcheGiegeszuveksicht

Missachtung der deutschen Erklärungen. «Eigener Drahtbericht).

Berlin, 29. März.

Die National-Zeitung meldet aus Paris: Hier nimmt man die deiftschen Erklärungen n i ch t e r n st, daß Deutschland die Bedingungen der Reparations-Note nicht annehmen würde. Die deutsche Tattik der letzten drei Jahre nach dem Kriege sei in Paris zu sehr bekannt ge­worden. Andererseits glaubt man nicht, daß die Reparations-Kommission am 31. Mai Zwangs­maßnahmen gegen Deuffchland ergreifen kann, sofern Deuffchland Aufnahme von Verhandlun­gen wünscht. Tie unbedingte Zustimmung Eng­lands und Italiens zum französischen Vorgehen ist nicht durchaus sicher. Aber in einem Punkte täuschen sich die Deutschen, sagt der Bericht, wenn sie auf eine geringe Einigkeit der Alliier- ten in der Frage der Finanzkontrolle spekulie­ren. In dieser Frage find sich alle Allierten einig. Die Finanzkontrolle über Deuffch­land ist unabwendbar. (?)

Fremde Finanzkontrolle.

Unerhörte Pläne der Alliierte«.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 29. März.

Dailtz Telegraph meldet aus Paris, daß die Reparations-Kommisfion in den letzten Sitzun­gen die Einzelheiten für die Finanzkontrolle über Deutschland beraten hat. Danach erhalten die vier Mächte zusammen drei Sitze in der Kon­troll-Kommission. Der Borfitzende wird von der Reparations-Kommission ernannt werden. Sitz der Kommission soll Berlin fein. Dort wird sie alle« Entscheidungen der deutschen Regierung beiwohnen. (!) Berufungs­instanz ist die Pariser Neparations-Kommission. Wie der Telegraph-Bertreter weiter erfährt, ist der Hauptzweck der Kontroll-Kommission,der neuen erheblichen uferlosen Erhöhung der Be- amtengehälter durch die deutsche Regierung ent­gegenzuwirken." Wörtlich heißt es: Ueberall finken die Weltmarttpreise von Tag zu Tag und es werden sogar Lohnverringerungen vorge­nommen. Nur Deutschland erhöht im Gegenteil seine Gehälter, mn damit seine Zahlungsun­fähigkeit zu begründen." (?)

Amerikas Ansprüche.

Besatzungskotte» und frühere deutsche Insel«. (Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 29. Mürz.

Daily Expreß" läßt sich aus Paris melden, daß der Botschafterrat den vorläufigen Beschluß gefaßt hat, wonach die Berechtigung der amerikanischen Forderungen nach Erstattung der Besatzungskosten anerkannt wird. Jedoch beschloß er, eine einjährige Vertagung des amerikani­sche» ZahlungSbegehrens in Washing­ton nachzusuchen. Aus Washington wird gemeldet: Der Senat hat einstimmig die Zusatz- llaufel zum Bierbundvertrag angenom­men, wodurch Amerika sich vor allem feine Rechte in der Frage des Mandats über die früheren deutschen Inseln im Stillen Ozean sichert.

Aus Oberschlesiens Snöujtrie

Direktor Hilger wollte zu den Polen.

(Privat-Telegramm.)

BreSlau, 29. März.

Wie ein Warschauer Berichterstatter mitteilt, hat der bekannte oberschlesische Großindustrielle Geheimrat Hilger, Generaldircftor der Kö­nigs- und Laurahütte. bei dem Verbände der

polnischen Eisenhüttenwerke in Warschau um die Mitgliedschaft für die Königs- und Lau­rahütte nachgesucht. Ter Verband der polni­schen Eisenhüttenwerke aber hat Herrn Geheim­rat Hilger eine glatte Absage erteilt. Dies Vorgehen des Generaldirektors Hilger, der als erster und bis jetzt einziger zu Polen gekomme­ner Großindustrieller um die Mitgliedschaft in einer polnischen Jndustrieorganisation nachge- kommcn ist, erregt in Warschauer industriellen Kreisen begreifliches Aufsehen.

Vorbereitungen für Genua.

Vertretung des VölkerbundsrateS.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 29. März.

Der Beschluß des Völkerbundrates in Paris, sich an der Konferenz von Genua zu beteiligen, sowie die Ernennung der Delegierten für Genna wurde dem Genfer Sekretariat des Völkerbundes übertragen. Diese Ucbertragung erfolgte auf Grund einer Anregung der italienischen Regie­rung. Lloyd George hatte sich gegen die Ver­tretung in Genf ausgesprochen. Der englische Standpunkt hat nur insofern Berücksichtigung gefunden, als der Bölkerbundrat das General­sekretär: at nur ermächttgt bat. technische Dele­gierte für die Konferenz zu stellen.

