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Nummer 120

Mittwoch, 24. Mai 1922.

12. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Verhandlung um Deutschlands Zahlungen

(Privat-Telegramm.)

gnferttonSgretle) «tnfjelmUtS« Suftrdgt: Die etnfpafttg« &uetgtnjetie «. s. »U rinfoaltts« «etlamejetl« M. ö) »mroärttg« Auftrag-: Die An^igen,-«-

M. Me einfpalttßi Setlam^etle M. 8, aHel «nschUstzltch LaurungS,uschlag und antttgenfltttet. Für Anzeigen mit befonött« lchrvierigem Sa, »ändert Prozent Aufschtag. Kür die SUetigtett aller durch . ernsyrecher aufgegebenta Anzeigen, lomi« für Aufnahme- baten und Plätze kann eine <1 ernähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- doMratz« anjsa. aeichäftrftclle: Kölnische Straße 6. Lelephon Summet toi und toll

Fmanzregelungs-Möne.

Eine amerikanische Miüiardenauleihe.

(Eigene Drahimeldung.)

England« Gtellungnahme.

London, 28. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Im Unterhaus gab gestern Chamberlain die Erklärung ab, daß die Aussprache über die Kon­ferenz von Genua am Donnerstag stattfinde. Ein Blaubuch über dir Genueser Berhandlnnge» sei bereits in der Drucklegung.

Die Deutsche Bolkspartei und die Deuts chnatio na len werden zwar den Zett- pnntt des BertragSabschluffes als eine politische Tat begrüßen, jedoch einzelne Bestimmungen, so den Verzicht auf die Entschädigung für die sozia­lisierten Betriebe in Rußland. bemängeln: im übrigen werden sie an der späteren Haltung der

Aus dem Reichskabinett.

Dringliche Nspaeationsfraqsn und Genua.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 23. Mai.

Di» «altem ileuefien Utadjrtdten en 4 ein en wöchentlich lechlmat und «wat ad 8, de Der Adonnemenirpreis dertügt monatlich 12. Mar' bei freier rfufteHung m» ©aus. Au«. ®ätt« durch die vofi bezogen 12. Matt monatlich etnfchließltch SufteOung. Beft-llunge» Werder tederzzu eon bei H-Ichäfttftelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, «etlu» an» iHtoattton SchtachtdotNratze 28/30. Am Iwo erlangt etngefanBte Beiträge tann OK RebaMo» eine tietantmottung eher Gewähr w keinem Falle übernehm en. >>iuckzablimg beS Bezugagelde« ober Anlvrüche wegen etwaiger nicht otbnungtatätiger Lieferung auSgelLlosirn.

Nach der Genua-Konferenz.

Line hoffrrungssoLe Stimme.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 23. Mai.

Im Berliner Tageblatt schreibt der ehemalige italienische Ministerpräsident Nitti in einem Artikel über die Konferenz von Genua unter an­derem: Amerika war nicht in Genua, aber es hat aus den Berichten über die Erörterungen der Konferenz verstanden, aus welcher Seite die Feinde des Friedens stehen, und es hak verstan­den, wo der Geist der Demokratie und wo der Geist der Gewalt zu suchen ist. Ich bin sicher, wenn auch die sosorttgen praktischen Ergebnisse der Konferenz reckst bescheiden genannt werden müssen, so wird doch das allgemeine Ergebnis für die europäische Politik und für die Politik der Welt sehr bedeutend fein.

Die Stellung der Parteien zu den Ergebnissen der Konferenz in Genua ist im allgemeinen klar. Die Kommunisten werden den Vertrag von Rapallo billigen, im übrigen aber insofern Kritik an der dcurschen De­legation üben, alS diese ihrer Auffassung nach die russische Delegation nicht energisch genug un­terstützt hat. Die Unabhängigen werden heftige Kritik an dem Zeitpunkt deS Abschlusses deS deutsch-russischen Vertrages üben, da nach ihrer Meinung der gewählte Zeitpunkt eine Pro­vokation gegenüber der Entente war und den ganzen politischen Erfolg der Genueser Konferenz vernichtet hat. Auch die sozialdemokra­tische Fraktion wird mit ihrer Kritik an dem Zeitpunkt des BertragSabschluffes nicht zurück- halten, während Demokraten und Zen- t r u m im wesenttichen mit der Haltung der De­legation in Genua rinverstmÄen sein werden.

Deutschlands Zahlungen.

Hm die Hermesschen Vorschläge.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 23. Mai.

