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Hessische Abendzeitung

Nummer 119

Dienstag, 23. Mai 1922,

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Wiedergutmachung und Anleihefragen

Gin Rückblick

(Eigener Drahtbericht.

mal unserer Zeit.

K. F. Dr.

Die ersten Besprechungen.

Nachklänge von Genua.

Englische Kritik am Konferenz-Ergebnis.

kierskomitees, das vsn btt Reparations- komurisfion beauftragt ist, bis Frage bet inter- uationalen Finanzregelung zu prüfen, fortgesetzt.

9nfetttonS»rrtfe a) Einhetmisch« aufträge: Die etnfpotttge älnjelaenjeUe M. 3., Die einspaltige «eUamezrile M. b) ZuSroätttge «ufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 3., die einspaltige Reklame;eile M. 8, alles einschlietzli-h Deuerungszuschlag und Anzeigensteuer. Für anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegebene« Anzeigen, sowie für Ausnahme» baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht. Hofstrabe 38/36. Geschäftsstelle: Kölnische Straße ö, Telephon Nummer »51 und 95»

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In Kreisen, die der Reparationskommiffion nahestchen, nimmt man an, daß der deutsche Rrichsfinanzminjster der ReparationSkommis- ion in den nächsten Tagen neue Vorschläge «n terbreiten wird, die ein« Grundlage z« aus ichtsreichen Verhandlungen mit der Repara- ttonSkommisiion bilden können. Unter diesen Vorschlägen befindet fich auch ei« praktischer Vorschlag über ausreichende Garantien ür die Begebung einer internationalen Anleihe bei der die deutsche Industrie mit ihre« Werten eine hervorragende Rolle spielen soll.

internationale Anleihe.

Ma« erwartet neue deutsche Vorschläge.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 22. Mai.

nächste Folge der Genueser Woche« eine günstige Beendigung der Reparationsprobleme. Es scheint, daß Lloyd George eine Anleihe befürworten wolle, und auch Italien teile den englischen Standpunkt vollkommen. Dann sei die Gefahr, die nach deut 31. Mai auftreteu könnte, für Deutschland abgewendet.

nate zusammengeschmolzen. An eine Lösung der wirtschaftlichen Fragen ist überhaupt noch nicht zu denken, weil zu viele Gegensätze unld Schwierigkeiten bestehen. Es zeigt sich hier­bei, daß es saft unmöglich ist, viele Staaten au gemeinsame wirtschaftliche Thesen festzulegen Was aber soll daraus werden? Nur eine Rege- lung der internationalen Verschuldung bietet die Möglichkeit, zu erträglichen und schließlich nor­malen Verhältnissen zurückzukehren. Aber das geht nicht ohne Amerika. Ende Juni soll ja im Haag auch Mer diese Frage gesprochen werden, aber Amerika hat zunächst einmal abgelehnt .Indessen verlautet aus Delegiertenkreisen, daß Amerika vielleicht doch auf der Konferenz vertre­ten sein werde. Die Ungewißheit ist da? Merk-

SkledNcYe Worte L!o«d George«.

London, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Lloyd George erklärte gestern in einer Un­terredung mit dem Korrespondenten des »Daily Expreß", das wichfigste Ergebnis der Konferenz von Genua sei das Zusammenarbeiten Groß­britanniens und Italiens an dem Wie­deraufbau der Wett. Ein Urteil über die Kon­ferenz könne man erst dann fällen, wenn man die ungeheuren Schwierigkeiten genau abgewo. gen habe. Daun käme man zu dem Schluß, daß sie bedeuttmgsvoll und ermutigend fei. (?) Zum ersten Male in der Geschichte sei ein wirk­licher Friedensvertrag mit Osteuropa zustande- gekommen. (Der deutsch-russische Vertrag re auch ohne Genua abgeschlossen worden. D. R.) Diejenige», di« bie Gefahren des europäischen Pulverfasses vor Auge» haben, wußten auch den Abschluß des Friedcnsvertrages richtig einzuschätzen. Er alaitbe, daß der Geist des Frie­dens sich immer siegreicher behaupte, nachdem daS Gebell der KriegShnnde in Europa zum Schweigen gebracht worden sei. Auf die Frage nach der Beziehung Gro ßbritanniens zu Frankreich, erwiderte Loyd George, daß fetzt nicht der Augenblick sei, um über diese Angele^nheit zu sprechen. (*>

Die Konferenz-Entwicklung in Genua.

