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Nummer 109

Donnerstag, 11. Mai 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 Und 952

Sie russische Aulwort ist überreicht

in dem Stadium der Passivität

Genua, 10. Mai.

Der Kampf um va« Vetroieum.

DerNew York Herald" meldet aus Washing­ton: Die amerikanische Standard Oil Co. gibt bekannt, fie werde sich jeder monopolarti­gen Konzession widersetzen, die der Royal Dutch-Shell-Gruppe in Rußland etwa einge­räumt werde. Präsident Bodford vom Berwal- tungsrat der Standard Oil in Rew-Jersey hatte eine lange Unterredung mit Staatssekretär Hughes, der ihm die Versicherung abgab, die Vereinigten Staaten würden in keinerlei Ab­machungen einwilligen, dir amerikanisches Kapi­tal von Rußland auSschlöffcn.

29. April über die Konferenz und gleichzeittg ein Memorandum, worin gebeten wird, daß in der Vereinbarung, die man zwischen den Mächten iw Genua fassen werde, die folgenden drei Klau- sein ausgenommen werden sollen: L Die Ge­wissensfreiheit für die Ruß'en und für alle fremden Staatsbürger scll in Rußland garantiert werden. 2. Garantiert werden soll die private und öffentliche Ausübung der Re- li g i on. 3. Die I m m o b i l i c n, die einer Ne- ligionsgemeinde gehört haben oder noch gehören, werden zurückerstattet und respektiert.

Frankreichs Haltung.

Genua, 10. Mai. (Eigene DraHttneldung.) Barthou hat zu verstehen gegeben, daß ihm an dem normalen Verlauf der Konferenz gelegen sei. (fr beabsichtige nicht, dir Verhandlungen ab- zubrechen, wenn die erste Antwort der Russen nicht in allen Punkten befriedigen sollte. Sollte die russische Antwort aber in allen Puntten un- befriedigeird bleiben, so würden die Franzosen darauf bestehen, daß die Fordenlngrn Westeuro­pas den Charakter eines Ultimatums erhielten.

über die gefährtedenMenfchbeitsinteressen*, Wer die Notwendigkeit, den Völkern Europas, ja, den Völkern der Erde wirtschaftliches Heil zu bringen da wird ein Schwall von Phrasen in

Die löffelet fleuefle» Nachrichten erscheine» wöchentlich lechSmai und zwar abend». Der 'SbemtemetitSpteli netto(U monatlich Mark Bet tretet Zustellung ins Hau«. Au«, wärt« durch die Von bezogen Marl monalUch elnschlieblich gudellmig. BeN-llunge» werde» «der,zu vor »er cheichäftslielle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlav mt 'Rebattton Echlachlhofstrabe 28/30, Für uuoerlangt eingeianrte BettrLge kann vte RedaNton eine Verantwortung oder Gewähr tu keinem Ratte Sbernehmen. Rückzahlung de» LezugSgelde» oder Lufprüche wegen etwaiger nicht ordoimgSmäblger Lieferung anrgelchloff en.

Nußland Ikynt die Schuld ad.

Genua, 10. Mai. (Eigene DraHttneldung.) Fr-, derStomps" ist ein von offiziöser russischer Seite inspirierter Artikel erschienen, der gegen Barth ort und seinen Versuch Einspruch er­hebt, die Schuld au einem etwaigen Scheitern der Konferenz den Russen in die Schuhe zu schieben. In diesm Artikel wird darauf hingewkesen, daß die Frauzofen, wenn sie non der russischen Dele­gation ein unzweideutiges Ja oder rin ebensol­ches Nein fordern, damit ein Ultimatum stelle», das mit dem vor dem Beginn der Konferenz feierlich zugesagten f r i ed l i ch c n Charakter die­ser Bölkerzusanrmcnkunff in Widerspruch stände.

verharren wird. Die deutsche Jndustrie braucht, wenn sie arbeitsfähig bleiben soll, die Einfuhr von Rohstoffen, und so erklärt es sich, daß diese Einfuhr im März dieses Jah­res um 8.3 Millionen Doppelzentner im Wen von 5,4 Milliarden Mark gegenüber Februar, die der Halbfertigfabrikate um IX) Mllionen

dnferttonSpreife a) «tnhstmttchc Aufträge: Dte etnspalttge Rnzetgenzeile M. 3-, die einspaltige Rellamezeile W. 8.- b) Anttwärtige Aufträge: Die etnfpatttge «nzeigenzeile tttt. 3., die einfpoltlge ReName-eile M. 8, alle- einfchlietzlich TeueruugAzufchlag und Anzeigenlleuer. Für Anzeigen mit besonder« schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag. Für die Mchtigkeit aller durch Fernsprecher abgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden, Druckereü Schlacht- hosstrabe 28/80. BeschäftSftelle: Kölnisch« Strotze 6. Deiephon Nummer 061 an» 952

