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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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N«mmer 78
SonuaSend, 1. April 1922.
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
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Die Abordnungen für Genua.
politische Neubildung
Die äußere und die innere Koalition.
Die Versuche des Herrn Wirch, sein Kabinett auf eine breitere Basis zu stellen, sind durch die neue Ententenote scheinbar in den Hintergrund gedrängt lvorden. Die Stresemannpartei dürste die Entwicklung der Dinge wohl erst abwarten, ehe sie sich an das jetzige Kabinett bindet. Das Schicksal der Regierung Wirth steht auf des Messers Schneide Bleibt Paris halsstarrig aus seinen bisherigen Forderungen bestehen und läßt es vor allem in der Frage der Sechzig-Mil- liarden-Steuer nicht mit sich reden, dann wird wohl mit einem Rücktritt der Regierung oder wenigstens mit einer Umbildung zu rechnen sein. Denn so wie bisher ist die Regierung zu wenig tragfähig und würde bei den kommenden Parlamentsstürmen davongefcgt werden, da selbst die Sozialdemokraten allem Anschein nach die Regierung Wirth nur noch unter neuen Bc- dingungen zu unterstützen entschlossen sind, während Zentrum und Demokraten ein weiteres Hinöberneigen des Kanzlers nach der Linken offenbar nicht zugehen wollen. Herr PoincarS bat letzten Endes das Leben der Regierung Wirth in Händen.
Nun scheint sich aber gegen Frankreich selbst in aller Stille eine Koalition bilden zu wollen, von deren Gelingen außerordentlich viel für das Schicksal der Regierung Wirth ab- hängen würde. Lloyd George bereitet einen ernsten Kampf für Genua gegen Poin- cai‘6 vor. Der Ausgang der Konferenz ist entscheidend auch für das Schicksal des englischen Kibinctts. Augenblicklich berät Lloyd George mir dem italienischen Außenmini st er Schanzet über die KampUitnationen auf der Konferenz, für die sich die römische Regierung mit der gleichen Wärme wie Lloyd George selbst einsetzt. Diese Vorbereitungen werden getroffen, nachdem anscheinend in Paris bei der Orientkonferenz kein Ausgleich für die englisch- französischen Gegensätze im nahen Osten gefunden werden konnte. In London hat man mehr und mehr eingesöhen, daß das Fehlen eines Gegengewichts gegenüber dem französischen Imperialismus dem britischen Imperium unter Umständen eine tödliche Wunde schlagen kann. Es ivird daher versucht, in aller Hast noch eine antifranzösische Koalition zusammenzubringen, an der vielleicht auch Deutschland und Rußland interessiert würde, wenn der französisch-englische Gegensatz nicht etwa noch voller auf Kosten Deutschlands ausgeglichen wird.
Ohne Amerika aber wird die britische Regierung kaum etwas erreichen können. Es fcheint ja, als ob Washington in den letzten Tagen auf die englischen Wünsche einzugehen bereit gewesen wäre. Aber Bestimmtes läßt sich nach dieser Richtung noch nicht sagen. Zu zahlreiche und zu mächtige Kräfte arbeiten drüben jenseits des großen Teichs zugunsten von Frankreich, so daß sich heute über die Stärke der Position Lloyd Georges und seines Gegners in Paris nur Vermutungen aufstellen lassen, die morgen schon wieder über den Haufen fallen könnten. Sicherlich haben aber die britischen Anregungen zu allseitiger Abrüstung in Frankreich sehr verstimmt. Diese Verstimmung läßt den französischen Drang nach einer Verstärkung der Angriffs- und Verteidig ungs mittel und damit die ganze franz-ösische Außenpolitik in noch viel grafferem Lichte erscheinen, als bisher. Alle Länder vermindern ihren Heeresbestand, nur Frankreich nicht, weil es angeblich die ins Riesengroße übertriebene „deutsche Gefahr" fürchtet. Tie Pariser Presse ist denn auch reichlich ungehalten und ein Blatt, dessen gute Beziehungen zu amtlichen Stellen bekannt find, glaubt in ironischer Weise die AnkündiWng des englischen Kricgsministers in dem Sinne deuten zu müssen, daß sich „Frankreich im nächsten Kriegs ohne England werde schlagen müssen." Jedenfalls hat ein gewaltiges Ringen zwischen London und Paris eingesetzt, dem Berlin mit Spannung zusieht, da mehr als das bloße Schicksal der Regierung Wirth und ihre Koalition auf dem Spiel steht.