Jntransigeant" verbreitete gestern abend die «mssehenerregende Mitteilung, es scheine festzu­stehen, daß die Vorschläge, die Dr. Hermes biß jetzt gemacht hat, von der Reparationskommission mit gewissen Aenderungen als so zufrieden- stellend angesehen werden, daß HermeS seine ossiziellen Vorschläge unterbreiten könne. Dem­nach sei also die Gefahr von Sanktionen am 31. Mai als endgültig beseitigt anzusehen. Im Wi­derspruch dazu verbreiten die Morgenzeitungen sehr ungünstige Nachrichten über die Verhand­lungen der Reparationskommission mit Dr. Her­mes. DerMalin" schreibt, daß die Ableh- nung der jetzigen deutschen Vorschläge keinem Widerspruch mehr begegne, wenn Dr. HermeS Dienstag oder Mittwoch nicht wesentlich neue und weitergehende Zugeständnisse macht. Da dies nicht angenommen werden könne, so fei mit einem Abbruch der Verhandlungen zu rechnen.

।leien wird sich die Kritik jedoch in maßvollen Grenzen halten da niemand ein Interesse an einer KabinettArise hat. Die politische Situation des Kabinetts ist deshalb als durchaus gefestigt anznsehen, und irgend welche Krisen können in absehbarer Zeit kaum entstehen.

Das Reichskabinett wird, wie verlautet, heute mittag wieder zusammentreten, um die Fortset­zung der gestern infolge dringender Erörterun­gen über das Reparationsproblem unterbroche­nen Berichte des Kanzlers und Dr. Rathenaus über Genua entgegenzunehmen. Der auswärtige Ausschuß wird frühestens am Sonnabend Uipun- mentreten können. Die große politische Aus- sprache im Plenum des Reichstags beginnt nicht vor der nächsten Woche. Die gestrigen Verhand­lungen im Reichskabinett waren vertraulicher Natur. Eine parlamentarische Information aus L-kehrheitskreisen will wissen, daß das Kabinett noch gestern abend neue Zugeständnisse an die Re- parationskounnission telegraphisch an Dr. Her­mes nach Paris übermittelt hat.

Die politische Lage.

Haltung des Kabinetts und der Parteien,

loren. Das mag eine vorübergehende Tatsache sein, aber wer die amerikanische Politik verfolgt, ktmmt zu der Ueberzeugung, daß Amerika beut- l-ch das Bestreben zeigt, sich von Europa loszu­reißen und aus seinen Goldsacken ruhig zuzu- scheu, wie in Europa die Zustande sich verschlim­mern. Die Hoffnungen, die man an der Seine auf die Teilnahme Amerikas an der Haager Aus­sprache setzt, werden also wahrscheinlich sehr bald einer erheblichen Enttäuschung Platz machen. Ohne die amerikanischen Kredite kann weder die russische, noch überhaupt eine der zahl­reichen wirtschaftlichen Fragen der Welt gelöst werden. Die amerikanischen Kredite werden aber nur flüssig sein, wenn sich Europa in seiner Ge­samtheit zu der amerikanischen Auffassung von der Wiederherstellung der Weltwirtschaft bekennt, Das ist die Revision des Versailler Friedens- Vertrages! N. p. K.

Paris, 23. Mai.

Die PariserChirago Tribüne" teilt heute mit: Die Baukkonserenz beginnt am Vor­mittag des morgigen Mittwochs und wird über den Prospeft für eine Hundert-Millionen-Gold- Dollar-Anleihe eingehende Beratungen pflegen. Die Beratungen zwischen Dr. Hermes und der Reparationskommission werden unterbrochen. Sie werden erst wieder aufgenommen, wenn das Ergebnis der Bankkonferenz vorliegt. Morgan hat gestern den Vertreter derExchange-Agen- tut" empfangen. Er bezeichnete seine Reise nach Europa als durchaus privat, fügte aber hinzu, eS fei seine Aufgabe, die deutsche Schuld an die Alliierten so xu regeln, daß die Wiederaufnahme der Kreditzurückzahlung der Alliierten an Ame­rika erfolgen könne. Morgan erklärte weiter, daß er sich nur acht bis vierzehn Tage in Europa anffialten werde. Er »erbe dann sofort die Rück­reise nach Amerika antreten.

i DerXagdtkAnftagen Sturmsitzung der Stadtverordnete« r Presse, ; freiheit, Maifeier und Kredit der Stadt.