Im Gegenteil, da die inländischen Rahrnngs- mittelvorräte den Bedarf bei weitem nicht zn decken vermögen, und dieses MitzverbÄtnis bis zur neuen Ernte von Monat zu Monat stärket wird, hat sich die

verstärkte Einfuhr ausländischer Erzeugnisse als unumgänglich no-twendig erwiesen. Auch dieser Umstand mutz auf die Handelsbilanz in der Richtung der Passivität wirken. Zu beach­ten ist ferner, daß von Oktober 1921 bis Ja­nuar 1922 die Ausfuhrm enge nicht viel ge­stiegen ist, der Wert der ausgefiihrten Ware« sich aber verdoppelt bat. und daß sich nur so die Verwandlung der Einfuhrüberschusses von 4,1 Milliarden Mark im Oktober in einen Ausfuhr­überschuß von 176 Milliarden Mark im Januar erklärt. Umgekehrt blieb der Wert der Ein- ühr in dieser Zeitspanne annähernd der gleich« nährend die M e n g e der Einfuhr von 30 Mil­lionen Doppelzentner auf 21 Millionen im De­zember und auf 23 Mllionen Doppelzentner im Januar sank. Mit dem soeben bekannt geworde­nen Mrzergebnis in diesem Monat war ein Einfuhrüberschuß von 1,6 Milliarden Mark zu verzeichnen ist der deutsche Außen­handel zu seiner früheren Passivität zurückge­kehrt, und alle Anzeichen weisen darauf hin, daß- wie es unter dem Druck der Reparationsver­pflichtungen nicht anders sein kann, die deutsche Handelsbilanz in der nächsten Zeit

Die deutschen Zahlungen.

Eine Antwort an die alliierte Kommission. (Privat-Telegramm.)

6!n Vetroleumstreit.

Hinter den Kulissen von Genna.

Die Lage in Genua ist seit der Rückkehr BarthouZ wieder kritisch geworden. Der Pessi­mismus ist dort allgemein. Wenn auch Barthou in einer Rede an die französischen Journalisten gesagt hat, daß cs leichter fei, Kritik zu üben als zu handeln, so muß man doch feststellen, daß ge­rade die Franzosen sehr wenig handeln, um den Erfolg der Konferenz zu sichern. Sie sind im Gegenteil der Ueberzeugimg, daß die Konferenz in vier bis fünf Tagen ohne bestimmtes Ergeb­nis beendet werden wird, und zwar, wie sie be­haupten, wegen der Haltung der Russen. Daß Lloyd George diese Meinung nicht teilt, beweist seine Unterredung mit dem deutschen Reichs­kanzler, die zweieinhalb Stunden dauerte und die der deutschen Delegation die Usberzeugung brachte, daß der Erfolg der Konferenz nicht von den Russen, sondern vielmehr von den Fran­zos e n in Frage gestellt wird. Neuerdings wen­den die Franzosen wieder der Petroleum- frage ein großes Interesse zu, eine Frage, die von ihrer Seite aus künstlich artfgebauscht wird Es handelt sich um die private englische Shell- Company, die Petroleum-Interessen im Kauka­sus hat. Das veranlaßt die Franzosen, das Pe­troleumproblem besonders hervvrzuheven. Sie haben sogar zwei Sachverständige für Petro- leumfragen, den Unterstaatssekretär Ehnae und den Generaldirektor Pineau, nach Genua kommen lassen, um in dieser Angelegenheit ein Wort mit* reden zu können. Im übrigen wird hinter den Kulissen stark gearbeitet. Es finden zahlreiche Ein-elbesprechungen der Minister un­tereinander statt und es verlautete, daß die Rus­sen in der Kreditfrage etwas nachgegeben hätten und daß der Weg zu einem Kompromiß geftm- den zu sein scheine. Die Belgier bleiben aber nach wie vor hartnäckig und mit ihnen die Franzosen.