Die Gentleser Konferenz hat man als Wirt- schastskonserenz bezeichnet. Sie war von Eng­land als notwendig erachtet worden, weil die immer größer werdende ProduktionslosigLeit elf Millionen Arbeitslose geschaffen hatte. England muß darunter empfindlich leiden. Nur durch drastische Maßnahmen war es England möglich, seine Valuta aus einer gewissen Höhe zu halten, während in Deutschlalüd die Mark immer tiefer sank. Dadurch erhielt Deutschland zwar Aufträge vom Ausland«, wodurch es noch ver- hültnisnläßig gut beschäftigt ist, aber es bedeu­tet eine Konttirrenz für England. Außerdem i Deutschland ein schlechter Käufer, weil die Kauf­kraft dahinschwand. So entstand für England eine kritische Lage, die die Veranlassung zur Einberufung der Konferenz in Genua wurde England hat offenbar ein Interesse an einer höhe­ren deutschen Valuta und an Deutschlands grö­ßerer Kauflcast. Auch Frankreich ist in einer schlechten Lage infolge seiner Verschuldung. Wer seine Hoffnungen ruhen auf dem Versailler Ver­trag, auf den von Deutschland erwarteten Re­parationsgeldern. Das sind Gegensätze zwi­schen England und Frankreich, die die Genueser Konferenz völlig beherrscht haben Trotz der Gegensätze hat Lloyd George wahr­scheinlich nidft die Absicht, die Entente deshalb zu sprengen. Der englische Wirtschaftspolitiker Keynes sagt unter anderem über Lloyd George, dieser suche jetzt die schlimmen Folgen des Ver­sailler Vertrages, seines eigenen Werkes, abzu wenden, soweit er dazu imstande sei. Lwtzd Ge­orge schmeichelte der Masse des englischen Volkes durch scharfe Forderungen an Deutschland, an deren Erfüllung er selbst nicht glaubte. Aus die­sen Widersprüchen bemühte er fich ht Genua herauszukommen.

Den Hauptinhalt der Konferenz bildete aber die russische Frage, weil Frankreich die Er­örterung der deutschen Frage hintertrieben hat. Das von Lloyd George veranlaßte Londoner «Memorandum an Rußland vom Mürz dieses Jahres, das im Geiste des Versailler Vertrages abgofaßt war, war tm Grunde nur eine Leim­rute, mit der Frankreich für Genua eingefangen werden sollte, das sich vorher auch gegen Ver­handlungen mit Rußland gesträubt hatte. Ge­orges Absicht ist, ein internationales Fi­nanzkonsortium zu bilden zur Hilfelei­stung für Rußland, aber es ist ihm klar, daß Rußlands wirklicher Aufbau nur durch Deutschland erfolgen kann. Deshalb mußte man Deutschland mich als gleichberechtigt auf der Konferenz behandeln. Das Londoner Memoran­dum wurde natürlich nicht anerkannt von Ruß­land. Die Konferenz, die sich dann weiter damv beschäftigte, wurde nichts anderes als eine Gläu­bigerversammlung. Daher die Empörung der Russen, die nach Genua gekommen waren in der Erwartung, Hilfe zu erhalten. Rach vielen Ein- zelverhandlungen in Unterkommissionen wurden neue Richtlinien aufgestellt. Aber Deutsch land wurde dabei nicht gefragt. Wie der deutsche Wirtschaftssachverständige, Herr v. Raumer, der aus Genua zurückgekehrt ist, in diesen Tagen aus der Außenpolitischen Woche in Goslar mitgeteilt ! hat, protestierten unsere Delegierten, woraus sie I die Antwort erhielten, sie sollten die Vertretung ihrer Interessen suchen, wo sie sie fänden. Die i Versuche der Alliierten mit den Russen schlüget > gleich in der ersten Woche fehl. Dafür schlossen ; die Russen in Rapallo den Vertrag mtt 1 der deutschen Delegation ab. Der Vertrag der vorher schon in Berlin vorbereitet worden war, wurde mit Rücksicht auf die Konferenz nicht schon früher abgeschlossen. Nun aber hielt Dr

Frankreichs Befetzungsabfichtrn.