Schutz der Ängstlichen Russen.

Rom, 29. März. (Eigene Drahtmeldung.) Tie ru s s i s ch e Regierung hatte der italienischen Consulta eine Note übergeben, die angesichts der Gefahr eines Fasztstenangriffs gegen die russische Delegation in Genua Garantien verlangt. Die Consulta hat geantwortet, daß schärfste Schutzmaßnahmen angewendet werden. Allerdings könne die italienische Regie­rung nicht jede einzelne Persönlichkeit ohne wei­teres von Genua fernhalten. Die übrigen russi­schen Forderungen würden eine Anerkennung der Sowjetrcgierung vor der Konferenz von Genua bedeuten. Das fei nicht angängig.

Die fronrLfifche Abordnung.

P a r j s, 29. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die französische Regierung hat die Delegation für Genua nunmehr bestimmt. Sie wird geführt durch den Justizminister und Vizepräsidenten des Gesamtministeriums Barthou. Dieser wird auch den Ministerpräsidenten vertreten. Unterstaats­sekretär Colrats wird die vertretungsweise Füh­rung der Delegatton übernehmen. Die anderen Vertreter find lediglich Sachverständige.

Die Nullen in Berlin.

RevolverschLffe bet einem Vortrag.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. März.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Gestern abend wurden in der Philharmonie nach einem Vortrag des von Paris gekommenen rus­sischen Professors Miljukow mehrere Re­volverschüsse gegen diesen abgefeuert. Durch diese Schüsse wurde der russische Redakteur Ron! getötet. Die Täter find zwei junge Leute, die der russischen monarchistischen Bewegung ange­hören Sie wurden verhaftet. Des Publi­kums bemächtigte fich eine ungeheuere Panik. In dem Gedränge wurden mehrere Leute schwer verletzt und niedergetreten. Nach Aussage des einen der beiden seftgenommenen Täter wollten diese die niedergebrochene Monarchie an Milju­kow rächen. Roul wurde getroffen, als er sei­nen politischen Gegner Miljukow schützen wollte.

Amerika vor einem Ausstand

Ein Bergarbeiterstreik in Sicht.

(Eigener Drahtbericht.)

Washington, 29. März.

Eine amffiche Mitteilung aus dem Weißen Hause besagt, daß die Bundesregierung alle ihr zu Gebote stehenden Mittel erschöpft habe, um den Ausoruch des Bergarbeiterstreiks zu verhüten und die Arbeiter und Zechenbesitzer an den gemeinsamen Verhandlungstisch zu brin­gen. Der Streik ist damtt unabwendbar geworden. Was nach de n 1. April von feiten der Regierung zu geschehen hat, bestimmt sich nach dem Ausmaß und den WirkunMn des Streiks. Das Lokomotivperfonal hat dem Bergarbeiterverband bereits weitestgehende Unterstützung im Streik zugcfngt. Man rechnet mit einer Gefamtzahl von achthunderttanfend Streikenden. Arbeitsminister Davis und Justiz- minitzrr Taugherty haben erneut mit dem Prä­sidenten Harding die Situation besprochen. Es wurde bekannt, daß geplant wird, im Streitfall die Eisenbahnen durch Staats- und Bufi- dcstruppen schützen zu lasse«.

DleletztenTagelnGpa Ablehnung einer Abdankung.

In itnfeter Eoi nabenb-Ausgave berichteten wir über ein demnSwN erscheinendes Buch des Ge­nerals v. Eisenhardt-RotherDer Kat,er cm 9. November--. Das Blich enthalt über die Vor. gange im kaiserlichen Sanvtquartier in den Re- volnt-onstagen 1918 noch folgende Mitteilnngen: Als besonders wichtige neue Tatsache wird ein längeres persönliches Telephon­gespräch erwähnt, das der Kaiser noch am 9. November mit dem Prinzen Max von Baden geführt hat. Diese Mitteilung wider­spricht den bisherigen Darstellungen, in denen es immer hieß, daß der Kaiser niemals für den Prinzen Max telephonisch erreichbar gewesen teilte. Nach der Darstellung dieses Buches ver­suchte der Prinz, den Kaiser zur Abdankung zu bewegen, was dieser aber energisch ab« lehnte. Prinz Mar erwähnte wiederholt den Namen Liebknecht. Hindenburg soll von die­sem Telephongespräch nichts gewußt hüben. Nach­dem Kaiser Wilhelm im Verlause dieses Tele- pHongespräches dem Prinzen ausdrücklich erklärt hatte, daß von einer Abdankung keine Rede sein könne, lief am 9. Mwember, morgens 8.30 Uhr, im Hauptquartier ein an den Kaiser gerichtetes Telegramm des Reichskanzlers Prinz Max und des Staatssekretärs Dr. Sols ein, in dem diese dringend dem Kaiser zur Abdankung rie­ten, da sonst das ganze Kriegskabinett zurücktre­ten müsse. Weiter wird berichtet, daß Prinz Max in seinem Telephongespräch mit dem Kai­ser wiederholt darauf hinwies, daß der Ein­fluß der Bolschewisten immer mehr um sich greife und daß die Mehrbeitssogialisten fich nicht mehr dagegen halten könnten.