3« 6er gestrigen Statztv-rordnetensttznng stand der Magistrat der Stadt staffel auf die dctann. «»«Anfragen der bürgerlikvenffrattioae» unbeuf eine noch hinzugetomincnc Siede und Antwort.

Die Antworten, die der Magistrat erteilte, seien der Uebersicht halber vorweggenommen; ein Stimmungsbild der teilweise recht stürmischen Sitzung sei dann angekuüpft. In erster Linie gab der sozialdemokratische Beigeordnete Jor­dan folgende Erklärung zum

Zeitungsboykott

ab auf die Anfrage, die Rechtsanwalt Brill im Namen der Freien bürgerlichen Vereinigung gestellt hatte. Sie besagt im Wortlaut:

Der Magistrat ist nicht gewillt, die Pressefrei­heit, eines der wichtigsten Volksrechte, durch ir- gend welche Handlung zu beeinträchtigen; er ist aber auch nicht gewillt, sich selbst das ihm zulstehende Recht schmälern zu lassen, nach be­stem Ermessen zu bestimmen, in welchen Z et tun. gen städtische Anzeigen zu veröffentlichen sind. Ter Magistrat HAt Zeitungen, die, anstatt durch­aus erwünschte sachliche, seinethalben rücksichrs- loseste Kritik zu üben, sich fast ausschließlich in persönlichen Gehässigkeiten und Beschimpfungen städtischer Beamter gefallen, nicht für geeignete Organe zur Veröffentlichung amtlicher Inserate. Der Beschluß des Magistrats, den beiden epsten Beamten der Stadt das Recht einzurämmen, auf städtische Kosten Klage zu erheben gegen die Redaktion einer hiesigen Zeitung wegen Beles- digung, wurde in ausschließlicher Wahrnehmung städtischer Interessen gefaßt; denn nichts kann unsere Stadt in ihrem Ansehen und ihrem Kre­dit mehr schädigen, als die fortgesetzte persönlich« Beschimpfung feiner berufenen Vertreter. Der Beschluß des Magistrats wird deshalb nicht praktisch werden, weil sowohl der Oberbür­germeister wie auch der Bürgermeister die Erhebung von Anklagen wegen Beleidigung gegen daS in betracht kommende Blatt entschieden abgelehnt haben. Der Ma­gistrat ist aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen dazu gekommen, daS jeweils zu bestimmende Amtsblatt für zwei Jahre zu wählen. Die Veröftentlichung der amtlichen Anzeigen in zwei Blättern wurde beschlossen, um Beschwer­den von Gewerbetreibenden Rechnung zu tragen, die sich über die Bekanntmachung in nur einem Blatte beklagten. Eine Veröfsentli- chung in sämtlichen Blättern ist aus finanziellen Gründen unerwünscht und auch deshalb nicht notwendig, weil ein großer Teil der in Frage kommenden Bekanntmachungen stets für einen nur beschränkten Personenkreis Bedeutung ha­ben. Um dennoch den amtlichen Anzeigen mög­lichst weite Verbreitung zu sichern, hat der Ma­gistrat beschlossen, sie außer in dem jeweiligen Amtsblatt in einer weiteren Zeitung zu veröf­fentlichen, und zwar in der, die im Stadtbezirk die größte Verbreitung hat

Am 1. Mai.

Die von der demokratischen Fraftion und der Freien bürgerlichen Vereinigung gemeinsam ge. stellte Anfrage über die Schließung der städti- schen Dienststellen und Schulen am 1. Mai wur­de von Bürgermeister Brunner wie folgt be­antwortet: den Jahren 1919 und 1930 sind

die städtischen Dienststellen und die Schulen ohne weiteres am 1. Mai geschloffen Worben. Besol­dungen und Lohnbezüge liefen weiter, ohne daß ein Abzug stattgefunden hat. Im Jahre 1921 siel der 1. Mai auf einen Sonntag; besonderes ist deshalb nicht veranlaßt worden. In diesem Jahr war von den städtischen Arbeitern und Hilssangestellten die Freigabe des 1. Mai bean­tragt. Dem Magistrat war bekannt, daß nach Verfügungen de- Reichskabinetts und des Preu, ßischen MnisterriumS deS Innern Mr ihre Be­hörden unter Aufrechterhaltung des Dienftbe- triebe? weitgehende Beurlaubungen auf Einzel- anträge zugelassen werden sollten. In gleicher Weise zu versahren, erschien dem Magistrat nicht zweckmäßig, weil bei bet Beurlaubung einer größeren Zahl von städttschen Beamten der Be­trieb der Dietrststellen ernMck in Frag? gestellt war. Da eine ganze Maßnahme stets besser alS eine balde ist, die nur zu Unregelmäßigkeiten im Dienste führt, so beschloß der Magistrat, sämtli­che städtische Beamten, Angestellten und Arbei-