Wir tappen vollkommen im Dunkeln bei der bangen Frage, was man im gegnerischen Lager eigentlich mit uns vorhat. Tie jüngsten Ver- öfssntlichungen der Frieden sdenkschrist von Lloyd George aus dem Jahr ISIS -konnten in «ns die Hoffnung erwecken, daß dieser Schritt doch nur zu dem Zweck unternommen worden sei, nm uns zu veranschaulichen, welche große Mühe sich Llovd George gegeben habe, schon vor drei Jahren für uns Partei zu ergreifen und unsere Lebcnsinteressen wahrzunehmen. Sicherlich hat cs der englische Prencker tanter g v gut mit uns gemeint, aber noch ö hat er uns bitterlichst mit seinen Umfällen enttäuscht. Wenn er uns jetzt wieder einmal eine hilfsbereite Mene zeigt, so dürfen wir annehmen, daß es nicht geschieht, weil England stark, sondern weil es schwächer ist, als es Llovd George öfient* lief) wabrüabm möchte. Tie Gefahren für das
britische Reich Kegen auf der Hand für den Fall, daß es Poincarö gelingt, feine Kontinental- Vorherrschafts-Pläne in die Wirklichkeit zsi setzen, indem er ins Ruhrgebiet einmarschiert, eine Drohung, die in Paris in diesen Tagen mehr als einmal ausgestoßen worden sein soll. Herr Lloyd George hat an einer starken deut- schen Regierung ein ebenso großes Interesse, wie wir es an einer Konstellation gegen Frankreich haben. Tie große äußere Koalition gegen Frankreich bedingt aber auch eine erweiterte innere Koalition im Reich. Ob es gelingt, werden uns die nächsten Tage sagen. J. S.
DieVordereiMngfürGenua.
Die deutsche Abordnung.
(Eisen: Drahtmeldung.)
Berlin, 31. März.
Gestern nachmittag tagte das Rcichskabinett, um fich u. a. schlüssig zu werden, wie die Delegation für Genua zusammengestellt sein soll. Reichskanzler Dr. Wirth dürfte wahrscheinlich «ach Genna mitreifen, doch wird er nicht bis gum Schluß der Konferenz bleiben. Der Führer wird also Dr. Rathenau bleiben. Mit ihm werden fahren als Hanptdelegierte Reichsfinanzminister Dr. Hermes, Reichs- wirtfchastsminister Schmidt, Staatssekretär August Müller, Staatssekretär Hirsch vom Wiederaufbau . Ministerium, Staatssekretär Schröder vom Reichsfinanzministcrinm, Geheimrat von Simson vom Auswärtigen Amt, und der Chef der Presse-Abteilung des Auswärtigen Amtes Ministerial-Direktor Dr. Müller mit drei Referenten. Außerdem werden verschiedene Sachverständige mitsahren. Es besteht die Absicht, Sachverständige Nachkommen zu lassen, deren Anwesenheit in Genua sich als erforderlich erweisen sollte.
Vorbesprechung 6er Alliierten.
Paris, 31. März. (Eigener Drahtbericht.) „Petit Puristen" meldet, daß vor der Eröffnung der Konferenz von Genua zwischen den Alliierten eine Vor -Konferenz Hattsinden wird, in der über verschiedene Punkte, die 6iS jetzt noch nicht aufgeklärt sind, verhandelt wird. Lloyd George hat mit dem italienischen Außenminister am Montag sich hierüber ausgesprochen. Diese Besprechung wird wahrscheinlich cm 9. April, also am Vorabend der Haupt-Konferenz, stallfinden. Französischerseits wird dieser Gedanke sehr hoffnungsvoll begrüßt.