Die letzte Mahnung des Auswärttgcn Amtes.

Am 9. November, um 11 Uhr vormittags, nahm dann der Flügeladjutant, Hauptmann von Jlsemann, folgendes Telephongespräch aus dem Auswärtigen Amt auf:Man glaubt, daß heute im Laufe des Nachmittags von Arbeiter- und Soldatenräten die Republik mit Liebknecht an der Spitze ausgernfen wird. Die Regie­rung ist hiergegen machtlos. Die Trup­pen in der Heimat sind bisher ohne Aus­nahme zu den Revolutionären übergegan» gen. Man glaubt nicht, daß die Truppen in Ber­lin sich anders verhalten werden. Der Unter- staatsfekretär bittet Exzellenz von Hintze, seinen Einfluß geltend zu machen, daß Seine Majestät sofort abdanken müsse, um dadurch die Dynastie zu retten, die sonst zweifellos verloren wäre." Bald darauf kam dann auch die Nachricht aus Berlin, daß die dorttgen Formationen zur Revolution übergegangen seien. Dann setzte das telephonische Trommelfeuer aus Berlin ein, das die Abdankung des Kaisers aus Furcht vor Lieb­knecht erzwingen sollte. Trotz des dringenden Rates, fast seiner gesamten engeren und wei­teren Umgebung, Spa zu verlassen und ins Ausland zu gehen, hatte der Kaiser bis zehn Uhr abends die feste Absicht, zu bleiben. Dem hatte er auch gegenüber dem General Graf Schulenburg, bei dessen gegen zwei Uhr nach­mittags erfolgter Verabschiedung trotz des aus dem militärischen Vortrag gewonnenen Ein­drucks. daß das Feldheer zusammengebrochen sei imd ihn verlassen hcwe, mit den Worten kla­ren Ausdruck gegeben:Ich bleibe König von Preußen und danke als solcher nicht ab;

ich bleibe bei der Truppe!"

Im Laufe des Tages begab fich im Großen Hauptquartier aber ncch allerlei. Die Kaiser- Villa wurde befestigt.Der Kaiser selbst wohnte bekanntlich in der Villa Fraineuse, in der bei den beschränkten Raumverhältnissen außer ihm nur zwei Flügeladjutanten unter- gebracht waren. Zwischen drei und vier Uhr nachmittags erteilte der Kaiser dem General- adjutanten von Gontard den Beseh!, dieses Quartier für die Unterbringung auch des übri­gen militärischen Gefolges, also der Generäle und anderer Offiziere aus der nächsten Um« gebung des Kaisers vorzubereiten. Matratzen sollten ausgelegt werden, Proviant herangeschafft und für Herbeischaffung von Waffen und Munition sollte Sorge getragen werden. In den umliegenden Hausern wollte man das Sturmbatailkon Rohr, das seit Anfang November nach Spa verlegt war unb das als besonders zuverlässig galt, unter« bringen. Dem Befehl begann man taffächlich nachzukommeu. Das Abendessen wollte der Kai­ser im Hofzuge einnebmen und dann zur Villa Fraineuse zurückkehren, in der man sich ge­gebenenfalls verteidigen könne. Die­selbe Ansicht äußerte der Kaiser den Flügeladju­tanten Graf Dohna, Hirschfeld, und von Ilse« mann gegenüber. Den Anlaß zu dieser gan­zen seltsamen Aktton gab der Umstand, daß man im Großen Hauptquartier bei der dort herr­schenden Verwirrung und dem Mangel nachkon« nollierbarer, positiver Nachrichten, selbst nicht ein noch aus wußte. Order und Konter­order folgten einander. Gegen wen man 6x6