ter am 1. Mai dienstfrei zu machen. Zugleich aber sollte dieser Tag nach Verhandlung mit den Beamten. Angestellten und Arbeitern auf den jährlichen Erholungsurlaub angerechnet bezw. Lohn dafür nicht gezahlt werden. Die Arbeiter nnd Hilfsangestellten ha. ben dem Beschlich zugestimmt und sich damit einverstanden erklärt, daß der 1. Mai am Lohn bezw. Gehalt in Abzug gebracht wird. Bezüg- lich der Beamten sckweben noch Verbandlungen. Für die Schulew bedurfte es der Zustimmung bet staatlichen Schulaufsichtsbehörden. Diese Wurde erbeten. Inzwischen war aber die uri-

Mailand, 23. Mai.

Das Gerücht von dem Abschluß eines eng­lisch-italienischen Bündnisses will in Italien nicht verstummen. Sowohl in par­lamentarischen Kreisen, wie auch in der Presse beschäftigt man sich lebhaft mit dieser Angelegen­heit, deren Glaubwürdigkeit sogar von der Epoca angenommen wird, die zustimmende Kommen­tare an diesbezügliche Meldungen knüpft. Eng­land und Italien, so schreibt das Blatt, können gemeinsam daS europäische Gleichgewicht sichern. Auch in Parlamentarischen Kreisen wirb der an­gebliche Bündnisvertrag günstig ausgenommen und eine entschiedene Kursänderung im Sinne einer englisch-italienischen Politik befürwortet. Im Anschluß daran wird auch bereits von der Möglichkeit einer Rückkehr Rittis in He Regie­rung gesprochen.

Berlin, 23. Mai.

In der gestrigen Kabinettsttzung wurde nach einem Bortrage des Reichskanzlers Wirth und ergänzenden Ausführungen des Außenmini­sters Rathenau kurz die politische Lage durch­gesprochen. Zu einer endgültigen Beschlußfas­sung ist das Kabinett noch nicht gekommen. In­folgedessen steht auch noch nicht fest, wann die parlamentarischen Körperschaften sich mit Genua und dem Rapallo-Vertrage beschäftigen werden. Die Parteiführer werden wahrscheinlich frühe­stens heute nachmittag mit dem Kabinett ihre Borbefprechung abhalten. Der Auswärtige «us- chuß wird durch den stellvertretenden Vorsitzen­den Hermann Müller erst für Ende der Woche, Freitag oder Sonnabend, einberufen werden. DaS Plenum wird mit den großen politischen Fragen sich dementsprechend nicht vor Dienstag oder Mittpoch der kommenden Woche befassen.

erklärte, daß sich Frankreich an der neuen Kon­ferenz nurdann beteiligen Werde, Wenn es sich nicht um eine Fortsetzung von Genua, sondern um eine nichtbiplomatiiche Sachverstän- digen-Konserenz handle. Nachdem dieses Zugeständnis von Llotzd George gemacht Wor­den ist ein Zugeständnis, mit dem er seinen Mißerfolg in Genua mit eigener Person zu be­scheinigen von dem schlauen Poincars gezwun­gen worden ist, hat Frankreich sich zur Teil­nahme an der Haager Verhandlung be­reit erklärt, und man gibt am Quai d'Orsay zu verstehen, daß es unter diesen Bedingungen nichr unmöglich sein werde, nachträglich doch noch die Zustimmung Amerikas zu gewinnen. Gelingt dies in der Tat, dann ist PomcarSs Erfolg ein doppelter was von der allergrößten Bedeutung für die geistige Leitung der Haager Besprechun­gen Ware.