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Auch bayrisch? Vertreter.
München, 31. März (Privattelegramm.) Wie gestern mitgrteilt wurde, wird von Bayern der Ministerialdirektor von Meindel an der Konferenz in Genua teilnehmen, außerdem wird sich aller Voraussicht nach auch der Abgeordnete Tr. Heim nach Genna begeben.
Schutz für durchreiten de Delegationen.
Berlin, 31. März. (Privattelegramm.) In einer auf Anregung des Auswärtigen Amtes ab- gehaltenen Besprechung, an der Vertreter sämtlicher beteiligten Remter teilnahmen, wurden besondere Maßnahmen zum Schutze der demnächst durchreisenden fremden Delegationen für die Genueser Konferenz, insbesondere auch im Hinblick auf den Mordanschlag der Russen in der Berliner Philharmonie, beschlossen.
Frankreich WM Geld Wen.
Deutschland soll ALes zahlen.
(Eiaener Drohtbericht.)
Paris, 31. März.
Im französischen Senat sprach der Finanzminister Lasteyri über die Zahlungen Deutsch, lands und über das Moratorium. Er führte unter anderem ans: Wenn eine internationale Anleihe nicht möglich sein wird, so mutz Deutsch- land auf seine eigenen Reichtümer und feine Industrie eine Anleihe aufnebmen. Wir verhehlen «ns die Schwierigkeiten nicht, aber wir haben sofort Geld nötig, und nur eine deutsche Anleihe könnte uns dieses beschaffen. Die uent» schen Sachleistungen würden unsere nationale Industrie nicht schädigen. Trotz unserer Anstrengungen sind wir gewiß, daß wir in diesem Jahre noch wenig von Deutschland bekommen werden, und wir werden in diesem Jahre zwanzig bis zweinndzwanzig Milliarden anderswo finden müssen, rrm unser Budget auszngleichen. Die wichtigste Frage bleibt die ReparationS- frage. Schwierig ist es, Deutschland zu zwin- '-en, seine Finanzen zu ordnen. Die Reparationö- rrage muß gelöst werden, bevor mau an eine Wieder.^rfklluug Europas denken kann.
*
Die deutsche Antwort.
Berlin, 3L März. (Privattelegramm.) Die Antwortnote der Reichsregirrung an dje
Entente soll noch in dieser Woche Berlin verlas- len. Das Reichskabinett wird zur Formulierung der Antwort heute früh zusammentreten. Die Gerüchte, daß der französische Boffchaster nicht wieder nach Berlin zurückkrhren wird, haben bisher noch keine Bestätigung gefunden.
Der Fall Hermes.
Beratung im AnterfuchuugSausschutz.
(Prrvat-Telrgtamm.)
Berlin, 31. März.
Gegen die Stimme der Vertreter der sozialdemokratischen Parteien enffchied die Mehrheit dez parlamentarischen Unterfuchungsausschnffes, daß sie in der Beschaffung des ersten und zweiten Automobils für das RcichSernährungs- ministerium keine Berfehlnng des Ministers erblicken kaun. Dr. Hermes habe aber durch die Unterdrückung der Rechtfertigungsschrist des Ministerialdirektors Dr. Heukamp stillschweigend zugegeben, daß sein Verhalten eine Unkvrrektheff darstclle. Bus der Aussage deS Dr. Hermes in dem Magdeburger Presse-Prozeß wurden Erklärungen verlesen, dir darauf schließen lassen, daß Dr. Hermes die Absicht gehabt habe, den Fall Augustin zu vertuschen. Am 1. April soll die Erörterung der Wein- und Zuckeren - gelegenheit im Ausschuß beginnen. Es bestätigt sich, wie von kommunistischer Seite mit- geteilt wird, daß turnt Ausschuß die Echtheit und Richtigkeit der bisher veröffentlichten Dokumente festgestellt worden ist. Die Dokumente enthalte« darüber hinaus «och eine Fülle neuen und interessanten Materials über eine dritte Weinliese r u n g, die Flasche für fünf Mark.