Paris, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Zu den Erklärungen Chamberlains im englischen Unterhaus, daß Frankreich fich nach der Beset­zung Frankfurts verpflichtet habe, nur noch im Einverständnis mit seinen Alliierten weitere Be­setzungen deutschen Gebiets vorzunehmrn, wird heute in Paris offiziell erNärt, daß diese Auffas­sung des englischen Ministeriums nicht richtig sei. Frankfurt sei damals wegen Verletzung der militärischen Friedensbestimmungen besetzt wor­den, und hierfür sei im Wiederholungsfälle eine vorherige Verständigung mit den Alliierten not­wendig. Bei der Reparationsfrage handle es sich aber um eine wirtschaftliche Angelegen­heit und in diesem Falle könne Frankreich auch akleinvorgehen. Frankreich werde sich die- cS Recht auch nicht nehmen lassen.

Abwendung der Sefadr?

Berlin, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Nach einem Bericht derNationalrettnng" er­wartet man in deutschen Konferenz-Kreise« als

Um die Wiedergutmachung

Eine vernünftige englisch« Stimme.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 22. Mai.

Der Führer der englische« liberale« Oppo­sition hat in einer Rede in Blackpool neue Vorschläge gemacht, wie nach seiner Ansicht die Reparationsfrage zu lösen wäre. Er führte aus, daß Frankreich und England gegenüber Deutschland nichtmehrverlangen können, als Deutsckfland imstande ist zu leisten. Die französisch englische Freundschaft hänge aber von einer unmittelbaren und endgültigen Lösung der Reparationsfrage ab. Deshalb schlage er vor: 1. daß man die deutschen Gefamtschullve« herab- setze und daß man genau die Verluste und die durch den Krieg verursachten Schäden sestsetze; 2. daß man Deutschland Zahlungsbedingungen ge­währe, die es, ohne seinen Handel oded den der anderen Rationen zu schädigen, ousführen kann; 3. daß man Deutschland Bedingungen stellt, die ihm ermögliche«, eine internationale Anleihe auf­zunehmen; 4. daß England zugunsten Frank­reichs und Belgiens auf feine Reparations- ansvrüche verzichtet und daß eS auch die franzö­sischen und belgischen Kriegsschulden annulliert.

Rarhcr.au die Gelegenheit für gekommen, mtt den Russen zu unterzeichnen, was zuSeich dem Ein- sprach des deutschen Bottes gegen den Versailler Vertrag Ausdruck gab. Bezeichnend war es aus der Konferenz, wie Herr v. Raumer mitteilte, daß die Alliierten noch Abschluß des Rapallo- Vertrages unfreundlich gegen unsere Vertreter wurden. Doch nur vorübergehend. Plötzlich kam es ihnen in Erinnerung, daß DeuttzMand und Rußland wieder Machtsicktoren sind, auf die sie Rücksicht nehmen müssen. Nur Frankreich ist noch mißgestimmt.. Unser Verhältnis zu den Russen muß seine Wirkung auch auf die Beziehungen der russischen Nandstaaten und der Tsci>echo-Slo- wakei zu uns ausüben. Desgleichen auf die En­tente. Der Vertrag ist für die Zukunft, wie man annehmen darf, bedeutungsvoll, wenngleich wir in der Gegenwart noch nicht viel davon spü­ren. In Genua herrschte der Eindruck vor, daß die Russen endlich auf dem Standpunkte ange­kommen sind, den Wiederaufbau zu beginnen Bo« einem Militärbündnis ist nicht die Rede. Es ist interessant zu sehen, wie die Sowjetregierung sich bemüht, z« alten Grundsätzen zurückzukehren und dafür nach einer Formel sucht.

Wie die Konferenz in Genua in der russische-., Frage kein Ergebnis erreicht hat. so ist auch aus derxreitßa Dei* nichts geworden. Der geplante zehnjährige Gottesfriede ist aus acht Mo-

33eratungen der Mnonzregeiung.

Paris, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Verhandlungen zwischen Dr. Hermes und der ReparationSkonnnission dauern fort. Die De­legierten Frankreichs. Englands. Italiens. Bel­giens und Jovans in der Reporationskommission sind gestern zusammrngetrctcn, um einen Mei- nungsaustaufch über die Eindrücke herbei­zuführen, die sie aus den Verhandlungen in Ge- nua gewonnen haben, und über die in diesen Verhandlungen erzielten Ergebnisse eine« Ueber- blick zu gewinnen. Wie derTempS" mitteilt, sind die Beratungen noch ju keinem defini­tiven Ergebnis gelangt, sie werden jedoch gleich­zeitig mit der Sitzung des internationalen Ban-