Dadurch haben die Verhandlungen der Alliierten mit den Russen mit einem Male einen sehr realen Beigeschmack bekommen. Eingeweih­ten Kreisen war es freilich schon feit längerer Zeit bekannt, daß der Diplomatenkampf um das Alliierten-Äbkommen mit den Russen ein Inter- essenstreit war und ist, der auf sehr geschäfts­mäßige Dinge znrückgchi Um den Be­sitz des Petroleums, der Petroleum-Gru­ben und der Petroleum-Vorkommen in der Erde

Berlin, 10. Mai.

ES wird in der deutschen Note an die Rc partttionskommission erneut die Bereitwilligkeit der deutschen Regierung zum Ausgleich ihres Etats zum Ausdruck gebracht. Andererseits werden die Forderungen der Revarationskom- mission nach sechzig Milliarden Mark neuer Steuern, sowie die von ihr beabsichtigte Ein­richtung einer Finanzkontrolle abermals a b g e l e h n t. Im Großen und Ganzen ist die deutsche Antwortnote als eine Fortführung der zwischen der deutschen Regierung und der Re­parationskommission im Gange befindlichen Un­terhandlungen über die deutschen Reparations­leistungen zu betrachten. Man rechnet damit, > sich Minister Hermes am Donnerstag nach Paris begibt, um mit der Reparattonskomtnis- sion weiter zu verhandeln.

Anregung des Papstes

Di« Fürsorge für Neligionsfrethrit.

(Eigener Drahibericht.

Die Präfidentschast der Konferenz und die

------ ...,----- ..... ------ ... Delegierten derjenigen Staaten, die mit dem die öffentliche Meinung aller Länder geschle!,-'Vatikan in diplomatischen Beziehungen stehen, bert. mit dem matt die Köpfe benebelt und'erhielten den Text des Paptzbrieses vom

Dir Note ist überreicht.

Genua» 10. Mai. (Eigene DraHttneldung) Die Anttport der russisckten Delegation aus das Memorandum der Mächte ist gestern dem Vor­sitzenden der Konferenz überreicht worden. Der offizielle Text der Note wird heute veröffent- licht werden. Ter Antwort ist ein Brief von Tschitscherin beigegeben, der die versöhnliche Haltung der Sowjets betont. ES verlautet, daß die Russen die Bestimmungen der Denkschrift, mit Ausnahme der Artikel 1 und 7 (Propa­ganda und Eigentum), a n n e h m e n. Sie wün­schen einige Aenderungen der letzten Bestimmun­gen und verlangen außerdem die bedingungslos- Zusicherung einer Anleihe von zweihun­dert Millionen Pfund.

Vor dem Ende Ser Konferenz

Der Bruch ist vermieden.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 10. Mai.

Der diplomatische Mitarbeiter desEvening Standard" der an einem zufriedenstellenden AuSgang der Konferenz zweifelt, gibt der Ueber- zeugung Ausdruck, daß in Konferenzkreisen die einzige Gewißheit herrsche, daß es zu keinem dramatischen Bruch kommen werde, bei dem die Delegierten zu ihren Zügen eilen und mit Volldampf die Heimreise antreten würden. Der Verfasser führte ferner auS, daß er ü * -' - fei, Frankreich werde es sich reiflich über­leg e n, ehe es Truppen zur Besetzung des Rnhr- geviete« nnSfcnbr ,md »a werde sich innerh!ttb eines Monats größte Mühe geben, die Freund­schaft mit E n g l a n d wieder zu festigen.

RuMcheGegenforderungen.

Anerkennung der SowietS und Finanzfragsn.

(Eigener Drahtbericht.

Genua, 10. Mai.

Berichte aus Delegiertenkreisen besagen, daß die russische Antwort die Kriegsschulden und die Bor kriegsschulden anerkennt, aber jede fremde Schulden-Kontroll»Kom­mission ablehnt. In der Frage der Rück­gabe des privaten Eigentums knüpfe die rnffische Antwort an den Artikel 5 des ursprüng­lichen enMchen Memorandums an. dessen Ten­denz durch das Konferenz-Memorandum erledigt worden war. Rußland sei bereit, die Rückgabe des Privateigentums nur in der Form von G e - brauchSrechten durchzuführrn, lehne insbe- onderc die Rückgabe des rumänischen Gold­schatzes ab. Man vernimmt, daß die russischen Forderungen in vier Punkte formuliert sein sol­len: 1. Forderung nach Anerkennung der Sowjet-Regierung. 2. Zahlungsaufschub fit die Kriegs- und Borkriegsschulden. 3. Fest- itzung der Höhe der sofort erreichbaren Kre­dite, und 4. Regelung der Konzessionen.

hinter alldem verbirgt sich letzten Endes nichts anderes als das Feilschen von Geschäftsleuten, und dabei noch nicht einmal von solchen, die bei ihrer geschäftlichen Praxis den Grundsatz der Ehrlichkeit und Aufrichttgkeit zu beobachten ge­willt sind! Der Diplomatenkampf um das Pe­troleum ist nur dazu angetan, die Konferenz von Genua ihres Nimbus zu entkleiden, zum andern aber die Hoffnungen, daß nun endlich einnetter Geist" in der Welt Eingang und Herrschaft fände, herabzuschrauben.