Russische Ruhestörer.
Verhaftung »ou Russe« tu Daher«.
(Privat-Telearamm.l
München, 31. März.
Auf Ersuchen der Berliner Kriminalpvliz', wurde gestern in einer Pension in Schwabing , in der die beiden russischen Mörder gewohnt hatten, die in Berlin den Russen Miljukow erschießen wollten und den russischen Redakteur Nabokow trafen, eine Hausfu- chung abgehalten. Dabei wurden eine Menge Schriftstücke in russischer Sprache gesunden. Die Ucbersetzung der Schriftstücke wird vielleicht nähere Aufklärungen geben. Mehrere Russen, die in der Pension wohnten, wurden vorläufig in Haft genommen. Es wird nachgeprüft, ob sie mit dem Anschlag in Verbindung standen.
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Sine Seveim-Srgonifation.
Berlin, 31. März. (Privattelegramm.) In der Mordsache der russischen Kadettcnfuhrer in der Berliner Philharmonie wurden geftern weitere acht Russen verhaftet. Sei einem der Verhafteten wurde die gesamte Mitgliederliste der russischen Monarchistenpartei in Deutschland vorgefunden. Die politische Polizei ist dadurch einer großen Geheimorganisatiou auf die Spur gekommen, die die Mederernflch- tung der Monarchie in Rußland durch die „Propaganda der 3W* an strebt.
Der Streit an der Adria.
Italiener und Jugoslawen.
(Eigener Dnchtbericht.)
Genf, 31. Marz.
Wie die italienffchen Blätter melden, erhielten die italienischen Besatzungstruppen von Sku- tari Beseh! zur Räumung der Stadt. Auch die übrigen in Albanien noch hier und da zerstreuten italienischen Truppenkommandos find zurückbe- rufen worden, sodaß in kurzer Seit Albanien von italienischen Truppen vollständig geräumt fein wird. — Ans Belgrad wird berichtet: Der Außenminister Ri-ttschttsch beantwortete in der Skuptschina eine Interpellation bezüglich oes Abschlusses einer öffentlichen Anleihe des Freistaates Fiume in Rom dahin, daß nach Auffassung der jugofiavffchen Regierung Fiume keine nationalen Verpflichtungen eingehen könne, solange es nicht die vollständigen Hoheitsrecht: eines unabhängigen Staates, der national anerkannt sei, besitze ' " 1
Krieg und Frieden.
Urteil eines belgische« Arbeiterführers.
Rath be« Erfahrungen, dir wir mit ittteraati» naiistisch CenEtnbctt Leute» gemacht Haven, werden die Aettsterungen auklänr-scher Ar- deiterfiihrer nut wenig gewürdigt. Jetzt wird mau auf einen Belgier aufmerkfau-, der eine rühmlich« Ausnahme zu machen scheint, wie aus dem nachstehend en Bericht h-rvorgeht. Vor einigen Tagen machte eine belgische Arbeiterdelegation eine Sttldienreise durch Westdeutschland. Ihr Führer war der bekannte So- zialistenführer Henry de Man. Aus einer alten Amsterdamer Familie stammend, überragt er an gründlichem Wissen und an Weltkenntnis das übliche Maß. Er hielt sich während des Krieges von Chauvinismus frei, erst recht «ach dessen Beendigung. Er lehnte jeden Eintritt in die Regierung und jedes Abgeordnetcnmandak konsequent ab, verurteilte in schrofffter Form die rechtswidrige Gewalt, die man TMtsch-, land durch den „Friedensvertrag" angeiatr und den wirtschaftspolitischen Irrsinn dieses Vci- irages. In diesem Sinne lehrt er in den Schul- und Fortbildungsschul-Organifattonen für die sozialistische Arbeiterschaft und erzieht in diesem Sinne Die Generation der Arbeiterführer für morgen. Im Gürzenich in Köln setzte er dem Gewaltvertrag von Versailles sein Friedensprogramnta entgegen. Seine Ausführungen unp Erkenntnisse sind so klar und überzeugend, daß sie von keinem deutschen Polittker besser zum Ausdruck gebracht werden könnten. Die deutsche Erfüllungsregierung konnte sich ein Beispiel daran nehmen. Sie gipfeln in folgendem: „Es ist nicht der Eindruck der Freude über das Darniederliegen des besiegten Volkes, die uns beseelt. Wer als Vertreter einer Enteniemacht nach Deutschland lommt. um ich zu freuen an dem Bilde einer verelendeten, versklavten, zerstückelten Nation könnte sich allerdings freuen. Wir freuen uns nicht M Vertreter einer siegreichen Macht.