Diese Feststellungen sind besonders von In­teresse, Wenn man sich erinnert, unter Welchen Umständen Amerika der Völkertagung am Mittelmeer ferngeb-lieben War. Harbin« ließ eS damals nicht an Deutlichkeit fehlen. So lange, führte er etwa aus. die europäischen Staaten einen großen Teil ihres Staatshaushaltes für militärische Rüstungen verwenden, kann ange­sichts dieser beständigen militärischen Be­drohung von einem Wirklichen Frieden in Europa nicht die Rede sein, ebenso Wenig aber von einer Wiederherstellung der Wirtschaftskraft der einzelnen Länder. Niemand in der Welt verstand diese Aeußerungen damals in einem an­deren Sinne, als daß Frankreichs Mil'i- tarismuS gegeißelt würde, der schuld daran sei, wenn das Land übertriebene Forderungen an Deutschland stelle» müsse und der Kontinent nicht zur Ruh« komme. Dasselbe militärische Frankreich aber, das in dieser Weise von den amerikanischen Staatsmännern bloßgestellt Wor­ben ist, nimmt jetzt bas Zeugnis berfelben Staatsmänner Mr sich in Anspruch um die Rich­tigkeit der von ihm befolgten Politik darzutun Das eiicbetnt uns reichlich kühn. Zwar hat Frankreich die allergrößten Anstrengungen ae- macht, um die öffentliche Meinung in ® w e r ika die sich seit Washington von Frank­reich brüsk abgewarcht hatte, zu bearbeiten. Daß aber ein so starker Umschwung jenseits des Ozeans erfolgt sein sollte, daß man um der Rus­sen Willen auf die traditionellen Grundsätze der amerisimischen Politik verzichtet«, Wird man auch dann nicht annehmen dürfen,

Aus amerikanischen Finanzkreisen ertönt ja auch deutlich genug die Ablehnung. Morgan hat erklärt, die Vorbedingung Mr Amerikas Beteiligung sei die Revlsion der Verträge Amerika Wähnt die Zeit noch nicht gekommen. Europa zu helfen. Man übersieht, daß sich die ' Sage Amerikas in der letzten Zeit gewaltig ge- ; ändert hat. Die politische Einstellung kennzeich- . net im Auftrag des Harbinakreises Frank H. Si­monds in einem Washingtoner Telegramm des NeWvork Herald. Er schildert die Glcichaültigkeii Amerikas gegenüber Europa und sagt:Wir bal­len ben Verkehr mit den bolschewistischen Ver­tretern für unklug und erwarten daraus unange­nehme Folgen. Was zumeist besprochen Wird, sind die Versuche, von Amerika Anleihen zu ephalten. Es ist durchaus keine Stim­mung dafür vorhanden. Die amerikanische Re- gieruirg Wirb sich entschieden dem Versuch Wider­setzen, etwa Mr Deutschland eine Anleihe auf- zubringen. Das kann nur durch Privatbanken gescheben, und darauf ist wenig Aussicht. Der Fehlschlag in Genua überrascht in Amerika nickt, er wird aber endgültig jede Aussicht der Mit­arbeit Amerikas vernichten. Man ist brr Ansicht, Europa leide an einer Art Geistesstörung infolge des Krieges. BiS Europa eine andere Richtung rirrscklägt, Wirb man beiseite sieben."

Zum Verstäudnis dafür muß auf dir Ver­änderung der wirtschastlicken Lage Amerikas hingeWiesen Werben. Sir hat sich (genau Wie bie Englands, infolge Zurückbränguna des brutschen Wettbewerbesi in ben letzten Wochen sehr verändert. Die Zabl der Arbeits- lcsen in Amerika ist von drei Millionen auf vier­hunderttausend zurückgegangen, also aus einein­dustrielle Reservearmee", die Amerika stets ge­habt hat. Die amerikanisch« Industrie arbeitet nach den letzten Statistiken sünfundachtzia Prv- rent im Vergleich zur normalen Hohe, und "darum hat Amerika immer Weniger die europäischen Märfte nötig. Mit dürren Worten: Amerika ge-________________ ______ ... .............. ...

tr9»t sich selbst, hat das Interesse an Europa ver» Delegatton allerlei beanstanden. Bei allen Par-

Konferenz im Haag.

Die Haltung Amerikas.

Nach der Tragödie das Satyrspiel! Dor der Konfere« von Genua unüberbrückbarer Gegen- e zwischen der französischen und der amerikani- n Geistesverfassung; nach der mißlungenen Konferenzvollständige Uebereinstimmung in den politischen Ansichten von Paris und Washing­ton"! So sicht es in den französischen Blättern zu lesen, und die Welt mutz es glauben, nachdem H a r d i n g die Einladung nach dem Haag im selben Augenblick ablehnte, wo Poincars

England und Italien

Gerüchte von einem Bündnis.

(Eigene Drahtmeldung.)

Günstige Beurteilung.

Paris, 23. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Don unterrichteter italienischer Seite Wurde gestern er­klärt, datz die italienischen Delegierten im Re­parationsausschutz davon überzeugt sind, datz eine Einigung zwischen Deutschland und dem Ausschuß zustande kommen Wirb.

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