HandelundMarkweil

Die Wirkung auf die Valuta.

Heber die Schwankungen de« deutsche» Außen. handel« und die damit verknüpfte Schwankung der Valuta wird in dem nachstehenden Auffatz anschanlich berichtet. Danach i« für die nächste» Monate keine Besserung der Mark zu erwarten.

Als im Dezember vorigen Jahres sich die Passivität der deutschen Handelsbilanz vorüber­gehend in ein aktives Stadium verwandelte, glaubten Opttmiften aus diesem bescheidenen Aktivum, das noch während der nächsten beiden Monate cm hielt, Schlüffe auf die beginnende Gesundung der deutschen Volkswirtschaft ziehen zu dürfen. Wer Einblick in den Ablauf der wirtschaftlichen Geschehnisse hatte, wie sie sich unter dem Zwang der deutschen Reparations- Verpflichtungen gestaltet haben, konnte diesen Optimismus nicht teilen. Die Tatsachen gaben dieser Auffassung Recht. Unsere Handelsbilanz, die vom Dezember bis zum Februar aftiv war, ist im März wieder passiv geworden, und alle Anzeichen beuten daraus hin, daß dieser Prozeß tn Zukunft Fortschritte machen wird. Wer diese für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft außerordentlich wichtigen Vorgänge richtig ver­stehe», will, wird guttun, einen Rückblick auf die Ergebnisse des deutschen Arrßenhanbcls

während der letzten Monate

zu werfen. Im August vorigen Jahres übertraf bet Wert der Einfuhr den der Ausfuhr um 2,7 Milliarden, im September um 3,1, im Oktober um 4,1 Milliarden Mark. Dann aber trat ein Umschwung ein. Im November belief sich der Einsuhrüberfchuß nur noch auf 366 Ml­lionen Mark, und im Dezember wurde aus der passiven eine aktive Handelsbilanz: Der West der Ausfuhr überwog den der Einfuhr um 766,2 im Januar 1922 um 1761 Millionen Mark im Februar um mehr als 2500 Mllionen Mark. So erfreulich an sich die Ergebnisse dieser drei Monate waren, so begründet die Genugtuung über die vorübergehende Stabiliflerung bez Markkurses war (der Dollar verharrte auf 190 bis 200), so sehr mindert doch die Erkenntnis der wirklichen Ursachen alle an diese Vorgänge geknüpften Hoffnungen auf ein Minimum herab. Denn die Aktivität jener drei Monate konnte nur mit einer außerordentlich starken Ein' schränkung unserer Einfuhr von

Rohstoffen und Lebensrnitteln erkauft werden, einer Einschränkung, die einet gefährlichen Erschöpfung unserer RMtoffvor- räte im Effekt gleichsam und die ProvnMons- fähigkeit der deutschen Industrie bereits zu lähmen begann. Im Februar und März sah man sich gezwungen, die leer gewordenen Läger wieder aufzufüllen. Auch die Einfuhr von Nah- rungs- und Genußmitteln, die im Februar 1922 gegenüber dem Dezember vorigen Jahres um fast 1 Million Doppelzentner zurückgegangen war, fft leider nicht auf dieser niebrtgen Höhe zu halten, so sehr bieg angesichts be8 schlechten StanbeS unserer Währung wünschenswert wä­re. ES war nicht bamit zu rechnen, daß wir in den folgenden Monaten mit einer gleich geringen Rahrimgsmitteleiyfubr auskommen könnten.

Rußlands Antwort.

Tschitscherin gibt ergänzende Erklärungen. (Eigener Drahtbericht.

Genua, 10. Mai.