Es gibt keine fiegreichen Völker, alle sind sie durch den Krieg besiegt wordest. Der deutsche Arbeiter leidet unter der niedrige« -aluta, der belgische, französische und endliche nter der hohen. Die Geldentwertung schasst tc eingenartige Tatsache, daß die deutschen Ar- riter Arbeit haben tat ganzen westlichen Euro- a Millionen überhaupt nichts verdienen. Die Macht- und Drohungspolitik, die die Taktik des Krieges im Frieden fortsetzen wollte, hat elenden S ch i f f b ru ch gelitten. Die Repa' rationspolitik voni Standpunkt der Entente hat auch Bankrott gemacht. Stattfiisch ist nachgewiesen, daß nur ein Siebentel der Reparationsleistungen für dm Wiederaufbau verwendet wurde. Nimmt man dazu die Aufwandsrosten der Ententeländer, so schließt die Rechnung mit einem glatten Defizit ab. Wenn wir die belgischen Soldaten für die Tage ihrer Dienstzeit mit prodnttiver Aufbauarbeit beschäftigen können, würde das gesamte zerstörte Gebiet längst wieder aufgebaut sein. Die deuffche Arbeiterschaft hat den Willm bewiesen, wieder gutzumachen, was Deutschland verschuldet hat. Aber diese
Leistungen müssen begrenzt werden auf den wirklichen WiederaufbaS. untz das bedeutet die Streichung von mindestens zwei Drittel der deutschen Schuld. Mindestens zwei Drittel werden für die Bezahlung der Kriegskosten und Pensionen benutzt, die direkte Folgen des Krieges sind und rat die jedes Land selbst aufkommr« sollte. Die Ruinen müs- >m verschwinden, damit der Hatz «nd das Miß- trauen gegen das deutsche Volk auch verschwinden Das deutsche Volk bat aber keine Verpflichtung, die Kosten der Kriegführung, die dt- moralische Verantwortung aller Iii eq* führenden Regierungen sind, zu tragen. Ich bin überzeugt, datz die Motive zur ORupation des linkm Rheinufets mit der Leistung der Reparationszahlungen bitter wenig zu tun hat. Denn der ganze „Nwß" verursacht mel mehr Kosten, als an Reparattrmen je dadurch eingebracht werden kann und wird. Was vom deutschen Gesichtspunkt aus Wahnsinn ift, ist vom belgischen und englischen Gesichtspunkt aus ebenfalls Wahnsinn. Europa kann nicht weiter bestehen, die Völler könne« sich n'cht frei entwik. keln, wenn
im Herzen Europas ein Volk versklavt und erniedrigt bleibt, wie jetzt das deutsch^ Volk. Es ist für die Sieger nicht nur ein Ge- bot der Solidarität und Gerechtigkeit, sondern nur ein Gebot der nackten und Politischen Selbsterhaltung. die Gewaltpolitik zu unter- lassen. Wir haben uns verpflichtet, für eine Revision des Versailler Friedens einzutreten, für eine Abänderung bei seitdem geführten Politik, wie es die Lasten der Kriegskesten und Pmsionen von Deutsch- land fordert. Wir treten ein lür ein sofortiger Antzk fcs etlOatiM. WteMWunß