denn die meisten Plakate mit den Widern Ti« chons wurden von den Mauern herabgerissen. Trotz des hervorgerufenen Unwillens sind die Bolschewisten doch nicht entmutigt und entnehme« den Kirchen, was sie für angemessen finden. Frei­lich gehen sie noch etwas schüchtern vor und er­zählen öffentlich, daß sie sich nur auf wenige Werte beschränkt hätten, ebenso erklären sie, daß es keinerlei Zwischenfälle doste! gegeben hätte. Diese Behauptungen widerfprechen jedoch der Wahrheit, denn an verschiedenen Stellen sind die Agenten der Regierung von dem wütenden Volke vertriehen worden, und in Iwanowo mußten Maschinengewehrs aufgefahren werden, nm die Kirche zuentsetzen-. Infolge dieser Vor­fälle sind die Bolschewisten vielfach noch vorflch- ttger geworden. So kündigte man vor einigen Tagen an, daß in Moskau Einbrecher die ibe­rische Kapelle hcimgesucht hätten^ in der sich be­kanntlich das berühmtteste Muttergotttesbild von Moskau befindet, eine Reproduktion der heifigett Jungfrau aus dem Kloster vom Berge Atbos vom Jahre 1648, dem Zaren Alexis Michajlo­witsch als Geschenk angebotcn. Diese Heine und wenig ansehnliche Kapelle barg für mehr als fünf Millionen Gold rubel Werte, Kleinodien und

London, 22. Mai.

Der von den polittsche« Freunden Lloyd Georges im Unterhaus erlassene Aufruf für einen feierlichen Empfang des Premiers am Bahnhof hat nicht die Znstimmtmg aller Parla­mentsmitglieder gefunden. Der konservative Abgeordnete Shee hat am Sonnabend einen ab­weisenden Antwortbrief an das Organisations- komitee gerichtet, in dem er seine Haltung damit begründet, daß die Konferenz von Genna einen jämmerlichen Mißerfolg darstellt, der wirklich keinen triumphartigen Empfang recht- fertige. Der Abgeordnete führt aus, das einzige Ergebnis wäre, daß die englisch-ftanzöfischen Beziehungen sehr gelitten hätten, daß man in Frankreich gegen Großbritannien eine starke Mißstmimung erzielt habe, daß Dentschland in dem Glauben an interalliierte Konflikte bekräs tiflt wurde und daß schließlich die Russen in ihrer unverschämten Haftung (!) gegenüber den Mächten der ziviftfierten Wett noch ermutigt wurden, wie ihr dauernder Widerstand beweise.

Rußlands Kirchen.

t Der Kamps um die Kirchenschätze.

6» ist fett einiger Zeit bekannt, datz die Sei

fkdewiften, da die »osyandenen Werte immer ge > ringer werden, die Kirwenschiitze vej-hlagn-, innen

nnd dabei ans Widerstand im Volke stoßen

Der Moskauer Korrespondent des Pariser Iiournal" berichtet interessante Einzelheiten über den Kampf, den die Volschewisten mit den brei­ten WoWmassen um den Besitz der ruMchen Kir- ckenschätze zu führen haben. Ehe sie die Hand ans die Kostbarkeiten in den Kirchen legten, such­ten sie das Publikum durch allerhand Maßnah­men vorzuberciten. Seit Januar brachten ihre 1 Zeitungen Ausrufe zur Hilfefür die Notleiden. ' den in den Hungergebietcm", in denen der Re- i Gierung geraten wurde, zur Linderung des Elends die reichen Kirchenfchätze mit Be- . schlag zu belegen. Alle großen Kirchenfürsten wurden daraufhin in dringendster Form von der Regierung um ihre Unterstützung ersucht. Einige ' von ihnen, die sich dieser verschleierten Nationalt- t sierung widersetzten, wurden bedroht. Der Pag i ttiarch von Moskau, Tichon, das Haupt der russischen Kirche, war die Seele des Wider- , standes, und erst nach langen Unterhandlung , gen mit den Leuten der Regierung war er damit ' einverstanden, seinen Geistlichen anzuempfehlen, ' die für den Gottesdienst weniger notwendiaeu 1 Gegenstände zugunsten der Hungernden anSzulie- ! fern, insbesondere Ketten, Armbänder, Ringe, i Oorringe und anderen Schmuck, der die Heiligen- bilder zierte. Aber die Bolschewisten waren mit . diesem Zugeständnis noch nicht zufrieden; sie ' wollten alle in den Kirchen verborgenen Werte, : und als sie überzeugt waren, daß sie nicht frei­willig in den Besitz gelangen würden, erließen sie eine Verordnung, ht der auf die bevorstehende