Tschitscherin hat gestern abend schon einige Erklärungen abgegeben über die russische Ant­wort auf das Memorandum der Alliierten. Er hat M. a erklärt, daß Rußland sich auf taktischen Boden stelle und die französische Forderung we­der annehmen noch zurückweisen will. Er be­merkte ferner: Mr find hier nicht auf dem Kriegsschauplätze, wo eine Beendigung der Schlacht »orgeschriebe» wird, wir sind hier, um zu beraten. Es sei nicht ausgeschlossen, daß Rußland auch mit den anderen Äaaten, die das Memorandum nicht nnnehmrn wollen, eine Ver­ständigung Herstellen könne, also mit Frankreich und Belgien. Er sagte weiter, man müsse die Konserenz nicht zu einer Maschine machen, die die vorgeschriebenen Bewegungen leisten müsse. Alle Mißten die internationalen Fragen mit dem Geiste der Verständigung betrachten. Er schloß: Wir sind nach Genua gekommen, um die Beftie- biguug unserer Völker zu suchen.

wird hinter der Fassade des Wiederaufbaus Rußlands und seiner Einrangierung in den weltwirtschaftlichen Organismus gerungen. Die Gegnerschaft, die gegen Barthou wegen seiner mit Vorbehalten versehenen Zustimmung zu den Richtlinien für das Ruffenabkommen in Paris entstand, gründete sich auf dem Vorwurf, daß er nicht gemerkt habe, daß die Engländer mit den Russen wegen des Besitzes der Petroleum- Qeullen gemeinsame Sache machten. Man hielt Barchou den Mangel an Informationen vor, und verwies auf die Belgier, die dank fol- cher Unterrichtung sehr wohl gewußt hätten, was sie taten, als sie sich gegen die Fassung der Enffchädigungsformel wandten. Die Franzosen hüben überdies die Engländer in Verbackt, baß fie hinter dem Rücken der Franzosen Ab­machungen mit den Russen wegen des Petro­leums treffen, und die Russen wiederum tun nicht nur nichts um diese Gerüchte zu entkräften, sondern sie haben ein Interesse daran, daß sie verbreitet werden, bamit sie wieder ein Druck­mittel gegen bie Franzosen in ble Hand bekom­men. Die Gerüchte aber brachten hinwiederum bie amerikanische Regierung aufs diploma- tische Kampffeld, bie naturgemäß bie stärkste Be­drohung ihrer Petroleum- und Oel-Jntereffen befürchten müssen, wenn die Engländer mit den Ruffen in dieser Frage ins Reine kämen. Die amerikanische Regierung hat sich durch ihren rö­mischen Botschafter, wie durch den Genueser Beobachter* an die KonferenAeitung von Ge­nua gewandt mit dem Ersuchen, ihr mitzuleilrn, ob diese Gerückte den Taffachen entsprechen. Sie hat hinzugefügt, daß auch nur die Besprechung solcher Pläne zwischen den Engländern und Russen der amerikanischen Regieruna Anlaß zum Pretest geben würden.

Daraufhin hat sich die englische Regierung be­eilt. zu erklären, baß sie keinen Oel- und Vetro- leumtoertraa mit ber Sowietreaiernng abgeschlos­sen habe oder abzuschließen gedenke. Von der englisch^Regierung* hat das ja auch nie­mand behauptet. Indessen ist die Sowjetre- gierung. wie aar nicht bestritten werden kann, in offizielle Verhandlungen mit englischen Fir­men einqefreten. hinter denen. Wie man weiß, bie englische Regierung steht. Diese SAzze zeiat, wie nüchtern und materiell gewisse diplomatische Dinge sich ansehen, wenn man nur einmal hinter sie leuchtet Da vergießt man Krokodilsttänen

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Vie nüchste Goldrute Ist gesichert.

Berlin, io. Mai. (Privatelegramm.) Wie in Finanzkreisen verlautet, wird die von Deutsch-' land bis zum 15. Mai zu zahlende Reparattons- rate in Höhe von fünfzig Millionen Goldmark zu dcm genannten Termin abgeführt werden. Bezüglich der bevorstehenden Verhandlungen des Reichsfinanzministers Dr. Hermes mit der Rc- parationskommission wird berichtet, daß btnb sicht'gt ist, anläßlich dieser Beratungen alle mit der Reparation zusammenhängenden Fragen, also auch die der Besatzungskosten und der Hei nen Sonderabkommen zur Erörterung zu stellen.

Lleörrreichung und Veröffentlichung.

Berlin, 10. Mai (Privattelegramm.) Laut Lokalanzeiger wird die Antwortnote der Reichs- regicrung an die ReparatisnSkommisffon im Laufe des heutigen Tages in Paris überreicht werden. Nach diplomatischen Gepflogenheiten ist damit zu rechnen, daß die Note gleichzeittg mit der Ueberreichung veröffentlicht wird,