Konfiskation der Kirchengüter

zugunsten der Hungernden^ hingewieseu wurde. Sofort brachte Tichon einen Protest heraus, der folgenden Wortlaut hatte:Mr können nicht zulassen, daß selbst auf dem Wege der frefarili ligen Schenkung die Regierung ihre Hand auf heilige Gegenstände legt, deren Verwendung für andere Zwecke ccks solche geistlicher Uebung durch die Dogmen der Kirche verboten und von chr als Kirchenraub betrachtet wird. Ein der­artiger Akt hätte die Exkommunikation der Gläu­bigen zur Folge und würde dazu zwingen, die Priester, die solches zugüben, aus der Kirche aus- zusto-ßen. In Ergebenheit: Tichon.* Die Bol­schewisten bemühten sich, den peinlichen Ein- druck dieses Protestes durch allerlei aufrei- zendePlakate abzuschwächen, in denen bald die Rot der Hungernden in krassen Farben ge­zeigt wurde, bald wieder die Unmengen der für die Kirche überflüssigen Schätze, die in jeder Kirche ein Gewicht von sechzehn bis fünfzig Kilo hat-' ten und zu deren Abtransport im ganzen ein Eifenbahnzug von zwölf Kilometer Lange erfor­derlich wäre. Demgegenüber totirbe bargcleqt was für solche Schätze alles für das Volk geleistet werden könnte. Nicht nur den Hungertüten könnt« ausreichende Hilfe werden, es könnten auch alle Bauern mit landwirtschaftlichen Mafchinen. Aus­saat uftv. versorgt werden. Eins der wirkungs­vollsten Plakate wär aber eines, aus dem die eine Seite eine vor Hunger sterbende Familie zeigte, während man auf der anderen den Erz-, bifchof Tichon seh m konnte, wie er, an den Fin- gcrn dtckr, brMa.ttengeschmückte Ring» und mit äußerst zufriedenem Gesicht, zwischen den aufge­stapelten Schätzen der Kirche spazieren geht. Da­zwischen war eine Forderung von Bauern tote, dergegeben, in der die Konfiskation der Kirchen- guter gefordert und gegen Tichon protestiert wird. Trotzdem ist der gewünschte

Erfolg dieser Propaganda ausgebftcben,

Die Ankunft in Berlin.

Empfang der deutschen Genua-Delegierte«. (Privatz-Telegramm.)

Berlin, 22. Mai.

Während die Ankunft der deutschen Vertreter aus Genua ursprünglich auf Sonntag nachmittag fünf Uhr angesetzt worden war. ist der Sonder­zug, der den Retz der Delegatton und ihres Sta- teS nach Deutschland zurückbrachte, bereits 2 Uhr 20 Min. auf dem Anhalter Bahnhof eingelaufen. Er brachte außer dem Reichskanzler Dr. Wirth ittib ben Ministern Rathrnau und Schmidt auch olle anderen bis zuletzt in Genua verbliebenen Konferenzteilnehmer nach der Heimat zurück. Auf ein kurz vor Ankunft des Zuges eingetrsfienes Telephongespräch begaben fich die Kabinettskot- legen zum Empfang auf ben Bahnsteig. Man sah unter anbetem Vie Minister Dr. Kötzer unb Grü­ner, ferner Staaaissekretär von Haniel unb die Herren der Reichskanzlei. Rach einer auf dem Bahntzeig ftattqefunbcnen kurzen Begrüßung be­gaben fich die Herren sofort $ur Reichskanzlei.

Bertins 22. Mai. (Privattelegramm.) Für beute früh häDelf Uhr haben die meisten Frak­tionen des Reichstags Sitzungen einberufen, um sich mit der in Genna geschaUenen Lage zu be­fassen. Die Informierung der Parteifiihrer durch den Reichskanzler erfolgt erst heute nachmittag im Anschluß an eine für elf Uhr einberufene Sitzung des Reichskabinetts. Bereits gestern abend hatte eine Besprechung des Reichskanzlers und der Minister Rachenau und Schmidt beim

en?eILj^t?e-e^Ln^en" hierauf Edelsteine. Banditen haben alles geraubt. In begab sich Relchskanzler Wirth tu den Reichstag. Moskau glaubt das über kein Mensch, vielmehr

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